Die heutige Digitale Gesellschaft* ist der Neandertaler der Zukunft. Auch wenn diese Neandertal-Geschichte natürlich eine Geschichte voller Missverständnisse ist.
Wir sind als Digitale Gesellschaft noch Totale Steinzeit. Vor allem: wir bleiben es, wenn wir so weitermachen.
Die 'Digitale Gesellschaft' ist ein schönes Bild für die Tatsache, dass es viel zu viele Nullen und viel zu wenige Einsen gibt!
Bevor die Digitale Gesellschaft also als 'more sapiens than ever' in die Geschichte eingeht, wird sie sich häuten, entschlacken und entfetten müssen. Sie wird sich ent-egoisieren müssen. Sie kann nicht länger so ignorant, intolerant und arrogant bleiben, wie sie es heutzutage ist.
Die Digitale Gesellschaft muss aus dem Dickicht ihrer Comfort Zone in die Steppe hinaustreten und beginnen, aufrecht zu gehen. Mit Rückgrat. Mit Mut. Sie muss vorausschauen und vorangehen - und nicht zurück in den heimeligen Wald.
Wir können nicht länger von Baum zu Baum schwingen - auch wenn die Nullen dazu ob ihrer Evolution prädestiniert sind. Quietschebunte, nur um sich selbst kreisende Hula-Hup-Reifen des kleinsten gemeinsamen Nenners.
Wir müssen Lichtungen als Chancen erkennen - nicht als Gefahren, gerissen zu werden. Das Licht als Ziel - nicht als Terror. Wir müssen beginnen, den Wald wieder vor lauter Bäumen zu sehen. Bäume, gegen die wir instant gratifiziert mit unseren Dickschädeln anrennen, um uns lebendig zu fühlen.
Mit der Baumrinde unserer Holzköpfe unter den Nägeln werden wir nie die richtigen Tasten des Keyboardes Zukunft treffen können. Zu breit, zu schmutzig, zu wenig empathisch und altruistisch sind unsere in die Finger verlängerten Hirne, um schlanke Pläne zu entwickeln, lean Leadership zu pflegen, oder uns gar selbst überflüssig zu machen, statt den wahren Machern im Wege zu stehen.
Noch sind wir stolz, dass sich die Sonne um uns dreht. Noch sehen wir die Erde als eine Töpferscheibe, die wir meinen mit unseren kleinen Füssen immer schneller um sich selbst drehen zu lassen, damit der große Töpfer uns mehr tönerne Gefässe töpfert, in die wir unsere Denk- und Hyperaktivitäts-An- und Abfälle entsorgen. (Leider aber landen diese nicht weit weg auf Gottes Kamin/Sims, sondern in Afrika, in Gorleben, in der Zukunft. Und tatsächlich, zum ersten Male stimmt dieser Satz: Wir sind diese Asse, für die wir uns halten.)
Politisch sollten wir als Digitale Gesellschaft auf die Beginner's Mind der Piraten schauen. Wir sollten von ihrem Vorrecht der jungen Partei lernen, sich neu zu erfinden, Fehler zu begehen, sich zu wandeln, kindlich neugierig zu sein - statt auf längst obsolete Positionen zu pochen.
Wenn wir denn wissen, dass es das Vorrecht der Jugend ist, progressiv, und das Vorrecht des Alters, konservativ zu sein, sollten wir uns bald entscheiden, wess Geistes Kind uns individuell am besten zu Gesichte steht. Denn es geht nicht um jung und alt, es geht um vor und zurück.
Businesswise muss die Digitale Gesellschaft NGO werden. Als GO bindet sie allzusehr die Trägheit der Schwerkraft G und die Dummheit der Null, die vorgibt ein O zu sein, an den Boden allfälliger, dennoch obsoleter Tatsachen (mehr dazu übrigens in meinem @wiwo-Post Was Unternehmen von NGOs lernen können).
Dicke, fette Nullen fühlen sich gleicher als alle anderen, beziehen Ehrensold, bilden Monopole und Kartelle des Ewiggestrigen, meisseln die Vergangenheit in Stein und Gesetze, sind zufrieden, dass eine Schallplatte die Kunde von unserer Existenz in ferne Galaxien trägt.
(Dies nur, da man ihnen klarmachte, die Schallplatte sei das Geschnitten Brot der Content Industrie. Dabei ist beides nur eine Scheibe, eine Scheibe.)
Der Digitalen Gesellschaft wird wohl die Digitale Revolution, und zwar im Analogen, vorausgehen müssen ... auch wenn mancher immer noch meint, wir hätten sie längst hinter uns.
* Es geht natürlich nicht um den Verein. Es geht um unsere Gesellschaft - da draussen und hier drinnen. Die Gesellschaft, die so langsam aber sicher digital wird.