Vor einer Woche schrieb ich bei lead/marke: "Why some Agency Websites remind me of 'Schrödinger's Cat' Thought Experiment".
Wenn man sich die Zuckungen der Branche anschaut, kann man zu keinem anderen Ergebnis kommen, als daß die Katze in der Box grundsätzlich für tot zu erklären ist - und dies nicht allein auf Basis der Website-Beobachtungen im oben erwähnten Post.
TV-Spots sind anstrengender, nerviger, 1958er und vorurteilsbeladener als das sie umgebende Rahmenprogramm. Aus dem Internet dringen keinerlei Erfolgserlebnisse an die Öffentlichkeit, die Company-Blogs sind brav bis langweilig, Facebook plätschert dahin. Nichtmal Feinde existieren, wie seinerzeit Google, an denen man sich ein Jahr lang öffentlichkeitswirksam abarbeitete.
Die Kommunikationsbranche ist inzwischen wieder genauso post- Social Media, wie die Autoindustrie post-klimawandel ist: man konzentriert sich wieder auf Gimmicks, Ablenkungen, Geschichten, statt Lösungen. Visionen sind nichtmal Lippenbekenntnisse, sondern einfach nicht existent.
Einziger Lichtblick ist Amir Kassaei mit seiner Frühlingsgründung Hubble. Mit "Lösungen zu entwickeln, die das Leben der Menschen einfacher, besser und effizienter machen" gehen sie den einzig erfolgversprechenden Weg einer Agentur in das Post-Agentur-Zeitalter.
Und das sage ich nicht, weil ich an lead/marke und "Creating Values for the Individual, Adding Value to the Corporation" denke.
Die Agentur, die immer noch Reklame-Dienstleistungen verkauft, wird bald am Ende sein. Die Agentur, die sich nicht zwischen Kreation und traditioneller Media(-Arbeit) entscheiden kann, wird bald am Ende sein. Die Agentur, die sich nicht zwischen Einkauf und Strategie entscheiden kann, wird bald am Ende sein. Die Agentur, die nicht über ihre eigene Positionierung - und die der Branche - hinauswachsen kann, wird bald am Ende sein. Während Amirs Katze lebt, sehe ich da draussen sonst nur einen wahren Friedhof der Kuscheltiere.
Wünschen wir uns, daß wir bald mehr von Hubble hören. Und auch wenn ich hier die Branche ein wenig ketzerisch aufforderte, nicht auf Amir zu hören, sollte sie trotzdem langsam sich befreien aus ihren Fesseln aus Establishment, Tradition, Konvention und Bonusabsicherung und endlich über sich und ihre enge Box, in der sie sich so komfortabel eingerichtet hat, hinauswachsen.
In diesem Sinne: Get well soon!


