Tonio Kröger und Amir Kassaei belegen im manager magazin Kreativ-Index (was immer das sein mag) den 2. Platz direkt hinter Jung von Matt (siehe manager magazin vom Dezember 08).
Auf die Frage "Meine Herren, wo bleibt die wirklich große deutsche Kampagne?" des manager magazines antwortet Amir:
"Große Kampagne? Wie gefiel Ihnen unsere Einführung des Golf VI? Oder wie wir 100 Jahre Persil gefeiert haben oder mit Paul Potts für die Telekom die ganze Gesellschaft bewegen konnten?
Kaum jemand, der die Werbung sah, wird, wenn er künftig irgendwo die Arie 'Nessun Dorma' hört, nicht an die Telekom denken und deren Motto 'Erleben, was verbindet'.
Mit Engagement, mit durchdachten und durchkomponierten Ideen erreichen Sie heute mehr Spin als je zuvor. Wenn das keine großen Kampagnen sind."
Kann sich irgendjemand an 100 Jahre Persil erinnern? Ich nicht, sorry.
Kampagne? Ging an mir vollkommen vorbei.
Die Website von Persil ist penetrant, weil sie einem direkt und ungefragt Musik in den Raum schmeißt. Sie ist nicht zweinullig, auch wenn das Persil-Team sich die Mühe macht, seine Praktikantinnen im Persilblog etwas(!) schreiben zu lassen.
Wenn das keine wirklich große deutsche Kampagne ist.
Golf VI? Der, der nichts Neues zu sagen hat und nur noch mit Generik wie Qualität und Wertigkeit hausieren geht und das Auto selbst langweiligst abgebildet wird? Das Auto(!).
Wenn das keine wirklich große deutsche Kampagne ist.
Paul Potts? Ein 'geklauter' YouTube-Spot, der ein Jahr alt ist und nur neu zusammengeschnitten wurde?
Wie oft, schätzt Amir, hört der normale Telekommunikations-Konsument auf der Jagd nach dem besten Tarif wohl freiwillig 'Nessun Dorma'? Wie groß ist also die Chance, bei dieser Arie an die Telekom zu denken? Und was nutzt es mir dann, wenn ich an 'Erleben, was verbindet' denke, mir aber beim besten Willen kein Produkt, keine Leistung einfällt?
Vor allem, was nutzt es mir, wenn ich an 'Erleben, was verbindet' erinnert werde und eigentlich eher denke, 'dann kannst Du mal erleben, was verbindet!', weil mir die gesammelten Telekom-Kommunikations- und Datenschutz-Skandale in den Kopf kommen? Oder die abstruse Tarifpolitik? Oder die Website die-neue-Telekom.de, die zwar den Titel trägt, 'Erleben, was verbindet', auf der aber nichts 'verbindet'.
(Hier feiert der Konzern seine Politik ab, hier gibt es keine Kommentar- oder sonstigen Web2.0-Funktionen, nur reine Monologe der sogenannten 'Neuen Telekom', die immer noch ganz die alte ist.
Einmal im Monat einen kurzen Text zu hinterlassen, hat weder etwas mit neuer Telekom noch mit 'Erleben, was verbindet' zu tun.)
Wenn das keine wirklich große deutsche Kampagne - mit perfekter Umsetzung im Unternehmen - ist.
Ich ahne schon (und hoffe trotzdem inständig, niemand kommt auf diese Idee), daß wir bald den diesjährigen Supertalent-Gewinner in den Telekom-Spots Mundharmonika spielen hören werden.
Vielleicht bläst er sogar auf einem Handy.
Vielleicht erleben wir auch noch die Weihnachts-CD!?
Wenn das keine wirklich große deutsche Kampagne wäre.
Natürlich kann man nun sagen, dies sei alles nicht der Agentur geschuldet, wenn die Kunden keine vernünftige Vorarbeit leisten, indem sie relevante Produkte und visionäre Strategien entwickeln.
Klar, dann sollte man die entsprechenden Kampagnen aber auch nicht als große deutsche Kampagnen verkaufen. Vor allem nicht, wenn man doch der McKinsey der Kreativen sein möchte!
> Siehe auch mediaclinique-Text "Paul Potts kann das Hohe T gar nicht laut genug singen!" vom August 08.




