So, Twitter hat nun Listen. Ein neues Spiel, bei dem ich Menschen in Listen stopfe, aufreihe zur Betrachtung, freigebe zur Bewertung, Interpretation, Spekulation: Warum bin ich genau in dieser Liste und nicht in einer anderen? Wie sieht der mich denn? Versteht der nicht, was ich wirklich sagen will?
Manchmal denkt man bei Betrachtung der Listen im Sinne der Marx-Brothers, daß man nämlich nicht Mitglied in einem Club sein möchte, der Leute wie einen selbst aufnimmt.Dann wieder will man nicht Mitglied sein in einem Club, der Leute reinläßt wie die anderen, die da Mitglied sind.
Manchmal will man nichtmal, daß sich bestimmte Leute mit einem schmücken, weist dies aber vor dem Spiegel schnell als narzistisch zurück, übt sich wieder in Bescheidenheit.
Braucht man Masse, Relevanz, Einfluß, Quantitäten? Man will doch etwas bewegen, Menschen zum Nachdenken bewegen.
Schon ruft der nächste: Größenwahn!, klar. Dabei tun wir alle den ganzen Tag nichts anderes als Menschen zum Nachdenken zu bewegen, zum Fühlen, zum Schmunzeln, Lachen, zum Traurig sein, bewegen zum nachdenklich sein. Sich weiterzuentwickeln, sich und seine Umwelt (oder zumindest das Umfeld) infragezustellen, seine individuellen Schlüsse zu ziehen ...
Das Denken und Handeln der Menschen ein wenig zu verunordnen, sie vom gewohnten Wege abzubringen, Neues entdecken und denken zu lassen ...
Ich will nur eine Liste! Ich will Qualität! Eine Liste, to rule them all, ... Meine eine und einzig logische Liste also heißt hundredinspiringpeople.
Inspirieren können einen nur Leute, die anders denken, die Bestehendes infragestellen, die einen spannenden Weg gehen, die mich auch ein wenig nerven! Man muß ihnen nicht immer folgen auf ihrem Wege, man kann ihnen aber folgen bei Twitter! Denn sie regen an - und eine (Nachtrag: Aufnahme in eine) Twitter-Liste ist noch lange kein Persilschein.
Social Networking soll uns öffnen gegenüber unseren Vorurteilen, gegenüber dem Neuen, dem Unbekannten, gegenüber den weißen Flecken auf unseren Landkarten und den kleinen dunklen Flecken auf unseren Westen - lassen wir es zu.
UPDATE
22:17 Uhr > "Twitter’s “Listed” Stat: Is It a Measure of Influence?", WebWorkerDaily.
04. November
10:49 Uhr > "Twitterlisten", Webevangelisten. "The Brilliance of Twitter Lists and Suggestions for Improvement", TheNextWeb ("In my opinion twitter is the best tool we have today to engage with others, spread a message, network, meet other like-minded people, and stay on top of the news, in any industry").
19:30 Uhr > "Linkschleudern haben bei mir keine Zukunft", massenpublikum. Ich glaube, Saschar meint das gleiche wie ich oben (nicht mit seiner Überschrift, sondern mit seinem Post!).

mediaclinique


