(Die Überschrift ist keine Anklage Thomas Knüwers. Im Gegenteil, Thomas ist hier Beispiel im positivsten Sinne.)
Vetternwirtschaft, Klüngel
Wie oft habe ich mich schon aufgeregt, wenn wiedermal ein Politiker in Wirtschaft oder Verband hinein wechselte und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in einer Branche auftauchte, für die er gerade ein äußerst positives Gesetz verabschiedet oder ein sehr profitables Geschäft abgewickelt hatte? Zu oft.
Diese Wechsel sind immer problematisch, denkt man, denn hier treffen sich zwei Interessen auf Kosten eines Dritten, des Bürgers, Steuerzahlers, Übervorteilten, der erst durch den Wechsel über die Moral des Protagonisten nachzudenken beginnt.
Die Wirtschaft bedankt sich beim Politiker. Im Zweifel stand schon lange vor dem ersten 'Gefallen' fest, dass eine Hand gefälligst die andere wäscht (und beide zusammen ihre dann wieder in Unschuld), sonst hätte es den 'ersten' Gefallen gar nicht gegeben.
Szenenwechsel
Nun gibt es genau diesen Wechsel bei Thomas Knüwers kpunktnull.
Thomas bekommt einen Partner, den er zuvor als Kunden betreute.
Der irritierende Gedanke
Warum denke ich nicht eine einzige Sekunde darüber nach, ob dieser Wechsel ein Geschmäckle hat?
Warum kommt mir genau dieser Gedanke hier überhaupt nicht, bei jedem Politiker aber augenblicklich und reflexhaft in den Sinn?
Warum ist nicht jeder Politiker über jeden Zweifel erhaben? Warum ist nicht jeder wirtschaftliche Partner der Politik über jeden Zweifel erhaben?
Warum machen wir uns nur bei einem Protagonisten-Mix aus Wirtschaft und Politik Gedanken, nicht aber bei 2 Wirtschaftlern oder 2 Politikern, die sich partnerschaftlich verbinden?
Es ist für mich immer wieder irritierend, wie weit es Politik und einige Großkonzerne inzwischen auf diesem Vertrauenskontinuum gebracht haben. Im negativen Sinne - denn nichts ist mehr übrig von einem Vertrauensvorschuss, den Politik oder einige Großkonzerne einmal besaßen (Warum ich 'einige Großkonzerne' sage? Weil andere dieses Gebaren kategorisch ausschließen.).
Mir fällt auf Anhieb kein einziger Fall ein, der mit Wohlwollen vom Bürger aufgenommen wurde. Gibt es diese Fälle denn gar nicht?
Oder spielen die in unseren Gedächtnissen keine Rolle, weil sie so gar nicht unseren Erwartungen entsprechen? Wollen wir vom Politiker enttäuscht sein? Ist das unsere Rache für seine Vorteilsnahmen, seinen Klüngel, seinen Verrat an dem Mandat und Vertrauen, das wir ihm schenkten?
Dabei stelle ich mir das immer so ideal vor: man lernt sich kennen, man lernt sich schätzen, man teilt gemeinsame Werte, Überzeugungen, Ziele. Man ist sich einig über den Weg. Man merkt, dass man gemeinsam mehr schafft als alleine. Und dass es gemeinsam mehr Spaß macht. Dass man neue Wege beschreitet, neuen Grund betritt und neue Horizonte entdeckt. Dass man ein Abenteuer gemeinsam angeht und erlebt. Dass man über alles reden und alles wagen kann.
Kein Wunder, dass man da gemeinsam noch mehr bewegen will.
Die politisch-wirtschaftliche Realität
Warum können nicht einfach zwei, die sich zuvor gut verstanden haben, auch später, in neuen Karrieren freundschaftlich und konstruktiv zusammenarbeiten?
Die Realität da draussen scheint eine andere. Es geht um Vorteile, Egoismen, falsche Freundschaften, schnelle Geschäfte.
Die Lösung?
Helfen könnten da Transparenz und Offenheit. Helfen könnte die Abschaffung der Hinterzimmer, der Geheimverträge, der durch Sponsoring kaschierten Parteifinanzierung.
Helfen könnte ein Stopp der undurchsichtigen Mitarbeit der Privatwirtschaft an Gesetzen, Vorlagen, Empfehlungen.
Helfen könnte der Nachweis von Kompetenz, Rückgrat, Gradlinigkeit beim Politiker.
Helfen könnte, dass Politik wieder Berufung und Lebensaufgabe des Politikers wird, nicht nur MIttel zum Zwecke, Lobbyisten-Praktikum und Trittbrett für die Karriere in der Wirtschaft.
Helfen könnte der Respekt der Wirtschaft vor dem politischen Amt. Helfen könnte das unzweifelhaft moralisch-ethische Vor-Leben dieses Amtes durch den Politiker.
Helfen könnte eine Kultur der Vertrauensarbeit aller Politiker. Helfen könnte die Ächtung bestimmter, schädlicher Verhaltensweisen - und ihrer Protagonisten.
Helfen könnte, dass Politiker sich wieder einem Gewissen verpflichtet fühlen, das diesen Namen auch verdient.
Das Protegieren der Ahnungslosen in unseren Parlamenten schadet Politik, Wirtschaft, Investoren und Gesellschaft gleichermaßen. Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, dass wir allein das Positive in solch einer Verbindung sehen können. So wie wir dies bei Thomas Knüwer sehen können. Auch wenn wir ihn eigentlich gar nicht kennen, ihn - wie zB ich - nur einmal auf dem Podium unseres The Third Club gesehen haben.
Lasst uns einfach wieder Vertrauen in Politik und die entsprechenden Teile der Wirtschaft haben. Erweist Euch dieses, unseres Vertrauens doch einfach wieder würdig, liebe Politik (und entsprechende Teile der Wirtschaft).
(Ich weiß, dies trifft Politik und einige Großkonzerne nicht mehr wirklich, da sie längst ausgesorgt und sich von der Gesellschaft in eine rosarote Parallelwelt hinein verabschiedet haben, die sie 'repräsentative' Demokratie nennen ...)