Kommunikationsarchitekten, daran müssen wir uns noch gewöhnen, sind die altbekannten Media- und Kreativ-Agenturen in neuen Schläuchen.
Verlage bündeln Medien, also Werberaum, also Container. Sie dienen diese den Kommunikations-A. an, die ihrerseits Werbungtreibende bündeln, andererseits profitable Kontakte zu zB Verlagen unterhalten, dritterseits ihren Kunden effizient(e) Kontakte mit der Zielgruppe vermakeln.
Diagnose
Pars pro toto: Die Honorare der Kommunikations-Architekten sind mehr als verschwendet, wenn sie sich allein mit Rabatten beschäftigen. Rabatte sind die Zier des Kuchens, der keinem mehr schmeckt. Auch der letzte Werbungtreibende müßte langsam verstanden haben, daß ihm von den meisten Agenten der wahre RoI unterschlagen - und nur der 'Rabatt on Investment' geliefert - wird.
Therapie
Kleinster gemeinsamer Nenner und größtes anzustrebendes Ziel müßte also eine Container-Qualität sein, die möglichst viele zahlende Rezipienten lockt, bindet und von dieser Qualität W-o-M-mäßig schwärmen läßt. (Denn heute rollt nur mit den allerwenigsten Containern noch ein Diogenes den Berg hinunter.)Den ganzen Tag, die ganze Woche, das ganze Jahr über müßten Werbungtreibende, Medien und Komm.-A. auf höchster (intellektueller) Ebene zusammensitzen und Pläne, Medien, Geschäftsmodelle schmieden, solange die Leser/Nutzer/Seher noch heiß sind.Entweder sieht die Realität jedoch ganz anders aus oder man kann mit diesem uns bekannten Ergebnis der Gespräche, das man an jeder Ecke des Netzes sehen kann, weißgott nicht zufrieden sein.
Wo sind die Quantum Leaps der Agentur-Springfrösche, die 7-Meilen-Schritte der Verlagsriesen, die Visionen der Vorstands-Millionäre? Oder warten alle auf das iPad? Auf blühende Landschaften? Das Ende von Google? Die verbrannte Erde der kommenden Netzzensur? Um wie Phönix aus der Asche aufzusteigen?
Warum löscht keiner seine Festplatte und beginnt das Medienmodell neu zu denken? Warum redet man nur über Werbemodelle, Platzierungen, Preise, Print? Warum sperren sich alle gegen (erkenn- und nachvollziehbare) Kooperation, Kollaboration und Kokreation?
Wenn diese Komm.-A. so kreativ, innovativ und effektiv sind, warum nutzen die Verlage sie dann nicht vehement? Wenn die Medien so qualitativ hochwertig sind, warum klappt's dann mit dem Nachbarn immer noch nicht besser? Wenn die Werbungtreibenden so viel Geld in die Reklame stecken, warum kommt dann so wenig Geist dabei herum?
Kommunikations-Architekten sollten keine Preis- und Rabattmodelle entwerfen, sondern Geschäftsmodelle. Sie sollten - im wahrsten Sinne des Wortes - Medienhäuser entwerfen, in die die Rezipienten in Massen strömen, in denen sie Mensch sein können und Nutzer werden wollen.
Prophylaxe
Hört auf, Euch unter Grünen Tischen zu verstecken. Setzt die Berater vor die Türe, die Journalisten rausschmeißen. Setzt die Verleger vor die Türe, die solche Berater über die Schwelle lassen. Setzt die Kommunikationsarchitekten vor die Türe, die außer breiteren Vistenkarten keine Neuigkeiten haben. Setzt die Medienmanager vor die Türe, die Medien und Agenturen nicht zum Wohle der Marke an einen Tisch und zu einem visionären Aufbruch vereinen können.
In diesem Sinne: Get well soon!


