In Piraten im Berliner Parlament - was nun? fragt sich Nico (nicht nur das, sondern auch - und das ist viel wichtiger):
"Ach ja, und dann wäre da noch die Frage zu klären: wie gehen SPD und Grüne damit um, daß die Piraten auch mit Netzpolitik-Themen punkten können? Ignorieren wird nicht helfen."
Schade, daß er da nur ausweichend antwortet (das ist übrigens keine schwerwiegende Kritik an Nico, sondern eine Einleitung dieses Posts). Eine sinnvolle, konstruktive, verunordnende Antwort dagegen wäre:
"Die SPD könnte sich natürlich mit Grünen & Piraten ganz weit in die Zukunft katapultieren..."
Laßt es mich kurz erklären:
00 - Grundsätzlich: Ich stehe keiner Partei besonders nahe.
01 - Da die "Piraten auch mit Netzpolitik-Themen punkten" könnten, wäre es von jeder Partei klug, sie nicht in der Opposition zu sich zu sehen, sondern mit ihr zu kooperieren.
02 - Wie die Grünen einmal, könnten heute die Piraten eine zuküftig große Partei sein. Parteien täten gut daran, sie frühzeitig zu entzaubern. Dies gelingt einfacher und überzeugender in den eigenen Reihen.
03 - Große Eroberer sprachen schon immer die Sprache des Eroberten, um mitreden zu können, vor allem aber um zu verstehen. Verständnis aufbauen - von mir aus gerne im doppeldeutigen Sinn - wäre eine effektive Strategie jeder Partei.
04 - Seit Jahren quält sich die SPD mit 'netzpolitischem Engagement' - ua. auch mit einem mehr oder weniger effektiven Netzbeirat, fühlbare Ergebnisse gibt es nicht. - Warum nicht einfach die Piraten 'übernehmen', die Netzkompetenz dahin outsourcen, von den Piraten - soweit das geht - lernen.
05 - Hier könnten Parteien eine strategische Allianz mit den Piraten beginnen, denn wird Berlin Vorbild für andere Städte Deutschlands, wäre es sinnvoll, hier gute Verbindungen zu haben, um auch an anderer Stelle kooperieren zu können.
Nachtrag 12:29Uhr: 06. Hier geht die junge Generation zur Wahl! Dies ist ein nicht zuverachtender Aspekt. Dies - die Jugend, nicht gezwungenermaßen die Piraten - ist die Zukunft der Demokratie, des Parteiensystems und unserer Gesellschaft.
Abwegig? Nein! Eigentlich die Konsequenz aus dem, was die etablierten Parteien immer so beredt fordern: Die kreative Klasse in unseren Städten, in Deutschland ansiedeln, Deutschland wieder kreativ und innovativ machen, in Berlin ein zweites Silicon Valley errichten! Blabla.
Jetzt könnte man zeigen, daß man es ernstmeint!
Schade, daß Nico nicht genau dies fordert! Schade vor allem, daß nicht die SPD genau dies sofort am Wahlabend andeutet, zumindest Gespräche führen will. Denn man muß sich schon realistischerweise das Folgende vor Augen halten - egal wo man politisch steht:
Wowereit bleibt unter 30% - ein Wahlverlierer.
Künast wollte Bürgermeisterin werden - Wahlverliererin.
CDU jubelt über gut 20% - große Wahlverliererin.
FDP nunmehr siebtstärkste Partei - größte Wahlverliererin.
Lange Gesichter bei der Linken - Wahlverliererin.
Ich würde eine Zusammenarbeit mit den Piraten als eine spannende Chance für jede Partei empfinden, wieder an die netzpolitische Realität unserer Welt und unserer Zeit Anschluß zu finden. Nicht übrigens, weil es die Piraten sind, sondern weil das Thema so verdammt wichtig ist, daß solch eine Partei aus dem Stand 9% erreicht!
Eine spannende Chance, jedem da draussen zu beweisen, daß man keine netzpolitischen Ressentiments hat, daß man große Teile der Bevölkerung verstanden hat und ernstnimmt, daß man wegweisende Netzpolitik und das freie Internet als Bedingung für die deutsche Zukunftsfähigkeit anerkennt und die relevanten Konsequenzen unerschrocken, mutig und vorbildhaft zieht.
In diesem Sinne: Get well soon, liebe Parteien!
Addendum
13:25 Uhr > Die Lehren aus der Wahl in Berlin. Mutig genug aber, den ganzen Schritt zu gehen - SPD+Grüne+Piraten - ist der Kommentator nicht!
14:13 Uhr > Die gehen nicht weg, die Piraten, haltungsturnen.




