(Dienstags präsentieren wir regelmäßig ausgewählte Artikel des 3-monatlichen Print-Magazins DIE GAZETTE. Texte, die "über die taktische Tagespolitik hinaus Antworten und Perspektiven" geben, zum Nachdenken anregen wollen.)
Veröffentlicht unter 'Fundsachen': Krebs im Schlaf
Die Wissenschaftszeitschrift Scientific American brachte am 2. Juli 2010 einen Gastkommentar, der sich mit der Ungleichverteilung von Krebserkrankungen in der linken und der rechten Brust sowie in Japan und den USA befasste. Zwei Verursacher wurden ermittelt: das Bett und der Fernsehsender. Die angesehene Zeitschrift fügt der Erläuterung allerdings hinzu: „Die hier wiedergegebenen Ansichten sind die der Autoren und nicht notwendigerweise die des Scientific American.”
Wenn da die Betten nicht Feng-Shui-mäßig stehen, Felsenegg-Girstel Fernsehturm, wikimedia roland zh
Seltsamerweise ist die Krebsrate für die linke Brust um 10 Prozent höher als für die rechte Brust. Der Unterschied betrifft Männer und Frauen und trifft außerdem auch auf Hautkrebsmelanome zu. Örjan Hallberg und Ollie Johansson (Hallberg Independent Research bzw. Karolinska-Institut, beide in Schweden) bieten in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift Pathophysiology eine überraschende Erklärung an, die nicht nur auf eine gemeinsame Ursache für beide Krebserkrankungen hinweist, sondern auch unsere Schlafgewohnheiten verändern kann. (...)
Die erste Gruppe der von ihnen angeführten Beweise stammt aus einer zwischen 1989 und 1993 durchgeführten Untersuchung von 2007; sie ergab eine deutliche Korrelation zwischen der Häufigkeit von Melanomen und der Anzahl von UKW- und Fernsehsendemasten in dem Gebiet der Versuchspersonen. Obwohl epidemiologische Korrelationen dieser Art die Möglichkeit nahelegen, dass elektromagnetische Strahlung von UKW- und Fernsehsendemaste das Immunsystem schwächen und Krebs fördern, ist jedoch die Stärke dieser elektromagnetischen Felder so gering, dass man sie sich als biologische Ursache für diese Korrelation nur schwer vorstellen konnte.
Bedenken wir aber, dass zum Beispiel ein Fernseher auf die Ausstrahlung von Sendungen nur dann reagieren kann, wenn die schwachen elektromagnetischen Wellen durch eine geeignete Antenne aufgefangen und verstärkt werden. Antennen sind einfach metallene Gegenstände von geeigneter Länge, die zu der Wellenlänge einer spezifischen Frequenz elektromagnetischer Strahlung passt. Wie ja auch Saxophone in verschiedenen Größen hergestellt werden, um für bestimmte Schallwellenlängen als Resonanzboden und Verstärker zu dienen. Ebenso werden auch ganz bestimmte elektromagnetische Wellen durch metallene Gegenstände verstärkt, wenn diese im Verhältnis zur elektromagnetischen Wellenlänge einer bestimmten Frequenz entweder gleich lang oder halb oder ein Viertel so lang sind. Elektromagnetische Wellen schwingen an einer Antenne von der halben Wellenlänge und bilden dabei eine stehende Welle in der Mitte und einen Knoten an jedem Ende der Antenne, ganz so, als ob man eine zwischen zwei Punkten ausgespannte Saite in der Mitte anzupfen würde. In den USA sind Bettrahmen aus Metall, und die Länge des Bettes beträgt genau die Hälfte der UKW- und Fernsehwellen, die seit Ende der 40er Jahre ausgestrahlt werden. In Japan sind die meisten Betten nicht aus Metall, und die Fernsehsender arbeiten nicht mit den Frequenzen zwischen 87 und 108 Megahertz.
Während wir also auf unseren Federkernmatratzen schlafen, schlafen wir in Wirklichkeit auf einer Antenne, die die Strahlung der UKW- und Fernsehsender verstärkt. Auf diesen Antennen ist unser schlafender Körper während eines Drittels unserer Lebenszeit den verstärkten elektromagnetischen Wellen ausgesetzt. Während wir auf den Federkernmatratzen schlafen, sind wir von einer elektromagnetischen Strahlung eingehüllt, wobei das Strahlungsmaximum in einer Höhe von 75 Zentimetern über der Matratze liegt, über der Mitte unseres Körpers. Wenn wir auf der rechten Seite schlafen, ist also die linke Körperhälfte einem elektromagnetischen Feld ausgesetzt, das zweimal so stark ist wie das, was die rechte Körperhälfte absorbiert.
Wenn diese Untersuchungsergebnisse richtig sind, liegt die einfache Lösung nahe: Man ersetze das Metall in unseren Betten durch eine nichtmetallene Matratze oder man stelle das Bett an eine andere Stelle im Haus, die möglichst weit entfernt von dem Sendemast liegt. Wenn man so will, ist es nichts anderes als High-Tech-Feng-Shui. Auch wenn die Studie die Ursache der häufigeren linken Krebsarten nicht gefunden haben sollte, wird sie gewiss, für manche zumindest, die Ursache kommender Schlaflosigkeit sein.
DIE GAZETTE "Ein politisches Magazin für den kritischen Zeitge-nossen: aufmerksam, nachdenklich, verläßlich unabhängig, mit Haltung und Rückgrat, jenseits von Boulevard und Mainstream, gründlicher als die Zeitung, aktueller als das Buch." Fritz Glunk




