Ein taktischer Kommentar offenbart ein tiefsitzendes, konservatives und zukunftsunfähiges Verständnis des TV-Geschäftsmodells.
Jan Kühl, Geschäftsführer des RTL2-Vermarkters El Cartel Media, sagt im Horizont-Interview:
"Der Wert eines TV-Spots ändert sich nicht, weil wir wirtschaftlich
schwere Zeiten durchmachen. Das bedeutet, wenn der Kunde weniger Geld
zur Verfügung hat, bekommt er auch weniger Fläche."
Lieber Jan, der Wert eines Spots ändert sich in Deinem Fläche verkaufenden Geschäftsmodell nicht. Würdest Du Leistung verkaufen, würde er sich sehr wohl ändern!
Ich meine hier nicht 'Leistung' in Deinem Sinne, also Augäpfel, Kontaktwahrscheinlichkeiten oder Bruttokontakte.
Ich meine Leistung in dem Sinne, daß Medien in den heutigen Zeiten - nicht 'in der Krise', sondern im 21. Jahrhundert - abverkaufs-relevant agieren sollten. Sie sollten sich an den kurz- und langfristigen Abverkaufswirkungen der von ihnen beworbenen Produkte und Marken messen lassen.
Sie sollten sich nicht an der Höhe der Rabatte und nicht an der Größe der Fläche messen lassen.
Lassen sie sich an dieser Abverkaufswirkung messen, ändert sich der Wert eines Spots sehr wohl - und gerade in der Krise! Er kann viel, wenig oder gar nichts wert sein - gemessen daran, wieviele Menschen denn trotz Krise noch das Produkt kaufen.
Gerade in diesen Zeiten könnten die großen Vermarkter ihre Sender in Gruppen hinter sich bringen und den Kunden und Agenturen Abverkaufs-Deals anbieten.
Sie könnten beweisen, daß sie - gerade in der Krise - mit ihren Kunden und Marken in einem Boot sitzen.
Sie könnten Risiken und Chancen teilen.
Sie könnten wirkliche Partner sein - und nicht nur Werbezeiten- oder -Flächen-Verkäufer, lieber Jan.
Gerade in den Zeiten des Internet wird es Zeit, sich von der Vermarktung der Fläche zu verabschieden und wirkliche Leistung - ie. Nutzen über die Fläche hinaus! - zu verkaufen.




