Politik verkommt immer mehr zur Markenführung des letzten Jahrtausends. Verpackungen sind keine Lösungen, plakative Reklame keine relevante Vision. Inhalte müssen her. Dringend!
Politiker müssen die Menschen mit ihren Lösungen, Visionen und relevanten Ideen inspirieren, müssen sie für Politik, für die Sache und ihre eigene Zukunft interessieren und mobilisieren.
Politiker müssen Wege aufzeigen aus der Krise und in eine neue Zukunft.
Politik muß vorbildlich vorangehen und sich mit den Menschen und ihren Meinungen auseinandersetzen, nicht über sie hinweg: "Ist die Piratenpartei die SPD von heute?".
Politiker müssen über sich hinauswachsen, und nicht in sich zusammenfallen, wie der Spiegel im Falle eines Steinmeier schreibt:
"Ihm fehlt der unbedingte Wille zur Macht, ihm fehlen Charisma und
zupackende Rhetorik - und damit die Fähigkeit, den Leuten zu erklären,
was er denn so ganz anders machen würde als die derzeitige Kanzlerin.
Vor allem aber: Ihm, und nicht nur ihm, fehlt die unverwechselbare,
zeitgemäße sozialdemokratische Idee, das Aufbruchssignal in Zeiten der
Krise.".
Politiker müssen Qualität bieten. Politiker müssen Trends und Stimmungen in der Bevölkerung erkennen und ihnen vorangehen - nicht mit Populismus und Steuergeschenken, höheren Transfereinkommen oder sonstigen Wählerbestechungen winken.
Marken, die ständig im Sonderangebot zu erhalten sind, nimmt man nicht mehr ernst, sondern nutzt sie nur noch aus. Marken und Politiker ohne Rückgrat können sich nur über Bestechung und Korruption, Tarnung und Täuschung, gekaufte PR und gefügige Journalisten eine kurze Zeit über Wasser halten (siehe hier ua. Silvana Koch-Mehrin in ZAPP).
Politiker versuchen, den Bürger dumm, fett und träge zu halten, um nicht den (vermeintlichen) Sinn ihrer Existenz zu verlieren.
Tatsächlich ist die hervorragende Aufgabe der Politik, langfristige Lösungen für die Probleme der Welt zu finden und diese zeitnah, effizient und effektiv zu realisieren, um damit den Menschen ein besseres, weil erfüllteres, selbstbestimmteres und verantwortungsvolleres Leben zu ermöglichen.
Politik muß Menschen gesund und nicht krank, unabhängig und nicht abhängig, selbstbewußt und nicht ängstlich machen.
Politik muß wie die Marke die Menschen zu besseren Menschen machen. Sie muß Relevanz bieten und nicht pure Reklame.
Politik darf sich nicht schönrechnen (wie Cem Basman es so eindrucksvoll zeigt): "Die Wahrheit: Unter Berücksichtigung aller Wahlberechtigten sieht das Ganze doch ziemlich dünn und mickrig aus: CDU/CSU 16%, SPD 9%, Grüne 5%, Linkspartei 3%, FDP 5%, Andere 5% - Nicht-Wähler: 57%". Politik muß die Konsequenzen ihres Handelns (er)tragen und muß daraus Konsequenzen ziehen.
Die Politik wird sich vor allem sehr bald mit einem Generationen- und Interessenkonflikt auseinandersetzen müssen. Schweden zeigt, wohin die Reise geht (womit ich nicht sagen möchte, daß die Piratenpartei das Allheilmittel sein wird), wie Telepolis schreibt:
"Einer Hochrechnung zufolge
schaffte es die Piratenpartei in Schweden mit einem Stimmanteil von
über sieben Prozent mindestens einen Abgeordneten ins Europaparlament
zu entsenden. Allerdings verteilen sich die ihr zugeflossenen Stimmen
relativ ungleich und machen einen Generationskonflikt ebenso wie einen
Geschlechterunterschied sichtbar: Bei den Wählern unter 30 kam die
Partei, die dem schwedischen Wahlforscher Sören Holmberg nach bei der Jugend mittlerweile bedeutender ist als Sozialdemokraten und Konservative, auf 19 Prozent.".
Gerade diesen letzten Satz muß man sich auf der Zunge zergehen lassen: "Bei den Wählern unter 30 kam die Partei, die dem schwedischen Wahlforscher Sören Holmberg nach bei der Jugend mittlerweile bedeutender ist als Sozialdemokraten und Konservative, auf 19 Prozent."
Ob solch eine Bewegung noch mit Zensur und Verboten durch die Etablierten aufzuhalten ist, ist fraglich. Wir haben es in der Politik wie in der Markenführung mit einer neuen Welt zu tun, neuen Prioritäten, neuen Herausforderungen, neuen Medien, neuen Kommunikationsformen, neuen Stimuli, neuen Inhalten, neuer Ungeduld, Unabhängigkeit und Individualität.
Darauf haben heute weder die etablierten Parteien, noch die etablierten Marken eine wirkliche Antwort!


