TechCrunch stellt die rhetorische Frage, um sie direkt zu verneinen. Auch in Deutschland wird immer öfter gesagt, Print sei tot. Dabei ist doch nur das Business-Modell tot. Von Ralf Schwartz.
Während Scott Merrill, der Autor des TechCrunch-Artikels, in Barcelona bei der Nokia World weilte, sprach natürlich wieder mal jeder über den offensichtlichen Print-Tod.
Scott meint, dies liege nur an der Kurzsichtigkeit der anwesenden Blogger, denn schließlich sei auch die USA-Breitband-Penetration erst bei 25% und die anderen 75% müßten ihre Hirne ja auch irgendwie nähren.
Ebenso sehe ich dieses Phänomen in der deutschen Blogosphäre. Für die meisten kann der Tod von Print nicht früh genug kommen! Aber was dann? Wer soll denn die dpa-Artikel vervielfältigen und in die unterschiedlichen Zeitungsformate bringen? Wer soll das ganze Wissen erfinden, daß man tatgtäglich in den Boulevard-Titeln und online findet? Wer soll all die Studien in Auftrag geben, die einem sagen, daß man zu einer aussterbenden Minderheit gehört, wenn man lesen kann oder das Jahr der Schlacht bei Hastings (1066) noch erinnert?
Aber Spaß beiseite! Wir brauchen Print. Wir brauchen die Presse!
Wir brauchen nur nicht die aktuelle Qualität. Wir brauchen keine Journalisten, deren Texte auf Effizienz getrimmt sind. Wir brauchen keine Redaktions-Zentren für mehrere Titel. Wir brauchen keine Experimente, sondern guten alten Journalismus. Wir brauchen Geschichten, die die Leser fesseln. Wir brauchen Originalität.
Wir brauchen Individualität, Rückgrat, Mut, Investigation und einen langen Atem für die Story des Jahres. Wir brauchen keine Geschichten, in die man lieber heute als Morgen den Fisch einschlägt.
In irgendeinem Verlag muß doch eine Handvolll mutiger und visionärer Journalisten zu finden sein, die man in einen Raum sperrt und erst wieder rausläßt, wenn sie nach 10 Stunden, denn länger kann das bei praktikablen Machern doch nicht dauern, eine geniale Idee zu haben, eben diese geniale Idee haben - und das entsprechende Geschäftsmodell.
Mir kann doch niemand erzählen, daß die gesamte deutsche Journaille und die gesamte deutsche Medien-Beraterzunft die totale intellektuelle Flaute hat!
Mir kann doch niemand erzählen, daß diese Branche sich aufgegeben hat und nun endgültig den Managern in den Verlagen die Entwicklung des Print-Produktes überlassen will!
> TechCrunch: "Is print dead?".
> UPDATE 03.12.2008: Eine lohnende Diskussion zum Thema bei Indiskretion Ehrensache "Weil der Journalist sich ändern muss".




