Inspiriert uns die Politik? Nein! Ist der Politiker unsere Lieblingsmarke? Nein! Trotzdem gewinnt er die Wahl, denn er nutzt die Kraft seines anti-demokratischen Monopols.
Die Inspiration
Daß der Politiker uns nicht inspirieren kann, da er selbst nicht inspiriert ist (allein vom Kampfe um die Macht, nicht um etwas zu bewegen), ist spätestens seit mediacliniques "Der (Medien-)Politiker als Reaktionär" klar.
Sehr kurz zusammengefaßt kann er nicht der inspiration/leader sein, den wir uns wünschen, weil er selbst noch nicht erwacht ist, er nicht an seinen Aufgaben - oder über diese hinaus - wächst, er weder Kontext noch Weisheit noch Klarheit liefert.
Die führende Marke
Der heutige Politiker ist auch keine lead/marke, sondern einfach eine schlecht geführte Marke, wie "Europawahl und Markenpolitik: Reklame statt Relevanz" zeigt. Wie schlecht, demonstriert ua. die Qualität der Marken-Beratung: "Lummerland ist abgebrannt" bzw. die Qualität der Marken-Führung: "Der Politiker der Mediendemokratie ist Marke".
Der Politiker selbst, seine Markenführung, sein Team, seine Branche, seine Geschäftsführer und Generalsekretäre, sie alle haben versagt. Versagt im Sinne einen Dialog mit den Konsumenten aufzubauen, versagt im Sinne Vertrauen zu gewinnen, die Menschen durch Handlungen zu überzeugen, nicht durch monologe Worthülsen.
Das Versagen der Markenpolitik
In den nächsten 3 Monaten bis zur Wahl wird es auch nicht mehr gelingen, eine Marke, fws gar, aufzubauen, sie mit Leben zu füllen, ihr relevante Eigenschaften, Charakterzüge, Ecken und Kanten zuzuordnen, die am Wahltage erinnert werden, um das Kreuzchen an der richtigen Stelle zu machen.
Ausweg Handelsmarke
Die Politik, und da sei keine Partei und kein Politiker ausgenommen, ist verkommen zu farbloser Handelsware, Weißer Ware, die ungebranded in den Regalen steht und nur wegen des Preises gekauft wird: "Wahlprogramm: Merkel und Seehofer garantieren Steuersenkungen".
Produziert von den Massenproduzenten der Wirtschaft im Hintergrund, unter Reduktion von Vielfalt, Qualität, Authentizität.
Wettbewerb gibt es in Wirklichkeit nicht mehr, nur unterschiedliche Label. Inhaltslose Hüllen, die einem eine Wahl vorgaukeln.
Wählers Paradies: Der 1-Euro-Shop
Die SPD gar will nichtmal mehr kämpfen für die Grundlage ihres Geschäftes, die Demokratie: "Koalition könnte Bundestagswahl torpedieren". Warum? Weil die Demokratie längst nicht mehr ihr Geschäft ist! Entsprechend CDU/CSU und FDP hat man sich aus der Demokratie in eine Parallelwelt verabschiedet, in der alles billiger zu haben ist, in der man unter sich ist, in der man Gutes tut mit dem Geld anderer Leute.
Politik ist endgültig zum Ramschartikel verkommen, und die Politiker haben sie dazu gemacht. Geschützt und unterstützt von den sogenannten Bürgern unseres Landes, denen Inspiration zu hoch, Charisma anrüchig, Ecken und Kanten sowie Persönlichkeit suspekt, Vision und Strategie zu abgehoben ist.
Da nutzt es auch nichts, wenn der, der im Glashaus sitzt, noch mit Steinen wirft: "Müntefering wirft Nichtwählern Verantwortungslosigkeit vor".
Man will nicht entscheiden müssen zwischen mehreren Alternativen, man will nur billigst einkaufen, egal was, egal wen - Hauptsache billig. Nur dann hat man ein gutes Geschäft gemacht.
Deutschland hat 3 Monate vor der Wahl längst entschieden: es hat keine Wahl, weil es keine Meinung hat, keine Meinung sich bilden will, keine Entscheidung treffen will.
Deutschland hat sich für eine White-Label-Politik entschieden, für ein Monopol, das sich ungestraft selbst über die Verfassung erheben kann (oder auch: "Panem et Democraciensis"). Und später will es wieder keiner gewußt haben ...


