Gebetsmühlenartig repetieren die Agenturen: "Wir sind die Zukunft! Wir sind die Agentur der Zukunft! Wir sind die Zukunft! Wir sind ... wir ... wir ..." - in der Hoffnung, dieses Mantra ohne Engagement Realität werden lassen zu können. Von Ralf Schwartz.
Wiedermal ist der Wunsch der Vater des Gedanken. Und die Mutter ist mit dem CEO der Online-Agentur durchgebrannt.
DIE AGENTUR DER ZUKUNFT
Frage: Welcher Agentur gehört die Zukunft?
Antwort: Google!
KOMMUNIKATIVER ANALPHABETISMUS
Wer sonst kann die Zeichen der Zeit besser lesen als Google? Oder sie in profitable Pläne, Produkte, Prozesse und Services umsetzen?
Na gut, Apple, Microsoft, Yahoo, Facebook, Amazon, etc. ... sind auch gut. Zumindest besser als jede Agentur da draussen.
Vielleicht warten die Agenturen ja nur noch auf eine Verlagsstudie, die ihnen die Welt erklärt. Vielleicht versuchen sie noch, diese Welt in Excel zu pressen und zu verformeln.
Es wird Zeit, daß die Agenturen ihre Köpfe heben, ihre Augen öffnen, die Welt mit allen Sinnen inhalieren und sich endlich auf das Wesentliche konzentrieren: Weg von den Symbolen und Symptomen, hin zu den Kausalitäten und Komplexitäten, die das Leben des Einzelnen bietet und aus denen die Strategien erfolgreicher Kommunikation zu lesen, zu extrahieren, zu formulieren und zu realiseren sind.
ALLES NEU MACHT DER GOOGLE!
Ohne daß die Agenturen es merkten, hat Google ihr Geschäftsmodell nachhaltig gestört, wenn nicht gar zerstört (was sich in Bälde weisen wird).
Um sie herum knabbert die Synthese aus Telekommunikation, Informationstechnologie, Medien und Entertainment am ureigenen Agenturgeschäftsmodell. Zu verfault sind anscheinend ihre Knochen als daß sie es noch merken.
DIAGNOSE
Die folgenden Themenkomplexe helfen Ihnen als Markenverantwortlicher/m im Unternehmen, zu diagnostizieren, inwieweit Ihre aktuelle Agentur tatsächlich 'die Zukunft' bzw. 'die Agentur der Zukunft' ist - inwieweit Ihre Marke in guten Händen bzw. selbst auf dem richtigen Wege ist.
Gleichen Sie einfach die einzelnen Bereiche mit der Realität Ihrer Agentur bzw. Ihren Vorstellungen ab. Gaps sollten Sie mit Ihrer Agentur diskutieren und Konsequenzen ziehen.
Die ersten vier Kompetenzen (Zukunfts- bis Kooperationsfähigkeit) fassen die Mythen des medialen Alltages No.01 - No.04 abstrahierend zusammen. Dies ersetzt nicht die Detailarbeit mit den Mythen, gibt aber eine klare Richtung vor.
01) Zukunftsfähigkeit
Die Behauptung alleine, 'Zukunft' zu sein, mag der Presse und den Agentur-CEOs reichen, befriedigt aber im Tagesgeschäft nicht wirklich. Vielmehr müssen die folgenden Kriterien erfüllt sein:
a) Offenheit & Wandlungsfähigkeit
Zukunft muß aktiv zugelassen werden. Die meisten wehren sich noch vehement, bedeutet Zukunft doch das Ungewisse, das Unberechenbare, die Veränderung, das Verlassen eingetretener Pfade.
Gerade der Manager möchte immer alles unter Kontrolle haben. Unabhängig davon, daß er dann seinen Job mißverstanden hat, versagt er sich damit auch so manchen Erfolg.
Es wird zwar inzwischen langweilig, aber man kann es nicht oft genug sagen: Nur in den, der sich öffnet, kann Neues eindringen und erblühen.
Toleranz, Technologie, Talent sind hier die Stichworte, die jeder von Florida's 'Rise of the Creative Class' kennen sollte - der eigentlichen 'Bibel' aller kreativ denkenden und schaffenden Menschen (eine kurze Zusammenfassung finden Sie hier (unter rsc // reviews & reflections)).
Bemerken Sie die notwendige Offenheit (siehe die ff. Punkte) und Wandlungsfähigkeit bei den Mitarbeitern und dem Top Management Ihrer Agentur?
b) Intuition & Imagination
Geht die Agentur intuitiv den richtigen Weg? Geht sie voraus? Gibt sie dem Wandel mit schlafwandlerischer Sicherheit nicht nur eine Richtung, sondern ein erfolgversprechendes Ziel?
Hat sie genügend strategisches Know How, um zu verstehen, wer wann welche Rolle im Kommunikationsmarkt spielt und daraus die entsprechenden Konsequenzen für ihr strategisches Denken, ihre Geschäftsfeldoptimierung und ihre Investitionen abzuleiten?
Hat sie das notwendige Fingerspitzen- und Bauchgefühl?
Vor allem: Leitet Sie daraus die richtigen Kommunikationsstrategien für Ihre Marke ab?
c) Speed to Market
Wie schnell kann die Agentur ihre Ideen und Ansätze in praxisnahe Services und Lösungen (und Vorteile) für die zu betreuende Marke umformulieren? Werden entwickelte Strategien und deren Maßnahmen unverzüglich ins Tagesgeschäft integriert?
Wie hoch also ist die Umsetzungskompetenz der Agentur? Wie stark sind zB. Themen wie Business Intelligence automatisiert (Learning Cycles entsprechend minimiert und Learning Insights maximiert), das Wissensmanagement horizontal und vertikal strukturiert, die Lernende Organisation realisiert, das Intellectual Capital mit Hilfe des 'Quickschen Dreiklanges' ("Generate - Share - Transform") freigesetzt, gefördert und kapitalisiert?
Zukunftsfähigkeit kann man auch als die intrinsische 'Lust auf Zukunft' beschreiben, die Erarbeitung zukunftsbasierten Know Hows, um zu verorten, wohin die Reise geht und was möglich sein wird - die pure Freude am Teilen des Wissens.
2) Begeisterungsfähigkeit
Noch weniger als in der Vergangenheit können sich Agenturen heutzutage erlauben, gestellte Aufgaben einfach stapelorientiert abzuarbeiten. Trotzdem ist diese beliebte Arbeitsweise vorherrschend - was vornehmlich an der fehlenden Begeisterung der Mitarbeiter, vor allem aber der fehlenden Begeisterung des Managements liegt (denn, wie gesagt, der Fisch stinkt vom Kopf).
Wie begeistert ist also Ihre Agentur bei der Sache?
a) Werbung, Kommunikation & Marke
Die Agentur der Zukunft wird sich endlich für Werbung interessieren müssen! Sie wird Werbung inhalieren und sich für sie begeistern können müssen.
Erkenntnisse aus den reinen Daten werden immer öfter von Maschinen generiert. Qualitative Erkenntnisse resultieren aus den Soft Facts, und die finden sich nicht zwischen den Zeilen. Dafür muß man an die Front, den Fernseher, den Point of Sales, die Strasse.
Sie wird Kommunikation als individuelles, zwischenmenschliches Thema begreifen müssen und nicht als die Schaltung einer Doppelseite im Stern oder eines 30-Sekünders im TV.
Sie wird die Marke endlich als Persönlichkeit verstehen lernen müssen. Mit individueller Persönlichkeit und ihren Ecken und Kanten.
Wie oft sprechen Sie mit Ihrer Agentur über Werbung im Besonderen und Kommunikation im Allgemeinen? Wie oft tauschen Sie Ihre Meinungen, Philosophien und Begeisterung für die ein oder andere Entdeckung aus?
b) Das Neue & das Spiel
Können Sie noch das Glänzen in den Augen Ihres Beraters entdecken? Die kindliche Neugier und Spielfreude? Die Lust auf das Ausprobieren des Neuen? Wie oft noch entdecken Sie dieses Leuchten in Ihren eigenen Augen?
Ohne enthusiastische Spiel- und Experimentierfreude auf Agenturseite haben Sie und Ihre Marke einen immensen Nachteil gegenüber den kleinen Agentur Hot Shops, aber auch gegenüber den heutigen Konsumenten. Die nämlich probieren aus, analysieren und bewerten - und teilen ihre Ergebnisse, Meinungen und Einschätzungen dem Rest der Welt mit.
Nur Expertise und Erfahrung aus erster Hand wird Sie in Zukunft retten.
Bei TV und Print können noch alle sagen 'kenne ich'. Bei den neuen Medien ist es weitaus schwieriger, dies einfach zu behaupten.
Hier muß Freiraum für Experimente geschaffen werden, müssen Strukturen geschaffen und Regeln vereinbart werden, die das Undenkbare ermöglichen. Die Welt hat sich geändert und mit ihr das Konsum- und Kommunikationsverhalten.
Halten Sie Ihre Berater davon nicht fern, schließen Sie sie nicht aus, sondern gewähren Sie ihnen einen Platz in der ersten Reihe (man kann nicht mehr weltweit verbieten, daß der Berater seine privaten Mail- und Internet-Aktivitäten außerhalb der Arbeitszeit erledigt).
Wie an vielen anderen Stellen auch, sind die Übergänge hier fließend und jedes bißchen zusätzlicher Freiheit führt zu mehr Engagement und Begeisterung und Erfolg.
Machen Sie die Probe aufs Exempel! In Ihrer Abteilung, Ihrem Unternehmen, bei Ihrer Agentur!
c) Technologie
Telekommunikation, Informationstechnologie, Medien und Entertainment rücken zusammen. Auch hier gibt es keine erkennbaren Übergänge mehr. Alles ist im Fluß. Siehe oben.
Sie können nicht länger auf eine Early-Adopter Mentalität bei den neuen Medien verzichten, das wäre kommunikativer Selbstmord. Machen Sie das Ihrer Agentur klar oder suchen Sie sich eine neue. Sonst übernehmen Google, Apple, Nokia, Yahoo, etc. das Geschäft Ihrer Agentur ganz!
Natürlich könnten Sie netterweise auch dem Agentur-CEO (und der Geschäftsführung) sagen, daß es schon lange nicht mehr reicht, Blackberry oder iPhone demonstrativ auf den Konferenztisch zu legen. Hier geht es nicht mehr um Oberfläche, sondern um Technik- und Technologieverständnis in der Tiefe, um Expertise, um Nerdiness im besten Sinne.
Schafft es Ihre Agentur, Sie in obigen 3 Themenbereichen zu begeistern? Auch in kurzen Abständen? In den meisten Meetings und den richtigen Momenten?
Das Geschäft ist zwar ein People Business, aber ohne profundes Technologie Know How nutzen Ihnen die ganzen netten Leutchen auch nichts mehr.
3) Durchsetzungsfähigkeit
Kann sich Ihre Agentur in diesem Umfeld noch durchsetzen? Können sich die besten Mitarbeiter der Agentur mit ihren Vorstellungen durchsetzen? Sind sie so stark, das Spiel zu gewinnen?
Sie kommen längst zu spät, um das Spiel noch zu gewinnen?
Vielleicht sollte dies auch gar nicht mehr Ihr Ziel sein. Vielleicht sollte Ihr Ziel sein, die Regeln des Spieles fundamental neu zu schreiben. Und wenn es den Konsumenten gefällt, werden sie Ihr Spiel spielen. Nur dann haben Sie zumindest eine kurze Zeit einen Wettbewerbsvorteil.
Stellen Sie die Weichen für mehr
a) Kompetenz,
b) Konsistenz und
c) Konsequenz
in Ihrer Agentur, für Ihre Marke, für Ihre Kommunikation.
Wenn Sie sich nicht durchsetzen, wäre die Implementierung der vorherigen Punkte reine Zeitverschwendung gewesen. Gehen Sie also den ganzen Schritt!
4) Kooperationsfähigkeit
Die wenigsten Agenturen, Medien und Unternehmen können heute noch auf sich allein gestellt signifikante Erfolge verbuchen. In diesem Zeitalter der Synthese ermöglichen Kooperationen die Optimierung von Insight-Generierung, Synergieeffekten und Innovationsgeschwindigkeit - bei gleichzeitiger Kostenoptimierung.
Ihre Agentur muß heute in drei Dimensionen ihre Kooperationsfähigkeit unter Beweis stellen:
a) Intern
Wie schnell wird globales Wissen aufgebaut und in den eigenen Tag, in die eigenen Empfehlungen integriert? Über Abteilungs- und Ländergrenzen hinweg!
b) Extern
i) Moderiert Ihre Agentur ein oder mehrere Innovation Networks mit Lieferanten, Medien, Technologie-Spezialisten?
(Und damit sind nicht irgendwelche Pool- oder Share- oder Whatever-Deals gemeint!)
ii) Inwieweit kooperiert Ihre Agentur mit Konsumenten (als Scouts, als Panel, als Feedback-Partner)?
c) Spin-Offs
Die Agenturen müssen endlich dort ankommen, wo international erfolgreiche Unternehmen schon seit Jahren erfolgreich agieren.
Man kann nicht vom Mitarbeiter unternehmerisches Denken fordern und ihm dann untersagen, ein Unternehmen zu gründen.
Welche Spin-Offs Ihrer Agentur kennen Sie? Welche sind erfolgreich? Welche stehen wirklich auf eigenen Füßen?
Gibt es keine, muß man fast annehmen, in dieser Agentur haben nie gute, erfolgreiche Unternehmerpersönlichkeiten gearbeitet. Zumindest niemand, der sich zutraut, auf eigenen Beinen stehen zu wollen bzw. niemand, dem die Agentur zu ihrem eigenen Vorteile zutraut, auf eigenen Beinen zu stehen.
Während es sich bei den obigen vier Komplexen um die - auch für eine Agentur relevante - Basis eines erfolgreichen Unternehmens handelt, sind die folgenden Themen notwendige, Agentur-spezifische Kompetenzen einer erfolgreichen Zukunft. Kompetenzen über die sich jede/r Markenverantwortliche klar sein sollte, denn sie selbst muß zumindest Sparringspartner, wenn nicht Challenger der Agentur- und damit Kommunikations- und Markenarbeit sein!
5) Kommunikationstheorie & Medienphilosophie
Um die Grundlagen von Kommunikationstheorie und -wissenschaft, Medientheorie, Medien- und Kommunikations-Philosophie in die tägliche Arbeit jedes einzelnen Beraters einfließen zu lassen, kann die Agentur nur die Zusammenarbeit mit Kommunikationswissenschaftlern, Universitäten und Einrichtungen der Grundlagenforschung beginnen und kontinuierlich intensivieren. Sie selbst hat weder das Know How, noch das Potential, dieses Wissen aus eigener Anstrengung zu generieren oder zu vertiefen.
Dieses Wissen ist jedoch unerläßlich zum grundsätzlichen Verständnis einer sich dis/kontinuierlich wandelnden Konsum- und Kommunikationskultur.
Dieses Wissen ergibt sich weder aus den aktuell verfügbaren Studien, noch aus Excel oder Powerpoint. Mediaplanung ist zwar weder eine Kunst, noch eine Wissenschaft - eine wissenschaftlichere Herangehensweise würde den Empfehlungen und Ergebnissen trotzdem guttun.
Mit welchem Lehrstuhl arbeitet Ihre Agentur zusammen?
6) Kommunikationsforschung
Idealerweise betreibt die Agentur ein eigenes Panel, um Erfahrungen mit neuen Medien, Mediamix-Modellen und neuen Ansätzen zur Konsumentenforschung zu generieren und dem Tagesgeschäft zur Verfügung zu stellen.
(Schließlich sind 99% der Vermarkter-Medienforschung Zeitverschwendung, da sie ausschließlich den eigenen Interessen dienen und nicht einen objektiven Erkenntnisgewinn zum Ziele haben.)
Lassen Sie sich die proprietäre Forschung der Agentur präsentieren - wenn Sie sie schon nicht selbst angestoßen haben, um mehr über Ihre Marke und Qualität der Kommunikation zu erfahren!
7) Consumer Engagement Forschung
Die Agentur der Zukunft muß den Konsumenten, seine Motive, seine Bedürfnisse verstanden haben, ehe(!) sie Ihnen eine Kommunikations-Strategie für Ihre Marke empfiehlt.
Hier fehlt es an allen Ecken und Enden an Grundlagenforschung. Viel zu lange ist man von (mehr oder weniger) eindimensionalen Wirkmechanismen ausgegangen.
(Und warten Sie bitte nicht auf die Ergebnisse des Neuro-Marketings!)
Wann engagiert sich der Konsument für Ihre Marke? Wann kauft er? Wann sagt er seine Meinung im Internet? Wann empfiehlt er weiter?
Hat das noch etwas mit der schieren Anzahl von Kontakten und ihrer Anhäufung in bestimmten Zyklen zu tun? Wie also kann die Agentur hier tätig werden?
8) Empathie
Wie nahe steht die Agentur bzw. der einzelne Berater dem (potentiellen) Konsumenten? Verstehen sie, wie er denkt, fühlt und handelt? Können sie sich wirklich in ihn hineinversetzen? Können sie heute ahnen, wie er in Ihrem nächsten Geschäftsjahr handelt?
Inwieweit praktiziert Ihre Agentur qualitative Marktforschung oder gar Morphologie? Welches Wissen generiert man dort über beispielsweise
a) Relationen und
b) Relationships von
c) Communities
d) (potentieller) Konsumenten untereinander oder
e) mit Ihrer Marke?
9) Targeting & CRM
Je stärker Zielgruppen fragmentieren, desto wichtiger wird die Information über das einzelne Mitglied.
Während sich die großen Unternehmen, wie Apple/iTunes, Google, Facebook/StudiVZ, Microsoft, Yahoo, Amazon, etc. (entschuldigung, daß ich immer diese nenne), längst in Stellung gebracht haben, um Adressen und sonstig relevante Informationen zu sammeln, schauen die Agenturen zurückhaltend zu - und später in die Röhre!
Hier geht einer der wichtigsten Profitbringer und Erfolgsgaranten der Zukunft glatt an ihnen vorbei!
Welche Agentur zB. besitzt eine Community - oder ist an einer beteiligt -, um die Themenbereiche 05 - 09 intelligent und effektiv abzudecken?
Inwieweit kann die Agentur aus ihrem proprietären Wissen wirklich (zukünftige) Zielpersonen und Zielgruppen identifizieren? Gehen die Erkenntnisse der Agentur weiter als bis zur nächsten Ausgabe der ma/AWA/etc.? Hat sie Targeting-, Data Mining- und CRM-Erfahrung? Oder kennt sie wenigstens jemanden, den sie fragen könnte?
10) Kreation & Channel Planning
Die Agentur der Zukunft versucht nicht mehr, Kommunikation in
- Kreation
und
- Channel Planning
auseinanderzudividieren. Denn Kreation und Channel Planning sind - auch in Zukunft - nicht zu trennen!
Da kann man 'Henne oder Ei' so lange diskutieren wie man will. Wer es heute noch nicht glaubt, glaubt es spätestens beim Siegeszug des mobilen Internets!
Aus der dringend notwendigen Verschmelzung von Kreation und Channel Planning ergibt sich die Konsequenz, eine Entscheidung in Richtung Einkauf oder Strategie treffen zu müssen.
Einfach, weil man sich nicht wirklich auf beides konzentrieren kann, wie es heute leider alle praktizieren.
11) Einkauf ODER Strategie
Strategie-orientierte Agenturen werden sich Werbe-Agenturen nähern und darin aufgehen, Einkaufs-Agenturen werden sich von beiden entfernen.
Das dauert knapp sieben Jahre - und in 15 Jahren stehen wir wieder da, wo wir heute stehen (zumindest, wenn die Agenturen sich nicht grundsätzlich infragestellen und innovative Antworten finden).
Beides muß nicht das Schlechteste sein.
Die, die sich - und damit ihre Kräfte - schnell fokussieren, werden die Gewinner sein gegenüber denen, die am alten Modell kleben und sich selbst auseinanderreißen, weil sie gleichzeitig in beide Richtungen marschieren - Einkauf und Strategie. Einen Tod werden sie sterben müssen. Sie werden ihre TV-Profitmargen nicht in die Zukunft und zu anderen Medien retten können und gleichzeitig überzeugende Strategien formulieren - das geht heute ja auch nicht!
Einkaufsoptimierung oder Strategieempfehlung? Quantität oder Qualität? Für was entscheide ich mich? Was traue ich mir zu? Was traue ich meiner Organisation zu? Aus den Antworten ergibt sich die Agentur-individuelle Vorgehensweise.
Ein Mix wird zum Scheitern verurteilt sein. Ebenso wie der trügerische Gedanke, daß das eine 'more sexy' als das andere ist. Beides erfordert Intelligenz, Intuition und Imagination. Beides erfordert die ganze Agentur. Beides erfordert Kompetenz im jeweilig anderen Thema.
Und man wird einen Part nicht zur Gänze opfern müssen, aber ein Fokus von 80 zu 20 Prozent wird notwendig sein.
12) Technologie-Kompetenz
Die Technologie-Kompetenz der Agenturen ist so stark unterentwickelt, daß wir sie hier nochmals ansprechen müssen.
i) Je geringer die Technologie-Kompetenz Ihrer Agentur, desto vehementer wird sie für eine Trennung von Kreation und Channel Planning eintreten.
ii) Je höher die Technologie-Kompetenz der Agentur, desto größer die Einsicht, daß allein die Synthese von Kreation und Channel-Planning erfolgreich sein wird - nicht die historisch gewachsene und immer noch erschreckend aktuelle Silomentalität der Agenturen unter- und gegeneinander.
Je früher Sie also eine Optimierung der Technologie-Kompetenz Ihrer Agentur einfordern, desto schneller können Sie den letztendlich erfolgreichen Kommunikationsweg für Ihre Marke beschreiten (und ebenso erfolgreich kapitalisieren).
13) Legal Department
Nicht zu vergessen, gerade, weil es immer einfacher wird, Fehler zu machen bzw. den leichten, da illegalen Weg zu gehen: Sie brauchen dringend ein kompetentes Legal Department für die Themen Privatsphäre und Datenschutz des social web, die bald auch in anderen Zusammenhängen relevant werden, nämlich überall, wo Sie online und offline Informationen von Ihren (potentiellen) Konsumenten, Besuchern und Mitgliedern sammeln.
Lassen Sie die Agenturen ihre eigenen Empfehlungen daraufhin abklopfen, Sie sparen Zeit und viel Geld - und manche negative Presse (man denke nur an die Versuche von Facebook, StudiVZ und Konsorten in der letzten Zeit).
THERAPIE
Eine Therapie ist die Umsetzung von Empfehlungen und Erkenntnissen, die bereits ihre Wirksamkeit bewiesen haben.
Fragen Sie also Ihre Agentur, ob sie schon individuelle Antworten auf die obigen, diagnostischen Fragestellungen und Themenbereiche hat.
(Idealerweise haben auch Sie selbst schon ein paar Antworten bzw. bereits die ein oder andere Lücke im eigenen Unternehmen / Bereich geschlossen und können bei der Agentur als Vorbild glänzen!)
Sind Sie mit den Antworten der Agentur nicht zufrieden, fragen Sie sich realistischerweise bitte zuerst, in welcher Priorität Sie in Ihrer Agentur stehen.
Haben Sie die Möglichkeit, die Arbeit der Agentur grundlegend zu beeinflussen oder sollten Sie lieber die Agentur wechseln?
Fragen Sie Ihre Agentur! Die sollten froh sein, daß sich jemand Gedanken macht.
Die sinnvollste und erfolgversprechendste Therapie beginnt mit der Implementierung von
- Zukunftsfähigkeit,
- Begeisterungsfähigkeit,
- Durchsetzungs- und
- Kooperationsfähigkeit
idealerweise jedes einzelnen Mitarbeiters und der Agentur als Gesamtheit. Ein guter Start sind die Berater Ihrer Marken und Etats.
(Hier möchte ich mich wiederholen und nochmal auf die ausführliche und weniger abstrakte Darstellung und Anleitung in den ersten vier 'Mythen des medialen Alltages' hinweisen!)
Die spielerische Institutionalisierung dieser vier basalen Fähigkeiten bildet die ideale, mentale Voraussetzung zur Schließung der diagnostischen Lücken 05 - 13.
Insgesamt müssen alle Kompetenzbereiche mit Agentur-individuellem Leben gefüllt, müssen Strategien entwickelt und Maßnahmen abgeleitet - und gleichzeitig das Tagesgeschäft nicht vernachlässigt - werden.
Nicht zuletzt sind zwei wichtige Themenkreise strategisch zu entscheiden:
a) Inwieweit macht es Sinn, einen Berater hinzuzuziehen, und damit Herausforderung, Innovation und die dringend notwendige Sicht von außen in die Agentur einzuladen?
b) Inwieweit kann ich intellektuelle und handwerkliche Lücken aus eigener Kraft füllen, indem ich die eigenen Mitarbeiter entwickle? Reicht die Zeit? Kaufe ich lieber Wissen (und Erfahrung) ein, das ich in der Folge potenzieren kann?
PROPHYLAXE
Diejenigen, die schon mit
- Zukunftsfähigkeit,
- Begeisterungsfähigkeit,
- Durchsetzungs- und
- Kooperationsfähigkeit
gesegnet waren, benötigen im Grunde keinen Rat zur Vorbeugung.
Die anderen sollten diese vier Kompetenzen schnellstmöglich institutionalisieren.
Wobei der Spaß und das Spiel im Vordergrund stehen sollten und nicht der zwanghafte Versuch, jetzt kurzfristig etwas über das Knie zu brechen, was in den letzten Jahren nicht organisch gewachsen ist bzw. im Zweifel sogar (bewußt oder unbewußt) unterdrückt wurde.
SUMMARY & AUSBLICK
Wie wir gesehen haben, wird allein der Glaube an die Zukunft und den entsprechenden Erfolg nicht ausreichen. Das Spiel allein und die Hoffnung werden keinen Kunden bewegen, die unvorbereitete Agentur zu engagieren.
Das Engagement der Agentur um des Engagements willen wird in Aktionismus ausarten - wie man an jeder Büroecke in den relevanten Agenturbiotopen beobachten kann.
Das Spiel, die Begeisterung muß reale Konsequenzen haben: Prozesse, Projekte und Strukturen müssen entstehen. Ansichten und Einstellungen müssen sich ändern. Eine neue Sicht der Dinge muß wachsen. Der Aufbruch benötigt die erste Priorität. Man wird einen Plan benötigen, keine Absichtserklärungen mehr.
Die Zukunft erschaffen wir selbst - sie ist nicht unser Schicksal. Aber sie wartet auch nicht auf uns. Wir müssen uns ihrer würdig erweisen. Wir müssen ihr mit offenen Armen, begeistert und begeisternd entgegentreten.
Sie ist keine Bedrohung, sondern unsere Chance. Wir sollten sie ergreifen wollen.




