Einen sehr interessanten Case einer übertriebenen - und damit kontraproduktiven - Social Media Denke erleben wir soeben live im Rahmen des Slow Media Manifestes.
In 2009 war Social Media in aller Munde. Immer öfter hatte man den Eindruck, daß nichts anderes mehr zählte, galt, Sinn machte*. Entsprechend ist das Manifest formuliert. Es kreist um sich selbst, hadert mit dem Internet, bietet aber keine greifbare Alternative, verlängert Denken und Forderungen nicht in die reale Welt.
In der mediaclinique habe ich das Manifest bereits als "mit heißer Nadel gestrickt" bezeichnet. Das ist schade, denn denkt man die Idee weiter, schaut sich vor allem das Vorbild Slow Food (kompakt bei wikipedia) an, erkennt man das wahre Potential (das momentan leider komplett verschenkt wird).
Hier soll das Manifest allein als aktuelles Beispiel, als pars pro toto einer Philosophie gelten. Soll Analogie sein, Parabel zum besseren Verständnis - nicht Zentrum des Artikels sein.
Das Virtuelle im Realen
Das Manifest kann sich nur über den Brückenschlag zur realen Welt vervollkommnen - so wie eine Social Media Strategie, die den Sprung vom Netz auf den Boden der realen Welt schaffen muß.
Nahtlos müssen in beiden Fällen virtuelle und reale Welt miteinander verwoben sein. Wieviel imposanter wäre zB das Slow Media Manifest, würde es in Kooperation zB mit Leander Wattigs Aktion 'Ich mache was mit Büchern' Buchläden und Antiquariate selektieren, online empfehlen und offline mit einem Slow-Media/Ich-mache-was-mit-Büchern-Aufkleber auf der gläsernen Türe adeln?
Ein Blog ist keine Kampagne
Ein Blog allein oder ein Twitter-Account ist weder eine Social Media Kampagne, geschweige eine Strategie, noch abendfüllend genug, einen Konsumenten hinter dem Ofen hervorzulocken. Denn was ist nun der Nutzen, wenn ich ihn nicht online erleben (Engagement, digitale Nutzen und Werte) bzw. offline (analoge Nutzen, Lösungen und Werte) realisieren kann?
Worte alleine reichen nicht. Actions speak louder than words - womit ich auch nochmal auf die im mediaclinique-Artikel gezeigte Diskrepanz zwischen Oberfläche und immanenter Realität im Manifest hinweisen möchte.
Welche Schlüsse zieht das Manifest aus seinen eigenen Forderungen? ZB in Punkt 9? Bücher kaufen ja - aber bei Amazon?
Eine Kampagne ist keine Lösung
Die Zeiten der Kampagnen sind vorüber. Kampagnen sind (chronologisch) so 2009! Kampagnen sind (qualitativ) so promotion-/rabatt-/ramsch-artig!
Wir brauchen Orte, Themen und Gespräche. Wir brauchen Kontinuität, Nachhaltigkeit im Dialog. Kampagnen lösen nur ein Preisproblem. Gespräche aber können alle Probleme erkennen, verstehen, diskutieren, lösen. Gespräche sind Lösungen - sobald sie Handlungen generieren!
Der Kundenservice muß den Kunden in den Mittelpunkt stellen und nicht den eigenen Dienstschluß. Der Kundenservice muß die Marke leben. Promotions müssen sich um die Marke, nicht um den Preis drehen. Nicht um Rabatte, sondern um Lösungen.
Ein Slow Media Manifest muß Auswirkungen auf die Realität der Menschen haben. So wie jede Social Media 'Kampagne'. Ein Manifest ist keine Lösung.
(*) Social Media allein ist keine Lösung
Um uns nun endgültig vom Manifest zu lösen: Hat das Produkt oder die Marke nichts zu sagen, sollten sie lieber schweigen.
Wenn auch die Werbung in früheren Zeiten es vermochte, uns Lösungen, Benefits und Nutzen vorzugaukeln, so gelingt dies heute weder ihr noch einem Social Media Approach:
Nichts ist wichtiger als das Produkt! Wenn dieses keinen Nutzen hat, keine distinktiven Eigenschaften und keine Persönlichkeit, keinen Charakter hat, dann nutzt auch das ganze Social Media Getue recht wenig, wird sogar kontraproduktiv.
Und ohne eine entsprechende Marke - ohne eine Marke vor allem, die zuallererst das Unternehmen selbst durchdrungen hat - wird der Social Media Einsatz den Anfang vom vorzeitigen Ende der Marke selbst bedeuten können.
Ohne entsprechende Massenkommunikation, die Zeit kauft, um einen organischen Bekanntheits-Aufbau zu beschleunigen, wird Social Media nur in Ausnahmen (bei perfekter Vision, Strategie, Umsetzung, Motivation, Commitment, Kreativität, Mut) wirklich erfolgreich sein können.
Social Media benötigt Inhalt, Relevanz, Aktualität, Lösungen, Nutzen, Werte als Basis. Deshalb ist Social Networking, wie ich es lieber nenne, auch so immens komplex, schwierig und emotional. Leider denken die wenigsten in ihrer Beratungs- oder Marketing- oder Kommunikations-Euphorie darüber nach.
Social Networking hat Konsequenzen, die die wenigsten sehen wollen. Erfolg hat man allein, wenn man sich der Konsequenzen (komplex, schwierig, emotional) und der Voraussetzungen (Rest des Artikels) im Vorhinein bewußt ist und entsprechende Ziele, Strategien und Distinktive Innovationen realisiert.
Be a Spark! Leave a Mark!
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