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Thursday, 14 June 2012

Comments

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ebertus

Meine Rede...

Bin ja dahingehend etwas gespalten in meiner bei Weitem noch nicht abgeschlossenen Meinungsbildung. Und daher gleich mal kurz den (eher) worst case; oder eben nicht. Es ist (auch) eine Chance, geradezu eine Aufforderung, parallele mediale Universen zu bilden, über den Tellerrand hinaus zu denken, selbst wenn es vordergründig wie eine Beschränkung aussieht, was da angedroht wird. Eben (nicht zuletzt) eine Chance...

Technisch via zunehmender VPN-Tunnel, TrueCrypt etc. und anderer Maßnahmen zur Verschleierung und Verschlüsselung von Kommunikation.

Betriebswirtschaftlich via absolutem NonProfit als Grundlage und jenseits jeglicher beruflicher und privater Verbindungen.

Inhaltlich via dem vollkommen eigenständigen Auf- und Abarbeiten von Themen, keinerlei Zitate, Verlinkungen, gar Einbettungen und bestenfalls mit indirekten Verweisen auf Google et al.

Und es wird mit Sicherheit kleine Verlage und Medien geben, welche sich dieser schlußendlichen, endgültigen Monopolisierung der veröffentlichten Meinung verweigern. Diese in geeigneter Form zu supporten sollte dann Pflichtprogramm derer im Paralleluniversum sein.

ralf

"Betriebswirtschaftlich via absolutem NonProfit als Grundlage und jenseits jeglicher beruflicher und privater Verbindungen."

Gar nicht.
Ich sehe zB Verlage, die dort nicht mitmachen. Sie werden zu den Gewinnern gehören, neben den Blogs, etc., die eigene Geschichten zu erzählen haben.
Er wird einfach eine Parallelwelt zur traditionellen Verlagswelt entstehen. Endlich. Forciert durch die Verlage selbst. Das typische Eigentor.

Es kann phantastisch werden ...

Michael Schneider

Das ist eine sehr naive Weltsicht. Übernimmt eine Zeitung Aussagen eines Bloggers fällt das ebenfalls unter das Gesetz.

Das hat dann zur Folge, dass ein Blogger der die Regierung kritisiert nur von einer Zeitung plagiiert werden muss und er muss seine von der Zeitung übernommenen Aussagen aus seinem Blog entfernen.

Ob diese Zeitung sagen wir mal eine Partei-Zeitung ist, die nur an Partei-Mitglieder verschickt wird oder nicht spielt dabei keine Rolle. Denkbar wäre auch eine Zeitung, die nur Verlagsintern an Mitarbeiter verteilt
wird.

Anders ausgedrückt das Gesetz kommt direkt aus dem gerade neu gegründetem Propaganda-Ministerium. Da merkt man doch wieder gleich das Merkel in einer Diktatur ihr Handwerk gelernt hat.

ralf

"Übernimmt eine Zeitung Aussagen eines Bloggers fällt das ebenfalls unter das Gesetz."

Das ist eine interessante These, aber ist das wirklich so? Ist das Blog des Bloggers nicht schützenswertes Presseerzeugnis?

Alex E.

@Michael Schneider: Nein, der Blog-Autor hat natürlich weiterhin sein Urheberrecht und kann die Übernahme in eine Zeitung ablehnen.
Aber ich sehe ein anderes Problem. Nämlich das faktisch die Möglichkeit der Autoren zur Zweitverwertung im Netz eingeschränkt bzw. ganz genommen wird. Und ab und an wäre ein Zitat aus einem Artikel gerade in Fachfragen schon sehr wünschenswert. Im Grunde dürfte man nicht mal mehr die Überschrift eines Artikels im Linktext ausführen. Und gerade bei Fachartikeln sehe ich eine saubere Quellenangabe als wichtig an.

ben_

Danke für den heiteren Arikel Ralf!

Es gibt noch eine weitere Hoffnung: Die Öffentlichrechtlichen. Die werden ja wohl kaum Blogger abmahnen, kommt ihr Geld doch woanders her. Vielleicht kann die Republik endlich lernen dieses unglaubliche Privileg zu lieben.

ralf

Der ein oder andere Verleger mit Hirn wird seine Chance erkennen und sich auf die Seite der Rebellen schlagen ...

noe

So richtig gefährlich wird das Ganze doch eh erst, wenn die Zeitungen die Portale dicht und kostenpflichtig machen.
Dann kann man noch nicht einmal mehr ausserhalb der geschlossenen Bereiche über Meldungen diskutieren, da dazu entweder ein bezahlter Zugang oder ein Komplett"zitat" des Artikels notwendig ist. Auf BILDBlog angewendet würde das zu einer Komplettblockade führen.

ralf

Ich glaube nicht.
Das wird eher in einem riesigen Chaos enden. Einem Chaos der Abrechnung, Kontrolle und Verwaltung.

Wer zB soll entscheiden, welches Wort im speziellen Falle dem Verlag gehört?
Wem gehört zB Niebel, Teppich, BND, Flugzeug, Geld, Zoll, Afghanistan? Dem Verlag, der heute drüber schreibt? Oder dem Verlag, der gestern drüber schrieb? Letzte Woche? Letzten Monat, letztes Jahr?
Oder gar uns allen? Da sie zu unserem (duden-gestählten) Wortschatz gehören??

Vinc

Hmm das bringt mich auf eine Idee.
Nutzung und Zitat für alle kostenlos
ausgenommen sind:
Bild, Bild am Sonntag und alle angebundenen Medienhäuser der Axel Springer Medien Gruppe. Hier beträgt die Lizenz pro verwendetem Wort 50cent, Verlinkung 100€

*fg*

ralf

Ah, jetzt kommen wir langsam auf die Essenz, sehr gut!

Sebastian

Ähm ja. Interessant.

Ihnen ist schon klar dass zitieren zur wissenschaftlichen Arbeit dazu gehört, oder? Und dass eine Karikatur oftmals nur funktioniert, wenn sie dem Quellmaterial ähnelt und Teile der Aussagen übernimmt.

Und Links? Links SIND das Internet. Es steckt schon im Wort drin. Was ist ein Netz ohne Fäden?

Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wie ich den Beitrag hier einschätzen soll. Ist das jetzt Polemik, Sarkasmus, Ironie oder Dummheit?

Tobias

Interessant finde ich dabei Zitate aus dem wissenschaftlichen und schulischen Umfeld. Gerade bei wissenschaftlichen Publikationen oder bei schulischen Arbeiten (Refarate, Vorträge) sind Zitate mit der Ursprungsnennung nicht nur verbreitet sondern sogar "quasi" gefordert. Man stelle sich nur die Flut an Zitat-Erlaubnis-Anfragen und die Menge der Recherchearbeiten, zur Findung des tatsächlichen Rechteinhabers, vor die alleine aus dem wissenschaftlichen und schulischen Bereich über die Verlage hereinbrechen würde. Und wenn dann gesagt wird, zu Bildugszwecken sei es erlaubt, wer will meinem Blog absprechen nicht das Ziel, sagen wir, politischer Bildung zu verfolgen?

Irene

Also bis auf die Autos hab ich das alles schon gemacht - vielleicht kann ich mich ja deshalb nicht über das große böse Thema aufregen, sondern mich nur bisschen über alles wundern.

Gabriele_Kaufrausch

Das mit den Links verstehe ich aber überhaupt nicht. Entweder optimiere ich die Links für die Zweitverwerter (Suchmaschinen, Sonstige) oder ich stelle deren Nutzung für ein Jahr unter den Vorbehalt der Lizensierung.
Künftig dürfte es dann nur noch "www.links.de/Artikel-0999w3" geben, damit überhaupt noch jemand über den Inhalt reflektieren kann. Mal sehen, ob in dem Punkt wenigstens konsequent gehandelt wird.
Wenn ich mir den iRights-Artikel zum Thema ansehe, werden die Gerichte mal wieder im Nachhinein einiges kassieren, was da in Rede steht. In der Frage der Schöpfungshöhe (z.B. anhand von Links) muss man dann schon eindeutig auftreten, sonst wird das nichts.

Gabriele_Kaufrausch

Übrigens kreativ werden schön und gut: Unter deinen letzten 6 Posts in diesem Blog sind drei, die hauptsächlich aus direkten Zitaten bestehen.
Schließt das o.g. Credo diesen Blog mit ein? Dann mal los ;-)

Marco

Interessante Perspektive. Ein wenig tut mir die alte verkrustete Verleger-Klasse leid - das ist sowas wie das letzte Aufbäumen gegen den großen Feind Internet. Pfeifen.

http://www.thepersonalist.de/2012/06/das-leistungsschutzgesetz-gema-fur-google/

ebertus

Schlußendlich kann dieses Abschotten der Verlage als Chance gesehen werden, dem auch bei Bloggern immer wieder gern als "notwendig" eingeforderten Qualitätsjournalismus eine Absage zu erteilen, ohne diesen subtilen Druck kreativer und individueller zu werden. Weil das, was in den letzten Jahren und gerade im medialen Mainstream Einzug gehalten hat, das ist der sprachlich ähnliche, meist politisch korrekte Verlautbarungsjournalismus zum alternativlosen Sachzwang in zunehmend informeller Ähnlichkeit bis gar Gleichheit in Wort und Bild.

ralf

Ja, darauf bin ich auch gespannt.

ralf

Gut beobachtet!
Aber kein Zitat aus dem verlagsdeutschen Sprachraum. Entweder aus USA, etc. oder von den (hoffentlich weiterhin) in diesem Sinne unverdächtigen Heises. Oder hab' ich was übersehen bei den letzten Posts!?

ralf

Und der muss eben geschützt werden.
Da muss man den geistlosen Verleger und den von ihm abhängigen Politiker schon verstehen. Nur wählen muss man ihn nicht mehr. Weder am Kiosk, noch an der Wahlurne.

ebertus

Wer kennt sie nicht, Martha, 9, aus Payne in Schottland...

In der mir gegebenen, sicherlich beschränkten Art eines Hobbybloggers versuche ich, dem neuen LSR vorauseilend gerecht zu werden. Mein kleiner Text zu der mittlerweile verbotenen Dokumentation "Unlike U" enthält keine Zitate, keine Links auf das Corpus Delicti und lediglich zwei Links auf andere Blogs (von Anwälten, denn die sollte am Ehesten auch zukünftig wissen, wie mit dem LSR umzugehen ist), ansonsten eben eigene Gedanken.

Bis hin zu diesem, dahingehend passenden Nachtrag bezüglich dem Vergehen gegen das Eigentum von Martha; im beinahe Mutterland von John Locke...

http://notina.net/c9

Btw. und inwieweit sog. global player wie google und youtube ihre Suchergebnisse möglicherweise "kreativ" nachbearbeiten, das sei ein anderes Thema.

ralf

Aber Martha darf doch wieder ...

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