Von vorletzten Mittwoch- bis Sonntagabend war ich auf der Art Basel, habe keine Zeitung
und keinen Feed gelesen, keine Nachrichten gehört. Nur die letzten 3
Minuten der deutschen Nationalmannschaft gesehen. Und viele Menschen.
Schlendert man durch die Menge, die durch die Gänge der Art Basel mäandert, fällt als erstes auf, daß man es hier keinesfalls mit der Masse zu tun hat. Entsprechend der Kunst sind auch ihre Rezipienten, Liebhaber und Käufer auf dieser Messe nicht gerade Durchschnitt.
Hier sind nahezu alle besser angezogen, locker, aber eher zu einer gehobenen Cocktail-Party als zu einem einfachen Messebesuch. Die Art ist aber auch keine einfache Messe. Die Schuhe sind edler, bei Damen wie Herren. Die Beine, Körper, Glieder sind schlanker, durchtrainierter, sind jünger durch regelmäßigen Sport, dezent gebräunt durch regelmäßigen Urlaub, gesünder durch regelmäßige und gehobene Ernährung. Die Stoffe hochwertiger, natürlicher, enganliegender, größtenteils musterlos, in ruhigen Farben, um nicht mit den Werken an Wand und Boden zu konkurrieren (während mancher auf anderen Messen oft das Gegenteil erreichen möchte).
Wenn man nicht gar durch des Passes Alter jünger ist, so erstrahlt man durch des Skalpelles zartes Licht, Botox oder die sonstigen Segnungen des Geldes juvenil - ohne, und das ist relevant, die Blicke durch Übertreibung anzuziehen.
Man bewegt sich gesellschaftlich oberhalb der Art Cologne und ähnlicher Messen, die verzweifelt versuchen, das wirklich gute Publikum mit wirklich guter Kunst anzulocken. (Stimmt letzteres nicht, kann ersteres nicht stimmen. Das spricht sich schnell herum, die Konsequenzen sind durch grobe individuell-ästhetische Verfehlungen gerade in den deutschen Messe-Städten schmerzhaft ersichtlich.)
Die Art Basel säubert sich ein wenig selbst, zB durch die Entfernung von der Mitte Deutschlands, was diese Mitte fernhält. Und natürlich durch einen Tageseintrittspreis von 38 SFR.
Man ist ein wenig unter sich - was immer das sein mag. Man hört viel italienisch, französisch, englisch, japanisch, chinesisch, amerikanisch, schweizerisch. Wenig deutsch, was sehr angenehm ist - vielleicht aber sind die Deutschen in den Schweizer Landen auch einfach nur leiser als im eigenen. Wie angenehm.
Die Kunstwelt der Art Basel ist keine künstliche Welt - aber sie hebt sich vom Reste ab, wie der Rahm von der Milch. Sie ist eine künstlerische Welt, und die lebt endlich wieder. Von Mäzenen, von der Freude am Ästhetischen und Kritischen, vom Blick für das Besondre, das Edle. Und eben so gar nicht von der Masse, sondern von denen, die Kunst wagen, die Unternehmen und Unternehmungen wagen, die Unsicherheit und Risiko wagen, sich selbst in die Waagschale werfen und sich, ihr Leben, ihr Streben der Kunst widmen.
Es wäre zu wünschen, deutsche Kulturpolitik würde dies verstehen, unterstützen und auf eine breitere Basis als heute stellen. Kunst braucht Betrachter, Museen brauchen Besucher, Kunst den offenen Diskurs, Museen den freien Eintritt.
Kunst ist Ausleben und Keimzelle der Kreativität, Kreativität eine Keimzelle des Wohlstandes. Das kann man nicht früh genug verstehen lernen.
Addendum
13:25 Uhr > "Elitenförderung statt Bildungsrepublik", binsenbrenner.


