Immer noch versucht die Industrie, sich mit Gimmicks zu retten. Sich in High Fashion zu verlieren ist ein Holzweg. Wann wird sie ihre Situation ernstnehmen? Akzeptanz ist der erste Schritt zur Heilung. Von Ralf Schwartz.
Schon Olaf Göttgens versuchte, Daimler (bzw. die Marke Mercedes) mit allzu deutlicher Anlehnung an die glamouröse Modewelt zu retten. Statt nun diesen Holzweg zu verlassen und zu erkennen, wie wenig Autos mit High Fashion zu tun haben, begeht man auch hier die grundsätzlichen Fehler der Autoindustrie.
1 - Autos sind zu langlebig, um wirklich etwas mit Mode zu tun zu haben.
2 - Autos sind nicht in dem Sinne emotional wie Mode. Autos sind emotional wie Autorennen, wie Schweiß, Benzingeruch und Reifenabrieb.
3 - Frauen in der Autobranche, auf dem Kotflügel oder der Motorhaube, sind vollbusige 'Prachtweiber', keine grazilen Models vom Schlage Julia Stegner. Das sind unterschiedliche Welten, wenn auch die Grenzen irgendwo verschwimmen (und gerade dort sollte man sich als Marke nicht aufhalten).
4 - Natürlich schmücken sich die Herren der Vorstands- und Marketing-Etagen gerne mit den Schönheiten aus der Mode- und Glamour-Welt. Sie sollten dabei aber nicht verdrängen, daß sie dies nur für sich tun, nicht aber dem Image der Marke damit helfen.
5 - Meist fällt die werbliche Umsetzung entsprechend linkisch aus, wenn die wahre Authentizität fehlt, wie wir hier am Beispiel sehen. Das ist doch drittklassige Reklameschmiederei.
Image courtesy Daimler, Horizont.
6 - Die Industrie muß sich ihren originären Zugang zum Glamour suchen, muß ihren eigenen Glamour kreieren (wenn sie ihn denn braucht), darf ihn sich nicht leihen, darf sich nicht anlehnen, muß eigenständig agieren, kann nicht Anhängsel sein (siehe Bild).
Das größte Problem aber der Industrie ist, daß sie Fehler nicht erkennt, sie sich nicht eingesteht, sondern nur inkremental an den leider grundsätzlich falschen Schrauben dreht, indem sie zB Padberg gegen Stegner austauscht, statt den Holzweg zu verlassen.
Dies ist gleichzeitig die Spitze des Eisberges einer verfehlten Modell-Politik in den letzten Jahren, die zu immer voluminöseren Modellen führte - und man wohl immer noch nicht diese Sackgasse so richtig erkannt hat, da man weiterhin GLKs, Q7s, etc. auf den Markt wirft und mit Millionen bewirbt, statt einen Imagewandel in Denken und Handeln erkennbar werden zu lassen. Das trifft nicht nur Daimler.
Das Auto muß sich auf seine Wurzeln besinnen, muß den Menschen wieder Nutzen bringen, den sie nachvollziehen können. Muß in unsere Welt passen bzw. sie gar gestalten. Das Auto muß neue Wege beschreiten, nicht immer wieder die längst eingetretenen Pfade als neuen Wein verkaufen. Nicht dem Holzwege seiner Manager folgen.




