Ihr werdet meinen werbeblogger-Post ADC/DB: Fehlleistung aus Leidenschaft von Mitte April kennen. Nun ist die new business darüber gestolpert und rückt ihn in ihrer Printausgabe richtigerweise in einen größeren Zusammenhang:
"...radikal ist derzeit nicht angesagt: Die Konsensrepublik Deutschland macht auch vor den Kreativen nicht halt, was schon etwas nachdenklich stimmt".
In seinem Artikel "Gebt dem ADC Zucker!" ist Autor Torsten Schöwing hocherfreut über meine obige ADC-kritische Stellungnahme und sieht damit bereits einen Silberstreif am Horizont:
"Das sitzt! Verblüfft schrecken wir aus unserem Mittagsschläfchen auf.
Gibt es am Ende Hoffnung, dass in der Branche doch noch gestritten und gezofft werden kann?
Verwirrt, aber irgendwie von Vorfreude beschwingt verlassen wir das Rentnercafé ...".
Interessanterweise sahen Thomas und ich genau diese Grundeinstellung der Agenturen als äußerst problematisch für ihre eigene Entwicklung und die der Branche an: Stillstand, Konsens, Ausreißer werden abgestraft, mindestens mit Mißachtung - statt sie ernstzunehmen. Man bewegt sich nicht - aus Angst vor dem Kundenverlust. So aber kann man auch keine Kunden gewinnen!
Würden die Agenturen sich und ihre Branche einmal kritisch durchdenken, dann würden sie schnell auf den Gedanken kommen, daß jede einzelne Agentur "mehr als nur 'kreativ', 'flexibel', 'inhaber-geführt', 'Agentur kurzer Wege'" ist - davor aber schrecken sie zurück und vergraben sich stattdessen hyperaktiv im Tagesgeschäft.
Wie ernst - und diese Frage muß sich nahezu jede Agentur, die Branche und der ADC gefallen lassen - wie ernst soll ich eine Branche nehmen, die für ihre eigene Entwicklung keine Antwort hat, kein Ziel, keine Vision? Wie kann ich mich dort beraten lassen?
Wie soll ich die Zukunft meiner Marke in die Hände einer Agentur und Branche legen, die nichtmal über ihre eigene Zukunft nachdenkt? Die keine Antworten für die Probleme der Gegenwart hat? Keine Antworten auf die neue Individualität, Unabhängigkeit, Ungeduld der Menschen (außer natürlich: Facebook, Twitter, SEO, blablabla).
In die Hände einer Branche und Mitgliedern, bei denen sich nichts (aneinander) reibt, keine Wärme gar Hitze entsteht, es nicht funkt, keine Initialzündung den überfälligen Aufbruch einläutet.
Zusätzlich wird die Branche sediert durch einen Verein, der sich "Evolution statt Revolution" (lt. new business) auf die Fahne geschrieben hat - ohne das Folgende zu bedenken:
01 - Eine Evolution verläuft plan- und ziellos, sie strebt nur voran. Eine Evolution reagiert nur, stur vollzieht sie veränderte Umfeldbedingungen nach. Sie paßt sich an, ist passiv.
02 - Die Evolution an sich ist zu langsam für die aktuelle Branchensituation. Zeit haben die Agenturen wirklich keine.
03 - Eine Evolution macht sehr selten Sprünge. Für die Kreativität - und die Agenturen - in Deutschland jedoch sind aktive Sprünge notwendig, Breakthroughs, Paradigmenwechsel, Game Changer.
04 - Eine Evolution ist gesichtslos. Ohne Helden. Ohne Identifikationsfiguren. Ohne Inspiration. Ohne Hoffnung.
05 - Eine Revolution dagegen besitzt all das, was einer Evolution fehlt: Ein Vorbild, den Helden, die Avantgarde, die die Bresche schlägt. Das Ziel, die Vision, die Emotion, die Urgewalt. Die Geschwindigkeit, die Beschleunigung, den Schneeballeffekt. Die Sprunginnovation, die die Branche neue Horizonte entdecken läßt, neue Ufer, Goldküsten, Inhalte, Aufgaben, Lösungen.
Die Welt dreht sich immer schneller unter unseren Füßen - und Agenturen müssen dieser Geschwindigkeit noch voraus sein.
Das gelingt nicht mit Konsens, nicht mit Evolution, nicht mit dem alten Denken, das im Grunde jene Probleme lösen muß, die von diesem Denken erst erzeugt wurden (Einstein).
Das gelingt nicht mit alten Antworten auf die neuen Herausforderungen, wie ich auch in Die Sprachlosigkeit der Agenturen - am Beispiel JvM erläuterte.
Von daher hoffen wir natürlich mit Torsten Schöwing, daß die Agenturen, die Branche, der ADC sich reiben, sich wandeln, über sich selbst hinauswachsen werden - und wir ein wenig dazu beitragen können.
Mit Dank an new business, Michael König, hier der Artikel von Torsten Schöwing "Gebt dem ADC Zucker!" als .pdf!
(Mit Dank übrigens auch an Jakob Springer, der mich auf die nb hinwies.)