So weit sind wir gekommen: heute sind wir schon stolz, wenn unsere Jüngsten noch lesen können! Ein kleiner Artikel aber über das Unverständnis englischer Werbetexte sollte uns so richtig nervös machen! Von Ralf Schwartz.
Erfreulich, daß sich unsere Leistungen auf den schulischen Gebieten langsam bessern. Zumindest in den intellektuellen Grundrechenarten Lesen, etc.
Weniger erfreulich, daß wir das schon feiern müssen, weil wir derartiges nicht mehr gewohnt sind, es so selten geworden ist.
Denn, das muß man sich ernsthaft und selbstkritisch fragen: Was gibt es da zu feiern? Sind wir inzwischen so anspruchslos geworden?
Wo sind diese, unsere Ansprüche geblieben? Wo ist unsere humanistische Ausbildung geblieben? Wo die Erinnerungen an unsere Quellen? An unsere Erfolge? An unsere Geschichte und das, was uns ausmacht?
Wir waren doch nicht immer diese Loser, die feiern mußten, daß sie noch lesen können!?
Warum ich mich so echauffiere? Weil in einem Artikel des manager-magazins die brutale Realität steht: "Nur maximal 20 Prozent der Deutschen können ... so gut Englisch, dass sie Werbesprüche wie ... "Feel the Difference" (Ford) richtig übersetzen. Der Rest macht daraus "Ziehe die Differenz ab", etc."
Nein, das ist nichtmal mehr lustig. Ich bin erschüttert! Und wir feiern, daß wir lesen können!
Wie wollen wir den Herausforderungen der Welt, der Globalisierung begegnen, wenn wir nicht die Sprachen der Welt verstehen, geschweige sprechen? Wie wollen wir den anderen vorausgehen, wenn wir sie nicht verstehen - und sie auch nicht uns?
Was tun wir unseren Kindern an und unserer Zukunft? Warum ist uns die Bildung so wenig wert? Warum verstehen wir nicht, wie wichtig Bildung ist? Wie wichtig die Auseinandersetzung mit der Welt ist? Wie wichtig die Kommunikation mit der Welt ist? Wie wichtig Kreativität ist und wie sehr diese von Inspiration und Vielfalt abhängt?
Warum verstehen wir nicht, wer davon profitiert, wenn wir nur noch deutsch sprechen, deutsch denken, deutsch handeln!?
Wir müssen uns öffnen ohne unsere Wurzeln zu verraten! Wir müssen eins werden mit der Welt und ihr Vorbild sein. Wir können uns nicht einigeln und im dunklen Kämmerlein allein unsere eigene Sprache hochhalten. Wir müssen Licht lassen in das Dunkel, das Licht der Erkenntnis, der alten und neuen Sprachen, der Philosophen und Wirtschaftswissenschaftler, der originalen Gedanken und inspirierenden Visionen.
Wir müssen uns reiben können, um zu wachsen, nicht nur stumm Ja und Amen nicken können und Spielball werden.
Wir müssen selbstbewußt und frei sprechen können.
Auf deutsch, auf englisch und auf internetsch.
> Inspiration: manager-magazin "Alles denglisch oder was?".




