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Über Ostern - und über Wolfgangs Wendepunkt - dachte ich nach. Dachte nach über Mel Gibsons drastischen Film Passion Christi. Dachte nach über das Leiden Christi, seine Folter, sein Blutvergießen, dachte an all die Schmerzen, das Leid, den Tod, all das, was er für uns auf sich nahm, um uns ein wenig zu retten.
Und dachte dann an seine Stellvertreter auf Erden, die dieses Leid, dieses Opfer mit Füßen treten, indem sie Kinder schänden, kleine Jungen mißbrauchen, nach männlichen Jugendlichen lechzen, die Finger sich lecken, die eben noch die Hostie hielten, den Leib Gottes, zur Befriedigung ihrer eigenen fleischlichen Lust.
Dachte an all jene aus ihren Reihen, die schweigen zu diesen Taten, die Täter in Schutz nehmen, und damit diese Verbrechen an den Menschen, der Jugend, der Menschlichkeit billigen. Billigen die Verbrechen an Jesus, an Gott selbst, den Verrat für immer und alle Zeiten.
Dachte an jene, die immer noch verharmlosen, die immer noch nicht jenen die Schuld geben, die Täter waren und sind, sondern denen, die Taten aufdecken und publik machen.
Dachte an jene, die immer noch ihre Roben mit Stolz tragen und schweigen, statt aufzustehen, statt aufzubegehren, statt aufzuschreien, anzuschreien gegen dieses Unrecht, gegen diese Unmöglichkeit, diese Unsäglichkeit, diese Menschen in ihrer Mitte weiter nicht nur zu dulden, sondern zu beschützen, ihnen Absolution zu erteilen, ihnen die Rente lebenslang zu zahlen von unserem sauerverdienten, vom Munde abgesparten Gelde, Gutes damit zu tun in der Welt.
Von unserem Gelde, mit dem man besser die Opfer versuchte zu entschädigen. Ein wenig zumindest, den Schmerz zu mildern, den Vertrauensverlust, in den Priester, die Kirche, Jesus und Gott selbst, wie er dies zulassen konnte, zuschauen konnte.
Schweigen konnte, statt Blitze zu senden, oder diese, die man nichteinmal mehr Menschen nennen kann, der menschlichen Gerichtbarkeit zu übergeben.
Dachte an all die Gläubigen, die ungläubig zuschauen, gläubig wegschauen, Gaffer vor dem Herrn, nicht wert, weiter sein Haus zu betreten, seinen Namen in den Mund zu nehmen, ehe sie nicht gesprochen haben gegen dies gen Himmel schreiende Unrecht, Todsünde gar.
Dachte an all die alten Männer, die Unheil bringen und Elend allüberall auf der Welt. Die alten Männer, die sich millionenschwere Paläste bauen, sie Kirche nennen, über die Menschen lachen und über Jesus. Dachte an die alten Männer, die sich Kinder und junge Männer dienbar machen und das Allerheiligste, was Gott uns schenkte, unser Leben und den Tod Jesu, mit Füßen treten.
Dachte an all die alten Männer, die nur dumm schwatzen, und unsere kleine Welt durch ihr Handeln zur Hölle machen
- statt ihr Leben und Handeln nach dem Vorbilde Jesu auszurichten, Vorbild zu sein und die Menschen zu inspirieren, eine bessere Welt zu Ehren Jesu und ihres Gottes zu errichten.
09:51 in C-lebrities, Intensivstation, Kultur, porNO | Permalink | Comments (0) | TrackBack (0)
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(Dienstags präsentieren wir regelmäßig ausgewählte Artikel des 3-monatlichen Print-Magazins DIE GAZETTE. Texte, die "über die taktische Tagespolitik hinaus Antworten und Perspektiven" geben, zum Nachdenken anregen wollen.)
Abbau einer Militärmaschine
Die USA am Scheideweg
Die Militärmacht der USA ist in jedem Wortsinn unvergleichlich. Allein die US-Marine ist größer als die Kombination der 17 nächstgrößeren Flotten weltweit. Für dieses Jahr verlangt Präsident Obama ein Verteidigungsbudget, das größer ist als der deutsche Bundeshaushalt. Andererseits will die Regierung bis 2015 fast 80 Milliarden Dollar einsparen. Aber müsste der Rückbau nicht sehr viel weitergehen, um die krisenanfällige Nation lebensfähig zu halten?
Von Chalmers Johnson
Präsident Obamas Pläne sind ehrgeizig. Aber sie haben ein bisher unausgesprochenes Problem, das alle Planungen über den Haufen werfen kann. Man muss sich das wie einen riesigen Gorilla vorstellen, der mit uns am Tisch sitzt, von dem aber alle so tun, als wäre er gar nicht da. Ich spreche von unserem jahrzehntelangen, blinden Vertrauen in einen militärischen Imperialismus, wenn es um die Beziehungen zu anderen Ländern geht, und das weltumspannende, potenziell ruinöse Weltreich aus Stützpunkten. Wir sind unfähig zu einem kritischen Umgang mit diesem aufgeblähten Militär-Establishment und seinen bedenkenlosen „Missionen” und Einsätzen, für die es hoffnungslos ungeeignet ist. Diese Blindheit wird die USA eher früher als später vor drei vernichtende Konsequenzen stellen: die imperiale Überdehnung, einen ewigen Krieg und schließlich den Konkurs. Es wird ein Zusammenbruch sein, wie ihn die frühere Sowjetunion erlebt hat.
Laut der offiziellen Pentagon-Liste unserer Militärbasen (2008) besteht unser Imperium aus 855 Einrichtungen in 46 Ländern und US-Überseegebieten. Wir halten dort mehr als 190000 Soldaten unter Waffen. In einem einzigen Land, in Japan, hatten wir im März 2008 eine fast 100000 Personen starke Militärpräsenz: 49364 Soldaten und Soldatinnen, 45753 Familienangehörige und 4178 Zivil-Angestellte. 13975 Personen befinden sich allein auf der Insel Okinawa, die höchste Dichte an Militärpersonal auf japanischem Gebiet.
Eine so massierte Präsenz amerikanischer Militärmacht außerhalb des US-Staatsgebiets brauchen wir gar nicht zu unserer Verteidigung. Die dort stationierten Truppen sind die Hauptursache für unsere Konflikte mit anderen Ländern. Außerdem kosten sie unvorstellbar viel Geld. Anita Dancis, eine Analystin für die Website „Foreign Policy in Focus”, hat ausgerechnet, das die Vereinigten Staaten jedes Jahr annähernd 250 Milliarden Dollar für ihre globale Militärpräsenz ausgeben. Der einzige Zweck ist die Erhaltung einer Hegemonie über möglichst viele Nationen auf diesem Planeten.
Wir Amerikaner befinden uns in derselben Lage wie die Briten am Ende des Zweiten Weltkriegs: Wir bemühen uns, ein Weltreich abzustützen, das wir nicht brauchen (nie gebraucht haben) und nicht mehr bezahlen können. Wir tun das mit Methoden, die oft an untergegangene Reiche erinnern, nicht zuletzt an die Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg oder die frühere Sowjetunion. Dabei könnten wir einiges lernen aus der Entscheidung der Briten 1945, ihr Weltreich relativ freiwillig aufzugeben, statt entweder – wie Deutschland und Japan – durch einen verlorenen Krieg dazu gezwungen zu sein oder – wie Holland oder Frankreich – durch zermürbende Kolonialkonflikte. Wir sollten dem britischen Beispiel folgen. (Aber leider machen die Briten es derzeit uns nach und ziehen mit uns in den Afghanistan-Krieg.)
Es gibt drei gute Gründe, warum wir unser Weltreich abschreiben sollten, bevor es uns abschreibt.
Erstens: Wir können uns diese expansionistische Politik nicht mehr leisten.
Kurz nach seiner Wahl zum Präsidenten bezeichnete es Barack Obama bei der Vorstellung seines neuen Kabinetts als Tatsache, das „wir die stärkste Militärmacht auf dem Planeten aufrechterhalten müssen”. Einige Wochen später, am 12. März 2009, bestand er in einer Rede vor der National Defense University in Washington darauf: „Damit hier kein Missverständnis aufkommt: Unsere Nation wird ihre militärische Vorherrschaft aufrechterhalten. Wir werden über die stärkste Streitmacht der Weltgeschichte verfügen.” Und in einer Ansprache zur Abschlussfeier der Marine-Akademie betonte er (am 22. Mai 2009), dass „wir Amerikas militärisches Übergewicht und Sie als die beste kämpfende Truppe erhalten, die die Welt je gesehen hat”.
Dabei vergaß er hinzuzufügen, dass die Vereinigten Staaten längst nicht mehr das Potenzial zur globalen Vormacht haben und dass etwas anderes zu behaupten sehenden Auges in die Katastrophe führt.
Unter Ökonomen und Politikwissenschaftlern entwickelt sich die übereinstimmende Meinung, dass die USA - wie immer klarer erkennbar wird - als wirtschaftlich angeschlagene Nation diese Vormachtstellung nicht mehr behaupten kann. Robert Pape, Universität von Chicago, schreibt dazu: „Amerika ist in einem noch nie dagewesenen Niedergang. Mit den Selbstverstümmelungen durch den Irak-Krieg, durch wachsende Staatsschulden, steigende Außenhandelsdefizite und andere ökonomische Schwächen haben die Vereinigten Staaten tatsächliche Macht verloren in einer Welt, in der sich Wissen und Technologie immer schneller verbreiten. Wenn sich die derzeitigen Trends fortsetzen, dann werden wir auf George W. Bush zurückschauen als den Totengräber der Hegemonie Amerikas.”
Unser militärisches Empire ist absurd, kafkaesk. Jay Barr, ein Schuldenberater, hat dazu eine erhellende Analogie: „Ein Schuldner, der Insolvenz beantragt, muss – egal, ob er seine Aktiva liquidiert oder reorganisiert – in jedem Fall eine Liste seiner Ausgaben im Vergleich zu seinen Einnahmen aufstellen, um damit nachzuweisen, dass zur Bezahlung der Gläubiger nur noch begrenzte Mittel verfügbar sind. Jetzt stelle man sich einen Menschen vor, der Insolvenz beantragt mit dem Argument, er könne seine Schulden nicht mehr bezahlen, weil er astronomische Ausgaben für mindestens 737 ausländische Militärbasen aufbringen müsse, die ihm auf das für deren Unterhalt eingesetzte Kapital einen Ertrag von genau null Prozent einbringen. Ein solches Argument wäre völlig untauglich in einem Insolvenzverfahren: Der Schuldner müsste unbedingt mehrere seiner Vermögensbestandteile zugunsten der Gläubiger übergeben, darunter vor allem den wertvollen Grund und Boden im Ausland, auf dem die Militärbasen stehen.”
Mit anderen Worten: Die Vereinigten Staaten verschließen die Augen vor ihrem wirtschaftlichen Niedergang und dem eigenen Konkurs. Stattdessen beruhigen sie sich mit der Idee einer geordneten Insolvenz.
Nick Turse (der Autor eines Buches über unsere Militärökonomie) hat berechnet, dass wir sofort 2,6 Milliarden Dollar einnehmen könnten, wenn wir unsere Basis auf Diego Garcia im Indischen Ozean verkaufen würden, und weitere 2,2 Milliarden Dollar mit dem Verkauf von Guantánamo auf Kuba. Und das sind nur zwei der beinahe tausend überständigen Militär-Enklaven im Ausland.
Nicht einmal daran zu denken, sie abzubauen oder uns aus ihnen zurückzuziehen, ist ein historischer Mangel an Phantasie. Bei seinem ersten China-Besuch als Finanzminister versicherte Timothy Geithner den Studenten der Universität Peking: „Die chinesischen Investitionen (in den USA) sind sicher.” Die Presse berichtete, die Studenten seien in Gelächter ausgebrochen. Und zum Lachen war das ja auch.
Im Mai 2009 gab das Budget-Büro des Weißen Hauses seine Vorhersage ab: Die USA würden im Jahr 2010 ein Haushaltsdefizit von mindestens 1,75 Billionen Dollar zu schultern haben. Darin waren die für das Pentagon veranschlagten 640 Milliarden Dollar sowie die Kosten zweier bemerkenswert teurer Kriege noch nicht einmal enthalten. Diese Summe ist so groß, dass später Generationen amerikanischer Bürger dafür arbeiten müssen, die Ausgaben für George W. Bushs imperiale Abenteuer zurückzuzahlen – sofern sie überhaupt Arbeit haben. Die Summe entspricht etwa 13 Prozent unseres derzeitigen Bruttoinlandsprodukts. Muss man daran erinnern, dass die entsprechende Zielgröße in der Eurozone der Europäischen Union 3 Prozent ist?
Bis jetzt hat Präsident Obama im Militärhaushalt Kürzungen von gerade einmal 8,8 Milliarden angekündigt (insbesondere bei unsinnigen Beschaffungen, etwa beim Kampfflugzeug F-22, das nun nicht gebaut wird). Gleichwohl war das Militär-Budget für 2010 nicht kleiner, sondern größer als im Vorjahr. In der nahen Zukunft werden erheblich höhere Kürzungen unserer Militärausgaben nötig sein, sofern wir wenigstens den Anschein eines soliden Staatshaushalts bewahren möchten.
Zweitens: Wir werden den Krieg in Afghanistan verlieren, und er führt uns in den Konkurs.
In Afghanistan haben wir einen groben Fehler begangen: Wir haben vergessen, dass sowohl Großbritannien als auch die Sowjetunion das Land mit demselben (militärischen) Vorgehen wie wir befrieden wollten und schmählich gescheitert sind. Aus der jüngeren Geschichte Afghanistans scheinen wir überhaupt nichts gelernt zu haben, ja wir kennen sie nicht einmal. Zwischen 1849 und 1947 schickte England ein Expeditionskorps nach dem andern gegen die Stämme der Paschtunen in die sogenannten „Nordwestlichen Grenzgebiete” (die Gebiete beiderseits der afghanisch-pakistanischen Demarkationslinie namens „Durand-Linie”).
Weder Großbritannien noch Pakistan konnten jemals dieses Gebiet unter ihre Herrschaft bringen. Der Historiker Louis Dupree schrieb in seiner Geschichte Afghanistans (2002): „Die Stämme der Paschtunen, offenbar genetisch für den Guerilla-Krieg ausgestattet, nachdem sie jahrhundertelang allen Eroberern widerstanden, die aber auch – wenn gerade keine Eroberer kamen – untereinander Krieg führten, machten alle Versuche zunichte, in ihrer gebirgigen Heimat die Pax Britannica zu errichten.” Beiderseits der Durand-Linie leben in einem Gebiet ohne klare Grenzen ungefähr 41 Millionen Paschtunen, weder der afghanischen noch der pakistanischen Zentralregierung untertan.
Die Stammesgebiete unter pakistanischer Verwaltung (die sogenannten Federally Administered Tribal Areas, FATA) sind – genau wie in der britischen Kolonialzeit – in sieben Provinzen unterteilt mit je einem „Leiter” an der Spitze, der ebenso mächtig ist wie seine Vorgänger zu Zeiten der Engländer. Damals wie heute ist ein Teil dieser FATA, nämlich Wasiristan, der Schauplatz des erbittertsten Widerstands.
„Auch wenn die Bürokraten in Washington” (schreiben Paul Fitzgerald und Elizabeth Gould in ihrer Geschichte Afghanistans) „die Geschichte der Region vergessen haben: Die Afghanen haben ihre Geschichte nicht vergessen. Nach dem Ersten Weltkrieg bombardierten die Engländer dieselben Paschtunen-Dörfer aus der Luft, und sie wurden dafür international verurteilt. Als die Sowjets in den 80er Jahren ihre MiGs und die gefürchteten Mi-24-Hind-Kampfhubschrauber dort einsetzten, wurden sie als Kriminelle gebrandmarkt. Der rücksichtslose und willkürliche Einsatz der überwältigenden Feuerkraft der US-Luftwaffe schlägt jeder Moral und Gerechtigkeit ins Gesicht und bringt gleichzeitig das afghanische Volk und die islamische Welt immer mehr in Wut gegen die Vereinigten Staaten.”
1932, in einer Serie Guernica-artiger Greueltaten, setzten die Briten in Wasiristan auch Giftgas ein. Die Abrüstungsvereinbarung versuchte damals ein Verbot für den Gas-Einsatz aus der Luft gegen die Zivilbevölkerung zu erreichen, aber Lloyd George, der britische Premierminister im Ersten Weltkrieg, konnte danach triumphierend verkünden: „Wir haben unser Recht verteidigt, Nigger zu bombardieren.”
Die Vereinigten Staaten handeln heute ähnlich, nur mit der neuartigen Entschuldigung, die Tötung von Nichtkombattanten sei eben ein „Kollateralschaden” (oder unvermeidliches menschliches Versagen). Seit wir nun von Arizona und Nevada aus unbemannte Drohnen mit hoher Zielungenauigkeit einsetzen, haben wir in Pakistan und Afghanistan Hunderte, womöglich Tausende unbeteiligter und unbewaffneter Menschen getötet. Die Regierungen beider Länder haben uns bereits gewarnt: Wir würden uns dieselben Menschen, die wir doch zur Demokratie befreien wollten, zu Feinden machen.
Im Mai 2009 wurde General Stanley McChrystal zum Oberbefehlshaber in Afghanistan ernannt. Kurz danach befahl er - außer zum Schutz der eigenen Truppen - die Einschränkung der Luftangriffe, auch der Luftangriffe der CIA. Dummerweise, wie zum Beweis der Unfähigkeit unserer militärischen Dienstwege, wurde nur zwei Tage später in Pakistan eine bewaffnete Drohne eingesetzt, die auf einen Schlag mindestens 80 Menschen bei einer Beerdigung tötete. In der amerikanischen Mainstream-Presse oder in Fernsehnachrichten suchte man Nachrichten zu diesen neuartigen Angriffen naturgemäß vergeblich. Die Medien waren seinerzeit ausschließlich mit den sexuellen Eskapaden eines US-Gouverneurs und dem Ableben von Michael Jackson beschäftigt.
Unsere Einsätze in Pakistan und Afghanistan werden schon seit langem durch ungenaue Geheimdienstinformationen behindert. Ideologische Vorurteile entscheiden darüber, welche Gruppen wir dort bekämpfen beziehungsweise unterstützen, und halb blind hoffen wir auf womöglich Erreichbares. Fitzgerald und Gould widersprechen der offiziellen Linie der Geheimdienste, sich ausschließlich auf Afghanistan zu konzentrieren. „Das eigentliche Problem”, schreiben sie, „war immer schon Pakistan. Die Armee dieses Landes und ihr Geheimdienst ISI (...) spielten von 1973 an eine Schlüsselrolle bei der Finanzierung und Leitung der Mudschaheddin und später der Taliban. Die pakistanische Armee hat die Hand auf ihren Atomwaffen, behindert die Entwicklung demokratischer Institutionen, bildet Talibankämpfer für Selbstmordattentate aus und setzt sie in Marsch gegen amerikanische und NATO-Soldaten, die die afghanische Regierung schützen sollen.”
Das Personal der pakistanischen Armee und ihres Geheimdienstes besteht zum Teil aus frommen Muslimen, die einst – mehr für ihre eigenen Pläne und Ziele als zur Erklärung eines islamischen heiligen Krieges – die Taliban in Afghanistan gefördert haben. Solche Ziele waren immer schon: Afghanistan freizuhalten vom Einfluss einer Großmacht (wie Russland oder Indien), den radikalen Islam in Afghanistan einzudämmen (und ihn damit von Pakistan fernzuhalten) sowie ungeheure Geldsummen aus Saudiarabien, den Golfstaaten und den USA herauszupressen, um damit in der ganzen islamischen Welt „Freiheitskämpfer” auszubilden und zu bezahlen. Pakistans Politik hat konsequent die geheimdienstlichen Pläne des ISI unterstützt und sich dem Einfluss seines größten Gegners und Konkurrenten widersetzt: Indien. Ex-Oberst MacGregor fasst unser hoffnungsloses Projekt in Südasien so zusammen: „Wir können nichts tun, was 125 Millionen Muslime in Pakistan dazu bringen wird, mit den USA gemeinsame Sache zu machen, solange wir mit zwei entschlossen anti-islamischen Staaten verbündet sind: Israel und Indien.”
Obamas Truppenverstärkung 2009 in Süd-Afghanistan erinnert fatal an das fortwährende Verlangen General Westmorelands nach mehr Bodentruppen in Vietnam und an das Versprechen, wenn wir die Gewalt nur ein wenig hochdrehen und etwas höhere Verluste in Kauf nehmen, dann würde der Widerstandswille der Vietnamesen bestimmt gebrochen. Das stellte sich als eine völlig falsche Lageeinschätzung heraus. Und in Afghanistan haben wir denselben Fall.
Heute, 21 Jahre nach dem schmachvollen Rückzug der Russen aus Afghanistan, wagte Boris Grimow, ihr letzter General, eine Vorhersage: Die Zehntausende, die Obama ins Land schickt, werden in einer Katastrophe enden, wie vor ihnen die Truppen der Sowjetunion, die ihrem eigenen Afghanistan-Krieg 15000 Soldaten geopfert hat. Wir sollten zugeben, dass wir Zeit, Menschenleben und Ressourcen verschleudern in einem Gebiet, dessen politische Dynamik wir nie verstanden haben und wo wir immer wieder die falschen Entscheidungen treffen.
Drittens: Wir müssen die bis heute verborgene Schande unserer Stützpunkte beenden.
Vor einem Jahr schrieb Bob Herbert, der Kolumnist der New York Times: „Vergewaltigung und andere Sexualverbrechen gegen Frauen sind der schlimmste Schandfleck auf der US-Armee, und es gibt kein Anzeichen dafür, dass dieses grauenhafte Problem, das wir gern möglichst verbergen, verschwindet. Neue Zahlen aus dem Pentagon zeigen zuletzt sogar eine Zunahme solcher Übergriffe (inzwischen 2923; allein in Afghanistan im Jahr 2009 eine Steigerung um 25 Prozent). Man stelle sich das einmal vor: Frauen in amerikanischen Uniformen, die die Belastung durch ihre Kampfeinsätze aushalten müssen, sollen sich nun auch noch Sorgen darüber machen, wie sie sich gegen Vergewaltiger in der gleichen Uniform verteidigen.”
Das Problem wird noch verschärft dadurch, dass unsere Truppen in den Übersee-Garnisonen in enger Nachbarschaft mit der einheimischen Bevölkerung leben und von dieser als Eindringlinge und Eroberer betrachtet werden. Beispiel: Okinawa, die Insel, die wir seit 65 Jahren ununterbrochen besetzt halten. In dieser ärmsten Provinz Japans sind sexuelle Übergriffe und Gewalt gegen Frauen außer Kontrolle geraten.
Die Insel war der Schauplatz der größten antiamerikanischen Demonstration seit dem Zweiten Weltkrieg, nachdem 1995 eine zwölfjährige Schülerin von drei unserer Soldaten entführt, vergewaltigt und ermordet worden war. Vergewaltigungen sind auf allen unseren Stützpunkten ein schwerer Makel. Er hat mindestens ebenso sehr wie die Politik der Bush-Regierung oder unsere wirtschaftliche Ausbeutung der ärmsten Länder, deren Rohstoffe wir beanspruchen, dazu beigetragen, dass die USA heute so verachtet werden.
Das Militär selbst hat zum Schutz der eigenen Soldatinnen so gut wie nichts unternommen, auch nicht zum Schutz der unbeteiligten Augenzeugen, die häufig in unmittelbarer Nachbarschaft mit der Rücksichtslosigkeit und den rassistischen Vorurteilen unserer Truppen leben müssen. „Die Ermittlungen des Militärs in Vergewaltigungsfällen sind nicht bloß miserabel, sondern grauenhaft” (Bob Herbert). In allen Gebieten mit US-Besatzung unternehmen das Oberkommando und das Außenministerium alles, um die sogenannten „Streitkräfte-Vereinbarungen” in Kraft zu setzen, die dem Gastland jedes Recht nehmen, die Straftaten unserer Truppen zu verfolgen. Diese Vereinbarungen machen es unserem Militär leicht, Straftäter vor den Landesbehörden in Sicherheit und heimlich außer Landes zu bringen.
Ein typischer Fall war eine australische Lehrerin in Japan, die im April 2002 von einem Matrosen des Flugzeugträgers Kitty Hawk, damals in Yokosuka stationiert, vergewaltigt wurde. Sie zeigte den Mann sowohl bei den japanischen als auch bei den amerikanischen Behörden an. Der Matrose wurde jedoch weder verhaftet, noch wurde gegen ihn ermittelt. Umgehend wurde er aus der Marine entlassen, erhielt aber die Chance, den japanischen Strafermittlern zu entkommen, indem man ihn in die USA zurückschickte, wo er noch heute unbehelligt lebt.
Die australische Lehrerin gab ihre Suche nach Gerechtigkeit aber nicht auf. Dabei fand sie heraus, dass die Regierungen Japans und der USA fast fünfzig Jahre vorher, im Oktober 1953, ein geheimes „Übereinkommen” geschlossen hatten, in dem Japan seinen Verzicht auf jede rechtliche Zuständigkeit erklärte, sofern das begangene Verbrechen nicht „von nationaler Bedeutung für Japan” war. Die USA legten großen Wert auf diese Vereinbarung, denn sonst hätten sie möglicherweise befürchten müssen, dass jährlich etwa 350 Armeeangehörige wegen Sexualverbrechen in japanischen Gefängnissen gelandet wären.
Seitdem haben die Vereinigten Staaten weitere Vereinbarungen dieser Art getroffen, zuletzt mit Kanada, Irland, Italien und Dänemark. Laut „Handbuch für die Rechte von stationierten Truppen” (2001) wird die in Japan gehandhabte Praxis inzwischen weltweit angewandt. Die Ergebnisse überraschen kaum noch. In Japan wurden zwischen 2001 und 2008 von amerikanischen Soldaten 3184 Verbrechen begangen, aber 83 Prozent der Fälle wurden nicht strafrechtlich verfolgt. Mit dem Irak wurde vor Kurzem ebenfalls eine ähnliche Vereinbarung unterzeichnet: Beschuldigte der Streitkrafte und militärische Auftragnehmer bleiben in amerikanischem Gewahrsam, während die Irakis ermitteln. Was natürlich wieder die wunderbare Gelegenheit schafft, die Gefährdeten heimlich außer Landes zu bringen.
Es ist nicht übertrieben, festzustellen: Die USA haben ihrem Militärpersonal weltweit die Möglichkeit für Sexualverbrechen geschaffen, ohne dass, in der Mehrzahl der Fälle, die Übeltäter Konsequenzen ihrer Taten zu befürchten haben. Inzwischen hat sich eine Gegenbewegung gebildet, die „Service Women’s Action Network”. Ihre Botschaft ist einfach: Frauen, geht nicht zum Militär!
Ich halte jedoch eine andere Lösung für besser: die radikale Verminderung unserer im Ausland stationierten Truppen. Man sollte sie nach Hause bringen aus allen Ländern, deren Kultur sie nicht verstehen und deren Einwohner sie als minderwertig zu betrachten gelernt haben.
Der Abbau des Amerikanischen Imperiums ist natürlich nicht auf einen Schlag zu schaffen. Hier eine Liste der ersten wesentlichen Schritte:
1. Wir müssen die beträchtlichen Umweltschäden beenden, die weltweit durch unsere Truppenstationierungen verursacht werden. Ebenso müssen wir die Vereinbarungen aufkündigen, durch die unsere Truppen in ihren Gastländern von jeder Verantwortung befreit werden.
2. Der Abbau des Empires erleichtert uns um die finanzielle Last der Stützpunkte und öffnet ganz neue Chancen für Talente und Ressourcen, die wir derzeit noch brachliegen lassen.
3. Wir wissen (wir vergessen es nur immer wieder), dass der Imperialismus die Anwendung der Folter hervorbringt. In den 80er und 90er Jahren haben wir in Chile und Brasilien gewählte Regierungen gestürzt und Folter-Regime gefördert: eine Vorausschau auf das, was wir selbst später im Irak und in Afghanistan praktiziert haben. Der Abbau des Empires könnte zur Beendigung der amerikanischen Folterpraxis im Ausland führen.
4. Wir müssen den immer größeren Tross hinter unseren Truppen weltweit vermindern: Windfall-Profiteure, zivile Angestellte und Geschäftemacher, ganz zu schweigen von den Kosten für deren medizinische Versorgung, für Wohnungen, Swimmingpools, Klubs und Golfplätze.
5. Wir müssen den Mythos enttarnen, den der militärisch-industrielle Komplex aufrechtzuerhalten versucht: dass unser Militär unerlässlich sei für die Schaffung von Arbeitsplätzen, für die Forschung und unsere Verteidigung. Diese Behauptungen sind von ernsthaften Wirtschaftswissenschaftlern seit Langem widerlegt.
6. Als Demokratie mit Selbstachtung dürfen wir nicht länger der größte Waffen-Exporteur der Welt sein. Auch dürfen wir nicht länger die Stellvertreter für unseren Imperialismus in der Dritten Welt in Folterpraktiken oder auch der Inszenierung eines Staatsstreichs ausbilden. Der erste Kandidat für eine sofortige Schließung ist die sogenannte School of the Americas, die berüchtigte Militär-Akademie in Fort Worth (Georgia) für südamerikanische Offiziere.
7. Bei den gegenwärtigen Zwängen der öffentlichen Haushalte sollten wir umgehend jede Unterrichtstätigkeit von Armeeangehörigen in Schulen beenden, um nicht weiterhin bei Kindern und Jugendlichen den Militarismus zu fördern.
8. Wir müssen in unseren Streitkräften Disziplin und Verantwortung wiederherstellen, indem wir neben der Armee nicht länger zivile Subunternehmer, private Sicherheitsdienste oder andere Unternehmen außerhalb der militärischen Zuständigkeit und der Militärgerichtsbarkeit beschäftigen.
9. Wir müssen in jedem Fall die Größe unserer Streitkräfte vermindern, nicht erhöhen. Gleichzeitig müssen wir uns besser um die kampfbedingten physischen und psychischen Verwundungen unserer Soldaten kümmern.
10. Hier wiederhole ich nur die wichtigste Absicht dieses Essays: Wir müssen die wenig hilfreiche Gewohnheit ablegen, die Durchsetzung unserer außenpolitischen Ziele immer wieder durch das Militär erreichen zu wollen.
Zum Schluss doch wohl ein düsterer Ausblick: In der Vergangenheit haben nur wenige Imperien ihre beherrschten Außengebiete zugunsten der eigenen Unabhängigkeit freiwillig aufgegeben. Die beiden Beispiele aus der jüngeren Geschichte sind Großbritannien und die Sowjetunion. Wenn wir von ihnen nichts lernen, sind unser Niedergang und unser Fall unvermeidlich.
(Chalmers Johnson ist der Autor u.a. von Der Selbstmord der amerikanischen Demokratie (2004). Übersetzung dieses GAZETTE-Essays aus dem Englischen: Philipp Reuter)
DIE GAZETTE "Ein politisches Magazin für den kritischen Zeitgenossen: aufmerksam, nachdenklich, verläßlich unabhängig, mit Haltung und Rückgrat, jenseits von Boulevard und Mainstream, gründlicher als die Zeitung, aktueller als das Buch."
Fritz Glunk
09:23 in Gazette, Qualitätsjournalismus | Permalink | Comments (0) | TrackBack (0)
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"Immer öfter allerdings scheitern diese Topmanager kläglich. Immer öfter sind sie nur Manager, aber längst keine Leadership-Persönlichkeiten mehr.
Viel zu sehr schielen sie auf den Aktienkurs und den bequemen Erhalt des Status Quo ihres Unternehmens und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Längst sind sie keine Unternehmer mehr, die die Welt gestalten wollen, die die Zeichen der Zeit erkannt haben und die Regeln brechen, um neue Spielregeln gelten und neue Zeiten anbrechen zu lassen."
12:56 in Brand Ethics, Dritte Klasse, Intuition/Company | Permalink | Comments (2) | TrackBack (0)
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Eine dienstbare Verfassung
Der Oberste Gerichtshof der USA
Das Verhältnis des Supreme Court der Vereinigten Staaten zur Verfassung der Vereinigten Staaten ist in den letzten Jahren ins Gerede gekommen, insbesondere bei Parteispenden und den Waffengesetzen. Und demnächst steht die Überprüfung von Obamas Krankenversicherung an.
Von Howard De Nike
Während der vergangenen zwei Jahrzehnte haben sich die Anhörungen der Richter des Obersten Gerichtshofs im Justizausschuss des Senats grundlegend verändert: Sie sind zu einem Ritual der Informationsverweigerung geworden. Wir erfahren dort nichts mehr über die Ansichten und Überzeugungen der Kandidaten. Jeder Kandidat verpflichtet sich natürlich zu immerwährender Beachtung der Gesetze, und keiner, heißt es dann, werde die Verpflichtung missachten, die früheren Entscheidungen des Gerichtshofs anzuerkennen. Die Worte sind vielleicht ein wenig zur leeren Hülse geworden, aber ihnen zugrunde liegt ein gesundes Prinzip. Das Oberste Gericht hat nun einmal nicht die Freiheit, alle paar Jahre, wenn seine Zusammensetzung sich ändert, eine neue Politik zu erfinden. Ein Kandidat, der etwas Gegenteiliges sagen würde, hätte keine Chance auf die Zustimmung des Senats. Wenn er aber einmal berufen ist, dann gibt es keine wirkliche Handhabe mehr, die Einhaltung solcher Versprechen zu erzwingen.
Das offenkundigste Beispiel für die Entschlossenheit des derzeitigen Obersten Gerichts, die Pflicht zur Beachtung der Präzedenzfälle zu ignorieren, ist die Entscheidung im Prozess Citizens United gegen die Bundeswahlkommission (Citizens United vs. Federal Election Commission, 130 S. Ct. 875 [2010]). Konservative, mit einer Mehrheit von nur einer Stimme, haben eine in Jahrhunderten bewährte Rechtsprechung zu Fall gebracht: die Bestimmungen für politische Spenden von Unternehmen in Wahlkämpfen. Begründung: Weil es nicht verfassungsgemäß ist, das Recht einer Person auf unbeschränkte Parteispenden zu beschneiden, seien solche Beschränkungen für Unternehmen verfassungswidrig.
Nun hat aber schon jeder Jurastudent gelernt, dass Unternehmen Körperschaften „von Rechts wegen” sind. Ohne gesetzliche Regelungen gibt es sie gar nicht. Personen hingegen haben schon qua Person bestimmte unveräußerliche Rechte, die von der Verfassung geschützt sind, darunter das Versammlungsrecht. Damit können sie sich, wenn sie zusammen etwas unternehmen möchten, zu einem „Unternehmen” (also einer Körperschaft) versammeln. Die Rechte und Befugnisse so einer Körperschaft hinwiederum existieren aber erst dann, wenn eine Gesetzgebung sie ins Leben ruft. So ist zum Beispiel die auffälligste Eigenschaft eines Unternehmens seine Überlebensfähigkeit. Ein Unternehmen „stirbt” nie, ganz egal, was den Aktieninhabern zustößt. Aber diese fiktive Unsterblichkeit hat es erst nch und aufgrund einer entsprechenden Gesetzgebung.
Bis zu dem Urteil im genannten Prozess hielt jeder die Überwachung der Unternehmen durch den Gesetzgeber für absolut und umfassend. Die Bürger, also die Wähler, konnten, notfalls durch ihre Vertreter, den Handlungsspielraum von Unternehmen nach eigenem Ermessen bestimmen, zum Beispiel durch die Emission von Aktien, durch Informationen an Anteilseigner, durch den Aufsichtsrat und durch eine ganze Skala gesetzlich auferlegter Pflichten. Nun aber ist das nicht mehr so, da die Unternehmen jetzt nach Belieben ihre finanzielle Macht ausspielen können, um Wahlergebnisse zu beeinflussen.
Selbstverständlich können Anteilseigner theoretisch auch jetzt noch die politischen Ausgaben ihres Unternehmens kontrollieren. Aber Aktien gehören heute großen Versicherungen und Pensionskassen, so dass der einzelne Aktienbesitzer in Wahrheit kaum noch irgendeine Prüfung oder Aufsicht durchführen kann. Die bisherige vernünftige Reaktion der Gesetzgebung auf diesen Missstand war die strikte Begrenzung der Parteispenden von Unternehmen. Die Begründung des Urteils gegen United Citizens ist nicht nachvollziehbar, außer als Bestätigung des Selbstverständnisses solcher Mammut-Unternehmen, sie seien die Urheber des Gemeinwohls – eine Auffassung im eklatanten Widerspruch zu hundert Jahren unserer Rechtsprechung.
Auch der noch von George W. Bush nominierte Oberste Richter John Roberts hatte vorher feierlich die „Berücksichtigung der Präzedenzfälle” versprochen. Jetzt stand er vor der Notwendigkeit, seine abrupte Kehrtwendung in der Spendenfrage zu erklären. Er versuchte es damit: Auch seit Langem feststehende Präzedenzregeln seien keine Rechtfertigung für frühere Fehler (er konnte sogar auf vergleichbare Entscheidungen des Obersten Gerichts verweisen, etwa auf die Abkehr vom Gewohnheitsrecht bei der Rechtsprechung zur Rassentrennung oder zum Mindestlohn).
Trotzdem wurden die meisten von dem Citizens-United-Urteil schlicht überrascht. Es war vorher keinerlei öffentliches Verlangen nach einer Lockerung der Spendenregeln zu hören. Im Januar 2010, in der Rede zur Lage der Nation, hatte Präsident Obama das Urteil kritisiert: „In der letzten Woche hat der Oberste Gerichtshof eine jahrhundertelange Gesetzgebung in ihr Gegenteil verkehrt und die Schleusen geöffnet für private Interessen, auch für ausländische Unternehmen, die nun bei unseren Wahlen unbeschränkt Geld spenden können. Ich meine, dass Wahlen in Amerika nicht von Amerikas mächtigsten Privatinteressen oder, schlimmer noch, von juristischen Personen aus dem Ausland finanziert werden sollten.” Er sprach vielen aus dem Herzen.
Eine zweite, ebenfalls beunruhigende Entscheidung betraf Feuerwaffen. Jahrzehntelang haben sich in den USA Städte und Einzelstaaten darum bemüht, die Zahl der tagtäglich mit Handfeuerwaffen zugefügten Körperverletzungen zu vermindern. Aber bei jedem Anlauf zu einem verschärften Waffengesetz erhob sich die Opposition in Gestalt der National Rifle Association (NRA) und bekämpfte sogar die Gesetze gegen den Besitz militärischer Waffen. Dabei zitierte die NRA jedesmal einen uralten Passus im zweiten Verfassungszusatz: Er geht auf die Absicht der Gründerväter zurück, jederzeit schnell eine Bürgerwehr aufstellen zu können (was nötig sein konnte in schwachen Kolonien, denen mächtige europäische Staaten gegenüberstanden). Aber ungeachtet dieses rein historischen Ursprungs beharrte die Waffenlobby darauf, dass dieser Verfassungszusatz das höchstpersönliche Recht beinhalte, in jeder Situation und unter allem Umständen „Waffen zu tragen”. Diese Interpretation hatte bisher nie viel Unterstützung gefunden – das heißt: bis jetzt, bis zum heutigen Obersten Gerichtshof.
Dieser verkündete in zwei Entscheidungen 2008 und 2010 seine neue Waffen-Doktrin: Jede Person hat demzufolge das verfassungsmäßige Recht, nicht nur Jagdwaffen zu besitzen, sondern auch Handfeuerwaffen, die am Körper versteckt werden können. Sozusagen über Nacht, mit einem Federstrich wurden sage und schreibe Tausende örtlicher Verbotsbestimmungen hinfällig, Verordnungen insbesondere von Städten mit tödlichen Schießereien Tag für Tag. Auch in dieser Frage wurden die Bürgerbegehren, die sich in einer Angelegenheit der öffentlichen Sicherheit für eine strengere Regelung stark gemacht hatten, vom Tisch gefegt.
Wie soll es nun mit diesem Obersten Gericht weitergehen?
Vorhersagen sind schwierig, weil einige weitreichende Entscheidungen mit nur einer Stimme Mehrheit getroffen wurden. Natürlich werden die ideologischen Trennlinien auch langfristig nicht einfach verschwinden. Die Demokratische Partei kann sich, trotz der Verluste in den Parlamentswahlen 2010, im Senat immer noch auf eine Mehrheit verlassen. Sollte mithin während der laufenden Sitzungsperiode bis 2012 eine Richterstelle freiwerden und neu zu besetzen sein, kann Obama damit rechnen, dass sein Kandidat auch bestätigt wird, selbst wenn die Republikanische Partei jeden seiner Kandidaten zweifellos bekämpfen wird. Auch die Tatsache, dass die ältesten Richter des Obersten Gerichtshofs gleichzeitig die liberalsten sind, spricht nicht dafür, dass sich unter einem von den Demokraten gestellten Präsidenten an der Zusammensetzung nichts ändern wird.
Noch etwas anderes lässt sich kaum bestreiten: Wenn das Gericht auch weiterhin langjährig bewährte, die Verfassungsmäßigkeit unserer Gesetze garantierende Präzedenz-Entscheidungen links liegenlässt, dann wird der hohe Respekt, den der Oberste Gerichtshof im öffentlichen Bewusstsein noch genießt, allmählich von innen ausgehöhlt (vergleichbar dem Präsidentenamt und dem Kongress, deren beider Ansehen heute schon auf einen historischen Tiefpunkt gesunken ist).
Eine bedeutsame Frage, die demnächst zur Entscheidung ansteht, ist der Versicherungszwang, der mit Obamas Reform der Krankenversicherung 2010 eingeführt wurde. Schon jetzt haben über ein Dutzend Einzelstaaten die Verfassungsmäßigkeit dieser Bestimmung bestritten. Ihr Argument lautet: Die Zuständigkeit des Kongresses geht nicht so weit, dass er von
irgendwelchen Personen unter Strafandrohung verlangen kann, eine Krankenversicherung abzuschließen. Die Entscheidungen hierzu in den Gerichten unterhalb des Supreme Court sind noch uneinheitlich.
Als weitere heikle Entscheidung steht dem Gerichtshof die Frage der gleichgeschlechtlichen Ehe bevor. Angesichts der vielen römisch-katholischen Richter dort würde ich davon abraten, ehrlich verdientes Geld auf das Ergebnis zu verwetten.
(Howard De Nike ist Rechtsberater und Lehrbeauftragter für Internationales
Recht in San Francisco. Übersetzung: Philipp Reuter.)
DIE GAZETTE "Ein politisches Magazin für den kritischen Zeitgenossen: aufmerksam, nachdenklich, verläßlich unabhängig, mit Haltung und Rückgrat, jenseits von Boulevard und Mainstream, gründlicher als die Zeitung, aktueller als das Buch."
Fritz Glunk
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"Let’s just take Bob Dylan or somebody like that, whom we take for granted. Does he have a grocery list, an inventory of all of his influences, all the people he has plagiarized and taken from and sampled? These are things that are part of creativity. They are previous things, previous artworks, previous entities. They already exist. Nothing comes out of your ear, out of thin air."
Zitate und Video via brainpickings.
"For those of us living on the remix side of things, the film’s thesis is hardly groundbreaking. But what makes it important is that it adds another voice to one of the most necessary and urgent creative conversations of our time, building on a narrative that will continue to bend an antiquated law until it breaks and makes room for a more inclusive, era-appropriate conception of creativity."
Walking on Eggshells: Borrowing Culture.. from Brendan Schlagel on Vimeo.
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In diesen Tagen haben wir (@ufomedia, aka Thomas Koch, und meine Wenigkeit) ein spannendes Joint Venture an den Start gebracht: Craft & Vision R/Evolutionsberatung für Agenturen.
Es wird Zeit, nicht länger nur tatenlos zuzusehen, sondern einzugreifen, Teil der Lösung zu werden, denn:
"Aus unserer langjährigen Erfahrung wissen wir natürlich, daß in vielen Agenturen richtig gute Leute sitzen.
Meist brauchen sie nur den berühmten Anstoß, der sie aus den Untiefen des Tagesgeschäftes auftauchen läßt. Sie sich wieder infragestellen, den Wald vor lauter Bäumen sehen, Muster erkennen, neue Perspektiven entwickeln und neue Horizonte entdecken läßt.
Meist brauchen sie nur den Anstoß von Außen - wie wir alle von Zeit zu Zeit -, sich an den Möglichkeiten und nicht am Durchschnitt zu messen.
Brauchen das vertrauliche Gespräch. Und Unterstützung bei der Formulierung der distinktiven Vision - und ihrer Umsetzung! ...
Jede Agentur besitzt verborgene Aktivposten, Talente und Potentiale, um kreativer, produktiver, distinktiver zu sein als heute. Im Ideal halten wir ihr nur den Spiegel vor.Hervorragendes Ziel unserer Tätigkeit ist, Agenturen (wieder) distinktiv über sich hinauswachsen, vorangehen und ihre Umgebung inspirieren zu lassen."
Via Horizont.
Wir möchten Agenturen bei ihren Herausforderungen unterstützen. Erfolgreiche Agenturen erfolgreicher machen, Start-Ups einen vielversprechenden Start ermöglichen, die durchschnittliche Agentur aus ihrer Durchschnittlichkeit befreien - so sie es denn 'r/evolutionär' selbst möchte:
"Ohne Wandel, ohne Entwicklung, ohne ein mehr (Revolution) oder weniger (Evolution) starkes Über-sich-selbst-Hinauswachsen wird die Agentur nicht mehr lange im Wettbewerb bestehen können."
Wir wollen Teil der Lösung sein, und nicht länger nur mit Worten helfen - ebenso wie neue, erfolgreiche Kommunikation nicht mehr allein aus Worten, sondern vor allem aus Taten besteht:
"Die neue, zukunftsfähige Agentur ist weder Media- noch Kreativ-Agentur. Sie ist eine hochkompetente, empathische Persönlichkeit mit Ecken und Kanten. Sie lebt vorbildlich mitten unter den Menschen. Intuitiv geht sie deren neuer Individualität, Unabhängigkeit und Ungeduld voran. Kollaborativ kreiert sie distinktive Lösungen, Werte, Engagements.
Damit ist sie natürlich stärker als je zuvor Alchemist verschiedenster Disziplinen denn Experte einzelner.
Sie kreiert Trends nicht nur, sondern lebt sie selbst.Sie ist mehr als nur einfach eine unter 12.000 Agenturen, mehr als nur 'kreativ', 'flexibel', 'inhaber-geführt' und 'Agentur kurzer Wege'.
Sie offeriert dem Konsumenten relevante Nutzen und Werte, statt ihm die Zeit allein mit Dialogen zu stehlen.
Die neue Agentur läßt sich nicht mehr primär an ihren Worten messen, sondern an ihren Taten.
Das jedoch muß die alte Agentur erst Inhalieren, Individualisieren, Verinnerlichen und, vor allem, Leben."
Via unserer Website, Blog, @CraftnVision.
In diesem Sinne!
09:56 in Agencies, Erste Hilfe, Reklame | Permalink | Comments (0) | TrackBack (0)
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(Die mediaclinique präsentiert die Montagsfrage des NRW-Forum. Am Dienstag gibt es die Antwort via Facebook.)
Heute:
65% der Internet-User gucken laut „ARD/ZDF-Onlinestudie 2010“ Videos und Fernsehinhalte im Netz. In Deutschland werden derzeit rund 151 Mio. Videos pro Tag abgerufen - 2015 sollen es dreimal so viel sein. Deshalb unsere Montagsfrage:
Ich schaue Videos im Web
a) nie
b) sehr selten
c) häufig
d) nur noch
Antwort bitte per Buchstabe (oder ausführlicher) als Kommentar auf der Facebook-Seite des NRW-Forum Düsseldorf!
(Die Montagsfrage beschäftigt sich generell mit Kunst und Kultur - aber auch mit ganz konkreten Projekten des Museums - und dient dem Erkenntnisgewinn zu Wünschen und Meinungen der NRW-Forum-Fans und -Besucher.
Das NRW-Forum zeigt wechselnde Ausstellungen, die aktuelle Fragen vor ihrem kulturellen Hintergrund behandeln (zB zu Fotografie, Medien, Mode, Kommunikation, Architektur, Mobilität oder Lifestyle).
Im Social Media-Umfeld ist das NRW-Forum ein Vorreiter mit eigenem Blog, iPhone App, Facebook, Twitter-Account und der aktiven Nutzung von Video- und Foto-Plattformen.)
09:32 in NRW-Forum | Permalink | Comments (1) | TrackBack (0)
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The Context is the Message.
Die Links der verwehenden Woche.
01 - Der Geburtsplatz (besser -raum) des Internets, crooked. ARD/ZDF und Privatsender mit "Content Allianz": Ruf nach Kopierschutz, satundkabel. 'Deutsche Content Allianz' und 'Digitale Gesellschaft', netzpolitik.
02 - Musikindustrie: In der Schweiz geht es gerade nicht mit rechten Dingen zu, motorblog.
03 - Das FDP-Showgirl unter Plagiatsverdacht, spiegelfechter. Guttenberg stimmt Veröffentlichung des Uni-Berichts zu, zeit.
04 - Ex-Kommissar McCreevy pfeift auf Loyalität: Aufsichtsratsposten bei Bank, LobbyControl. Dieselsteuer: Merkel fährt mit Autolobby, sz. Merkels letzter Walzer, spiegelfechter.
05 - Und jetzt zu den Wirtschaftsnachrichten: Die Tepco-Aktie, fefe. Children in the Southeast to Breathe Easier: 18 Coal Plants Shutting Down, good. IKEA Joins the Race to the Bottom With the Treatment of its U.S. Workers, alternet. The 9 Most Wasteful Things Gulf Bureaucrats Bought with BP Cleanup Funds, good.
mediaclinique: Steht der Agentur ihre kommunikativ-monologe Historie im sozial-medialen Wege?
DIE GAZETTE (dienstags in der mediaclinique): Jürgen Kalwa "Die Verfassung der USA in den Händen der Rechten".
Aus meinen anderen Blogs:
Neu! craft&vision: Koch & Schwartz gründen Beratungsagentur (daher war es insgesamt etwas ruhiger diese Blog-Woche).
distinctive leadership: -.
lead/marke: Great Brands are Win-Win! Sensations und Business Innovation: Revolutionize Your Product By Adding an iPad.
werbeblogger (als Redaktions-Mitglied): ADC/DB: Fehlleistung aus Leidenschaft.
tumblr: this message is too wide to fit your screen, no.424.
In diesem Sinne: Schönes Wochenende - und Stay well!
(Wer eigene Links beisteuern möchte, weil sie oben fehlen, sei dazu herzlich in den Kommentaren eingeladen. Danke.)
10:15 in Schluck/Impfung | Permalink | Comments (0) | TrackBack (0)
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Aussteigen!
Um dem vielfachen Tod von der Schippe zu springen!
10:49 in Iconic, Intensivstation, Wir nennen es Politik | Permalink | Comments (0) | TrackBack (0)
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(OMG! (ie. Old Meets Gold) verlinkt auf relevante Posts, die ich in der respektiven Woche, aber vor x Jahren veröffentlichte.)
13. April, 2010:
11Euro80, der Finger des Orang Utan, und wie das Netz in die reale Welt gelangt
Die Welt da draussen um unsere Bildschirme herum und vor unseren Fenstern ist real. Das ist unbestritten. Interessanterweise meinen viele, die Welt des Netzes dagegen sei irreal und ohne Verbindung zur wahren Welt.
Für alle - und das ist nicht böse gemeint -, die unter Realitätsentzug leiden, spielt sich die Netz-Welt hinter einer widerspiegelnden Glasscheibe ab, in der sie doch immer wieder nur sich selbst sehen. Sehen nur, daß sie selbst alles richtig machen. Das ist die Empfänger-Seite, sie ist nicht auf wirklichen Empfang gepolt, filtert nur das ihr Genehme heraus, beläßt das Grauen hinter dem Spiegel.
Auf Sender-Seiten wird schon lange diskutiert und gefordert, das Netz müsse langsam mal aus dem Netz hinaus - also im Grunde über sich selbst hinaus - wachsen und die Menschen dort draussen erreichen, um respektierter Teil dieser einen Welt aller zu werden.
Wenige nur sehen einen Weg, wie man diese Digital Divide, diese 'Wasserscheide des Digitalen', überwinden könne. Im Grunde ist es so einfach wie Demokratie. Nun, ja, auch ebenso schwierig.
Vielleicht aber ist das Netz längst in der realen Welt angelangt, zumindest wenn man die Gemeinsamkeiten zweier kleiner Events, die unterschiedlicher nicht sein können, der letzten Wochen betrachtet:
01 - Der Nestlé-Case, breit genug getreten in den Blogs, und diskutiert in der Welt. Ein weltweit agierender, erfolgsgewohnter Konzern, der sich nicht immer in seiner Vergangenheit bemühte, besonders schnell aus seinen Fehlern zu lernen.
Seine 'Fans' - online und offline - aufgeschreckt durch ein kleines Video von Greenpeacelern, die schon öfter durch spektakuläre Aktionen und die dahinterliegende, simple Mechanik auf sich und ihr Anliegen aufmerksam machen konnten.
Nestlé war längst (duch Gespräche) gewarnt, nahm Greenpeace (in diesen) aber nicht ernst - bis zu dem Video. Nestlé reagierte altmodisch mit Verboten - zuerst des Videos, dann der Mash-Ups seines Logos. Und stach damit in seinen eigenen Ameisenhaufen Facebook. Wir alle erinnern uns.
Das Feedback war überwältigend, zumindest für Nestlés traditionelle (PR-)Strategie! Das Netz war endgültig in Nestlés Realität angekommen. Es wurde dort nicht warmherzig empfangen, aber Nestlé wird nun damit für alle Zeiten leben und sich arrangieren müssen oder Facebook, etc. verlassen.
02 - Mein 1und1-Case, in dem ich zwanzig Minuten in der Warteschleife meines Providers hing und dies dann twitterte. Nein, natürlich kam keine Antwort. Eine Woche wartete ich (auch auf den Rückruf aus dem Warteschleifen-Telephonat) und nichts passierte. Also 'feierte' ich mein einwöchiges Warten. Einen Tag später, über einen Twitter-Halbdialog mit @diplix fiel ich dann den 1und1lern auf.
Dann ging alles sehr schnell. Mailanfrage. Mailantwort. Mailbestätigung. Thema erledigt. Gutschrift erteilt. Sehr gut. (Es ging um 11,80 Euro, die man mir zuviel in Rechnung gestellt hatte und mich noch 3 Euro dafür am Telephon bezahlen lassen wollte, obwohl der Fehler bei 1und1 passiert war.)
Ich denke, das Netz ist in der realen Welt von Marcell D'Avis und 1und1 schon ein wenig länger - also beileibe nicht wegen mir oder meines Falles - angekommen.
Was verbindet diese beiden Fälle - so unterschiedlich sie auch sind? Was kann man daraus lernen, um das Netz in die eine reale Welt dort draussen zu integrieren, gehört, respektiert und ernstgenommen zu werden?
Im Grunde ist das Netz - und seine Mechanik - höchst demokratisch. Vielleicht ist das schon das größte Problem von Unternehmen und Politik (aber das ist ein anderes Thema).
Die einen - zB 1und1 - reagieren auf Problemstellungen, indem sie aktiv werden und die Probleme grundsätzlich und an der Quelle angehen: Optimierung des Customer Service durch Twitter, schnelle Reaktion und Transparenz.
Andere sitzen Probleme lieber aus. Sie werden von der Realität (des Netzes, in diesem Falle) eingeholt und reagieren, sobald das Netz kaskadenartig in ihre Welt hinüberschwappt (zuerst läuft Facebook über, dann reagiert das mediale Presse-Ventil).
Auch im Netz ist der Einzelne ein Nichts, wenn es den 'Mächtigen' so beliebt. Unternehmen - ebenso übrigens wie die Politik - reagieren (von Agieren ganz zu schweigen) erst, wenn sie merken, daß es einen größeren, idealerweise gesellschaftlichen, Konsens gibt. Daß eine Welle der Empörung bzw. - weitaus seltener - eine Welle der Begeisterung droht, über sie hinwegzurollen.
Sie reagieren erst, wenn sie merken, daß ihr Image, ihr Profit, ihre Wiederwahl von dieser Reaktion abhängen könnten. Sie reagieren erst, wenn sie merken, sie würden den 'Fall' in einer öffentlichen Diskussion verlieren. Reagieren, wenn sie merken, dieser 'Fall' könnte ihr Tun auch auf anderen Feldern negativ beeinflussen.
Geduld ...
In allen Fällen muß der Einzelne die Öffentlichkeit suchen. Er muß Aufmerksamkeit erregen, im besten Sinne des Wortes. Sei es durch Qualität und Relevanz
... und Spucke ...
- oder einen Überraschungseffekt. Idealerweise durch den genialen Mix aller 3!
... müssen so lange auf einen heißen Stein ...
Er - oder sie - müssen ein Problem, einen Mißstand, einen Aufhänger, eine gemeinsame Sache, eine guten Zweck finden, für den es sich zu kämpfen lohnt, für den man eine Lobby kreiert und Mitstreiter gewinnt.
... tropfen, ...
Sie müssen am Ball bleiben, dürfen nicht müde werden. Müssen unermüdlich streiten und die Massen bzw. Meinungsführer hinter sich bringen.
... bis sie das Faß 'Internet' zum Überlaufen bringen.
Das kann ein langwieriger Prozess sein, denn der stete Tropfen höhlt nur langsam den Stein, der einst ein lebendiges Herz war. Der Hebel aber, der die Welt schließlich aus den Angeln hebt, ist meist der Überraschungseffekt (siehe oben).
So ergreift nun mancher bei 1und1 die Chance, mit dem Hebel Öffentlichkeit sein individuelles Problem schneller als zuvor zu lösen. Und Greenpeace läßt auf einen Schlag das Faß überlaufen mit einem kleinen (Überraschungs-)Schocker.
Es geht um Aufmerksamkeit, es geht um Öffentlichkeit, es geht eher um das Wohl vieler als das Wohl weniger, es geht um Ausgleich von Interessen, um mehr Altruismus als Egoismus.
Es geht um Relevanz. Es geht um Mißstände und Lösungen. Es geht um Gesunden Menschenverstand und das Erregen eines Gerechtigkeitsreflexes, der tief in uns verankert ist (und bei einigen eben nicht mehr).
Es geht um persönliches Involvement. Es geht um ein Engagement für die Sache. Eine 'Sache', die meist größer ist als die Einzelnen, die um sie kämpfen.
Natürlich hat das Internet längst begonnen, seinen Weg in der Realität dort draussen zu gehen. Immer wenn irgendwo wieder ein kleineres oder größeres Fass überläuft, über die Ränder des Netzes schwappt und von klassischen Medien oder dem Word of Mouth aufgenommen und weitergetragen wird, wächst enger zusammen, was zusammengehört.
Das Internet aber kann nicht nur Themen besetzen, die (vermeintlich) für es selbst von Relevanz sind, sondern muß den Menschen dort draussen vor Augen führen, warum diese Themen gerade auch für die Realität außerhalb des Netzes von überragender Bedeutung sind.
Mit jedem Unternehmen und jedem Politiker, der den Dialog sucht und nicht ein weiteres Werbe- oder Verlautbarungsmedium, macht das Internet einen weiteren Schritt in die richtige Richtung. Mit jedem Dialog auf Augenhöhe zwischen Internet und realer Unternehmens- bzw. Politikwelt, verschwimmt die Grenze zwischen der Realität des Netzes und der Realität dort draussen ein wenig mehr.
Gemeinsamkeiten, gemeinsame Interessen, eine gemeinsame Zukunft, gemeinsamer mentaler und materieller Wohlstand sind die Bindeglieder des Erfolges. Sei es für ein Unternehmen wie 1und1, für einzelne Politiker, die Demokratie, Nestlé, uns alle.
Dafür müssen wir alle uns ein bißchen mehr anstrengen, ein bißchen mehr aufeinander zugehen. Ein bißchen mehr kämpfen, ein bißchen friedlicher sein. Ein bißchen mehr Augenhöhe suchen. Ein bißchen mehr Intellekt, Intuition und Imagination bieten.
Dann müssen bald nicht mehr Fässer durch den steten Tropfen zum Überlauf verleitet werden, sondern werden einfach Fässer aufgemacht, um den Sieg des gesunden Menschenverstandes über die Arroganz, Ignoranz und Intoleranz einiger weniger zu feiern.
10:33 in Blogs, Brand Ethics, Erste Hilfe, OMG! | Permalink | Comments (0) | TrackBack (0)
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(Dienstags präsentieren wir regelmäßig ausgewählte Artikel des 3-monatlichen Print-Magazins DIE GAZETTE. Texte, die "über die taktische Tagespolitik hinaus Antworten und Perspektiven" geben, zum Nachdenken anregen wollen.)
Es gilt das geschriebene Wort - und sonst gar nichts
Die Verfassung der USA in den Händen der Rechten
Von Jürgen Kalwa
Anfang Januar spielte sich im amerikanischen Kongress mehr als anderthalb Stunden lang eine noch nie dagewesene Szene ab: Da lasen Politiker, einer nach dem anderen, von vorne bis hinten die gesamte Verfassung vor. Eine politische Laienspielschar von über hundert Männern und Frauen. Die frisch gewählte republikanische Mehrheit im Repräsentantenhaus wollte damit einmal mehr demonstrieren, dass sie die einzig verfassungstreue Macht im Lande ist. Und dass ihre Gegner von der Demokratischen Partei nichts anderes als vaterlandslose Gesellen sind, die an den Grundfesten der Republik rütteln.
Über die amerikanische Verfassung („We the People…”), im September 1787 beschlossen und von ähnlichen Prinzipien geleitet wie die Französische Revolution, lässt sich viel Gutes sagen. Die Festschreibung der Grundrechte, die Gewaltenteilung und die föderale Struktur der 13 Gründerstaaten waren ebenso fortschrittlich wie die Zusatzartikel (genannt „amendments”) der ersten Wahlperiode. Aber genausogut könnte man sagen: Die Verfassung wies extreme Lücken auf. Sie gestattete umstandslos die Sklaverei. Sie betrachtete Frauen als rechtlos. Und sie lieferte noch lange danach Männern wie Richard Nixon und George W. Bush (und deren Rechtsberatern) die Munition für ihren diktatorischen Machtanspruch. Der basiert auf dem Grundsatz im Dokument: „Die vollziehende Gewalt liegt bei dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.”
Solche Gefahren für die freiheitliche Grundordnung der USA vertuschen die Republikaner gerne mit aller Kraft. Ihre Methode: Sie verklären den Urtext zu einem in Stein gemeißelten Allerheiligsten und gehen damit hausieren wie mit den Zehn Geboten. Ihre Ehre heißt Buchstabentreue.
Hinter der Maske dieser vorgeblich devoten Haltung steckt eine bizarre Zweckentfremdung der Verfassung durch die Reaktionäre der US-Politik, also auch die Tea-Party-Bewegung. Ihre Stoßrichtung ist reines Kalkül. Aber wenn sie unwidersprochen bleibt (und die Demokraten leisten sich diesen Luxus seit Jahren), bedroht sie massiv die politische Kultur. Das orthodoxe Beharren auf dem puren Wortlaut gibt vielen Dummschwätzern wie etwa der ehemaligen Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, Stoff für ihre Attacken gegen Obamas Reformpolitik.
Wer gegen diese Dumpfheit mit Argumenten antreten will, hat es nicht leicht. Es ist mindestens genauso schwierig, wie Menschen dazu zu bringen, aus den zahllosen unauflösbaren Widersprüchen der Bibel zumindest den einen Schluss zu ziehen: dass man dem reinen Text in keiner Weise trauen kann. So kommt es, dass in den USA immer mehr Menschen die biblischen Texte als absolute Wahrheit annehmen. Sie klammern sich in ihrer Orientierungslosigkeit an jedes Wort, an jeden Satz wie Schiffbrüchige an eine Planke. Der Zulauf dieser Gruppen ist das stärkste Indiz für eine Retardierung der politischen Kultur in den USA.
Menschen, die auch den Verfassungstext aus dem 18. Jahrhundert wortwörtlich nehmen, nennen sich dann hochmütig „strict constructionists”. Es interessiert sie nicht, dass solche Rechtsgüter wie individuelle Freiheit und staatliche Eingriffe unter heutigen Bedingungen einen ganz anderen Sinn haben. Im Zweifel sollen die auf Lebenszeit berufenen neun Verfassungsrichter in Washington das Papier bitte nur so anwenden: Sie sollen strikt die maßgebende Bedeutung einer Rechtsnorm nach dem exakten Wortlaut aus dem 18. Jahrhundert interpretieren. Aber wie ist dann die Bedeutung von Textstellen aus der Zeit von Musketen, Säbeln und Sklaven? Das bekannteste Beispiel: „Da eine wohlorganisierte Miliz für die Sicherheit eines freien Staates notwendig ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden.” Dürfen also alle Amerikaner Waffen tragen? Dürfen es alle Waffen sein? Sind Panzer und Bombenflugzeuge und U-Boote Waffen? Darf die verwendete Munition gesetzlich geregelt werden? Ist eine bis an die Zähne bewaffnete Zivilgesellschaft ein von der Verfassung gedecktes Rechtsgut? Die Reaktionäre der Rechten sagen: Ja. Absolut. Also gibt es in den USA 70 Millionen Handfeuerwaffen in Privatbesitz. Seit 1968, dem Jahr der Attentate auf Martin Luther King und Robert Kennedy, sind rund eine Million Amerikaner durch Schusswaffen umgekommen - entweder durch Mord und Totschlag, durch Selbstmord oder einen Unfall.
Aber das bremst nicht die wachsende Popularität dieser Verfassungslesart und auch nicht den unaufhaltsamen Zuwachs an sogenannten „Born-again”-Christen und Evangelikalen, die den klassischen Kirchen davongelaufen sind. Sie treffen sich zu Tausenden jeden Sonntag in riesigen Versammlungshallen, genannt Mega Churches. Beide Gruppen überlappen sich und inspirieren sich gegenseitig. Die bestens organisierten christlichen Fundamentalisten sind dabei die Speerspitze. Ihre Weltsicht ist älter, auch ihr missionarischer Eifer. Sie beten ja nicht nur zusammen, sondern sie versuchen, Schulen und Lehrbücher zu manipulieren und nicht nur die Evolution, sondern das wissenschaftliche Denken zu diskreditieren. Der versammelte Unsinn eines uralten Kompendiums soll das in den letzten Jahrhunderten angehäufte Wissen der gesamten Menschheit verdrängen und durch Denkschablonen wie „Kreationismus” und „Intelligent Design” ersetzen. Wie alt wäre demzufolge unser Planet? Rund 6000 Jahre. Auf der Arche Noah überlebten alle Spezies – auch die Dinosaurier. Die Apokalypse kommt – und zwar bald, wenn in Israel und auf der West Bank endlich alles wieder beim Alten ist. Und bis dahin gelten die Zehn Gebote und die Vorschriften aus dem 3. Buch Moses, Steinigung eingeschlossen.
Im rechten Spektrum der Vereinigten Staaten vereinen sich beide Formen der Textversessenheit - die biblische und die verfassungsexegetische - und haben in der Republikanischen Partei ihr Sammelbecken gefunden. Man beruft sich auf die wortgenaue Deutung von Texten, um damit Macht über Andersdenkende auszuüben. Amerikas Krebsgeschwür ist so etwas wie Faschismus durch die Hintertür. Statt eines Führerkults hat man einen Wort-Kult (der nur scheinbar ohne Führer auskommt). Die Führer dieses Wort-Kults sind bigotte Figuren, die im Privatleben oft gegen die eigenen Grundsätze verstoßen. Ihre Hohlheit macht sie aber nicht minder gefährlich. Alles, was ihnen fehlt, ist ein bisschen mehr Charisma.
Bei demokratischen Präsidenten, etwa Bill Clinton oder jetzt Barack Obama, tritt diese Haltung immer wieder als nacktes Drohpotenzial auf und führt fast zwangsläufig zu Massakern wie in Oklahoma City oder in Tucson, in denen Einzeltäter die dreckige Arbeit jener erledigen, die glauben, dass der Staat ihnen die Freiheit nimmt, wenn die Millionäre mehr Steuern bezahlen und alle Amerikaner Mitglied einer Krankenkasse werden sollen. Bei Präsidenten wie George W. Bush führt das dann zum geheimen Ausspionieren der Bürger.
In beiden Fällen wirkt sich der Einfluss der Rechten auf ähnliche Weise aus. Er erstickt die demokratische Streitkultur, indem er versucht, Wahlergebnisse für illegitim zu erklären. Gleichzeitig untergräbt er eine demokratische Interessenpolitik von unten, indem er ihr eine höhere Autorität entgegenstellt: die Autorität der Verfassungstexte. Kein Wunder, dass man sich in den USA in endlosen Pseudo-Debatten verzettelt, bei denen es nicht um Lösungen geht, sondern immer nur ums Prinzip. Alles ist schwarz und weiß. Waffenbesitz, Abtreibung, Homosexualität, das Schulgebet, der Wert oder Unwert staatlicher Einrichtungen – das alles wird immer wieder neu aufgewärmt und aufgetischt, nie erledigt. Und es drängt die politischen Kernfragen in den Hintergrund: Wer hat die Macht im Staat? Wie kann der Bürger seine systematisch bedrohten Freiheiten erhalten? Wie werden dem Bürger seine Freiheiten systematisch genommen?
Zum Beispiel durch Entscheidungen der „strict constructionists”, die im Supreme Court sitzen. Im Verfahren „Citizens United vs. Federal Election Commission” (siehe Seite 33) wurde zum ersten Mal in der Geschichte der USA jedem Unternehmen der gleiche Verfassungsrang zuerkannt wie jedem Bürger, und deshalb ist es jedem Unternehmen gestattet, den Wahlkampf nach Gutdünken mit seinen Geldern zu beeinflussen. Das Argument: Der Text der Verfassung „bietet keine Grundlage dafür, irgendeine Gruppe von Rednern auszuschließen”. Auch nicht jene, die sich mit ihren Milliarden die Politiker und die politische Bühne kaufen und damit den politischen Willensbildungsprozess manipulieren können. Der Journalist Jonathan Alter nannte die Entscheidung „die größte Bedrohung für die amerikanische Demokratie in der letzten Generation”. Und der Christian Science Monitor schrieb: Die Verfassungsrichter hätten hiermit erklärt, dass „das Geld von Unternehmen die Gesetzgeber nicht korrumpieren kann, dass Einfluss auf Gesetzgeber keine Korruption ist und der Anschein von Einflussnahme nicht das Vertrauen der Öffentlichkeit in unsere Demokratie untergräbt”. Die Warnungen verhallen. Das Krebsgeschwür wächst weiter.
(Jürgen Kalwa lebt seit 20 Jahren in New York als freier Korrespondent für deutsche Zeitungen und Radiosender)
DIE GAZETTE "Ein politisches Magazin für den kritischen Zeitgenossen: aufmerksam, nachdenklich, verläßlich unabhängig, mit Haltung und Rückgrat, jenseits von Boulevard und Mainstream, gründlicher als die Zeitung, aktueller als das Buch."
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Immer noch wird in Reichweiten gedacht, in Kontaktchancen, in Quantitäten. Immer noch wird gezählt, wird nur gerechnet, werden die Ziffern Null bis Neun verschoben von 9 bis 21 Uhr.
Immer noch wählt man die Werte, die man kennt, mit denen man großgeworden ist. Wählt das Kleine Einmaleins, das Excel-Chart - mit vielen Formeln zwar, aber mit wenig Sinn.
Man schließt die Zukunft aus aus diesen 21.000 Zellen und hofft, man könne den Kunden schon überzeugen, denn schließlich wisse er es ja auch nicht besser. Rabatte sind ihm doch noch das Allerliebste, vor allem, wenn man sie nun neudeutsch und modern als RoI deklariert, oder?
Tatsächlich schließt man aber nicht nur die Zukunft da draussen aus aus seinen Berechnungen, sondern auch die Zukunft hier drinnen, die Entwicklung des Einzelnen, die Zukunftsfähigkeit der Agentur in diesen sozial-medialen Zeiten, schließt gar die Zukunftsfähigkeit der Marke aus aus diesen 21.000 Zellen, die mancher sein Gehirn nennt.
Viel zu viel wird immer noch in Followern gedacht, in Likes, in ihrer Addition und Kumulation und crossmedialen Verrechnung.
Die Grundrechenarten aber und das Kleine Einmaleins können hier nicht mehr helfen. Es geht nicht mehr um berechenbare, monologe Einbahnstraßen.
Es geht um Dialoge, Inhalte, Nutzen, Services. Es geht um Reaktion und Relevanz, nicht um Penetranz.
Viele Agenturmitarbeiter sind doch viel schlauer als sich ihre Agenturen immer noch (vermeintlich) abverkaufswirksam verhalten! Viele Agenturen und Agenturler sind doch längst in der neuen Welt angekommen, nutzen die relevanten Dienste und Mechaniken längst (auch privat), fernab vom Kunden mit wachsender Begeisterung.
Warum das wahre (private) Leben nicht in die Agentur integrieren? Warum es nicht zur Differnzierung nutzen? Warum nicht zur Profilierung? Warum nicht zur Inspiration? Warum nicht eine Kultur daraus machen? Warum zögert so manches Management noch?
Die Agentur könnte wieder Bindeglied sein zwischen Marken, Medien und Menschen. Könnte wieder die Sprache aller 3 sprechen. Könnte Brücken bauen. Könnte die neue Unabhängigkeit, Individualität und Ungeduld der Menschen kommunikativ-medial übersetzen und - vor allem - für die Marke verständlich machen.
Könnte den Paradigmenwechsel da schon begleiten und dort noch einläuten. Könnte sich an die Spitze der Freiheitsbewegung der Menschen stellen, statt ihr nachzuhecheln. Dieser Freiheitsbewegung, die auch immer stärker eine Freiheit von den Monologen, der Kommunikation der Marke und der Marke selbst bedeutet ...
... denn diese Freiheitsbewegung wirkt sich nicht nur im Netz aus, sondern viel stärker in der realen Welt ... im Denken und Handeln der Menschen, ihren (unausgesprochenen) Erwartungen, Ansprüchen und Forderungen an die Marke der Zukunft - und damit an die Agentur der Zukunft.
10:07 in Agencies, Brand Ethics, Erste Hilfe, Social Networking | Permalink | Comments (2) | TrackBack (0)
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(Die mediaclinique präsentiert die Montagsfrage des NRW-Forum. Am Dienstag gibt es die Antwort via Facebook.)
Heute:
QR-Codes (Quick Response) werden mit der Kamera eines Smartphones abfotografiert, entschlüsselt und führen direkt zu Informationsangeboten. Etwa 80% der Japaner nutzen sie bereits: in Zeitungen, auf Plakaten oder in Museen. Wie es damit in Deutschland aussieht, soll unsere Montagsfrage klären:
Ich verwende QR-Codes
a) regelmäßig
b) selten
c) noch nicht
d) wohl auch in Zukunft nie
Antwort bitte per Buchstabe (oder ausführlicher) als Kommentar auf der Facebook-Seite des NRW-Forum Düsseldorf!
(Die Montagsfrage beschäftigt sich generell mit Kunst und Kultur - aber auch mit ganz konkreten Projekten des Museums - und dient dem Erkenntnisgewinn zu Wünschen und Meinungen der NRW-Forum-Fans und -Besucher.
Das NRW-Forum zeigt wechselnde Ausstellungen, die aktuelle Fragen vor ihrem kulturellen Hintergrund behandeln (zB zu Fotografie, Medien, Mode, Kommunikation, Architektur, Mobilität oder Lifestyle).
Im Social Media-Umfeld ist das NRW-Forum ein Vorreiter mit eigenem Blog, iPhone App, Facebook, Twitter-Account und der aktiven Nutzung von Video- und Foto-Plattformen.)
08:28 in Kunst, NRW-Forum | Permalink | Comments (1) | TrackBack (0)
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(OMG! (ie. Old Meets Gold) verlinkt auf relevante Posts, die ich in der respektiven Woche, aber vor x Jahren veröffentlichte.)
07. April, 2010:
Versus Internet: Fernsehen hat das Nachsehen. Geht TV den Weg von Print?
"Wann beginnen Sender, Verlage und Agenturen vom Internet zu lernen - und klammern sich nicht mehr verzweifelt an ihre gestrigen Erfolge?
Es ist so einfach und scheint doch so schwierig."
08. April, 2010:
Das Ende der 'etablierten' Medien: wikileaks & Social Media als neue 4.Gewalt
"In diesem Sinne: Get well soon, liebe 'etablierte' Medien. Back to Nature, zurück zur R/Evolution. Zurück zum Leben, zum Wachstum, zur Herausforderung, zur Leidenschaft! Sonst wird dieses Jahr wirklich in die Mediengeschichte eingehen als das Jahr, in dem die 'etablierte' Presse einging."
09. April, 2009:
Ikarus Steinmeier
"Gestartet war FW Steinmeier mit dem Ziele, sich zu Obamisieren. Seine Markenkompetenz jedoch ließ ihn zwischen Zott Joghurt, Lucky Strike und Hailo Bügelbrettern bruchlanden. Das Steinmeier-Logo."
09:09 in OMG! | Permalink | Comments (0) | TrackBack (0)
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The Context is the Message.
Die Links* der verwehenden Woche.
01 - Gesetz zu Internet-Sperren wird aufgehoben, AK-Zensur. Wie PR Social Media zerstört…, netzpiloten. Der Skandal, über den keiner staunen kann, JakBlog.
02 - Bildungsministerin setzt auf die Verblödung der Öffentlichkeit durch die veröffentlichte Meinung, NDS. Vom Kontrollverlust zur Filtersouveränität, carta.
03 - EU-Kommission nach Fukushima: Neue Grenzwerte für Japan-Importe, taz. Siehe auch S/I64: Wirbel um Strahlenwerte für Lebensmittel - EU-Kommission wehrt sich gegen Kritik, rp. Radiation From Japan's Nuclear Meltdown Finds Its Way Into California's Milk, alternet. Japan ist tot!, Duckhome.
04 - Debatte über Nuklearstrategie: AKW-Konzern Siemens stellt Atomkraft in Frage, spiegel. GE to Build Largest Solar Panel Plant, BigThink. Google Invests $5 Million In German Solar Power Plant, techcrunch.
05 - What determined the playing length of an audio CD?, crooked inifference.
mediaclinique: Während die Politik noch wiederkäut, wissen die Menschen längst Bescheid.
DIE GAZETTE (dienstags in der mediaclinique): Gemeinwohl-Ökonomie / Alles auf Anfang [Rezensionen] .
Aus meinen anderen Blogs:
distinctive leadership: If YOU Think You Can Make a Difference, You CAN!.
lead/marke: Business Innovation: Thinking about Mobile Services? Watch Kenya!.
werbeblogger (als Redaktions-Mitglied): Montagspredigt: Telekom4010 und Hippe Coolness.
tumblr: this message is too wide to fit your screen, no.423.
In diesem Sinne: Schönes Wochenende - und Stay well!
(Wer eigene Links beisteuern möchte, weil sie oben fehlen, sei dazu herzlich in den Kommentaren eingeladen. Danke.)
* Verlinkt nicht! Zitiert nicht!, OpenSourcePR. Verlage gegen Commentarist: "FAZ" und "SZ" wollen nicht zitiert werden, Spiegel. #faz, #sz, die Menschen und das Netz, mediaclinique.
08:48 in Schluck/Impfung | Permalink | Comments (0) | TrackBack (0)
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"... Jonathan McIntosh (of Rebellious Pixels) released a new cartoon,”Right Wing Radio Duck,” that remixes dozens of classic Walt Disney cartoons from the 1930s to 1960s. The artistic work is seamless. ...
And the underlying message is entirely contemporary. A la Colbert: Keep Fear Alive."
Via openculture, Oct., 3rd, 2010. Tag der Deutschen Einheit.
10:07 in Intensivstation, Video, Wir nennen es Politik | Permalink | Comments (0) | TrackBack (0)
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"Als ich dort war, trug der aktuelle Imageträger magenta-farbene Socken, weiße Billigturnschuhe (dieses weibliche Modell), eine schwarze Jeans, ein ordentlich von Mutter aufgekrempeltes, hellblau/ weißes Anzughemd. Adrett - aber nicht hipp.
Adrett genug, um die älteren Herrschaften aus dem Telekom-Vorstand in hippes Verzücken zu versetzen, nicht aber hipp genug, um etwas in der Welt da draussen zu bewegen."
10:45 | Permalink | Comments (0) | TrackBack (0)
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Die policlinique sucht OrganspenderInnen. SpenderInnen Frischen Blutes und Geistes, Rückgrats und Rückenmarkes, sowie Herzens, Hirnes und Bauches, die ihren Teil zum Versuch zur Utopie mentalen und materiellen Wohlstandes beitragen wollen.
Leidenschaftliche OrganspenderInnen also, die den Blutgruppen und DNAs dieser Twitterroll ähneln, gar identisch sind, Amalgam zukünftigen gesellschaftlich-politisch-demokratischen Denkens und Handelns sein wollen:
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