Eindrucksvoll beweist talkabout CEO Mirko Lange, wie man mit einfachsten Mechaniken Krisen-PR macht. (Mirko Lange ist hier übrigens nur pars pro toto einer längst überholten PR-Maschinerie. Es geht nicht um ihn als Person.)
Da wir alle nur von den Besten lernen wollen - vor allem, wenn es kostenlos ist -, hier das ultimative Krisen-PR-Manual. Erstellt von mediaclinique mit (siehe weiter unten) Zitaten aus dem Blog Post Mirko Langes:
DAS KRISEN-PR-MANUAL (Management Summary)
(Nachhilfe in traditioneller PR vom "... CEO talkabout. Stehe für moderne PR.
Wie kann man mit authentischer
Kommunikation Mehrwert schaffen und Fürsprecher gewinnen?")
A - KAUSALITÄT VON ANFANG AN VERSCHLEIERN
01 - Klient vom Täter zum Opfer stilisieren
02 - Publikums-Sympathie durch Verwendung der 1. Person wecken
03 - Publikums-Emotionen durch Anteilnahme und eigene Schwäche wecken
B - SCHAUPLATZ AUF META-EBENE VERLAGERN
04 - Diskussion auf anerkannt vorurteils-behaftete Meta-Ebene verlagern
05 - Die eigene, ablenkende Wahrheit mit Statistiken produzieren
C - ZUR SICHERHEIT: EINIGE SCHLÄGE UNTER DIE GÜRTELLINIE
06 - Den Gegner aufs Schärfste - aber wertneutral - verunglimpfen
07 - Beherzt selbst praktizieren, was man später dem Gegner vorwirft
08 - Gelernte (und neuere) Buzzwords als Nebelkerzen einsetzen
09 - Totschlagargumente: menschliche Schicksale, Arbeitsplätze
D - KLIENT OHNE JEDEN ZWEIFEL AUS SCHUSSLINIE BRINGEN
10 - Klient exkulpieren, den wahren Schuldigen präsentieren
11 - Gegner diskreditieren, unlautere Motive unterstellen
E - DISKUSSION ENDGÜLTIG AUF DIE META-EBENE VERBANNEN
12 - Persönliche Betroffenheit betonen, Polemik hinterherschieben
ERGEBNIS
Der Klient ist aus der Schußlinie. Die Kausalität ist gedreht, Täter und Ankläger haben die Rollen getauscht. Das Publikum ist gedreht. Die eigentliche Ursache ist längst verdrängt, der Ankläger ist der Böse, der Klient das Opfer, Urwald und Orang-Utan sterben weiter, der Konsument ist schuld, das Internet ist schuld, Social Media ist schuld.
Anmerkung in eigener Sache:
Inzwischen sollte jeder erkannt haben, daß es hier um Satire geht. Das Vorgehen Mirko Langes (siehe untenstehende Long Version mit den Zitaten) erinnert an die jahrzehntelangen PR-Kunststücke der Tabak-, Spirituosen- und Waffenindustrie.
Wir treffen hier auf reflexhafte Mechaniken einer Industrie, die einer anderen Industrie hilft, ihre Fehler auf Kosten der Menschen zu vertuschen.
Diese Mechaniken helfen den Unternehmen seit Verbreitung des Internets / Social Networking nicht mehr. Diese Mechaniken hindern die Unternehmen daran, sich zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Diese PR-Mechaniken sind nicht nur kontraproduktiv, sondern tödlich für die Unternehmen.
Man betrachte nur das Denken der Menschen über Unternehmen der Telekommunikations-, Banken-, Energie- und Auto-Industrie.
PR-Mechaniken ersetzen kein vorbildliches Handeln. Sie verhindern es.
DAS KRISEN-PR-MANUAL
(Long Version for Beginners, alle Zitate talkabout, Hervorhebungen von mir)
(Nachhilfe in traditioneller PR vom "... CEO
talkabout. Stehe für moderne PR.
Wie kann man mit authentischer
Kommunikation Mehrwert schaffen und Fürsprecher gewinnen?")
A - KAUSALITÄT VON ANFANG AN VERSCHLEIERN
01 - Klient vom Täter zum Opfer stilisieren
"Greenpeace macht mobil. Gegen Nestlé. Und Greenpeace zieht
alle Register: Kindchenschema, Schockvideos, virale Verbreitung,
David gegen Goliath, Zensurvorwürfe. Greenpeace lässt fast nichts aus,
um Aufmerksamkeit zu generieren, Greenpeace nutzt alles, worauf die
Community sensibel reagiert. Und sie scheint mir extrem erfolgreich. Sie
trifft ins Herz der Verbraucher, und sie trifft direkt die
betriebswirtschaftlichen Interessen von Nestlé: Das Bild vom blutenden
Orang-Utan-Finger wird sich in das Gehirn eines jeden Menschen
eingebrannt haben, der diesen Spot gesehen hat, und er wird dort für
immer mit "KitKat" verbunden sein. (Update: Angeblich
sind es derzeit schon rund 550.000 views)"
02 -
Publikums-Sympathie durch Verwendung der 1. Person wecken
"Ich persönlich fange an, mir Sorgen zu machen."
03 -
Publikums-Emotionen durch Anteilnahme und eigene Schwäche wecken
"Aber der Fall Greenpeace versus Nestlé fängt an, mich zu verunsichern.
Ich fange an mir Sorgen darüber zu machen, ob die ehemals Ohn-Mächtigen
anfangen, Macht zu missbrauchen."
B - SCHAUPLATZ AUF META-EBENE VERLAGERN
04 - Diskussion auf anerkannt vorurteils-behaftete Meta-Ebene
verlagern
"Der Zugang zu Massenmedien war früher ein Machtinstrument. Und diese
Macht wurde von vielen Mächtigen missbraucht – auch weil das "gemeine
Volk" nicht in der Lage war, sich adäquat eine Meinung zu bilden." ... "Denn es zeigt, wie Social Media wirkt. Und es zeigt die Gefahr des
Missbrauchs."
05 - Die eigene, ablenkende Wahrheit mit Statistiken produzieren
"Ich habe heute einen kurzen Twtpoll auf Twitter gestellt. http://twtpoll.com/lt257f, weil
mich interessiert hat, wie diese Kampagne wirkt."
C - ZUR SICHERHEIT: EINIGE SCHLÄGE UNTER DIE GÜRTELLINIE
06 - Den Gegner aufs Schärfste - aber wertneutral - verunglimpfen
"Die Kampagne von Greenpeace ist – ganz neutral gesprochen – populistisch, und ich
befürchte, sie ist auch ebenso polemisch wie propagandistisch.
Denn so langsam fange ich an zu glauben, dass es auch Greenpeace mit der
Wahrheit nicht so wichtig ist."
07 - Beherzt selbst praktizieren, was man später dem Gegner vorwirft
"Mein Eindruck ist jedoch, dass es Greenpeace nicht wirklich und nicht
ausschließlich um die Sache geht. Greenpeace geht es um maximale
Aufmerksamkeit, und auch vorsätzlich erzeugten Schaden. Für Greenpeace
gilt nicht nur "ohne Rücksicht auf Verluste", für Greenpeace ist der
Schaden gewollt."
08 - Gelernte (und neuere) Buzzwords als Nebelkerzen einsetzen
"Wer richtig mit dem Social Web spielt, beruft sich einfach auf "Zensur"
und kann so sicherstellen, dass auch illegale oder illegitime Inhalte
erhalten bleiben. Interessiert da noch die inhaltliche Debatte?"
09 - Totschlagargumente: menschliche Schicksale, Arbeitsplätze
"Da ist es ganz egal, ganz auch menschliche Schicksale mit Nestlé
verbunden sind. Denen geschieht es offensichtlich recht."
D - KLIENT OHNE JEDEN ZWEIFEL AUS SCHUSSLINIE BRINGEN
10 - Klient exkulpieren, den wahren Schuldigen präsentieren
"Der richtige Adressat der Kampagne wäre nicht Nestlé, sondern der
Verbraucher. Denn der verlangt und kauft Schokolade. Oder
Kosmetikprodukte mit Palmöl. Oder Reinigungsmittel."
11 - Gegner diskreditieren, unlautere Motive unterstellen
"Wenn es Greenpeace ernst sein würde mit dem Schutz der Orang-Utans, dann
würde sie das thematisieren, und nicht nur einen einzelnen Konzern
attackieren. Aber Nestlé war ja schon früher in der Kritik, Nestlé ist
also ein wirklich geeignetes Opfer. Greenpeace geht es aber nicht um die
Orang-Utans. Greenpeace geht es lediglich um die Publicity. Und um eine
Art Klassenkampf."
E - DISKUSSION ENDGÜLTIG AUF DIE META-EBENE VERBANNEN
12 - Persönliche Betroffenheit betonen, Polemik hinterherschieben
"Was lerne ich persönlich daraus?" ... "Und was Greenpeace tut, ist Unrecht. Es ist rechthaberisch, verletzend,
schädigend, polemisch und manipulativ." ... "... ich fange auch langsam an, mich auf die Seite des schwächeren zu
stellen." ...
"Und im Social Web scheinen mir die Unternehmen die schwächeren zu sein.
Sie haben vermeintlich kaum eine Chance, gegen solche Form von Propaganda
vorzugehen. Schade eigentlich um das Social Web. Denn durch solchen
Missbrauch könnte bald das Medium in Verruf geraten."
UPDATE
Bitte auch lesen: "Q: Wo sind die Social Media Gurus, wenn man sie braucht? A: Nicht bei Nestlé!", mediaclinique. "Die Marke und ihr Fan: Freund oder Feind?", werbeblogger. "Change the Game: Michael Lebowitz > "Brands are Adapting at the Pace Imposed by their Existing Infrastructure" und "Engagement: Brands must treat People like they themselves would like to be treated", lead/marke.
20:12 Uhr > Leider kann man bei posterous nicht auf den einzelnen Kommentar verlinken (oder ich bin zu blöd), daher bitte die Kommentare der PR-Prominenz direkt dort auf der Zunge zergehen lassen: "Alles konstruiert. Nestlé zu verurteilen hilft weder dem Urwald noch dem Orang-Utans.", talkabout.
Ich bin für Djure (Meinen) und Wolfgang (Lünenbürger-Reidenbach).
24. März
09:57 Uhr > " Lieber Wolfgang Luenenbuerger-Reidenbach...", talkabout.
Recent Comments