Es ist wirklich beeindruckend, wie schnell der deutsche Journalismus - ich liebe diese Pauschalisierungen - gelernt hat, sich des schlechtesten zu bedienen, was das Internet ausmacht, und meint, damit auch noch erfolgreich sein zu können.
Stefan Niggemeier hat es nun für einen Vortrag nochmal auf den Punkt gebracht, was wir in den '6 Dimensionen' angedeutet hatten (und dafür auch von Klaus Jarchow diskutiert wurden: "Wenn Consulter bloggen: Ein Notfall in der Mediaclinique").
Warum aber niemand bisher daraus lernt und der verlags- und investoren-getriebene Journalismus sich unverzagt sein eigenes Grab schaufelt, bleibt mir weiterhin rätselhaft.
Ich hatte in den "6 Dimensionen des Qualitätsjournalismus!" am 25. September dargelegt, was mir im heutigen Online-Journalismus so sehr fehlt ("Blogger und der durchschnittliche Journalist haben noch eine Menge zu lernen, ehe sie wahrhaft und nachhaltig erfolgreich sein werden."):
"1 - Hintergrund durch Nachhaken
...
2 - Objektivität
...
3 - Relevanz
...
4 - Entwicklung der Story und Kontextualisierung
...
5 - Leidenschaft
...
6 - Involvement und Diskussion
..."
Stefan Niggemeier hat seine 'Regeln' aus dem aktuellen Verhalten des Online-Journalismus anläßlich eines Manuskriptes "eines schlecht vorgelesenen Vortrags auf der DJV-Konferenz „Besser Online”, Hamburg, 18. Oktober 2008" formuliert (in: "Schlechter Online").
Eingangs faßt er diese 'Regeln' zusammen unter einer zentralen These:
"Die Verlage und Sender probieren im Internet gerade aus, ob es nicht auch mit weniger Journalismus geht."
"Das ist die erste Regel, die ich ausgemacht habe:
Online-Journalisten müssen nicht schreiben können. ...
Die zweite Regel geht mit dieser eine schreckliche Verbindung ein. Sie lautet:
Redigieren und Korrigieren ist optional. ...
Die dritte Regel lautet:
Jedes Medium wird im Internet zum Boulevard-Medium. ...
Regel 4 ist im Grunde nur eine Erweiterung von Regel 3:
Relevanz ist kein Kriterium. ...
Verdrängt worden ist das Kriterium der Relevanz durch ein anderes, meine Regel 5:
Berichtet wird, was mühelos zu recherchieren ist. ...
Damit sind wir bei Regel 6:
Redaktion und Werbung müssen nicht so genau getrennt werden. ...
Regel 7 lautet:
Warum ein gutes Foto zeigen, wenn es auch 100 schlechte tun? ...
Das ist Regel 8, und dann hör ich auch auf:
Klicks gehen immer vor Qualität. ..."
Sehr cool. Diese Regeln muß ich nicht kommentieren, man sollte sie aber mit all den Beispielen und Erläuterungen bei Stefan inhalieren.
So wollen wir dem Online-Journalismus von hier aus alles Gute und 'Get well soon!' wünschen - wohl wissend, daß seine Offline-Schwester einen sehr guten Job macht und ruhig ein wenig mehr auf ihn einwirken könnte!




