Bei vodafone wird nichtmal mehr mit Wasser gekocht, sondern nur noch mit Heißer Luft! Beim Livestream der Pressekonferenz wird Marketing-Generik als neue Kampagne verkauft. Daher möchte ich mich auch mehr auf die Inhalte denn auf die PK als solche konzentrieren. (UPDATE 09. Juli, 08:44 Uhr: Wie die Entwicklung zeigt, liebe vodafones, wird es immer wichtiger, dies bis zum letzten Wort zu lesen, zu inhalieren und Konsequenzen zu ziehen!)
Diagnose
vodafone konzentriert sich also auf drei tragende Säulen: Mehrwert - Kunde - Power! Das machen aber Telekom, Quelle, BMW, Zewa auch! Das macht jeder! Nun also keine Differenzierung mehr, um alle zu erreichen!
vodafone wird sich in Zukunft auf die Farbe Rot konzentrieren! The Colour Red in a world of Colours! Hallo!? Great, nun also Rot neben Magenta. Und: worauf hat sich vodafone vorher konzentriert, wenn nicht Rot?
Es geht um die 'Generation Upload' - was immer das sein mag, denn im nächsten Satz schon sind dann doch wieder alle gemeint. Macht ja auch Sinn.
"Einen 17-Jährigen sehe ich hier gar nicht!" sagt der Marketing-Leiter später in der PK. Genau das ist das Problem von vodafone!
Das nächste Problem ist eine Kampagne, die die langweiligsten, weil gelerntesten Klischees propagiert: die Bloggerin mit dem kleinen Kind, den Base-Jumper, den MySpace-Musiker - geht es noch mainstreamiger und weniger polarisierend?
Eine Kampagne unterstützt von einem 1977er Bowie-Song!? Den die Protagonisten selbst singen? Das ist Cord-Sofa und Kuschelecke pur unter dem Jägermeister-Hirsch - aber nicht das Positioning eines modernen Telekommunikations-Unternehmens.
Und Sascha Lobo als Testimonial wird die Älteren und Seriösen abschrecken - sowie gleichzeitig die Jungen zu Tode langweilen. Wie gesagt: "Einen 17-Jährigen sehe ich hier gar nicht!"
Was nutzt mir die Warhol-Kampagnen-Idee des 15-Minute-Hero? Das ist Old School und das erste, was allen Agenturen einfällt. Das ist nicht das Internet. Das ist nicht Social Media!
Die Verwendung des neuen vodafone-Slogans "Es ist Deine Zeit!" verstehe ich überhaupt nicht, denn schließlich geht es nicht um Zeit (höchstens wenn man wiedermal mit der Hotline streitet, obwohl der Kunde ja im Mittelpunkt steht).
Therapie
Es geht um Zugang, um Access! Es geht um Geschwindigkeit, es geht um Preis und Mehrwert, es geht um Möglichkeiten, Chancen, Potentiale! Und es geht darum, genau das zu propagieren! Die unendlichen Möglichkeiten des Internet, der (tele-)mobilen, interaktiven Welt!
Es geht darum, zu zeigen, daß ich ohne vodafone in dieser Welt einfach aufgeschmissen bin. Zu zeigen, daß ohne vodafone nichts läuft!
Das Internet ist eine neue Welt mit neuen Möglichkeiten. Es ist kreativ und innovativ. Es ist partizipierend und interaktiv. Es ist eine Wissens- und Unterhaltungs-Plattform. Es erlaubt Dialog, Ko-Creation, Forschung, Vertrieb, Crowd Sourcing und Open Innovation. Wo findet sich dies in der Kampagne? Im Slogan? In der Strategie?
Prophylaxe
Warum kommt doch immer wieder die langweilige Media-Mix-Kampagne dabei heraus, wenn Unternehmen eine Social Media Kampagne machen wollen? Weil die Agenturen es immer noch nicht können?
Warum stehen bei einer Kampagne für die 'Generation Upload' all die obigen Dinge im Vordergrund, nicht aber das Social Media Thema? Warum war FM Schmidt, zitternd, nervös und sich an seiner Mappe festhaltend in der PK und nicht Nico Lumma, der Social Media Director der SF-Truppe?
SF ist eine Agentur des letzten Jahrtausends, keine des kommenden!
Es nutzt nichts - es ist im Gegenteil sogar kontraproduktiv - die Mechanismen der alten Medien auf das Internet zu übertragen. (UPDATE: Da nutzt es auch nichts, 200 Millionen über Deutschland zu kippen, wie otr schreibt - die hätte man lieber in das Produkt investieren sollen, statt nun alten Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen!)
Es ist kontraproduktiv, die Marketing-Strategie nicht vollkommen neu als Unternehmensstrategie zu denken.
Es ist kontraproduktiv, die Marketing-Strategie nur als Werbestrategie zu verstehen.
Das Marketing muß die Geschäftsmodelle, Marken und Produkte des Hauses entwickeln. Es muß Nutzen, Services und Gespräche liefern. Es muß vorangehen.
Märkte müssen innovativ verstanden, innovativ interpretiert und innovativ im Dialog mit dem Konsumenten realisiert und mit Leben gefüllt werden.
Das kann keine Agentur, kein Grüner Tisch, kein Vorstand!
Man muß die Regeln kennen, die Abkürzungen.
Dafür muß man Teil der Zielgruppe sein. Teil des Spieles. Teil der Lösung!
Keinesfalls jedoch Teil der Kulisse!
Tritt aus Deinem eigenen Schatten, vodafone! (UPDATE: Schöner als in den Kommentaren der Horizont kann ich es auch nicht sagen. Hier spricht Communities Stimme, und die ist mehr als eindeutig!)
Zur PK selbst:
- Super, daß sie live in's Netz übertragen wurde.
- Anscheinend (siehe Kommentare) gab es einige Stream-Probleme, aber für das erste Mal war das Handling professionell.
- Weniger professionell waren Raum, Beteiligte (FM Schmidt), Ablauf, Inhalte, Präsentationsform (ppt/Layout).
- Die 'Diskussion' war nah an der Farce.
- Dies war keine wirkliche PK, sondern eine Marketing-Präsentation!
UPDATE 09. Juli
08:17 Uhr > Weitere authentische Posts, die die Stimmung gut zusammenfassen: "vodafone rohrkrepierer 2.0", wirres.net, "Es ist deine Zeit: Die Helden der Generation Retweet", brainblogger, "Kampagnenstart bei Vodafone: Testimonial mit Risikopotential", pr-fundsachen, "Es ist Beine breit", Don Alphonso, "Vodafone sucht die Generation Upload", PRlen.
> Die Beratungsgeier kreisen schon und buhlen um einen vodafone-Auftrag: "Vodafones Social Media Engagement: Vodafone hat alles richtig gemacht. Aber wer hat sie beraten?" (auch in den Kommentaren)".
15:56 Uhr > Die Sicht des Profis auf die PK: "Vodafone und die Generation Mix-it-baby", bei Thomas, Indiskretion Ehrensache. Die Käuflichkeit und Janus-Köpfigkeit der sogenannten (selbsternannten!?) A-Blogger: "Die Zensursula-Debatte hat sich erledigt", chris, fixmbr.
18:10 Uhr > Sieben Hausaufgaben, die vodafone erledigen muß, damit das vollmundige Versprechen auch Realität wird: "Vodafone goes Web 2.0 Wer geht mit?".
23:20 Uhr > Wie enttäuschend, vodafone hat nichts verstanden und verlinkt allein den mehr oder weniger einzig positiven Post, nämlich typischerweise den, den ich oben als 'Beratungsgeier' charakterisiert hatte, als "Reaktionen auf die LivePK". Schade, soviel Ignoranz hatte selbst ich nicht erwartet.
Die Fortsetzung: "vodafone: Wir haben nichts verstanden".
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