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Tuesday, November 11, 2008

Das Ende des Journalismus - Quod erat demonstrandum!

Das Ende des Journalismus ist nah, liest man Artikel wie 'Danke schön' bei zeitonline, und noch näher, vergleicht man diesen mit Blog-Posts wie 'Das Ende der Zeitungen ...' bei bwl2.0. Ergebnis: 0:6 für den Blogger. Von Ralf Schwartz.


Der Journalismus hat keine Chance zu überleben, wenn er sich selbst zu Tode schreibt. Dann sollte er  auch lieber einfach mal schweigen können.
Blicken wir auf den Verlauf dieses pars pro toto, diesen Mikrokosmos, der sich uns bei genauem Hinschauen eröffnet:


AKTIVIERENDE ÜBERSCHRIFT

Während der Blogger seinen Text "Das Ende der Zeitungen: Change happens" nennt, begnügt sich der Journalist mit "Danke schön!".

Während also der Blogger in seiner Überschrift es schafft, seinen kompletten Post zusammenzufassen und damit dem Leser erleichtert, sich für oder gegen das Lesen zu entscheiden, bleiben beim Journalisten die Absichten und Inhalte im Dunkeln, um es wohlwollend zu formulieren.

0:1 für den Blogger.


RELEVANTE AKTUALITÄT

Blogger: Obamas Website als Ausgangspunkt einer Argumentation, die sogar mit einer neuen Perspektive zum Thema (Ende der Zeitung) beginnt.

Journalist: Obama als bloßes Symbolphoto mit der Bildunterschrift: "Qualitätsjournalismus wird zum Subventionsfall, zum Liebhaberobjekt".

Beide nutzen die gleiche Aktualität, aber nur der Blogger kann einen relevanten Punkt machen. Der Journalist zieht ein wenig an den Haaren herbei.

0:2 für den Blogger.


INVOLVIERENDES VORSPIEL

Blogger: "Barack Obama hatte keine Zeit zu verlieren: Schon kurz nach seinem Wahlsieg ging er mit einer neuen Website online, Change.gov. Was aber hat das mit den Zeitungen zu tun?
Sehr viel, denn damit dürfte das Ende des Pressekonferenzen-Journalismus endgültig eingeleitet sein: Barack Obama wartet nicht mehr bis die Zeitungen über ihn schreiben, er stellt seine Botschaften gleich selbst ins Netz."

Journalist: "Liebe Leser, schauen Sie sich die folgenden Zeilen bitte aufmerksam an: Sie sollen Ihnen einen Eindruck davon geben, wie guter Journalismus in Zukunft aussehen könnte. Denn ewig wird es nicht weitergehen wie bisher. Spätestens im Jahr 2040 läuft die letzte Papierzeitung von der Walze, danach wird Journalismus ausschließlich im Internet stattfinden. Schreibt der amerikanische Zeitungswissenschaftler Philip Meyer ..."

Während der Blogger einfach den Roten Faden aus seinem ersten Punkt weiterspinnt, biedert sich der Journalist beim Leser an, statt ein überzeugendes Spiel zu liefern. Warmduscher.

0:3 für den Blogger.


SPANNENDER ZWISCHENSPURT

Blogger: "Damit werden Zeitungen derzeit aus drei Richtungen in die Zange genommen:

1. Sinkende Auflagen (Wandel der Mediennutzung vor allem durch die junge Generation),
2. Fallende Werbeeinnahmen (derzeit hauptsächlich konjunkturell bedingt),
3. und dem Trend zur direkten Kommunikation im Web (siehe etwa Obama)."

Journalist: "Der Journalismus im Netz hat bekanntlich ein Grundproblem: Er rechnet sich nicht." ... "Und da Geschwindigkeit eine der zentralen Tugenden des Onlineschreibens ist, bleibt von den traditionellen Qualitäten des Journalismus im Netz vieles auf der Strecke. Es gibt also eine zweifache Bewegung: ins Internet und nach unten."

Mit den drei Pünktchen habe ich nur das allzu Bekannte weggelassen, der Journalist kündigt es ja auch selbst an ('bekanntlich').
Während der Blogger die Spannung aufbaut, indem er Bekanntes und Neues mischt, drückt der Journalist auf die Tränendrüse.

0:4 für den Blogger.


ARGUMENTATIVER HAUPTTEIL UND KLIMAX

Blogger: "Die wichtigsten Entwicklungen im Internet in Bezug auf Nachrichten: ...

(1) Wer etwas auf sich hält, publiziert selbst im Web und wartet nicht mehr, bis andere über ihn schreiben. Obama ist hier das Paradebeispiel, ..."

(2) Das Anzeigengeschäft ist praktisch ebenfalls weg ...

(3) Parallel dazu läuft der Trend zu Multimedia, insbesondere Video. ...

(4) Was dem Journalismus tatsächlich bleibt, sind die Themen, die nicht von selbst ins Internet finden: Busunglücke, Wetterkapriolen und das Liebesglück der Prominenz. ...

(5) In der immer weiter wachsenden Fülle medialer Angebote im Internet übernehmen Blogs (bzw. Watchblogs) zunehmend die Rolle der Redaktion und Themenauswahl. ...

(6) Ein letzter wichtiger Punkt ist die weltweit zunehmende Themenvielfalt aufgrund des explosionsartig steigenden Wissens. Die Zeitungen stehen dem recht ratlos gegenüber, da ...

Das alles zeigt, dass die Zeitung klassischer Prägung im Internet so keine Chance hat. So lange aber Verlage mit der „Zeitungs-Brille“ auf dem Kopf herumlaufen, werden sie den Ausgang in die Zukunft nicht finden."


Journalist: "Qualitätsjournalismus wird also zum Subventionsfall, von der vierten Gewalt zum Liebhaberobjekt. ..."

Bitte überzeugen Sie sich selbst in Artikel und Post, daß dieses qualitative und quantitative Mißverhältnis hier stimmt!

0:5 für den Blogger.


ENDE UND LÖSUNG

Blogger: " ... Zeitungsverlage müssen jetzt die „Rettungsboote“ ins Wasser lassen, sprich kleine Teams bilden, die mit einem Blog ein klar umrissenes Themengebiet bearbeiten. Diese Blogs müssen sich als Profitcenter rechnen, eine Subvention gibt es nur in der Startphase. ..."

Journalist: "Am Ende muss es vielleicht wieder der Staat richten. Die Nationale Initiative Printmedien gibt es schon, ebenso Vorschläge zur Alimentierung der seriösen Presse nach Art des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. In Zukunft enden Artikel wie dieser hier dann so:

Wir danken der gemeinnützigen Stiftung »Ich bin doch nicht blöd«, die den Problemaufriss in den Zeilen 1 bis 21 ermöglicht hat. ..."


Auch hier habe ich für diesen Artikel die Texte verkürzt wiedergegeben, aber die Richtung stimmt: in ersterem bekomme ich eine Lösung skizziert, während letzterer einen Witz macht, der nur den Besten im Halse steckenbleibt, den anderen, dem Durchschnitt also, aber die erwünschte Alternative wäre - Bailout für den Journalismus.

0:6 für den Blogger.


Natürlich, der ein oder andere wird den Journalisten jetzt rechtfertigen, dieser hätte ja nur für das Feuilleton geschrieben. Wo aber, wenn nicht dort, finde ich noch die letzten Biotope des Qualitätsjournalismus?


Ist dies der Beweis für den Niedergang des Journalismus? Nein, nur ein weiteres Mosaiksteinchen. Ein bedenkenswertes Steinchen, für Verleger, Investoren, Journalisten. Je weniger Qualität geliefert wird, desto weniger kann der Journalismus, der Qualitätsjournalismus gar, noch mitreden (fehlt nur noch die Click-Strecke). Ein kleines qed!
Es wird Zeit aufzuwachen, infragezustellen, Ausschau zu halten, zu innovieren, auszuprobieren, zu straucheln und wieder aufzustehen, weiterzumachen umso motivierter, sich zu wandeln, zu differenzieren, Monopole Momente zu kreieren.


> Original-Artikel auf zeitonline "Danke schön!".
> Original-Post bei bwl2.0 "Das Ende der Zeitungen: Change happens".


Anmerkung: 0:6 heißt es, da dies keineswegs ein Heimspiel für den Blogger war!

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Dein Artikel ist eine treffliche Gegenüberstellung, die eine Lanze für das Bloggen bricht und das Gejammer der Presseleute entlarvt. Eine so positive Darstellung meines Textes hätte ich von Dir nicht erwartet, nachdem ich unlängst Deinen Artikel zum Daimler-Blog ja ziemlich auseinander genommen hatte!

Immerhin habe ich in der Folge auch begonnen, die mediaclinique regelmäßiger zu lesen und hin und wieder einen Kommentar hinterlassen. Das Blog wird immer besser, insbesondere auch die sprachlichen Formulierungen. So viel Sprachwitz ist in der Blogosphäre noch selten! Wer "echte Werte" mit "Werthers Echte" auf den Punkt passend zusammenbringt, hat mehr Aufmerksamkeit verdient.

An dieser speziellen Stelle stimme ich übrigens ganz und gar zu: Wir haben in Deutschland zu viel Werthers Echte und zu wenig echte Werte. Das ist nämlich auch ein Problem des Mittelstandes, der sich gerne nur um sein Geschäft kümmert und einmal im Jahr einen kleinen Spendenscheck an eine karitative Einrichtung gibt. Wirkliches Engagement für die Gesellschaft ist sehr vielen dieser Firmen fremd, obwohl gut verdient wird. Das könnte sich noch mal rächen.

Ich erröte ja zur Gänze. Danke für all das Lob, das sich in Eimern über mich ergießt. Werde mir weiterhin verstärkt Mühe geben, Deinen gerechtfertigten Ansprüchen gerecht zu werden.

Das fehlende Engagement des Mittelstandes, das Du einklagst, ist auch ein Versagen der Politik. Statt nun immer mehr zu regulieren, müßten sie Gegenwehr sein zum Kapitalismus, seine wohlbringenden Auswüchse jedoch tolerieren.
Unsere Säcke sind immer zu klein, unsere Keulen sind immer zu groß.

Dabei ist die ZEIT ja noch eine Qualitätszeitung. :-) Obwohl, weniger als Null geht ja nicht.

Ein treffender Vergleich, der deutlich macht, wo die Probleme der Printmedien liegen. Hat Spaß gemacht, ihn zu lesen, danke!

Hat auch Spaß gemacht, ihn zu schreiben.
Seien wir 'gnädig' und hoffen, das war ein Ausreisser der Zeit.
Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Wir werden also sehen.

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