Demokratie ist ein schwabbeliges Etwas, das nur durch Sand im Getriebe des Politikestablishments noch mentalen und materiellen Wohlstand für die Menschen schaffen kann.
Die Sandkörner kann man natürlich nicht erkennen, wenn man im Helikopter über die Austernbänke jagt, wie es die Presse mal wieder tut - auf der Suche nach wohlfeilen Erklärungen, genehmen Wahrheiten und dem Wunsche nach Komplexitätsreduktion (id est Vielfaltsreduktion).
2 Sandkörner (Aachen, Münster) gehören der Piratenpartei, 1 Sandkorn der Peto in Monheim bei Düsseldorf:
Aachen
"In Aachen erreichte die Piratenpartei durchweg zwischen 6 und 10 Prozent der Stimmen, sie trat jedoch nur in acht der insgesamt 32 Wahlbezirke an. "Und in sieben dieser acht Bezirke liegen wir noch vor der FDP", jubelt Richard Klees, Vorstandsmitglied der NRW-Piraten mit Wohnsitz in Aachen. Stadtweit kommt die Piratenpartei auf 1,77%, was für einen Sitz im Rat ausreicht."Dort, wo die Piraten antreten, erreichen sie auch schonmal schwedische Ergebnisse! Und liegen vor der FDP. Dies sollte den etablierten Parteien zu denken geben!
Münster
"Die Münsteraner wählten den 22jährigen Kfz-Mechaniker Marco Langenfeld mit 1,55% der Stimmen in den Rat. "Dafür, dass wir nur in 18 der 33 Bezirke zur Wahl gestanden haben, ist das ein gutes Ergebnis.", meint der Münsteraner Pressesprecher Tobias Schürjann. "Hätten wir in der gesamten Stadt kandidiert, hätten wir vermutlich rund 3% der Stimmen bekommen." (ebd.)
Monheim/Rhein, bei Düsseldorf
"Daniel Zimmermann von der Jugendpartei Peto wird neuer Bürgermeister in Monheim. Der 27-jährige Doktorand setzte sich mit 30,4 Prozent gegen CDU-Kandidat Tim Brühland (26,8 Prozent) und Ursula Schlößer von der SPD (19,0) durch."Wichtig sind in dem Zusammenhang die Verluste der sogenannten Volksparteien: "Auch im Stadtrat hat Peto nun die Nase fast vorn (29,6 nach 16,6 in
2004), ganz nahe bei der CDU (30,2 Prozent nach 43,9), vor der SPD
(20,3 nach 28,7) ... " (ebd.).
Bzw. CDU auf Länderebene: "Zwölf Prozentpunkte verliert die CDU in Thüringen, 13 im Saarland.
Dieter Althaus könnte von einer rot-rot-grünen Regierung abgelöst
werden und erhebt am Wahlabend eine Große Koalition mit der SPD zur
"sinnvollen Option". Für Peter Müller beginnt im Saarland eine
Zitterpartie, in einer Jamaika-Koalition mit den Grünen könnte er an
der Macht bleiben. Wie man es auch dreht und wendet: Althaus,
wichtigster Ministerpräsident von Kanzlerin Angela Merkel im Osten,
steht vor dem Fall, und Müller, Vorkämpfer der Arbeitnehmer in der
Union, hat schwere Tage vor sich."
Natürlich kann man auch hier die einfachen Erklärungen vorschieben, behaupten, dies seien keine Testwahlen, etc. aus den speziellen Situationen der Länder heraus. Was aber ist eine Wahl anderes als eine Testwahl?
Die Politik sollte aus diesen 3 Beispielen so viel lernen, wie sie wenig lernt aus den großen Themen der Länder, der NPD, der Wahlbeteiligung, etc.
Wahlen bilden Erfahrungen ab, reflektieren Gelebtes und Erlebtes. Wahlen bilden Hoffnungen ab. Wahlen machen nicht Halt vor kommunalen Grenzen oder Landesgrenzen. Wahlen können nicht nicht-kommunizieren!
Würde die Politik verstehen, wieviel mentaler und materieller Wohlstand für alle in diesen Sandkörnern der demokratischen Auster steckt, würde sie sie nicht egoistisch vor der Zeit ausschlürfen, sondern diese Körner kultivieren, in Petrischalen, Biotopen, sie vervielfältigen, ohne sie zu verwässern, von ihnen lernen.
Vor allem lernen, mit den Konsequenzen zu leben (also Wahlkampf zu betreiben), nämlich die dazu diametralsten Wahlkämpfer, wie Heil, Schäuble, von der Leyen, auf die Ersatzbank bitten und Jugend und Zukunft (wo ist der Unterschied?) mit Taten (nicht länger mit Worten) versuchen zu gewinnen.
Die Sandkörner sind die Saat. Sie werden aufgehen, ob die Politik will oder nicht.
In diesem Sinne: Get well soon!
(Hiermit wird übrigens keine Lanze für diese Parteien gebrochen, sondern dafür, Trends schneller zu erkennen, doch auf das Volk zu hören, sich nicht in einen Elfenbeinturm zurückzuziehen und Landesfürsten oder Bundesfürstin zu spielen und mit dem gemeinen Volke nichts mehr gemein haben zu wollen.)
Siehe dazu auch:
> weissgarnix: "Lahm trifft blind".
> Sprengsatz: "Auf die Grünen kommt es an".
> taz: "Pulverfass Deutschland".
> Vielleicht muß man einfach ein wenig genauer hinsehen: "Piratenpartei: Eher kentern als entern?", telepolis, und Spiegel. Anderswo geht das doch auch: gullinews.
UPDATE
15:57 Uhr > "Merkels Miteinander", sprengsatz.
02. September
10:23 Uhr > "Piraten entern Parlamente", taz.




