TLM05 from The Last Magazine on Vimeo. By The Last Magazine.
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Das hätte man sich ja denken können, daß vodafone mit dem 'you' in seinem Markenclaim 'power to you' nicht uns meint, sondern immer den, der die Macht längst hat. Great!
Als ob das noch einer Bestätigung bedurft hätte. Nun aber wissen wir es alle, selbst Amnesty!
Kann mich gar nicht erinnern, wann das letzte Mal ein Unternehmen überhaupt, aber auch derart scharf, vom AI Generalsekretär kritisiert wurde wie vodafone. Mehr bei lead/marke: #egypt: Hypocrite of the Year Award for vodafone's 'power to you' campaign bzw: #egypt(1/3): What would vodafone do? Shut down the Internet!? (dort auch jeweils aktuellere Links).
May the force be with you - denn wir (vodafone) sind nicht auf Deiner Seite. Denn vodafone duckt sich in Sicherheit und bleibt auf der Seite der (vermeintlichen) Macht.
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Einfach vergessen, was wirklich geschah? Hm ...!
Schluck/Impfung ist süß, Vergessen ist bitter.
Aus aktuellem Anlaß:
#egypt (1/3):
- What would vodafone do? Shut down the Internet!?
#egypt (2/3):
- What would the US Vice President do? Support the Government's Power - against the People!?
#egypt (3/3):
- What would the German Press do? Sleep till 0700!?
01 - Der ultimative Tsunami im Blogger-Sumpf, JakBlog. Basicthinking, Onlinekosten GmbH und der Keyword-Spam *Update*, netbooknews. Interview: Sascha Pallenberg über Schleichwerbung in Blogs, netzpolitik. Bloggergate – was sind die Konsequenzen?, nico. (Nachträge: 10:28 > tsunamis sind auch nicht mehr das was sie mal waren, wirres. 17:45 Uhr > Die Tsunamiwelle, fixmbr. 29.01., 10:42 Uhr > patalong im glashaus, wirres.
02 - Euroweb-Prozess vor Bundesgerichtshof, netzpolitik.
03 - Von Visa beauftragte Prüfer: “Bei Wikileaks ist alles legal” Visa sperrt weiter, netzpolitik. “The New York Times” May Start Its Own Version of WikiLeaks, mashable.
04 - Petra Erler darf Lobbyagentur betreiben, LobbyControl.
05 - Wie viel kostet Davos?, zeitonline.
06 - State of the Union, 2011, all SOTU speeches. My Dark Twisted Fantasy: Barack Obama’s State of the Union Speech Channels “America: Violent to the Bone”, alternet.
mediaclinique: 2011: Die Verleger 'begreifen' das Internet [Symbol-Photo], #dld11 / Ihr macht Euch Sorgen um Eure Kinder im Netz? Hier ist ein Häppchen Realität!.
DIE GAZETTE (dienstags in der mediaclinique): Uwe Dankert > Revolution mit Energie - Gemeinden werden autark.
Aus meinen anderen Blogs:
distinctive leadership: Realitätsentzug > Organisationen konstruieren ihre eigene Realität / Consultants helpless - even perplexed!?.
lead/marke: "Have we Reached a World of Infinite Information?" (Chart) / The Interactive Map Every Serious Social Marketer needs: Twitterverse Console.
werbeblogger (als Team-Member): Montagspredigt: Nee, jetzt mal ernsthaft RTLnow ….
tumblr: this message is too wide to fit your screen, no.390.
In diesem Sinne: Schönes Wochenende - und Stay well!
Addendum
09:16 Uhr > Rheinland-Pfalz auf dem Weg zum Überwachungsstaat: SPD, CDU und FDP beschließen umfangreiches Überwachungspaket, netzpolitik.
(Wer eigene Links beisteuern möchte, weil sie ihr/ihm oben fehlen, sei dazu herzlich in den Kommentaren eingeladen. Danke.)
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Hm, Google und mein Feedreader sprechen eine deutliche Sprache: In dieser Nacht ist es ruhig in der deutschen Presse. Sie schläft ihren wohlverdienten Schlaf.
Erst ab 0700 Uhr regt sich so langsam das ein oder andere Blättchen:
"El Baradei in Ägypten eingetroffen: Regierung schränkt Internet massiv ein ...Baradei in Ägypten eingetroffen. Unterdessen kam es auch in der Nacht zu Freitag zu Zusammenstößen und Festnahmen im ganzen Land. Die Regierung versucht offenbar, die digitale Kommunikation massiv einzuschränken. FAZ.NET - Homepage | Politik | Gesellschaft | Wirtschaft | Finanzmarkt | Sport | Feuilleton | Reise | Wissen | Auto | Comput... from News D - FAZ.NET - 7:21 AM (1 minute ago)"
"Mubarak unter Druck: Ägyptens Behörden kappen das Internet ...gyptens Staatschef Mubarak das Internet in Kairo und anderen Gegenden unterbrechen lassen. Mehrere Anhänger der verbotenen Muslimbruderschaft wurden festgenommen. from SPIEGEL ONLINE - Schlagzeilen - 7:19 AM (7 minutes ago)"
"Ägyptische Behörden kappen das Internet - Rund 20 Muslimbrüder festgenommen ...In Ägypten sind nach Angaben eines Anwalts mindestens 20 Mitglieder der oppositionellen Muslimbruderschaft festgenommen worden. from Top-News | RP ONLINE - 7:14 AM (7 minutes ago)"
"Proteste in Ägypten: Spannung vor dem Freitagsgebet Das Internet ist weitgehend lahmgelegt, die Polizei bezieht strategisch wichtige Posten: Die ägyptische Regierung versucht mit allen Mitteln weitere Proteste zu verhindern. Die Opposition aber will unverdrossen weiter demonstrieren und erhält nun prominente Unterstützung von einem Friedensnobelpreisträger. from Stern - 7:12 AM (9 minutes ago)"
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"Asked if he would characterize Mubarak as a dictator Biden responded:
“Mubarak has been an ally of ours in a number of things. And he’s been very responsible on, relative to geopolitical interest in the region, the Middle East peace efforts; the actions Egypt has taken relative to normalizing relationship with – with Israel. … I would not refer to him as a dictator.”"Mr. Biden's comments are unlikely to be well-received by regime opponents, as they fit a narrative of steadfast US support for a government they want to bring down. ...
Since the US provides about $1.3 billion in military aid to Egypt a year, the repressive apparatus of the state is seen by many in Egypt as hand in glove with the US."
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"Confirming what a few have reported this evening: in an action unprecedented in Internet history, the Egyptian government appears to have ordered service providers to shut down all international connections to the Internet. ...
But every Egyptian provider, every business, bank, Internet cafe, website, school, embassy, and government office that relied on the big four Egyptian ISPs for their Internet connectivity is now cut off from the rest of the world.
Link Egypt, Vodafone/Raya, Telecom Egypt, Etisalat Misr, and all their customers and partners are, for the moment, off the air."
Guckt auch mal in die Kommentare bei facebook vodafone Egypt - also in das Feedback zur Frage von Vodafone Egypt: "How many "likes" do we have NOW?!" vom "January 24 at 8:59pm via iPhone" (bin gespannt, wann diese Frage - und die Antworten - verschwinden).
Addendum
15:03 Uhr > Vodafone: Ägypten schaltet Mobilfunk ab, golem.
30. Januar > 09:44 Uhr > Egypt: Vodafone Caves to Mubarak. Did they Have a Choice?, GOOD.
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Eine interessante Aussage tätigte (laut netzpolitik) der Berliner Datenschutzabgeordnete Alexander Dix bei Golem:
"IP-Adressen seien personenbezogene Daten, und dürften daher nicht ohne Erlaubnis der Nutzer an Google USA übertragen werden"
Dies darf man sich ungestraft übersetzen in: 'IP-Adressen sind personenbezogene Daten, und dürfen nicht ohne Erlaubnis der Nutzer vorratsgespeichert werden'! Oder?
Auch Dixens zweiten Satz sollte sich die Regierung (bzw. Innenminister de Maizière) hinter die Ohren schreiben:
"Google erstellt mit diesen Daten Nutzerprofile, dagegen müssten die Nutzer nach deutschem Recht eine Widerspruchsmöglichkeit haben"
In der Übersetzung: 'Das BKA erstellt mit diesen Daten Nutzerprofile, dagegen müssten die Nutzer nach deutschem Recht eine Widerspruchsmöglichkeit haben'.
Wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe!?
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"Fast jeder zweite Abgeordnete des deutschen Bundestages besitzt ein iPad. Doch nicht alle Parlamentarier nutzen es zum Arbeiten. Fotos und Videos werden während der Bundestag- und Fraktionssitzungen angeschaut, es wird getwittert und gespielt."
Via Tagesspiegel: Wisch Dir was.
"Nach dem derzeitigen Kenntnisstand ist die Implementierung der Weiterentwicklung von Adhocracy mit Blick auf die Arbeit der Enquete-Kommission und dem verantwortungsvollen Umgang mit Haushaltmitteln nicht mehr sinnvoll." ..."Der heutige Beschluss bedeutet, dass nicht nur der für Ostern vorgesehene Zwischenbericht voraussichtlich nicht mit der angestrebten Beteiligung der Öffentlichkeit erstellt werden kann. Vermutlich wird mit diesem Beschluss eine solche Beteiligungsplattform für die gesamte Laufzeit der Enquete-Kommission nicht zur Verfügung stehen. Damit verfehlt sie die fraktionsübergreifend selbst gesetzten Ziele. Dies wirft ein schlechtes Licht auf die Arbeit des Parlaments und gefährdet die Arbeit der Enquete-Kommission, ..."
Via netzpolitik: Doch kein Adhocracy im Bundestag (Update).
Addendum
13:31 Uhr > Koalition kippt Beteiligungsinstrument bei der Enquête-Kommission, odem.
16:57 Uhr > Enquete-Kommission zum Internet: Schwarz-Gelb kippt Bürgerbeteiligung, Spon.
27. Januar > 18:17 Uhr > Die wahren Gründe gegen Adhocracy? (Update), netzpolitik.
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Photo courtesy MTV
Newsweek: Is Skins the Most Dangerous Show on TV? (Antwort im Text: "To the contrary - Skins may be the most realistic show on television"). Via brooklynmutt.
"Here’s a quick taste of what you’ll get in the first few minutes of MTV’s new teen drama, Skins: Masturbation. Porn. References to “girl-on-girl.” Parties, vomit, and a whole lot of prescription drugs.The plot of the first episode? Figure out how to get Stanley, a quirky, shy 16-year-old who’s in love with his best friend’s girlfriend, laid before his 17th birthday.
How to do it? “We go to a party and get some girl’recaucusly spliffed,” his friend tells him. “In her confused state, she comes to believe - momentarily, of course - that you’re attractive. And then she bangs your brains out.”
Bitte denkt jetzt nicht, daß die Kids durch das Netz so wurden und ruft Stephanie zu Guttenberg und RTLII, sie zu retten. (Und denkt bitte bloß nicht, MTV hätte sich ausnahmsweise mal etwas Neues einfallen lassen.) Kids waren schon immer so.
Kids, 1995(!):
Inhalt von Kids laut imdb: "An amoral, HIV-positive skateboarder sets out to deflower as many virgins as possible while a local girl who contracted his disease tries to save his next target from her same fate."
'Cool' von Euch wäre jetzt also, Euch zuersteinmal um Eure Kids zu kümmern, sie zu verstehen, ihre Bedürfnisse, Probleme, Träume und Sehnsüchte zu begreifen - und Euch dann um das Netz zu kümmern.
In diesem Sinne: Get well soon!
Addendum
27. März, 2011 > Lessons From Skins: Not All Sex Sells Lackluster ratings for MTV's teen sex drama shows how easily lust is lost in translation, adweek.
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Über ARD und ZDF ziehen wir her, wenn sie uns unser Programm doppelt verkaufen wollen, indem sie ihre Apps mit einem Preisschild versehen.
Bei RTLnow scheint es uns egal. Aber auch dort bezahlen wir doppelt, denn die Werbung ist bereits eingepreist in unsere Markenartikel. Meine Montagspredigt beim werbeblogger!
Ist es uns wirklich nur egal? Oder haben wir uns aktiv entschlossen, RTL und Konsorten aus dem Fokus zu verlieren, da dies Unterschichtensender sind, deren Klientel von uns, die wir dort nur noch das Dschungelcamp gucken, keine Lobbyarbeit mehr zu erwarten hat?
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(Dienstags präsentieren wir regelmäßig ausgewählte Artikel des 3-monatlichen Print-Magazins DIE GAZETTE. Texte, die "über die taktische Tagespolitik hinaus Antworten und Perspektiven" geben, zum Nachdenken anregen wollen.)
Revolution mit Energie
Gemeinden werden autark
Ein Lebensmittelkonzern warb 1995 in Deutschland mit dem Slogan „Jede Revolution beginnt mit einem Auflauf”. Und die taz zitierte Rosa Luxemburg: „Die Revolution ist großartig. Alles an- dere ist Quark.” Ist das neue Energiekonzept der Bundesregierung also eine Revolution? Oder
findet die Revolution ganz woanders statt?
Von Uwe Dankert
Wenn konservative und freidemokratische Regierungsvertreter eine ihrer politischen Entscheidungen euphorisch als Revolution bezeichnen, wie das neue Energiekonzept der Bundesregierung verkauft wird, dann schauen nicht nur Berufsrevolutionäre genau hin, sondern auch im klassischen Sinne konservative Biogasbauern und Betreiber kommunaler Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Diese Entscheidung wird nämlich so umwälzend sein, dass die vergangenen Investitionen in regenerative Energiewandlungsanlagen sich schwer tun werden, wirtschaftlich zu bleiben, gar nicht zu reden von zukünftigen Investitionen, die jetzt vielerorts wirklich im Status der Zukünftigkeit verbleiben werden. Die Tür zu einer grundlegenden Umgestaltung der energetischen Versorgungsstruktur ist damit aber nicht weiter geöffnet worden, im Gegenteil.
Das Energiekonzept, das im Oktober vom Bundestag verabschiedet wurde, „schlägt drei Fliegen mit einer Klappe”, wie es unser Bundeswirtschaftsminister formulierte, wird aber drei wesentliche andere Auswirkungen haben.
Zum einen wird eine nationale oder gar europäische Energiewende aufgeschoben und bereits versteifte, in die Vergangenheit gerichtete Strukturen der Energiewirtschaft werden nochmals fester zementiert. Das kann man allein an dem Jubel der vier großen Energieversorgungsunternehmen (E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall) festmachen, die ihrerseits mehr als 80 Prozent der nationalen Stromerzeugungskapazitäten unter sich aufteilen. Auch die im Vorfeld der Veröffentlichung des Energiekonzeptes in vielen respektablen Medien geschalteten ganzEinseitenanzeigen, in denen ausgemachte Energieexperten wie der derzeitige Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft indirekt die oligopolistische Versteifung propagierten, vermittelten das zutreffende Bild der vorweggenommenen Einflussnahme.
Der mittelständisch strukturierten Energieversorgung, die mit dem Aufbau von hocheffizienten, aber teuren Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und mit regenerativen Energieerzeugern in das klassische Feld der großen Energieversorger eingedrungen sind (Hermann Scheer sei gedankt für seine Initiativen zu Zeiten der rotgrünen Regierungskoalition), wird das Leben nun so richtig schwer gemacht. Es wird spannend, unter welchen Zielgruppen sich zukünftig die FDP ihre Wähler wird suchen müssen.
Natürlich jubeln einige Mittelstandsverbandsfunktionäre, dass jetzt die Strompreise nicht mehr so stark steigen werden. Aber bei jährlich etwa drei Prozent der Gesamtkosten eines Unternehmens für Strom entspricht eine um 10 Prozent geringere Preissteigerung eben auch nur 0,3 Prozent der Gesamtkosten. Dafür einen GAU riskieren? Das wird sich herumsprechen. Hinzu kommt, dass auch bisher die Kernenergie nicht dazu beigetragen hat, Preisanstiege bei Strom nachhaltig zu vermeiden, die einen ähnlichen Kurvenverlauf einnahmen wie die Gewinnanstiege der großen Energieversorger. Das wäre dann die einzige Nachhaltigkeit der nuklearen Stromversorgung gewesen. Nicht mal das also.
Der zweite große Effekt wird die Wiederbelebung der Anti-Atomkraft-Bewegung der Siebziger und Achtziger des vergangenen Jahrhunderts sein. Erste kleine Eruptionen waren im September in Berlin mit 100000 und im Oktober im sonnigen München mit 50000 Teilnehmern zu erkennen. Bemerkenswert ist diesmal, dass Protest und Widerstand quer durch alle Gesellschaftsschichten gehen. Im Gegensatz zu entscheidenden Strömungen in der Bundesregierung schätzen viele Menschen, unabhängig von Bildungsstand, Alter oder Einkommen, das Risiko der nicht notwendigen Laufzeitverlängerungen höher ein als den Ärger über vielleicht kommende Strompreiserhöhungen bei früherer Abschaltung der nuklearen Grundlastkraftwerke, die rund um die Uhr laufen, auch wenn der Bedarf sehr niedrig ist. Viel entscheidender ist aber, vielleicht mehr im Gefühl als im Wissen der meisten, dass eine Energieversorgung in Deutschland, die zugleich nachhaltig, sicher und bezahlbar sein soll, viel schneller, als viele erwarten, mit Hilfe erneuerbarer Energien aufgebaut werden kann und wird. Diese Gefühle vermehren sich seit etwa zehn Jahren in Deutschland, und den Fühlenden sei versichert, alle für den Umbau notwendigen Technologien und Konzepte sind vorhanden, es fehlen vielleicht nur die entscheidenden Köpfe in Berlin und anderswo. Wozu also Dinosaurier unnötig lange am Netz lassen?
Der dritte große Effekt wird die Freude in China sein, einem der letzten kommunistischen, aber planvoll wirtschaftlich agierenden Staaten dieser Welt, der sich gerade anschickt, nicht nur zum größten Kohlendioxid-Emittenten und Energieverbraucher zu werden, sondern auch zur stärksten Volkswirtschaft auf dem Globus. China wird im Gegensatz zu Europa und Deutschland von einer Regierung geleitet, die konkrete Masterpläne aufstellt und zielsicher mit dirigistischen Methoden auf chinesischer und mit markwirtschaftlichen Taktiken auf internationaler Seite gegen Konkurrenten nicht ungeschickt durchsetzt.
Die Befürworter der Kernenergie schwärmen immer über die nuklearen Ausbaupläne der chinesischen Regierung. Wer weiß hierzulande aber schon, das fast vier von fünf solarthermischen Anlagen weltweit in China auf Dächern montiert sind? Dass die Windenergiekapazitäten in Dimensionen ausgebaut werden, die die insgesamt in Deutschland installierten Anlagenkapazitäten alle zwei Jahre mehr als verdoppeln? Dass ähnlich massiv in den Ausbau photovoltaischer Anlagen investiert wird? Und dass China innerhalb der nächsten zehn Jahre bis zu 440 Milliarden Dollar in erneuerbare Energieprojekte zu stecken plant? Wehe, wenn sich China anschickt, auch noch über Energie-Effizienz nachzudenken. Hierzulande konzentrierte man sich zuletzt auf die Stützung der als systemrelevant definierten Banken, den geförderten Austausch gewisser Autobestände durch gar nicht besonders effiziente Neuwagen und auf Berichte über Probleme mit dem gewaltigen Drei-Schluchten-Staudamm. Natürlich drückt China (in westlichen Augen rücksichtslos) Widerstände beiseite und räumt dabei die eigene Bevölkerung wie internationale Wettbewerber aus dem Weg. Die Schwierigkeiten, die deutsche Hersteller von Windanlagen oder Solarmodulen aufgrund der geänderten Energiepolitik der Bundesregierung absehbar bekommen werden, laden chinesische Firmen geradezu ein, deren Plätze zu besetzen. Andere Branchen wie der Textilmaschinenbau können davon ein Lied singen. Vielleicht singt auch bald die Autoindustrie mit, die bei uns nicht das Monopol auf effiziente und schadstoffarme Fahrzeuge hat.
Lassen wir aber auch ein paar gute Haare am Energiekonzept der Regierung: Es erfasst weitgehend vollständig alle Felder, auf denen unsere Volkswirtschaft sich betätigen muss, um den Weg zu einer umweltschonenden, zuverlässigen und bezahlbaren Energieversorgung zu begehen. Das ist schon mal was, und wer sich in der Energiethematik nicht sehr gut auskennt, wird diese Zusammenstellung beeindruckt zur Kenntnis nehmen. Unter einem konkreten Masterplan versteht man allerdings etwas völlig anderes, denn die einzigen wirklich konkreten Aussagen sind Ziele (für 2020 und folgende Jahrzehnte bis 2050), die außerhalb des Fokus der augenblicklichen und der folgenden Legislaturperioden liegen, und die festgeschriebene Verlängerung von Restlaufzeiten. Der Rest des Konzepts ist eine Zusammenstellung vager Absichten und Notwendigkeiten, die in vielen anderen offiziellen Regierungsdokumenten unter anderen Regierungen seit Rot-Grün auch schon formuliert wurden – mit Ausnahme der Elektromobilität vielleicht.
So bleibt abzuwarten, ob die Gegner der energiewirtschaftlichen Kernenergienutzung nicht nur über die Halbwertszeiten hoch- und mittelradioaktiver Abfälle Bescheid wissen (die Bandbreite reicht von 10 Jahren bis 100000 Jahre und mehr, je nach Isotop, am berüchtigtsten ist wohl das überdies hochgiftige Plutonium 239 mit ca. 24000 Jahren), sondern auch über die Halbwertszeit dieses Konzeptes. Für Nicht-Physiker: Halbwertszeit heißt, dass nach dieser Zeit eine Hälfte des ursprünglichen Materials nicht mehr strahlt, die andere aber schon noch.
Vielleicht wird das Konzept allerdings durch eine richtige Revolution beiseitegefegt, die schon vor fünf Jahren hätte starten können: Auf kommunaler und regionaler Ebene findet nämlich vielerorts schon längst der Umbruch in den drei zukunftsorientierten Ebenen Effizienz, Regenerativität und Dezentralität statt. Man bekommt den Eindruck, dass dieser Umbruch in der Bundeshauptstadt und den Landesresidenzen Bayerns und Baden-Württembergs, den Bundesländern, die die höchsten Nuklearstromanteile zu verzeichnen haben, sowie in manchen Vorstandsetagen noch gar nicht wahrgenommen wurde, auch wenn ihn das Umweltministerium in Berlin (BMU) mit Fördergeldern ganz entscheidend mitanschiebt. Und man sieht, dass dieser Umbruch von unten nicht erst auf zögerliche und vage Entscheidungen einer Bundes- oder gar Weltpolitik wartet, sondern bereits konkret beginnt und mutiger und schneller vorangeht.
Mitte 2010 haben nach Aussagen des BMU bereits mehr als 1000 Kommunen und Regionen in Deutschland Fördermittel für die Erstellung kommunaler oder regionaler Energie- und Klimaschutzkonzepte beantragt, immerhin fast zehn Prozent der 11000 deutschen Kommunen. Nach Erhebungen der deENet GmbH, eines in 2007 gegründeten gemeinnützigen Unternehmens zur Förderung dezentraler Energietechnologien, haben sogar (Stand Oktober 2010) schon mehr als 50 Prozent aller Gemeinden in Deutschland erste Schritte zur Energiewende unternommen. Gestartet wurde dazu eine Vielzahl von Initiativen wie Klimabündnis, Klimainitiative, European Energy Award, Bioenergiedörfer und -regionen, Bürgersolaranlagen und -windparks, Solardörfer (in Nordrhein-Westfalen) und mehr. Dieser bunte Blumenstrauß wirkt sehr heterogen und unkoordiniert. Beachtlicher ist aber seine Stärke und eine Stärke unseres föderalistischen Gesellschaftssystems. So können viele verschiedene Wege parallel und gleichzeitig ausprobiert werden, denn viele Wege führen nicht nur nach Rom, und das macht die ganze Sache fehlertoleranter als Großkraftwerke.
In den Energie- und Klimaschutzkonzepten, den wohl umfassendsten Initiativen zur „Umwälzung”, wird die transparente Basis für den derzeitigen Energieverbrauch bei Strom, Wärme und Verkehr erarbeitet und oft in Energiekarten dargestellt, damit klar wird, von wo aus man startet in der Energiewende. Mit dieser Struktur und den geschätzten lokalen „realen” Potenzialen für Energie-Effizienz und erneuerbare Energien vor Ort können Konzepte entwickelt werden, die den kommunalen Entscheidungsgremien (Gemeinde-, Stadtrat) und der Verwaltung Ziele und Fahrpläne für die nächsten zwanzig Jahre vorschlagen, wie die Energiewende zu schaffen ist. Und die das Ganze auf den Weg bringen. Dabei ist die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung und der Unternehmen vor Ort, die ja direkt von einem kommunalen Energiekonzept tangiert sind, ein wesentlicher Aspekt der geförderten Projekte. Die Einbeziehung der Bevölkerung in das nationale Energiekonzept dagegen fand nur durch die letzte Bundestagswahl statt. Das erklärt das Erschrecken nicht weniger der damaligen Wähler angesichts der getroffenen Energiekonzeptentscheidung. Immerhin war die beabsichtigte Laufzeitverlängerung eines der hart diskutierten Themen im letzten Bundestagswahlkampf. Der Verlängerung haben übrigens nur knapp dreißig Prozent der Wahlberechtigten durch ihre Stimmabgabe für CDU/CSU oder FDP zugestimmt.
Fast immer ist lokal das Ziel, die Energiewende vor Ort nicht erst 2050 zu erreichen, sondern schon 2035 oder früher. Alle Landkreise im Umfeld von München zum Beispiel und auch die Stadt München selbst haben eigene Ziele festgelegt und Schritte unternommen, in der Energiewende voranzukommen. Die bayerische Landeshauptstadt möchte bis 2015 alle Münchner Privathaushalte mit regenerativ erzeugtem Strom versorgen, den die stadteigenen Stadtwerke in eigenen Anlagen erzeugen, und bis 2025 die komplette Stadt. Nicht also erst in 2050 zu 80 Prozent (wie im dem Energiekonzept der Bundesregierung). Ziele übrigens, die immer noch nicht allen Münchnern bekannt sind, auch nicht in der Bildungselite – Kommunikationsprobleme gibt es offensichtlich nicht nur bei Stuttgart 21. Aber vielleicht ist das Interesse für lokale Aktivitäten in größeren Städten schwieriger zu wecken.
Eine Energiewende, die nicht nur die fossile und nukleare Energieproduktion beseitigt, d.h. eine mit störenden Abfallmengen Umwelt und Nachwelt belastende Technik, sondern auch dezentrale Strukturen über unser Land streut, also sowohl technisch wie strukturell Brüche in unser System injiziert, ist ein komplexes Unterfangen und damit schwierig. Aber schwierig ist nicht gleichbedeutend mit unmöglich. An vielen Stellen kann man beginnen und beginnt man – z.B. Bioenergiedörfer in Jühnde/Niedersachsen, Freiamt/Baden-Württemberg, und anderswo; die Mohrbacher Energielandschaft in Rheinland-Pfalz; die Regenerative Modellregion Harz; die Energiewende Oberland in Wolfratshausen und Bad Tölz/Bayern; das sehr umfassende E5-Programm in Oberösterreich; Energiestadt Schweiz. Oftmals sicher nach der methode Versuch und Irrtum. Aber die zu verwendenden Technologien sind schon ziemlich reif, Kinderkrankheiten weitgehend ausgemerzt, die Wirtschaftlichkeitsschwelle ohne Förderungen oftmals schon übertroffen. Und wir wollen uns lieber nicht ausmalen, was Versuch und Irrtum bei einer kerntechnischen Großanlage (siehe Tschernobyl) alles auslösen kann. Von den strahlenden Pilzen zehren wir in bayerischen Wäldern heute noch (das damals in großen Mengen ausgestoßene und über weite europäische Regionen verstreute Isotop Cäsium-137 hat eine Halbwertszeit von 30 Jahren).
Viele dieser Bewegungen hat ein Anstoß engagierter Bürger ausgelöst, die das Thema einer nachhaltigen lokalen Energieversorgung Anfang des Jahrtausends in die etablierten kommunalen Entscheidungsstrukturen getragen haben. Aber das Thema findet prinzipiell und konzeptionell weithin Zustimmung in der Bevölkerung, weil steigende Energiepreise und die zu befürchtenden Klimaveränderungen vor keiner Haustür haltmachen werden. Wer war nicht erschrocken, als er die Ölschwaden im Golf von Mexiko im Fernsehen sah. Auch ein halbes Jahr nach diesem „Öl-Tschernobyl”, wie es die Zeit nannte, sind immer noch mehr als 16000 Menschen damit beschäftigt, die Auswirkungen der Verschmutzung zu beseitigen: die Folgen unseres fossilen Energiehungers.
Diese Erkenntnisse und das unterschwellige Gefühl, dass von Regierungsseite in Bund, Ländern und EU mehr die Interessen von Großlobbyisten vertreten werden und dadurch die Gesellschaft auf der Stelle tritt, treibt viele in das lokale Engagement. Und dadurch bewegt sich die Gesellschaft nun wirklich, und es ist mehr als nur ein „Denen da oben zeigen wir’s”. Jede Revolution beginnt mit einem Auflauf.
Auf die Straße gehen Apologeten der kommunalen Energiewende aber eher selten, höchstens an einem der (allerdings nicht sehr stark besuchten) jährlichen Energietage wie im Landkreis München im September dieses Jahres oder jüngst zur Anti-Laufzeitverlängerungsdemonstration in der Münchner Innenstadt. Dennoch ist das Engagement hoch und paart sich zusätzlich oft mit hoher fachlicher Kompetenz, was natürlich an etablierte „traditionelle” Gemeinderäte durchaus Herausforderungen stellt. Denn auch lokal bleibt die Energiewende komplex, so dass man sich auf die fundierten Meinungen von Experten, auch Gemeinde-Externen, verlassen muss.
Insgesamt lässt die Tatsache doch hoffen, dass Deutschland energetisch schon viel weiter ist als gedacht und alles viel schneller vorangehen wird, als die zähen Diskussionen des letzten Jahres über Stromrestmengen und Laufzeitverlängerungen erwarten lassen. Diese Aspekte des Energiekonzeptes zumal sind marginaler Natur, weil der Einfluss der nuklearen Stromerzeugung auf die Gesamtenergieversorgung der Bundesrepublik oder gar der Welt niemals klimarettend sein wird. Und preislich müsste man einmal alle Subventionen und Schadens- und Risikokosten für alle Energieträger (Kohle, Öl, Gas, Uran, Sonne, Wind, Wasser, Biomasse) zusammenrechnen und vergleichen, um wirklich sagen zu können, was unser Leben und das unserer Kinder und Enkel mehr belastet. Das tun im Moment nur die „Falschen”, wie Greenpeace in Hamburg oder das Öko-Institut in Darmstadt/Freiburg.
Kommunale Energiekonzepte sind zwar auch erst mal nur Konzepte, wie das der Regierung, aber diese werden schließlich gemacht mit dem Streben nach baldiger Verwirklichung – und natürlich auch Selbstverwirklichung der Initiatoren, ein nicht zu verachtendes und zu unterschätzendes Motiv für die Initiativen. Die Zielpeilungen für einen 100-Prozent-Umstieg enden daher oft schon innerhalb der nächsten zwanzig bis fünfundzwanzig Jahre, und ein sehr konkreter Maßnahmenplan unterfüttert die geklärte Vision mit einem Umsetzungsprogramm für die nächsten fünf Jahre. Viele können also die lokale Umsetzung in ihrer Gemeinde noch selbst miterleben und mitgestalten, was nochmals motivierend ist: eine selbst beeinflussbare Umgestaltung der lokalen Gesellschaft mit Auswirkungen auf die Gesellschaft des ganzen Landes.
Los geht’s, mag man da schnell rufen, lass die da oben doch diskutieren, wir machen’s. Aber so leicht ist es dann leider oft doch nicht im Detail: Effizienz lässt sich nicht per Gemeinderatsbeschluss verordnen, Mietpreise sind real, dagegen potenzielle Einsparungen durch Sanierungen eben zuerst nur potenziell, Freiflächensolaranlagen stechen ins Auge, vor allem für „Vorbeifahrbetroffene”, wie das mal jemand bei einer Diskussion über die erste Freiflächenanlage im Landkreis München in Haar befürchtete. Und bei Windkraftanlagen scheiden sich sofort die Geister und spalten sich die Wahrnehmungen auf. Genauso wie bei Strommasten, die Windstrom von Norden/Osten nach Westen und Süden der Republik transportieren sollen. Geländewagen mit einem Verbrauch von über 15 Litern auf hundert Kilometer stören da weniger, solange die Tankstelle genügend Treibstoff nachliefert und man selbst am Steuer sitzt. Und Kernreaktoren stehen bei irgendeinem Nachbarn vorm Garten, nur nicht bei uns.
Auch ist der Widerspruch zwischen der Antipathie großer Bevölkerungsteile (60 Prozent) gegenüber der nuklearen Energienutzung und der geringen Kundenzahl von reinen Ökostromanbietern (2,5 Prozent) auffallend. Menschen sind offenbar doch manchmal ein wenig irrational oder wenig konsequent. Man kann sicher geteilter Meinung sein über die Bedeutung von Ökostromanbietern wie Lichtblick, Greenpeace Energy, Naturstrom und den Elektrizitätswerken Schönau im Hinblick auf die Umstellung der Energieversorgung unserer Volkswirtschaft auf erneuerbare Energieträger; aber der Hebel eines Stromanbieterwechsels wirkt in jedem Fall strukturverändernd, weil den etablierten Anbietern die lukrativen Haushaltskunden abgehen – allerdings auch den kommunalen Gemeindewerken, was lokale Energiewenden wieder etwas schwieriger werden lässt, aber auch auch den lokalen Druck auf kommunale Geschäftsführer erhöht, sich selbst zu bewegen.
Aber es wird wenigstens diskutiert und Konsens gesucht und begonnen. Letztlich ist das gute Gefühl, lokal autarker zu werden (Zitat eines CSU-Gemeinderates im Landkreis München: „Die Leute sollen sehen, wo die Energie erzeugt wird, die sie verbrauchen.”), für viele lokale Betriebe und Einwohner Antrieb genug, sich zu der lokalen Energiewende zu bekennen. Gleichzeitig stärkt das den Willen, aktiv für eine saubere Umwelt einzustehen, so dass man sich nicht nur im Elternbeirat von Kindergarten oder Schule engagieren kann. Auch eigene Gewohnheiten werden von durchaus wohlhabenden Menschen in Frage gestellt, auch wenn man sie liebgeonnen hat in den Jahren der Prosperität. Nachhaltigkeit ist immer mehr in, wird langsam en vogue.
Ach ja, und das interessiert jetzt vor allem die lokalen Unternehmen und Handwerker (und ganz sicher auch die Kassenwarte der Gemeinden) und könnte letztlich ausschlaggebend sein: Eine kommunale Energiewende zieht die in den letzten hundert Jahren verlorengegangene Wertschöpfung aus Sibirien (Gas), Arabien (Öl) und Kasachstan (Uran) und von den Kapitaleignern der großen Energieversorgungsunternehmen wieder zurück in den nahen Lebensbereich, so wie es im 19. Jahrhundert noch üblich war, als unsere Energieversorgung ohne zentrale Großkraftwerke auskam und Wärme mittels Verbrennung von Holz (was sehr differenziert betrachtet werden muss) erzeugt wurde. Kohle, Öl und Uran waren damals noch kein Thema, wie in der 2008 erschienenen Studie Technik in Deutschland von Joachim Radkau nachzulesen ist. Und dieser Trend zurück bedeutet nicht ins Leben des vergangenen Jahrhunderts zurück. Effizienz ist High Technology in allen Bereichen, kleine regenerative Energiewandlungsanlagen wie ein Stirling-Motor oder eine Brennstoffzelle, die mit Biogas betrieben werden, das Innovativste im Energieumfeld. Von wegen Innovationsfeindlichkeit unserer Gesellschaft – in solchen Argumentationslinien wird Innovation eher als ein Synonym für Großtechnik verwendet.
Es sind also viele gesellschaftliche Gruppen daran interessiert, lokal mehr für die eigene Energieversorgung und damit für die Daseinsfürsorge zu tun, und das ganz ohne fossile oder nukleare Risikoenergieträger im Versorgungsportfolio. Da wird Bürgerlichkeit in dem Sinne wieder spürbar, wie es zuletzt Dirk Kurbjuweit im Spiegel formuliert hat: „Verantwortlichkeit, nicht nur das Eigene und das Jetzt im Blick zu haben, sondern auch das Allgemeine und das Morgen”. Und so ermutigt es umso mehr, wenn sogar kommunale Vertreter der CSU im bayerischen Landshut den Weiterbetrieb der dortigen nuklearen Anlagen (Kernkraftwerk Isar 1 und 2) ablehnen. Die Graswurzeln spüren, was sich im Boden bewegt.
Aber halt, zehn Prozent der Kommunen sind erst mal auch nur zehn Prozent. Hier tun sich zwar Chancen für Beratungsbüros auf, um mehr zu erzeugen und mehr zu erreichen, aber die 90-Prozent-Lücke bleibt zu schließen. Und das wichtigste Thema der künftigen Energieversorgung hat überhaupt keine starke Lobby. Energie-Effizienz – da kann man keine großen Fabrikhallen aufstellen, mit denen sich ein Bürgermeister für seine vorausschauende Gewerbe-Ansiedlungspolitik schmücken kann, es gibt auch keine „Killer-Applikation”, die überall einsetzbar ist und den Energiebedarf generell um 40 Prozent senkt. Jede Anwendung ist im Detail zu studieren, um entscheiden zu können, welche effizienteren Basisanwendungen und Maschinen zum Einsatz kommen können. Das ist erst recht komplex und geht über die reinen Gebäudesanierungen weit hinaus, über die zuletzt im Energiekonzept der Regierung gestritten wurde.
In der Presse war fast nie zu lesen, dass das wesentliche Energieziel der Bundesregierung für 2050 lautet: 50 Prozent weniger Primärenergieverbrauch als 2008! Auch dieses Ziel wurde im Energiekonzept der Bundesregierung bestätigt und ist jetzt auch offizielle Politik. In den letzten zehn Jahren blieb der primärenergetische Verbrauch trotz Wirtschaftswachstum in unserem Land fast konstant, was an sich schon mal gut ist, aber wie soll er halbiert werden? Auch der Stromverbrauch soll absolut bis 2020 um 10 Prozent sinken und bis 2050 um weitere 15 Prozent, aber für viele von uns ist der jährliche Stromverbrauch im Haushalt (und in der Firma) ein Geheimnis der letzten Abrechnung.
Wer also treibt Effizienzsteigerungen, schreibt Konzepte, streitet über Nachhaltigkeit, beweist die wirtschaftliche Nutzung von überall existierenden Potenzialen, setzt politische Effizienz- Umsetzungsprogramme auf?
Auch hier gibt es viele Initiativen – z.B. die Initiative Energie-Effizienz in Richtung Privathaushalte, Gewerbe und Industrie. Das Echo bleibt bislang gering. Dabei sind heute bereits in vielen Segmenten bei Strom- und Wärmeanwendungen Effizienzgewinne von bis zu vier Fünfteln ohne Komfortverlust kein Problem. Aber diese technischen Anwendungen werden noch viel zu selten eingesetzt. Jeder müsste bei sich anfangen und wartet doch auf den anderen. Auch in manchen kommunalen Bewegungen schmückt man sich lieber mit Biogasanlagen und Photovoltaik-Modulen auf den Feuerwehrhäusern, weil sie erfahrbarer und mitteilsamer erscheinen als eine 20-prozentige Stromverbrauchsreduzierung in Grundschule und Gymnasium.
Effizienz also – das muss verstärkt werden, das wäre die richtige Revolution und würde die „vergessene Säule der Energiepolitik”, wie eine Studie des Wuppertal-Instituts aus dem Jahr 2002 tituliert war, aus dem Dornröschenschlaf wecken. Andere haben damit schon zart begonnen: Front-Runner-Programm in Japan, KlimaPlus-Häuser in Österreich. Hierzulande nennt sich Gutes leider nur „passiv”.
Gehen wir also los und machen wir unsere Energiewende selbst. Jeder kann seinen persönlichen Stromverbrauch leicht um bis zu einem Drittel reduzieren, dabei 200 Euro jährlich einsparen und die Zusatzbelastung durch den Ausbau erneuerbarer Energien wegstecken. Das setzt auch sofort die Restlaufzeit der vier Kernreaktoren Biblis A, Biblis B, Isar 1 und Brunsbüttel auf null. Das Gleiche ist am Arbeitsplatz möglich (wenigstens vier weitere unnötige Reaktoren). Für den Wärmebedarf lässt sich Ähnliches sagen. Das wären dann der von unten durchgedrückte Ausstieg und der Einstieg in die Zukunft, die eigentliche Energiewende und die Revolution.
(Uwe Dankert, Physiker mit 25 Jahren Industrieerfahrung, leitet die udEEE Consulting GmbH in Haar bei München)
DIE GAZETTE "Ein politisches Magazin für den kritischen Zeitge-nossen: aufmerksam, nachdenklich, verläßlich unabhängig, mit Haltung und Rückgrat, jenseits von Boulevard und Mainstream, gründlicher als die Zeitung, aktueller als das Buch." Fritz Glunk
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Ai Weiwei ist einer der wichtigsten Künstler unserer Zeit. Nicht nur wegen seiner Kunst, sondern auch wegen seiner aufrechten Haltung gegenüber der chinesischen Führung.
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Falls die Verlagsbranche wider Erwarten mehr wissen möchte:
1.4 million fans can’t be wrong: NPR’s Facebook page.
Es nutzt nichts, sich ein paar Tage in Gruppen zusammenzusetzen, dann aber den Rest des Jahres wieder auf das Leistungsschutzrecht zu warten.
Es geht darum, endlich aktiv zu werden. Mutig, selbstbewußt und risikobereit in das Geschehen dort draussen einzugreifen.
Irgendwann, in 1000 Jahren, wird auch ein Affe durch puren Zufall eines von Shakespeares Sonetten auf der Tastatur sich ertippt haben.
Schlauer jedoch wäre es, seinen Verstand zu nutzen und endlich eine eigene Vision, eine tragfähige Strategie, ein relevantes 'Design' für das Web zu entwickeln.
"The smart and amazing machines in the world - whether functioning as software, hardware, organisms, insect colonies, or creative brains - have undergone tremendous design, whether via deliberate engineering or some variety of selection (e.g., natural, or cultural).
Smart biological collectives do indeed self-organize, but it is only a negligible fraction of all self-organizing creatures that make it through the process of natural selection.
The result is “design,” without which the parts would “self-organize” into some functionless mass, like the unwieldy tangles that power cables seem to inevitably form when thrown loosely into a drawer."
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"Inwiefern ist dieser Gedanke immer noch aktuell?
Er wird gerade wieder sehr aktuell: Unser gesamtes Bildungssystem ist darauf ausgerichtet, so schnell wie möglich Geld zu verdienen.
Das eigentliche Ziel, sich grundlegend zu bilden, wird dadurch zunehmend verknappt. Und genau an diesem Punkt wird Beuys' Forderung wieder aktuell: Das Denken muss auch als kreativer Ansatz dienen und nicht nur zur bloßen Vorbereitung auf einen Beruf."
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"Since so much of what we see as the key to future learning is passion-based, we think it makes more sense to understand the process of learning as something that can be guided by a mentor, as opposed to being taught by a teacher.
No one can teach you to follow your passions, but they can help guide you once you discover what motivates you."
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Via constantflux. / Click here to enlarge picture.
Via der Kommentare zum Bild erhaltet Ihr auch ein wenig Background zur Entwicklung Shanghais und individuelle Insights zur Webzensur Chinas.
Addendum
12:57 Uhr > Shenzhen: Then and Now, Alvin Rabushka. Via @raewis.
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Schluck/Impfung ist süß, die Wahrheit bitter? Auffrischung, wider das Vergessen, tut Not. Denkwürdiges der verwehenden Woche:
01 - Global media habits evolve, warc. When video games get problematic so do smoking, drugs, aggression, ScienceDaily.
02 - "Alternativlos" ist Unwort des Jahres 2010, tagesschau. Alles alternativlos!, werbeblogger.
Alternativlos? Geheimverträge zwischen Staat und Unternehmen, ra stadler. Guttenberg 3mal in Bedrängnis, stern. Dreimal?: Tod eines deutschen Gotteskriegers, zeit.
03 - Alternativlos? Schafft Ungarn auch noch seine Verfassung ab?, ra stadler. Stop Canada’s new copyright bill before it stops your digital freedoms, tnw. Für eine vielstimmige Gesellschaft, wissenslogs.
04 - Alternativlos? "Oberstes israelisches Gericht billigt die Geschlechtertrennung in öffentlichen Buslinien, sofern sie einvernehmlich erfolgt", telepolis. Offener Brief an Kristina S.*, fritz.
05 - Alternativlos? "Halliburton's stock price jumped 7.6 percent the day the Senate authorized the use of force in Iraq", 2008, slate, via crooked indifference. Bayer CropScience deserves an F for its failed safety record, switchboard.
06 - Alternativlos? Antipsychotic drug prescriptions triple in the US, New Scientist.
07 - Alternativlos? Drei zerstörerische Jahrzehnte liegen hinter uns. Es reicht, NachDenkSeiten.
mediaclinique: Können anal/fäkal-gefärbte Aufrufe das juvenile deutsche Web aus der Pubertät in die Relevanz katapultieren? / Wieviel Hass muß in mancher Unternehmung stecken!? / Charlie Chaplins 'Great Dictator'-Rede ist heutzutage relevanter denn je.
DIE GAZETTE (dienstags in der mediaclinique): Michael Hirsch > "Die Verachtung der Unterschicht".
Aus meinen anderen Blogs:
distinctive leadership: True Leaders Become Redundant! / Das Feuer in uns allen.
lead/marke: Business Innovation: Doing Things Right for the First Time.
werbeblogger (als Team-Member): Pause.
tumblr project: this message is too wide to fit your screen, no.388.
In diesem Sinne: Schönes Wochenende - und Stay well!
(Wer eigene Links beisteuern möchte, weil sie ihr/ihm oben fehlen, sei dazu herzlich in den Kommentaren eingeladen. Danke.)
Addendum
17:00 Uhr > * Radio Fritz nimmt den offenen Brief von Su Holden an die schwangere Familienministerin offline, Kraftfuttermischwerk.
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'Hm ...', denkt sich der mitten im Leben - also der Offline-Realität - stehende, einigermaßen gebildete, kritische Beobachter des Web und seiner Bewohner, '... nun weiß ich einmal mehr, warum ich mich im Netz immer noch nicht einbringen muß'.
Immer noch ist das deutsche Web in seinen allergrößten Teilen eine Parallelgesellschaft, die sich um sich selbst dreht. Und beileibe nicht nur um sich selbst in dem Sinne, sich selbstreferentiell - ignorant und intolerant mit der Realität dort draussen umgehend - zu feiern, sondern auch in dem Sinne, mit dem Web und seinem Zustande Geld zu verdienen machen.
Eine anachronistische Situation. Einerseits versuchen die Protagonisten beratend den Managern die Möglichkeiten und Vorteile des Web für Marken, Unternehmen, Kreativität, Fortschritt und Innovation nahezubringen. Andererseits bleiben sie kleine Kinder, auf dem Trial&Error-Trip bar jeder Phantasie - aus den vor ihnen liegenden lego'nen Mosaiksteinchen nur die enge Welt der eigenen Erfahrung replizierend. Weit davon entfernt, zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln. Weit davon entfernt, über ihren eigenen kleinen Schatten zu springen. Weit davon entfernt, die Horizonte des bekannten Webs zu erweitern. Gebunden an die restriktiven Regeln des kommunikativ-medialen Geschäftes, wie Gulliver geerdet im Land der Zwerge.
Wie weit dies trägt, sieht man an den sozial-medialen Entwicklungen von Marketing und Wirtschaft: die meisten haben zwar ihre vergoldeten Initialen innerhalb eines zwiespältigen Herzens am Baume Facebook hinterlassen, ansonsten aber herrscht auf der Lichtung Internet betretenes Schweigen der Lämmer im Walde der Medien.
Wie weit dies trägt, sieht man an den medialen Entwicklungen der Parteien während der letzten Jahre: in der Breite glatte Nullkommanichts - trotz engagierter Beratung durch die Größen des Web!
Wie weit dies trägt, sieht man an den medialen Entwicklungen der Politik in toto: neben Achtungserfolgen kein Paradigmenwechsel erkennbar am Horizonte der politischen Mühlenkulisse - den 'Netz-Aktivisten' immer noch als digitalen Sancho Labo sehend!
Wie weit dies trägt, sieht man an den medialen Fortschritten in den Medien selbst: erbittertster Kampf auf erdenklich niedrigstem Niveau.
"Substanz entscheidet", wie Nico so richtig schreibt.
Es wird tatsächlich Zeit, daß die Webgrößen sich fragen, wofür sie stehen wollen. Wie wollen sie - als Stellvertreter des Webs in D - gesehen werden von der Welt? Für was wollen sie ernst genommen werden? Für Rote Irokesenschnitte? Schlechte Kampagnen? 'Pupse' über 'Pupse'? Da muß doch mehr gehen! "Ich will. Ich kann." reicht da nicht mehr. Inspirierende Vorbilder sind vonnöten, nicht leere Worte.
Pubertäten sind schwierige Zeiten der Positionsbestimmung, des Verharrens, des Trotzes, des Wandels, des Aufbruches. Einige werden vernünftig und langweilig, wie die Älteren sich das wünschen. Andere werden Punks und Entrepreneure, sie unternehmen etwas, im besten Sinne des Wortes. Die meisten aber bleiben Kulisse ...
In diesem Sinne: Get well soon, liebes deutsches Web!
Addendum
Das 'juvenil' der Überschrift ist dem Artikel Juvenile Welt des Roland Tichy entliehen.
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