Texten Medien und Politik nur für die Quote und gegen unser aller Wohlstand? Manchmal hat man den Eindruck. Warum Politik und Medien die Krise brauchen. Von Ralf Schwartz.
Noch stemmen sich die Konsumenten tapfer gegen die Krise. Und natürlich leiden Produkte, deren Nutzen im letzten Jahrtausend stehengeblieben ist - wie zB Autos, Medien, Haarpflege & Schönheit, etc.
Die einzigen, die so richtig in der Krise angekommen sind, sind Politiker und Medien.
Braucht die Politik die Krise?
Natürlich brauchen die Politiker die Krise - damit sie uns vor ihr in Sicherheit bringen können. Am liebsten in den alimentierten Goldenen Käfig (ohne Online-Zugang!), damit wir nicht mehr merken, wie schlecht es uns eigentlich geht, und wir der Politik (oder was sie selbst dafür hält) bedenken- und gedankenlos folgen.
Visioinslose Politiker sind die Krise. Für visionslose Politiker sind schlechte Zeiten die besten Zeiten. Da muß man nicht agieren, sondern nur reagieren. Da muß man nicht steuern, sondern nur regeln(!).
Leider sind wir inzwischen so weit in D, daß wir gar nicht mehr den nächsten Schritt weiter denken. Denn wer könnte wohl Schuld an der Krise und ihren Auswirkungen sein, wenn nicht die, die die obersten Diener dieses Staates und seiner Bürger sind?
Haben nicht die 'Aktivitäten' und Gesetze der Politik erst zu diesem Chaos in den Banken und der Welt geführt? Haben sie nicht der Selbstbedienung Tür und Tor geöffnet? Haben nicht sie ihre Steuerungs-, Kontroll- und Bildungs-Funktionen sträflich vernachlässigt? Wer sind die eigentlichen Gefährder des Staates?
Die Politik weiß, daß wir nicht mehr so weit denken und stürzt sich mit Verve in die Krise. Sie werden die einzigen Gewinner sein. Und natürlich all jene, die nicht zur Rechenschaft gezogen werden für ihre allumfassende Habgier. Auf unser aller Kosten.
Brauchen die Medien die Krise?
Natürlich. Die Medien sind die Krise. Schlechte Zeiten sind für sie die besten Zeiten. Wer interessiert sich schon für gute Nachrichten? Und dann auch noch in guten Zeiten? No way.
Nein, die Medien brauchen die Krise. Die persönliche Krise der C-lebrities, die Krise des Managers, des Politikers, der Hausfrau, die Eifersucht, den Betrug, die Unterschlagung, den Totschlag im Affekt, den kaltschnäuzigen Mord, die Steuerhinterziehung.
Suchen, erschnüffeln die individuelle und gesellschaftliche Krise wie Trüffelschweine. Vermarkten sie. Schlachten sie aus. Verbreite(r)n, populieren sie. Impfen sie den Menschen ein, stecken sie an, lassen sie keinen Tag in Ruhe.
Was brauchen die Menschen?
Während alle Medien zB über Daimler schreiben, es hätte einen 'dramatischen Gewinneinbruch' gegeben, hätte man auch schreiben können: "Hurra! Daimler trotzt der Krise mit 2,7 Milliarden Gewinn!"
Ich kann verstehen, daß die Medien (sich sozusagen selbst) verkaufen müssen, aber in diesen Zeiten wäre die bessere Strategie, dies über gute Nachrichten zu versuchen. Denn die gute Nachricht klingt für mich momentan seriöser, unaufgeregter, hoffnungsvoller und mutmachender. Die seriöse Nachricht zeugt von Selbstbewußtsein.
Daher brauchen wir zB weniger Spiegel, der negativ im Aufmacher schreibt ...:
"Wirtschaftskrise: US-Notenbank erwartet trotz Milliardenprogramm Konjunktureinbruch"
"Düstere Prognose: Die gigantischen Konjunkturpakete werden nach Einschätzung der US-Notenbank Fed verpuffen. Die Zentralbank hat ihre Wirtschaftsprognose für die USA sogar noch einmal drastisch nach unten korrigiert.",
... wir brauchen mehr manager-magazin, das positiv schreibt:
"Konjunktur: Fed erwartet 2011 kräftiges Wachstum"
"Die US-Notenbank erwartet für 2009 eine schwere Rezession in den USA. Doch bereits 2010 soll es schon wieder aufwärts gehen. Und 2011 könnte es noch besser kommen: Ausblickend erwartet die Fed ein Wachstum der US-Wirtschaft von bis zu 5 Prozent.".
Der Unterschied liegt auf der Hand, aber wir bemerken ihn schon gar nicht mehr - weder bei der Presse noch bei der Politik. Hier also die Tore nach Schützen:
1 : 0 Stichworte >
"Wirtschaftskrise" vs. "Konjunktur"
2 : 0 Überschriften >
"US-Notenbank erwartet trotz Milliardenprogramm Konjunktureinbruch" vs. "Fed erwartet 2011 kräftiges Wachstum"
3 : 0 Aufmacher-Text >
"Die Zentralbank hat ihre Wirtschaftsprognose für die USA sogar noch einmal drastisch nach unten korrigiert." vs. "Doch bereits 2010 soll es schon wieder aufwärts gehen. Und 2011 könnte
es noch besser kommen: Ausblickend erwartet die Fed ein Wachstum der
US-Wirtschaft von bis zu 5 Prozent."
Es wird also Zeit, wieder zuzuhören. Es wird Zeit, infragezustellen und nachzuhaken. Es wird Zeit, nicht weiterhin alles unreflektiert zu übernehmen, was man uns zum Widerkäuen vorkaut.
(Es kann doch zB auch nicht sein, daß bei Ursula Von der Leyen nur einer (CARTA "Die statistischen Tricks der Ursula von der Leyen") nachrechnet, die gesamte Presselandschaft ihr aber hinterhertrotte(l)t.)
Es wird Zeit, wieder selbstbewußt und positiv zu denken. Es wird Zeit, nach vorne zu blicken und nicht nach unten. Es wird Zeit, aufwärts zu schauen und nicht abwärts.
In diesem Sinne: Get well soon!
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