... dieser Meinung ist zumindest der Literatur-Nobelpreisträger Jean-Marie Gustave Le Clézio (mit Dank an Christoph für den Hinweis zum vollen Namen). Deutsche Blogger könnten nichtmal Engelchen Merkel stoppen. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Von Ralf Schwartz.
"If the Internet had existed at the time, perhaps Hitler's criminal plot would not have succeeded - ridicule might have prevented it from ever seeing the light of day.", zitiert der Gawker aus der Rede des Literatur-Nobelpreisträgers Jean-Marie Gustave vor der schwedischen Akademie.
Der Gawker selbst macht sich über die amerikanischen Blogger lustig und vermutet im Falle eines 1930er Internets eher die frühe Verbreitung von LoLcats als die Entmachtung eines realen Hitlers.
Der durchschnittliche deutsche Blogger ist im besten Falle politisch so gebildet und interessiert wie die Lehrer, und deren Eltern, die von Stefan Raab in seinen Interviews vorgeführt werden (ja, die Lehrer, ausnahmsweise nicht die Schüler).
Er, der deutsche Blogger hat einfach schmerzhaft lernen müssen, als Mensch, Bürger und Blogger, daß sich in Deutschland niemand für Politik interessiert oder gar erwärmt. Zumindest niemand, den man in irgendwelchen Studien zählen und über lupenhafte Stichprobenziehungen noch erkennen könnte.
Homöopatisch kleine, versprenkelte Intellektuellen-Ghettos in einem Berliner Keller zählen hier mal nicht mit - tun sie ja sonst auch nicht. (Vielleicht sitzen sie sogar unter dem neuen Pseudo-Store der Telekom, die sich inzwischen schon nicht mehr traut, ihren Murks unter eigenem Namen zu verkaufen, und lauschen dem Beat der Welt.)
Was nichts gegen den deutschen Blogger sagen soll, sondern eher gegen eine Gesellschaft, die sich die Politiker gewählt hat, die sie verdient. Weder sie selbst nämlich, noch die Politiker interessieren sich für Politik, haben eine fundierte Meinung oder gar Wissen zu politischen, wirtschaftlichen und globalen Zusammenhängen. Deutschland wirkt manchmal wie intellektuelles Brachland - wenn nicht der ein oder andere Journalist einen Koller kriegen würde und ausbräche aus seinem Boulevard- oder Beratungs-Büro und beginnen würde zu träumen, er könne die Welt verändern. Einzelschicksale.
Ganz im Gegenteil nämlich schauen wir so lange den Schäubles, Tiefensees, Schavans, von der Leyens und Merkels zu, bis Meinungsfreiheit und Datenschutz, Infrastruktur und Verkehr, Bildung und Innovation, Familie und natürliche Sexualität wir nur noch in den Büchern finden können, die noch nicht ver-neunzehnhundertvierundachtzigt wurden, nicht aber mehr in unserem realen Leben.
Ehe wir jemanden wie Hitler stoppen können, sind längst wir gestoppt, weil wir zu lange geschlafen, zu lange zugeschaut, viel zu lange weggeschaut haben, am falschen Bahnsteig standen, in den falschen Zug stiegen, den Zug der Zeit verpaßten, eines Besseren belehrt wurden und doch nichts gelernt haben.
Die 5-7 bekannten Ausnahmen bestätigen übrigens die Regel (auch wenn diese Regel selbst absoluter Schwachsinn ist).
Wenn die deutsche Politik verstanden hätte, was man mit dem Internet und den modernen Kommunikationswerkzeugen alles anrichten könnte, hätten sie sie längst verboten.
Wenn ein Obama damit Wahlen gewinnen kann, könnte es ein Hitler/Goebbels-Gespann erst recht - das Netz hat keine Farbe und keine Vorurteile, keine Werte und keine Zeit, keine Fehler und keine Ideale.
Zudem würde der heutige Hitler nicht über die Politik kommen, sondern über die Wirtschaft oder die Medien, wäre Quereinsteiger, wäre all das, was die heutigen Politiker nicht mehr sind (diese Liste wäre jetzt zu lang), er hätte ein Programm und einen Weg, würde uns Hoffnung geben und Licht am Ende des Tunnels sein, in den wir alle hineinrennen, dem Licht entgegen auf der Suche nach Sonne, Wärme, Geborgenheit, und wäre doch nur der Zug der Zeit, der uns überrollt, der Zahn der Zeit, den uns noch keiner gezogen hat, ...
> Original-Post bei gawker.com "Blogs Might Have Stopped Hitler".




