Immer noch versucht die Industrie, sich mit Gimmicks zu retten. Sich aber weiterhin in Worten zu verlieren, statt Taten vorzuweisen, ist ein Holzweg. Wann wird sie ihre Situation ernstnehmen? Von Ralf Schwartz.
Seit mehr als 10(!) Jahren fährt der Prius von Toyota durch die Welt und kann auf millionen-fache Erfahrung mit hybridem Antrieb zurückblicken.
Statt diesem nun endlich etwas entgegenzusetzen, erblickt in diesen Tagen der neueste Streich der ausgelagerten VW-Werbeabteilung das Licht der Reklamewelt:
Image courtesy VW. Ausschnitt.
Unter der Batterie steht im Copytext (Auszug): "Unser Ziel ist klar: Autos, die ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen fahren und keine Emissionen verursachen." ... "... arbeiten wir mit Hochdruck daran, diesem Ziel näherzukommen." ... "... schon heute testen wir einen Antrieb, der es ermöglicht, große Teile der täglichen Wege mit Strom zurückzulegen, und der nur noch bei längeren Strecken einen Verbrennungsmotor zuschaltet." (Hervorhebungen von mir)
Das ganze wird unter der Überschrift 'driving ideas' auch im Web vermarktet. Neue Sprüche in 10 Jahre alten Schläuchen. Enttäuschend, daß "Das Auto" so etwas nötig hat.
Die Zukunftsvision '2028' war schon traurig und regte mich zur Überschrift "Warum VW keine Zukunft hat!" an.
Driving ideas soll wohl die Brücke schlagen in diese visionäre Leere, die nur Abbild der imaginativen Leere der VW-Vorderen, Manager, Seher, Marketer und Ingenieure ist.
Irgendwie scheint es damit zumindest gelungen, Ohnmacht, Ahnungslosigkeit und Naivität des Managements darzustellen.
Gewollt war das wohl nicht. Zumindest versteht man nun, warum die deutschen Autoverbauer die Hilfe des Steuerzahlers bemühen müssen, obwohl sie ihn schon in der Vergangenheit mit überteuerten Modellen über Gebühr belasteten (da sie es schafften um die Hälfte ihrer Sales in die Fuhrparks der Wirtschaft und nicht auf die privaten Parkplätze der deutschen Bürger zu vermarkten - siehe gerne die Studie im Greenpeace-Magazin).
Gut, die Kampagne wird nicht viel Schaden anrichten in der Bevölkerung, denn im "Print-Bereich werden unter anderem die Titel "Autobild", "Spiegel", "Handelsblatt", "Welt", "Capital" und das "Manager Magazin" mit dem neuen Batterie-Motiv belegt." (laut w&v).
Gerade dort aber sitzen genau die Leser, die es sowieso längst besser wissen und nur noch wie wir mit dem Kopf schütteln können.
Vielleicht sollte man lieber Gala, Bunte, Focus und die Yellow Press belegen, wenn man jemandem noch etwas vormachen möchte.
An ihren Taten werdet Ihr sie messen, nicht an ihren Worten!
Schön wäre es, nun eigene Themen zu besetzen. Mit Relevanz wohlgemerkt, lieber nichts im Sinne 'Der wertigste Golf aller Zeiten', denn dies ist Generik hoch 10. Es wäre doch die größte Katastrophe aller Zeiten, wenn der jeweils aktuelle Golf nicht der jeweilig wertigste Golf aller Zeiten wäre, oder?
Eigene Themen eben zur Mobilität eines Volkes, zu den Auswegen aus dem Stau, zu Abkürzungen und effizienter Navigation, Vorstöße zur KFZ-Steuer, Rabatte, die einem die Entscheidung erleichtern, neue Geschäftsmodelle, die eines Shai Agassi würdig wären, etc.
Schließlich ist nichts unmöglich - oder?
> Siehe auch mediaclinique "Wer hat Angst vorm besten Golf? Niemand!".
> Siehe auch mediaclinique "Amir Kassaei lehnt sich weit weit aus dem Fenster!".




