Wie lange noch wollen Deutschlands Markenverantwortliche private und öffentlich-rechtliche Spam-Versender durch ihre Werbemillionen finanzieren?
(Wikipedia definiert Spam als unerwünschte, in der Regel auf elektronischem Wege übertragene Information, die dem Empfänger unverlangt zugestellt wird, massenhaft versandt wurde, werbenden Inhalt hat.)
Im allsommerlichen TV-Programm muß man sich nichtmal mehr fragen, welche Hälfte des Werbebudgets man gerade zum Fenster hinauswirft.
Trotz der Klagen aus deutschen Marketing-Etagen, daß die Wirkung der TV-Werbung rapide nachläßt, beteiligen sich die Marken-Protagonisten ungehemmt am fröhlichen SPAM-Versenden über alle TV-Kanäle.
Wiedereinmal übernehmen Arnold Schwarzenegger, Steven Segal, Jackie Chan, Jean-Claude Van Damme, etc. das Programm - und zeigen sich, je nach Senderbudget beim Programmeinkauf, in jugendlichem (80iger-Jahre) Leichtsinn oder ergrauter (90iger-Jahre) Seriosität.
Die eine Hälfte der Sender fungiert nur noch als Abspielstation für visuellen Schrott - in 3-monatlicher Rotation. Die restlichen Sender strahlen nachmittags und nachts die Wiederholungen des Abends aus.
Das verbleibende Viertel aller Programme wird gefüllt mit Kochen bis es einem zu den Ohren rauskommt, den Hitgiganten, Superstars, Top Models, Tarzans und Wickies, dem Bau eines McDonald's Restaurants und ...
... ab dem 24.06.: Gülcan und Collien auf dem Bauernhof.
Es ist immer wieder spannend, wie weit die Sender im Niveau noch nachgeben können. Gerade dachte man, man hätte den Boden nicht nur erreicht, sondern längst durchschlagen, da setzt sich der Fall ins Bodenlose fort.
Kein Werbungtreibender meutert, den Agenturen ist es egal, sie werden bezahlt, egal wie schlecht die Leistung der Medien ist. Die Unternehmenschefs schauen weg oder sind zu weit vom Geschehen entfernt, daß sie aufgrund ihrer Kurzsichtigkeit sowieso nichts mehr mitbekommen.
Im Zweifel gibt es sogar mehr Geld für die Agentur, wenn weniger Effektivität pro Euro erzielt wird, da dann die Budgets erhöht werden müssen!
Eigentlich eine interessante Logik: nirgendwo sonst kauft man mehr, wenn es einem nicht schmeckt!
Ich glaube, ich wiederhole mich - aber was die Sender können, kann ich schon lange ...
Natürlich muß man einfach nur den Fernseher ausschalten - genauso, wie man einfach nur die Spam-Mail löschen muß - ärgerlich ist es trotzdem. Denn was könnte man mit dieser ganzen unnützen Energie Sinnvolles anstellen, senden, vermarkten!
So sorgt also das Marketing selbst durch seine Spending-Politik dafür, daß die Wirkung den Bach (ja, den hat man auch abgesetzt, aber der ist schon wieder beim nächsten Sender untergeschlüpft und die sind auch noch stolz drauf) hinuntergeht.
Wiederholungen geben dem Konsumenten zwar das Gefühl von Geborgenheit, aber hinterlassen auch den Eindruck einer gewissen Rückwärtsgerichtetheit - was signifikante Auswirkungen auf die Akzeptanz in bestimmten Zielgruppen hat.
Offensiv zur Schau gestellte Dummheit gibt dem Konsumenten zwar das Gefühl von Geborgenheit, aber hinterläßt auch den Eindruck, die letzten 45 Minuten seines Lebens verschwendet zu haben - was signifikante Auswirkungen auf die Akzeptanz in bestimmten Zielgruppen hat.
Beides gemeinsam führt schließlich dazu, daß das TV nur noch als Radio benutzt wird, da man nur alle paar Minuten - und bei der Werbung bestimmt nicht - mal hingucken muß, um wieder in den Synchron-Mitlall-Rhythmus zu kommen.
Oder man stellt eine schlanke Blumenvase drauf.




