G&J will Minderleister loswerden. Was bedeutet das für den minderleistenden Vorstand? Tipps für die Krise. Von Ralf Schwartz.
Der Spiegel berichtet am Nikolaustag, G&J hat 110 Mitarbeitern nett aber bestimmt nahegelegt, nicht nur das Sonnendeck, sondern das gesamte Schiff G&J zu verlassen, da diese nach Meinung der vorgesetzten Klasse Minderleister sind.
Wer aber macht den Vorständen Deutschland und Gesamt, Buchholz und Kundrun, bloß klar, daß im Grunde sie nicht nur zur Gruppe der Minderleister gehören, sondern diese qua Amt sogar anführen?
Denn wer sonst soll die Verantwortung übernehmen, daß das einst stolze Schiff Gruner schlingert? Die Finanzkrise etwa? Oder die bösen Minderleister?
Hätten sie schneller rudern sollen? Gab es denn einen Kurs, dem sie hätten folgen können? Etwa Richtung Park Avenue? Richtung multipler Wirtschaftspresse?
Hätten sie intelligenter und vorausschauender steuern sollen? Mit dem eigentlichen Steuermann vor der Nase, der die Vision des nahenden Print-Paradies eher in 'Expand Your Brand', denn in 'Qualify Your Brand' sah? Ihm widersprechen? Dem Sonnenkönig auf seinem Deck gleichen Namens?
Hätten sie etwa meutern sollen? Hätten sie seine richtungweisenden Entscheidungen infragestellen, revidieren sollen und wären schließlich selbst in die entgegengesetzte Richtung gesteuert? Da sei die Hierarchie vor. Und da zählt nunmal die higher-paid Opinion.
Und wenn diese dann selbst minderleistet, dann sorgt sie schon dafür, daß es alle anderen trifft. Diese Prise wird nicht geteilt.
Aber wäre das nicht ein Zeichen vom Range 'Wir sitzen alle in einem Boot', wenn nun alle einfach in einem Boot sitzen würden und die gesammelten Vorstände zugeben würden, Fehler gemacht zu haben, und sich professioneller Hilfe bedienten, diese Fehler nicht nur wieder gutzumachen, sondern sie auch in 7 Jahren nicht schon wieder zu wiederholen, wie es momentan passiert?
Nein, ich denke da nicht an irgendwelche organisierten Berater, die auch noch das letzte bißchen Widerstand und selbständiges Denken aus einem Verlage rausquetschen und dies als Effizienz-Optimierung und Fitmachen für die Zukunft verkaufen!
Ich denke an die besten und unbequemsten Journalisten, ich denke an Praktikanten, an Online-Freaks, die ansonsten (zB in der Kantine) von den anderen nur belächelt werden, an alle, die gute Ideen haben, aber nicht zum Zuge kommen, weil alle nur vernünftig denken, und bloß keiner einen Fehler machen und auffallen möchte.
Ich denke an Wahrheit, Ehrlichkeit und Klarheit, denke an Gefühle der Zusammengehörigkeit und daran den Einzelnen ernstzunehmen. Ich denke an Unvernunft im besten und kreativsten Sinne, denke daran, nicht nur in die Staaten zu reisen, sondern auch von ihnen zu lernen.
Wir leben in unvernünftigen Zeiten - da kommen wir mit Vernunft und Ruhe, gepflegter Langeweile und stoischer Mutlosigkeit nicht weiter - auch nicht im Vormast.
> Spiegel: "G&J will Minderleister loswerden".
> mediaclinique: "Ist Print tot? Verdammt, es lebe Print!!!".




