BMM (Bernd M. Michael) sagte es vor vielen Jahren, und es machte einige (damals noch) verrückt: 1. Ziel und Aufgabe einer Werbeagentur ist es, Geld zu verdienen.
Heute ist dies umso klarer, haben sich die alten Mythen der Persönlichkeiten, Ecken und Kanten, der Genies und Wahnsinnigen in Management und Kreation doch längst überlebt und oft auch selbst ad Absurdum geführt. Die Stellvertreter Cäsars aus dem Rom der Werbeindustrie (liege es heute in Paris, London oder New York) haben die Herrschaft übernommen.
Das ist sehr schade, wenig sinnvoll und vor allem kontraproduktiv, denn wirklich relevant sind nur die Nägel, die - in Umkehrung des japanischen Sprichwortes - herausragen, und nicht jene, die längst wieder eingeschlagen wurden, zurück ins Glied, in die Gleichförmigkeit, in die Bedeutungs- und Aufmerksamkeitslosigkeit.
Agenturen, die von Managern, und nicht von Unternehmern geführt werden, scheinen verdammt, in dieser gleichmacherischen Erfolglosigkeit zu versinken - jedenfalls nicht durch überragende Kreativität, distinktive Medien-Virtuosität oder 'Taten statt Monologe' aufzufallen.
Diese Agenturen müssen sich einen bedingungslosen Wettbewerb um Preis, Rabatte und die Minimierung der eigenen Honorarlatte begeben - ein Limbo, der meist mit dem Bruch des eigenen Rückgrates endet. Die Folgen liegen auf der Hand.
Wie aber soll die Agentur dies merken, ist sie einmal in diesem Teufelskreis gefangen? Immer schneller muß sie werden, hyperaktiv wird sie automatisch, auf immer mehr Hochzeiten tanzen, immer mehr Werbemittel ausspucken, in immer minderer Qualität, kann sie sich die beste Qualität längst nicht mehr leisten - aus Zeit und Geld-Gründen, Kosten-Erwägungen, Chancen-Abwägungen. Da bleibt am Ende nichts, keine Kreativität, kein Mitarbeiter, kein Kunde, kein Erfolg.
Erhöhte Erregbarkeit, Impulsivität, ist die unausweichliche Konsequenz. Impulsivität, die das Klima vergiftet, in der Agentur, und beim Kunden. Impulsivität, die sensibel macht, das Management leicht an die Decke gehen läßt, und den Mitarbeiter zum Wettbewerb, vom Regen in die Traufe.
Brutale Konzentrationsschwäche ist die Folge. Das Wesentliche der Vision ist längst über Bord, es geht um das nackte Überleben. Jeder Auftrag wird angenommen, koste er, was er wolle. Die Zukunft der Medien oder der Werbung und Marken kann einen nicht mehr jucken, wenn die Bettläuse längst an der Decke nagen.
Das kann 'problemlos' - aber auch ohne jeglichen Spaß - jahrelang so gehen. Macht das Sinn? Ist das im Sinne der Kunden, der Marken, der eigenen Mitarbeiter, der eigenen Gesundheit, Erfüllung und Vision?
Wie begeistert, motiviert war man am Anfang, als die distinktive Positionierung stand, man noch wußte, was zu tun ist, man den Wald trotz lauter Bäumen noch sah, man den Durchblick und Weitblick hatte ...
... tatsächlich hat man sich selbst verloren, seine Mitte verloren, sie dem schnellen Profite geopfert, dem Imagekunden auf den Altar gelegt, dem Network unterwürfig geopfert.
Die Werbung braucht dringend ihre Revolutionäre zurück, braucht die Revolution, braucht wieder die Persönlichkeiten, die Ecken und Kanten, die Genies und Wahnsinnigen in Management und Kreation. Braucht die Unternehmer, die wieder etwas wagen, die die Regeln brechen und Spiel und Spielfeld neu definieren. Braucht kreative De/Konstruktion. Sonst wird es nämlich auch nichts mit BMMs 1. Ziel jeder Agentur!