Meine CBS-Anleitung zum schnellen Reichwerden
Von Christian Müller
Die Sache ist ganz einfach. Man muss, wie die Banken sagen, innovativ sein, und schon geht’s. Bitte rechnen Sie immer nach.
Meine „Cossani Bank of Switzerland CBS“ (Name erfunden) kauft am Kakahurra-Lake im US-Staat Minnesota 1 Million Quadratmeter unbebautes Land für 1 USD pro Quadratmeter. Kostenpunkt: 1 Million USD. Dieses Grundstück bringe ich in den Hedge Fund „Qualified Future Resort Fund“ ein.
Jetzt stückle ich dieses Land in 1000 Parzellen à 1000 Quadratmeter. Einstandswert einer Parzelle also 1000 USD.
Meine Tochtergesellschaft Filia Uno Ltd. kauft anschliessend über fünf Monate verteilt jeden Monat eine Parzelle, zuerst zu 10000 USD, dann zu 20000, dann zu 30000, dann zu 40000, dann zu 50000. Investition 150000 USD. Durchschnittspreis pro Parzelle: 30000 USD, Tendenz steigend.
Jetzt starte ich eine Werbekampagne in der NZZ. Der Fund hat 10000 Anteile, der Preis eines Fund-Anteils ist 10000 USD. 100 Schweizer denken: Amerika ist immer gut, Immobilien sind auch immer gut, und sie kaufen je einen Anteil. Das ursprüngliche Investment in Höhe von 1 Million USD ist damit bereits zurück.
Meine Tochtergesellschaft Filia Due kauft nun über fünf Monate verteilt fünf neue Parzellen, für 60000, dann für 70000, dann für 80000, dann für 90000, dann für 100000 USD. Investment: 400000 USD. Durchschnittspreis pro Parzelle also 80000.
Meine „Cossani Bank of Switzerland CBS“ ändert usanzgemäss den Buchwert des ganzen Grundstücks gemäss neustem Verkehrswert, sprich auf 55 USD pro Quadratmeter. Die Revisionsgesellschaft bestätigt diesen Buchwert problemlos. Die Rating-Agentur erhält einen neuen Auftrag und übernimmt als Wert der noch nicht verkauften 990 Parzellen aufgrund der bisher verkauften 10 Parzellen die 55 USD pro Quadratmeter bzw. die 55000 USD pro Parzelle bzw. die 54450000 USD für das ursprünglich gekaufte Land (in der Grösse von nun nur noch 990000 Quadratmetern). Der „Qualified Future Resort Fund“ erhält erneut dieBenotung AAA. Meine Tochtergesellschaft Filia Uno verkauft nun die von ihr gekauften fünf ersten Parzellen meiner Tochtergesellschaft Filia Tre zu einem Preis von je 55000 USD oder zusammen für 275000 USD. Gewinn 125000 USD bzw. 83,3 Prozent auf ihrem ersten Investment.
Die Rating-Agentur stellt fest, dass die Parzellen wirklich einen hohen Wert haben und diesen auf dem Markt auch realisieren können. Und sie empfiehlt den „Qualified Future Resort Fund“ erneut in den höchsten Tönen. Jetzt denken tausend Schweizer: Amerika ist halt wirklich immer gut, und Immobilien sind offensichtlich auch immer gut, und sie kaufen 5000 zwischenzeitlich im Preis auf 12000 USD gestiegene Anteile des „Qualified Future Resort Fund“. Erlös (und der grösste Teil davon Profit): 60 Millionen USD.
Jetzt ist die Zeit gekommen, da ich als Manager der „Cossani Bank of Switzerland CBS“ und als Verantwortlicher für den „Qualified Future Resort Fund“ einen Bonus für die guten Geschäfte erhalten sollte. Ich erhalte denn auch tatsächlich 10 Millionen USD.
Und das alles in einem Jahr. Unschwer zu sagen, wie das Geschäft weitergeht, denn es können ja noch weitere 990Parzellen verkauft werden. Im Jahr darauf erhalte ich deshalb sogar einen Bonus in Höhe von 12 Millionen USD. Und im Jahr darauf 15 Millionen USD.
Und so weiter, und so fort.
Erstaunt?
Warum denn? Alles war und ist legal, alles wurde von der Revisionsgesellschaft geprüft, alles von der Rating-Agentur usanzgemäss bewertet.
Dumm an der Geschichte ist nur, dass irgendeinmal irgendjemand nachfragen wird, was denn hinter diesen grossen Wertsteigerungen stecke. Oder dass so ein linksgedrehter Journalist behaupten wird, es bestehe da die Gefahr einer Finanz-Blase. Und irgendeinmal wird meine „Cossani Bank of Switzerland CBS“ wohl eine Wertberichtigung nach unten vornehmen müssen, da immer noch über 900 Parzellen unverkauft sind. Aber das muss mich ja nicht wirklich kümmern. Meine eigenen Millionen-Boni habe ich eh schon eingesackt, und wenn ich Glück habe, wird man meine „Cossani Bank of Switzerland CBS“ als „too big to fail“ beurteilen und der Staat wird sie retten - mit Steuergeldern. Wie sonst?
Aha, da gibts dann doch noch ein kleines Problem: Ein Anleger, der im Hedge Fund „Qualified Future Resort Fund“ Geld angelegt und nach der Wertberichtigung sein Geld weitestgehend verloren hat, fühlt sich von der „Cossani Bank of Switzerland CBS“ schlecht beraten und klagt sie deshalb ein.
Aber auch dieses Problem wird gelöst werden können: Die CBS hat auf ihrer Website ja erklärt, dass es auch Risiken gibt. Wörtlich steht da: „Hedge Funds sind Anlagegefässe, deren Manager sehr grosse Freiheiten geniessen. Die Strategien unterscheiden sich stark: von Fonds, die auf höchste Sicherheit bedacht sind, bis zu Fonds, die hohe Renditen anpeilen, aber entsprechende Risiken mit sich bringen. Dabei arbeiten Hedge-Fund-Manager oft mit innovativen Anlagekonzepten, die sie selbst entwickelt haben. Ein Hedge Fund ist darum nur so gut wie sein Manager.“
Um ganz ehrlich zu sein: So „innovativ“ bin ich als Manager der „Cossani Bank of Switzerland CBS“ gar nicht. Das Konzept der Wertvermehrung habe ich (als promovierter Historiker) bei Bernie Cornfeld abgeguckt, der mit einem solchen Konzept schon in den 1970er Jahren Multimillardär wurde. Und den Text zum Thema Hedge Fund für die Website habe ich Wort für Wort von der UBS-Website abgeschrieben. Die müssen ja in etwa wissen, was man sagen muss, um kein Risiko auf spätere Klagen einzugehen.Ist es nicht wunderbar, wie man heute mit relativ wenig Startgeld ein wirklich reicher Mann werden kann? Die Banker und Finanzjournalisten haben schon recht, wenn sie vor neuen Regulierungen im Finanzmarkt warnen.
(Christian Müller, Redaktionsleitung infosperber.ch)
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