So wenig ernst nehmen ARD/ZDF ihren Bildungsauftrag und so wenig wertvoll ist ihnen das Bürger-Geschenk von 7 Milliarden Euro pa., daß sie nichtmal auf die Idee kommen, uns dafür mit der Erlösung von Werbung oder gar mit qualitativ hochwertigem Programm zu danken. Von Ralf Schwartz.
Für allumfassende Einfalt reicht
auch 1 einziger Sender!
Der öffentlich-rechtliche Stolz
Warum steht keiner der öffentlich-rechtlich verantwortlichen Manager auf und verkündet, in Zukunft auf Werbeeinnahmen zu verzichten, im Sinne des Bürgers sparen und trotzdem ein qualitativ weitaus besseres Programm liefern zu wollen, das den Bildungsauftrag sowie den Bürger endlich ernstnimmt und nicht von Pilawa und Konsorten an der Nase herumführen und verdummen läßt?
Es ist enttäuschend, daß ARD/ZDF so wenig Stolz, Rückgrat und Selbstbewußtsein, Verantwortungsgefühl und Sendungsbewußtsein(!) haben, daß sie nicht auf diese 350 Werbemillionen pa. verzichten können, sondern jeden Euro, dessen sie habhaft werden, in ihrem unendlichen Schlund auf Nimmerwiedersehen versickern lassen. Ja, auch auf Nimmerwiedersehen in Form nicht gesendeter Qualität.
Der öffentlich-rechtliche Föderalismus
Eine unvorstellbare Geldverschwendung in Analogie zum unsäglichen Länderföderalismus: Jedem Bundesfürsten wird sein eigener Sender gestattet, seine eigene Landesmedienanstalt und gemeinsame Betriebsausflüge, auf denen man sich über Berlin und die Bürger scheckig lacht, die nächste Gebühr erfindet, gar das nächste Medium in die Reglementierung phantasiert.
Provinzieller geht es nicht mehr in einer globalisierten Welt. Wenn Beamte für Beamte den Affen machen. Aber warum sollte es bei einem sogenannten Fernsehsender anders sein als in der sogenannten Koalition?
Die öffentlich-rechtliche Einfalt
Vielfalt besteht nur in der Anzahl inzestuöser Sender-Zöglinge, einzig existierend, da man nicht weiß, wohin mit dem Gelde, nicht etwa, weil sie irgendjemand in erklecklicher Zahl brauchen oder gar vermissen würde, würden sie morgen für immer geschlossen und die gesparten Milliarden an die Gebührenzahler durch die GEZ-Drückerzentralen zurückgegeben.
Im Inhalt jedoch setzt alles auf Einfalt:
1 - Proporz-getriebener 'Enthüllungsjournalismus', bei dem sich die Bundesländer in wöchentlich wechselnder Reihe gegenseitig 45 Minuten lang den Schwarzen Peter zuschieben.
2 - Mehr oder weniger verklärte Erinnerungen an Hitlers Reich, die Leistungen der deutschen Wehrmacht, ein Volk von Widerstandskämpfern - die es heute nichtmal mehr schaffen, gegen das TV-Programm aufzubegehren.
3 - Spiele-Shows auf dem Niveau der 3. Klasse öffentlicher Schulen und Krankenhäuser, unterirdischer als jede inhouse-generierte Privaten-Qualität.
4 - Talk-Shows, die nur dem Zwecke dienen, ansonsten völlig unbekannten Politikern eine Viertelstunde Ruhm zu servieren, sich an den Themen der Welt reiben, aber bloß nicht an ihnen abarbeiten zu lassen. Jede Minute länger würde mehr Inkompetenz und Ahnungslosigkeit offenbaren und ...
5 - Wiederholungen allen Materials auf den Dritten, da man dort sowieso nicht weiß, was man senden soll - sowenig wie der Rentner weiß, was er kauen soll. Mantelprogramm für einen nicht-existenten Körper.
6 - Neue Formate werden hier nicht entwickelt. Man schafft es ja nichtmal bei der BBC oder den Privaten zielgruppengerecht zu kopieren.
Gerade heute bräuchten wir die Telekollegs, den Englischunterricht, die Auslandsjournale, die Intelligenz und Kreativität, den Mut, die Risikobereitschaft, die wirklichen Entertainer, die Persönlichkeiten dringender als damals.
In Deutschland sind wir im Aufbau ohne Ziel, ohne Richtung und ohne Plan. Wir werkeln stur vor uns hin. Gucken weder links, noch rechts, geschweige nach vorne.
Wir bohren dünnste Bretter und machen Wahlplakate draus.
Der vielgerühmte Ruck war bloß die Trägheit der Masse als der Zug entgleiste!
(Wir erfreuen uns so sehr unserer Aktivität, daß wir die entsprechende Sinnsuche darüber vergessen. Es gibt keine wirklichen Männer, die etwas anpacken, Frauen, die etwas bewegen, Kinder und Jugendliche, die etwas relevantes lernen wollen und neugierig sind.
Wir hängen denen an den Lippen, die für ihre Sprüche 100.000 Euro Strafe zahlen müssen und belohnen sie mit einem Werbevertrag für Margarine.
Weder im Management, noch in der Politik, noch in den Medien gibt es Vorbilder, die uns nachhaltig und sinnhaft inspirieren.)
Die öffentlich-rechtliche Zukunft
Öffentlich-Rechtliche Einfalt wohin wir schauen - muß man die noch mit gefühlten, sich selbst referenzierenden 43 TV- und 75 Radiosendern potenzieren?
Für diese allumfassende Einfalt reicht ein einziger Sender. Ich muß nicht mit dem Zweiten besser sehen können, wenn es eh nichts zu sehen gibt!
Ja, vollkommen richtig: ein einziger Sender, von mir aus heißt er 'Das Letzte', aber wir könnten Milliarden Euro Jahr für Jahr - bei gleichzeitig besserer Qualität - einsparen.
Als Gegengewicht zu den Privatsendern, die uns in unserer Entwicklung zurückwerfen, brauchen wir einen - aber nur einen einzigen - Sender, der uns wirklich voranbringt.
Ich weiß, je weniger wir mit Intelligenz gesegnet sind, desto weniger stört uns auch der ubiquitäre Zeitdiebstahl durch die Medien, der zudem noch ganze Generationen von Hirnzellen auslöscht.
Ich weiß auch, daß das niemanden mehr stört.
Und ich weiß auch, daß die, die längst wieder eine gelöschte Festplatte haben, im Fernsehen arbeiten und uns vom Bildschirm her anspringen.
Aber genau das ist ja das Problem!




