Die Banken werden bald wohl wiedermal mit hunderten Milliarden innerhalb kürzester Zeit gerettet, während wir für alles andere ungefähr unendlich viel Zeit haben - und uns dann, zu allem Überfluss, auch noch köstlich darüber amüsieren.
Natürlich ist das unheimlich witzig, dieses Werk von McDonald's, und natürlich muss McDonald's uns von der grausamen Realität mit glücklichen Kühen ablenken.

Via jaymug.
Aber müssen sie wirklich? Könnten sie, statt uns mit Werbung abzulenken, nicht einfach ein besseres Produkt herstellen? Andere, wie der diesjährige Sieger des Goldenen Löwen in Cannes, schaffen das doch auch, wie ich in McDonald's - Mein Zehn-Jahres-Boykott (Wirtschaftswoche) berichte:
"Während McDonald's also von seinen Farmern verlangt, dass diese innerhalb von zehn Jahren ihre Schweine besser als heute behandeln, ist genau dies für den diesjährigen Cannes-Grand-Prix-Gewinner Chipotle seit mehr als zehn Jahren Realität!
Chipotle bemüht nicht einmal das (Marketing-)Bullshit-Bingo wie McDonald's , sondern sagt einfach wie es ist: 'Schweine, die wie vor 50 Jahren aufgezogen werden, ohne Antibiotika, vegetarisch, leben glücklichere, gesündere Leben und produzieren das beste Fleisch, das wir je gegessen haben. Seit 2001."
Und warum dauert es eigentlich 10 Jahre, die McRib-Schweine zu retten? McDonald's kann doch auch jede Woche ein anderes witziges Menue mit irgendeinem anderen Witzigmann zaubern!?
Oder warum brauchen zB die Chinesen 3 Jahre, um ein Haiflossen-Verbot durchzusetzen? Sie schaffen es doch auch, in wenigen Stunden hunderte Worte aus ihrem Internet zu entfernen!? Hören etwa die parteiunteren Präfekten nicht auf die parteioberen Perfekten??? Lesen sie deren Mails nicht, befolgen deren Befehle nicht?

Via sustainablesam.
Oder ist etwa die Brutalität, mit der die Flosse gewonnen wird, der besondere Kick?
"When the sharks are caught, their fins are cut off while they are alive and then their bodies are tossed back into the water. Since sharks breathe via ram-jet ventilation (constantly moving forward to pass water over their gills) without fins they sink to the bottom, and unable to swim, they drown".

Zitat und Bild via discoverynews.
Vielleicht. Vielleicht ist es der Kick. Schließlich echauffieren wir uns auch weitaus mehr, wenn die Chinesen innerhalb von 4 Jahren 36 Millionen Menschen verhungern lassen, als dass wir alle zusammen uns darüber aufregen, dass wir alle zusammen auch alle 4 Jahre 36 Millionen Menschen auf der Erde verhungern lassen.
Vielleicht wird es Zeit, dass die Medien einfach mal von diesem alltäglichen Terror berichten, der ganz ohne Bomben auskommt und die Welt schleichend vernichtet, statt mit einem lauten Knall.
Vielleicht würden wir aufschrecken, wenn wir den Bericht des DeutschlandRadio Kultur(!) nicht über China, sondern über das alltägliche Drama allüberall außerhalb unseres achso erstweltlichen Glashauses läsen:
"Die Nicht-Privilegierten vertilgten von Lehm über Wurzeln bis Vogelkot alles Essbare und Nicht-Essbare. Eltern töteten ihre Kinder, um sie zu braten, und umgekehrt. So mancher überlebte, weil er genügend unbegrabene Hungertote fand."
Vielleicht.
Vielleicht wollen wir auch einfach nicht. So wie manche Konzerne einfach nicht wollen ...
"... erklärte der Großkonzern, dass er leider nicht dazu in der Lage wäre seine Fleischlieferanten so konsequent zu kontrollieren, dass er Gentechnikfreiheit gewährleisten könne. Das ist merkwürdig. Wieso kann der Konzernriese nicht das, was immer mehr Molkereien können: Von ihren Lieferanten Gentechnikfreiheit verlangen?
Die Antwort ist klar: McDonald’s verwechselt „Können“ mit „Wollen“, und um das nicht zugeben zu müssen, tischt er uns faule Ausreden auf." - foodwatch-Newsletter
... wie auch viele Politiker einfach nicht wollen, können täten sie schon. Wir müssen es ihnen nur sagen - zB dass sie nicht unser(!) ganzes Geld in Banken oder Waffen stecken sollen:
"Man muß sich tatsächlich für jeden einzelnen Politiker da draussen, für jede Partei, für jeden Manager einer Waffenschmiede dieser Liste fremdschämen. Mir ist schlecht.
Dies sind die wirklichen Schurken, die wahren Terroristen, die ihr Volk töten, ihre Landsleute verhungern lassen, von wahren und 'demokratischen' Diktaturen auf der ganzen Welt profitieren ..." - Militärausgaben: Liste der Schurken-gegen-die-eigene-Bevölkerung-Staaten, policlinique
Vielleicht.
In diesem Sinne: Get well soon!




