195 posts categorized "ERSTE HILFE!"

Friday, July 10, 2009

vodafone: Wir haben nichts verstanden

(Kontinuierliche Updates siehe am Ende des Posts!)

Wie muß man sich das vodafone-Innenleben nach der Katastrophe ("Kurze Kritik der vodafone-Pressekonferenz") vorstellen? Kann man, kann ein Manager, kann ein Unternehmen Fehler öffentlich zugeben? Kann man zurückrudern? Kann man aus seinen Fehlern lernen?

Nun, da genau das die einzige Aufgabe eines Unternehmens ist (die Adaption unvorhersehbarer Entwicklungen, die Antizipation sich abzeichnender Entwicklungen, das Dem-Wandel-Vorangehen), sollte dies nicht nur möglich, sondern leichteste Übung sein. Allein die Realität sieht meist anders - oft diametral - aus.

Diagnose

vodafone zB hat vieles richtig gemacht, in den Details zumindest, auf diese einzugehen wäre müßig. Denn es hat zwar wenig, aber just in den kriegsentscheidenden Disziplinen (der Strategie und dem Selbstverständnis bzw. der Selbstverständlichkeit einer überkommenen Marketing-Definition) falsch gemacht, sodaß die gesamte Aktion (PK und Markenkampagne) als Katastrophe enden mußte.

Gelungen wäre der Coup nur, wenn man nicht die Intelligenz via Livestream in den Raum gelassen hätte. Bei der Presse allein hätte man leichtes Spiel gehabt, sie ist nicht der Konsument, sie will nur Schnittchen, für die man 'keine Kosten und Mühen scheute', sie stünde über den Dingen und würde hofberichterstatten.

Die Internet-Community, wie sie so schön genannt wurde, jedoch will keine marketing-technischen oder werblichen Wolkenkuckucksheime, sondern reale Leistung, realen Mehrwert (vor allem, wenn dieser Mehrwert auch noch eine Säule der Strategie sein soll).
Sie will keine Lady-Schnutinger-Sascha-Lobo-Gaga-Testimonials, sondern Nutzen und Service, Authentizität - und nicht werblichen Klamauk.

vodafone machte den Kardinal-Fehler, den Marketing und ein unaufmerksamer CEO/Geschäftsführer nur machen können: das Marketing stülpte der Marke und dem Unternehmen ein - anscheinend unabgesprochenes, unvorbereitetes und in seinen Konsequenzen noch gar nicht verstandenes - neues Geschäftsmodell über: die "Generation Upload"!

Denn diese Fokussierung des Upload hat empfindliche Implikationen: mit der Pressekonferenz hätten die Datenvolumen- und Bandbreiten-Begrenzungen fallen müssen! Die Upload-Geschwindigkeiten hätten merklich steigen müssen! Man hätte neue Tarife, vor allem eine Entwirrung des Tarifdschungels, vorstellen müssen. All das ist nicht passiert. Die beste Marketing-Tarnkappe macht aber ein ansonsten schlechtes Geschäftsmodell nicht unsichtbar!

Man kann zudem nicht immer noch auf dem ältesten Traum des Marketing ("Nur mit meinem Produkt kannst Du Dich selbst verwirklichen!") herumreiten, da dieser erstens total ausgelutscht ist, weil letzte Zuflucht eines ubiquitären, generischen Produktes/Marke, und zweitens nicht glaubwürdig gegenüber einer wissenden Zielgruppe.

Therapie

Ein phantastischer, überlebensgroßer Marketing- und Authentizitäts-Knall könnte nun sein, die Kampagne einfach einzustampfen! Das hört sich natürlich für den seriösen Marketer wie absoluter Schwachsinn an, das verstehe ich. Tatsächlich aber wäre es die einzig adäquate Reaktion auf die Geschehnisse der letzten Tage. Der PR-Effekt alleine wäre unbezahlbar - ebenso wie der Image-Effekt in der engen 'Upload'-Zielgruppe! Die weitere Zielgruppe hat eh noch nichts bemerkt, würde Ehrlichkeit aber ebenso goutieren!

Slogan der neuen Kampagne: WIR HABEN VERSTANDEN!

Die Blogger C-Lebrities werden entfernt! Das Produkt wird fundamental verändert - so wie es die Kampagne eigentlich verspricht!

Man würde aus den vodafone-Outlets heraus auf die Straße gehen und die Menschen wirklich erreichen - mit 200 Millionen Euro sollte das möglich sein und hätte einen größeren Impact (vor allem PR-mäßig) als die Coca-Cola-Lätta-Volksbanken-Kampagne von Scholz & Friends of traditional Advertising.

Prophylaxe

Es nutzt nichts mehr, sich selbst am letzten positiven Strohhalm festzuklammern, der auch noch seine eigenen Ziele verfolgt ("Vodafones Social Media Engagement: Vodafone hat alles richtig gemacht."). Man sollte sich nun nicht auch noch für alle offensichtlich hinter diesem einen Strohhalm verstecken ("Reaktionen auf die LivePK").

Man sollte sich nach vorne wagen und die Kommentare ernst nehmen: "... Einfache, sinnvolle Tarife und bitte: Lasst, wenn ihr einen Tarif für die Einwohner des Netzes macht, auch deren Prinzipien einfließen, allen voran Freiheit: Schreibt uns nicht vor ob wir IM oder VoIP nutzen dürfen. Unter einer Flatrate fürs Netz stellen wir uns eine echte Flatrate (und nicht die 5GB-Gängelung) vor, die alle Webdienste ermöglicht. Die Nutzung des Handies als Modems sollte selbstverständlich sein. ...".

Man sollte endlich neidlos anerkennen, daß die anvisierte Community weiter gedacht hat als man selbst ("Wer ist die Generation Upload?").

Dies anzuerkennen ist übrigens kein Eingeständnis der eigenen Dummheit, sondern zeigt gerade die Intelligenz, Intuition, und Empathie, die Marke, Marketing und Unternehmen dringend brauchen, um in den heutigen Zeiten bestehen zu können, die von Ungeduld, Unabhängigkeit und Individualität des Konsumenten geprägt sind.

In diesem Sinne: Get well soon!


(Hier (nur zur Erinnerung) Internet-Volkes wahre Stimme (aus meinem Post "Kurze Kritik der vodafone-Pressekonferenz"):

UPDATE 09. Juli

08:17 Uhr > Weitere authentische Posts, die die Stimmung gut zusammenfassen: "vodafone rohrkrepierer 2.0", wirres.net, "Es ist deine Zeit: Die Helden der Generation Retweet", brainblogger, "Kampagnenstart bei Vodafone: Testimonial mit Risikopotential", pr-fundsachen, "Es ist Beine breit", Don Alphonso, "Vodafone sucht die Generation Upload", PRlen.

> Die Beratungsgeier kreisen schon und buhlen um einen vodafone-Auftrag: "Vodafones Social Media Engagement: Vodafone hat alles richtig gemacht. Aber wer hat sie beraten?" (auch in den Kommentaren)".

15:56 Uhr > Die Sicht des Profis auf die PK: "Vodafone und die Generation Mix-it-baby", bei Thomas, Indiskretion Ehrensache. Die Käuflichkeit und Janus-Köpfigkeit der sogenannten (selbsternannten!?) A-Blogger: "Die Zensursula-Debatte hat sich erledigt", chris, fixmbr.

18:10 Uhr > Sieben Hausaufgaben, die vodafone erledigen muß, damit das vollmundige Versprechen auch Realität wird: "Vodafone goes Web 2.0 Wer geht mit?".

23:20 Uhr > Wie enttäuschend, vodafone hat nichts verstanden und verlinkt allein den mehr oder weniger einzig positiven Post, nämlich typischerweise den, den ich oben als 'Beratungsgeier' charakterisiert hatte, als "Reaktionen auf die LivePK". Schade, soviel Ignoranz hatte selbst ich nicht erwartet.)

UPDATE 10. Juli

13:55 Uhr > Nico Lummas Darstellung eines beliebigen Pitches, Tagesgeschäfts, Vorgehens einer traditionellen Agentur am Beispiel vodafone: "Generation Upload und der Dialog".
Schade, aber Realität: Fokus auf Werbung - statt auf Produkt, Nutzen, Services und Lösungen für die Konsumenten. So kann Kommunikation nicht mehr funktionieren!

15:29 Uhr > Mark Pohlmann macht anderen Unternehmen Mut, nun nicht in Angststarre zu verfallen, sondern es einfach besser als vodafone zu machen: "Das Medium als Botschaft".
Mir ist dabei wichtig, daß man sich nicht holterdipolter in neue Abenteuer stürzt (und erst beginnt, zu lernen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist), sondern inhaliert, individualisiert (auf Marke, Unternehmen, Geschäftsfeldstrategie und eigene Zielgruppe), übt und interative Prozesse einführt, statt direkt aus allen Rohren, die einem empfohlen wurden, beginnt, auf Online-Spatzen zu schießen.

Der Don: "Das angeblich originale Vodafail-Blogposting". Wie immer auf den Punkt und leicht darüber hinaus!

19:06 Uhr > Ein sehr schönes und konstruktives Schlußwort für diese aufregende Woche von @luebue: "Das sieht man es ja mal wieder". Danke Dir.

23:22 Uhr > Aber einer geht noch. Die Antwort auf Nico Lumma: "Generation Upload und der Dialog (übersetzt: shit happens)", felix, wirres.net.

23:59 Uhr > Einer noch: "Das Vodafone Desaster", chris, fixmbr.

UPDATE 11. Juli

17:26 Uhr > Zwei wundervolle Texte zum Einstieg ins Wochenende: die kraft und die herrlichkeit in ewigkeit amen, reisenotizen aus der realität, und der Don in der FAZ: "Vodafone lädt auf und eckt an".

23:36 Uhr > Was ein Kindergarten! Nico Lumma versucht sich immer noch zu exkulpieren. Siehe Kommentare unter Cems "Vodafone. Old School.". Was gibt es da noch zu telephonieren und zu erklären. Wir waren live dabei und sehen das Ergebnis. Lummaland ist abgebrannt (spätestens seit dem SPD-Zensur-Online-Beirats-Debakel) und bleibt auf diesem Stand (gerade und besonders nach vodafone.
Das Rückgrat ist das, was uns aufrecht erhält.

23:56 Uhr > "Ein Taktiker auf dem Weg zum Grab", Kausch & Friends.

Die Fortsetzung und weitere Updates: "vodafone: Wenn der Blauäugige auf den Einäugigen trifft".

Tuesday, July 07, 2009

Tim Ferriss: How to Build a High Traffic Blog without Killing Yourself

Nicht nur, wer sich in der Mittagspause langweilt, sollte sich die folgenden 50 Minuten nicht entgehen lassen. Tim Ferriss, Autor der "4 Hour Workweek", gibt hier Tipps für ein erfolgreiches Bloggen, die manchmal kontraintuitiv und deshalb besonders wertvoll sind:

Thursday, July 02, 2009

Ganz schön mutig der Felix von FRoSTA

Lieber Felix Ahlers, so wie ich die Familie Klum kenne, und ich kenne sie nicht wirklich, geht es hier um Geld und da versteht Heidis Vatter keinen Spaß!

Er wird es nicht besonders witzig finden, seine Akquise-Briefe im Internet veröffentlicht zu sehen. Könnten böse Menschen dies doch als Bettelei auslegen. Sowas haben die Klums nicht nötig. Deshalb denke ich so etwas erst garnicht.

'Heidi will die Ampel' ist der euphemistisch formulierte Titel Deines Blogbeitrages, den man wohl mit 'Heidi will das Honorar' übersetzen muß. Aber wer will das nicht!?

Ich würde Heidi direkt engagieren, wenn sie diese McD-Spots nicht mehr machen würde, die nur McD reinwaschen sollen, denn würde McD wirklich etwas ändern wollen, würden sie aufhören, die Welt mit Rindern zu bevölkern.

Heidi ist hundertmal überzeugender, wenn sie stärker sie selbst sein kann. Wenn sie natürlich ist, lebendig, lustig, schlagfertig und spontan-intelligent. Sie hat ein intuitives Situations-Verständnis, das in Spots vollkommen untergeht.

Hier nochmal der Clip, der all das ideal demonstriert:


Video courtesy YouTube und bestimmt Vatter Klum.

Ein Projekt in dieser Form wäre perfekt für Heidi und für FRoSTA. Es hätte Charme, Potential, Power. Zumal könnte man mit den Fans auf diese Art in Kontakt und Dialog treten und nicht nur monologe Spots schalten.
Darüber solltet Ihr nachdenken.

In diesem Sinne!

A Tribute to Michael - Die verpasste Chance des Jacko-Managements

Michael Jacksons früher Tod hat die Welt geschockt, so sehr, daß die wichtigsten Internet-Dienste kurze Zeit 'stillstanden'.

46 Konzerte waren in London geplant, eine Welt-Tournee sollte folgen. All dies ist nun Geschichte, leider. Hier gibt es das Geld zurück, jedoch nur für jene, die die Karten bei den offiziellen Stellen kauften. Womit diese Geschichte sang- und klanglos zu Ende ginge. Zu klanglos für jemanden wie Jacko!

Warum wandelt das Jacko-Management nicht die Konzerte in "Tribute to Michael Jackson"-Konzerte, die von den größten Musikern der Welt bestritten werden?
Sie könnten seine Hits neu und auf seine Weise interpretieren, sie könnten unplugged- und Chor-Versionen aufführen, sie könnten eine neue Bewegung zu Ehren Michaels rund um den Globus starten.

Die Fans wären begeistert, könnten sie doch eine einmalige Show erleben, die sie ihr Leben lang nicht vergessen würden.
Mit dieser Show könnte man mindestens 1 Jahr on tour sein.
Eine internationale Top-Künstlerriege würde zusammen mit jeweils regionalen Top-Acts die Konzerte bestreiten.

Die Stars der London-Konzerte würden die Hälfte von Michaels Einnahmen erhalten, seine Kinder den Rest. Die Stars könnten das Geld gerne für ihre individuellen, guten Zwecke spenden.
Die Stars der Welttournee würden natürlich entlohnt werden, ein Großteil würde an die Kinder und wohltätige Zwecke gehen. Weiteres Geld könnte man über Live-CDs, etc. für wohltätige Zwecke einspielen.

Schade, daß das Management nicht soweit gedacht hat, ehe es begann, holterdipolter die Ticketkosten zu erstatten.

Alle Beteiligten würden von dieser Idee profitieren können, im besten Sinne. Die Welt wäre um eine Attraktion reicher, und Michael hätte man weltweit angemessen mit einer Nacht seiner größten Hits, interpretiert von den größten Stars, verabschieden können.

Tuesday, June 30, 2009

Das Auto muß Handy werden

Im Daimler-Blog gab es einen Aufruf, seine Meinung zum Auto der Zukunft kundzutun - genauer fragt Ann-Kathrin Knebel: "Wie stehen Sie dem Thema „Besitz vs. Nutzung“ von Automobilen gegenüber? Was erwarten Sie in diesem Zusammenhang von uns als Premium Automobilhersteller?".

Ich habe meine Antwort mehrdimensional und ein wenig kryptisch gegeben. Ich hoffe, sie ist trotzdem klar:

"Erstmal kommt dieser Workshop natürlich Jahre zu spät, aber gehen wir davon aus, daß er jedes Jahr stattfindet (womit bewiesen wäre, daß er nichts bringt, sonst wäre Daimler längst Mobilitätsdienstleister!).

Zweitens stecken hier in den Kommentaren sehr gute Ideen - wäre gut, das Management würde sie endlich ernstnehmen! (Und ich weiß, wie das Management der Auto-Industrie in vorauseilendem Gehorsam die besten Ideen dem Top-Management vorenthält!)

Drittens: Zur Zukunft!
Vor dem Auto steht die Frage seines Sinns. Städte sind Parkplätze, das Land ist Autobahn.

Autos sind zu teuer für die Rentner, Jugendlichen und Arbeitslosen der Zukunft.

Autos sind zu schmutzig für die Zukunft der Welt.

Autos sind zu klobig, inflexibel, ja unbeweglich für die Alten und Gebrechlichen der Welt.

Das Auto folgt zu sehr dem Öl. Das Auto kreist zu sehr in den engen Köpfen der Ingenieure.

Das Auto muß zum Handy werden, zum Kommunikationsmittel der realen Welt, zur Verbindung, zum Enabler, muß Generationen zusammenbringen und zum Leben erwecken.

Das Auto braucht Charakter in der Gesichtslosigkeit der Masse, es braucht Persönlichkeit und Vorbildfunktion, es muß neue Wege beschreiten und nicht seine alten Pfade weiter austreten.

Aston Martins Cygnet ist solch ein Weg im Ansatze. Der Smart ein weiterer (die Lüge Micro Hybrid jedoch ist kontraproduktiv). Wenn Deutschland auch in der Klimapolitik versagt, USA/Kalifornien, etc. werden die Richtung vorgeben!

Mobilität und Kommunikation werden eins werden, ob das Auto will oder nicht.

Sinnvoll und vorausschauend wäre daher, schon heute diesen Weg einzuschlagen, auch wenn das Management sich darunter noch nichts vorstellen kann."


> Hier geht es weiter (in den Kommentaren des Daimler-Blogs). Lohnt sich!

Thursday, June 25, 2009

24/7 Webcams statt DokuSoaps

DWDL berichtet, daß RTL neue DokuSoaps testet. Warum aber investieren die Sender gutes Geld, um das Volk zu verdummen?

Eine den DokuSoaps aller Sender entsprechende Programm-Qualität erhalte ich doch weitaus billiger, wenn ich Webcams an den Brennpunkten der Republik aufstelle und rund um die Uhr live ausstrahle: Fußgängerzone, U-Bahn, Tankstelle, Bundestag, Stadion, Gericht, Freibad, etc.

Wednesday, June 24, 2009

Kommunikations-Etiquette

Weist Sebastian Turner im Rest des FR-Interviews jede Schuld für abgründige Werbeblöcke von sich (und den Agenturen), so gibt er doch am Ende auf die Frage "Ist die Erlösung von der Unterbrecherwerbung in Sicht, die Sie als 'asoziales Element des Fernsehens' kritisieren?" eine zu reflektierende Antwort:
"Jemanden zu unterbrechen ist unhöflich, dabei auch noch zu nerven, unverschämt.
Würde ein Mensch das tun, würde man ihn nicht mehr einladen. Die Sender und erst recht die Werbung sollten alles dafür tun, dass man sie gern wieder einlädt.".

Mit Dank an mark793.

Saturday, June 20, 2009

Seth Godin: On the Tribes we Lead(!)

Mit nur ganz wenig Phantasie kann man sich vorstellen, wie gut dieses Video in diesen Tagen auf unsere Gegenwart wie die Faust aufs Auge paßt:

Why tribes, not money or factories, will change the world

"Seth Godin argues the Internet has ended mass marketing and revived a human social unit from the distant past: tribes. Founded on shared ideas and values, tribes give ordinary people the power to lead and make big change. He urges us to do so."

Es lohnt sich, dieses Video zu sehen. Für jeden Politiker, jede Marke, jeden Bürger. Für jeden, der Lösungen anzubieten hat. Für jeden, der etwas zu sagen, zu gewinnen und zu verlieren hat.

In diesem Sinne!

Thursday, June 18, 2009

Halb so alt, mir doppelt so nah!

Auf diese Menschen wollen unsere Parteien verzichten, weil sie es nicht besser wissen! Dieser Brief sollte allen Politikern, Eltern, Bürgern zu Denken geben.

Via lawblog: "Torben Friedrich ist 22 Jahre alt und SPD-Mitglied. Noch. Denn für den Fall, dass die SPD heute dem Internetzensurgesetz zustimmt, wird er die Partei verlassen. Seine Gründe schildert er in einem offenen Brief:

Liebe Genossinnen und Genossen,

mein Name ist Torben Friedrich, ich bin 22 Jahre alt und seit fast vier Jahren Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.

Vier Jahre, die für einen 22-jährigen bedeuten, daß er bereits als Jugendlicher politisch aktiv war und mit 18 auch politische Verantwortung übernehmen wollte. Ich war seit jeher der festen Überzeugung, daß in einer gerechten und demokratischen Gesellschaft die Werte Solidarität, Gleichheit und Freiheit unerläßliche Bestandteile sind, die nie ihre Gültigkeit in einer Gemeinschaft verlieren können, die auf Vernunft und Gemeinwohl aufgebaut ist.

Mir war auch stets bewußt, daß diese Werte keine Selbstverständlichkeit sind, sondern daß in einer sich stetig weiterentwickelnden Gesellschaft um sie ständig gekämpft werden muß. Meine Überzeugung war es, daß die SPD diesen Kampf am energischsten führt und ich wollte sie in ihrem Bestreben tatkräftig unterstützen.

Heute, am 17.06.2009, wird mir bewußt, daß ich mich möglicherweise getäuscht habe.

Ich vertrete eine Generation, die vollständig mit digitalen Medien aufgewachsen ist, mehr noch, eine Generation, die den Wechsel von analogen zu digitalen Medien nicht bewußt erlebt hat. Das bedeutet, daß ich bereits seit der Grundschulzeit mit Eltern, Lehrern und Freunden auf digitalem Wege kommuniziert habe, entsprechende Lehrpläne waren bereits um Jahre veraltet.

Mit meinem Eintritt in der SPD war mir bewußt, daß bereits unter rot-grüner Regierung eine Politik betrieben wurde, die nicht den Ansprüchen einer digitalen Gesellschaft genügte. Dies wollte ich ändern. In den vergangenen vier Jahren der großen Koalition konnte ich jedoch noch weniger Hinwendung zu unserer Generation und ihrer speziellen Belange feststellen, weder in der SPD, noch in anderen etablierten Parteien.

Dennoch habe ich mich seit Beginn des Jahres in besonderem Maße politisch engagiert und stellte mich sogar für die Bundestagswahl auf der Landesliste Niedersachsen als Kandidat zur Verfügung. Ich sah seit Jahresbeginn, wie die große Koalition die gesamte Lebensweise meiner Generation in Frage stellte und massiv bekämpfte. Für meine Generation völlig selbstverständliche Freizeitaktivitäten, von einzelnen Computerspielgenres bis hin zu sportlicher Betätigung wie Paintball sollten verboten werden. Mitglieder von Schützenvereinen hingegen, die zu Hause mit Kriegswaffen hantieren, blieben unbehelligt und durch die große Koalition protegiert.

Dies sind jedoch geradezu vernachlässigbare Auswirkungen eines seit langem bestehenden Generationenkonfliktes, der seit jeher die Probleme gesellschaftlichen Wandels widerspiegelt. Was am morgigen Donnerstag von der großen Koalition und somit auch von meiner Partei beschlossen werden soll, hat nichts mehr mit einem erklärbaren Unverständnis zwischen zwei unter verschiedenen Verhältnissen aufgewachsenen Generationen zu tun, sondern verletzt das Rechtsempfinden von vielen Bürgern jeglichen Alters.

Morgen wird der Bundestag einen Gesetzesentwurf zur Abstimmung bringen, der zwar zur Bekämpfung eines brisanten Problems – Kinderpornographie im Internet – dienen soll, dabei jedoch jegliche Grundsätze der rechtsstaatlichen Verhältnismäßigkeit verletzt.

Das Gesetz sieht vor, Kinderpornographie im Internet nicht zu entfernen, sondern nur zu verdecken, um es Konsumenten dieses menschenverachtenden Materials zu erschweren, dieses zu betrachten. Dieses Gesetz verlangt perfiderweise, das zu tun, was den Mißbrauch der Kinder zum zweiten Male noch schrecklicher macht: Wegzusehen.

Wegsehen bedeutet in unserer Gesellschaft nichts anderes, als das Geschehene zu tolerieren. Ich jedoch als 22jähriger Bundesbürger sehe bei jeder gesperrten Seite, die mit einem Stoppschild verdeckt wird, das Versagen unseres Rechtsstaates, da er nicht in der Lage war, dieses Verbrechen effektiv zu bekämpfen, sondern auf ein Mittel zur Zensur zurückgreifen mußte.

Dies birgt die größte Gefahr im morgen zu verabschiedenden Gesetz: Die Erklärung unseres Staates, gegen Rechtsverletzungen machtlos zu sein.

Wo wird die Grenze gezogen?

Noch endet die Sperre bei Kinderpornographie. Ein abscheuliches Verbrechen. Doch wann wird der Staat auch vor weniger schweren Rechtsverletzungen kapitulieren und keinen anderen Weg sehen, als lediglich die Darstellung wenig wirksam zu erschweren?

Hier wird eine Infrastruktur geschaffen, die zukünftigen Regierungen ermöglicht, Zensur zu betreiben. Welche Inhalte werden dann möglicherweise als unerwünscht betrachtet werden? Tierquälerei? Gewalt? Volksverhetzung? Extremismus? Politische Opposition? Kritik?

Wo wird die Grenze gezogen?

Die Grenze muß meines Erachtens hier und heute gezogen werden, ohne ein solches Gesetz. Wir dürfen den Kampf gegen solch schwerwiegende Verbrechen wie den Mißbrauch von Kindern nicht aufgeben. Wir müssen effektiv gegen Hersteller solchen Materials vorgehen, nicht gegen das Medium, auf dem es verbreitet wird. Mißbrauch geschieht in der Nachbarschaft, nicht im Internet.

Wenn die SPD als Teil der großen Koalition sich durch Zustimmung zu diesem Gesetzesentwurf eingesteht, daß eine effektive Bekämpfung durch unsere gegebenen gesetzlichen Möglichkeiten nicht erreicht werden kann, sehe ich keine andere Möglichkeit, als meine politische Aktivität anderweitig zu konzentrieren.

Wenn Zensur auf dem Rücken mißbrauchter Kinder durchgesetzt werden soll, wenn das Medium, das meinen Lebensalltag bestimmt und mitbestimmen wird, staatlicher Willkür ausgesetzt wird, wenn die SPD sich von meiner und von zukünftigen Generationen vollständig verabschiedet, bin ich nicht länger bereit, in dieser Partei mitzuwirken.

Die Werte der Sozialdemokratie trage ich weiterhin mit mir und werde diese auch zukünftig vertreten.

Wenn jedoch am morgigen Tage die SPD dieses Gesetz ermöglicht, werde ich der SPD den Rücken kehren.

Tritt das Gesetz in Kraft, trete ich aus der SPD aus und verabschiede mich von einer meiner Generation fremden Partei.

Hochachtungsvoll
Torben Friedrich"

> Via lawblog (der Click lohnt wegen der Kommentare).

Freibier bei RTL/SAT.1, kein Freispiel bei Premiere!

Premiere steckt 100 Millionen Euro in seine Umbenennung! Ob damit das schlechte Premiere-Image vergessen ist? Ob davon das Produkt besser wird?

Ganz stolz ist man bei Premiere darauf, daß man mit diesem Budget "nach Aldi und Lidl zum drittgrößten Werbekunden" aufsteigt, zitiert das Handelsblatt den Marketing- und Vertriebschef.
Ob das aber irgendjemanden da draussen interessiert? Wird deshalb irgendjemand Abonnent? Warum also ist das wichtig?

Wäre es nicht wichtig - nachdem man seit mehr als 20 Jahren (also auch schon zu Teleclub-Zeiten) kein vernünftiges Produkt/Preis-Leistungs-Verhältnis hat - endlich mal ins Programm/Produkt zu investieren?
(Potenzielle) Abonnenten würden sich bestimmt darüber mehr freuen als über 100 Millionen Werbung, die ihnen um die Ohren fliegen werden.
Mit dem Geld hätte man den Kunden einige Freispiele kredenzen können. Oder man hätte Saison-Karten an jeden 10. Abonnenten verteilt, enge Kundenbindung durch Events und Experiences erzeugt, die über das Produkt hinausgehen, aber intuitiv mit ihm verknüpft sind, etc.

Aber nein, das Geld muß in die Werbung, denn: "Der Zeitpunkt für eine Kampagne ist günstig: Die Fernsehsender wie Pro Sieben Sat.1 und RTL geben großzügige Rabatte."
(Na, das sollte sich doch kein Kunde der Sendergruppen entgehen lassen! Freibier bei den Sendern! Alles muß raus! Jetzt schalten, nach der Krise zahlen! Da müßte ja jeder Kunde und jede Agentur schön dumm sein, wenn sie sich jetzt nicht bei den Sendern melden würden - wenn das schon im Handelsblatt steht!)

Na, in wenigen Jahren könnt Ihr Euren Namen ja nochmal ändern.

Wednesday, June 17, 2009

BMW in VWs Spuren

BMW fordert die eigenen Mitarbeiter auf, auf die eigenen Marken BMW oder Mini umzusteigen, schreibt die Zeit.
Vielleicht sollte BMW mal darüber nachdenken, warum die Mitarbeiter nicht die Hausmarken fahren: vielleicht sind sie zu teuer? Oder etwa nicht so gut wie der Wettbewerb?

Statt darüber nachzudenken, macht BMW sich nun auch auf den gleichen Weg wie VW: "7 Schritte vom Auto zum Ende" hatte ich das mal überschrieben.

Tuesday, June 16, 2009

Iran: Deutschen Medien fehlt das Twitter-Gen!

Wow! Twitter hat seine Routine-Wartungsarbeiten wg. der Ereignisse im Iran in die iranische Nacht verschoben. Cem schreibt: "Der Microbloggingdienst ist wegen der schwierigen und zensierten Nachrichtenlage momentan eine der wenigen aktuellen ungefilterten Nachrichtenquellen aus dem Gebiet."

Drei Gedanken dazu:

1 - Kann sich jemand vorstellen, die Telekom würde derart empathisch agieren? Höchstwahrscheinlich müßten wir im Zweifelsfalle die Wartung selbst bezahlen. Oder unsere Regierung müßte intervenieren. Was sie bestimmt sofort tun würde, wenn sie an der Stelle der iranischen wäre, arbeitet sie mit ihrem neuen Internetzensurgesetz doch genau in diese Richtung.
(A propos: Bis 24:00 heute noch die ePetition gegen Internetsperren mitzeichnen! > 129001 haben schon, mediaclinique auch!)

2 - Werden Kriege in Zukunft nicht mehr morgens um 0600 im Schutze der Nacht, sondern im Schutze der Twitter-Wartungsarbeiten begonnen?

3 - Bei welchem deutschen Sender oder Zeitung würden wir seine/ihre Berichterstattung derart vermissen, daß wir dafür demonstrieren würden?
Müßten die deutschen Medien nun nicht vor Scham im Boden versinken, daß sie selbst nicht (mehr oder noch nie) diese Bedeutung haben, obwohl sich alle Journalisten so fühlen?

Wir wünschen an dieser Stelle allen deutschen Medien- und Kommunikationsunternehmen, daß sie sich ein Beispiel an Twitter nehmen, ihre ubiquitäre Redundanz minimieren, Konsequenzen ziehen und sich endlich auf das Wesentliche besinnen:
A - Qualitätsjournalismus offerieren und nicht nur darüber reden!
B - Das Internet nicht verdammen, sondern endlich begreifen!
C - Nicht Toter Briefkasten von AP/DPA sind, sondern Originäres schreiben!
D - Nutzen bieten und nicht Lamento!
E - An den Leser denken und nicht nur an sich selbst!

In diesem Sinne: Get well soon!

Friday, June 12, 2009

mediaclinique sagt "Danke, Aldi!"

Bei der Kontrolle meiner Kontoauszüge entdeckte ich doch glatt einen Gruß von Aldi! "Aldi sagt Danke" stand dort zwischen all den anonymen 'geldgierigen' Abbuchungen der anderen.

Aldi bedankt sich für meinen Einkauf. Damit erinnern sie mich, stimmen mich noch positiver, erwecken in mir ein wohliges Gefühl der Geborgenheit. Weil sie Danke sagen, weil sie an die kleinen Dinge des Lebens denken. Weil für sie das Einkaufserlebnis eben nicht mit meiner Zahlung an der Kasse abgeschlossen ist. Einfach nachahmenswert wundervoll!

Nicht, daß ich nun von allen Dank haben möchte, aber ich würde mich freuen, wenn die anderen auch mal öfter demonstrieren könnten, daß sie öfter als nur während des 'Aktes' an mich denken!

> Wie zB auch hier: "Lux Eleven gratuliert zum Geburtstag".

Wordpress: Bloggers with Attitude!

Immer wieder schön, wenn sich dann doch mal jemand gegen die kruden Ideen der Macht und gegen die Lethargie der Ohnmacht auflehnt. Erfrischend. Vorbildlich. Alle Marken könnten sich ein Beispiel nehmen: "The Ban on WordPress Blogs in China Is Unlikely to Be Lifted".

A propos: > Hier geht es zur ePetition gegen Internetsperren > 117829 haben bisher gezeichnet, mediaclinique auch > Just sign it!

Wenn Verpackungen Wunder wirken

Ich muß los - zum Kühlregal. Philadelphia ist jetzt nämlich "noch cremiger und leckerer(!) weil(!) er in einer neuen Verpackung(!)" steckt, sagt die Reklame: "Philadelphia bewirbt neues Packungsdesign". Siehe dort den Spot.

Marken, nehmt Euch ein Beispiel an FRoSTA!

FRoSTA führt nicht nur kontinuierlich das bessere Produkt ein, sondern lebt und propagiert diese Philosophie auch noch: "Der Gefräßig-Macher".

Darüberhinaus wird kontinuierlich die Nachhaltigkeit des gesamten Unternehmens optimiert: "Aus der Vogelperspektive".

Daran kann sich so manche Marke und so manches Unternehmen ein Beispiel nehmen (oder auch zwei oder drei) ... und vielleicht gerade die Großen, die immer große Worte machen, die Entwicklung ihrer Marken zu wahrer Größe aber klein halten, weil sie kontinuierlich kurzfristigen Profit auf Kosten der Konsumenten priorisieren.

Tuesday, June 09, 2009

Will denn niemand Elite-Singles mit Partner-Niveau?

Seit Monaten - und gefühlt seit Jahren aufgrund der hohen Kontaktdichte - geistern diese 3 Singles mit Niveau (siehe Bild unten) durch das Internet und über manche Plakatwand (wenn ich mich nicht irre).
Erbarmet sich ihrer denn niemand?

ElitePartner
Images courtesy ElitePartner und deren Partner.

Kann denn nicht endlich mal jemand mit ihnen zur Vernissage, ins Theater oder zum Fellatio gehen? Wir haben es hier schließlich mit Juristinnen, Golfern und Ärztinnen zu tun. Die können doch nicht so schwierig zu vermitteln sein.
Liebe Elite-Partner von ElitePartner, gebt Euch doch ein wenig mehr Mühe!

Oder traut Ihr Euch dann doch nicht mehr, wenn auf der ElitePartner-Website plötzlich auch von Akademikern die Rede ist? Akademiker sind doch keine Akademikerinnen, also keine Scheu!

Könnte diese Reklame lügen? Niemals. Überzeugt Euch selbst und schaut Euch mal diese langweiligen, reichen Spießer an, die im 37-Sekünder krampfhaft um Eure Gunst lächeln, obwohl einige schon vergeben sind und in festen Beziehungen zu leben scheinen. Das wiederum sollte zu denken geben.

Monday, June 08, 2009

Amirs Designer Clübchen definiert Kreativität neu

Nein, mit der Überschrift ist nicht der altehrwürdige ADC gemeint, sondern die Kreativschmiede seines Vorsitzenden: DDB (was mir langsam wie die Abkürzung von DBDDHKPM vorkommt, auch wenn es nicht ganz paßt).

DIAGNOSE

DDB hat es tatsächlich für Persil geschafft, den iPhone-Spot zu kupfern (sehr respektvoll von der w&v, dies eine 'Hommage' zu nennen, dort ist auch der Spot zu sehen).
Dies kann natürlich nur mit einem entsprechend kreativen Senior Brand Manager (bei Henkel gespielt von Kai Berthold) gelingen.

In der w&v wird dieser zitiert mit: "Das Besondere unserer Neuheit zeigt schon der Kunstname: ActicPower suggeriert eine Verbindung der Wörter Aktivität (Activ), Niedrigtemperatur (Arktik) und Leistung (Power). Einzigartigkeit wollen wir auch mit der für ein Waschmittel außergewöhnlichen Werbung zeigen".

Einzigartigkeit aber existiert nicht um ihrer Selbst willen, Einzigartigkeit muß gepaart sein mit Relevanz, nicht mit Einfalt bzw. Einfallslosigkeit. Witzig mag es mancher finden. Ob das schon reicht?

Bei 'Arktik' muß Leo.de passen, und wikipedia fragt unverblümt zurück: "Meintest du 'arktis'?". Es ist zwar denkbar, daß die Arktis bald 15 Grad C warm sein wird, fraglich ist jedoch, ob irgendjemand außer Kai selbst bei 'Arktik' auf 15 Grad Niedrigtemperatur tippen wird.

Richtig schwierig wird es jedoch für jeden, soll er aus 'actic' das Wort 'Arktik' herauslesen. Zudem ist 'ActicPower' ein Zungenbrecher und für den deutschen Normalbürger nicht zu übersetzen in sein täglich Geschäft, haben doch schon verschiedene Studien bewiesen, daß englische Wortfetzen für ihn Böhmische Dörfer sind.

THERAPIE

Eine neue Agentur suchen. Sorry.

PROPHYLAXE

Einen neuen Senior Brand Manager suchen. Doppelt sorry.


(Ich sehe gerade bei wikipedia, daß heute (1724) "der britische Bauingenieur John Smeaton, Erfinder des ersten modernen wasserfesten Mörtels" zur Welt gekommen ist. Da müßte sich doch auch noch etwas Einzigartiges draus machen lassen, liebe DDB.)


UPDATE 09. Juni, 22:00 Uhr
Überraschende Entwicklung: "Chapeau, lieber Kai Berthold, Du bist brodelnde ActicPower!".

Europawahl und Markenpolitik: Reklame statt Relevanz

Politik verkommt immer mehr zur Markenführung des letzten Jahrtausends. Verpackungen sind keine Lösungen, plakative Reklame keine relevante Vision. Inhalte müssen her. Dringend!

Politiker müssen die Menschen mit ihren Lösungen, Visionen und relevanten Ideen inspirieren, müssen sie für Politik, für die Sache und ihre eigene Zukunft interessieren und mobilisieren.
Politiker müssen Wege aufzeigen aus der Krise und in eine neue Zukunft.
Politik muß vorbildlich vorangehen und sich mit den Menschen und ihren Meinungen auseinandersetzen, nicht über sie hinweg: "Ist die Piratenpartei die SPD von heute?".

Politiker müssen über sich hinauswachsen, und nicht in sich zusammenfallen, wie der Spiegel im Falle eines Steinmeier schreibt:
"Ihm fehlt der unbedingte Wille zur Macht, ihm fehlen Charisma und zupackende Rhetorik - und damit die Fähigkeit, den Leuten zu erklären, was er denn so ganz anders machen würde als die derzeitige Kanzlerin. Vor allem aber: Ihm, und nicht nur ihm, fehlt die unverwechselbare, zeitgemäße sozialdemokratische Idee, das Aufbruchssignal in Zeiten der Krise.".

Politiker müssen Qualität bieten. Politiker müssen Trends und Stimmungen in der Bevölkerung erkennen und ihnen vorangehen - nicht mit Populismus und Steuergeschenken, höheren Transfereinkommen oder sonstigen Wählerbestechungen winken.

Marken, die ständig im Sonderangebot zu erhalten sind, nimmt man nicht mehr ernst, sondern nutzt sie nur noch aus. Marken und Politiker ohne Rückgrat können sich nur über Bestechung und Korruption, Tarnung und Täuschung, gekaufte PR und gefügige Journalisten eine kurze Zeit über Wasser halten (siehe hier ua. Silvana Koch-Mehrin in ZAPP).

Politiker versuchen, den Bürger dumm, fett und träge zu halten, um nicht den (vermeintlichen) Sinn ihrer Existenz zu verlieren.

Tatsächlich ist die hervorragende Aufgabe der Politik, langfristige Lösungen für die Probleme der Welt zu finden und diese zeitnah, effizient und effektiv zu realisieren, um damit den Menschen ein besseres, weil erfüllteres, selbstbestimmteres und verantwortungsvolleres Leben zu ermöglichen.

Politik muß Menschen gesund und nicht krank, unabhängig und nicht abhängig, selbstbewußt und nicht ängstlich machen.
Politik muß wie die Marke die Menschen zu besseren Menschen machen. Sie muß Relevanz bieten und nicht pure Reklame.

Politik darf sich nicht schönrechnen (wie Cem Basman es so eindrucksvoll zeigt): "Die Wahrheit: Unter Berücksichtigung aller Wahlberechtigten sieht das Ganze doch ziemlich dünn und mickrig aus: CDU/CSU 16%, SPD 9%, Grüne 5%, Linkspartei 3%, FDP 5%, Andere 5% - Nicht-Wähler: 57%". Politik muß die Konsequenzen ihres Handelns (er)tragen und muß daraus Konsequenzen ziehen.


Die Politik wird sich vor allem sehr bald mit einem Generationen- und Interessenkonflikt auseinandersetzen müssen. Schweden zeigt, wohin die Reise geht (womit ich nicht sagen möchte, daß die Piratenpartei das Allheilmittel sein wird), wie Telepolis schreibt:
"Einer Hochrechnung zufolge schaffte es die Piratenpartei in Schweden mit einem Stimmanteil von über sieben Prozent mindestens einen Abgeordneten ins Europaparlament zu entsenden. Allerdings verteilen sich die ihr zugeflossenen Stimmen relativ ungleich und machen einen Generationskonflikt ebenso wie einen Geschlechterunterschied sichtbar: Bei den Wählern unter 30 kam die Partei, die dem schwedischen Wahlforscher Sören Holmberg nach bei der Jugend mittlerweile bedeutender ist als Sozialdemokraten und Konservative, auf 19 Prozent.".

Gerade diesen letzten Satz muß man sich auf der Zunge zergehen lassen: "Bei den Wählern unter 30 kam die Partei, die dem schwedischen Wahlforscher Sören Holmberg nach bei der Jugend mittlerweile bedeutender ist als Sozialdemokraten und Konservative, auf 19 Prozent."

Ob solch eine Bewegung noch mit Zensur und Verboten durch die Etablierten aufzuhalten ist, ist fraglich. Wir haben es in der Politik wie in der Markenführung mit einer neuen Welt zu tun, neuen Prioritäten, neuen Herausforderungen, neuen Medien, neuen Kommunikationsformen, neuen Stimuli, neuen Inhalten, neuer Ungeduld, Unabhängigkeit und Individualität.

Darauf haben heute weder die etablierten Parteien, noch die etablierten Marken eine wirkliche Antwort!

Thursday, June 04, 2009

FRoSTA zeigt Nestlé und Kollegen die Ampel

Lebensmittelhersteller FRoSTA geht den 'Krankheitsmittel'-Industriellen Nestlé, Unilever, Kraft, etc. wegweisend voran und führt die Ampelkennzeichnung ihrer Lebensmittel ein.

Dies ist ein wahrlich wegweisender Schritt für die Markenartikel-Industrie, die sich vor wenigen Tagen noch eine Rede von Angela Merkel halten ließ und weiterhin frech von sich behauptet,
"Qualität, Innovation und Leistung haben offensichtlich Konjunktur. Mündige Verbraucher schätzen das Versprechen, das in (der) Marke liegt" - sich aber seit Jahren gegen die Kennzeichnung ihrer Produkte wehrt.

"Die Deutschen werden ständig dicker", erklärte AOK-Vizechef Jürgen Graalmann .... 50 Prozent der Männer und 35 Prozent der Frauen litten an Übergewicht. Die Folgen - etwa Bluthochdruck, Schlaganfall und Diabetes - verursachten Kosten von jährlich 70 Milliarden Euro", schreibt die taz.

Dieses Geld könnte man sich sparen, wenn die Lebensmittelmittelmarken - und Politiker - ihren Auftrag ernst nähmen, die Menschen nachhaltig zu ernähren und mit gesunden, wertvollen, natürlichen Nährstoffen zu versorgen, die ein ebensolches Leben ermöglichten.

"
Studien in Großbritannien zeigen nach Angaben der Verbraucherschützer, dass die Kunden die Ampel-Kennzeichen dort tatsächlich nutzen. Auch zwei Drittel der deutschen Kunden wünschten sich die Ampel, die aber von Bundesregierung und Lebensmittel-Industrie in Deutschland und Europa blockiert werde, erklärten die Verbraucherschützer.", schreibt die Süddeutsche.

Wo also bleibt die Qualitäts- und Innovations-Offensive der Markenindustrie, wenn es um die einfachen Dinge des Lebens geht, nämlich verläßliche Produkte anzubieten?
Wo bleibt die Offenheit der Industrie, die Menschen ausreichend zu informieren und selbst entscheiden zu lassen?

Hat die Industrie so wenig Rückgrat, daß sie sich von einem vergleichsweise kleinen Anbieter vorführen läßt? Wie arg muß es um ihre Produkte bestellt sein, daß sie sich nicht auf einen fairen Vergleich über Ampel und 100gr-Portionen einläßt?

Warum nimmt die Industrie nicht endlich einen Teil der Millionen, die sie monatlich in der Werbung verbrennt, in die Hand und optimiert ihre Produkte? Das wäre weitaus effektiver und zielführender! Das wäre das Marketing der Zukunft. Lösungen statt Ablenkungen!

Warum versteht die Lebensmittel-Marke nicht, daß längst nicht mehr Worte, sondern nur noch Taten zählen? Die Zeiten der Beschallung sind vorbei. Die Zeiten der Reden und Monologe sind vorbei.


> Im FRoSTA-Blog mehr zur "Nährwert-Ampel auf FRoSTA Gerichten".
> Siehe auch mediaclinique "Weder melken noch schlachten kann man die tote Kuh".

Wednesday, June 03, 2009

Sparkasse Krefeld: 'Geheimsache / Eilt!'

Bekam mein Vater doch gestern tatsächlich (zu meinen Händen) ein Mailing der Sparkasse Krefeld mit dem Vermerk "Geheimsache / Eilt!". Es ging um die 'Mission Finanz-Check' mit dem talentierten Jürgen Vogel in der Hauptrolle.

Liebe Sparkasse Krefeld, wenn es wirklich eilt: Ich bin hier, in der mediaclinique, zu erreichen. Ansonsten bin ich Anfang 1990(!) aus Eurem Einzugsbereich verzogen und dürfte entsprechend lange nichts mehr bei Euch an Konten bewegt haben. Vielleicht schickt Ihr Jürgen einfach mal auf die Mission ralf schwartz. Hier gibt es übrigens erste Hinweise zu meinem Verbleib. (Vielleicht sprecht Ihr aber einfach mal mit jemandem, der sich mit Mailings, der Aktualisierung von Adressen und so weiter auskennt.)

Spannender wäre, dies heutzutage über eMail bzw. das Internet zu erledigen, denn Ihr schreibt ja selbst: "Statt Karte ausfüllen, einfach online Termin vereinbaren unter ...". (Ich weiß auch die ein oder andere Sparkasse, die meine eMail-Adresse hat - Ihr seid es nicht!)

Noch spannender ist, daß die anderen Sparkassen mir nicht geschrieben haben! Oder wissen sie, daß der angebotene 'kostenlose 30-Minuten-Finanz-Check' bei mir nur 3 Minuten, aufgrund fehlender Masse, dauern würde? An mich denken könnten sie aber trotzdem, oder? Alles andere tut weh.

Tuesday, June 02, 2009

Die Freiheit der Presse beginnt im Kopfe des Journalisten

Am 25. Mai wurde die "Europäische Charta für Pressefreiheit" verabschiedet. Da diese nicht ganz vollständig ist - denn eine Charta sollte nicht nur Forderungen, sondern auch Selbstverpflichtungen enthalten -, hat die mediaclinique im Folgenden die fehlenden Zusätze formuliert:

Art. 1

"Die Freiheit der Presse ist lebenswichtig für eine demokratische Gesellschaft. Journalistische Medien aller Art zu achten und zu schützen, ihre Vielfalt sowie ihre politischen, sozialen und kulturellen Aufgaben zu respektieren, ist Auftrag aller staatlichen Macht."

Zusatz der mediaclinique:
Die Freiheit der Presse beginnt im Kopfe des Journalisten. Boulevard ist nicht die einzige politische, soziale und kulturelle Aufgabe des Journalisten.

Art. 2

"Zensur ist untersagt. Unabhängiger Journalismus in allen Medien ist frei von Verfolgung und Repressalien, ohne politische oder regulierende Eingriffe des Staates zu garantieren. Presse und Online-Medien dürfen nicht staatlicher Lizenzierung unterworfen werden."

Zusatz der mediaclinique:
(Selbst-)Zensur ist auch gegen die Gabe und Annahme von Geld oder geldwerten Vorteilen untersagt, selbst wenn der Journalist darauf besteht.
Auch Journalisten verzichten auf Verfolgung und Repressalien (zB gegen Anders(also fortschrittlich)denkende zB im Internet.

Art. 3

"Das Recht von Journalisten und Medien zum Sammeln und Verbreiten von Informationen und Meinungen darf nicht bedroht, eingeschränkt oder unter Strafe gestellt werden."

Zusatz der mediaclinique:
Gleiches gilt für Google (et al.) und Blogger.

Art. 4

"Der Schutz journalistischer Quellen ist strikt zu wahren. Durchsuchungen von Redaktionen und anderen Räumlichkeiten von Journalisten sowie Überwachungen und Lauschaktionen mit dem Zweck, Informationsquellen ausfindig zu machen oder das Redaktionsgeheimnis zu brechen, sind unzulässig."

Kein Zusatz.

Art. 5

"Alle Staaten haben sicherzustellen, dass Medien bei der Erfüllung ihrer Aufgaben den vollen Schutz eines unabhängigen Gerichtssystems, der Gesetze und der Behörden genießen. Das gilt insbesondere für die Abwehr von Belästigungen und Angriffen auf Leib und Leben von Journalisten und deren Mitarbeitern. Bedrohungen oder Verletzungen dieser Rechte sind sorgfältig zu untersuchen und durch die Justiz zu ahnden."

Zusatz der mediaclinique:
Alle Journalisten 'haben sicherzustellen', dass Opfer und Angehörige 'den vollen Schutz eines unabhängigen Gerichtssystems, der Gesetze und der Behörden genießen'. Sie sehen von Belästigungen und Angriffen auf Leib und Leben von Opfern und Angehörigen ab. 'Bedrohungen oder Verletzungen dieser Rechte sind sorgfältig zu untersuchen und durch die Justiz zu ahnden.'

Art. 6

"Die wirtschaftliche Existenz von Medien darf durch staatliche oder staatlich beeinflusste Institutionen oder andere Organisationen nicht gefährdet werden. Auch die Androhung von wirtschaftlichem Schaden ist unzulässig. Private Unternehmen müssen die journalistische Freiheit der Medien achten. Sie dürfen weder Druck auf journalistische Inhalte ausüben, noch versuchen, werbliche Inhalte mit journalistischen Inhalten zu vermischen."

Zusatz der mediaclinique:
Dem Internet wird hier explizit bestätigt, die 'wirtschaftliche Existenz von Medien' nicht zu gefährden.

Und noch einmal: Die Freiheit der Presse beginnt im Kopfe des Journalisten! Medien-Unternehmen müssen die eigene journalistische Freiheit achten. Sie ist höchstes Gut des Journalisten und steht oberhalb des kurzfristigen Gewinnstrebens.

Auch Journalisten 'dürfen weder Druck auf journalistische Inhalte ausüben, noch versuchen, werbliche Inhalte mit journalistischen Inhalten zu vermischen'.

Art. 7

"Staatliche und staatlich beeinflusste Institutionen dürfen den freien Zugang von Medien und Journalisten zu Informationen nicht behindern. Sie sind verpflichtet, deren Informationsauftrag zu unterstützen."

Zusatz der mediaclinique:
Medien und Journalisten 'dürfen den freien Zugang von' Bürgern (die auch Blogger sein können) 'zu Informationen nicht behindern. Sie sind verpflichtet, deren' Informationsinteresse 'zu unterstützen'.

Art. 8

"Medien und Journalisten haben Anspruch auf ungehinderten Zugang zu allen Nachrichten und Informationsquellen, auch aus dem Ausland. Ausländischen Journalisten sind zur Berichterstattung Visa, Akkreditierungen und andere erforderliche Dokumente ohne Verzögerung auszustellen."

Zusatz der mediaclinique:
Bürger (die auch Blogger sein können) und Informations- und Suchdienste (wie Google) 'haben Anspruch auf ungehinderten Zugang zu allen Nachrichten und Informationsquellen, auch aus dem Ausland'.

Art. 9

"Der Öffentlichkeit jedes Staates ist freier Zugang zu allen nationalen wie ausländischen Medien und Informationsquellen zu gewähren."

Zusatz der mediaclinique:
Diese Möglichkeit wird auch nicht durch Journalisten, die einseitig wirtschafts- oder politik-freundlich agieren, eingeschränkt.
Vielmehr verpflichten Journalisten sich, kontinuierlich konstruktiv zu hinterfragen, der Wahrheit auf den Grund zu gehen, objektiv und frei von Sensationsgelüsten zu berichten, alle Fakten darzulegen, diese erkennbar von Emotionen zu trennen und die Öffentlichkeit nicht nur in ihrem Tun zu bestätigen, sondern weiterzuentwickeln.
Journalisten ermöglichen der Öffentlichkeit die selbst/ständige Bildung einer eigenen Meinung.

Art. 10

"Der Staat darf den Zugang zum Beruf des Journalisten nicht beschränken."

Zusatz der mediaclinique:
Der Journalist darf den Zugang zum Beruf des Bloggers nicht beschränken. Das (eigene) Medium darf den Zugang des Journalisten zur Zukunft nicht beschränken (andere schon).

Thursday, May 28, 2009

Weder melken noch schlachten kann man die tote Kuh

Manchmal frage ich mich, wer denn wirklich noch Qualität produziert, und wie dem Marketing die Marke derart egal sein kann wie diese zwei Fälle beweisen:

DIAGNOSE

1 - "Vanillesch...Eis"

"Einige der getesteten Eissorten wurden mit künstlichem Vanillearoma hergestellt. Vanillin wird aus Reis oder aus Sulfitablauge gemacht, die bei der Zellstoff- und Papierherstellung anfällt.", wie die Süddeutsche in einem Artikel über einen Eistest der Stiftung Warentest schreibt.
Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.

2 - Capri Sonne

"Auf gerade einmal zwölf Prozent Fruchtsaft bringt es eine Trink-Packung der Sorte „Orange“. Der Rest ist Zuckerwasser, aufgepeppt mit einem kräftigen Schuss Lebensmitteltechnologie – Aromen nämlich, ohne die Capri-Sonne wohl so „fruchtig“ wäre wie der Biss in eine Pappschachtel." (Quelle: foodwatch-Newsletter) Wer mehr wissen möchte: abgespeist.de.

THERAPIE

Eine Marke ist nicht nur eine Verpackung voller Lügen, die einen Geschmack, einen Inhalt, eine Qualität vortäuschen sollen, die faktisch nicht existieren.
Eine Marke ist der wichtigste Asset des Unternehmens und sollte entsprechend gepflegt werden. Es geht nicht darum, kurzfristig den höchsten Profit zu generieren, sondern langfristig eine Marke aufzubauen und zu führen, die ständig über sich hinauswächst, die immer neue qualitative und innovative Maßstäbe setzt.

Daran kann jeder Marken- und Marketing-Verantwortliche und jeder Mitarbeiter von Untermehmen und Agentur mitarbeiten.

Haltet endlich diesen schleichenden Verfall der Qualität - auch der Marke selbst - auf! Unternehmt etwas!
Laßt Euch nicht länger gefallen, daß man die Marke, die Euer Herzblut ist, für die Ihr morgens zu früh aufsteht, den ganzen Tag kämpft, und abends zu spät ins Bett fallt, zerstört, um auch noch das letzte Quentchen Profit herauszuquetschen!

Was für einen Sinn macht es, um Marktanteile und Profitmargen zu kämpfen, wenn die Marke selbst dabei auf der Strecke bleibt? Das ist nicht nur kontraproduktiv, sondern vollkommen idiotisch!

Habt Ihr dafür studiert? Schlagt Ihr Euch dafür die Nächte um die Ohren und das Privatleben aus dem Kopf? Das kann doch nicht der Sinn Eures Lebens sein!?

PROPHYLAXE

Bitte, denkt darüber nochmal nach!

In diesem Sinne: Get well soon!


UPDATE 04. Juni, 10:34 Uhr
Beim manager-magazin gibt es nun die Eis-Test-Ergebnisse.

OKI-Drucker: Große Worte, k(l)eine Taten!

Nachdem wir voll des Lobes für Bauknecht waren ("Bauknecht weiß immer noch, was Frauen wünschen"), sind wir nun leer des Lobes für OKI Drucker! Sind sogar enttäuscht ob der Performance des Marketings, das sich selbst auf der OKI-Site mit 'Passion & Performance' lobt. Marketing-Bingo eben. Ebenso wie die Begriffe 'Output Management', 'Willkommen in der Profiliga', 'OKI Mehrwert - Die Steigerung der Effizienz', etc.

Was nutzt mir zB eine Garantie ("5 Jahre 'All inclusive' Garantie - Woanders teuer - bei OKI gratis!"), wenn mich selbst innerhalb der ersten 3 Jahre keiner ernst nimmt am Telephon oder per Mail?

Warum ich so erregt bin? Bin ich doch gar nicht. Nur enttäuscht, daß trotz der ganzen großen Worte keine Taten folgen ...

DIAGNOSE

Nach jahrelangem Ärger mit unserem OKI-Drucker bekamen wir eine Einladung, an der OKI-World of Innovation teilzunehmen, was immer das sein mag.

Am 17. April schrieb ich an den Absender der Einladung folgende eMail-Zeilen, auf die ich bis heute, fast 6 Wochen später, noch keine Antwort vom OKI-Marketingcenter erhalten habe:

An: marketingcenter@oki.de

"Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich habe mich natürlich gefreut über Ihre Einladung.
Dies zeigt, daß wir zumindest in Ihrer Datenbank sind.

Sagt diese Datenbank auch etwas über unsere Zufriedenheit mit Oki-Druckern bzw. Ihrem Service aus?

Höchstwahrscheinlich nicht, denn sonst hätten wir bestimmt keine Einladung bekommen.

Seit wir diesen Drucker haben - und Sie können ja recherchieren, daß es sich hier um Jahre handelt - versuchen wir Antworten auf unsere Fragen, Hilfe für unsere Probleme oder einfach nur den Rückruf eines Service-Technikers zu bekommen.

Stattdessen erklärt uns eine freundliche Telephon-Stimme, daß letzteres nicht möglich sei, daß der Drucker kein Problem habe, sondern die Konfiguration, die Patrone, der Apple-Rechner, usw.
Ich finde es toll, wenn Telephon-Damen hellseherische Fähigkeiten haben und sich hier besser auskennen als wir uns selbst.
Allein, geholfen hat es nicht.

Der Drucker entscheidet, wann er druckt, nicht wir.

Sie werden also verstehen, daß wir trotz der Einladung nicht an den Innovationen interessiert sind, da die eingeführten Produkte schon nicht funktionieren. Darüberhinaus werden wir unser Leben lang keinen Oki-Drucker mehr kaufen und auch niemandem dazu raten - eher im Gegenteil.

Nun sind Sie dran, liebes Marketingcenter!

Viele Grüße
ralf schwartz"


Wie gesagt: bis heute keine Antwort (und auch keine automatische Nachricht, daß die Mail nicht angekommen sei)!

THERAPIE

Wie man aus der Historie in der Mail erkennen kann, handelt es sich um keinen Einzelfall, sondern wir sind in der ganzen Zeit stiefmütterlich behandelt worden.

Marken und Unternehmen jedoch können sich solch ein Vorgehen in der heutigen Zeit nicht mehr leisten. Dafür ist der Wettbewerb zu groß, dafür sind die Produkte zu austauschbar, dafür ist die Werbung nicht mehr effektiv genug, als daß man sich leisten kann, den Kunden derart im Regen stehenzulassen.

So funktioniert Marketing nicht, dies ist keine Kundenbindung, dies ist kein Service, keine Empathie. Hier scheint der Kunde gerade so lange König bis er bezahlt hat.
Bei Druckern und ähnlichem Gerät müßte genau dann aber der Service erst beginnen. Denn idealerweise wachsen Unternehmen und brauchen in der Folge mehr Drucker, mehr Beratung, weniger Reibungsverluste, weniger Produktivitätsausfälle - also einen verläßlichen Partner!

Marketing und Service müssen weitaus enger zusammenarbeiten, der Service muß höchste Priorität bekommen. Gemachte Versprechen müssen gehalten werden. Der Service, nicht das Marketing, muß Partner des Kunden werden. Der Service muß das Vertrauen des Kunden gewinnen. Der Service muß die Latte höherlegen.

PROPHYLAXE

Jeder einzelne Kunde muß das Gefühl haben, er sei der momentan wichtigste und einzige. Sonst ist er es tatsächlich bald - und das Unternehmen kann schließen.

In diesem Sinne: Get well soon!

Wednesday, May 27, 2009

Markenbotschafter: Heilsbringer oder Totengräber der Marke?

Viele Marken engagieren einen 'Botschafter', um die Markenbotschaft voran in die Köpfe der Konsumenten zu bringen. Nur: Was ist die Botschaft, die hängenbleibt?

Procter hat wieder zugeschlagen und für Braun Model Franziska Knuppe sowie für Gillette Top-Model Sara engagiert.
(Die 'Berufsbezeichnungen' der beiden zeigen schon, wie sehr man sich irren kann, verkehren sie doch die Realität ins Gegenteil.)
Für Braun steigt zudem Til Schweiger ins Rennen (ebd.).

Dies ist längst nichts besonderes mehr, sondern ein allgemeiner Trend, der schon so allgemein und ubiquitär ist, daß er beginnt, ins Gegenteil umzuschlagen.
Allerorten laufen sich die Stars und Sternchen mit ihren angesteckten Marken über den Weg, treten sich gegenseitig auf die Füße in dem Gedränge in des Konsumenten kleiner Erinnerungspalette.

Die Gefahren:

0 - Markenbotschafter sind C-Lebrities

Die Schreibweise verdeutlicht die Problematik: Die Markenbotschafter stehen meist nicht mehr für irgendeine Leistung, sondern für ihre frühere Bekanntheit aufgrund längst verblaßter Leistung.
Was soll sich da an Leistung auf die Marke übertragen?

Die Botschafter sind längst nicht überall bekannt. Einen Namen mal gehört, ein Gesicht mal gesehen zu haben, reicht nicht zum Imagetransfer. Was bringt Julia Stegner für Mercedes?

1 - C-Lebrities geben Marken Charakter

C-Lebrities haben selbst keinen einzigartigen Charakter, den es lohnt, zu nutzen. Hätten sie einen, wären sie Persönlichkeiten.
Wären sie Persönlichkeiten, würden sie die Botschaft der Marke ganz verdrängen. Übrig bleibt X verwendet Y. Oder Y benutzt X für seine Zwecke!

Botschafter verleihen Aktualität, mehr nicht. Intelligenter wäre, der Marke die notwendige Aktualität durch innovative Produkte zu verleihen.

2 - C-Lebrities verblassen schnell

Ausnahmen wie Boris Becker bestätigen die Regel, aber er muß sich durch den Boulevard am Leben erhalten. Er blickt auf ein Lebenswerk zurück, das mehr als 20 Jahre zurückliegt.
Warum soll ich heute sein Bier trinken?

Was bleibt übrig von einem Botschafter, der jede Saison ausgetauscht wird, weil er sich überlebt hat und der nächste Casting-Kandidat vom Treppchen winkt?
Was bleibt von diesem Bäumchen-wechsel-Dich an der Marke hängen?

3 - C-Lebrities übertünchen Markenschwächen

Und das ist ihr größtes Problem. Denn es stimmt nicht, wird aber gerne als Argument genommen. Es entbindet davon, die wahren Probleme zu lösen. Man doktort herum an Symptomen, optimiert aber das Produkt nicht.

Was zum Beispiel sollen Franz Beckenbauer und Marcel Reif noch richten an Marke und Produkt Premiere?

4 - C-Lebrities sind effizient

... leider nur für die Agentur und das Marketing, nicht für das Unternehmen, die Marke und den Konsumenten. Was ist hängengeblieben von all den unzählbaren Stars und Sternchen der L'Oréal-Kampagnen der letzten Jahre? Doch nur, daß es alle waren, die man kennt. Aber wer es war oder für was sie stehen, liegt im Dunkel. Und über die Krise hinweg hat es auch nicht getragen.

Einzigartige Produkte wären die bessere Lösung gewesen. Den Konsumenten nicht mit Stars zu blenden, sondern mit Nutzen und Produktleistung zu überzeugen, wäre die bessere Lösung gewesen.

Einzigartige Produkte sind eine Herausforderung - vor allem, wenn man meint, alle 2 Monate neue auf den Markt werfen zu müssen.
Da ist es schon einfacher, bekannte Testimonials einzusetzen. Das erspart dem Marketing, der Marke und der Agentur die schweißtreibende Arbeit der Innovation.

Allein, der Marke hilft dies alle nicht.
Eine Marke wird an ihrer Leistung gemessen, an ihrer Performance vor Ort. Sie wird vielleicht ein einziges Mal gekauft, weil ein Prominenter lächelt, wenn das Produkt dann jedoch nicht hält, was dieser und die Marke versprechen, wackelt das gesamte Kartenhaus.

Langfristig und in 99% der Fälle ist der Markenbotschafter eher der Totengräber der Marke, nicht ihr Heilsbringer!


In diesem Sinne: Get well soon!

Tuesday, May 26, 2009

Bauknecht weiß immer noch, was Frauen wünschen

Gestern war er da, der Mann, der meinen Trockner reparieren sollte, wallendes Haar, gestählte Muskeln, freier Oberkörper ... ach neh, falsche Reklame.

Spaß beiseite: Bauknecht weiß immer noch, was Frauen wünschen, die mitten im Leben stehen. Sie wünschen kompetente Beratung, neutralen statt männlich-schweißigen Körpergeruch und eine schnelle Reparatur des geliebten Trockners.

Und so denke ich eben auch. Schließlich wurde ich schon enttäuscht durch die Tatsache, daß unser Trockner nach knapp 8 Jahren mirnichtsdirnichts seinen Betrieb einstellte. Mensch Bauknecht, dachte ich freundlich, Saftladen, und rief dort an.

Ich wurde professionell bedient vom telephonischen Service, konnte einen Besuchstermin des Bauknecht-Mechanikers auf zwei Stunden genau eingrenzen und bekam den Standardpreis genannt. Perfekt.

Es gibt also wenig Wichtigeres für einen Markenartikler als eine kompetente Hotline, denn ich bin ja bereits genervt, wenn ich dort anrufe, und alles, was nun zusätzlich schiefläuft, zahlt doppelt auf das gerade eröffnete Negativkonto ein.

Das sollte sich übrigens manche Agentur, manches Marketing und mancher Controller mal zu Herzen nehmen und die richtigen Konsequenzen daraus ziehen: Investition!
Hier findet der direkte und unmißverständliche Kundenkontakt statt. Hier wird Vertrauen wieder aufgebaut, nachdem es durch die Fehlfunktion des Produktes einen temporären Knacks bekommen hat.
Hier kann keine Werbung und keine schönen Worte und bunten Plakate helfen. Hier hilft nur die Tat - schnell, präzise, reibungslos! Und minimal-invasiv für den eigenen Geldbeutel, bitte!

Als dann wenige Tage später der drahtige, junge Mann mit Werkzeugkisten bepackt in unserer Türe stand, mußte er nur noch das Markenversprechen wieder einlösen, um die Risse zu kitten, die es genommen hatte.
Für ihn ein Leichtes, war er doch freundlich, alert, zuvorkommend, kompetent, intelligent und schnell. Innerhalb einer halben Stunde funktionierte der Trockner wieder und mein Markenweltbild war mehr als in Ordnung.

Der Name Bauknecht und das damit verbundene Image, aufgebaut über Jahrzehnte, und die Mundpropaganda in meinem Umkreis hatten mich 2001 Bauknecht wählen lassen.

Nun hat eine einzige Person, keine Werbung, keine Gags und abstrusen Geschichten, eine Person hat nun dafür gesorgt, daß ich wieder Bauknecht (nicht nur Trockner, sondern alle möglichen Geräte) kaufen, vor allem aber Bauknecht empfehlen werde.

Der direkte Kundenkontakt, das kompetente Gespräch, Taten nicht Worte - dies sind die besten und wirkungsvollsten Social Media (im Sinne 'Social Networking', das Wort Media führt auf den Holzweg, den Agenturen und Medien am liebsten gehen), auch in den Tagen des Internet.

Liebe Markenartikler, investiert in den direkten Kundenkontakt, den qualitativen, nicht den quantitativen! Investiert in den Austausch, in Kompetenz und Markenerfahrungen im wahrsten Sinne des Wortes und aus erster Hand!
Versetzt Euch in die Menschen in diesen Situationen und überlegt Euch, wie Ihr dann behandelt werden wollt! Werdet empathisch, dann wird Eure Marke menschlicher.

Es wäre doch wundervoll, wenn nicht nur Bauknecht wüßte, was Frauen wünschen, sondern alle Marken wüßten, was die Menschen wollen!

Der Bauknecht-Auftritt in unserem Keller jedenfalls war des Titels 'lead/marke' bzw. intuition/company' würdig.

Monday, May 25, 2009

BBDOs Robertson hat recht und auch nicht

Interview im Handelsblatt mit Andrew Robertson, CEO BBDO Worldwide: "Viele Zeitungen werden verschwinden".

Womit Andrew Robertson recht hat

Auf die meisten Fragen antwortet er, daß 'das vom Land, von der Agentur, von der Branche, vom Kunden' abhänge, und daß 'das jeden Tag anders ist' - und er hat recht damit.
"Schöne Werbepläne, die vor sechs Monaten erstellt wurden, gehören heute leider in den Papierkorb", unterstreicht er.

Denk- und merk-würdig (im besten Sinnes des Wortes) sind auch seine Äußerungen zu TV:
Konsumenten "... verbringen mehr Zeit mit der Nutzung des Internets, und sie schauen mehr Online-Videos. ... Die junge Generation unterscheidet im Übrigen gar nicht mehr zwischen Fernsehen und Internet, für sie sind das alles 'Bildschirme'."

und Tageszeitungen:
"Meine Frau sagte mir, es mache einfach keinen Sinn mehr, das Blatt während der Woche zu beziehen, denn es liege nur in der Küche herum und wandere dann in die Papiertonne." Das Ende des Abos ist nah!?

Womit Andrew Robertson weniger recht hat

Gar nicht folgen kann ich allerdings seiner Prognose "Das Bewegtbild wird ein Gewinner im Wettbewerb der Medien sein.", denn das wird nur passieren, wenn sich die Agenturen mit ihrem Konservatismus gegen den Willen der Menschen durchsetzen.
Die Menschen möchten nicht weiter mit Werbemonologen gestört und abgelenkt werden von dem, was sie gerade tun und was ihnen Spaß macht.

Wichtiger als das Bewegtbild ist es, den Menschen zu bewegen, ihn zu begeistern, zu involvieren, ihn zu inspirieren und ihn sich für die Marke oder das Unternehmen engagieren zu lassen, indem man ihn integriert in die Entwicklung von Angeboten und Services.
Dafür muß er kein remoter Produktmanager sein, dafür muß er nur die Chance haben, daß seine Stimme gehört, seine Meinung und Ideen im Unternehmen respektiert und weiterentwickelt werden.
Er muß mit der Marke interagieren können, Erfahrungen sammeln können. Dafür muß die Marke und ihr Management vom Hohen Ross herunter und sich auf Augenhöhe mit dem Konsumenten begeben.
Nur der Blick in das Auge der Marke läßt Vertrauen entstehen.

UPDATE 10:37 Uhr
Hier zwei Studien, die erklären, daß Internet-TV noch einen langen Weg vor sich hat: "Internet-TV dürfte noch jahrelang floppen".
Allerdings argumentieren die Studien mit den hohen Kosten bzw. der Unmöglichkeit von Bezahlangeboten. Da ist zwar etwas dran (wie man nicht zuletzt am 20-jährigen Wachkoma von Premiere/Teleclub sieht), man darf sich aber deshalb nicht ins Bockshorn jagen lassen, denn eine Werbefinanzierung macht weiter Sinn (und im Zweifel mehr als im traditionellen TV).

Wednesday, May 20, 2009

Must Read: Cory Doctorow über die Relevanz des freien Internets

Ich möchte hier nur Corys ersten (und zentralen) Satz zitieren: "If politicians want to effect economic recovery, national competitiveness, good public health and high civic engagement, they have a duty to keep the internet free and open.", den Rest müßt Ihr selbst lesen: "We must ensure ISPs don't stop the next Google getting out of the garage". Es lohnt sich.

Wie verbittert die deutsche Politik gegen das freie Internet kämpft, sieht man in der mediaclinique-Kategorie 'porNO' bzw. 'Medienpolitik'.

Ideas for CMOs in a 'Down Economy'

Beim CMO Thought Leadership Summit in New York gab es einige Take Out Sessions kleiner Gruppen.
Hier das Ergebnis einer Gruppe, die die Prioritäten für einen CMO in der 'Down Economy' generieren sollte:

Idea #01: Get out of your office
Idea #02: Shift Regional
Idea #03: Fire your PR Agency
Idea #04: Invest in Tools
Idea #05: Precision Marketing
Idea #06: Outsource
Idea #07: Rebuild Your Team
Idea #08: Own the Data
Idea #09: Make it Easier
Idea #10: Buy a Competitor

Mehr Fleisch dazu gibt es hier.

Tuesday, May 19, 2009

Privat-TV verrät die eigene Zielgruppe

Bei ProSieben scheint es enttäuschte Gesichter zu geben, weil die Import-Serien 'Gossip Girl' und '90210' (eine generationen-übergreifende Neuauflage von 'Beverly Hills 90210') nicht laufen, die Quoten "tief im einstelligen Bereich" liegen, wie dwdl schreibt.

Aber jetzt mal ehrlich: wieso sollte noch irgendjemand diese Serien sich anschauen?
Tagein, tagaus bekommt man bei SuperNanny, Peter Zwegat, Christian Rach, den Gerichts-Shows und Polizei-Soapdokus gezeigt, wie die Welt da draussen wirklich aussieht, daß wir alle überschuldet, fett, häßlich, arm, verhaltensgestört und schwer erziehbar sind, am Rande der Debilität leben und nur noch durch Ganzkörper-OPs gerettet werden können.

Warum sollte sich dieser durchschnittliche deutsche Fernsehzuschauer junge, reiche, schlanke, intelligente, humorvolle, gutgelaunte, fleißige, sozial-engagierte und sportliche Männer und Frauen antun, die ihm nur noch schmerzlicher den Spiegel vor Augen halten, daß an ihm selbst Hopfen und Malz verloren ist (weswegen er es ja literweise in sich hineinschüttet)?

Warum sollte er sich so quälen lassen? Bisher hatte er das Glück, daß in den Filmen im Privat-TV die Reichen und Schönen nur Opfer von Sägern und Meuchelmördern waren und man sich wohl- und sicher fühlen konnte in seiner evolutionären Nische.

Hier aber bekommt man diese bittere Wahrheit präsentiert, daß es nicht nur ganz wenige schöne Menschen gibt, die zudem mit jeder Folge von Germanys Next Top-Model weiter dezimiert werden und bald ausgestorben sind, sondern daß ganze Heerscharen von ihnen an amerikanischen Schulen und Universiäten, in Cafés und Wohnküchen umherirren, um sich zu paaren und noch schöneren Nachwuchs zu gebären und schließlich die Weltherrschaft über die oben Genannten zu übernehmen.

Das würde ich auch nicht sehen wollen. Das ist ein Affront gegen die eigenen Zielgruppen. Wenn sie noch könnten, sollten sie auf die Barrikaden gehen, ihre Chips-Tüten dem Sender entgegenwerfen und Rehabilitierung verlangen. Sollten die Prinzessinen von ihren Erbsen verstoßen und sich selbst auf den Thron aus Sheba, Cola und Pommes setzen. Der Kunde selbst muß wieder König sein!

Die Marke Naddel schnackselt nicht

Naddel (Bohlen) hat Naddel (Big Brother) erklärt, daß die Marke Naddel geschützt sei und Naddel (BB) sich nicht mehr Naddel nennen darf. Was sagt das Patent- und Markenamt? Von Ralf Schwartz.

Gestern abend hat sich unser aller Liebling Naddel (Bohlen) mit ihrer offen zu Markte getragenen Dummheit auch noch die letzten eventuellen Sympathien verscherzt. Was ist passiert?

Naddel (Bohlen) hat das Big Brother Haus besucht und der dort (wieder) wohnenden Naddel erklärt, daß diese ihren Namen nicht länger tragen dürfe, da erstere diesen sich vor 8(!) Jahren habe schützen lassen, also nicht nur 'Naddel', nein, sondern alles mögliche, wie zB Naddelbaum, von Nadelbaum, Du weißt schon, Nadel - Naddel (im Studio-Interview).

The real Naddel erklärte, sie hätte erst vor wenigen Tagen von BB-Naddels Existenz erfahren (dabei ist die schon in der letzten Staffel dabeigewesen), und so ginge das ja nicht, dort herumzuschnackseln, das hätte the real Naddel ja noch nie gemacht, in 20 Jahren Karriere nicht, und das wäre schlecht für ihren Ruf, wenn eine andere Naddel dies so offen tun würde. Ja, natürlich, sie hätte auch eine Freundin, die Naddel hieße, das wäre aber okay, denn die hieße Naddel von Nadia wie sie selbst und nicht Naddel von Nadine, das ginge ja gar nicht. (Schnackseln (wikipedia) hat sie übrigens wirklich gesagt.)

Nach diesem Gespräch gingen die beiden zu den anderen Bewohnern um die neue Situation zu erklären, denn die dürfen ja auch nicht mehr Naddel sagen!

Hier die Naddel/Naddel-Highlights. Ganz großes Kino:

1 - Naddel/Naddel - Das Gespräch
2 - Naddel im Haus
Welch ein grandioser Schwachsinn! Und dann kommt Marcel auch noch mit der News von 'Naddels Bistro' in Köthen oder wie sein Dorf heißt, das gibt noch Ärger mit Naddel, also mit der echten.

Die Markeneintragung Naddel

Unter Registernummer 30706890 kann man die Eintragung der Marke 'Naddel' einsehen. Schutz hat Naddel also für:
Klasse 09:
"Geräte zur Aufzeichnung, Übertragung und Wiedergabe von Ton und Bild; Magnetaufzeichnungsträger und Schallplatten, Compact-Discs (Bild, Ton, ROM), optische Datenträger, Disketten; Computer-Software (gespeichert)
Klasse 16:
Fotographien, Druckereierzeugnisse, insbesondere Plakate, Portraits, Postkarten, Verpackungsmaterial aus Papier und aus Karton
Klasse 25:
Bekleidungsstücke; Schuhwaren; Kopfbedeckungen
Klasse 41:
Dienstleistungen, die der Unterhaltung dienen, insbesondere Musikdarbietungen, Produktion von Shows, Veranstaltung von Unterhaltungsshows, Durchführung von Live-Veranstaltungen"

Und dies nicht seit 8, sondern seit knapp 2 Jahren! Vielleicht meinte sie aber die Eintragung der Sappho GmbH zu gleicher Marke, die viel mehr Sinn macht:
"Parfümeriewaren, Mittel zur Körper- und Schönheitspflege; Schreibwaren; Lederwaren (soweit in Klasse 18 enthalten); Geräte für den Haushalt (nicht aus Edelmetall oder plattiert); Kaffee; Werbung; persönliche Dienstleistungen betreffend individuelle Bedürfnisse".
Was immer dieses 'persönliche Dienstleistungen betreffend individuelle Bedürfnisse' sein mag.
Der 'Naddelbaum' übrigens ist unter den unterschiedlichsten Rechtschreibungen beim DPMA nicht zu finden. Und Naddels Bistro wird so auch keine Probleme bekommen.

Die Konsequenz

Das wichtigste in diesem Zusammenhang ist, daß man Eigennamen wie 'Naddel' oder 'Apfel' nicht schützen lassen kann - bzw. besser gesagt, seine Verwendung durch andere nicht verbieten lassen kann. Würde auch keinen Sinn machen, denn dann dürften wir den Apfel nicht mehr Apfel nennen.

Liebe BB-Naddel, lasse Dich nicht ins Bockshorn jagen, behalte Deinen Namen, lasse es auf einen Streit ankommen. Habe Spaß, werde dadurch berühmt.

Achte darauf, Deinen richtigen Namen bei Events der Klasse 41 (Dienstleistungen, die der Unterhaltung dienen, insbesondere Musikdarbietungen, Produktion von Shows, Veranstaltung von Unterhaltungsshows, Durchführung von Live-Veranstaltungen) aufzubauen und sage Dir, daß nur ein richtiger Name seriös ist und man damit Erfolg haben kann, nicht aber ein Kosename. Das haben wir bei Heintje gesehen, der nie von seinem Kinderstar-Image loskam, und erleben seit Jahren den gelebten Infantilismus bei Naddel selbst.

In diesem Sinne: Get well soon!

Monday, May 18, 2009

TV-Quote: Gern lad ich mir Gäste ein

Schon lange steige ich nicht mehr in die Untiefen des quoten-medialen Tagesgeschäftes hinab, denn dafür gibt es in den forschenden Agenturen genug Experten, die der AGF und ihren Sendern widersprechen könnten.
Ups, Konjunktiv.

Diesen Artikel bei dwdl aber muß ich kurz kommentieren, laienhaft zwar, aber ich hoffe, trotzdem inspirierend: "Währungswechsel: So wird künftig die Quote gemessen".

dwdl beschreibt das Procedere, das künftig die Gäste-Nutzung messen wird (nachdem man herausgefunden hat, daß ebenso viele Panelteilnehmer außer Haus schauen, wie sie Gäster beherbergen: "Der Besucher im Panel-Haushalt A wird mit Alter und Geschlecht angemeldet und gezählt. Die Auswertungs-Software überprüft daraufhin, wo im Panel es einen Teilnehmer B gleichen Alters und Geschlechts gibt, der besagte Sendung nicht gesehen hat und eine Stunde vor und nach der Ausstrahlung den Fernseher nicht eingeschaltet hatte.
Fiktiv geht man dann davon aus: Der war bestimmt unterwegs und hat bei A ferngesehen. B bekommt die Fernsehzeit des Gastes rein rechnerisch aufgebrummt.
Der positive Nebeneffekt für die Sender: Die Gesamtreichweite erhöht sich.".

Das Wichtigste dabei ist der letzte Satz, denn das ist das einzige Ziel der Quotenmessung in diesen Tagen des Internet, des Online-Viewing, der Qualitätsflucht, etc.

Konzentrieren wir uns aber auf das Gesagte: Taucht in einem der 5.640 Haushalte ein Gast auf, und sieht in einem anderen der 5.640 Haushalte gerade eine ähnliche Person (Geschlecht, Alter) nicht fern, so wird diese nichtsehende Person als sehend gefeiert. So weit, so gut.

Leider funktioniert dieses System nur solange, wie es in Deutschland nur 5.640 Haushalte gibt. Tatsächlich jedoch gibt es (laut wikipedia) 39,178 Millionen(!) Haushalte, wie wir alle wissen.

Im Extrem bedeutet das neue System der Messung der Gäste-Nutzung also: Würden unglaubliche 50% der 5.640 Panel-Haushalte 1 Besucher von außerhalb des Panels haben, der jeweils 1 anderen Panel-Nutzer entspricht, der gerade nicht TV sieht, und würden zB diese unglaublichen 50% alle DSDS sehen, würde sich die Quote rechnerisch verdoppeln - allein, weil das Panel durch diese rechnerischen Spielereien durch Besucher von außerhalb des Panels stark kontaminiert werden kann.

Klingt logisch, oder?

Nun, liebe AGF, wo liegt in meinem Denken der Fehler?
Oder ist es so, daß man sich jetzt mal so richtig reichrechnet auf Kosten der Werbungtreibenden, die natürlich noch seltener als ich in die Untiefen des quoten-medialen Tagesgeschäftes hinabsteigen, da es ja in den forschenden Agenturen genug Experten ...?

In diesem Sinne: Get well soon!


> Siehe auch mediaclinique "TV-Sender: Lange Nasen, kurze Beine".
> Und mediaclinique "TV: Auf die 14-49er-Lüge folgt die 20-59er-Lüge!".

Thursday, May 14, 2009

Microsoft: Sex sells Search?

In meinem Hotmail-Account mußte ich über diese Microsoft Live Search Reklame stolpern. Ein Banner, dessen drei Steps ich zu untenstehendem Tryptichon arrangierte.

LiveSearch
Picture courtesy Microsoft / mediaclinique.

Von all den Millionen Suchworten verfällt Microsoft auf 'Ipanema Beach'? Will Microsoft etwa damit seine Vorherrschaft in der Suche gegenüber Google anmelden? Will Microsoft damit seine technische Überlegenheit demonstrieren? Will Microsoft damit seinen Vorsprung in semantischer Suche begründen?

Würden die Menschen, die obige Bilder zu finden trachten, nicht direkt und weiter nördlich nach kleinen Hunden oder einfachen Blasinstrumenten oder akustischen Warnwerkzeugen suchen?

Kann sich Microsoft so wenig in seine Nutzer hineinversetzen? Ist Microsoft so verzweifelt?

Und was hat das Ganze mit 'Best of Beachgirls' zu tun? Muß ich das Ganze jetzt auch noch unter einer frauenfeindlichen Konnotation verstehen? Das 'Beste eines Beach Girls' ist doch bestimmt sein Lächeln, sein Esprit, seine ursprüngliche Lebensfreude, seine Kommunikationsfähigkeit, Eloquenz und Intelligenz! Oder?

Es ist schade, daß ein Konzern mit so vielen Millionären, Vordenkern, Nachdenkern und Visionären auf solch platte Analogien verfällt. Es ist doch absolut überflüssig, ohne Not sich auf dieses Niveau zu begeben, statt knallhart am Produkt, seinen Vorteilen, seinem USP zu bleiben.
Dies ist meilenweit vom Microsoft-Image entfernt, meilenweit von seiner Wunsch-Positionierung, meilenweit von seriöser Technikführerschaft. Das ist nichtmal witzig!

So wird man nie Google ernsthaft Konkurrenz machen können - denn die sind ja schon wieder einen Schritt weiter und bieten mit ihren neuen Options die sinnvolle Unterteilung ihrer Suchergebnisse in Photo, Video und Inhalt, sowie in chronologische Dimensionen und Zeitläufe an.

In diesem Sinne, liebe Microsofties: Get well soon!

Wednesday, May 13, 2009

Zappos forever

Bin gerade über diesen Artikel gestolpert: "Why Zappos are ...". Der erklärt sehr schön, warum man Twitter nutzen sollte. Enjoy!

Via: Right Brain, Left Brain "Why marketers should follow the Zappos model".

L'Oreal macht Zornesfalten

Endlich hätten wir hier mal über eine Kampagne sprechen können, die einen wirklichen Nutzen hat, nämlich erstmals den Grund für die Einnahme eines Gegenmittels selbst zu erzeugen, und nun ist die Kampagne schon wieder abgeblasen.

L'Oréal (oder die Agentur) hatte die phantastische Idee, zwischen die Bilder einer 15-teiligen Click-Strecke 15mal jeweils ein und dieselbe Anzeige zu schalten.
Um die Wirkung einmal zu erhöhen hatte die L'Oréal Reklame natürlich nicht die Größe des Photos, sondern legte sich direkt über das ganze Browser-Fenster. Das sah dann so aus:

LOrealFalten
Keine Anzeige, sondern Screenshot der L'Oréal-Aktion im manager-magazin.

Damit nicht genug: Um die Wirkung doppelt zu erhöhen, konnte man die Reklame sogar oben rechts in der Ecke wegclicken! Das nennt die Agentur bestimmt Involvement.

Für mich stieg die Wirkung nach den ersten 3 Photo- und 'Anzeige-überspringen' Clicks sogar exponentiell.
Meine Augen verengten sich auf das Produkt, ich bekam Sorgenfalten um die Augen, Zornesfalten gar. Meine Augenlider wurden schlaffer ob der doppelten Anstrengung, Click-Strecke und Anzeigen-Strecke bewältigen zu müssen. Meine Tränensäcke füllten sich ob der Vorstellung, 30mal geclickt haben zu müssen, um dieses Elend zu überstehen.

Doch da!, ich las die Worte in der Anzeige "Schlaffe Augenlider? Tränensäcke? Falten um die Augen?" und fühlte mich erkannt, angesprochen, interessiert, reaktionswillig, ich mußte handeln - und verließ die Seite ...

Also bei mir hatte AIDA gewirkt: ich war von L'Oréal
Angenervt,
Irritiert,
Desorientiert und
Abgetörnt
- wenn auch nicht in der gewünschten Qualität. Unvorhersehbar? Nein, man muß sich nur in die Köpfe der Nutzer versetzen, man muß nur im Nutzer- und Nutzen-Sinne denken und nicht im monologen, platt werblichen, egoistischen Interesse. Diese Zeiten sind vorbei!

Werbung soll uns nicht mehr abhalten von den Dingen, die wir gerne tun (wie zB diese Clickstrecke über die wertvollsten Marken der Welt anzusehen), sondern soll uns unterstützen, bei dem, was wir gerade tun, soll einen (zusätzlichen) Nutzen bieten.

Werbung selbst, die Kommunikation, muß der Nutzen werden. Und bitte: Mir 15mal diese platte Botschaft um die Ohren hauen zu wollen, hat für mich Null Nutzen!
Nutzen ist auch nicht, wie eingangs spaßeshalber gesagt, mir erst die Falten zu machen und mir dann das Gegenmittel anzubieten. Da müssen Agentur und Marketing (noch) kreativer werden!

Der Nutzen der Kommunikation muß so überzeugend, begeisternd und inspirierend sein, daß die Menschen darüber sprechen - im Positiven, nicht wie hier im Negativen!

In diesem Sinne: Get well soon!


(Wie auch schon gesagt, diese als Kampagne getarnten Störer laufen nicht mehr. Wem auch immer sei Dank.)

Monday, May 11, 2009

24/7-April 04: Tempo als Toilettenpapier

Horizont und w&v berichten heute übereinstimmend: "Nach 80 Jahren bringt die bekannte Papiertaschentuch-Marke erstmals auch Toilettenpapier auf den Markt."

Das ist bestimmt alles sauber abgefragt, getestet und beobachtet. Aber nur weil Opa kein Toi-Papier mehr unter der gehäkelten Rolle auf der Hutablage seines Audi hat, und Oma ihm stattdessen Tempo reicht, muß das noch nicht bedeuten, daß es wirklich Sinn macht, wenn Gesicht und Gegenteil eine solch unheilige Allianz eingehen.

Für mich ist und bleibt das ein April-Scherz! "Hasse mal'n Tempo" jedenfalls wird jetzt wohl vom geflügelten Wort zur Witzfigur.

Wer das alles nicht glauben mag, der kann sich hier selbst überzeugen: tempo-toilettenpapier. Eine schwierige URL übrigens, empfinden doch die Seher der geplanten Spots in den nachmittäglichen Werberahmenprogrammen Orthographie eher als Vogelkunde.
(Tempo-teulettenpapier.de haben die Verantwortlichen jedenfalls noch nicht gekauft, da schlägt die Telekom-'Navigationshilfe' unbarmherzig in die Kerbe, da könnte man aber reich mit werden, wenn man schnell genug ist.)


> 24/7-April 03: > "Klinsmann und das Kreuz des FC Bayern".
> 24/7-April 02: > "Müntefering empfiehlt neue Verfassung für Deutschland".
> 24/7-April 01: > "Papst schickt 500 Ostereier ..." (inkl. 24/7-April Definition).

Aller guten Dinge sind 3 - auch bei Denkfehlern!

Nur eine kurze Notiz bei Horizont.net ließ mich staunen darüber, wie Agenturen immer noch denken. Michael Enzenauers, Geschäftsführer Optimedia, Thesen aus dem Interview:

1 - "Viele, vor allem junge Mediaplaner, interessieren sich viel zu wenig für die Medien, die sie belegen"

Eine interessante These, die mit der nächsten aber schon ad Absurdum geführt wird! Was denn jetzt!?

2 - "Jüngere Mitarbeiter bevorzugen häufig das Medium, dass ihnen persönlich nahesteht. Ob das immer markenadäquat ist, bezweifele ich."

Wäre dem wirklich so, müßte Kino weitaus höhere Werbespendings aus dem großen Budgetkuchen bekommen, oder?

Wäre dem wirklich so, müßten die Internet-Spendings in den entsprechenden Zielgruppen auf dem Niveau von TV sein, oder?

Das Internet ist kein Medium im herkömmlichen Sinne, die Agenturen versuchen nur ständig, eines daraus zu machen, weil sie es sonst nicht begreifen können.

Wie markenadäquat ist es denn, TV nur wegen der Kickbacks zu belegen? Und Print aus dem gleichen Grunde über die letzten 10-20 Jahre zu vernachlässigen?

Unterstellt man, daß der jüngere Mitarbeiter, die jüngere Mitarbeiterin neugieriger, wißbegieriger, lernfähiger ist als der ältere Mitarbeiter (zB Michael Enzenauer), unterstellt man weiterhin, daß die jüngeren Mitarbeiter Digital Natives sind, also im Internet geboren und mit ihm organisch aufgewachsen, sind sie die Zukunft der Kommunikationsberatung - für das Wohl der Marken und für das Wohl der Agenturen.

Darüber sollten die 'älteren Mitarbeiter' mal nachdenken!

3 - Die Verlage müssten sicherstellen, dass die Qualität ihrer Produkte dennoch erhalten bleibt, um im Wettbewerb mit dem Internet nicht weiter an Boden zu verlieren, sagt ME.

Selbst wenn die Verlage die Qualität verzweifelt halten, werden sie untergehen. Es geht längst nicht mehr um das 'Halten' der Qualität. Es geht darum, sich neu zu erfinden. Es geht darum, zu verstehen, daß das Internet die Welt, das Leben und die Menschen fundamental verändern wird.
Es geht darum, neue Qualitäten zu entwickeln, Internet und Gedrucktes synergetisch zu verbinden, aus der Addition der Beiden mehr als die Summe ihrer Teile zu machen!

Darum geht es übrigens auch für die Agenturen - auch wenn die es immer noch nicht wahrhaben wollen!

In diesem Sinne: Get well soon!

Friday, May 08, 2009

Togal für Ministerin Zypries

Wir wissen nicht, was der freundliche Tankwart unserer Bundesjustizministerin Brigitte Zypries empfehlen würde, die laut heise Google "Urheberrechtsverstöße im großen Stil" vorwirft, aber wir empfehlen der Ministerin "Urheberrechtsstreit: Was Google tun darf" aus der zeit online.
Dann verschwinden die Kopfschmerzen, die Google bereitet, sofort.

Zu Risiken und Nebenwirkungen dieses Artikels sollte sie nicht sich selbst oder ihre Experten befragen, sondern jemanden, der sich damit auskennt (den wiederum entgegen der landläufigen 'Geleb Seiten'-Werbung man aber nicht ebenda, sondern im Internet via Google findet).

(51299 sfw, Just do it!)

Thursday, May 07, 2009

Mercedes: Endzeitstimmung statt Avantgarde

Mercedes steckt anscheinend immer noch in der Göttgens-Schleife: es gelingt einfach nichts. Aktueller Versuch ist das Key-Visual zur Berliner Fashion-Week, das Horizont zeigt:
Benzosaurus
Picture courtesy Daimler, Horizont. Hier das Bild in Groß.

1 - Sieht jemand das Auto???

2 - Die Szene erinnert an die Landung eines UFOs, aus einer anderen Welt, zum Ende der 50er Jahre: Das Ding aus einer anderen Welt!
Und genau das ist das Auto heute: Mercedes Benzosaurus!
Ob es da hilft, nur eine adrette, junge Dame im Vordergrund zu drapieren, um die Fashionistas der Welt zum Kaufe, zur wohlwollenden Kenntnisnahme, zum Imagewandel zu bewegen?

3 - Ein wenig lebt die Szenerie auch von den Alien-Versatzstücken, und der klingonische Flügelgleiter an der Decke ist unverkennbar.

4 - Stellt Mercedes auch Ventilatoren her? Hailo-Stufenleitern? Neue Kooperationen? Warum diese Prominenz? Kunden der Agentur?

5 - Irgendwie stimmt die 80er-Jahre-Ästhetik ja. Aber ein wenig Zukunft, Licht in der Dunkelheit oder am Ende des Tunnels wäre natürlich schöner. Aufbruchsstimmung statt Trauer wäre schöner. Sonne, Helligkeit und Klarheit statt vieldeutigem Nebel wären schöner.

6 - Wenn man schon nicht den Mut zu einem Statement - und sei es nur aus Trotz - aufbringt, sollte man es lieber ganz sein lassen, als uns dieses Bild zu servieren.

7 - Daß das Selbstbewußtsein einer Branche angeknackst ist, muß man uns ja nicht auch noch werblich unter die Nase reiben. Nach 20 Jahren der Reaktion und Reaktanz erwarten wir heute mehr denn je zuvor Aufbruchsstimmung, Ausblick, Avantgarde, Leadership!

In diesem Sinne: Get well soon!

Wednesday, May 06, 2009

studiVZ verklagt sich selbst

"Wir sind ein soziales Medium! Wenn wir grundlos alle verklagen, die uns kopieren, dann müssen wir jetzt auch uns verklagen, wenn wir Twitter kopieren!", gestand erklärte Satir E., studiVZ-Pressesprecher i.R.

StudiVZ hatte nicht gemerkt, daß es - nachdem es vor Jahren sich selbst aus Facebook klonte - nun mit Buschfunk einen Twitter-Klon geboren hat.
Man hätte noch gescherzt, daß die Klon-Zentrale zuerst 'Buchfink' statt 'Buschfunk' als Namen hätte haben wollen, diesen dann aber wegen eventueller Ähnlichkeiten zu Twitter verworfen hätte.
Und nun muß man über "Gestern wie Facebook, heute wie Twitter" und "Twitter heisst jetzt Buschfunk… bei meinVZ " gerade aus Blogs die schreckliche Wahrheit erfahren.

Satir E. versprach, studiVZ werde mit aller Härte gegen sich selbst vorgehen, um die Vorkommnisse rückhaltlos aufzuklären und dafür zu sorgen daß dies noch höchstens 3mal vorkomme, ehe man sich selbst in KlonVZ umbenenne, um ein Zeichen zu setzen für alle, die noch immer mit studiVZ Geschäfte machen oder dort Profile anlegen.

Gleichzeitig bot er an, als Wiedergutmachung das Profil der Piratenpartei wieder freizuschalten, das er sich heimlich downgeloaded und unter seinem Kopfkissen versteckt hatte.

Pro Sieben: Humor ist, wenn man trotzdem guckt

Wie quoten-killt man Qualität wie 'Switch Reloaded' und 'Der kleine Mann'? Indem man sie hinter Trash wie 'Mascerade' und 'Die einzig wahren Hochzeitscrasher' klemmt! Von Ralf Schwartz.

Während letztere noch unterhalb des Niveaus von 'Takeshi's Castle' angesiedelt sind, muß man erstere als gradezu intellektuell im Rahmen des deutschen Privatfernsehens bezeichnen.

Diese Sendungen in der Reihenfolge 3, 4, 1, 2 lustlos nacheinander abzuspulen, und gleichzeitig zu hoffen, daß die gebildeteren Schichten länger wachbleiben bzw. die weniger gebildeten - und eher bebilderten - Schichten angetan sitzenbleiben, ist verwegen, wenn nicht verzweifelt.

Vielleicht ist dies aber auch nur die besondere Form des bisher nicht vorhandenen Pro Sieben Humors. Vielleicht kann man daraus eine Sendung machen. Ansätze gibt es ja bei Stefan Raabs TV-Kritik.

Vielleicht aber möchte man nur Switch und dem kleinen Mann den Garaus machen!?

Oder sind wir inzwischen soweit, daß Qualität erst ab 18 freigegeben ist und deshalb spät laufen muß? Wie Sloterdijk und Safranski am nächsten Tage 00:00 Uhr? Daß das Volk vor Qualität geschützt werden muß, sonst verlangt es sie auch beim Joghurt und in der Politik?

Ist Qualität inzwischen Pornographie? Muß man dafür extra zahlen? Mit Schlafentzug? Findet sie nur noch in Hinterzimmern und vorgehaltener Hand statt? Ist sie nur noch Aufgabe der Kultursubvention?

Sollten diese Sendungen auf Phönix laufen? Auf n-tv oder N24? Damit man nicht jeden Abend über Adolf und sein Reich stolpert?
Sollten sie auf ARD/ZDF laufen, um an deren Höhepunkte in den 60ern anzuknüpfen? Sollten sie direkt im Anschluß an die schwarz/weißen Folgen von Ekel Alfred oder Erik Ode in WDR bzw. 3Sat laufen?

Strahlt Pro Sieben etwa diese Serien - und ähnliche - nur aus, damit sie nicht irgendwo anders laufen? Da sollte man klüger sein, denn ließe man sie auf Konkurrenzsendern laufen, könnten sie dort die Quote zum Pro Sieben Nutzen zerstören.

Warum also quält man sich? Möchte man Grimme-Preis-Formate schaffen, die schon deshalb geehrt werden, weil sie keiner mehr sieht? Möchte man sich einen intellektuellen Anstrich ua. dadurch geben, daß die Werbepausen rekord-verdächtig entfallen?

Will man den letzten einigermaßen intellektuell-humorvoll Gebildeten zu SAT.1 treiben, um dort sich von Fußball langweilen zu lassen? Das gehört sich nicht unter Waffenschwestern.

Liebe Pro Sieben - und auch lieber Comedy Central mit 'New Adventures of Old Christine' - es macht keinen Sinn, Qualität in Müll zu betten, um sie stärker strahlen zu lassen. Müll und Qualität sprechen für sich selbst.

Müll kontaminiert - Qualität aber euphemisiert nicht - das Umfeld!


> Mehr zu den Quoten bei dwdl "ProSieben: Ordentlicher Start für Mascerade".

Monday, May 04, 2009

Die deutsche Presse und die vertane Chance

Am Sonntag war 'Tag der Pressefreiheit' und keiner hat's gemerkt. "Ohne Freiheit der Berichterstattung gibt es keine Demokratie", sagt EU-Entwicklungskommissar Louis Michel. Von Ralf Schwartz.

Googelt man heute 'Tag der Pressefreiheit', findet man
> viele Einträge, aber
> alle wiederholen nur den UN- oder 'Reporter ohne Grenzen' Bericht
(tagesschau.de: "EU und UNO beklagen Gewalt gegen Journalisten")
(fr-online: "Angriffe auf Journalisten 'schockierend'",

> niemand kümmert sich wirklich um Deutschland,
> keiner mag wirklich ernsthaft über das Internet und die Zensurbemühungen der demokratischen Regierung (oder ist es nur noch eine marktwirtschaftliche) in Berlin nachdenken,

> die etablierten Medien halten sich brutal zurück
(Ausnahme spiegelonline: "Auch Deutschland und USA am Pranger")

> die meisten Einträge sind aus den Vorjahren, was einerseits nicht verwundert
(medienlese: "Kein Grund zum Feiern"),
andererseits aber doch
(süddeutsche 2007: "Tödliche Wahrheiten")
(süddeutsche 2008: "Kein Grund zum Jubeln")
(Selbst in meinen RSS-Feeds findet sich nichts Aktuelleres!)
(Bundesverband deutscher Zeitungsverleger(!) 2005: "Internationaler Tag der Pressefreiheit").

Der Bayerische Journalistenverband

Aber 'internationaler' Tag der Pressefreiheit bedeutet wohl einfach 'nicht bei uns'. Über den Irak kann man sich aufregen und den Iran, und trefflich diskutieren über die Pressefreiheit anderswo, wie der Bayerische Journalistenverband es tat am gestrigen Tage: "Pressefreiheit im Nahen Osten - Realität oder Fiktion".

Hier übrigens der Ablauf der Veranstaltung:
"14:30 Uhr Beginn/Begrüßung
15:30 - 16:00 Uhr Kaffepause ...
16:00 Uhr Podium: „Pressefreiheit in Nahost“ ...
18:00 Uhr Stehempfang - Imbiss und Getränke ...
20:00 Uhr Ende der Veranstaltung"
Ich darf den Ablauf übersetzen: Von 5,5 Stunden Dauer gehen ca. 3 Stunden für Beginn,  Kaffeepause und Stehempfang drauf.
Aber hier geht es ja auch um Social Networking und Würstchen im Gedenken an die Pressefreiheit im Nahen Osten.

Die Journalistenakademie

Auch die Journalistenakademie, die über sich selbst sagt: "Online-Journalismus und praktischer Journalismus sind Schwerpunkte der Journalistenakademie", lud ein zum obigen Tanztee um das rostende Kalb Pressefreiheit.

Dabei dachte man, wenigstens in den jungen Journalisten brennt noch das Feuer der Freiheit ...

Der Presserat

Auch der Presserat kann sich zu solch profanen Themen wie Pressefreiheit nicht äußern, liegen ihm doch andere Themen mehr am Herzen:

"Pressemitteilungen

* 20.03.09
Presserat, Verleger- und Journalistenverbände warnen vor Titelsterben durch Datenschutznovelle
Gesetzentwurf verhindert die Gewinnung neuer Leser – nicht aber den beklagten Datenmissbrauch

* 06.03.09
Das Thema Transsexualität erfordert Respekt und Sorgfalt
Beschwerden über Berichte zum Dschungel-Camp

* 06.03.09
Gebrauchsanweisung für illegale Software
Presserat spricht insgesamt sechs Rügen aus

Aktuelles

* 25.03.09
Winnenden - und die ethischen Grenzen
Dem Deutschen Presserat liegen aktuell mehr als 60 Beschwerden von Lesern zu der Berichterstattung über Winnenden vor."


Schade, daß dem Presserat zum Thema so gar nichts einfällt, sind seine Aufgaben doch unter anderem:
"- Entwicklungen entgegenzutreten, die die freie Information und Meinungsbildung des Bürgers gefährden könnten"
"- für den unbehinderten Zugang zu Nachrichtenquellen einzutreten"

Aber vielleicht gibt es gar keine 'Entwicklungen, die die freie Information und Meinungsbildung des Bürgers gefährden könnten' und es lohnt sich gar nicht, 'für den unbehinderten Zugang zu Nachrichtenquellen einzutreten'.

Da sollten die Beteiligten vielleicht nochmal in sich gehen ... diesen Artikel von oben beginnen zu lesen ... sich den "Überblick zum Thema Netzsperren" im Datenschutz-Blog zu Gemüte führen, um zu verstehen, wo heute die Pressefreiheit zu erodieren beginnt.

Saturday, May 02, 2009

StudiVZ verkommt immer mehr zum Kindergarten

Langsam kann man StudiVZ nun wirklich nicht mehr ernst nehmen. Jahrelang haben sie inzwischen jeden verklagt, der nur in die Nähe der Buchstaben V und Z kam, und nun verweisen sie die Piratenpartei des Platzes, während sie gleichzeitig die etablierten Parteien zu sich einladen.

Was macht das für einen Sinn? Wie kann man solch ein Netzwerk noch ernstnehmen? Gerade Social Communities müßten Bewegungen wie die Piratenpartei unterstützen, denn sie kämpfen auch für ihre Freiheit und ihren Erfolg - gegen die Vorstellungen der etablierten Parteien.
(Würden FDP, Grüne und Linke ihre Haltung zu Internetsperren und -zensur ernstnehmen, müßten sie sich für die Wiederherstellung des Piratenpartei-Profiles bei StudiVZ einsetzen!)

> Pressemitteilung "Piratenpartei kritisiert einseitigen Wahlkampf auf StudiVZ".
> Hier für alle, die die Partei noch nicht kennen, die Ziele.

Die mediaclinique macht hier keine Werbung für die Piratenpartei, sondern für die Demokratie - die sich stark genug fühlen sollte, auch kleine, demokratische Parteien nicht unterdrücken zu müssen. Dies sollte gleichzeitig das wichtigste Anliegen der etablierten, demokratischen Parteien sein!

Wednesday, April 29, 2009

Warum es gut für uns als Konsumenten ist, wenn Big Brands sich in Social Media engagieren

Der Artikel bei mashable ist zwar schon ein wenig älter (März 09), aber nichtsdestotrotz lesenswert, da er die etablierte Denkweise auf den Kopf stellt und uns erläutert, warum es gut für den Konsumenten ist, wenn große Marken sich in Social Media - oder besser Social Networking - engagieren und nicht umgekehrt.

Höchstwahrscheinlich fällt es deutschen Marketingverantwortlichen schwer, plötzlich so zu denken, bedeutet dies doch gleichzeitig, (für sie) völlig neue Paradigmen für das Marketig und die Marke der Zukunft zu akzeptieren.

Hier die 8 Thesen von Tom Smith aus seinem Text "Why We All Benefit From Big Brands Being in Social Media":

1. Social media drives complete transparency
2. Social media drives quality product
3. Social media can be a great customer service channel
4. Social Media creates products that we want
5. You control the relationship
6. Big brands keep our access free
7. Big brands have interesting stories to tell
8. Users drive the content and conversation

Die muß man sich auf der Zunge zergehen lassen, jagen sie doch noch immer jedem Marken- und Marketingverantwortlichen kalte Schauer den Rücken hinunter.

Bisher kann ich nur bei den wenigsten Agenturen und Marketingverantwortlichen Bestrebungen in obige 8 Richtungen erkennen. Die wenigsten wissen, wie man die Thesen umsetzen soll. Die wenigsten trauen sich, soviel Macht an den Konsumenten zu übertragen. Die wenigsten wissen, daß diese 8 im Grunde nur eine einzige Richtung andeuten und dies die einzig richtige ist: nach vorne, der Zukunft und dem Konsumenten entgegen. Denn der ist längst dort. Und wartet ungeduldig auf die Marke!

Dabei gibt es bei guten Geschäftsmodellen, Marken und Produkten überhaupt kein Problem, dies zu leben. Bei guten!
Die wenigsten wissen eben wie.

Der einfachste Weg wäre, von den großen Seiten wie Amazon, eBay, Google, Facebook, YouTube zu lernen, wie sie im Markt agieren - ohne sie zu imitieren.
Diese Learnings sind auf die eigene Marke und Kommunikation zu transformieren, nicht zu adaptieren - dazu braucht man keine Agentur, sondern Gesunden Menschenverstand.
Vor allem aber muß man sich endlich eingehend mit den neuen Möglichkeiten des immer noch Web 2.0 beschäftigen, von Digital Natives lernen, sich selbst im Social Networking üben, um die immensen Unterschiede, Chancen und Möglichkeiten zu begreifen und darauf kreativ und innovativ aufbauen zu können.

Hier reicht leider kein Hörensagen mehr, wie immer noch manche Agentur und Beratung zu empfehlen meint.

Friday, April 24, 2009

Sidolin schmerzfrei

Komme erst jetzt dazu, etwas über die 'viralen' Spots von Sidolin zu schreiben, da ich bisher immer einschlief, wenn ich sie mir ansah. Da hat der verantwortliche Marketingleiter ganze Arbeit geleistet.
Vielleicht ist das aber auch nur die Strafe für den Verzicht auf eine Agentur!?

Kein Fünkchen Viralität!

Drei 'virale' Spots sind unter sidolin.de zu sehen. Sie sind banal, kein bißchen 'oral' oder 'anal', ergo kein bißchen viral:

1 - Ein junger Spießer ohne Brille putzt die Scheiben, die er anscheinend seit drei Jahren nicht geputzt hat. Sie werden nicht sauber. Durchschimmernd sieht er im Hause gegenüber eine junge Dame sich ausziehen. Daraufhin rubbelt er schneller, das ist nur natürlich, sein Putzmittel aber versagt. Vielleicht hätte er einen Schluck Sidolin nehmen sollen, vielleicht hätte er dann die Idee gehabt, einfach das Fenster zu öffnen. Aber im Eifer des Gefechtes ...
Abbinder: Kein Sidolin, kein Durchblick. Packshot.

2 - Der gleiche, nette Spießer putzt nun mit Sidolin das Fenster und hat sofort Durchblick. Das Mädchen gegenüber zieht sich wieder was anderes aus, trägt aber noch die gleichen Dessous. Warum stellt sie sich immer direkt vor das Fenster, ihr Raum ist doch groß genug?
Kurz vor BH entdeckt sie den jungen Mann, lächelt und zieht trotzdem die blickdichte Gardine zu. Packshot.

3 - Der gleiche, nette Spießer (er trägt inzwischen Brille, wie die Zeit vergeht). Die Frau zieht sich wieder was anderes aus, trägt aber die gleiche Wäsche wie immer. Er putzt seine schmutzige Brille. Als sie endlich sauber ist, ist auch sie verschwunden. Er guckt geknickt. Was ist jetzt bloß der Benefit der Sidolin-Brillenputztücher, wenn er trotz Anwendung noch geknickt ist? Packshot.

Ein Fünkchen Viralität - unintended!

Das einzig virale, was ich an diesen Spots entdecken kann, ist, daß sie anscheinend eine kleine Schlampe ist, die sich gerne in alter Unterwäsche am frisch geputzten (mit Sidolin!?) Fenster zeigt, wo sie jeder sehen kann, aber sie nicht bis zum Ende geht, um die Männer zappeln zu lassen.

Er hat sich ob seiner schmutzigen Fenster Sidolin und zur Sicherheit eine Brille zugelegt. Es ist eingetreten, was Ulrike von der Leyen prophezeit, er ist nach einer zufälligen Begegnung mit seiner Begierde bereits abhängig und kauft Sidolin und Brille, um besser spannen zu können.

Leider reicht diese, meine Interpretation nicht, um die Spots viral zu machen, denn für den durchschnittlichen Beobachter ist dies nicht ohne Weiteres erkennbar. Selbst den ersten Spot habe ich weit viraler beschrieben, als er in Wahrheit ist!

Viral ohne virale Technik geht nicht!

Zum Glück kann man den Spot nirgendwo einbinden, sondern nur an Freunde versenden (womit Sidolin zumindest die eMail-Adressen kassiert hätte, denn es steht nirgendwo, daß genau das nicht passiert).

Zum Glück ist die Möglichkeit, den Spot weiterzuspinnen, ganz gut hinter 'weitermachen' versteckt.

Zum Glück gibt es auch nirgendwo den Hinweis auf einen YouTube-Kanal, so daß der Spot uns auch nie wieder mit seiner Langeweile belästigen wird.

Viral ohne virale Ahnung geht nicht!

Irgendwie schade, daß soviel Zeit, Geld und Human Resources zum sidolin-geputzten Fenster hinausgeworfen werden, nur weil man will, aber nicht kann, nur weil man niemanden gefragt hat, der sich damit auskennt, nur weil man sich selbst im Internet anscheinend noch nie so richtig ausgelassen bewegt hat.

Wer in aller Welt würde wohl auf die Idee kommen, freiwillig sidolin.de in seinen Browser zu tippen, und erst damit auf die 'viralen' Spots aufmerksam zu werden?
Wer hat da wohl die grundlegendsten Zusammenhänge von Bekanntheit, Aufmerksamkeit und Wirkung noch nicht ganz verstanden?


In diesem Sinne: Get well soon!

Thursday, April 23, 2009

Politik, Blogger und die lachenden Pornographen!

Wieviel Energie wollt Ihr noch im Kampf gegeneinander - unter dem Gelächter der Kinderpornographen - verschwenden, statt endlich miteinander gegen diese zu kämpfen? Ein Aufruf! Von Ralf Schwartz.

Ich habe nun eine ganze Woche nichts mehr zum Thema gesagt, weil ich nicht mehr mitansehen kann, wie sich erwachsene Menschen, die eigentlich sogar das Gleiche wollen, in aller Öffentlichkeit bekriegen.

> Kinderkram

Auf dem vorläufigen Höhepunkt der Auseinandersetzung lügen die einen (offensichtlich, denn sonst wären sie wirklich schlecht informiert) und verdrehen Aussagen und Statistiken, um ihr Ziel zu erreichen, die anderen werden unfair, beginnen zu schreien, zu streiken und sich wie zwölfjährige Mädchen zu verhalten, um ihr Ziel zu erreichen.
Das ist alles Kinderkram und hilft weder gegen Kinderpornographie noch gegen die Netzsperren! Das hilft nur den Kinderpornographen!
(Ich möchte hier nicht den Stand der Diskussion wiedergeben, das machen zig andere und sie ist verfahren genug.)

> Weckruf!

Hört endlich auf, Eure Kräfte verschwenden, Euch aufzuregen und die Sau noch wiederholte Male durch's Dorf zu treiben. Ihr lauft doch nur im Kreise!

Es wird Zeit, aufzuwachen, hier geht es um mehr! Es wird Zeit, innezuhalten, die Fehler der letzten Wochen beiden Seiten zu verzeihen und nach Vorne zu sehen - auf das gemeinsame Ziel, die Kinderpornographie in Deutschland und der Welt auszurotten!

> Ruhe also, Ratio und Reflexion

Laßt nicht die Emotionen noch weiter hochkochen. Es macht keinen Sinn, sich gegenseitig zu beschimpfen, zu mißachten und sich gegenseitig vor allen anderen schlecht zu machen.
Die einzigen, die daran ihren Spaß haben, sind die lachenden Pornographen.

1- Unterstellen wir für einen Moment, das Netzsperren-Gesetz wolle wirklich und ausschließlich die Verfügbarkeit und Verbreitung von Kinderpornographie eindämmen und nicht die erste Stufe der Informations- und Kommunikationszensur sein.
2 - Unterstellen wir für einen Moment, alle am Gesetz Beteiligten würden nach bestem Wissen und Gewissen handeln und hätten keine Hidden Agenda.
3 - Unterstellen wir für einen Moment, alle Gegner des Gesetzes würden nach bestem Wissen und Gewissen handeln und hätten keine Hidden Agenda.

> Erwachsenenkram: Der Kinderpornographie-Rat

Es wäre also ein Leichtes, sich auf die Kristallisation der optimalen Lösung zu konzentrieren:

Aufruf! Setzt Euch in 1 Raum und findet 1 Lösung! Hört auf zu streiken und zu streiten, wählt 4 aus Eurer jeweiligen Mitte und setzt Euch solange in einen Raum, bis alle vollkommen zufrieden sind!
Ich weiß, es wäre ein Novum und natürlich hat jede Seite 1000-und-1 Argument dagegen, aber warum sollen sich die beiden Seiten nicht einfach auf höchster Ebene treffen?
Warum sollen sie nicht Face-to-Face ihre Argumente austauschen und entkräften und den wahren Weg beschreiben?
Warum soll es nicht möglich sein, sich zu entfernen von den alten Vorgehensweisen der Politik von oben, und sich gerade bei solch wichtigen und kontroversen Themen mit den richtigen Menschen zusammenzusetzen?

Wir brauchen Gespräche statt Vorverurteilungen, Gespräche statt Ignoranz, Gespräche statt Streik, Gespräche statt Monologe.
(Ich will hier absichtlich keine Ratschläge geben, wie eine Lösung aussehen sollte. Das ist Sache des Rates.)

Hier mein Vorschlag für die Gesprächsteilnehmer (sie sind vornamen-alphabetisch geordnet, paritätisch verteilt und meiner Meinung nach die besten für den Job - gemeinsam bestimmen sie im Vorfeld einen Moderator):

- Brigitte Zypries (Justizministerin),
- CCC Gesandter (Technik),
- Jens Ferner (Datenschutz),
- Julia von Weiler (Innocence in Danger),
- Markus Beckedahl (netzpolitik),
- Stephanie Freifrau zu Guttenberg (Innocence in Danger),
- Udo Vetter (lawblog),
- Ursula von der Leyen (Familienministerin).


Gießt Eure Lösung in ein Gesetz, wenn es sein muß, aber handelt endlich, statt Eure Zeit mit Beschimpfungen ins Leere zu verschwenden.

Nutzt Eure Kräfte für die Bekämpfung der wahren Gegner! Denn die sind da draussen und verschwenden ihre Zeit nicht mit Blog-Textchen und -Graphiken und Gesetzchen, die sind knallhart bei der Sache, rund um die Uhr, unermüdlich und - momentan noch - unaufhaltsam.

In diesem Sinne: Get well soon!


(Anmerkung: Im ganzen Text sind absichtlich keine Links gesetzt, um nicht damit unnötig in der ein oder anderen Richtung Stimmung zu machen! Ihr könnt jedoch diesen Aufruf nach Lust und Laune verlinken!)

Wednesday, April 22, 2009

TV: Auf die 14-49er-Lüge folgt die 20-59er-Lüge!

20+ Jahre nachdem die Privat-TVler mit der Zielgruppe 14-49 ARD/ZDF aus- grenzen wollten, möchte Gesamt-TV nun mit 20-59 das Internet 'schlecht- rechnen'. Von Ralf Schwartz.

Diagnose

Strategisch gesehen ist es ein kluger Schachzug, daß die ARD über die Sendung 'zapp' ihre redaktionelle PR-Schiene nutzt und die Zielgruppe 14-49 Jahre, die eher den Privat-TV-Sendern entgegenkommt, ad absurdum führen möchte und als 'Lüge' bezeichnet. Schließlich sind die Öffentlich-Rechlichen Sender 'älter' als die Privaten und da sieht man oft genug eben nicht gut genug gegen aus.
(Ein Beitrag übrigens, den man schlau in einem anderen 'versteckte': "Mediaagenturen in der Grauzone".)
(Die mediaclinique berichtete über das vordergründige Thema: "Mediaagenturen am 'zapp' Papp-Pranger".)
(Eine Zielgruppe übrigens gegen die ARD/ZDF sich in der gesamten Privat-TV-Vergangenheit der letzten 20+ Jahre nicht gewehrt hat!)

Strategisch gesehen ist es ein kluger Schachzug, daß die privaten Sender genau die Internet-Heavy-User aus ihrer werberelevanten Zielgruppe rausrechnen möchten, die sie ohne große Diskussion mit Agenturen oder Werbungtreibenden rausrechnen können: die 14-19-Jährigen - und gleichzeitig die stärker Fernsehenden und weniger Internet-Affinen am anderen Ende hinzuzunehmen: die 50-59-Jährigen.

Ein kluger Schachzug, denn der Vergleich generell zwischen Medien und speziell zwischen TV und Internet wird immer wichtiger, weil diese beiden immer enger zusammenwachsen, die TV-Sender sich aber noch nicht von ihrem Geschäftsmodell verabschieden können und das Internet somit eine immense Gefahr für Relevanz und Profit bedeutet.

Therapie

Sinnvoll für Werbungtreibende wäre es, sich selbst ein individuelles Bild für das eigene Produkt, die eigene Marke zu machen und nicht vorschnell auf die neuen Ansätze der Privaten einzugehen.
Schon bald kann sich niemand mehr an die Verzerrung erinnern und die Zahlen sind neuer Standard ehe man sich versieht, während die Realität diametral anders aussieht.

Zur Prophylaxe: Einige Zahlen und Zitate zur Reflexion

0 - Die Qualität des TV sinkt in der Seher-Meinung immer weiter: "Eine absolute Mehrheit von 51% votierte für “eher schlechter”, die Qualität sei “gleich geblieben” meinten 39%, “eher besser” geworden sei die TV-Qualität finden nur magere 7%, während 3% “kein Urteil” abgeben wollten." Quelle: "Allensbach-Studie zur TV-Qualität".

1 - "50 Prozent der jungen deutschen MeinungsführerInnen (11 bis 29 Jahre) geben an, das Medium Fernsehen heute weniger als früher zu nutzen." (Hervorhebung durch mich, rs) Quelle: "Internet kills the TV-Star Trendstudie TIMESCOUT zeigt: Junge Meinungsführer wenden sich vom TV ab".

2 - Internet-Nutzung nach Alter: Bei 14-49 sind 93,7% bereits Onliner, die sollen nun rausfallen, wenn es nach RTL und Martin Krapf geht.
Bei 50-59 sind nur noch 63,5% Onliner, die würden nun hinzukommen und den Internet-Nutzungs-Durchschnitt zu Gunsten von TV stark nach unten ziehen. (Hervorhebungen durch mich, rs) Quelle: (N)Onliner Atlas 2008 und Horizont "Ältere bleiben offline".

3 - Videoportale (YouTube, etc.) - also im Grunde die direkte Konkurrenz der traditionellen TV-Sender: Nutzung (zumindest selten): 90% der 14-19 Jährigen, aber nur 18% der 50-59 Jährigen. (Hervorhebung durch mich, rs) Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudie 2008 und Seibert Media.


Werbungtreibende sollten bedenken, daß sie hier von ihren Agenturen nicht nur allein gelassen werden, sondern die Agenturen sogar engagierter Teil der 20-59er 'Nebelbomben-Aktion' werden, denn auch die Agenturen werden nichts gegen eine geringfügige Ausgrenzung des Internet haben, machen sie doch mit TV ihre Millionen-Gewinne und nicht mit dem arbeits- und intellekt-intensiven Internet.

Lassen wir uns also überraschen, ob nicht schon auf dem kommenden TV-Qualitätstag der Sender Vorstöße zum Thema unternommen werden, ob es nicht bald vorbereitende Forschungsergebnisse gibt und ob man nicht einen Wechsel bereits für 2010 empfiehlt.

In diesem Sinne: Wehret den Anfängen!

Tuesday, April 21, 2009

Telekom - Höschen statt Hilfe

Die neue, sogenannte Navigationshilfe der Telekom, sich selbsttätig und ungefragt in das Leben des Surfenden einmischend, übt schon ein wenig für die kommende Zensurumleitung.

Aufgrund meines nachlassenden Gedächtnisses gab ich medienrauschen.tv in meinen Browser ein und wurde prompt vom neuen Service der Telekom darauf hingewiesen, daß es diese URL (natürlich) nicht gibt, aber man könne mir Alternativen bieten.

Die Empfehlungen laut Telekom sahen dann so aus:

"Die von Ihnen eingegebene Internetadresse medienrauschen.tv konnte nicht gefunden werden.

Möglicherweise ist die angefragte Internetadresse nicht mehr erreichbar. Wir haben für Sie im Internet gesucht und die folgenden Ergebnisse für Sie gefunden.

Unsere Suchergebnisse für Sie

(Ab hier dann die tatsächlichen Empfehlungen der Telekom, rs)

Dirk Hoeschen - Texte, Projekte und Fundsachen rund um Medien, Bildung ...
... Dirk Höschen ... Suche. Texte, Projekte und Fundsachen rund um Medien, Bildung und Computer ... bei den ahnungslosen Bürgern und Boulevardmedien zu sammeln. ...
www.dirk-hoeschen.de
4doxx | Hundeschutzhöschen; Grösse: Medium; Muster: Schwarz | Hunde ...
Wir haben lange gesucht! Und wir haben es gefunden: Das Schutzhöschen das wirklich sitzt!!! Für läufige Hündinnen und inkontinente Hunde Aus 100% Baumwolle ...
www.4doxx.de
Nachrichten - Service - Shopping bei t-online.de
Bequeme Hüfthöschen. Sexy Dessous. Kaufberatung. TV-Geräte. Organizer & PDAs ... Paket DSL-Pakete Sicherheitspaket Homepagecenter Homepages Mediencenter Foto ...
www.t-online.de
Dirk Höschen - sueddeutsche.de
Dirk Höschen: Aktuelle Artikel, Bilder und Meinungen auf sueddeutsche.de ... Dirk Höschen, Medienreferent des Deutschen Kinderhilfswerks, führt Richtlinien ...
www.sueddeutsche.de
Präsentationsvorlagen für OpenOffice Impress
Homepage von Dirk Höschen ... Projekte und Fundsachen rund um Medien, Bildung und Computer ... Entweder sollte man das Bild als svgz mit medien speichern, oder ...
www.dirk-hoeschen.de

Anzeigen
(warum nicht, ist jetzt auch egal, rs)

miederhöschen
www.ebay.de  Trendmarken super günstig. Mitbieten oder Sofort-Kaufen. eBay.

" (Ende der Empfehlungsseite der Telekom, für die Links und deren Ziele übernehme ich übrigens keinerlei Verantwortung, kommen direkt von meinem Provider!)

Nein, ich hatte nicht nach Höschen gesucht, sondern medienrauschen.tv in meinen Browser eingegeben. Akzeptiert hätte ich die Empfehlungen medienpiraten.tv und medienrauschen.de, aber nicht Höschen ohne Ende!
Bitte, liebe Telekom, optimiert das doch kurz - oder laßt es ganz sein. Ich brauche solchen Schwachsinn nicht - vor allem nicht ungefragt und nur mit zusätzlichem Aufwand wieder abstellbar!

Tatsächlich wäre das aber doch eine witzige Sache für das Zensurstoppschild der Bundesregierung: Denn Höschen werden gerade noch erlaubt sein - natürlich nur bis irgendjemand bemerkt, was in Japan damit für Geschäfte gemacht werden, von der organisierten Schulmädchen-Höschen-Mafia.

In diesem Sinne: Wehret den Anfängen!


> Wer mehr über diese lustige Umleitung wissen möchte, der lese heise "Telekom leitet DNS-Fehlermeldungen um".
(Stabil ist das Ding übrigens, ich erhielt bisher jedesmal die gleichen Empfehlungen. Ob das aber eine Navigationshilfe oder eher ein intellektueller Fehler 404 ist, muß sich noch herausstellen.)

Wednesday, April 15, 2009

Langenscheidt und die kleinen Engländerinnen

Langenscheidt hat eine neue Kampagne, meldet die w&v. Tatsächlich ist es eine uralte, eine vergilbte, möchte man sagen (aufgrund der Hausfarben), wenn nicht gar eine verschimmelte. Denn sie ist so alt wie der Film "Her mit den kleinen Engländerinnen". Siehe Anzeige.

Langenscheidt
Image courtesy w&v, Langenscheidt. Sorry für die schlechte Bildqualität.

Und als ob dieser platte Scherz der zuständigen Agentur und der Werbeleiterinnen ("Verantwortlich bei Langenscheidt sind Werbeleiterin Ellen Krause sowie Nina Neureuter. Bei der Münchner Agentur FJR betreuen CD Yvo Helmerich, Sonja Tschirge, Melanie Kissendorfer, Adriana Fuggiasco, Bernadette Sach und Tamara Hazzouri die Kampagne.") noch nicht genug wäre, müssen sie noch einen Insider-Joke draufsetzen und den Namen Florian (Langenscheidt!) im Hintergrund auf die Tafel schreiben! Oberpeinlich!

Aber deshalb sind wir ja nicht hier. Denn eigentlich möchten wir hier nur auf den mediaclinique-Text "Warum Langenscheidt nicht Leo ist!" vom 28. Juli 2008 hinweisen, der mit dieser Anzeige aktueller denn je ist.

Anzeige und Kampagne sind eine immense Verschwendung von Geld, Zeit und Human Resources, denn auch diese Kampagne wird den Niedergang von gedruckten Wörterbüchern nicht aufhalten.
Gerade die angestrebte Verjüngung - mitten hinein in die Zielgruppe der Digital Natives (das können die Mitarbeiter Langenscheidts ja nachschlagen) - wird Langenscheidt nichts bringen.

Sie kommen mir vor wie der Internet-verteufelnde und -negierende Medienverlag, der es nicht schafft, sich selbst infragezustellen. Ein wenig tun sie mir gar leid, Florian Langenscheidt machte immer solch einen intelligenten Eindruck.

Mit Intelligenz aber ist es hier leider nicht getan. Man braucht Intuition, man braucht Empathie für die Menschen, muß sich in sie hineinversetzen können, um zu verstehen, daß man mit solch einer Kampagne den Kampf nicht gewinnen kann, da die Gegner längst weitergezogen sind, während man selbst noch gegen Windmühlen anreitet. Selbst die Konsumenten sind längst weitergezogen.

Die Zeiten als Kampagnen noch längst überholte Produkte retten konnten sind lange vorbei. Produkte ohne Nutzen sind obsolet. Kampagnen übrigens auch - denn wer kann in der Anzeige ein Produkt erkennen? Oder einen Benefit? Einen Nutzen? Eine Problemlösung? Bedürfnisbefriedigung? Irgendetwas außer eines überholten Witzes? Genauso überholt leider wie das Produkt und die Marke, die ihren guten Namen dafür hergibt?

Ein Bärendienst von Werbeleitung und Agentur!

In diesem Sinne: Get well soon!


Und nicht vergessen: "Warum Langenscheidt nicht Leo ist!" lesen!

Alle im Schützenheim?

Ab wievielen Toten wird man eigentlich von der Presse beachtet bzw. als Amokläufer mit einem Titelbild geadelt? Wo liegt die Reaktionsschwelle der Politik? Eine kurze Geschichte in 7 Tweets anhand der Ereignisse der Wochen nach Winnenden.

01 - "17-jähriger löste Wurm-Welle in Twitter aus"
> http://tinyurl.com/df294q
> BESTIMMT MITGLIED IM SCHÜTZENVEREIN UND EGOSHOOTER!

02 - "Experten greifen von der Leyen an"
> http://tinyurl.com/cm2z7s
> EXPERTEN BESTIMMT MITGLIED IM SCHÜTZENVEREIN UND EGOSHOOTER!

03 - "Vierfachmord: Sohn bestreitet Tat"
> http://tinyurl.com/cdhboo
> MITGLIED IM SCHÜTZENVEREIN UND BESTIMMT EGOSHOOTER!

04 - "Blutbad in Landshut - wieder ein Sportschütze"
> http://tinyurl.com/dbz2xt
> SAG ICH DOCH. UND BESTIMMT EGOSHOOTER!

05 - "Vater schlug mit Hammer auf schlafende Kinder ein"
> http://tinyurl.com/d7bz5r
> BESTIMMT MITGLIED IM SCHÜTZENVEREIN UND EGOSHOOTER!

06 - "20.000 minderjährige Komasäufer"
> http://tinyurl.com/cdcol7
> BESTIMMT ALLE IM SCHÜTZENVEREIN UND EGOSHOOTER! 20.000 AMOKLÄUFER!

07 - "Man shot his five children and killed himself"
> http://tinyurl.com/cuewcd
> BESTIMMT MITGLIED IN US-SCHÜTZENVEREIN UND EGOSHOOTER!


01 - 07:
WARUM UNTERNIMMT DIE POLITIK NICHTS?
ALLE IM SCHÜTZENHEIM UND SHOOTEN IHR EGO?


Anmerkung:
Hier sind ausnahmsweise tinyurls genannt, da ich meine Tweets (ragebuch.com) der Einfachheit halber übernommen habe.

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  • Wie kann ein zweifach Lead Award gekröntes Magazin, das Mitte 2008 im 5. Jahre eingestellt wurde, heute 'aktueller denn je' sein?

    > Dazu muß man nur die 140- Zeichen(!)-Synopsis jeder einzelnen der 50 Ausgaben inhalieren! Enjoy!