Die Geschichte von Coca Colas 'Georgia' ist eine Geschichte voller Mißverständnisse. Und höchstwahrscheinlich schmeckt sie auch so! Das Georgia-Video und der Versuch einer Objektiven Hermeneutik. Von Ralf Schwartz.
Der Spot für Georgia schildert einen "Tag auf der Plantage", sagt jedenfalls die erste Einstellung.
Karl ist ein Bauer, der auf dieser Plantage arbeitet und die Zuschauer als Besucher ein wenig jovial mit "Hi" willkommen heißt.
Dann sagt Carl, den ich lieber mit 'C' schreibe, denn die Plantage scheint so wenig in unseren Breitengraden zu liegen, daß man sie Plantage nennt: "Aus Tradition wissen wir mit heißem Wetter umzugehen."
Wohlgemerkt, nicht mit Hitze, sondern mit 'heißem Wetter'. So spricht man heute auf dem Bauernhof im Ausland. Schließlich sucht Bauer Frau. Da gibt man sich schonmal mehr Mühe.
Dafür gibt es einen Bonus für den Texter, der dem Volke auf den Mund geschaut hat. Für den Kreativen, der sich den Namen Carl einfallen ließ, gibt es übrigens nichts! Außer natürlich, das soll ein Red Herring sein.
Jetzt hätte der Spot so wunderschön viral weitergehen können, falls Carl sein Hemd ausgezogen und den Saft aus seiner Achselhöhle gepreßt hätte.
Aber nein, der Satz mit dem 'heißen Wetter' wird nicht aufgelöst, sondern es wird gezeigt, daß - oh, welch kreative Meisterleistung, welch innovative Idee - die Flasche gleichzeitig die Frucht ist, die am Baume wächst!
"Hm", sagt Carl, der sich eine pflückt und probiert wie seinerzeit Claudia Bertani, "nicht zu süß und nicht zu herb." (Also nicht, daß er damals Claudia Bertani gepflückt hätte, nicht wahr! Nein, das war Dr. Dittmeyer, der kleine Kinderschänder. Ich mach ja nur Spaß.)
Also: "Hm, nicht zu süß und nicht zu herb." Was einem leider überhaupt nicht hilft, denn auch ein Omnibusreifen ist 'nicht zu süß und nicht zu herb', schmeckt aber trotzdem nicht. Aber vielleicht macht genau das manchen Plantagenbesitzer neugierig, sich bei Monsanto eine ebensolche Saat zu ordern.
Carl: "Wir verfeinern alle mit Apfelsaft-Fermentat."
Warum? Ich dachte, die sind alle perfekt: "Hm, nicht zu süß und nicht zu herb." Oder? Warum müssen die dann doch noch verfeinert werden?
Vor allem: Was ist Apfelsaft-Fermentat? Hört sich nicht sehr natürlich an. Also doch Monsanto.
Carl: "Nur die Besten bekommen unser Etikett."
Jetzt verstehe ich gar nichts mehr. Warum wird zuerst jede einzelne mit Apfelsaft-Fermentat verfeinert, wenn dann doch nur die Besten "unser Eitikett" bekommen? Das wäre doch umgekehrt sinnvoller, oder? Da könnte man doch eine ganze Menge Apfelsaft-Fermentat sparen, wenn man zuerst den Ausschuß aussortiert.
Carl: "Dann schicken wir sie raus zu Euch."
Was dann wohl bedeutet, raus aus seinem Land und rein in unser Land Deutschland.
Ohne vorgreifen zu wollen, aber warum steht dann im Abbinder "Produced in Germany", wenn Georgia doch in Plantagenland produziert wird, wie der gesamte Spot zeigt.
Oder meint dieser Abbinder, daß der Spot in Deutschland produziert ist?
Wobei Carl nicht sagt - das möchte ich hier nochmal ganz klar zum Ausdruck bringen -, welche Charge wir bekommen: "Nur die Besten bekommen unser Etikett. Dann schicken wir sie raus zu Euch." Hm, welche schickt er "raus zu Euch"? Die Besten? Oder den Ausschuß? Und Carl verkauft die Besten in Plantagenland selbst!?
Carl: "Erfrischung in bester Tradition."
Ist das vielleicht nun endlich der Bogen zu Carls erstem Satz "Aus Tradition wissen wir mit heißem Wetter umzugehen"?
Wenn er also damit meint, er weiß, wie er sich bei heißem Wetter eine Erfrischung besorgen kann, dann ist sein Weg ein verdammt aufwendiger Weg: eine Plantage kaufen, eine neue Pflanze züchten, diese ernten und mit Apfel-Fermentat verfeinern und schließlich etikettieren.
Warum geht er nicht einfach zum Kühlschrank und nimmt sich eine Coke raus? Dann ist er auch erfrischt.
Carl ist übrigens sowas wie The Next Uri Geller, denn er pflanzt nur eine Spezies Flasche an, hat aber im Packshot plötzlich 3 Geschmacksrichtungen stehen. TsTsTs.
Wenn das mal nicht alles ein großer Etikettenschwindel ist.




