Ein paar Jahre alt, immer wieder gut. Via arbitrarily.
Mehr zur Explosion bei zeitonline. Via paracuda.
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10:48 in Dritte Klasse | Permalink | Comments (0) | TrackBack (0)
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Schluck/Impfung ist süß, die Wahrheit bitter? Auffrischung, wider das Vergessen, tut Not. Denk- und merk-würdiges der langsam verwehenden Woche:
01 - "NRW: Grüne wollen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) zustimmen", pottblog. "JMStV: Welche Internetangebote brauchen eine Alterskennzeichnung?", RAStadler. "Kapitulationserklärung gegenüber Kinderschändern", Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur. "Wie BKA und INHOPE Kindesmissbrauchsbilder löschen wollen", Odem.
02 - "Das große Löschen", Schockwellenreiter.
03 - "What Rotten Eggs Reveal About the State of Our Democracy", AlterNet.
04 - "Loveparade: Alle wollen Opfer sein", "Einundzwanzig Tote, Null Verantwortliche", beide: ruhrbarone.
05 - "Crowdsourcing Shakes Up Another Industry", Progressology.
06 - "Zwischennutzung: Kunst und Leerstände in New York", ruhrbarone.
mediaclinique: "Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin: "Müßte ich wählen zwischen Bürger und Wirtschaft, ich würde Wirtschaft wählen", "@luebue oder The Quick Brown PR-Fox Jumps Over the Lazy Social Media Dog".
DIE GAZETTE (immer dienstags in der mediaclinique): "Klimaflüchtlinge - "Es gibt sie nicht, es gibt sie".
Aus meinen anderen Blogs:
inspiration/leader: "Want to Change? Let the Crowd Help You!".
lead/marke: "Business Innovation: Collaborative Consumption - by Rachel Botsman".
werbeblogger (als Team-Member): "Guerilla-Kampagne der Bahn AG zum Umstieg vom Auto auf die Schiene!".
Enjoy my tumblr/evolution project "this message is too wide to fit your screen".
In diesem Sinne: Schönes Wochenende - und Stay well!
10:32 in Schluck/Impfung | Permalink | Comments (0) | TrackBack (0)
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09:18 in C-lebrities, Intensivstation | Permalink | Comments (7) | TrackBack (0)
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Um das von Anfang an klarzustellen: @luebue hat recht. Und in letzter Konsequenz folge ich ihm dabei auch gerne. Aber: Sie sollten auch ihn feuern, besser noch sich selbst, wenn Sie ihn wirklich ernstnehmen! Denn so einfach wollen wir ihn nicht von seinen eigenen Regeln ausschließen, oder?
Wolfgang ist ein PR-Fuchs. Statt irgendetwas über Social Media zu sagen, und damit zum Erkenntnisgewinn dieser SMS-Veranstaltung beizutragen, macht er lieber Werbung für sich bzw. seinen Arbeitgeber.
Zwischen den Zeilen seines Vortrages kann man die Breitseite herauslesen, die er auf das gesamte Kontinuum vom jungen Einzelkämpfer bis zum gestandenen, weltweiten Network abfeuert - allein zu seinen eigenen Gunsten. Das ist legitim, aber nicht wirklich hilfreich. Vielleicht wurden die Agenturen als Pausen-Clowns eingeladen, einen Gefallen tun sie damit jedoch weder sich noch der Branche.
Prolog: Das Bedürfnis nach Eigen-PR
Bitte: Hier geht es nicht um Wolfgang, sondern eine Branche im Umbruch!
01 - Nur die wenigsten kleinen und mittleren Agenturen können mithalten mit wirklich guten Network-Agenturen, die die guten Berater einfach von der Straße wegkaufen (zB @Nico bei S&F). Sind selbst aber schon derart in ihren Strukturen verfangen, daß sie einem agilen Start-Up nicht mehr das Wasser reichen können.
02 - Zudem haben die meisten Berater von PR auf Social Media umgesattelt. PR aber ist keine Dialog-Disziplin, schon gar keine auf Augenhöhe des Konsumenten.
03 - Kommunikation ist umfassend und nicht auf Internet oder gar Social Media beschränkt. Social Media benötigt Massenkommunikation, um wirklich erfolgreich zu sein - dazu muß man aber Massenkommunikation und ihre Medien zuallererst verstanden, inhaliert und auch erfahren haben.
Wolfgangs nachvollziehbarer Thesen-Kanon
Schauen wir uns die Feuern-Sie-Ihren SM-Berater-Thesen im Detail an:
01 Feuern Sie ihn, wenn er die gleiche Geschichte als seine erzählt, die Sie schon kennen.
Geht gegen die großen Agenturen, deren Kinder wohl im gleichen Sandkasten spielten. Dann müßte man auch alle feuern, die mal etwas mit Blogs, Klowänden und Internet gesagt haben - obwohl das vielleicht gar nicht so schlecht wäre!
02 Feuern Sie ihn, wenn er Sie nicht als erstes nach Ihrer Kommunikationsstrategie fragt.
Ich würde zuerst das Produkt, die Marke, das Geschäftsmodell, den Markt verstehen wollen. Aber ich unterstelle Wolfgang, daß er unterstellt, daß dies alles zu einer guten Kommunikationsstrategie gehört.
03 Feuern Sie ihn, wenn er meint, Sie müssten Ihr Business neu denken.
Nun, wenn er nicht aus einer Agentur kommt, die sich ja per definitionem nur mit werblicher Kommunikation beschäftigt, und er Social Media so umfassend versteht, wie es idealerweise verstanden werden sollte, dann wird er natürlich zu einem Neudenken anregen.
Durch die - ob des Webs, der Digitalisierung und Mobilität - immens gewachsene Individualität, Unabhängigkeit und Ungeduld der Menschen ändern sich Geschäftsmodelle, Märkte und Nutzen rasend schnell (vergleichen mit der Behäbigkeit des durchschnittlichen Konzerns).
Wer da nicht mindestens an den Pfeilern seines eigenen Modelles kratzt, gehört selbst gefeuert. Schließlich haben sich die guten Agenturen ja auch angepaßt und ob Social Media ihre Businesses neu gedacht, oder?
04 Feuern Sie ihn, wenn er sagt, Sie müssen auf jeden Fall auf Facebook sein.
Kann ich nur unterschreiben.
05 Feuern Sie ihn, wenn er erst 2005 oder später angefangen hat zu bloggen.
Und nächstes Jahr? Feuern Sie jeden, der erst '06 angefangen hat zu bloggen?
06 Feuern Sie ihn, wenn er von Digital Natives redet.
Die Jüngeren sind mit dem Netz groß geworden. Eine Kategorisierung, die ihre Berechtigung hat, um die Welt zu verstehen, mit der man sich jetzt beschäftigen muß. In einigen Jahren wird der Begriff schließlich - außer in einigen Büchern (die Älteren erinnern sich) - verschwunden sein.
07 Feuern Sie ihn, wenn er Ihnen mit Kryptonite oder Jack Wolfskin Angst machen will.
Ich sage, feuern Sie ihn, wenn er Ihnen mit Greenpeace und NGOs Angst machen will, denn das sind die besten Cases um Best Practice zu erleben. Social Media lebt von guten Ideen und geringen Budgets. Social Media lebt von Memen, nicht Millionen.
08 Feuern Sie ihn, wenn er Jugend für ein Qualitätsmerkmal hält.
Die Jüngeren sind mit dem Netz groß geworden (siehe 06) - die Älteren nicht. Später lernt man nicht mehr so intuitiv, ist nicht mehr so flexibel, hängt eher an seinen Erfahrungen und Vorurteilen. Beides hat Vor- und Nachteile. Die jungen Berater können im Gesamtkonzert sehr wohl mithalten, sollten zumindest nicht von vornherein ausgeschlossen werden.
Hier versuchen die Alten, sich zu retten. Es gibt jedoch nichts Wichtigeres für die Alten als von den Jüngeren gechallenged zu werden und vice versa (was ich schon im werbeblogger andeutete). Nur so bleibt die Branche am Leben, entwickelt sich ständig weiter, kann die wenigen wirklich guten Berater gebären.
09 Feuern Sie ihn, wenn er bei Ihnen im Kapuzenpulli auftaucht.
Der feuchte Traum jedes PRlers: einen Satz zu prägen, den man zwar im Copytext schon wieder relativiert, der sich aber (eben ohne diesen Copytext) verselbständigt und für die Berühmtheit des Schöpfers sorgt.
10 Feuern Sie jeden, der sich Social Media Berater nennt.
Als die Jungs aus der PR krochen, haben sie sich alle Social Media Berater genannt. Nun sind sie im Establishment angekommen, jetzt wollen sie wieder coolere Namen. Aber eine Visitenkarte ist kein Qualitätsmerkmal. Ich verstehe Wolfgangs Wunsch. Er widerspricht jedoch seinem eigenen Vorhaben, der Pubertät endlich zu entkommen.
Fazit
Es bleibt dabei: im Großen und Ganzen hat Wolfgang recht. Ich unterstreiche und unterschreibe, sehe einige Punkte aber differenzierter und wollte auch auf die Hintergründe hinweisen. Nicht um Beratern einen Gefallen zu tun, sondern um Unternehmen - und Agenturen - zu helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.
Ich selbst gehe einen Schritt weiter, wie ich vor knapp einem Jahr in "Das Gespenst des Social Media Gurus" beschrieben habe:
"Statt 'Experten' ins Haus zu holen, kann ich nur jedem Unternehmen, jeder Marke, jeder Agentur raten, sich selbst mit dem Thema auseinanderzusetzen, selbst zu lernen, auszuprobieren, sich eine blutige Nase und Knie zu holen, wieder aufzustehen und umso stärker am Thema dranzubleiben.
Denn: Wer dies nicht tut, kann auch nicht entscheiden, ob der 'Experte' gut oder schlecht, taktisch oder strategisch, gestaltend oder verwaltend, etc. ist!
Social Media (bzw. Social Networking, wie ich es wie gesagt bezeichnen möchte) hat nichts mehr mit den klassischen Mechaniken und Mythen des medialen Alltages zu tun und kann auch von diesen weder beschrieben noch erfaßt werden. Social Media hat nichts mit klassischer PR zu tun.
Social Networking ist schlicht ein Paradigmenwechsel in der Kommunikation. Social Networking hat mit der neuen Unabhängigkeit, Individualität und Ungeduld der Menschen zu tun. Darauf muß das neue Engagement der Marke eingehen. Dies geht nur aus der Marke selbst, dem Unternehmen selbst heraus - nicht mehr über den Umweg Berater, Agentur, Experte, Guru.
Die Marke gehört in den Mittelpunkt des Social Networking, damit sie den Menschen in den Mittelpunkt stellen kann!"
Und noch einen Schritt weiter: "Der Mythos Social Media - No.10 der Medialen Alltagsmythen".
In diesem Sinne: Get well soon!
10:56 | Permalink | Comments (0) | TrackBack (0)
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Welche Auswirkungen könnte der neueste Scherz der Musikindustrie (siehe meinen Artikel im werbeblogger) auf die freie Meinungsäußerung haben, wenn man diesen in seinen Konsequenzen einmal weiterdenkt, über die aktuelle Realität hinaus extrapoliert? Was geschieht, wenn die Musikindustrie die Aufdeckung von Urheberrechtsverletzungen dadurch blockiert, daß sie sich selbst als betroffen sieht? Und nichtmal direkt betroffen durch die erste Urheberrechtsverletzung, sondern durch eine Urheberrechtsverletzung, begangen im Zuge der Publikmachung dieser anderen Urheberrechtsverletzung?
Die Musikindustrie behindert also durch ihren eigenen materiellen Egoismus genau das, was sie als höchste Notwendigkeit allen politischen, polizeilichen und staatsanwaltlichen Schaffens in dieser Republik ansieht: die Aufdeckung, Verfolgung und Bestrafung von Urheberrechtsverletzungen?
Vielleicht muß man konzedieren, daß zur Aufdeckung einer Straftat (auch wenn Ergo das nicht so sieht) nicht eine andere Straftat begangen werden darf.
Vielleicht aber müßte die Musikindustrie einfach ihr Verhalten auf Irrationalität, fehlenden Gesunden Menschenverstand, Konzentrationsschwäche, Impulsivität, und Hyperaktivität untersuchen lassen!? Sie könnte dabei nur gewinnen!
Addendum
Siehe auch "F**k Sony ..." - Der Song zum 'Werbeblock der Musikindustrie'".
Und hier zum Thema Ergo der Beweis, daß natürlich nicht gekupfert wurde:
Dumm, dreist, ideenlos? ERGO Versicherungen from Blogrebellen on Vimeo.
Nun also auch bei Vimeo: "Sorry, "Dumm, dreist, ideenlos? ERGO Versicherungen" was deleted at 11:47:24 Tue Aug 31, 2010. We have no more information about it on our mainframe or elsewhere".
10:05 in Agencies, Brand Ethics, Dritte Klasse, Medienpolitik, Reklame, Verband, Video, Werbeblogger | Permalink | Comments (1) | TrackBack (0)
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(Dienstags präsentieren wir regelmäßig ausgewählte Artikel des 3-monatlichen Print-Magazins DIE GAZETTE. Texte, die "über die taktische Tagespolitik hinaus Antworten und Perspektiven" geben, zum Nachdenken anregen wollen.)
Klimaflüchtlinge: Es gibt sie nicht, es gibt sie
Die Genfer Flüchtlingskonvention, behaupten die Vereinten Nationen und Industriestaaten, ist nicht zuständig für Personen, die vor den Folgen der globalen Erwärmung fliehen müssen. Rein rechtlich und offiziell gesehen, gibt es Klimaflüchtlinge also gar nicht. Für den reichen Norden
hat das Vorteile: Er ist nicht verantwortlich, also nicht schuld.
Ein gigantischer Eisberg, der B17B, treibt vor der Küste Australiens, und in Kopenhagen beschließt der Weltklimagipfel wieder einmal, nichts zu tun gegen die globale Erwärmung.
Vor etwa acht Jahren ist der Eisblock von der größten Festland-Eistafel der Welt, dem Ross-Schelfeis in der Antarktis, abgebrochen und schwimmt seither durch das antarktische Meer. B17B hätte nicht zum bösen Wahrzeichen der Weltklimakonferenz im vergangenen Dezember werden müssen, wenn sich etwa 15000 Teilnehmer auf wirkungsvolle Maßnahmen gegen den Klimawandel geeinigt hätten. Stattdessen bemühten sie sich am Ende nur noch darum, ihr Scheitern als Fortschritt zu verkaufen.
Der treibende Eisberg ist in erster Linie ein Zeichen des schon gegenwärtigen Klimawandels. Lange Zeit galt das Eis der Antarktis als stabil. Aber seit 1995 stellen Wissenschaftler verstärkt das immer deutlichere Aufbrechen und Abschmelzen der Schelfeistafeln in der West-ant-arktis fest. Ein noch schnelleres Abschmelzen der großen Schelfeisplatten wäre fatal, weil die Abbrüche der Schelfeiskanten und das Schmelzwasser von Festlandeis ungleich mehr zum Anstieg des Meeresspiegels beitragen als das im Nordmeer schwimmende Eis. Schelfeis befindet sich nicht im Schwimmgleichgewicht mit dem Ozeanwasser, man muss es hinzurechnen. Es ist so, als würde man Eiswürfel in ein bereits volles Wasserglas geben.
Das Meer wird also über die Ufer treten. Davon betroffen werden am stärksten Inselstaaten wie Tuvalu oder Vanuatu sein. Diesen Urlaubsparadiesen wird das ansteigende Wasser nun zum Feind. Das vordringende Meer frisst nicht einfach nur die Küstenlinien an, sondern wird diese Inseln vollständig überfluten. Schon bei einem Anstieg des Meeresspiegels um wenige Zentimeter droht der Untergang auch anderen Inselstaaten wie Palau, Mikronesien, den Malediven oder den Marshallinseln. Schon werden sie sarkastisch als „sinkende Inseln” (Sinking Islands) bezeichnet. Einige Inselregierungen haben bereits Evakuierungspläne und verhandeln mit anderen Staaten über die Einwanderung ganzer Bevölkerungen. Sie planen damit nichts weniger als den bewussten Schritt in die Diaspora. Die Insel-Menschen werden zu Klimaflüchtlingen.
Noch ganz andere Lebensräume sind bedroht. Das Ansteigen des Meeresspiegels wird auch in den Küstenregionen weltweit häufigere Überschwemmungen und Stürme zur Folge haben. Besonders anfällig sind die weitverzweigten Deltas und die tiefergelegenen Küstengebiete insbesondere in Bangladesch, Indien, Vietnam, China, Ägypten und im Niger. Dort droht infolge periodischer Faulungen die Versalzung der Küstengebiete. Während in manchen Regionen Regenfälle massiv zunehmen und Überflutungen hervorrufen, ist zu erwarten, dass andernorts Niederschläge aufgrund der steigenden Temperaturen zurückgehen und Dürreperioden die Wüstenbildung in diesen Regionen befördern. Bodenerosion, Sandstürme und der Rückgang der Vegetation werden in diesen Arealen die heute schon geringe landwirtschaftliche Produktivität auf ein Minimum reduzieren, so dass die Nahrungsversorgung ganzer Großregionen in Gefahr gerät. Besonders gefährdet durch solche Deprivationsprozesse sind das subsaharische Afrika, der Nahe und Mittlere Osten, Zentralasien und weite Gebiete Nordchinas. Das ist besorgniserregend, da in diesen Regionen schon heute 1,2 Milliarden Menschen zu wenig Trinkwasser haben.
Die klimabedingte Verschlechterung der Lebensbedingungen wird neuartige Fluchtbewegungen hervorbringen. Migrationen dieser Art können sowohl innerhalb eines Nationalstaats als auch grenzüberschreitend stattfinden, sie können vorübergehend sein oder permanent, und sie sind auf einem Kontinuum zwischen freiwilliger bzw. präventiver Migration und Flucht einzuordnen. So kann man es einem Dokument des Ständigen Interinstitutionellen Ausschusses der Vereinten Nationen (IASC) entnehmen. Was aus dem Arbeitspapier allerdings nicht hervorgeht: Was tun mit den betroffenen Menschen, hier Klimaflüchtlinge genannt? Auch wenn sich die Experten noch uneins sind, ob mit dem Klimawandel eher ein signifikanter Verlust an Lebensräumen einhergeht oder ob es lediglich zu einer Verlagerung der kultivierbaren Lebensräume kommt, eins ist klar: Beides ist nicht mehr zu verhindern. Und in jedem Fall werden neue Migrationsströme entstehen, wenn Millionen Menschen neue Lebensräume suchen.
Es gibt keine international anerkannte Definition der Klimamigration. Schon aus diesem Grund liegen bislang zur Zahl der demnächst Betroffenen nur Schätzungen vor. So bezifferte das UN-Kommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) 2007 die von Hochwasser, Hungersnöten und anderen Umweltkatastrophen zur Migration gezwungenen Personen auf etwa 24 Millionen. Der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltfragen (WBGU), ein Beratungsgremium der Bundesregierung für Klima- und Umweltfragen, geht von bis zu 60 Millionen Klimaflüchtlingen aus. Nach den Prognosen des Weltklimarats könnte diese Zahl bis 2050 auf 150 Millionen steigen.
Die Industriestaaten haben die Augen vor dieser Realität fest geschlossen. Mit unverständlicher Arroganz sind sie, die Hauptverursacher des Klimawandels, blind für das drohende Flüchtlingsschicksal dieser Millionen. Der Klimawandel betrifft sie ja auch nicht oder kaum negativ: Wer hat hierzulande schon etwas einzuwenden gegen Palmen an der Ostsee? Im schlimmsten Fall verlieren die Mittelgebirge ihre Skigebiete, und an Ems, Weser und Elbe bauen wir eben höhere Deiche. Lebensraumverluste oder existenzielle Katastrophen spielen in der öffentlichen Diskussion in den Industriestaaten keine Rolle. Fluchtszenarien kommen in der öffentlichen Debatte nicht vor, weil die Menschenströme weit weg sind. Nur wenn mal ein Fluss über seine Ufer tritt oder ein harter Winter den Verkehr lahmlegt, halten wir kurz inne und rufen uns den Klimawandel ins Gedächtnis. Diejenigen aber, die mit den wirklich verheerenden Folgen konfrontiert sein werden, bleiben sich selbst überlassen. Mit der sogenannten „Europäischen Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen” (Frontex) schlägt der industrialisierte Kontinent den Klimaflüchtlingen die Tür vor der Nase zu.
Die Erblindung auf höchster politischer Ebene fängt damit an, dass schon der Klimawandel als solcher bezweifelt wird, wie die WBGU-Mitglieder Claus Leggewie, Hans-Joachim Schellnhuber und Renate Schubert kürzlich in der Zeit kritisierten. Die drei Experten nahmen dort die „intellektuelle Doppelmoral” der Klimawandel-Leugner auseinander, hinter der ein makabres Konzept steckt: „Wo kein Klimawandel, da kein Klimaflüchtling.” Andererseits seien die staatlichen Akteure offenbar der Meinung, sie könnten „in einer dicht vernetzten Welt nationale Zitadellen der Klimasicherheit errichten und gegen die weniger privilegierten Umweltflüchtlinge aus den Entwicklungsländern verteidigen”.
Damit ist nicht nur die europäische Blockadehaltung gegenüber Flüchtlingen im Allgemeinen beschrieben, eine Politik, die inzwischen mit „Festung Europa” ihre zynische Metapher gefunden hat. Die Autoren spielen auch auf die Dissonanzen an, die international beim Thema klimabedingte Migration bestehen. Denn hinter den Kulissen der internationalen Staaten-gemeinschaft spielt sich ein diplomatisches und rechtspolitisches Geschacher um die Definitionshoheit ab.
Grundsätzlich abgelehnt wird der Begriff „Klimaflüchtling” von der wichtigsten Flüchtlingshilfsorganisation, dem Un-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR). Deshalb hat man 2009 beschlossen, die von Naturkatastrophen vertriebenen Binnenflüchtlinge nicht wieder in den Jahresbericht aufzunehmen. Im offiziellen Jargon wird die Weigerung damit begründet, dass der von der Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) etablierte Flüchtlingsbegriff durch einen neuen Begriff „Klimaflüchtling” untergraben werden könnte. Die klimabedingte Migration, sagen führende UNHCR-Experten, erfülle nicht die in der GFK formulierten Bedingungen für eine Anerkennung. Zum einen könnten die Klimawandelfolgen nicht als Verfolgungstatbestand anerkannt werden, und zum anderen seien die meisten der betroffenen Personen Binnenmigranten und fielen damit im Gegensatz zu den Konventionsflüchtlingen nicht in die Zuständigkeit des UNHCR.
Auch die anderen UN-Organisationen im IASC sowie die Internationale Organisation für Migration (IOM) befürchten bei der Einführung der Kategorie „Klimaflüchtling” die Aufweichung der bisherigen Schutzinstrumente für Flüchtlinge. Insbesondere die für den Klimawandel verantwortlichen Industriestaaten lehnen die Bezeichnung ab. Alle miteinander berufen sich dabei auch auf die vielschichtigen und sich überlagernden Migrationsursachen: Es sei nahezu unmöglich, die Klimawandel-folgen als Hauptauslöser der freiwilligen oder fluchtartigen Wanderungsbewegungen zu iden-tifizieren.
Eine solche Anerkennung der Klimawandelfolgen als Verfolgungstatbestand ist grundsätzlich möglich. So sieht Paragraf 53 des UNHCR-Handbuchs über Verfahren und Kriterien zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft auf der Basis „kumulativer Gründe” vor, die als einzelne nicht den Sachverhalt der Verfolgung beweisen, in ihrer Gesamtheit aber „eine derartige Wirkung ausgeübt haben, dass das Vorliegen einer begründeten Furcht vor Verfolgung” angenommen werden kann. Dass dies im Falle der Klimamigration gegeben ist, davon gehen die beiden Wissenschaftler Frank Biermann und Ingrid Boas vom Institut für Umweltstudien der Freien Universität Amsterdam aus. Und 2008 schreibt die rechtspolitische Referentin von Pro Asyl, Marei Pelzer: „Die internationale Staatengemeinschaft sollte anerkennen, dass es jenseits der Flüchtlingsdefinition der GFK neue Formen der erzwungenen Migration gibt.” Man könne diesen Menschen ja wohl kaum die Rückkehr in die von Überflutung oder Dürre periodisch heimgesuchten (Konflikt-)Regionen zumuten.
Aber diese Vorhaltungen interessieren weder das UNHCR noch die reichen Industriestaaten. Die westliche Welt bleibt bei ihrer Behauptung, der internationale Rechtsschutz der Klimamigranten sei durch andere internationale und nationale Instrumente gesichert. Sie be-ziehen sich hier immer nur auf die Leitlinien für Binnenvertriebene sowie regionale Flüchtlingskonventionen, aber deren Reichweite, ja sogar ihre Rechtsverbindlichkeit ist beschränkt.
Ein internationaler verbindlicher Rechtsschutz für Flüchtlinge besteht lediglich auf der Basis der GFK. Da Klimaflüchtlinge von dieser nicht vollständig erfasst werden, gibt es für sie derzeit keine internationale Regelung, die der Staatengemeinschaft die Unterstützung und Aufnahme von Klimaflüchtlingen vorschriebe. Allein eine angemessene Berücksichtigung in der GFK würde ihnen einen verlässlichen Schutz bieten. Mehrere Staaten, Nichtregierungs- und internationale Organisationen verabschiedeten daher 2006 auf den Malediven ein „Protokoll für Klimaflüchtlinge”, in dem sie die Anerkennung der Klimaflüchtlinge in der GFK forderten. Mögliche Alternativen dazu würde eine neue Konvention oder ein zusätzliches Protokoll zur GFK darstellen. Die Realisierung eines solchen Vorschlags gilt aber als extrem unwahrscheinlich.
Die Leidtragenden dieser Verzögerungstaktik sind Menschen, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben, Bewohner der schwach entwickelten Inselstaaten und der Entwicklungsstaaten in Afrika, Asien und Lateinamerika. Aber die Betroffenen werden sich allmählich ihrer Situation bewusst. In vielen gefährdeten Regionen versuchen Menschen, sich den neuen Bedingungen wenigstens anzupassen. Ein Beispiel ist das Projekt „Micronesia Challenge”, das sich zum Ziel gesetzt hat, in der Inselgruppe die Zerstörung der Küstenstreifen zu stoppen. Projektleiter Albon Ishoda sieht in dieser Maßnahme die letzte Überlebenschance der Inseln. Aber er befürchtet: „Am Ende werden es die Kinder sein, die keine Identität haben, keinen Ort, an den sie später mal zurückkommen können, die nicht so leben können, wie wir es konnten, in Harmonie mit dem Meer und der Umwelt.” Wie es weitergehen soll, wenn er vor dem steigenden Wasser fliehen muss, weiß er nicht. Internationale Hilfe sollte er wohl nicht erwarten.
(Thomas Hummitzsch ist Redakteur des Newsletters "Migration und Bevölkerung" und Freier Autor.)
DIE GAZETTE.
"Ein politisches Magazin für den kritischen Zeitge-nossen: aufmerksam,
nachdenklich, verlässlich unabhängig, mit Haltung und Rückgrat, jenseits
von Boulevard und Mainstream, gründlicher als die Zeitung und aktueller
als das Buch." Fritz Glunk
09:35 in Gazette, Qualitätsjournalismus | Permalink | Comments (0) | TrackBack (0)
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Sorry Burger, machen wir es kurz. Ihr wißt, ich bin nicht nur ein Mädchen vom Lande, sondern auch aus dem Osten. Da haben wir das Volk - und genauso meine ich es auch - nie wirklich ernst genommen.
Ihr müßt einfach verstehen, daß ich das alles nicht für Euch mache, sondern ausschließlich für mich - und meinen Erich Joachim. Wir wollen es einmal besser haben als Ihr alle zusammen. Und zwar schnell.
Was wollt Ihr also? Ihr habt es doch immer gewußt. Ich jedenfalls ziehe mich zurück. Ich habe alles, was ich immer wollte. Und Ihr müßt der Realität ins Auge sehen, so wie Ralf es schon 2008 schrieb: "Heute ist die Politik opportunistischer als die Wirtschaft und neigt auch eher dazu, der Wirtschaft hinterherzulaufen, denn hier winken die Jobs nach der politischen Kariere (die sollte man sich warmhalten), da hat der Bürger wenig zu bieten. Zumal er der Politik sowieso nichts mehr zutraut und sich längst abgewendet hat."
Habt Ihr 'Atemlos' gesehen, mit Richard Gere? Wie er sich Valerie Kaprisky nimmt? Ihr hättet mich haben können, aber Ihr wolltet nicht. Ich habe Euch die Chance gegeben, mich zu lieben. Bedingungslos, atemlos - aber Ihr wolltet nicht.
Ihr müßt das verstehen. Das hat nichts mit Euch zu tun. Ich bin einfach nur die Valerie, die - vor die Wahl gestellt - aus William Faulkners 'Wilde Palmen und der Strom' zitiert: "Vor die Wahl gestellt zwischen dem Leid und dem Nichts, wähle ich das Leid."
Übertragen auf Euch, mein wertvolles Volk, die Ihr mir alles ermöglicht habt ohne zu Murren, wovon ich je träumen konnte, sage ich also: "Vor die Wahl gestellt zwischen Euch und der Wirtschaft, wähle ich die Wirtschaft."
In diesem Sinne: Ein paar Frohe Neue Jahre!
This is recorded.
Addendum
13:09 Uhr > "Erpresst – und die Kanzlerin strahlt", fixmbr.
10:18 | Permalink | Comments (2) | TrackBack (0)
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09:44 in Erste Hilfe | Permalink | Comments (0) | TrackBack (0)
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Der Song untermalt eindrucksvoll "Ein Werbeblock der Musikindustrie! - Vorbild unserer Printindustrie!", mediaclinique im Juni 2010.
Siehe auch und im Besonderen: "Schlag gegen Raubkopierer: Razzia in 12 Kinderzimmern", sz-online, via fefe.
Addendum
30. August
11:46 Uhr > Die Jungs schrecken auch vor nichts zurück. Siehe Video in diesem w&v-Artikel!
31. August
11:35 Uhr > Na gut, das Video hat EMI sperren lassen(!), dann eben hier.
09:33 in Dritte Klasse, Video | Permalink | Comments (0) | TrackBack (0)
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Kaum habe ich vor wenigen Wochen mein Abonnement storniert, bringt TIME Magazine eine Ausgabe, die explizit Erwachsene ansprechen soll:
09:46 in Erste Hilfe, Qualitätsjournalismus, Video | Permalink | Comments (0) | TrackBack (0)
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Schluck/Impfung ist süß, die Wahrheit bitter? Auffrischung, wider das Vergessen, tut Not. Denk- und merk-würdiges der langsam verwehenden Woche:
01 - Die Werbung rät: "Hey Ladies, Want a Raise? Wash Your Vagina", alternet. Wir empfehlen: "66 lebenshackende Maßnahmen", paracuda.
02 - "Idiot’s Guide to Understand Today’s Marketing Catch Phrases", flowtown.
03 - "Kneipe muß wg WDR-Gier nach 17 Jahren Namen ändern", ruhrbarone.
04 - Paracuda hat nochmal das Wort: "Das Ende der Welt, wie wir es kennen".
05 - Erschreckend: "Ein Monat Loveparade-Katastrophe", ruhrbarone.
mediaclinique: "Teil 2 der Schirrmacher-Trilogie: Freeway Idiots - Salvation".
DIE GAZETTE (dienstags in der mediaclinique): "Deutsche Zustände".
Aus meinen anderen Blogs:
inspiration/leader: "Klaus Eck, Guru-Bios und Bescheidenheit".
lead/marke: Video: "Coke: Real Life Facebook-Like Integration".
werbeblogger (als Team-Member): "ARAL. Alles super? – Ist Duck & Cover heute noch eine probate Strategie für die Marke in der Krise?".
Enjoy my tumblr/evolution project "this message is too wide to fit your screen".
Das Video zum Wochenende: "A Universe not Made for Us".
In diesem Sinne: Schönes Wochenende - und Stay well!
09:37 in Schluck/Impfung | Permalink | Comments (0) | TrackBack (0)
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Wer ARAL sagt, sollte auch BP denken! Aber wer tut das schon? Habe mich - bzw. die werbeblogger-Leser, denn ich selbst kann mich nicht entscheiden - daher gestern mal gefragt, ob "Duck & Cover auch heute noch eine probate Strategie für die Marke in der Krise?" ist.
09:04 in Brand Ethics, Medienpolitik, Reklame, Werbeblogger | Permalink | Comments (0) | TrackBack (0)
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Im Mai 2010 kam der neue Schirrmacher auf den Markt: "Freeway Idiots", wir berichteten. Schon in diesen Tagen legt Frankiboy nun den zweiten Part vor: "Freeway Idiots - Salvation". Wie beim vorigen Teil konnten wir uns erste Auszüge sichern.
'Freeway Idiots - Salvation' stellt die Lösung (nicht mehr die Beschreibung) unserer drängendsten Probleme in den Vordergrund. Probleme, die nicht mehr vom Einzelnen bewältigt werden können, sondern nur noch durch lenkende Eingriffe des Staates.
Anders scheint die 'freie Fahrt für freie Bürger' nicht mehr sicherzustellen.
Salvation, hat man den ersten Teil der Idiots-Trilogie gelesen, klingt wie eine trotzige Bankrotterklärung system-relevanter Selbstreinigungsbemühungen.
5 Punkte stehen im Fokus von Schirrmachers Salvation:
Reduzierung von Handy-Geschwindigkeiten
Sich in der Nutzung schneller als mit Schrittgeschwindigkeit bewegende Handys werden automatisch abgeschaltet - nicht ohne zuvor 80 Euro von des Nutzers Mobilfunk-Account abgebucht zu haben.
Bei Firmenhandys wird direkt vom privaten Account des CEO oder Geschäftsführers oder zuständigen Vorstandsmitgliedes abgebucht.
Subkomplexe Probleme wie die Nutzung von Freisprechanlagen oder das Telephonieren als Beifahrer werden durch die ubiquitären Mautstationen gelöst, die ohnehin mit Gesichtserkennung und Facebook, äh, Flensburg-Link ausgerüstet (aber noch nicht freigeschaltet) sind.
KFZ-Kennzeichen nach Mentalität des Fahrers/Halters
Wen interessiert heute noch die Stadt, aus der der Wagen kommt, der wie ein bewegliches Ziel die Bahn des Freifahrers versperrt? Relevant ist allein die Mentalität des Fahrers, um seine Reaktion und nächsten Schritte ahnen zu können.
Kennzeichen wie BM-, ME- und alle Ex-DDingens-Kennzeichen werden in einem neu zu entwickelnden Verfahren vergeben, federführend verwaltet von den Ärzten der Bundeswehr-eigenen Tauglichkeits-Prüfungen, ehe diese selbst überflüssig werden und auf die abstruse Idee kommen, Politiker einer solchen unterziehen zu wollen.
Erstes untrügliches Kennzeichen zur Verleihung der neuen Mentalitäts-Zeichen soll das Vorhandensein der modernen Version des Wackel-Dackels sein: das Navigationssystem!
3 Spuren = 3 Geschwindigkeiten
Auf Autobahnen werden Geschwindigkeitsbegrenzungen eingeführt, die ua. darauf hinauslaufen, daß Fahrzeuge mit BM-, ME- und alle Ex-DDingens-Kennzeichen nur noch auf der rechten Spur fahren dürfen.
Die tatsächlichen Geschwindigkeits-Algorythmen werden ermittelt durch einen Mix aus Mentalität/Kennzeichen, Motorstärke, Nationalität des Wagens, und Nutzen des Fahrers für die Gesellschaft.
Man wird sich wundern, wie viele Politiker aus ME kommen.
Bremslichter: Die Beschleunigung des Vordermannes
Das Bremslicht der Zukunft strahlt auch - und vor allem - nach Vorne, um dem beweglichen, die Bahn des Freifahrers versperrenden Ziel zu erkennen zu geben, daß der Freifahrer wg der falschen Geschwindigkeit des Vorfahrenden abbremsen muß. Derartige Situationen sind nämlich nicht länger tragbar.
7Tage und 3 Strikes later
Sollte ein bewegliches Ziel innerhalb 7 Tagen 3mal angebremst worden sein, so ist der Fahrer an den Flensburger Pranger, den Dresdner Zwinger, die Loreley, etc. zu ketten, sein Fahrzeug für immer einzuziehen und seine Autobahn-Flatrate auf ewig an Hartz-IVler zu vergeben.
... hier möchten wir den Abdruck beenden, ehe wir vollends im Mittelalter landen.
10:45 in Klinikkantine | Permalink | Comments (0) | TrackBack (0)
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(Dienstags präsentieren wir regelmäßig ausgewählte Artikel des 3-monatlichen Print-Magazins DIE GAZETTE. Texte, die "über die taktische Tagespolitik hinaus Antworten und Perspektiven" geben, zum Nachdenken anregen wollen.)
Dokumentation "Deutsche Zustände"
In der 8. Folge des jährlichen Reports Deutsche Zustände (2010) wird von dem Team unter Leitung von Professor Dr. Wilhelm Heitmeyer auch die Frage gestellt, wie die Finanz- und Wirtschaftskrise von der Bevölkerung wahrgenommen wird und unter welchen Bedingungen sie Auswirkungen auf das soziale Zusammenleben in der Gesellschaft hat. Ergebnisse (gekürzt):
Krisen, die wir derzeit erleben, lassen sich in vier Stadien einteilen. In jedem Stadium sind andere Akteure (ökonomisch, sozial oder politisch) betroffen. Das Stadienkonzept enthält zwei Elemente. Erstens impliziert es eine zeitliche Abfolge, d. h. ein Krisenbereich »infiziert« gleichsam den nachfolgenden Teilbereich (Finanzen (1), Wirtschaft (2), Staatshaushalt (3), Gesellschaft (4)). Zweitens weitet sich die Betroffenheit auf immer weitere Bevölkerungsgruppen aus, bzw. bestimmte Gruppen werden immer härter betroffen. So war die Krise zunächst nur auf das Bankensystem begrenzt, die Auswirkungen auf die breite Bevölkerung waren überschaubar. Als sich die Finanzkrise zur Wirtschaftskrise ausweitete, wurden breitere Bevölkerungsteile betroffen, beispielsweise durch Kurzarbeit. Die sich abzeichnende Fiskalkrise dürfte weitere negative Folgen mit sich bringen, wenn das wohlfahrtsstaatliche System in Bedrängnis gerät und Sozialleistungen massiv gekürzt werden. Dies kann sich auch negativ auf die Demokratie auswirken. Eine Ausweitung zur Gesellschaftskrise steht dann zu befürchten, wenn Desintegrationsrisiken anwachsen und die Konkurrenz um knappe Güter und Leistungen erheblich steigt. Dann können sie sich zu sozialen Krisen ausweiten, die dann auch das Verhältnis der Bürger untereinander betreffen.
Im Sommer 2009 beobachten wir ein gemischtes Bild. Knapp die Hälfte der Befragten fühlt sich durch die aktuelle Wirtschaftskrise bedroht und fast 40 Prozent fühlen sich persönlich von der Krise betroffen.
Die subjektive Betroffenheit durch die Krise und das Ausmaß der wahrgenommenen Bedrohung sind in West- wie in Ostdeutschland gleich hoch. Während sich im Westen 46,6 % bedroht und 38,6% von der Krise betroffen fühlen, sind es im Osten 49,8% bzw. 35%.
Darüber hinaus zeigen sich auch keine signifikanten Differenzen zwischen wirtschaftlich besser und schlechter gestellten Regionen. Wenig überraschend ist, dass sich Menschen aus den unteren Schichten besonders betroffen fühlen. Hier sind es 46,9%; im Vergleich dazu fühlen sich Menschen aus der mittleren Schicht zu 39,4% und Menschen aus der oberen Schicht zu 27,5% von der Krise betroffen. Die wahrgenommene Betroffenheit und perzipierte Bedrohung unterscheiden sich dementsprechend auch nach dem formalen Bildungsabschluss: Personen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen fühlen sich beispielsweise stärker bedroht und betroffen als andere. Die Betroffenheit ist in der mittleren Altersgruppe (35-49) vergleichsweise am stärksten ausgeprägt. Hier sehen sich 45,5% der Personen von der Krise betroffen. Signifikante Geschlechterunterschiede zeigen sich hinsichtlich der subjektiven Krisenbedrohung. 52,1% der Frauen fühlen sich bedroht, bei den Männern sind es dagegen nur 42,3%. Bei Betrachtung der geschlechtsspezifischen Krisenbetroffenheit sind allerdings keine signifikanten Unterschiede ersichtlich. Frauen fühlen sich zu 39,3% betroffen, Männer zu 36,3%.
Die bisher dargestellten Ergebnisse zeigen bereits jetzt eine Betroffenheit und Bedrohung durch die Krise in der Bevölkerung. Im Allgemeinen werden die zukünftigen finanziellen Belastungen als hoch eingeschätzt. Gegen diese Betroffenheit bzw. Bedrohung wird eine Aufspaltung der Wahrnehmung der Krisen eingesetzt. Erstens gibt es eine Aufspaltung zwischen der Wahrnehmung eigener Betroffenheit und der Einschätzung der gesellschaftlichen Lage.
Die gesellschaftliche Lage wird als Belastung wahrgenommen, die eigene Situation aber gleichwohl als weniger belastend interpretiert. Drei Mechanismen können dazu beitragen. Beim ersten tritt diese Entlastung ein, weil man annimmt, dass es anderen noch schlechter geht. Ein zweiter Mechanismus hat mit Kontrollüberzeugungen zu tun, also zum Beispiel der Meinung, das eigene Leben noch »unter Kontrolle« zu haben. Zum dritten kann die Überzeugung greifen, dass man sich gerade in Zeiten der Krise seiner Umgebung so präsentieren muss, dass man selbst in der Krise erfolgreich ist.
Eine deutliche Diskrepanz zeigt sich auch, wenn es um Fragen der Gerechtigkeit geht
Hinsichtlich der persönlichen Situation sieht sich nur eine Minderheit der Befragten von Ungerechtigkeiten betroffen. Fast drei Viertel sind der Meinung, es gehe in ihrem Leben gerecht zu, und 70 Prozent geben an, Ungerechtigkeiten seien in ihrem Leben eher die Ausnahme. Die allgemeine Einschätzung ist dagegen deutlich schlechter. Weniger als zehn Prozent der Befragten glauben etwa, dass es auf der Welt gerecht zugehe, und nur 13 Prozent sind der Meinung, dass die Leute im Allgemeinen das bekommen, was ihnen im Sinne von Verteilungs-, Leistungs- oder Bedürfnisgerechtigkeit auch materiell zustehe. Diese Aufspaltungen schirmen die individuelle Situation ab, lähmen aber auch die Aktionsbereitschaft im öffentlichen, d. h. politischen Raum.
Aufkündigung moralischer Positionen
Krisen zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie die Frage nach der Gleichwertigkeit aller Menschen in der Gesellschaft aufwerfen. Eine Möglichkeit, die Krisen zu bewältigen, besteht darin, dass Personen die Gleichwertigkeit von Gruppen in Frage stellen, soziale Werte und Normen, die Gleichwertigkeit garantieren sollen, aufkündigen und Solidarität entziehen. Die Gleichwertigkeit kann immer dann in Frage gestellt werden, wenn Menschen meinen, dass eine Betroffenheit der eigenen Gruppe, der man sich zugehörig fühlt, vorhanden ist. Es zeigt sich, dass nicht die persönliche Krisenbedrohung, sondern eine Krisenwahrnehmung, die kollektiv erlebt wird, mit der Aufkündigung von sozialer Gleichwertigkeit einhergeht.
Eine kollektive Krisenbetroffenheit der Gruppe, der man sich zugehörig fühlt, ist, wie aus Abbildung 5 hervorgeht, sehr verbreitet.
80 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass „Leute wie ich" für die Fehler der Wirtschaft und Politik gerade stehen müssen und letztlich die Wirtschaftskrise ausbaden müssen.
Personen, die sich in dieser Weise von der Krise kollektiv betroffen fühlen, fordern nun eher als andere die Aufkündigung von Grundsätzen der Gleichwertigkeit in der Krise.
Die Abbildung 3 illustriert die Zustimmung zu einer krisenbezogenen Ungleichwertigkeit. Personen, die eine kollektive Krisenbetroffenheit wahrnehmen, zeigen in allen Aussagen zur krisenbezogenen Ungleichwertigkeit die höchsten Werte.
Schuldzuschreibungen
Ob die Krise sich zu Lasten schwacher Gruppen auswirkt, ist wesentlich abhängig von der Frage, wem oder welcher Gruppe die Verantwortung zugeschrieben wird. Nach dem »Sündenbockmodell« werden besonders solche Gruppen markiert, die als kompetent und mächtig, aber auch als bedrohlich für die eigene Gruppe eingeschätzt werden. Im Gegensatz dazu eignen sich Gruppen, die als wenig erfolgreich und somit als nicht bedrohlich eingestuft werden, in solchen Krisen, wie sie derzeit existieren, eher nicht als Sündenböcke. Im Einklang mit diesem Modell stellt sich heraus (vgl. Abbildung 4), dass nur knapp 15 Prozent der Befragten die Ursache der Krise bei »den Ausländern« sehen, das heißt bei einer Gruppe, die als sozioökonomisch eher wenig erfolgreich klassifiziert wird, während 89 Prozent der Befragten die Ursache der Krise bei »Bankern und Spekulanten« sehen, die als kompetent, sozioökonomisch erfolgreich gelten und zugleich als bedrohlich wahrgenommen werden können.
Wut und politische Apathie
Obwohl sich knapp die Hälfte der Bevölkerung von der Krise bedroht fühlt und sich auch eine erhebliche Wut in der Bevölkerung registrieren lässt, bleiben politische Proteste und vermehrte politische Partizipation aus. Bei der Bundestagswahl 2009 war ein weiterer Rückgang der Wahlbeteiligung zu beobachten.
Die Betroffenheit von der Krise wird vor allem in der unteren sozialen Lage wahrgenommen. Bedroht fühlen sich auch die mittleren sozialen Lagen. Entsprechend ist hier auch die Wut über die Folgen der Krise besonders verbreitet.
Gleichzeitig ist in der unteren Soziallage das Vertrauen in die Politik stark beschädigt. Obwohl die Betroffenheit stark ausgeprägt und die Wut groß ist, wird auf politische Partizipation jedoch weitgehend verzichtet (Abbildung 5). Diese gefährliche Kombination für die Demokratie wird von politischen Eliten nicht angemessen wahrgenommen. Möglicherweise kommt ihnen diese wutgetränkte Apathie noch entgegen, denn sie „stören" nicht. Diesen Eliten – so unsere Interpretation – scheint die Sensibilität für labile demokratische deutsche Zustände abhanden gekommen zu sein.
Die politische Kapitulation der unteren sozialen Lagen hat Folgen für schwache Gruppen. Vor dem Hintergrund einer erheblichen politischen Unzufriedenheit, der geäußerten Wut und der Betroffenheit bei Personen aus der unteren Soziallage, ist zu fragen, wo sich diese Unzufriedenheit bündelt, wenn kein Ventil in demokratischer politischer Partizipation vorrätig ist.
Fazit
Nicht das individuelle Gefühl der Krisenbetroffenheit führt ins Vorurteil gegenüber schwachen Gruppen, sondern das Gefühl, Angehöriger einer Gruppe von Krisenverlierern zu sein, steht im Zusammenhang mit der Aufkündigung der Gleichwertigkeit von Menschen. Damit werden basale Grundfesten dieser Gesellschaft in Zeiten der Krise angegriffen.
Welche Zusammenhänge der Krise mit gesellschaftlichem Zusammenhalt und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zeigen sich derzeit?
Dazu zeichnen sich fünf wesentliche Komplexe ab:
- Es gibt ausgedehnte Desintegrationsängste in der Bevölkerung.
- Die Orientierungslosigkeit ist hoch.
- Trotz der Sicht in der Bevölkerung, dass eine gesellschaftliche Veränderungsbedürftigkeit existiert, gibt es eine hoffnungslose Unzufriedenheit. Diese setzt sich jedoch nicht in politische Partizipation um. Die politische Resignation der besonders betroffenen und unzufriedenen Gruppen speziell aus der unteren sozialen Lage ist offenkundig. Eine demokratische Repolitisierung ist nicht in Sicht. Es entstehen eher Anknüpfungsmöglichkeiten für rechtspopulistische Mobilisierer.
- Es gibt nach unseren Ergebnissen unter dem Eindruck der Krisen eine Aufkündigung der Gleichwertigkeit von Menschen und keinen neuen Zusammenhalt.
- Eine auf bestimmte Personengruppen ausgerichtete Schuldzuschreibung erfolgt in nicht unerheblichem Umfang und begünstigt die Abwertung dieser Gruppen.
Projiziert man diese empirischen Ergebnisse auf das kurz vorgestellte Stadienkonzept von Krisenelementen, d.h. ausgehend von der Finanz- über Wirtschafts- bis zur Fiskalkrise, dann lassen sich in diesen Ergebnissen die Anzeichen gesellschaftlicher Krisen erkennen. Offen ist, wie sie eingehegt werden können, weil die Gefahr besteht, dass feindselige Mentalitäten den trügerischen sozialen Frieden still und schleichend von innen zersetzen.
DIE GAZETTE.
"Ein politisches Magazin für den kritischen Zeitge-nossen: aufmerksam,
nachdenklich, verlässlich unabhängig, mit Haltung und Rückgrat, jenseits
von Boulevard und Mainstream, gründlicher als die Zeitung und aktueller
als das Buch." Fritz Glunk
09:40 in Gazette, Qualitätsjournalismus | Permalink | Comments (0) | TrackBack (0)
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Am 30. Juli begann ich meine 3 Wochen mit @AmirKassaei: "Mein #ff today: @AmirKassaei - Denn nur wer sich reibt, der bleibt! ;)".
Schon lange hatte ich davon geträumt, Amir zu folgen, denn natürlich war ich schon immer Fan, hatte mich aber nie so recht getraut, es mir einzugestehen, vor dem Spiegel stehend laut und selbstbewußt zu sagen: "Du bist ein Fan des großen, unerreichten @AmirKassaei.
Basis meines Mutes, ihm zu folgen, waren schließlich seine ermunternden Worte zu meinem Artikel beim werbeblogger, in dem ich - und in der Folge viele Kommentatoren - ihm verständlicherweise huldigten.
Ganz der Guru, für den ich ihn hielt, zerfetzte er mich in der Luft, und ich wußte, ich habe es auch nicht besser verdient. Ich fühlte mich verstanden und zurecht zurechtgestutzt. Nun konnte ich lernen, ich war bereit.
Ich nannte es einen Selbstversuch, denn so ganz wollte ich mich meinen Emotionen noch nicht hingeben, wollte Ratio walten lassen, und postrationale ... jetzt hab' ich das Word wieder vergessen .... Ejakulation, oder so.
Ich kann Euch aus vollem Herzen berichten: Im Großen und Ganzen wurden meine Erwartungen an @AmirKassaei in diesen Tagen voll und ganz bestätigt.
Ich kann das natürlich nicht so objektiv wie nötig rüberbringen, denn ich bin kein Handelsblatt-Journalist mit dem nötigen Abstand, ich bin nur ein einfacher Fan. Ich möchte mich hier auch nicht wiederholen, sondern nur bescheiden auf meine Versuche hinweisen, Amir einen Altar zu bauen.
Nun aber wurden meine bescheidenen Versuche zu einem Schatten ihrer selbst, denn Amir ist ein wahrer Guru, wahrlich ein Gott, ein Goldenes Kalb. Amir ist unerreichbar - wie auch @codeispoetry und @tafkap in ihren Tweets am Wochenende zu diesem Tweet Amirs feststellten:
"Kann ich auch die dummen Fressen der deutschen Politiker und ihre noch dümmeren Kommentare auch für immer pixeln lassen?"Das ist unerreicht, "dumme Fressen der deutschen Politiker", unerreicht. Diese Kreativität, diese innovative Sprache, der klare Text, die eindeutige Botschaft, die eingängige Message, das ist Kommunikation at its best. Das kann man nicht mal eben so raushauen, da muß man sich hinsetzen, Erfahrung und Preise sammeln, da muß man "Chief Creative Officer at Doyle Dane Bernbach Group Germany. Born in Iran, grown up in Austria, studied in France, based in Germany, working globally" sein.
An diesem Wochenende und mit diesem Tweet wurde mir endgültig klar: Ich bin es nicht (länger) wert, @AmirKassaei folgen zu dürfen ...
11:41 in Agencies, C-lebrities, Dritte Klasse | Permalink | Comments (3) | TrackBack (0)
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