Von Qualitätsjournalisten erwarte ich Rückgrat, Zivilcourage und Verantwortungsbewußtsein. Das Löschen von Fehlern macht sie nicht ungeschehn, sondern potenziert sie. Von Ralf Schwartz.
Bei Stefan Niggemeier findet man der quadrierten Blamage erster Teil: "Denn sieh das Schlechte liegt so nah". Er beschreibt, wie sich Willi Winkler, Süddeutsche, darüber echauffiert, im Spiegel-Shop würde nationalsozialistisches Gedankengut verbreitet - und sich daraufhin der Spiegel mit der einfachen Antwort meldet, im Süddeutsche-Shop geschehe desgleichen. Perfekter Return, oder?
Das will die SZ natürlich nicht auf sich sitzen lassen und berichtet "In eigener Sache" Lapidares und entschuldigt sich (was auch schon bei Stefan steht).
Leider entschuldigt sich nicht Willi Winkler, sondern Anonymus SZ. Wäre doch nur fair gewesen, oder?
Noch fairer (wenn es so etwas gibt) natürlich wäre gewesen, hätte sich die SZ direkt im betroffenen Artikel erklärt und entschuldigt - als Update sozusagen.
Stattdessen erfolgt nun die Quadratur der ersten Blamage und ist so typisch arrogant-qualitätsjournalistisch:
Clickt man bei Stefan (und übrigens auch im gestrigen Medienticker) auf den entsprechenden Link, um der SZ einen weiteren Click zu bescheren und den Artikel Willi Winklers zu lesen, landet man bei der Suche der SZ und bekommt 170.832 Suchergebnisse angeboten, weiß aber nicht für was - zumindest nicht (für) den gewünschten Artikel.
Was ist passiert? Menschliches Versagen? Falscher Link bei Stefan Niggemeier und Medienticker? Mitnichten!
Hole ich mir nämlich mit der rechten Maustaste den Link bei Stefan (und clicke ihn nicht einfach nur an), gebe ihn dann bei der SZ-Suche ein, wird dazu nichts mehr gefunden! Selbst wenn ich den Titel des Artikels eingebe (Klick ins Schnäppchen-Reich) findet sich nichts. Selbst unter Willi Winkler taucht dieser Titel nicht (mehr) auf!
Der Artikel wurde entfernt! Liebe SZ, das ist enttäuschend, feige und unfair. Wenn obiges schon nicht funktioniert bei Euch, wie es sich gehört, warum könnt Ihr dann nicht wenigstens "In eigener Sache" an genau dieser Stelle platzieren? Ist das zu peinlich? Wäre es nicht die gerechte Sühne? Sollte man nicht zu seinen Fehlern stehen?
Blamage Hoch 2 kann ich da nur sagen, liebe SZ! Man löst Probleme nicht und schafft sie aus der Welt, indem man Links entfernt und Texte löscht.
Ach so, für all jene, die den Artikel des Willi Winkler doch noch lesen möchten:
Es gibt immer noch Google, diese Maschine, die den Qualitätsjournalisten das Leben so schwer macht!
Und genau das tut Google auch in diesem Falle. Gebe ich nämlich den Titel des Artikels in meine Lieblingssuchmaschine ein, erhalte ich eine positive Antwort!
Gefunden! "Klick ins Schnäppchen-Reich" ist umgezogen, und findet sich nun (mal sehen, wie lange noch) hier: SZ | Macht | 12.05.2009 18:30 Klick ins Schnäppchen-Reich also genau hier: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/475176.
Mensch, bei jetzt.de, ein gutes Versteck! Ist das denn nicht oberpeinlich gar Hoch 3!?
Übrigens, sollte jemand meinen, ich hätte gut reden, und wie ich denn mit so etwas umgehen würde, dem sei dieser Link geraten: "Medien-Farce Deutschland" - bitte inklusive der Kommentare lesen!
Peinlich, peinlich, aber das muß man aushalten können.




