(Note to self: Da sich durch das gestrige 'klärende' Interview nichts klärte oder gar änderte, die InterviewerInnen Schausten und Deppendorf nur schausten und deppendorften, habe ich diesem Text auch nichts hinzuzufügen.)
Was Bundespräsident Christian Wulff und den Papst verbindet?
Zuersteinmal, dass es weder 'mein' Bundespräsident, noch 'mein' Papst ist. Zu 'mein' will ich aufblicken können. Aufblicken zu Menschen wie meinem Vater, der mit 85 Jahren mehr Eier in der Hose und Integrität in Herz, Hirn und Bauch hat als Herr Wulff in seinem ganzen Leben bewies. Aufblicken zu Menschen wie meiner Schwester, meiner Freundin. Aufblicken zu meiner Mutter, die lange Jahre mutig gegen ihren Krebs kämpfte und schließlich stolz und erhobenen Hauptes verlor - aber sie hatte gekämpft, verdammt nochmal. Sie war nicht abgewichen von ihren Lebensmaximen wegen dieses 'bißchen Krebses'.
Selbst noch in den Spiegel schauen können, das ist das Wichtigste, die eigene Würde bewahren für sich selbst. Selbst Überlebende aus KZs haben dies als überlebensnotwendig empfunden. Die Herren aber ...
Zweitens, Herr Wulff hat bereits vor langer Zeit die Stufe der eigenen Kompetenz überschritten. Höchstwahrscheinlich in dem Moment als er entschied, etwas Besseres sein zu wollen als die normalen Menschen, dies aber auf ihrem Rücken erreichen wollte, da er einsah, es anders nicht schaffen zu können.
So wie der Papst nur Papst, Stellvertreter Gottes auf Erden werden, nicht aber tatsächlich in die Schuhe des Fischers treten wollte. Bei beiden ging es immer nur um ihn ihn ihn, nur um sich selbst drehte sich alles. Nie um die anderen.
Drittens, und viel schlimmer: Beide haben keine Phantasie, beide haben keine Vision. Beide haben einfach nicht verstanden, was sie mit der Macht (im positiven Sinne) dieser Position für ihre Welt (Deutschland, die Demokratie an sich bzw. die Katholische Kirche) hätten bewegen können.
Viertens: Beide hätten Zeichen setzen können. Beide hätten sich an die Spitze einer Bewegung stellen können, beide hätten ihre Welt zum Besseren wenden können. Beide hätten inspirierend vorbildlich vorangehen können. Beide hätten einerseits die Demokratie, andererseits die Katholische Kirche reformieren können - also nicht im Merkelschen Sinne nur 'die Mitgliedschaft verteuern', sondern reformieren im Sinne von revolutionieren.
Die Menschen wären ihnen gerne und engagiert gefolgt. Die Herren hätten nur etwas sagen müssen, stattdessen redeten sie bloß.
Fünftens: Beide hätten Taten - statt leerer Worte - sprechen lassen können. Herr Wulff hätte in seinem Umfeld handeln können, hätte Initiativen für eine transparentere, offenere Demokratie anstoßen können, hätte Anti-Lobbyismus und Anti-Korruptions-Projekte anstossen können ... nun, jetzt wissen wir, warum er es nicht tat, dieser Wulff im christianschen Pelze.
Der Papst hätte mit einem Fingerzeig den Hunger in der Welt beseitigen können, Geld genug hat er ja.
Aber um mich hier nicht zu wiederholen:
Steve Jobs und der Papst: Prioritäten!,
Warum Gott nicht mehr an den Papst glaubt,
Warum Gott nicht mehr an den Papst glaubt [Iconic].
Der Papst - wie titelt tagesschau.de so schön - "hofft auf die Jugend als Baumeister des Friedens". Warum "baut" er ihn nicht selbst? Er säht doch Unfrieden allüberall, wo er hinkommt mit seinen langen katholischen Armen. Er hätte den Frieden in der Hand, in jeder Kirche und jedem Ort, in dem seine Jünger Kinder schänden, in jedem Ort, wo sich Gläubige wegen ihres Glaubens ermorden, in Israel und Palestina, könnte Leben täglich retten in Afrika und auf allen Kontinenten. Just like that. Darüber sollte man als Christ mal nachdenken.
Sechstens: Beide haben schlichtweg versagt, beide haben das Amt so beschädigt, wie die Amtsinhaber zuvor auch. Lange hat es keinen guten Papst und keinen guten Bundespräsidenten mehr gegeben.
Beide sind gewählt worden aus kurzsichtigen Interessen, aus Eigeninteressen, aus Macht- und Status Quo-Erhaltungs-Gründen - nicht nur ihrer eigenen, sondern ihres kompletten Umfeldes, anders ist soetwas kaum möglich.
Siebtens: Nicht nur haben sie selbst versagt und die jeweiligen Ämter arg beschädigt, sondern sie haben auch den besseren Mann, die bessere Frau verhindert mit ihrer Kandidatur, ihrem Egoismus, ihrem Macht- und Geltungsdrang. Und das nervt mich am allerstärksten.
Bis in die höchsten Ämter hinein sind wir eine korrupte, extrovertierte, egoistische Gesellschaft geworden, der jede Moral und Ethik abhanden gekommen ist - oder sind Religion und Politik heute nicht Spiegel der Gesellschaft, in der sie leben?
Tja, eigentlich sollten Religion und Politik der Gesellschaft aktiv ihren Stempel aufdrücken. In unseren Zeiten tun sie dies passiv, gleichgültig, beiläufig.
... jede Moral und Ethik soweit abhanden gekommen ist, dass wir nichtmal mehr deswegen auf die Straße gehen, sondern hier vor unseren Rechnern sitzen und auch wieder nur schlaue Worte faseln und lesen von einer besseren Welt, statt endlich aufzustehen und zu handeln!
In diesem Sinne: Get well soon, 2012/13!
Addendum
Na, geht doch: Demo gegen #Wulff - Samstag 14:00 bis 16:00h vor dem Schloss Bellevue - "Wulff den Schuh zeigen", via @SebJabbusch.







