Ich will mich gar nicht lange mit dem Spiegel aufhalten, es lohnt nicht mehr. Selten war ich ähnlich enttäuscht von einem Magazin (na, vielleicht noch von der deutschen Nachahmung der Harvard Business Review).
Sobald man glaubt, der Spiegel habe seinen Tiefpunkt erreicht und könne seinen Herausgeber posthum nicht noch stärker beleidigen und demütigen, setzt er seinem Tun eine weitere Krone auf. Diesmal mit der Wiederholung eines Artikels von vor genau einem Jahr, via Copy&Paste einer Google&Co.-Story, die heute zur Facebook&Co.-Story mutiert, sehr schön beschrieben in Richard Gutjahrs Eure Doppelmoral kotzt mich an (1): DER SPIEGEL.
Irgendwer muß dem Spiegel mal erkären, daß es einen feinen aber doch gewaltigen Unterschied gibt zwischen der 'Formung' der Öffentlichen Meinung und ihrer 'Bedienung'.
Rudolf Augstein 'formte' die öffentliche Meinung: "He introduced a new style of investigative journalism to Germany and shaped public opinion in the Federal Republic for more than five decades", so formuliert vom IPI, das Augstein 2000 zu einem von 50 Press Freedom Heroes der letzten 50 Jahre erklärte.
Der Spiegel jedoch 'bedient' die Öffentliche Meinung, schürt Ängste, stärkt Vorurteile, bestätigt und unterstützt rückwärtsgerichtetes Denken - wie auch das aktuelle Cover zeigt: ein Datenkrake, an die Maschinen der Matrix erinnernd, die die letzten Menschen aufspüren und vernichten wollen, vor einer Kulisse entlehnt den 9/11-Horrorbildern sich aus den Fensterfronten stürzender und springender Menschen. Siehe dazu auch Daniel Fienes Post Feindbild Internet. Soviel Hass ist nahezu krankhaft.
Irgendwer muß mir mal die Logik des Spiegel erklären, Auflage, Stimmung und Meinung zu machen.
Denn unter dem Coverstory-Titel "Die Unersättlichen - Milliardengeschäfte mit Privaten Daten" bieten sich doch gerade zur aktuellen Ausgabe drei Inhalte viel stärker an als ein Facebook-Bashing:
Die Unersättlichen - Milliardengeschäfte mit giftigem Fett: Wie Gier und Skrupellosigkeit Einzelner die Lebensmittel eines ganzen Landes vergiften (Dioxin in Lebensmitteln)
Die Unersättlichen - Milliardengeschäfte mit Hoteliers: Wie Gier und Skrupellosigkeit Einzelner eine ganze Partei dem Untergang weihen (Westerwelle in der FDP)
Die Unersättlichen - Milliardengeschäfte mit unseren Steuergeldern: Wie Gier und Skrupellosigkeit Einzelner unsere Öffenliche Verkehrsinfrastruktur zerstören (Regierung fordert die 500-Millionen-Dividende der Bahn)
Alle drei übrigens Themen, bei denen man investigativ noch sehr tief hätte bohren können, um endlich wieder am Erbe Augsteins anzuschließen: "He introduced a new style of investigative journalism to Germany and shaped public opinion in the Federal Republic for more than five decades". Wir erinnern uns gerne.
Wer aber ist nochmal dieser Spiegel? Nur noch Spiegel der Bild, Abklatsch seinerselbst, Historie, verhallendes Echo besserer Zeiten, Geschichte eines Niedergangs.
Addendum
Wolfgang wies in seinem Kommentar schon auf Webers 'Gerücht' hin, nun hat er es auch in seinem Blog getan: Das Monster der Falschheit. Und unterstreicht damit meine Überschrift mit einer weiteren Farbe, Nuance, Facette.
11. Januar
14:56 Uhr > Der “Spiegel” und die “FAS”- Sturmgeschütze der Datenhandels-Lobbyisten, indiskretion ehrensache.
13. Januar
05:49 Uhr > Ein anderes Thema, aber es paßt so gut zu meinem letzten Absatz, daß es doch hierhin gehört: SpOn: Rücksturz ins Jahr 1970, opalkatze.




