Wow, damit hätte ich nicht gerechnet. Ich dachte, die Verleger wären sich selbst die Nächsten. Dabei werfen sie nun gar ihre Verlagshäuser in die Waagschale, um Deutschland an die Spitze der Internet-Nationen zu katapultieren.
Denn alles, was dieser Entwurf zum Leistungsschutzrecht sagt, ist:
Hört endlich auf, zu kopieren, liebe Blogossphäre. Hört auf, zu zitieren, hört auf, Euch über die Dummheit des organisierten Journalismus und seiner Paten lustig zu machen.
Verplempert nicht länger Eure Zeit mit Abschreiben und einem fruchtlosen Sich-Reiben an den aktuellen Zuständen des Journalismus. Ändert die Zustände lieber.
Hört auf, zu versuchen, die ersten zu sein, die eine News vom Spiegel rebloggen, retweeten, sharen.
Hört auf, Euch auf düstere Quellen des Boulevard und der traditionellen Intellektualität zu verlassen.
Fangt endlich an, dieses Internet und seine Möglichkeiten zu nutzen. Erhebt Eure faulen Hintern und werdet selbst investigativ.
Bleibt nicht das 73. Blog, das irgendwie seine Posts aus dem Netz zusammenklaubt.
Schreibt nicht aus der AMS, etc. ab, geht selbst zB zur Autoindustrie, schreibt Eure eigenen Geschichten - nicht nur wenn Ihr von Mercedes und Kollegen mit kleinen Geschenken und Probefahrten dazu eingeladen werdet.Werdet einzigartig. Werdet großartig.
Sucht Euch endlich ein Thema, einen Roten Faden, der Euch ausfüllt, für den Ihr rund um die Uhr kämpfen würdet.
Werdet Verlagsentrepreneure, erzeugt selbst 'Presseerzeugnisse', die wieder diesen Namen verdienen. Verändert die deutsche Presselandschaft, nutzt diese Chance, die Euch die Verlage hier bieten.
Der deutschen Blogosphäre kann nichts Besseres passieren als das neue Leistungsschutzrecht. Hut ab vor den Verlagen und der Politik, die uns endlich zwingen, wenn wir es schon nicht freiwillig tun, innovativ, relevant, distinktiv und einzigartig zu werden.
Ihr seht, die Verlage brauchen weder Euch, noch Google.
Versteht, dass Ihr auch die Verlage nicht braucht.
Versteht, dass die Verlage Euch genau dieses Geschenk machen wollen. Ohne dass sie dafür belohnt oder geehrt werden wollen. Sie sind wie Eltern, die ihre Kinder zur rechten Zeit auf die Straße setzen, damit diese endlich flügge, selbstständig und erwachsen werden.
Nutzt dieses Geschenk,
ehe die Verlage es sich anders überlegen.
Addendum:
Zum Urheberrecht: Lasst doch das Urheberrecht selbst wählen zwischen Mozart und Monsanto.
Und: Liebe Politik- und Content-Industrie: Der Remix ist die Seele von Kreativität und Innovation.
15. Juni, Klischka und Kollegen bei SPON:
"Der Gesetzentwurf sieht keine Verwertungsgesellschaft vor; jeder Verlag wird für sich selbst entscheiden, wie er sein Leistungsschutzrecht nutzt. Verlage könnten ja durchaus entscheiden, bestimmte Nutzungsarten explizit zu erlauben und so etwas Sicherheit schaffen.
Bekomme ich Ärger, wenn ich auf SPIEGEL ONLINE verlinke?
Nein. Sie können auch in Zukunft mit Überschrift und Textanriss auf SPIEGEL ONLINE verlinken. Und natürlich können Sie aus unseren Artikeln zitieren. Wir freuen uns darüber! Was wir allerdings wie schon bisher nicht erlauben, sind Kopien kompletter Texte oder wesentlicher Textpassagen.
Gilt das auch, wenn ich Google-Anzeigen in meinem Blog habe?
Auch dann."




