Allen Beschwichtigungen der Politik zum Trotze bewahrheiten sich natürlich die Befürchtungen der Zensus-Gegner - wenn auch nicht im Großen, so aber doppelt und dreifach im Kleinen.
Die kleinen, alltäglichen Kernschmelzen sind doch das eigentliche Salz, das man uns in die Suppe spuckt.
01 - Nein, als Wohnungseigentümer habe ich (trotzdem) keinen Bogen erhalten. Warum auch? Ah, kommt vielleicht noch.
02 - Die Karte, daß ich zu den wenigen Glücklichen zähle, die persönlich gezählt werden, in der Hand, rufe ich glücklich den Menschen an, der mich voller Inbrunst zählen wird.
Nein, die offizielle Telephonnummer hat er erst gar nicht angegeben, da könnt ich mich ja beschweren über ihn. Abwegiger Gedanke? Hm. Weiß er mehr als ich?
Ich rufe ihn an, seine Frau, Schwester, Mutter, Freundin (da sie sich nur mit dem bekannten, superkurzen "Ja?" meldet) geht ran.
Ich antworte zu freundlich, sie kennt meinen Namen nicht, die Kinder tollen im Hintergrund. Sie legt auf.
Nett rufe ich wieder an, entschuldige mich für den abrupten Zusammenbruch der Leitung, was tut man nicht alles aus guter Erziehung, sie meint, 'jaja, mein Handy hat geklingelt', klar, das ist ein Grund mich aufzuhängen (also, im übertragenen Sinne).
03 - Sie gibt mich weiter, mein Ansprechpartner ist im Garten, schön, daß er Urlaub hat. Ich könne den Termin nicht wahrnehmen? Online? Das geht nur mit dem Bogen, mit der Nummer auf dem Bogen, der mir zugeordnet ist, mit den Zugangsdaten, die mir zugeordnet sind. Anonym, versteht sich. Jaja, den Bogen wirft er mir dann abends in den Briefkasten.
04 - Telephoniert, getan, denke ich, und freue mich, schon wenige Tage später meine staatsbürgerliche Pflicht tun zu dürfen, sobald ich, ab der Stunde nämlich, wenn die anderen Staatsbürger des Hauses live befragt werden, den Glücksbogen zur remoten Vervollkommnung zur Verfügung habe.
Leider finde ich dann später 2 Bögen des Nachbarn in meinem Briefkasten. Ausgefüllt, hat alles seine Ordnung. Nein, nicht im Umschlag. Warum, ist doch alles anonym - bis auf die Daten eben, Namen, Geburtsdaten, etc.
05 - Nun, denke ich, er, der Zähler, wird es merken, denn er ist geschult, die werden ihm fehlen, und meine wird er noch haben. Er kommt zurück, bestimmt. Muß er auch, denn seine Nummer habe ich nicht mehr, weggeworfen, nachdem wir sprachen, Datenschutz und so.
Ich warte nun seit 6 Tagen ...
A propos: 06 - Als ich vor 6 Tagen bei den Nachbarn klingelte, die fälschlich bei mir deponierten Bögen retournierte, wußten die bereits, daß ich online meine Daten abgeben werde. Das hatte der Zähler ihnen erzählt. Zähler ... erzählt ...!
Da war ich dann froh, mich für online entschieden zu haben ... und bald kommen bestimmt auch alle meine Bögen.
Addendum
02. Juni > 15:25 Uhr > Die Bögen lagen kommentarlos im Briefkasten, keine Entschuldigung, keine Erklärung, leicht (und unverdient) verdientes Geld.
Gespannt, ob ich jetzt die Bögen überhaupt noch online ausfüllen kann.
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