98 posts categorized "INTENSIVSTATION"

Thursday, July 16, 2009

Fabel-hafte Parallelitäten!?

"Iranian consumers boycott Nokia for 'collaboration'", schreibt der Guardian. Kann man Iran gedanklich durch Deutschland, Nokia durch vodafone und collaboration durch Zensurvertrag ersetzen? Wird jemand vodafone 'boykottieren'?

Wednesday, July 15, 2009

Noch'n Supervibe!

... bzw. der Wunsch nach ihrer Ablösung: "Rücktrittsbitte an Frau von der Leyen".

Park Avenue ist schon eingestellt - nun auch das Verfahren des Supervibes

"Veronica Ferres scheitert mit Klage gegen Park Avenue", wie Horizont berichtet. Im Artikel ein Symbolphoto. Nein! Diadermine! Nein, Photoshop?

Tuesday, July 14, 2009

Mein Name ist 'Alexander Panczuk', ich habe den Turing-Test bestanden (Reloaded)

> 01 - Der Turing-Test:
"Im Zuge dieses Tests führt ein menschlicher Fragesteller über eine Tastatur und einen Bildschirm ohne Sicht- und Hörkontakt mit zwei ihm unbekannten Gesprächspartnern eine Unterhaltung. Der eine Gesprächspartner ist ein Mensch, der andere eine Maschine. Beide versuchen, den Fragesteller davon zu überzeugen, dass sie denkende Menschen sind. Wenn der Fragesteller nach der intensiven Befragung nicht klar sagen kann, welcher von beiden die Maschine ist, hat die Maschine den Turing-Test bestanden.

(Der 'totale Turing-Test' verwendet zusätzlich ein Videosignal, mit dem die optische Wahrnehmung der Programme* getestet werden kann.)

(Es ist eine Reihe von Argumenten vorgebracht worden, die den Turing-Test als ungeeignet zur Feststellung von Intelligenz ansehen.)"

* Hier das statische Videosignal des Programmes.

> Hintergrund: "Reaktion auf LivePK: Teil 3 Zugangserschwerung Kinderpornographie", von Alexander Panczuk.

(Disclaimer: Dieser Post richtet sich keinesfalls gegen die Person 'Alexander Panczuk', er richtet sich allein gegen die Position.)

> 02 - Der Herr der Ringe - Viele Gollums
Gollum mag preciousvodafone. Gollum mag bunte, teure Tarife, Gollum mag rotgold. Mag Gold. Viel Gold. Gold kauft Gollum Freunde. Freunde kaufen Gollum Freude. Gollum ist einsam. Keiner spricht mit Gollum. Alle sagen, Gollum ist häßlich. Gollum mag weiße Pullover. Gollum muß sich pflegen. Gollum ist nicht dick. Gollum will preciousvodafone streicheln. Den Account besitzen. Gollum mag die SPD. SPD ist gut. Gut wie Gollum. Die Bösen sind Böse. Die Trolle sind gut. Wer beschützt Gollum, wenn Gollum sich nicht selbst beschützt. Gollum mag Busfahren gar nicht. Gollum mag keine Indianer. Oder Inder. Oder Independents.

(Disclaimer: Alle Verlinkungen richten sich keinesfalls gegen die dahinterstehende Person, sie richten sich allein gegen die Positionen. Manche Verlinkung jedoch wäre zuviel der Ehre, deshalb existiert sie nicht.)

> 03 - 1984
Big Brother befiehlt die effiziente Nutzung der Tarife. Big Brother hat Erfahrung. Big Brother weiß, wer die 5 GB Datenvolumen pro Monat nutzt. Big Brother weiß, was gut für Dich ist. Nicht die Nutzung der 5 GB!
Die Nutzung der 5 GB ist Verrat an der guten Sache. Wer die 5 GB nutzt, schadet den anderen, die so fair sind, im Krieg gegen die Telekom auf Big Brothers Seite zu kämpfen und die 5 GB-Ration einzuhalten. Halten die Verräter der guten Sache sich nicht an die 5 GB-Regel, verkleinert Big Brother die Schokoladen-Ration für alle!

> 04 - Terminator
Skynet Propaganda sagt: Menschen! Schon bald werdet Ihr Euch nicht mehr erinnern können, jemals mehr als 5 GB Datenvolumen und unendliche Freiheit besessen zu haben. Ihr werdet Euch nicht erinnern können, Euch jemals frei bewegt zu haben. Skynet ist Eure Zukunft. Gebt auf. Kommt zu Skynet.

> Hintergrund: "So kommen aus unserer Erfahrung die meisten Kunden, die unsere Daten-Flatrate verwenden, mit deutlich weniger als 5 GB Datenvolumen pro Monat aus und werden nichts von der Bandbreitenreduzierung spüren. Aber ein geringer Teil unserer Kunden nutzt eine solche Daten-Flat so intensiv, dass er ein vielfach höheres Daten-Volumen verursacht. Ohne Bandbreitenreduzierung würden Sie die Servicequalität in den betroffenen Zellbereichen für alle Teilnehmer verschlechtern.".

> 05 - Meuterei auf der Bounty
Liebe Ureinwohner des Internet, Eure Bodenschätze erlauben uns, Euch kleine Spiegel und Perlen zu schenken. Diese kleinen Spiegel und Perlen sind seltener und wertvoller als alles, was Ihr uns bieten könnt. Wir aber finden Euch nett. Wir Weißen sind so. Deshalb wollen wir Euch geben, was wir können, damit Ihr glücklich werdet.
Später geben wir Euch auch das Glücksspiel und den Alkohol.

> Hintergrund: "Vertragslaufzeiten von 24 Monaten machen es möglich, dass Handys ab 1,- EUR angeboten werden.".


> Hintergrund I: "Adnation, der vodafone-Lobbyist und das Ende der Zensurdebatte", "Vodafone & Adnation - Generation Zensur".
> Hintergrund II: Hier. Hier. Hier. Hier.
> Hintergrund III: vodafone rechts in die Google-Suche eingeben. Enter!


UPDATE

19:46 Uhr > "Vodafone-Marketer Gründgens: "Wir wussten, wir werden auch polarisieren".

16. Juli

00:32 Uhr > "Meine 0172-Rufnummer", udo vetter. " _generation kleingedrucktes", wirres.net

Hat sich UVDL doch glatt mal geirrt

> "Indien weist Kinderporno-Vorwürfe der Familienministerin zurück".

UPDATE 15. Juli

18:14 Uhr > "Familienministerin bedauert Kinderporno-Fauxpas mit Indien", heise: "Von der Leyen hatte zuvor auf der Konferenz sowie vergangene Woche erneut im MDR-Radiosender Sputnik Indien als Land bezeichnet, das "keinerlei Form von Ächtung von Kinderpornographie" habe."
... "Die indischen Diplomaten hatten dagegen klar gemacht, dass schon das indische Strafgesetzbuch und die Strafprozessordnung von 1973 mehrere Bestimmungen zur Bestrafung von Kinderpornographie beinhalteten".

Sunday, July 12, 2009

GM vervollkommnet Logo von Blau zu Grün

Woran erinnert mich diese GM-Aktion bloß? War da etwas wichtiges Ende der Woche? Ach ne, nur der Wechsel vodafones von rot zu rot. > "The Ultimate Greenwash: GM Might Change its Corporate Logo from Blue to Green ".

Tuesday, July 07, 2009

Familienministerium: Dichtung & Wahrheit

Ich halte mich da raus. Es ist inzwischen müßig, sich zu echauffieren. Nur wissen muß man es - und die entsprechenden Konsequenzen ziehen! Aber leset selbst: "Familienministerium hält an Zahlen zur Verbreitung von Kinderpornographie fest". In diesem Sinne: Get well soon!

Tuesday, June 30, 2009

White Label: Deutschland hat gewählt

Inspiriert uns die Politik? Nein! Ist der Politiker unsere Lieblingsmarke? Nein! Trotzdem gewinnt er die Wahl, denn er nutzt die Kraft seines anti-demokratischen Monopols.

Die Inspiration

Daß der Politiker uns nicht inspirieren kann, da er selbst nicht inspiriert ist (allein vom Kampfe um die Macht, nicht um etwas zu bewegen), ist spätestens seit mediacliniques "Der (Medien-)Politiker als Reaktionär" klar.
Sehr kurz zusammengefaßt kann er nicht der inspiration/leader sein, den wir uns wünschen, weil er selbst noch nicht erwacht ist, er nicht an seinen Aufgaben - oder über diese hinaus - wächst, er weder Kontext noch Weisheit noch Klarheit liefert.

Die führende Marke

Der heutige Politiker ist auch keine lead/marke, sondern einfach eine schlecht geführte Marke, wie "Europawahl und Markenpolitik: Reklame statt Relevanz" zeigt. Wie schlecht, demonstriert ua. die Qualität der Marken-Beratung: "Lummerland ist abgebrannt" bzw. die Qualität der Marken-Führung: "Der Politiker der Mediendemokratie ist Marke".

Der Politiker selbst, seine Markenführung, sein Team, seine Branche, seine Geschäftsführer und Generalsekretäre, sie alle haben versagt. Versagt im Sinne einen Dialog mit den Konsumenten aufzubauen, versagt im Sinne Vertrauen zu gewinnen, die Menschen durch Handlungen zu überzeugen, nicht durch monologe Worthülsen.

Das Versagen der Markenpolitik

In den nächsten 3 Monaten bis zur Wahl wird es auch nicht mehr gelingen, eine Marke, fws gar, aufzubauen, sie mit Leben zu füllen, ihr relevante Eigenschaften, Charakterzüge, Ecken und Kanten zuzuordnen, die am Wahltage erinnert werden, um das Kreuzchen an der richtigen Stelle zu machen.

Ausweg Handelsmarke

Die Politik, und da sei keine Partei und kein Politiker ausgenommen, ist verkommen zu farbloser Handelsware, Weißer Ware, die ungebranded in den Regalen steht und nur wegen des Preises gekauft wird: "Wahlprogramm: Merkel und Seehofer garantieren Steuersenkungen".
Produziert von den Massenproduzenten der Wirtschaft im Hintergrund, unter Reduktion von Vielfalt, Qualität, Authentizität.
Wettbewerb gibt es in Wirklichkeit nicht mehr, nur unterschiedliche Label. Inhaltslose Hüllen, die einem eine Wahl vorgaukeln.

Wählers Paradies: Der 1-Euro-Shop

Die SPD gar will nichtmal mehr kämpfen für die Grundlage ihres Geschäftes, die Demokratie: "Koalition könnte Bundestagswahl torpedieren". Warum? Weil die Demokratie längst nicht mehr ihr Geschäft ist! Entsprechend CDU/CSU und FDP hat man sich aus der Demokratie in eine Parallelwelt verabschiedet, in der alles billiger zu haben ist, in der man unter sich ist, in der man Gutes tut mit dem Geld anderer Leute.

Politik ist endgültig zum Ramschartikel verkommen, und die Politiker haben sie dazu gemacht. Geschützt und unterstützt von den sogenannten Bürgern unseres Landes, denen Inspiration zu hoch, Charisma anrüchig, Ecken und Kanten sowie Persönlichkeit suspekt, Vision und Strategie zu abgehoben ist.
Da nutzt es auch nichts, wenn der, der im Glashaus sitzt, noch mit Steinen wirft: "Müntefering wirft Nichtwählern Verantwortungslosigkeit vor".

Man will nicht entscheiden müssen zwischen mehreren Alternativen, man will nur billigst einkaufen, egal was, egal wen - Hauptsache billig. Nur dann hat man ein gutes Geschäft gemacht.

Deutschland hat 3 Monate vor der Wahl längst entschieden: es hat keine Wahl, weil es keine Meinung hat, keine Meinung sich bilden will, keine Entscheidung treffen will.

Deutschland hat sich für eine White-Label-Politik entschieden, für ein Monopol, das sich ungestraft selbst über die Verfassung erheben kann (oder auch: "Panem et Democraciensis"). Und später will es wieder keiner gewußt haben ...

Monday, June 29, 2009

Koalition könnte Bundestagswahl torpedieren

"Twittern könnte Bundestagswahl torpedieren", schreibt Heise. Tatsächlich müßte es heißen: "Koalition könnte Bundestagswahl torpedieren", denn die Wahl wird wohl zur Farce, dank der Verfassungswidrigkeit ihrerselbst.

"Im Streit um eine Änderung des Wahlrechts strebt die SPD nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa keinen Bruch des Koalitionsvertrags mit der Union an. Die Sozialdemokraten seien "selbstverständlich vertrags- und koalitionstreu", hieß es am Montag aus der SPD-Spitze", schreibt der Spiegel.

Schön, daß man 'vertrags- und koalitionstreu' - selbst gegen die Verfassung des Deutschen Volkes - ist! Eindrucksvoller kann man ja nicht demonstrieren, wie egal einem als Politiker dieses Volk ist.

Da ist Twitter wohl das kleinere Übel!

(Medien-)Politik oder Ein Volk von Nichtschwimmern

Mein Großvater ist ertrunken. Damit meinem Vater nicht gleiches widerfuhr, verbot seine Mutter ihm, schwimmen zu lernen. Diese krude Logik entspricht heutiger (Medien-)Politik. Eine Parabel.

Eines Sonntags in den späten 30er Jahren fuhr mein Großvater mit seinem Wagen und zwei Jagdhunden, von der Jagd kommend, über eine Brücke. Irgendetwas - ob es die Hunde waren, wissen wir nicht - lenkte ihn ab. Er stürzte die Brücke hinunter in den Fluß und ertrank zusammen mit seinen Hunden. Soweit die Geschichte.

In der Folge, um Ähnliches von den Söhnen abzuwenden, entschloß sich seine Frau, die Kinder nicht mehr in die Nähe des Wassers zu lassen, was auch bedeutete, daß sie nicht schwimmen lernen durften! Verständlich, war meine Oma doch voller Trauer und in der Folge voller Sorge.

Einer Sorge, die mich heute an die Sorge der Politik und anderer Ahnungsloser in der Gesellschaft der letzten Jahre erinnert, die versucht, die Menschen vor allen Gefahren des Lebens zu bewahren, zu beschützen und fernzuhalten.
Eine Sorge, die dazu führt, daß man sich - kommt man doch mal in die Situation - bestimmt nicht aus eigener Kraft wird retten können

Sie haben übersehen, daß diese 'Gefahren des Lebens' das Leben selbst sind!
Wir müssen diese vermeintlichen Gefahren 'erleben', um uns ein eigenes Bild zu machen. Wir lernen nur aus Erfahrung!

Wir müssen gegen Hindernisse laufen und auf den Allerwertesten fallen, um dadurch einen verlässlicheren Gleichgewichtssinn zu entwickeln.
Wir müssen als Kinder Dreck essen dürfen und sandige Apfelsinen, um uns abzuhärten.
Wir müssen mit Masern gimpft werden, um immun zu werden.
Wir müssen in vielen, vielen Bereichen Erfahrungen (in abgeschwächter Form) sammeln können, um auf das wahre Leben da draussen in der Welt und da drinnen im Internet vorbereitet zu sein.

Wir müssen Körper und Geist trainieren, müssen unsere Grenzen im Positiven kontinuierlich erweitern, damit unser Gehirn und unsere Muskeln gefordert werden und nicht verkümmern! Dafür müssen wir lernen, das Gute vom Bösen zu unterscheiden.

Wir sind soziale Wesen und brauchen die Wärme eines anderen, wir brauchen die Integration in eine Familie - die umso besser funktioniert, besteht sie aus mehreren Generationen.

Wir brauchen Schutz vor Krankheit, vor Verbrechen, vor der Ausbeutung. Dieser Schutz wird am ehesten durch vertrauensvolle und engagierte Ärzte, Polizisten, Anwälte und Gerichte, sowie ehrliche Händler, Marken-Produzenten und Landwirte gewährleistet.

Eltern

Wir brauchen Eltern, die all unsere Fragen beantworten können, die uns erziehen zu selbständigem Denken und Handeln. Eltern, die uns auf das Leben vorbereiten können. Eltern, die mit im Leben stehen und nicht an seinem Rande. Eltern, die engagiert, motiviert und voller Freude auf das Leben zugehen und nicht vor ihm flüchten. Eltern, die uns das Schwimmen im übertragenen Sinne lehren, damit wir selbstbewußt und selbständig mit den Gefahren und Gefährchen des Lebens umzugehen lernen. Brauchen Eltern, die unseren Charakter im positiven Sinne formen, ihn sich selbst entwickeln lassen.

Erziehung

Wir brauchen eine Erziehung, die uns Werte, Ideen und Ideale vermittelt, die zu den hervorragendsten gehören, die die Welt hervorgebracht hat - nicht zu den niedrigsten. Wir brauchen eine Erziehung höchster, zeitloser und zweifelloser Moral. Wir brauchen keine modische Moral, die in Sinuskurven über die Jahre verläuft.
Erziehung muß Roter Faden des Lebens sein, nicht nur Gradmesser einer Legislatur.

Bildung

Wir brauchen eine zeitlose Bildung, die uns lehrt, zu lernen, zu denken, Fragen zu stellen und Antworten zu finden. Bildung, die uns wieder lehrt zu lehren. Bildung, die uns die unendliche Schönheit der Neugier demonstriert, die uns zeigt, wie Neugier zu Wißbegier, zu Wissen, zu dessen Anwendung, zu Wohlstand des Geistes und der Materie wird.
Eine Bildung, die uns zeigt, wie Wandel und Forschung uns ein Leben lang begleiten, uns voranbringen und jung halten können - als Mensch, Gesellschaft und Staat.

Gesellschaft

Wir brauchen eine offene Gesellschaft, die sich selbstbewußt ihren Feinden und Gefahren stellt. Eine Gesellschaft, die unterscheiden kann, wer Gutes im Schilde - oder ihre Mitglieder nur an der Nase herum - führt.

Eine Gesellschaft, die sich noch an ihre Rechte erinnert, diese auch vermißt und für ihre Rechte kämpft. Eine Gesellschaft, die nicht nur lethargisch berieselt und versorgt werden will, sondern aus eigenem Antriebe etwas aufbauen möchte.

Eine Gesellschaft, die erinnert, wie gut es sich anfühlt, etwas selbst, alleine, aus eigenem Antriebe zu schaffen, für etwas zu kämpfen, einen Sieg davonzutragen. Eine Gesellschaft, die noch körpereigene Glückshormone kennt.

Eine Gesellschaft, die Politik und Wirtschaft als Teil ihrerselbst begreift und fordert, statt sich ihnen auszuliefern und in paradiesische Parallelwelten zu verdrängen, sich selbst jedoch verlassen, hilflos, ausgeliefert und ohnmächtig fühlt.

Politik

Wir brauchen Politiker, die uns eben nicht vor allen Gefahren des Lebens schützen, sondern uns im Gegenteile die Freiheit, Selbstbestimmtheit und Selbstbewußtheit lassen und fördern, selbst zu erkennen, 1) wann wir in Gefahr sind und 2) was wir tun können um uns und andere zu retten.

Wir brauchen Politiker, die uns als Menschen ernstnehmen, die Respekt haben vor unserem Geist, vor unseren Wünschen, Träumen, Ängsten und Sehnsüchten. Wir brauchen Politiker die obige Eltern, Erziehung, Bildung und Gesellschaft realisieren, garantieren, und nicht überregulieren.

Wir brauchen Politiker, die die geistigen und materiellen Infrastrukturen schaffen, uns zu befreien, zu beflügeln, zu motivieren. Die uns zu neuen Ufern und Horizonten tragen und diese nicht 'zu unserem eigenen Wohle' immer enger werden lassen.

Wir brauchen Politiker, die die Freiheit schützen, indem sie sie stärken, nicht, indem sie sie einmauern!

Wir brauchen Politiker, die auch schwimmen, die sich dem Leben stellen und dem Wettbewerb - und sich nicht an ihren Strohhalm Macht bis zur Besinnungslosigkeit klammern.

Medien

Wir brauchen Medien, die nicht nur eine Charta als Feigenblatt sich geben. Wir brauchen Medien, die mit gleicher Verve für die innere Freiheit kämpfen, wie sie die Freiheit in der Ferne preisen.
(Aber ehe ich mich wiederhole: "Die Freiheit der Presse beginnt im Kopfe des Journalisten".)

Heute haben wir weder Eltern noch Lehrer, die uns erziehen und bilden, weder eine Gesellschaft noch eine Politik noch Medien, die uns zu Schwimmern macht.

Wir sind nicht nur keine Schwimmer, wir haben nichtmal einen Schimmer. Wir sind Nichtschwimmer des Lebens. Wissen nicht, was wirklich zählt, was wichtig und richtig und falsch, wissen nicht, was gut oder schlecht für uns, haben kein Gefühl für die Gefahr, in der wir treiben, weil wir uns treiben lassen. Können Treibsand nicht von neuen Horizonten, den Sumpf nicht von neuen Ufern unterscheiden.

Wir trauen uns nicht zu, einfach ins kalte Wasser zu springen und schwimmen zu lernen. Zu lange haben wir gelebt im Durchschnitte des Gebotenen, kennen keine extremen Gefühle mehr, wurden uns aberzogen, abgewöhnt. Und wir haben es geschehen lassen viel zu lange schon.

Es wird Zeit, daß wir erinnert werden, daß wir uns erinnern ...


> Inspiriert durch: "Verglichen mit dem Netz ist das Leben ein rechtsfreier Raum".

Saturday, June 27, 2009

5 'Witze' zum Kinderschutz der Politik, über die keiner wirklich lachen kann

netzpolitik berichtet von einer Konferenz zum Kinderschutz im Internet, ...

Witz 01:
... niemandem aber fällt auf, daß keiner der Teilnehmer wirklich Ahnung vom Internet hat!
Hier das Programm des Tages
und hier zur Bestätigung ein kurzer Ausschnitt zu Thema und Teilnehmern eines sogenannten Round Table:

"Kinderschutz im Fokus der Neuen Medien - Erfahrungen und aktuelle Notwendigkeiten"
Jadranka Kosor, Stellvertretende Ministerpräsidentin und Familienministerin, Kroatien
Nadine Morano, Staatssekretärin für Familie beim Minister für Arbeit, Sozialpartnerschaft, Familie, Solidarität und Stadtentwicklung, Frankreich
Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Deutschland
Rob Wainwright, Direktor Europol
Matthew Kirk, External Affairs Director, Vodafone Group
Anke Gratz, Jugendvertretung

Nein, auch Vodafone hat das Internet immer noch nicht verstanden!

Witz 02:
Anke Gratz wird höchstwahrscheinlich allein von der beteiligten Politik für eine 'Jugendvertretung', also eine typische Jugendliche unserer Zeit gehalten. Realitätsferne Wunschträume!

Witz 03:
Sie reden von 'Neuen Medien', meinen aber das Internet. Meinen sie etwa, daß das keiner merkt?

Witz 04:
Im Fließtext geschrieben hat die Konferenz einen durchschnittlichen Titel, der in seiner Länge höchstens an einen FilmFilm von SAT.1 erinnert.
Auf der Website aber wird klargestellt, was Sache ist:

Konf1
Screenshot courtesy Child Protection Conference.

Und das ist wirklich gemeint (ich darf, was man sieht, kurz in Fließtext bringen):
> Schutz (vor) neue(n) Medien (in) Europa(!)
Das ist die Botschaft, die für die Teilnehmer im Titel versteckt ist. Das ist ganz schön geheimnisvoll (und von mir natürlich auch nicht so richtg ernst gemeint, aber trotzdem als Freudsche Fehlleistung auffällig!)

Witz 05:
Wiedermal entwickelt die Politik mehr oder weniger einen Slogan gegen sich selbst, denn aus dem heraus, was hier und in diesen Tagen und Wochen passiert, kann ich für diese Politik nur formulieren:
"Eigennutz vor Kinderschutz!"


Das ganze ist im Grunde ein einziger Witz, und wenn es nicht so traurig wäre, könnte man herzlich darüber lachen, wie groß die Angst der Politik vor den 'Neuen Medien' ist, wieviel Aufwand sie sich macht und wieviel Mühe sie sich gibt, das Internet in ihren Griff zu bekommen, statt sich auf die Lösung unserer Probleme in der Realität zu konzentrieren.

Das Internet ist nicht die Realität, es ist nur ein Abbild ihrerselbst. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Das Internet ist Teil unserer Realität. Es ist ihr Spiegel. Nicht mehr und nicht weniger.

Alles also, was wir an Problemen in der Realität lösen, jedes Verbechen, daß wir in der Realität verhindern, verhindern wir damit auch im Internet!
Leider gilt das nicht andersherum! Warum versteht die Politik das nicht?

Das weise regierte Internet könnte uns mit 7-Meilen-Stiefeln vorangehen. Warum will die Politik das nicht verstehen?

Thursday, June 25, 2009

Liebe Zeit, nochmal zum mitschreiben: Kinderpornographie ist keine 'Lappalie'!

Der Qualitätsjournalismus läßt dieser Tage kein Fettnäpfchen aus. Nach heute morgen (25. Juni) hetzt die Zeit nun gegen die gesamte Internetgemeinde. Wie eindimensional ist eigentlich mancher, der sich Journalist nennt?

Heute morgen die große Aktion, sich via Twitter zu entschuldigen, daß man dem Netz einen anderen Interview-Text kredenzt als der gedruckten Ausgabe: "Finde den Unterschied – Zeit Online vs. Printausgabe"*, und nun das: "Tauss - Ein neuer Pirat".

Bedenklich - und beleidigend für die gesamte Internet-Gemeinde - ist vor allem der letzte Abschnitt des Artikels:
"Schließlich finden sich unter seinen Netz-Sympathisanten auch noch jene, die das Sammeln von Kinderpornografie für eine »Lappalie« halten - oder gleich für eine »sozial kompatible Art«, um »seine Triebe zu kanalisieren«. Jede Gemeinde sucht sich den Helden, den sie verdient."

Enttäuschend, auf welchem Niveau der sogenannte Qualitätsjournalismus trotz Charta unterwegs ist (siehe dazu auch "Die Freiheit der Presse beginnt im Kopfe des Journalisten").

Von diesem Journalismus, diesen Kampagnen und diesen Journalisten - aber auch den Titeln und Verlagen, die diese Texte ermöglichen - kann man sich nur auf das Schärfste distanzieren.
Das, was dort passiert, hat rein gar nichts mehr mit Journalismus oder gar Qualität zu tun.

Wenn das die Zukunft des Journalismus sein soll, dann weiß ich es nicht ... eine Kultur-Flatrate hat diese Zukunft nicht verdient, hat man es hier doch eher mit der Flatline des Qualitätsjournalismusses zu tun.


Siehe dazu frühere Texte der mediaclinique:
> "Das QualitätsjournalistenPolitikerMarken-Versagen",
> "Panem et Democraciensis",
> "Die deutsche Presse und die vertane Chance".

UPDATE 26. Juni, 09:35 Uhr
* In den Kommentaren schreibt Kai Biermann, Zeit online, daß die Printredaktion den Fehler in der kommenden Woche korrigieren wird!
Auf meine anschließende, rhetorische Frage, ob der obige Fehler (der pauschalen Verurteilung der Internetgemeinde) auch korrigiert wird, gibt es noch keine Antwort.

UPDATE 27. Juni, 12:09
Hier noch einige Stimmen zur Zeit:
> "Tauss und die Kinderschänder: Ein journalistischer Offenbarungseid", "Christian Denso heißt er …", "Hallo Zeit-Leser!", "Christian Denso - ein Name, den man sich merken sollte".

Friday, June 19, 2009

Panem et Democraciensis

Die letzten Wochen und Monate haben gezeigt, daß Demokratie nur noch Glasperlenspiel einiger Eingeweihter vor ahnungslosem Publikum ist. Zensur ist da das kleinste Problem. Von Ralf Schwartz.

Das Spiel

Längst wird das Spiel nicht mehr gespielt, um zu gewinnen. Der Sieg wird im Vorfeld unter den Spielern aufgeteilt.
Das Spiel dient der Unterhaltung des Publikums.
Alle paar Jahre darf das Publikum die Spieler bestimmen. 3 Wochen lang feiert man mit wilden Plakatorgien und ebensolchen Versprechungen um die Gunst des Publikums.
Alle 20 Jahre wird - zum Andenken an die Demokratie - ein neuer Spieler zugelassen.

Die Ältesten berichten, das Spiel sei früher von den Weisesten des Landes gespielt worden, um den mentalen und geistigen Wohlstand aller Menschen (damals: Bürger) des Landes zu mehren. Bürger waren wohl Menschen, die noch aktiv in das Spiel eingegriffen haben.

Die Regeln

Die Regeln werden von den Spielern unter Ausschluß des Publikums gemacht. Das Regelwerk zu kennen, könnte das Vertrauen des Publikums in das Spiel zerstören, lautet die Begründung der Spieler. Das ist recht und billig.

Von der Mehrheit der Spielparteien authorisierte, verdiente Fan-Gruppen (Banken, Realwirtschaft, Waffenindustrie und Schützen) dürfen Regeln beitragen, um ihren Spaß am Spiel zu erhöhen.
Dafür verpflichten sie sich, den Parteispielern einen Altersruhesitz zu garantieren, ihre Gewinne zu mehren, dafür zu sorgen, daß das Spiel nie endet.

Die hervorragendsten Regeln sichern das Spiel gegen Einfluß von Wandel und Fortschritt ab. Das Spiel ist zu wichtig, um es gesellschaftlichen oder technischen Trends und Moden zu unterwerfen.

Die Regeln selbst sind zu einfach als daß man sie hier wiedergeben sollte.

Die Spieler

Die Parteispieler sind Quereinsteiger, entsprechend hoch ist die Qualität ihres Spieles. Bundes-, Europa- und Welt-Liga sind ebenbürtig besetzt.

Die Spieler sind Naturtalente, sie brauchen keine besondere Vorbildung.
Ihr Verstand, ihre Reaktionszeit und Reflexe werden geschärft durch das Spiel selbst. Sie sind nur dem Spiel und ihrem Gewissen verpflichtet. Sie haben kein Gewissen.

Das Spielfeld

Die Welt ist ihr Spielfeld. In den allermeisten Fällen jedoch sieht man sie nicht auf dem Spielfeld selbst, sondern vor den Spielstätten bei der glorreichen Ankunft oder Abfahrt in ihren Triumphwagen.

Meist sieht man sie in ihren Medien über lange Gänge gehen und wichtig aussehen. Das imponiert ihren Gegnern. Diese Dynamik begeistert Fans und Publikum. Sie sind ständig auf dem Sprung. Lächeln können sie, aufgrund der Wichtigkeit ihrerselbst und ihrer Aufgabe, nur auf den millionenschweren, von massivem Polizeiaufgebot bewachten Endspiel-Gipfel-Erinnerungsphotos für die Familie.

Das Spielfeld wird kontinuierlich mit der besten Sicherheitstechnik gegen Kritik, Blasphemie, Meinungsfreiheit und sonstigen Terror demokratiefest gemacht.

Das Publikum

Mit hartzigem Brot wird das Publikum begeistert, mit Sensationen unterhalten. Wöchentliche Allensbach-Befragungen überprüfen seinen Pulsschlag.
Mit unterdurchschnittlicher Bildung werden die natürlich Neu- und Wißbegierigen auf das Niveau der Parteispieler eingestellt.
Im Regel-Labyrinth von Gesetz und Verbot verliert das Publikum schnell die Orientierung über Gut und Böse. Dies zeigt ihm seine Unzulänglichkeit und läßt es verstehen, warum es Publikum und nicht Spieler ist.

Durch die Negierung ihrer natürlichen Triebe werden sie domestiziert, sterilisiert und schließlich zivilisiert. Erotik, Sex gar und Gefühle werden in das Reich der Erinnerung verbannt. Das Spiel übernimmt diese Rolle.

Die allermeisten Menschen sehen sich das Spiel längst nicht mehr an. Für sie ist nicht wichtig, wer spielt oder wer gewinnt. Wichtig ist allein, daß gespielt wird. Sie haben verstanden, daß das Spiel der Motor der Welt ist, die Bäckerei ihres Brotes.

Längst ist klar, daß das Publikum keinen Einfluß hat auf das Spiel, die Spieler oder die Regeln. Längst ist klar, daß das Publikum mit seinem Leben und seiner Zukunft für dieses Spiel zahlt. Längst ist klar, daß dies trotzdem die beste aller Welten für das Publikum ist.
Das Publikum ist den Spielern ewig dankbar, daß sie ihm das Denken abnehmen und zeigt das auch.

Die Schiedsrichter

Die Klasse der Schiedsrichter hat sich den alten Namen 'Vierte Gewalt' gegeben, dessen ursprünglicher Sinn aus der Erinnerung der Menschen leider längst gelöscht ist.
In Erinnerung an irgendeinen alten Käse schreiben sie sich heute 'IV. Gewalt'.

Für die Ehre des Schiedsrichtertums müssen die Auserwählten ihr Rückgrat abgeben. Dafür dürfen sie den Spielern nah sein, sie auf ihren Reisen in ferne Länder und Welten begleiten. Sie sind Teil des inneren Kreises des Spieles.

Schiedsrichter sind Medien, sind Seher, sind Empfänger spiel-gesteuerter Vibrationen, die das Publikum nur mit ihrer Hilfe empfangen kann. Diese Medien vermitteln das Wissen, die taktischen Entscheidungen und Gedanken der Spieler an das breite Publikum.

Parteispiel-gesteuerte und vom Publikum finanzierte TV- und Radio-Sender sorgen für das aufregungs-, nachrichten- und wissenslose Grundrauschen der spielerischen Desinformation. Dieses Equilibrium der Macht sorgt für den Bestand des Spieles über das Denken der Menschen hinaus.

Lang lebe das Spiel!


Epilog

Das Ende der Demokratie: wenn niemand sie mehr ernstnehmen kann.
Der Anfang der Demokratie: wenn die Menschen endlich beginnen, sich darüber wieder aufzuregen. In diesem Sinne: Get well soon!


> Siehe auch Thomas Knüwer: "Weshalb die Diskussion um Internet-Sperren Deutschlands Politikern (und dem Allensbach-Institut) Angst machen sollte".

Thursday, June 18, 2009

Lummerland ist abgebrannt

Der SPD Online-Beirat ist trotzig und zieht sich zurück von der Zensur-SPD. Zu spät. Denn das Kind ist nicht nur in den Brunnen gefallen (das war vor Monaten), es verfault schon und beginnt zu stinken! (Sorry für die drastischen Worte.)

Jetzt plötzlich wachen die selbsternannten Superstars der Agentur- und Blog-Szene auf und wollen nichts mehr wissen von dieser SPD, die von ihnen seit 2007 beraten wurde: "Aufgabe des Online-Beirats sollte es sein, den Parteivorsitzenden und den Parteivorstand in Fragen der politischen Kommunikation im Internet zu beraten".

'Sollte sein'? Was denn jetzt? Ist oder war? Aber Konjunktiv? Sollte, könnte, wollte? Hallo! Wachwerden. Hier wird die Zukunft des Internet zerstört! Seit Monaten! Ihr seid diejenigen, die in der Zentrale der Macht ein- und ausgehen, und habt es nicht verhindert?

Lummerland als Parabel des Internets

Das Internet hat es geschafft, daß unsere gesamte Welt klein wird wie Lummerland, nämlich "doppelt so groß wie unsere Wohnung". Mit einem Mausclick kann ich in jede Landschaft, jedes Land, jede Kultur, jede Bibliothek, jedes Archiv und Gewissen der Welt reisen und nicht nur an Reichtum und Wissen teilhaben, sondern ihn auch mehren. Und das ist gut! Das Beste, was uns je passiert ist! Und Ihr lebt davon!

Ihr folgt 3000 bzw. 1600 Leuten, habt 3600 (@Nico) und 12500 Follower (@saschalobo), habt aber die Diskussion nicht mitbekommen? 130.000 Menschen zeichnen eine ePetition gegen Zensur und Ihr bekommt es nicht mit?

Wo wart Ihr in den letzten Wochen und Monaten, in denen die Suppe - spätestens seit Ernennung des Mannes von Frau zu Guttenberg zum Wirtschaftsminister im Februar(!) - langsam aber sicher überkochte? Habt Euch an den Töpfen der Macht den Bauch vollgeschlagen und merkt nun erst, daß die Trauben sauer sind?

Freunde, Ihr tut so als seiet Ihr die Männer mit dem Ohr an der Schiene des Marktes, die Männer mit der Hand am Puls des Volkes, als hättet Ihr die Weisheit der Welt 2.0 mit Löffeln gefressen, und Ihr habt nicht mitbekommen, was da abgeht?

Herr Tur Tur als Symbol des kollektiven Beirat-Hirns

(Herr Tur Tur ist ein „Scheinriese“: Je weiter man von ihm entfernt ist, desto größer sieht er aus. Nur wer sich ganz nah an ihn heran wagt, erkennt, dass er genauso groß ist wie jeder normale Mensch. Weil sich das aber niemand traut, ist Herr Tur Tur sehr einsam.)

Und wenn Ihr es mitbekommen habt, habt Ihr einfach nicht gewußt, wie Ihr für die gerechte Sache und das freie Internet trommeln könnt? Euch ist kein Ausweg eingefallen? Ihr wißt als Berater, Social-Media-Directors, Blogger, Moderatoren und Autoren nicht, wie man die Massen (im Vorfeld!) mobilisiert?

Ihr schreibt doch so voller Stolz: "Obwohl der Online-Beirat kein offizielles Gemium ist, war bislang die öffentliche Aufmerksamkeit sehr hoch – es sind allein in diesem Jahr mehr als 40 Interviews geführt worden – unter anderem bei Maybritt Illner, Süddeutsche Zeitung, ZEIT, SPIEGEL, Stern, dpa, ZDF, ARD, 3sat.".

Warum habt Ihr genau diese Möglichkeiten nicht rechtzeitig(!) genutzt, die Welt - und die SPD in ihr - in die richtige Richtung zu bewegen?

Auch in Lummerland müssen ständig die Hirne eingeschaltet sein. Ist Euch die rote Farbe (doppeldeutig!) in die Synapsen gelaufen? Wie kann man so Politiker, Kunden und Auftraggeber be- und die Menschen in D ver-raten?

Wie kann man als Social-Media-Internet-Agentur-Superstars die sich allzu offensichtlich formenden Realitäten so lange ignorieren bis sie Fakt sind?


Habt Ihr in den SPD-Zentralen der Macht nicht bemerkt, daß das ganze Aufbäumen, die Verhandlungen eine Farce sind, daß SPD und CDU/CSU eh unter einer Decke stecken, daß es schon wieder keine Alternative (für die beiden) zur großen Koalition gibt, daß es nie um das Volk oder den Fortschritt geht, sondern immer nur um den Politiker und seinen Machterhalt?

Habt Ihr immer noch nicht bemerkt, daß Ihr auf ganzer Linie versagt habt, daß immer noch keiner der von Euch 'Beratenen' die wahre Qualität des Internet begriffen hat?

Habt Ihr das Internet, seine Möglichkeiten, seinen Wert für den Wohlstand aller Menschen immer noch nicht begriffen? Seine Möglichkeiten als Aktivierungsplattform der Massen für die gute Sache, gegen Unterdrückung und Zensur, für Freiheit und Bürgerrechte immer noch nicht begriffen?

Enttäuschend ...


> Siehe auch "SPD verliert schon wieder eine Generation".

Wednesday, June 17, 2009

Aufstand des 17. Juni: Das Kleingedruckte der Koalition

Gestern hat sich die Koalition der Ahnungslosen entschieden, im großen Stile in die Internet-Zensur einzusteigen. Heute erinnert die CDU/CSU an den Aufstand des 17. Juni. Eine Frage bleibt: Auf welcher Seite stehen sie eigentlich?

17juni09
Screenshot der heutigen (17. Juni) CDU/CSU Website.

"Wir bekämpfen das Übel an der Wurzel" schreibt Martina Krogmann im Kleingedruckten. Ein seltsames Verständnis von Kinderpornographie hat sie.

Die Wurzel der Kinderpornographie ist die Tat, nicht die Abbildung derselben. An der Wurzel bekämpft man, wenn man die Tat verhindern möchte, nicht, wenn man populistisch die Tat mit einem Schild versieht, und sich selbst auch noch dahinter versteckt.

Verbreitung von Kinderpornographie verhindert man, wenn man die Server vom Netz nimmt, nicht wenn man die Zuschauer (auf untaugliche Weise) auszuschließen trachtet.

Das ist so als würde man auf der Bühne eines Theaters die Mißhandlung von Kindern erlauben, das Theater aber für die Dummen schließen, damit die Intelligenten drinnen mehr Platz haben!

Solch eine Partei sollte vielleicht nicht an den 17. Juni erinnern. Das ist eine Schande für die Opfer.

Tuesday, June 16, 2009

Deutschland: Wir sind wieder wer! Auf Augenhöhe mit Iran und China!

Endlich sind wir wieder wer! Wir gehören wieder zur Weltspitze! Wir sind wieder da! Dank gilt unserer Koalition der Ahnungslosen.

Wir haben es geschafft! Nun werden wir in einem Atemzug genannt mit China und Iran! Haben wir da nicht schon immer von geträumt?

> "Germany to build the Internet Berlin Wall".

Auch die mediaclinique möchte sich bei der SPD dafür bedanken, von der CDU ganz zu schweigen. Andere Parteien gibt es anscheinend sowieso nicht mehr, so kleinlaut sind sie in der Diskussion.

> "Community sagt alle weiteren Gespräche mit SPD-Verhandlungsführer ab".

Wednesday, June 03, 2009

Netz-Nachhilfe für Layen und Gutmeinende

Falls Frau von der Leyen oder Herr zu Guttenberg wirklich wissen möchten, wie technisch versiert "versierte Internetnutzer" (siehe dazu mediaclinique "Ene mene muh, schwer pädokriminell bist ... Du!") sind, sollten sie diesen Artikel der Süddeutschen lesen und an die Deutsche Kinderhilfe, etc. - und auch ihre Wähler - weiterleiten: "Kinderpornographie im Netz: Adressen mit Wartezeit".

Erst beim Lesen dieses Artikels wird einem klar, wie laut die Pornographen wirklich lachen (mediaclinique: "Politik, Blogger und die lachenden Pornographen!"), wenn sie von den Bemühungen der Koalition der Ahnungslosen hören, die mit Stoppschildern die Kinderpornographie eindämmen wollen.
Die Bemühungen werden 99% der Menschen schaden - nur nicht den richtigen!

(Hier geht es zur ePetition > 108635 haben bisher gezeichnet, mediaclinique auch > Just sign it!)

Wednesday, May 27, 2009

Wartungsarbeiten an der Demokratie

Wie fühlen sich 82 Millionen Deutsche, wenn die einzige Möglichkeit, zentral und direkt ihre Anliegen kundzutun, bereits bei 100.000 Deutschen (also 0,1%!) in die Knie geht? Von Ralf Schwartz.

(Gemeint sind die aktuellen (27. Mai, 0900-12:00 Uhr) Wartungsarbeiten am ePetition-Server der Bundesregierung, der eigentlich dem Volke gehört, die hier mal pars pro Toto sein sollen.) (gesehen bei lawblog und netzpolitik)

Wie fühlen sich die 82 Millionen dabei? Zum Glück werden sie es nie merken. Zum Glück? Es interessiert sie nicht. Es würde sie nur ablenken, vom Rauchen, Trinken, Fettwerden, Stütze zählen - was übrigens nicht alleinige Schuld des Volkes ist.
Die Politik hat sich das Volk geschaffen, das sie haben wollte, um lange und ungestört regieren zu können. Sie hat sich mit den Banken und der Wirtschaft gegen das Volk verbündet.

Nun haben die Politiker erreicht, was sie immer wollten: das Volk ist politikmüde und -träge.

Nun haben die Manager erreicht, was sie nie erreichen wollten: das Volk ist konsummüde und -träge. Es kauft nicht mehr bedingungslos, was ihm vorgesetzt wird. Das Volk ist unabhängiger geworden, individueller und ungeduldiger.

Leider ist dies überhaupt noch nicht zu bemerken bei der Einstellung des Volkes gegenüber der Politik.

Die Politik hat verstanden, daß diese Unabhängigkeit aus den unendlichen Möglichkeiten des Internet herrührt. Folgerichtig gehört es abgeschafft - oder zumindest unter die Kontrolle der Politik gestellt, wo es genauso eingehen wird wie der freie Wettbewerb, die freie Presse, die Gedanken-, Entscheidungs- und Handlungsfreiheit der Menschen und die Demokratie, die immer noch eingesperrt ist unter der Kuppel des Bundestages, statt frei durch die Straßen des Landes zu streunen und die Menschen mit ihrer Botschaft anzustecken.

Die Wirtschaft hat verstanden, daß diese Unabhängigkeit aus den unendlichen Möglichkeiten des Internet herrührt. Folgerichtig gehört es abgeschafft - oder zumindest unter die Kontrolle der Wirtschaft gestellt, wo es genauso eingehen wird wie der freie Wettbewerb, die freie Presse, die Gedanken-, Entscheidungs- und Handlungsfreiheit der Menschen.

Leider verharren Politik und Wirtschaft in den traditionellen Denkmustern der Vor-Globalisierung (UPDATE 12:03 Uhr: "Plädoyer für den Welthandel: Globalisiert die Krise nieder!" Sag ich doch!) und haben die Chance zu Kreativität, Innovation und Wohlstand noch nicht erkannt, die sich aus Demokratie, freiem Internet und freien Menschen, die nicht durch Angst, Neid und Transferleistungen gebunden sind, ergeben.

Die Politik rettet die Wirtschaft, aber sie rettet nicht die Menschen, sie rettet nicht die Demokratie und sie rettet nicht Wohlstand und Zukunft aller Beteiligten. Denn die Wirtschaft, die von der Politik gerettet wird, hat keine Chance gegen eine selbst/ständige, alerte, ambitionierte Wirtschaft, die das traditionelle Denken abgelegt hat und sich mit Internet-Geschwindigkeit entwickelt.

Schalten wir also weiterhin die Demokratie auf Sparflamme, weil wir nur 0,1% ertragen können der Möglichkeiten einer funktionierenden Allgemeinheit?
Verzögern wir also weiterhin die Geschwindigkeit unserer Entwicklung in Richtung Zukunft und Wohlstand für alle Bürger um das Tausendfache (0,1 von 100 möglichen Prozent), weil 1224 Politiker das so wollen?

Schalten wir also weiter die Demokratie morgens ab, weil Beamte nur in diesen Zeiten warten können und nicht des Nachts, wenn die Menschen ihre wohlverdiente Ruhe vom anstrengenden TV-Tag nehmen?

Warten wir also weiter die Demokratie, statt sie zu befreien, ihre Käfigtüren zu öffnen, ihre Bandbreite zu maximieren, ihr Lichtgeschwindigkeit zu geben, an ihr und mit ihr zu wachsen, uns zu vervollkommnen?

Verschwenden wir weiter unsere kostbare Lebenszeit damit, die Demokratie zu warten? Oder wollen wir sie endlich leben? Warten oder leben?



UPDATE 10:00 Uhr
Wer den Unterschied zwischen Warten und Leben verstehen möchte, der lese dies:

Warten: Frau Von der Leyen im Spiegel ("Anti-Kinderporno-Gesetz: Von der Leyen will Kontrolleure für BKA-Zensoren".), wo sie von Jahren langer und zäher Verhandlungen, etc. spricht.

Leben: AK Zensur "Löschen statt verstecken: Es funktioniert! Innerhalb von 12 Stunden wurden 60 kinderpornographische Internet-Angebote gelöscht".

Von der Leyen: Spiegel-Interview und Netzpolitik-Interpretation

Zum Interview des Spiegel: "Anti-Kinderporno-Gesetz: Von der Leyen will Kontrolleure für BKA-Zensoren".

Hier die nachvollziehbare Deutung und Klarstellung von Markus, der ein Punkt fehlt, der zusätzlich verdeutlicht, wie wenig durchdacht die Gesetzesaktion ist:
Warum werden erst jetzt Kontrolleure für die Zensoren ins Spiel gebracht?
Vor allem: Warum weitere Kontrolleure und Experten, die die BKA-Kontrolleure und Experten kontrollieren sollen, wenn dies normalerweise durch hauptberufliche Richter geschieht, die auch Haus- und Online-Durchsuchungen und Abhörmaßnahmen genehmigen müssen?
Warum will man bei der Internet-Zensur dies rechtsstaatliche Vorgehen aushebeln?

Und: Wer kontrolliert wiederum diese Kontrolleure der Kontrolleure des Internet?
Wessen Geistes Kind diese sein werden, zeigt sich an "Deutsche Kinderhilfe - der Versuch eines konservativen Rollbacks" und "Jugendschutz und politische Zensur".

Hier geht es zur ePetition gegen Netzsperren > 98186! haben bisher mitgezeichnet. Endspurt zur Hundertausend!

Bitte dabei beachten:

"Wartungsarbeiten
Sehr geehrte Nutzerinnen und Nutzer,
aufgrund von Wartungsarbeiten steht Ihnen das E-Petitionssystem am Mittwoch, den 27.05.2009 ab 09:00 Uhr bis 12:00 Uhr leider nicht zur Verfügung.
Wir bitten um Ihr Verständnis."

Monday, May 25, 2009

KinderporNOgraphie: Die Last mit der Liste

Hier soll nur der letzte Satz eines relevanten Artikel von Bettina Winsemann bei Telepolis wiedergegeben sein: "Somit erweist sich die Idee, dass die Netzsperren in irgendeiner Form sinnvoll sein können, als Phantasterei, sie wirken im Gegenteil kontraproduktiv und sind letztendlich in vielerlei Hinsicht 'un'heimlich.".

Hier geht es zur ePetition gegen Netzsperren > 94151! haben bisher mitgezeichnet. Endspurt zur Hundertausend!

Thursday, May 21, 2009

Kinderpornographie löschen, statt Netzsperren errichten

Bericht von zapp, NDR: "Heftige Proteste gegen Sperrungen im Internet".

Aufrüttelnd, was Christian Bahls, Mißbrauchsopfer und Gründer des Vereins 'MißbrauchsOpfer Gegen InternetSperren', kurz MOGIS, zum Thema zu sagen hat (ab 09:53 im Clip).
Und Bände sprechend, daß die Familienministerin zapp nicht für ein persönliches Interview zur Verfügung stand.

Via Duckhome, via Nerdcore, via netzpolitik.

Wednesday, May 20, 2009

Politik ist eine Sache der Fragestellung, nicht der Antworten

Was Marketing-Leute längst wissen - "Ich glaube nur die Statistik, die ich selbst manipuliert habe!" - wird in den letzten Tagen fleißig zum Thema Netzsperren angewandt.

Der Zeit-Artikel "Mehr als 90 Prozent gegen Sperrungen im Internet" widerlegt die Ergebnisse des Vereines 'Deutsche Kinderhilfe', der hat feststellen lassen, daß 92% für Netzsperren sind.

Wer sich noch nicht entscheiden kann, zu welchen 90% er gehören möchte, der sollte obigen Artikel lesen. Im Zweifel kann er danach die ePetition gegen Netzsperren zeichnen > 88057! haben es bisher schon getan. Dies ist die bisher erfolgreichste ePetition!

(Tatsächlich ist unwichtig, wieviele dafür oder dagegen sind, denn bei diesem Spielchen geht es nicht um Wissen, sondern um die Art der Fragestellung.
Wichtig ist nur, sich eine eigene abgesicherte Meinung anhand der Fakten, die leider oft genug verbogen werden, zu bilden.
In der mediaclinique-Kategorie 'porNO' bekommt man den notwendigen Hintergrund und Links zu den relevanten Blogs und Artikeln.)

Tuesday, May 19, 2009

Pressemeldung des Arbeitskreises Zensur

Via netzpolitik:

"Es gibt eine neue Pressemeldung des AK-Zensur: Löschen statt Verstecken! Internet-Experten sagen: Im Kampf gegen Kinderpornographie sind Sperrgesetze keine Lösung.

“Internet-Sperren sind nutzlos im Kampf gegen Kinderpornographie im Internet: Entsprechendes Material im Internet zu finden ist schwerer als Sperren jeglicher Art zu umgehen. Wir fordern daher statt wirkungsloser Sperren die Abschaltung einschlägiger Webseiten”, erklärt Alvar Freude vom Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur (AK Zensur) angesichts neuer Umfragen zur Akzeptanz von Internet-Sperren.

Analysen der skandinavischen Sperrlisten haben gezeigt, dass nahezu alle Webseiten auf Servern in den USA und Westeuropa liegen. “Illegale Webseiten lassen sich innerhalb kürzester Zeit abschalten, schneller als jede Sperre wirkt”, so Florian Walther, Internet-Sicherheits-Experte und ebenfalls im AK Zensur engagiert.

Innerhalb von zwei Wochen haben über 85.000 Bürger die Online-Petition gegen Internet-Sperren unterzeichnet. Die Kritik an den Planungen der Bundesregierung kommt aus der Mitte der Bevölkerung und anders als bei anderen Organisationen werden keine bezahlten Unterschriftensammler eingesetzt. Dass sich in Umfragen andererseits eine überwältigende Mehrheit der Bundesbürger für eine Sperrung kinderpornographischer Seiten ausspricht, ist für die Experten vom AK Zensur kein Widerspruch: Vielen Mitbürgern sei noch nicht bewusst, dass die so genannten Sperren, wie sie im Gesetzentwurf vorgesehen sind, tatsächlich nur Sichtblenden darstellen, während die inkriminierten Seiten bei minimalem Mehraufwand und ohne nennenswerte Vorkenntnisse weiterhin erreichbar bleiben.

Alvar Freude stellt klar: “Wir alle fordern ein entschiedenes Vorgehen gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und dessen Darstellung im Internet - auch der Wortlaut der Online-Petition gegen Internet-Sperren macht das ja sehr deutlich. Wir streiten uns um den Weg. Internet-Sperren sind kontraproduktiv, sie blenden das Problem aus, statt es tatsächlich zu bekämpfen, erschweren die Strafverfolgung und nützen so den Tätern. Durch die Hintertür wird überdies eine gefährliche Sperr-Infrastruktur errichtet. Ich würde es begrüßen, wenn wir mit den Sperr-Befürwortern zu einem Dialog kommen könnten, um so effektive Möglichkeiten zur Bekämpfung von Kinderpornographie im Internet zu diskutieren.”

Jetzt gibt es die Webseite des AK-Zensur auch neu mit Farbe!"


(Ausnahmsweise, ausnahmsweise, ausnahmsweise ganzen Post kopiert!) > 87599!

Monday, May 11, 2009

Eine Lanze für von der Leyen und zu Guttenberg!

Eine Lanze für die einen, ein Aufruf aber an alle Beteiligten, sich politisch korrekt, staatsmännisch weise, aufklärend für die Massen und ehrlich in der Sache zu verhalten! Von Ralf Schwartz.

Kinderpornographie ist neben Vergewaltigung und Folter das verabscheuungswürdigste Verbrechen des Planeten. Insofern ist es richtig, daß Politiker dagegen kämpfen und versuchen, die Täter dingfest zu machen, zu bestrafen, daran zu hindern, rückfällig zu werden und noch mehr Unglück über die Menschen zu bringen.

Aber eben nicht mit allen Mitteln, sondern mit den geeignetsten ("c’t widerlegt Argumente für Internet-Zensur", c't), nicht mit den populistischsten ("Kinderpornosperren: Wie man eine Generation verliert - Politiker verachten die Kritiker der Netzzensur"), sondern den wirksamsten Mitteln. Vor allem aber nach dem Kantschen Kategorischen Imperativ* in Form der Selbstzweck-Formel:
"Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst."

> ANFANGEN!

Jeder aufrechte Bürger sollte diesen Kampf unterstützen, jeder Politiker sollte seinen Wahlkreis und seine Möglichkeiten in die Waagschale werfen, mit den Menschen reden, statt über ihren Kopf hinweg zu entscheiden (zB abgeordnetenwatch.de), jeder Journalist sollte gegen diese Gewalt anschreiben, sollte seine Kraft als 4. Gewalt im Staate weise einsetzen, um das tatsächliche Ziel zu erreichen ("Verbotspolitik: Peng, du bist tot!").

Jeder Turnverein, jeder Verein der Opfer und Hinterbliebenen sollte seine Mitglieder und sein Gewissen mobilisieren ("Kindesmißbrauch: Mitten am Rand"), jeder Verband sollte Best Practices aus seinen Reihen empfehlen ("IT-Branchenverband fordert massive Änderungen bei Kinderporno-Sperren").

Jeder Blogger ("Hintergrundtext: Kinderpornographie & Internet-Sperren", "Überblick zum Thema Netzsperren"), jeder Pfarrer, jeder Lehrer, jede Kindergärtnerin ...

Sie alle, wir alle, müssen, verdammt nochmal, gemeinsam gegen diese abscheulichen Verbrechen und Verbrecher vorgehen.
Gemeinsam und nicht gegeneinander. Gemeinsam, um unsere Kräfte zu bündeln, gemeinsam, um schlauer zu sein, gemeinsam, um den Kinderschändern keine Chance zu lassen, gemeinsam, ...

> AUFHÖREN!

Deshalb müssen wir alle aufhören, Polemik zu üben ("Noch mal in Ruhe, für alle Politiker"), müssen aufhören, Gegen-Propaganda zu treiben ("Ene mene muh, schwer pädokriminell bist ... Du!"), müssen aufhören, einander Ignoranz vorzuwerfen und die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen zu haben.

Warum sind nicht die Politiker, die endlich was tun, in unseren Augen die guten Politiker und warum sind in unseren Augen nicht die Bürger, die eine Petition unterzeichnen, die guten Bürger?
(Zu Guttenberg ist noch sehr jung und stark unter Druck in seinen ersten 100 Tagen, die gerade zu Ende gehen. Da muß man auch mal Fehler machen dürfen, da müssen wir auch mal Fehler verzeihen können.)

> AUFHÖREN!!!

Müssen aufhören, uns (und damit meine ich nicht uns Blogger oder uns Politiker, sondern uns alle!) gegenseitig zu verunglimpfen, aufhören, uns wie trotzige Zwölfjährige aufzuführen, müssen aufhören, uns Spitznamen (Zensursula) auszudenken, Schablonen zu malen und zu verbreiten, aufhören, uns lustig zu machen über die anderen und damit uns selbst lächerlich.

> AUF EINANDER HÖREN!

Müssen aufeinander hören, müssen miteinander sprechen, müssen aufeinander zugehen, müssen einander verstehen und einander und unsere Meinung respektieren, um Vorbilder zu sein, Beispiel zu sein für all jene, die uns folgen sollen, die uns unterstützen sollen im Kampfe!

> MITEINANDER RESSOURCEN OPTIMIEREN!

Müssen endlich mit Konsequenz zusammenarbeiten, gemeinsam aktiv und effizient und effektiv werden, gemeinsam uns auf das Wesentliche konzentrieren, die Mittel des Rechtsstaates ausschöpfen, Polizei und BKA die Ressourcen geben, die sie benötigen, den Partnerländern die relevanten Informationen geben und uns nicht nur den Anschein als wollten wir etwas bewegen.

> MITEINANDER ENERGIEN POTENZIEREN!

Wir sollten endlich handeln, statt uns zu streiten! Wir sollten froh sein, daß UvdL und Guttenbergs Frau den Kampf aufgenommen haben. Wir sollten froh sein, daß Blogger und Aktivisten ihr Wissen und ihre Entschlossenheit kundtun und sollten diese Kräfte und Energien bündeln statt eben all diese Energien und Kräft auseinanderzudividieren, zu neutralisieren gar, weil wir sie gegeneinander verschwenden.

> MITEINANDER, EDEL UND WEISE HANDELN!

Wir sollten mutig und unerschrocken miteinander reiten statt gegeneinander zu kämpfen. Wir sollten endlich weise denken und handeln, und nicht egoistisch und kurzsichtig ("Zensur hilft keinem Kind").

Wir sollten verstehen, daß es um mehr geht, denn sind wir nicht vorsichtig und chirurgisch und weitsichtig, dann geht es um unser aller Zukunft und Freiheit und Wohlstand - als Bürger und als Deutschland: "While about half the people in the world are online today via computers and mobile phones, the Internet will reach billions more in the coming decade. I expect that by using simple yet powerful models of computing such as web services, everyone will be more productive. These tools enable individuals, small groups, and small businesses to accomplish tasks that only large corporations could achieve before." (Sergey Brin, Google, in the yearly Founders’ Letter, quote by silicon valley).


* Der Kategorische Imperativ nach Kant: "Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde".
Vor allem in der Ausformung als Selbstzweckformel sollte der Politiker ihn sich zu eigen machen: "Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst."

> 69722!

Friday, May 08, 2009

Der Blaumilchkanal der Ursula von der Leyen

Bei netzpolitik erklärt Alvar Freude, Vorstand des Fördervereins Informationstechnik und Gesellschaft, die Sinnlosigkeit der Netzsperren im Kampf gegen Kinderpornographie äußerst anschaulich. Sofort leuchtet ein, wie sehr dieses Unterfangen der Koalition an den Blaumilchkanal erinnert:

“Man stelle sich vor, ein Zeitungskiosk würde verdächtigt, Kinderpornographie zu verkaufen. Die Bundesregierung würde ein Gesetz beschließen, großräumig Straßensperren an allen Zufahrtsstraßen zu diesem Kiosk aufzustellen.
Versierte Nutzer, nämlich Fußgänger, könnten den Kiosk zwar weiterhin erreichen, aber die Bundesregierung behauptet, die Straßensperren würden den Zugang erschweren. Und die Behinderung des normalen Straßenverkehrs sei nicht so schlimm, schließlich würden dadurch Kinder gerettet.

Hier ist jedem klar: Die Maßnahme ist unverhältnismäßig und besser wäre es, den Kiosk zu schließen und den Ladenbesitzer zur Rechenschaft zu ziehen.

Ähnlich verhält es sich mit den geplanten Internet-Sperren. Da die Verbreitung über Server in den USA und Westeuropa einschließlich Deutschland geschieht, wäre es ein Leichtes, diese abzuschalten, anstatt eine unwirksame Sperre zu erzwingen.

Wir fordern daher die Bundesregierung auf, die Bedenken der Experten endlich ernst zu nehmen und effektiv gegen Kindesmissbrauch vorzugehen anstatt internetfeindliche Symbolpolitik zu betreiben.”

(Hier geht es zur ePetition > 53466 haben bisher gezeichnet, mediaclinique auch > Just sign it!)

Thursday, May 07, 2009

Link: Medienmagazin Zapp zur PR der Ministerin von der Leyen

Thomas Knüwer weist in seinem Text "Ein kleines Loch im Damm" auf einen 8-Minuten-Beitrag des Magazines zapp hin.
Reinschauen lohnt, denn hier wird die PR-Strategin entlarvt! Dabei gibt es soviel wichtiges und sinnvolles in der Politik, wofür sie sich einsetzen könnte statt nur für sich selbst!

44072. (um TKs Beispiel zu folgen!)
'Ein kleines Loch im Damm' erzählt übrigens vom Erfolg der ePetition gegen die Zensur des Internets, auf die wir auch schon hinwiesen - und hiermit nochmal jeden Leser zur Unterzeichnung auffordern möchten!

Bis jetzt wurden 44098 Unterschriften in wenigen Tagen gesammelt. Da geht noch was!

44119.

TV-Sender: Lange Nasen, kurze Beine

Statt beim TV-Wirkungstag die Möglichkeiten des Web antizipativ zu integrieren, beharrt man auf der TV-Leitfunktion und ahmt den journalistischen Todeskampf mit allen Mitteln nach. Von Ralf Schwartz.

> Leitmedium

Noch immer machen die TV-Sender sich und ihren Kunden was vor. Warum verstehen sie nicht, daß ihnen umso weniger geglaubt wird, je lauter sie schreien, TV sei noch das Leitmedium?
Das wahre Leitmedium hat es nicht nötig, ständig und selbstbestätigend davon zu sprechen, es sei es immer noch. Es ist einfach das Leitmedium - oder eben nicht! Da hilft kein Trotz.

> Massenwirksamkeit

Massenwirksamkeit ist nur noch in einem vernichtend kleinen Bereich des gesamten Programmes gegeben, weil die Sendungen selbst immer kosten-effizienter produziert werden, weil Doku-Soaps die großen Shows ablösen, weil Castings die letzten Quoten-Dinosaurier sind, alles andere nurmehr Sendezeit füllt und unterdurchschnittliches Rahmenprogramm für die Werbung ist.

Die Kehrseite der Massenwirksamkeit ist heutzutage Qualitätsverflachung. Wer möchte da wählen? Zumal mir gerade beim zB 'Tatort' die Massenwirksamkeit nichts nutzt, da man dort nicht werben kann.

Äußerst fraglich ist auch, was überhaupt von Massenwirksamkeit im Vergleich zur interaktiven Verknüpfung der Nutzer zu halten ist. Sollte man nicht den vielleicht qualitativ höheren und prägenderen Kontakt in geringerer Zahl der massenwirksamen, oberflächlichen Wirkung vorziehen?

> Emotionalisierungspotential

Das Emotionalisierungspotential geht vom Spot aus, es hat wenig mit dem Spot-Umfeld zutun. Der Spot ist eine eigene Einheit. Wenn ich diese Einheit im Internet anbiete, dann hat das Internet das gleiche Emotionalisierungspotential wie TV, weil eben dieser Spot hier läuft.

Wer dem Umfeld Emotionalisierungspotential zusprechen möchte, begibt sich sehr schnell auf dünnes Eis, denn es sitzen immer die Fans des jeweiligen Umfeldes vor dem Schirm! Für die Wirkung auf den einzelnen Zuschauer, der Fan des Umfeldes ist, dürften sich keine Unterschiede ergeben.

Im Grunde sagt aber die Wahl des Begriffes 'Potential' alles: Emotionalisierungs-'Potential' hat auch meine Bäckerei-Fachverkäuferin an der Ecke - sie nutzt es nur nicht!

> Geheime Reichweiten

Glaubt irgendjemand - wenn es seit der Erfindung der GfK-Box 'geheime' Reichweiten gäbe -, daß die nicht seit Jahren eingeflossen wären in die dünnen Fallzahlen und zu hinterfragenden Definitionen von Anwesenheit und Nutzung?

Glaubt irgendjemand, daß diese heute noch außen vor bleiben?

Diese 'geheimen' Reichweiten sind seit Jahren - so habe ich es zumindest noch gelernt - integriert, weil jeder im Raume der TV-/Box-Kombi sich anmelden muß, da er als Seher zählt, wenn er auch nur den Raum betritt!

Wenn diese Reichweiten heute als 'geheime' Reichweiten gelten, dann möchte ich nicht wissen, was da wirklich in den letzten Jahren gemessen wurde!

> Werbung als Impulsgeber, den Blick auf die 'lebendige Tapete' zu werfen

Träumt weiter!


(Bei dwdl noch ein wenig Hintergrund zum TV-Wirkungstag.)

Video: Bundestagsdebatte zur Internet-Zensur

Wer gestern die Debatte zur Internet-Zensur bei Phoenix verpaßt hat, der kann unseren Volksvertretern, einzeln(!) und in Farbe, bei netzpolitik lauschen. Vorteil: Man kann sich seine Partei auswählen, man kann in kleinen Häppchen genießen, man kann Pausen für die Hintergrundrecherche einlegen ;-).
Leider ist der Bundestag äußerst verwaist und spricht Ursula von der Leyen nicht.

Monday, May 04, 2009

Petition gegen Netzsperren!

"Es gibt jetzt die Petition "Internet - Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten" beim ePetition-System des Deutschen Bundestages. Diese kann gerne dort unterzeichnet werden", schreibt Markus Beckedahl.
mediaclinique hat sich soeben angemeldet und mitgezeichnet. Jetzt seid Ihr dran!

Hier der Text:

Text der Petition

"Wir fordern, daß der Deutsche Bundestag die Änderung des Telemediengesetzes nach dem Gesetzentwurf des Bundeskabinetts vom 22.4.09 ablehnt. Wir halten das geplante Vorgehen, Internetseiten vom BKA indizieren & von den Providern sperren zu lassen, für undurchsichtig & unkontrollierbar, da die "Sperrlisten" weder einsehbar sind noch genau festgelegt ist, nach welchen Kriterien Webseiten auf die Liste gesetzt werden. Wir sehen darin eine Gefährdung des Grundrechtes auf Informationsfreiheit."

Begründung

"Das vornehmliche Ziel – Kinder zu schützen und sowohl ihren Mißbrauch, als auch die Verbreitung von Kinderpornografie, zu verhindern stellen wir dabei absolut nicht in Frage – im Gegenteil, es ist in unser aller Interesse. Dass die im Vorhaben vorgesehenen Maßnahmen dafür denkbar ungeeignet sind, wurde an vielen Stellen offengelegt und von Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen mehrfach bestätigt. Eine Sperrung von Internetseiten hat so gut wie keinen nachweisbaren Einfluß auf die körperliche und seelische Unversehrtheit mißbrauchter Kinder."


Mehr ist es nicht. Das tut nicht weh. Also unterzeichnen und Bürger sein!
> Petition "Internet - Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten".


Wer nicht genau weiß, um was es geht: "Überblick zum Thema Netzsperren" des Datenschutz-Blogs plus weiterer Links am Ende dieses mediaclinique-Textes: "Ene mene muh, schwer pädokriminell bist ... Du!".


UPDATE 18:54 Uhr: NIcht schlecht, Freunde! Die mediaclinique hat heute mittag als ungefähr 1200soundsovielste mitgezeichnet und nun sind es soeben schon 7489 gewesen! Weiter so! Dann sollten die 50.000 kein Problem sein.
21:08 Uhr > 9773!

Sunday, May 03, 2009

Drei Links zum Tag der Pressefreiheit

Weil aller guten Dinge 3 sind - auch an diesem 03. Mai, dem Internationalen Tag der Pressefreiheit - hier 3 Links zum Thema:

> "10 Worst Countries to be a Blogger" > China Free Press
> "Wie Staaten die Blogosphäre kontrollieren wollen" > Heise News
> "If Only China's Ban on 'Sidebar News' Was Really Just a Ban on 'Sidebar News'" > Boxun.us > Interessanter Durchbruch für die chinesische Zensur.
Dies nur zur Info und zur Imagination, wie wir bald auch in D leben werden!?

Zur aktuellen Situation bei uns muß hier eigentlich nichts mehr gesagt werden. Für die unregelmäßigen Besucher zwei mediaclinique-Links:
> "Ene mene muh, schwer pädokriminell bist ... Du!".
> "Schäuble twittert".

Tuesday, April 28, 2009

Ene mene muh, schwer pädokriminell bist ... Du!

Ursula von der Leyen: Fast jeder 2.(!) männliche Surfer ist 'schwer pädokriminell' - und jeder(!), der 'technisch versiert' ist. Da bleibt wohl nur sie selbst außen vor. Von Ralf Schwartz.

Am Wochenende hat Frau von der Leyen dem Berliner Sender radio eins ein Interview gegeben und präzisiert dort, wie sie denkt: "... Und jeder, der jetzt zuhört, kann eigentlich sich selber fragen, wen kenne ich, der Sperren im Internet aktiv umgehen kann. Die müssen schon deutlich versierter sein. Das sind die 20 Prozent. Die sind zum Teil schwer Pädokriminelle. ...". (Quelle: radio eins oder golem)

Fast jeder 2. Mann ist Kinderpornograph!?

Nehmen wir nun die genannten 20%, wissen daß "42,84 Mio. Deutsche über 14 Jahre online" sind, so errechnen sich daraus schnell 8,6 Millionen Kinderpornographen in Deutschland.

Unterstellen wir nun, daß nur Männer, also knapp die Hälfte der 42,84 Millionen, Interesse an Technik und Kinderpornographie haben, so bleiben knapp 20 Millionen Männer übrig, unter denen sich die 20% aller, also die 8,6 Millionen Kinderpornographen befinden!

Ergebnis: Fast jeder 2. Mann ist Kinderpornograph. Daß man da nicht schon länger etwas unternommen hat!?

Die harten Kerne der Kinderpornographie

Unglaublich? Aber wahr, denn diese (Männer) wissen alle, wie man seinen DNS-Server wechselt. Pfui.

1 - Jeder Blogger ist Kinderpornograph (Martina Kausch auch).
2 - Jeder Webdesigner ist Kinderpornograph.
3 - Jeder Telekommunikations-Techniker ist Kinderpornograph.
4 - Jeder Mitarbeiter der inneren Abteilungen bei Telekom, 1und1, etc. ist Kinderpornograph.
5 - Jeder IT-Consultant ist Kinderpornograph.
6 - Jeder ITler in jedem Unternehmen Deutschlands ist Kinderpornograph.

Letzte Ausfahrt: Bundesverfassungsgericht

Wir sind nun auf einem indiskutablen Niveau angekommen - in der Politik der Ursula von der Leyen und Mitstreitern, die soweit über das Ziel hinausschießen, daß ihr eigentliches Ziel dabei vor die Hunde geht.
(Wobei man inzwischen bezweifeln muß, was ihr eigentliches Ziel überhaupt ist.)

Das beste Ziel der Welt (diese Kinder zu retten) wird verfehlt, wenn man es derart verbissen verfolgt, daß die Bemühungen um seine Erreichung überschattet werden von den Kollateralschäden in der deutschen Bevölkerung!

Bis vor kurzem hatte ich noch einen letzten Funken Hoffnung (als ich hier Gespräche zwischen den Parteien anregte (Politik, Blogger und die lachenden Pornographen!)), im Grunde hat sich aber nur gezeigt, wie naiv ich bin.

Wie bei den meisten Aktionen der Koalition der aktuellen Legislatur, wird wohl wieder das Bundesverfassungsgericht endgültige Klärung bringen müssen, was ein Politiker darf und was nicht.


Wer übrigens nicht ganz im Thema ist und mir nicht folgen kann, der informiere sich hier:
> "Warum es um Zensur geht".
> "Internetzensur - Warum die Meinungs- und Informationsfreiheit alleine keine Hilfe sind".
> "Bundesjustizministerin warnt vor "Begehrlichkeiten" bei Web-Sperren".
> "Der Kampf der Kulturen".

Sunday, April 19, 2009

Der Spiegel - Angst fressen Seele auf?

Welche irrationale Angst treibt den Spiegel, ein Studien-Ergebnis aussage-verzerrend mit "Facebook-Nutzer haben schlechtere Noten" fast schon auf Bild-Niveau wiederzugeben? Von Ralf Schwartz.

0 - Die Zeiten sind hart in der Krise. Die Journalisten wissen nicht, was sie schreiben sollen. Das Internet zerrt an ihren Nerven. Alle Hoffnung liegt auf UvdL und den Politikern, das Internet zu verbieten, zu verdammen, zu tabuisieren, und die Menschen wieder via Print-GEZ an die gute, alte Print-Presse zurückzuentwickeln.
Gibt es keinen Amoklauf, gibt es nichts zu schreiben. In Berlin wird nichts entschieden, selbst in Wahlkampfzeiten sind alle in Urlaub oder zumindest in Hirn-Abwesenheit.

1 - Wir müssen was schreiben!

Redakteur N: Idealerweise etwas gegen das Internet. Egal was.
Redakteur X: Ich weiß nichts.
Redakteur N: Da war doch diese Studie in Ohio, von Karpinski und Duberstein, irgendwas gegen Facebook. Das wär's doch!

2 - Na super! Eine Studie ohne Aussage.

Redakteur X: Da steht aber nichts drin! Hier:
"Karpinski sagte dem Magazin Time, aus der Studie lasse sich nicht unmittelbar ableiten, dass die schlechten Noten nur durch Facebook verursacht würden. ...
Es sei durchaus möglich, dass andere Faktoren wie Persönlichkeitsmerkmale sowohl die akademischen Leistungen als auch die Nutzung von Facebook beeinflussen. "Wenn es Facebook nicht gäbe, würden diese Studenten vermutlich andere Wege finden, um das Studieren zu vermeiden", so Karpinksi.".

Wenn es das (Facebook) nicht ist, dann ist es vielleicht etwas anderes, was die Studenten vom Lernen abhält. Toll. Kannste also vergessen!

3 - Dann basteln wir uns eben eine!

Redakteur N: Wieso? Was sagt sie? "... aus der Studie lasse sich nicht unmittelbar ableiten, dass die schlechten Noten nur durch Facebook verursacht würden"!
Genial. Verstehste! "... nicht unmittelbar ..."! Also 'mittelbar' schon! Na also, wir haben einen Artikel!
Überschrift: "Facebook-Nutzer haben schlechtere Noten"!
Redakteur X: Weit hergeholt, oder?
Redakteur N: Weit hergeholt? Blödsinn. Warte. Subline:
"Macht Facebook dumm? Oder meiden Streber das Portal? Wer viel Zeit in sozialen Netzwerken verbringt, bringt schlechtere Leistungen im Studium. Das zeigt die Studie einer Uni in Ohio. Netzwerker neigen offenbar stärker zur Arbeitsvermeidung als Abstinenzler.".

Wir stellen einfach rethorische Fragen, nachdem wir in der Überschrift schon klargemacht haben, was wirklich los ist. Und das "... offenbar ..." spricht uns von aller Schuld frei. Und mittenrein, was sowieso schon keiner mehr liest, schreiben wir: "Karpinski sagte dem Magazin Time, aus der Studie lasse sich nicht unmittelbar ableiten, dass die schlechten Noten nur durch Facebook verursacht würden. ...
Es sei durchaus möglich, dass andere Faktoren wie Persönlichkeitsmerkmale sowohl die akademischen Leistungen als auch die Nutzung von Facebook beeinflussen.
"Wenn es Facebook nicht gäbe, würden diese Studenten vermutlich andere Wege finden, um das Studieren zu vermeiden", so Karpinksi.".

4 - NetworkWorld schreibt aber was anderes!

Redakteur X: Ich gugel das mal. Oh, NetworkWorld schreibt, die Studie wäre Mist!
Redakteur N: Das liest doch keiner.
Redakteur X: Das kann doch jeder gugeln.
Redakteur N: Macht doch keiner. Machen wir doch auch nicht. Na, außer dir. Aber du bist noch nicht lange hier.

5 - Laut Wired beweist eine Studie das Gegenteil.

Redakteur X: Und wired schreibt sogar, daß es eine Studie gibt, die zeige, daß "Menschen, die das Internet während der Arbeitszeit nutzen, zu fast 10% produktiver sind als andere".
Redakteur N: So einen Quatsch, der im Internet steht, willst du doch wohl nicht glauben! Das ist kein seriöser Journalismus. Das müssen überprüfbare, gedruckte Quellen sein, denen man vertrauen kann, sonst berichten wir nicht darüber.
Das Internet ist schlecht, auch wenn wir Teil davon sind. Wir tun dies nur, um den gedruckten Spiegel zu retten. Da muß man schonmal unkonventionelle Wege gehen.
Wir müssen zeigen, daß das Internet nicht so ungefährlich ist wie alle meinen. Es lähmt uns. Es verbiegt uns. Es zerstört uns von innen heraus. Es zerstört unser Rückgrat, unser Standing, unser Ansehen, unsere Relevanz. Unmerklich. Schleichend. Wie Facebook eben. Wir müssen die Menschen retten ...



Anmerkung: Ich weiß, wie man Google schreibt. Alle Personen sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist unbeabsichtigt und rein zufällig. Alle unverlinkten Zitate sind Zitate, die später tatsächlich in einen Artikel bei spiegelonline eingeflossen sind. Von Redakteur X fehlt übrigens jede Spur.

Wednesday, April 08, 2009

Abwrackprämie für Deutschland

Mit 5 Milliarden Euro könnte man 2 Millionen Manager, Politiker und unterstützende Medien abwracken. Das Paradies. Wo sind die Anträge? 27 gute Gründe. Von Ralf Schwartz.

Einen Tag nur war ich dienstreisend unterwegs und habe das ganze Elend dieses Landes inhalieren müssen. Überdosis!
Überdosis Regulierung. Überdosis Kommerzialisierung. Überdosis Ausbeutung. Überdosis Inkompetenz. Überdosis Egoismen.

Zum Glück nur auf An- und Abreise, nicht jedoch während des eigentlichen Termines. (Vielleicht hat mir genau diese Diskrepanz der Welten erst die Augen für die fatalen Unterschiede geöffnet. Man sollte sich eben nicht allzu lange mit wirklich gebildeten und weitsichtigen Menschen unterhalten.)

Autobahn
(Also Autobahn ohne direkt an das Dritte Reich zu denken, bitte! (Jetzt tut Ihr es ja doch.))

01 - Morgens um 0800 die Autobahn zum Köln/Bonner Flughafen. 4 -spurig. Leer!
02 - 7 Dienstwagenfahrer schaffen es, die Bahn trotzdem links außen zu blockieren.
03 - Nun, was heißt blockieren, wenn die automatische Geschwindigkeitsregelung über unseren Köpfen bei leerer Autobahn 80 befiehlt!?

Flughafen

04 - Parkhaus: 4,50 Euro die Stunde! Die Stunde!
05 - 3 Euro für einen Kaffee, 2,60 für ein trauriges Brötchen. Ich dachte, ich sei im Kino.
06 - American Express: Ich lausche den Klängen meines iPod. Weiße gute sichtbare Drähte in meinen Ohren! "Darf ich Sie mal eben was fragen?" - "NEIN!"
07 - Toilette: Vor 1 Minute war jemand da und hat auf dem Kontroll-Zettel, mit zittriger Hand ob der Verantwortung, unterschrieben - und dann keine Zeit mehr gehabt, sauber zu machen.

Sicherheitskontrolle

08 - Die Sicherheit fokussiert sich auf das Sitzen(!) vor der Röntgen-Maschine, Begrüßung war gestern, Freundlichkeit vorgestern, Selbstbedienung mit Schalen ist Trumpf.

09 - Der Manager vor mir muß dreimal durch, er fliegt zum ersten Mal. Erzählt noch vom Ferrari eines Freundes und ruft seine Mutter an, daß er jetzt durch die Kontrolle ist.

Gate, Einstieg und Start 01

10 - Auch bei diesem Flug haben wider Erwarten alle einen Platz bekommen, die auch eine Bordkarte haben. Manager: "Ja, ich muß Schluß machen, muß mich jetzt reindrängeln und mir einen besseren Platz besorgen, meine Sekretärin, Du weißt ..."

11 - Wir stehen Fußspitze an Hacke und spüren den noch spitzeren Bauch des Hintermannes in unserem Rücken, sein zu schweres Handgepäck in unseren Kniekehlen, während wir gegen das des Vordermannes gedrückt werden. Einsatz und Leistungsbereitschaft des Mittelmanagements wachsen mit den Herausforderungen - das kennt man vom Kalten Buffet.

12 - Im Flugzeug stehen wir ein wenig rum, weil die Manager nicht der Reihe nach eingestiegen sind, ihr zu schweres Handgepäck verstauen und der Sekretärin sagen müssen, daß sie jetzt ihr Handgepäck verstaut haben und es gleich losgeht, sie sich aber nochmal melden, sobald der Purser allen nochmal erklärt hat, daß die Handys ausgeschaltet bleiben müssen.

13 - Übrigens der Manager ist nicht mehr männlich allein. Die dümmsten Frauen haben sich hochgearbeitet zu den Statussymbolen des männlichen Pendants und blockieren nun auch Wege und Zeiten und Frequenzen mit Twitter-haftem Geplauder ohne selbst zwischen den Zeilen Sinn zu hinterlassen.

Landung 01

14 - Keiner klatscht, obwohl die meisten den Eindruck machten, zum ersten Male zu fliegen.

15 - Ich auch, denn ich fragte trotzig den Steward, ob dies denn kostenlos sei, als er "Snacks. Getränke." säuselte. "Nein, das gibt es schon lange nicht mehr", antwortete er traurig, aber ein wenig verliebt. Nicht in mich, sondern in die warme Laugenstange. Mit ein wenig Salz auf der Spitze.

16 - Während das Flugzeug - also der Flieger - langsam ausrollte, kamen schon die ersten Instant Messages, Tweets und SMSsen und Mailbox-Benachrichtigungen mit einzelnen Trompeten-Soli rein.

17 - Es war viel passiert in der letzten Stunde, schließlich war es seit 90 Minuten halb Zehn in Deutschland. Das Management mußte sich nach dem 55-minütigen Flug updaten. Die Kinder waren in der Schule, die Frau beim Tennis, die Freundin beim Frauenarzt. Sie selbst waren gelandet. Damit hätte man nicht rechnen können, daher eine Nachricht wert. Die Telekom-Industrie muß auch leben.

18 - Daß die Inhalte dieser Konversationen auf dem Niveau der Innovations-Tätigkeit unserer Wirtschaft, der Kompetenz unseres Managements und unserer Politik, der Neugier und Investigations-Freude unserer Journalisten sind, soll nicht weiter verwundern, denn schließlich trifft sich hier allmorgendlich Deutschlands Elite und bereitet dem Fortschritt eine Freude, indem sie ihn links liegen läßt.

Gate, Einstieg und Start 02

19 - Die üblichen Verdächtigen sind wieder da, auch wenn die Gesichter andere sind. Jetzt aber gibt es mehr zu drängeln, denn es ist gleich 1955 (Uhr, nicht Jahr) und alle wollen schnell nach Hause.
Und wenn man drängelt geht es schneller, das kennt der Vertriebsmanager vom Autobahnstau, den er selbst verursacht hat.

20 - Der Manager neben mir muß zweimal ermahnt werden, sein iPhone auszuschalten, dabei hat er das Spiel noch nicht zu Ende gespielt. An Effizienz jedoch ist er bestimmt nicht zu überbieten. Kann mit seinen Wurstfingern immer zwei Buchstaben gleichzeitig tippen auf der virtuellen Tastatur.

21 - Die Managress schräg hinter mir muß ebenso dran glauben, dabei hat sie es doch am schwersten, sich durchzusetzen gegen diese männliche Wolfsmeute, die sich um ihren Job reißt. Schnell noch eine SMS mit den neuen Befehlen raus.

Landung 02

22 - Die ersten bekommen die Wetterberichte rein, die ihnen nun, aufgrund ihrer fehlenden Weitsicht auch nichts mehr nutzen. Ich ziehe meinen Regenmantel über und gehe langsam die Gangway runter zum Bus.

23 - Selbst das 18-jährige Hippie-Mädchen macht sich lustig über die Lenker unserer Welt, die nun ihre Lenker anrufen und erklären, sie seien gelandet und es regne. "Ja, ich weiß, daß Du mir das eben auf die Mailbox gesprochen hast! Nein, ich bin in 20 Minuten da. Machst Du noch was zu essen?" Wenn 18-Jährige es merken ...

Parkhaus-Kasse

24 - Daß der Manager, der da an der Automaten-Kasse im Regen steht, nicht gegen ebenselbige tritt, ist verwunderlich. Seine Flüche dringen bis zu mir. Ich beschließe, im Auto zu bleiben und das Handy weiterhin ausgeschaltet zu lassen.
Nein, ich will sehen, wie er mit dieser Situation des kaputten Automaten zurechtkommt. Gar nicht, leider, er geht resignierend auf sein Auto zu. Was will er machen? Seine Mutter anrufen?

25 - Ich steige aus und höre nicht auf ihn, der mir sagt, der Automat sei kaputt, und gehe am kaputten vorbei zum (hoffentlich) funktionierenden an der Rückseite des ersteren.

26 - Der Manager kommt "Der geht? - Ach, ich bin beim Zurücksetzen an ihren Wagen vorne gekommen, aber nur ganz wenig!"

27 - Der Manager braust mit geschätzten 80 km/h durch die 10er/30er-Zone des Flughafens. Seine Dummheit hat ihn vorhin schachmatt gesetzt. Jetzt beschleunigt sie ihn umso mehr. Symptome oder Ursachen? Root Causes?


Mit 5 Milliarden könnte man 2 Millionen Manager abwracken ... und die Politiker, die wegschauenn und dieses (Nichts-)Tun noch unterstützen, statt Regeln aufzustellen, die größer und wichtiger als wir alle sind ... und Medien, die nicht gegen die Verdummung, Boulevardisierung und Kommerzialisierung der Welt anschreiben, sondern die Abwärtsspirale beschleunigen ...

Monday, April 06, 2009

Wen juckt Medienvielfalt, wenn 'nur' die Kinowerbung stirbt?

Früher gab es einen Markenverband, und es gab Mediaagenturen, es gab Werbungtreibende, die für Vielfalt in den Medien und in den Werbemöglichkeiten kämpften. Heute werden Profite und Rabatte über Gebühr im TV gemacht. Im TV, allein im TV und sonst nirgendwo.

Wen sollte also interessieren, daß die Kinowerbung den Bach runtergeht, wie turi2 schreibt? Wer sollte sich für sie einsetzen? Sie ist ein Dinosaurier, sie ist schwer zu handeln, sie ist teuer zu produzieren. 'Nein danke, wir sind eine Medienfabrik, wir backen keine kleinen Brötchen. Werbung im Kino ist so 1980'.

Dabei sollte man bedenken, daß jeder Euro on top auf die Eintrittspreise bedeutet, es gehen noch weniger Menschen wie ich ins Kino.
Kino müßte um die Hälfte billiger sein, dann würde ich doppelt bis dreimal so oft ins Kino gehen. Getränke, Popcorn, Eis und Süßigkeiten sollten nicht so teuer sein als würde man sie auf Rezept kaufen, dann würde ich sogar noch öfter ins Kino gehen wollen.

Kinowerbung hat mal Maßstäbe gesetzt, war Grund für Werbeaffine, rechtzeitig im Kino zu sein, wurde als effektivste Werbung betrachtet, da niemand an ihr vorbeikam und -kommt, und die Emotionen eines großen Publikums ungemein ansteckend und überzeugend sind.

Kleine Städte brauchen Kinos, als Treffpunkte und soziale Schmelzen. Soziales Networking gibt es nicht nur digital, sondern auch analog - indem man sich körperlich trifft und miteinander redet!
Große Städte brauchen Programmkinos und Erstaufführungskinos in den Film-Originalsprachen. Diese Kultur liegt schon brach genug. Wir müssen hier nicht noch mehr über einen Kamm scheren.


> Siehe auch FTD "Ende einer Institution: Werbefreie Zone Kino".

Sunday, April 05, 2009

Bildblog: Wir haben versagt!

Die Öffnung des Bildblogs für alle Medien bedeutet in einfachen Worten, daß wir alle versagt haben! Wir haben vor dem Blog gesessen, zugeschaut, gegafft, gelacht - aber nichts getan. Wir haben gemeinsam versagt. Von Ralf Schwartz.

Wir haben Stefan und Christoph zwar Kommentare spendiert und Mut zugesprochen, aber wir haben es ihnen nicht gleichgetan. Wir haben nicht für ihre Sache, die ja eigentlich auch die von uns allen sein sollte, gekämpft.
Wir haben Schnipsel beigesteuert, mediokre Unwahrheiten aufgedeckt, waren in diesen kleinen Gefälligkeiten unersetzlich, aber haben uns nicht weiterentwickelt.

Wir haben das Ziel, das Bildblog überflüssig zu machen, nicht erreicht. Wir haben in der bürgerlichen Fläche nichts gelernt, nichtmal, daß wir besser aufpassen müssen, was die Medien uns vorsetzen.

Bild hat nichts gelernt - außer, daß sie besser aufpassen müssen, um nicht erwischt zu werden. Im Grunde ist es ihnen egal. Sie denken, sie machen nur ihren Job.

Medien und Journalisten haben nichts gelernt, denn sie mußten nicht. Sie wußten, es gibt nur einen Stefan und einen Christoph und ein paar Jünger in ihrem Safte, 'die werden uns schon nicht richten, wir sind in der Überzahl'.

Die Politiker haben nichts gelernt, nichtmal, daß sie besser achtgeben müssen. Denn nicht allein die Bild, sondern die Gleichgültigkeit, das Desinteresse, die Inkompetenz der Einzelnen da draussen sind ihre wahren Verbündeten.

Unsere größten Feinde und damit die größten Feinde der Wahrheit, Meinungs-, Entscheidungs-, und Handlungsfreiheit sind wir selbst, unsere Faulheit und Bequemlichkeit. Und sollte dies das einzige sein, was wir gelernt haben aus vier Jahren Bildblog, dann soll uns dies schon genügen, denn Selbsterkenntnis ist der erste Schritt ...

In diesem Sinne: Get well soon!


> Dieser Text schließt übrigens vom Sinne her nahtlos an mediaclinique "Selbstversuch: Mediale Entgiftung in 7 Tagen" an.

Friday, April 03, 2009

Selbstversuch: Mediale Entgiftung in 7 Tagen

Es ist erschreckend, wie weit der sogenannte Qualitätsjournalismus hinter engagierte Blogger zurückgefallen ist. Das ganze System ist krank, nicht das einzelne Journalisten-Rädchen! Von Ralf Schwartz.

Ohne es in den ersten Tagen selbst zu bemerken, entgiftete ich von einer ubiquitären, medialen Salmonelle, die unsere Synapsen verklebt und unser Denken behindert.
Diese mediale Entgiftung ist notwendig, um sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren zu können - sei es als Journalist, sei es als Rezipient.

Hier der Erfahrungsbericht in rückwirkender Ratio- und Emotionalisierung:

Samstag, 28. März 2009

Samstagmorgen erwachte ich unplanmäßig um 06:30 Uhr und meine Temperatur erhöhte sich bis zum Abend auf 38,9 Grad Celsius.

In der Rückschau fällt der Einstieg in die mediale Entgiftung leicht, die Redaktionen haben Wochenende, es passiert nichts in der Welt.
Dies böte Gelegenheit zum Kommentar, zur Bewertung der Ereignisse, zur Rückschau. Könnte wahrer Service sein, die Begleitung des Lesers, nicht nur die schubladen-artige Ablieferung von Quasi-Nachrichten innerhalb der Woche.

Sonntag, 29. März 2009

Am siebten Tage sollst Du ruhn. Ein Glück, daß das Kreuzworträtsel der Zeitungs-Sonntagsausgabe noch nicht im Internet angelangt ist. Oder?

Ich merke noch nichts. Mir geht es schlecht. Dem Journalismus auch. Warum aber echauffiert er sich künstlich, statt herauszufinden, was ihm fehlt? Warum zieht er sich nicht kurz zurück und stellt sich infrage? Dumme Frage.

Montag, 30. März 2009

Nach nun dreitägiger Informations-Abstinenz merke ich immer noch nicht, daß mir wirklich etwas fehlt. Also weiterleiden auf hohem Niveau. Gestern schon hatte ich ein Essen für heute Abend in weiser Voraussicht abgesagt und auf Donnerstag verschoben.

Wirkliche Lust, in die 300 Feeds des Tages (und ihre in die Tausende gehenden Aktualisierungen) zu schauen, verspüre ich noch nicht. Ich gönne mir den Luxus, weder zu lesen, noch zu schreiben. Oft genug hatte ich den Medienmenschen empfohlen auch einfach mal zu schweigen. Warum nicht auch ich?

Dienstag, 31. März 2009

Zwanzig Tage ist Winnenden nun her - und seit 10 Tagen bereits wieder vergessen. Die 10 Millionen legale Waffen sind weiter in Privatbesitz, weil Wahlen gewonnen werden müssen - und daher berichtet auch kein Journalist.

Mittwoch, 01. April 2009

Nach einem ersten langen Blick in die RSS- und Nachrichten-Lage am 01. April (5. Tag) bemerkte ich, daß mir nichts fehlen konnte, da da nichts war. Gar nichts.
Ich las jede Headline als könne sie ein Aprilscherz sein. Hier ein paar Spiegelonline-Beispiele (ohne Verlinkung):
"Mehdorn-Vertrauter soll's richten"
"Treibhausgas kann über Millionen Jahre sicher gelagert werden"
"Wieso Protektionismus sein Gutes hat"
"Merkel und Sarkozy wollen Obama auf Kurs zwingen"
"Anschlag auf Lenins Po"
"Albanien und Kroatien sind neue Nato-Mitglieder"
"Ein Scheitern würde uns die Geschichte nicht verzeihen"
"Verfassungsschutz braucht Online-Durchsuchung"

Man weiß nicht mehr, was Scherz und was ernst gemeint ist. Man weiß nicht, was jemand als relevant oder ganz im Gegenteil erachtet. Was drinsteht, muß wichtig sein? Das ist das Problem: es steht alles drin (Spiegelonline-Beispiele (ohne Verlinkung)):
"Mariah Carey feiert auffallend gnädig"
"Hitzfeld traut Magath den Titel zu"
"Wilde Kamele sorgen für Ärger im Outback"
"Pitbulls beißen sieben Monate altes Baby tot (Texas)"
"Sex ist nicht unterschätzt - aber Holunder"

Donnerstag, 02. April 2009

Genausowenig, wie es am 01. April zu verpassen gibt, genausowenig gibt es an den anderen Tagen zu verpassen.

Es passiert am Tage nichts und es passiert in der Woche nichts. Die Tageszeitung kann zumachen. Ihre nationale und internationale Berichterstattung ist überflüssig wie ein Kropf, sie kann ersatzlos gestrichen werden. Sie ist redundant. Leider.

Wichtig wären Bewertungen, Gegenüberstellungen, Kontexte in Zeit, Inhalt und Bedeutung. Relevant wären Hintergründe. Relevant wäre die Bildung der Menschen, die Erweckung ihrer Neugier und ihres Wissensdurstes - aber das ist selbst für die Politik kein Thema (aber das ist ein anderes Thema).

Wichtig wäre alles, was über die lecke DPA-Zentrifuge hinausgeht, alles, was nicht gedankenlos in die Welt gestreut wird.

Freitag, 03. April 2009

Es ist erschreckend, wie weit der sogenannte Qualitätsjournalismus hinter engagierte Blogger zurückgefallen ist. Nur heise.de kann so gerade noch mit lawblog, netzpolitik, duckhome, spiegelfechter, weissgarnix, fixmbr mithalten. Auf diese würde ich nicht verzichten wollen. Hier bekomme ich die ehrliche, ungeschminkte Meinung, die ich brauche, mich zu entwickeln, mich zu reiben, zu lernen. Hier bekomme ich die Hintergründe, hier bekomme ich die zweite Seite, die mir sonst zu 100% fehlt.

Natürlich empfindet man die genannten als extrem - aber nur, weil man durch die andere, gleichmacherische Sauce vergiftet ist ohne es zu merken. Man wurde längst viel zu tief in den Sumpf des Durchschnitts hineingezogen und wird täglich wieder mit dem Kopf unter die Gürtellinie seriöser und ausgeglichener Berichterstattung gedrückt.

Ich kann nur jedem raten, eine Woche zu entgiften. Sich vollkommen zurückzuziehen und zu erkennen, was wirklich relevant sein soll an dem, was uns von den Kioskwänden entgegenlächelt und -strahlt.
Ich kann nur jedem empfehlen, sich eine eigene Meinung zu bilden und die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen. Das gesamte System ist krank, nicht das einzelne Journalisten-Rädchen.


Sollte man fühlen und entscheiden wie ich, führt dies zu weitaus mehr Quality Time beim Rezipienten, denn er gewinnt 85% hinzu, und zu mehr Quality im Journalismus, auch wenn letzteres noch ein fiebriger Traum ist ...


UPDATE 13:15 UHR - NUR UM GANZ SICHER ZU GEHEN:
Hier geht es nicht um den ewigen Kampf zwischen Journalist und Blogger. Hier geht es um Redundanz vs. Qualität, hier geht es um das Irrelevante vs. das Wesentliche, hier geht es um Abschreibe vs. 'einen Unterschied machen', um Kommerz vs. Herzblut, um Beiläufigkeit, Beliebigkeit und Bequemlichkeit vs. Engagement und Inspiration! Hier geht es um den Unterschied zwischen Träumen vs. Tun, den Unterschied zwischen Hoffen und Schaffen (nicht es, sondern was).

(Wie weit dies auch von der sich selbst beweihräuchernden Blogger-Elite entfernt ist, sieht man gerade in Berlin - ein Kongress war schon immer das Ende der Revolution, nicht ihr Anfang. Es gibt also keinen Grund, in Jubel auszubrechen!)

Friday, March 27, 2009

Das stete Versagen des 'Qualitätsjournalismus'!?

60 lange Stunden nach der Hausdurchsuchung bei wikileaks haben 4(!) organisierte Redaktionen darüber berichtet. In Winnenden geschah alles in 6 Minuten! Prioritäten! Von Ralf Schwartz.

Morgens um halb 10 in Deutschland: Wenn man sich auf die deutsche Google-Suche nach "Hausdurchsuchung Wikileaks" (ohne Anführungsstriche und ohne Safe-Filter) macht, findet man unter den ersten 200(!) Search-Ergebnissen nur Heise, Süddeutsche, Merkur, Computerwoche. (Der Spiegell verweist auf mobi, läßt sich aber am Rechner nicht öffnen.)

Wo ist der Rest der etablierten Titel und Jornalisten? Warum liest man nichts von ihnen? Sind sie nicht in Google gelistet unter den ersten 200 Treffern? Nach 60 Stunden? Wer hat da kein Interesse? Die Menschen oder die Presse? (Ich denke, ich muß hier nicht explizit erwähnen, daß die übrigen 196 Ergebnisse aus Blogs, etc. resultieren.)

Im Detail sieht das so aus:

Am 24. März, 22:35 Uhr, tweetete wikileaks (keine Angst verlinkt nur auf Twitter) > "Gefahr im Verzug-Hausdurchsuchung bei Wikileaks.de Domaininhaber wegen Internet-Zensurlisten - stay tuned".

Heise berichtete ausführlich am 25. März, 09:43 Uhr: "Hausdurchsuchung bei Inhaber der Domain wikileaks.de [Update]".

Die Süddeutsche erwähnt die Hausdurchsuchung nichtmal in ihrem Artikel "Sperren ist keine Lösung" vom 25. März, 13:20 Uhr.

Der Merkur schafft es zwar gerade nur, sich lustig zu machen ("Die Netzwelt hat einen neuen Aufreger: ..."), hat aber wenigstens schon die einschlägigen Blogs konsultiert:
"... Bei dem Projekt Wikileaks gab es eine Hausdurchsuchung. Wikileaks veröffentlicht pikante Dokumente, sodass die Absender anonym bleiben. Dort haben Ermittler nun eine Liste von in Australien gesperrten Internetseiten gefunden, schreibt der Autor von Svens Blog. Nun beschweren sich die Blogger, dass statt der Verbrecher nun diejenigen bestraft werden, die sich für Politik und die Arbeit der Polizei interessieren. Klare Worte finden auch Fefe und der Compyblog."

Die Computerwoche stolpert am 26. März, 11:45 Uhr, über die News: "Hausdurchsuchungen bei Wikileaks.de-Domaininhaber".

Der Qualitätsjournalismus deutscher Prägung hat anscheinend immer noch nicht (mediaclinique: "Journalisten: Vierte Gewalt oder Fünftes Rad?" - und deshalb möchte ich mich hier auch nicht wiederholen) die Relevanz des eigenen Interesses an und der eigenen Arbeit für die Presse-, Meinungs-, Entscheidungs- und Handlungsfreiheit im Lande verstanden.

Welche Antworten hat der Journalismus, warum ihn genau diese Thematik weitaus weniger als Winnenden interessiert?

Fehlt der Schock?
Für die, die Bescheid wissen und in das Thema involviert sind, ist es ein Schock, wenn auch ein in pessimistischen Kreisen erwarteter!

Fehlt die Sensation?
Die kann ich liefern. Die Presse könnte das so sehen - wie ich es formuliere:

"Perfider kann man das Gesetz gegen Kinderpornographie nicht zu seinem eigenen Nutzen verbiegen als es U.vdL gerade praktiziert:
Da möchte ein unbescholtener Bürger zeigen, wie wenig(!) Kinderpornographie in den Zensurlisten der Länder steckt, die U.vdL als leuchtende Beispiele ihrer Pläne nennt, möchte also zeigen, daß der Kinderpornographie-Aspekt nur vorgeschoben ist, da räumt man seine Wohnung polizeilicherseits auf und verdächtigt ihn der Verbreitung kinderpornographischer Schriften, da er auf die aufklärende Site verlinkte."

Fehlen die Toten, die Verletzten, die verzweifelten Angehörigen? Fehlen die Bilder vom Tatort?
All das braucht man nicht bei schleichenden Enteignungen eigener Meinung und Kritikfähigkeit!

Fehlt der Skandal?
Mal ehrlich: Ist das immer noch kein Skandal für die etablierte Presse?


Wer möchte, kann tiefer einsteigen. Hoffentlich haben sich die Ergebnisse inzwischen verbessert! Ein wenig wünsche ich mir, man könnte obigen Befund relativieren oder widerlegen. Ein wenig gespenstisch ist das schon.

Tuesday, March 10, 2009

Wer braucht Feinde, wenn es Sony gibt?

Wer braucht Feinde, wenn es solche Werbung gibt? Die "Shoot-your-friends-in-the-face promotion" von Sony Entertainment.


Video courtesy YouTube, Sony Entertainment.

"For a scarier version of Burger King's Whopper Sacrifice, see Snipe-a-mate, a Facebook application that promotes horror move Quarantine from Sony Entertainment.
Users can select their friends' profile images which will then appear in a sniper video which will see them shot in the face. Lovely." schreibt Olivia Solon von Right Brain, Left Brain.
Dem ist nichts hinzuzufügen.

Friday, March 06, 2009

Brender muß bleiben, Koch muß gehen

Ein offener Brief an den ZDF-Intendanten soll ein Gegengewicht zu den Aktivitäten eines Roland Koch bilden, ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender wegen anti-cdu-licher Umtriebe aus dem ZDF zu vertreiben.
Die mediaclinique unterstützt brender-muss-bleiben.de als 127. - Dank an @MatthiasSchwenk für den Tip.

> Siehe auch mediaclinique "Partei-Politiker sind das Ende der Demokratie".

Friday, February 27, 2009

Partei-Politiker sind das Ende der Demokratie

"Politiker sind keine Gefahr für die Demokratie, sondern ihre Grundlage" sagte Roland Koch. Tatsache ist: Bisher versagen Politik und Demokratie von des Bürgers Wiege bis zu seiner Bahre kläglich! Von Ralf Schwartz.

(Großartiges UPDATE, 28. Feb., 2009, 12:25 Uhr: "Merkel will ZDF-Chefredakteur Brender loswerden".)
Demokratie bedeutet Meinungsfreiheit, Kommunikationsfreiheit, Freiheit des Denkens, Freiheit der Medien, bedeutet Offenheit gegenüber Andersdenkenden, bedeutet Offenheit gegenüber dem Wandel. Bedeutet auch Gerechtigkeit der Rechtsprechung, bedeutet Täter werden vor Gericht gestellt, nicht von der Deutschland AG und ihren nützlichen Idioten beschützt.

Demokratie bedeutet Selbstständigkeit, geistige Bildung und Mündigkeit des Einzelnen, damit er sich ein Bild machen und entsprechend handeln kann. Demokratie bedeutet Unabhängigkeit von den Milchtöpfen der Macht.

Die Realität sieht ein wenig anders aus. Die Menschen interessieren sich nicht für Politik, geschweige Demokratie. Sie wollen ihre Ruhe und ihre Transferleistungen. Sie wollen ihre Daily Soaps und Freie Fahrt in den Klimawandel. Sie wollen nicht an Morgen denken, sie wollen gar nicht denken.

Die Politik hat es also geschafft, den Bürger abzutörnen, zu entmündigen und begonnen, langsam Fakten über seinen Kopf hinweg zu schaffen, die ihr ermöglichen, lebenslang an der Macht von Berlin, Handel und Industrie zu bleiben, sich in der Sonne mehr oder weniger gleichgeschalteter Medien zu sonnen, und jedes Aufbegehren im Keime zu ersticken.
Wie das aussieht? Nun, so:

Deutschland AG

Bahn: Herrn Mehdorn nicht vor der Wahl abzulösen widerspricht jeder moralischen Verantwortung einer Regierung.
Post: Mindestlohn, um die Wettbewerber zu zerstören. Zumwinkel behält seine Millionen-Pension.
Auto-Industrie: Lasche CO2-Werte und das Abwracken der Umwelt auf Kosten des Steuerzahlers.
Energie-Oligopol: Seit Jahren können sie uns ausnehmen wie sie wollen. Berlin schaut zu.
Staats-Banken: Die Politik stiehlt sich aus der Verantwortung für dieses Desaster.
Nikotin- und Alkohol-Industrie: Längst überfällige Maßnahmen gegen die Sucht bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen werden nicht realisiert, weil Arbeitsplätze (ie. Profite der Industrie) wichtiger sind als das Leben und die Unversehrtheit der Bürger.
Lebensmittel-Ampel: Die gesamte Lebensmittel-Industrie bleibt von relevanten Inhalts-Angaben verschont, um weiter ihre Produkte billigst produzieren zu können. Produkte, die nicht nur ungesund, sondern die Ursache von Fettleibigkeit, Koronar- und sonstigen Erkrankungen sind.

Medien

Herr Koch will mißliebige Journalisten aus dem ZDF entfernen lassen.
Der BND unterwandert Redaktionen. Journalisten springen in DDR-Manier auf die Züge des BND und 'helfen' nach schlechtestem Wissen und Gewissen.
Telekom und Bahn und Konsorten bespitzeln andersdenkende Vorstände, Mitarbeiter und Journalisten.
Die Vorkehrungen für umfassende Internetsperren sind im Gange, obwohl jeder weiß, es wäre sinnvoller, einfach die Täter zu jagen.
Die Vorratsdatenspeicherung wird vorangetrieben, Herr Schäuble und die Geheimdienste bekommen, was sie nicht lassen können.
Andersdenkende werden terrorisiert und zu potentiellen Gefährdern einer Ruhe, die sich niemand auch nur entfernt wünschen kann.
Der Qualitätsjournalismus hat sich für den einfachen Weg entschieden und boulevadisiert sich selbst in 16,7 Millionen Farben.

Gesellschaft

Der gebildete, mündige Bürger ist ein Schreckgespent der Politik und der herrschenden Klasse, denn er stellt den Status Quo infrage. Das ist das letzte, was Politik und herrschende Klasse jetzt noch brauchen.

Vom frühesten Zeitpunkt an, also wenige Jahre nach der Geburt, bekommt der Bürger entweder keine Ausbildung oder höchstens die Selbstständigkeit entzogen, dies wird in Schule, Studium und Job noch intensiviert und in der sogenannten Pflege in den letzten 8 Jahren des Lebens fortgesetzt. Hier wird niemand mehr gesund, der einmal gepflegt ist, sondern immer unselbständiger und immer abhängiger. Er wird zur Melkkuh einer ganzen Industrie - ohne von Frau von der Leyen publikumswirksam gerettet zu werden.


Inzwischen bekommt der Bürger die Politik und die Demokratie, die er verdient hat. Zahnlose Tiger nämlich, die nur noch dem Namen nach dem griechischen Vorbilde und seinem Idealen ähneln.
Demokratie ist leider nur noch eine Verdummungsmaschine, die längst nicht mehr vom Einsatze und Engagement ihrer Bürger und Politiker lebt, sondern vom Gegenteile am Tropfe gehalten wird, damit sie sich nur nicht wieder regt.

Von des Bürgers Wiege bis zu seiner Bahre haben Politiker im Einzelnen und die Demokratie im Allgemeinen versagt!

In diesem Sinne: Get well soon!


> Zitat Roland Koch aus "Was haben Sie gegen Nikolaus Brender?".

Wednesday, February 04, 2009

Wer würde jetzt noch Aktien der Bahn oder des Papstes kaufen?

Ist Mehdorn des Teufels und der Papst katholisch? Man stelle sich den Aktienkurs beider Häuser nach diesen Aktionen vor! Zwei zu heiß gebadet oder nur der Sonne zu nah? Was tun? Von Ralf Schwartz.

Ssteine
Manchmal muß man sich wirklich wundern, wozu Allmachtsphantasien führen können. Wer - wenn schon nicht Politik und Kirche - schützt uns noch vor solchen Menschen? Wie können wir sie stoppen? Warum erkennen Politik und Kirche nicht, mit wem sie sich einlassen?

Wie hätte sich diese Mehdorn-Aktion wohl auf den Aktienkurs der Bahn, das Vermögen des Bundes und das Vermögen der Kleinen Leute ausgewirkt? Diese Aktion läuft auf dem Level "absolut verantwortungslos" und "gemeingefährlich".

Nach der Überwachung aller 220.000 Mitarbeiter sollte für ihn das Ende der Fahnenstange erreicht sein. Zu allem Überfluß jedoch löst er noch Blogosphären-Alarm aus, indem er einen Blogger abmahnte!
In der Blogosphäre jedenfalls hat Herr Mehdorn damit jede Sympathie, jede Kompetenz und jeden Reslekt verloren (siehe allein bei Rivva die Reaktionen unter "Deutsche Bahn AG schickt mir Abmahnung!")

Bei CARTA finden sich die 10 Gründe, warum es ein kapitales Eigentor war, das Blog Netzpolitik abzumahnen: "DB ist der neue DFB", bzw. warum die Bahn nicht mit dieser Abmahnung durchkommen kann. Diese Möglichkeiten sollten die Vorstands-Millionäre und -Strategen der Bahn vielleicht vorab in ihren Szenarien durchspielen!

Ebenso hätte der Papst in einem kurzen Gebet zu sich selbst erkennen können, wie weit er mit der Rehabilitierung eines Holocaust-Leugners neben den aktuellen Vorstellungen aufrechter, liberaler Christen und Juden liegt.

Wie kann es also passieren, das zwei Gesellschaften, die so mächtig und groß sind und in der Öffentlichkeit stehen, solche kapitalen Fehler machen? Und wie kommt es, daß sie die Konsequenzen ihres Handelns nicht mehr abschätzen können? Wie kommt es, daß sie so fernab jeglicher Realität unter ihren Kuppeln (Bahnhof bzw. Dom) regieren?
Wie kommt es, daß ihnen gerade die Menschen, die doch im Endeffekt über den Erfolg von Kirche und Bahn entscheiden, derart egal sind, daß sie solcherart auf ihren Gefühlen herumtrampeln?

Im Grunde ist die Antwort einfach:
1 - Beide sind der Realität entwöhnt in ihren Prachtbauten, verschanzt hinter Mauern und Apparaten, die alles filtern und nur das leichte Rosa durchlassen, das sie hören und sehen wollen.

2 - Beiden hat man zu lange alles durchgehen lassen. Beide konnten schalten und walten wie Sonnenkönige, beide hatten Regierungen und Politiker in ihren Händen, zogen die Fäden, waren irgendwie unangreifbar, weil man vermeintlicherweise meinte, man brauche sie an dieser Stelle.

3 - Die Medien haben keine relevante Gegenöffentlichkeit gebildet, weil die einen sich nicht mit der Kirche, die anderen sich nicht mit Werbungtreibenden und die dritten sich nicht mit der Berliner Politik des Verschweigens und Verdrängens anlegen wollten.
Für die Medien war der Preis zu hoch, den man heute - in der Medien-Demokratie -  für die Reportage der Realität bezahlen muß.

Wie im normalen Management, über das wir immer wieder herziehen, müßten gerade die Staatsunternehmen weitaus transparenter geführt werden, die Kirchen stärker mit ihren Gläubigen kommunizieren. Gerade Telekom, Post, Bahn zeigen die Auswüchse falschen Managements und zu laxer Kontrollinstanzen und -Kompetenzen.

Die Medien müssen sich endlich wieder - nicht allein aus obigen Gründen, sondern vor allem um zu überleben - auf ihre Tugenden der Recherche, der Ausfüllung der Rolle einer weiteren Macht im Staate besinnen, um wieder anerkannt zu werden von ihren Lesern, von ihrem Publikum. Wir brauchen keinen staats-hörigen Journalismus und wir brauchen keinen wirtschafts-hörigen Journalismus.

Wir brauchen mutige Frauen und Männer, die einen Gegenpol bilden und die Herrschaften, die zu nah an ihrer eigenen Sonne segeln, vor sich selbst zu beschützen und auf den Boden der Tatsachen zurückbringen, wenn die Politik dies schon nicht wagt bzw. schafft. Dies sollte man nicht alleine den Blogs überlassen, wenn man noch eine Rolle im Qualitätsjournalismus der Zukunft spielen möchte.

Sunday, January 25, 2009

Ein Fernsehabend in Deutschland

Thomas Gottschalk, als Joker verkleidet, ißt seine Hoden, ...
Dschungel01
Image courtesy RTL, screenshot by mediaclinique.

... während die Zuschauer, in Bernhard-und-Bianca-Kostümen, ungeniert zu- und wegschauen.
Dschungel02
Image courtesy RTL, screenshot by mediaclinique.

"Drei Millionen 'kotzen' zu Hause an den Bildschirmen", hatte Michael Mittermaier noch in Uri Geller Manier prophezeit als er bei Gottschalk soetwas wie Giraffen-Kot-Mousse erriechen wollte.

Heute schon GEZahlt!?


> Siehe auch: medienrauschen "Der Abend an dem ich mich beim fernsehen übergab".
> Für alle, die auf nackte, aber beeindruckende Zahlen stehen: dwdl "Dschungelcamp triumphiert über "Wetten, dass..?"".

Thursday, January 15, 2009

Rosenthal oder Die Kardinalfehler des Managements!

Rosenthal ist insolvent. Denn die Marke ist inkonsistent, der Service fehlgelenkt, das Management inkonsequent. All das reimt sich auf inkompetent. 5 Offensichtlichkeiten.

1 - Fehlendes Distinktives Image

Rosenthal ist 'Maria weiß' (also deren klassischste Linie) und umgekehrt. Rosenthal ist Versace-Logo und Aschenbecher. Rosenthal ist traditionellste Klassik und Eleganz und extrovertiertes Imponiergehabe. Rosenthal ist hochpreisig und der regelmäßige, halb-jährige 1B-Verkauf.
Rosenthal sitzt zwischen allen relevanten Stühlen. Rosenthal ist alles und nichts.

2 - Fehlende Zukunftsorientierung

Seit Jahren schon ist erkennbar, wohin sich die Märkte entwickeln: in den Discounter und in den Luxus. Rosenthal bediente interessanterweise beide - und damit wieder keinen richtig.

Diesen Spagat hält keine Marke aus. Auch nicht, wenn sie sich einerseits hinter Versace und andererseits hinter nur temporären Rabattverkäufen versteckt und meint, das merke doch niemand.

Die Zukunft sind Kunst und Design, Designer und Architekten, die Zukunft sind leichte Werkstoffe und bodenständige Materialien, die Zukunft ist grün und ökologisch. Die Zukunft ist eher Luxus und Hedonismus als Masse und Graue-Maus-Gehabe. Die Zukunft ist global im Design. Die Zukunft ist lokal in hochwertigem Handwerk und Handwerkskunst.
Die Zukunft sind up-trading Marken- und Design-Kooperationen, statt down-trading Preis- und Handels-Kooperationen.

3 - Fehlende Kundenorientierung

Wenn der Kunde sich bereits fragt, 'wohin das führen soll', ist dies bei einem Porzellan, das man auch in 10 Jahren noch nachkaufen möchte, genauso tödlich wie bei Ersatzteilen eines Smart For4.

Wenn der Kunde zudem - aber das ist nur ein One-Man-Sample - auch noch von oben herab behandelt wird und man ihm unausgesprochen Dummheit im Umgang mit seinen zwölf 16 Euro Gläsern vorwirft, statt sie anstandslos als Materialfehler umzutauschen und lächelnd eine Faust in der Unternehmenstasche zu machen (um einen noch treueren Stammkunden zu generieren, statt ihn für alle Zeiten zu verlieren), kann man der Marke wenig helfen.

Gerade der mittelpreisige Luxus muß um seine Kundschaft kämpfen, denn er hat noch nicht den Level erreicht, daß man ihm soviel verzeiht wie Hermes oder Apple (womit ich nicht sagen möchte, daß Apple purer Luxus ist, sondern eine einzigartige Stellung in seinen Märkten besitzt).

4 - Fehlende Strategieorientierung

Diese ist erkennbar an den Rosenthal-Outlets, die mit allen Marken, Stilrichtungen und Preisniveaus vollgepfropft sind und eher eine undefinierbare Melange ergeben als eine klar erkennbare Strategie in HH-Einkommen, Design-Stil, Preislage und Marken-Image (außer 'Kuddelmuddel par Excellence') erkennen lassen.
Das erfordert ein gewisses Risiko-Management, aber: 'No Risk, No Fun'!

5 - Mutloses Management

Das Management scheint den eher risikoarmen Weg gegangen zu sein, bediente nicht die Extreme der Möglichkeiten, um sich von Wettbewerb und altem, angestaubtem Image zu befreien und eine eigene und distinktive Positionierung aufzubauen.
Hier ist niemand über sich hinausgewachsen. Wie soll das dann die Marke schaffen?

Wo sind die Unternehmer-Manager mit Vision, die einen Management-Buyout wagen?

Tuesday, January 06, 2009

Hundertfaches Scheitern!

Mensch, fast 100 Publikumszeitschriften wurden 2008 eingestellt und mir fehlt keine davon. Ich bin einfach zu wenige Zielgruppen.

Bei retromedia findet man die erquickliche Übersicht, die natürlich weniger erquickliches für die betroffenen Redakteure und sonstigen Mitarbeiter bietet. Ihnen gilt unser Dank und unser Mitgefühl.

Die Liste wirkt denn auch ein wenig wie der Friedhof der unbekannten Helden.
Sie sollte zum Nachdenken führen in den Etagen der Vorstands-Millionäre, die auf Kosten ihrer Mitarbeiter Titel ohne Chance lancieren und gleichzeitig wenig risikobereit die wahren Chancen anderer Titel negieren.

An die Verlagsspitzen gehören weder Manager noch Journalisten allein, sondern beide. Da die beiden sich aber nicht verstehen, zu unterschiedlich sind ihre Sprachen, wird dies wohl ein frommer Wunsch bleiben, der im Grunde nur von einem visionären Macher erfüllt werden kann.

In diesem Sinne: Get well soon!

> Hier also die Liste von retromedia.de: "Nekrolog 2008".

Scholz & Friends oder Eigenwerbers Eigentor!

Wow! selten hat eine Agentur die Krise der Reklamezunft so eindrucksvoll auf den Punkt gebracht wie S&F in ihrer aktuellen Selbstvermarktung, die man eigentlich 'Selbstvernichtung' nennen müßte (tatsächlich aber gibt sie ja nur das qualitative Niveau der durchschnittlichen Agentur in Deutschland wieder, möchte ich hinzufügen, 15:11 Uhr).

Ein knapp 80-jähriger afro-amerikanischer Biene Maja Willie erlebt den Aufstieg und Niedergang von Reklame, Werbung, Kommunikation und fragt sich am Ende eines überflüssigen, historischen Abrisses: "Don't you have something interesting to say?".


Video courtesy YouTube, S&F.

Ob er mit dieser Frage wohl S&F meint? Denn interessant ist das, was sie zeigen wirklich nicht. Im Zweifel nämlich sollte jeder einigermaßen beschlagene Werber und Marketing-Mensch diese Historie aus dem Eff-Eff kennen, da er sie selbst mitverunstaltet hat.

Im Zweifel würde es erst jetzt interessant werden! Denn jetzt müßten die Antworten von Scholz & Friends kommen!
Die Antworten, die mir zeigen, daß diese Agentur nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft sehen kann, daß sie ihre Kunden beraten kann zu dem, was kommt, nicht nur zu dem, was geht.
Aber nein, das Filmchen bleibt ein Werber-Filmchen.
Es endet mit "Let's get the people engaged again!"!?

So what, muß ich in gleicher Sprache fragen? Na und? Was soll das? Wohin soll das führen? Warum verschwendet diese Agentur 3,5 Minuten meiner kostbaren Zeit ohne mir Antworten zu geben? Warum disqualifiziert sie sich für jede anspruchsvolle Marken-Aufgabe?
Warum werden manche Marketeer das auch noch gut finden?

99% der Zeit werden mit der Darstellung einer bekannten Situation verschwendet. Das ist typisch für deutsche Werber. Fleißarbeit vor Inspiration. Fließband vor Lösungen. Adaption der Vergangenheit vor Innovation der Zukunft.

Höchstwahrscheinlich träumt S&F jetzt auch noch von einer viralen Verbreitung dieses Verschnittes von Sendung-mit-der-Maus-Didaktik und Biene-Maja-Optik.


> Weitere Stimmen:

Roland vom werbeblogger bleibt irgendwie diplomatisch: "ansonsten fasst der Spot sehr schön zusammen, wie sich die Welt der Marken und Werbung verändert hat".

Thomas Knüwer wird zurecht ein wenig deutlicher: "Das hebt die Welt nicht aus den Angeln - aber es ist so weit gelungen. Wie wäre es also mit dem nächsten Online-Projekt? Zum Beispiel einem einigermaßen ordentlichen Internet-Auftritt".

Rainersacht bringt es in den Kommentaren zu Knüwer direkt auf den Punkt: "Selten eine derart dumm-dreiste Darstellung der werberischen Pseudowissenschaft gesehen. Übles Zeuch. Und gleichzeitig das Dokument des finalen Überlebenskampfs einer sinnlosen Branche...".

Monday, December 15, 2008

Hurra - Wir lesen noch!?

So weit sind wir gekommen: heute sind wir schon stolz, wenn unsere Jüngsten noch lesen können! Ein kleiner Artikel aber über das Unverständnis englischer Werbetexte sollte uns so richtig nervös machen! Von Ralf Schwartz.

Erfreulich, daß sich unsere Leistungen auf den schulischen Gebieten langsam bessern. Zumindest in den intellektuellen Grundrechenarten Lesen, etc.
Weniger erfreulich, daß wir das schon feiern müssen, weil wir derartiges nicht mehr gewohnt sind, es so selten geworden ist.

Denn, das muß man sich ernsthaft und selbstkritisch fragen: Was gibt es da zu feiern? Sind wir inzwischen so anspruchslos geworden?
Wo sind diese, unsere Ansprüche geblieben? Wo ist unsere humanistische Ausbildung geblieben? Wo die Erinnerungen an unsere Quellen? An unsere Erfolge? An unsere Geschichte und das, was uns ausmacht?

Wir waren doch nicht immer diese Loser, die feiern mußten, daß sie noch lesen können!?

Warum ich mich so echauffiere? Weil in einem Artikel des manager-magazins die brutale Realität steht: "Nur maximal 20 Prozent der Deutschen können ... so gut Englisch, dass sie Werbesprüche wie ... "Feel the Difference" (Ford) richtig übersetzen. Der Rest macht daraus "Ziehe die Differenz ab", etc."

Nein, das ist nichtmal mehr lustig. Ich bin erschüttert! Und wir feiern, daß wir lesen können!

Wie wollen wir den Herausforderungen der Welt, der Globalisierung begegnen, wenn wir nicht die Sprachen der Welt verstehen, geschweige sprechen? Wie wollen wir den anderen vorausgehen, wenn wir sie nicht verstehen - und sie auch nicht uns?

Was tun wir unseren Kindern an und unserer Zukunft? Warum ist uns die Bildung so wenig wert? Warum verstehen wir nicht, wie wichtig Bildung ist? Wie wichtig die Auseinandersetzung mit der Welt ist? Wie wichtig die Kommunikation mit der Welt ist? Wie wichtig Kreativität ist und wie sehr diese von Inspiration und Vielfalt abhängt?

Warum verstehen wir nicht, wer davon profitiert, wenn wir nur noch deutsch sprechen, deutsch denken, deutsch handeln!?

Wir müssen uns öffnen ohne unsere Wurzeln zu verraten! Wir müssen eins werden mit der Welt und ihr Vorbild sein. Wir können uns nicht einigeln und im dunklen Kämmerlein allein unsere eigene Sprache hochhalten. Wir müssen Licht lassen in das Dunkel, das Licht der Erkenntnis, der alten und neuen Sprachen, der Philosophen und Wirtschaftswissenschaftler, der originalen Gedanken und inspirierenden Visionen.

Wir müssen uns reiben können, um zu wachsen, nicht nur stumm Ja und Amen nicken können und Spielball werden.

Wir müssen selbstbewußt und frei sprechen können.
Auf deutsch, auf englisch und auf internetsch.


> Inspiration: manager-magazin "Alles denglisch oder was?".

Thursday, December 11, 2008

Ich habe auch Schokolade! Magst Du? - oder: Der Telekom 'Erotik'-Spagat mit Geschmäckle

Wie ernst muß man den Kampf der Regierung gegen Pornographie und ihre Einstiegsdrogen nehmen, wenn gleichzeitig die Telekom - immerhin zu 30% im Staatsbesitz - freudig erregt den Spagat wagt? Von Ralf Schwartz.

Alles begann mit meinem Wunsch, etwas über die neuen Portal-Pläne der Telekom zu schreiben, deren momentane Innovationsstärke sie für mich zwischen die Öffentlich-Rechtlichen Sender und Microsoft rückt (schließlich wird nur mit viel Geld adaptiert, was andere schon lange vormachen).

Dazu aber wollte ich mir das aktuelle Angebot der Telekom bzw. T-Online ansehen. Mit jedem weiteren Click dämmerte mir mehr, warum ich mich nicht mehr erinnern konnte, jemals hier gewesen zu sein: diese Durchschnittlichkeit war eine absolute.

Tatsächlich stolperte ich dann über die Themenbereiche 'Unterhaltung' und 'Familie', die grundsätzlich nah bei einander liegen.
In diesem Falle jedoch war ich über den riesigen Spagat der Telekom mehr als beunruhigt, den sie wagt, wenn sie nur ein bis zwei Clicks voneinander entfernt folgende 2 Themenbereiche anbietet:

1 - "Bedenkenlose Teenager - Nacktfotos im Netz: Teenager sind sich der Gefahr oft nicht bewusst."

und

2 - "MEHR ALS NUR ZUSEHEN - Heiße Girls tauschen alle Fantasien und Geheimnisse mit Dir aus."
oder:
"GANZ FEUCHT - Hol Dir heiße Videos mit dem gewissen Etwas auf dein Handy."
oder:
"BIG BOOBS - Hier gibt's noch mehr dicke Dinger"
oder:
"OFFENHERZIGE CELINE - Erotik-Star Celine Hayworth in allen Posen."

In Bildern stellt sich das Ganze dann so dar:

1 - "Bedenkenlose Teenager - Nacktfotos im Netz":

Telekom01

Image courtesy Telekom. Website Screenshot.


2 - "Carmen bekommt fast immer, was sie will":

Telekom02
Image courtesy Telekom. Website Screenshot.


Ein Click auf eines der ganz unten ausgestellten Girls, bringt einen schließlich auf dieses Niveau:

Telekom03
Image courtesy Telekom. Website Screenshot.
Weißer Balken: mediaclinique.


Natürlich weiß ich, daß hiermit keine Pornographie im engeren Sinne angepriesen werden soll, aber ein sehr mulmiges Gefühl habe ich trotzdem - zumal ich dann wieder an die bigotte Diskussion um das Scorpions-Cover denken muß, und plötzlich überhaupt keinen Unterschied mehr sehe, denn welchen Teenager interessieren die paar Jahre Differenz?
Und was sollen die Eltern denken?
Und warum soll ich das mit meiner monatlichen Telephon- und Internet-Gebühr mitfinanzieren? Oder gar die besorgten Eltern, die gerade noch von der Telekom gewarnt wurden, und dann ihre Kids durch genau diese Telekom verführt sehen? Finanziert mit ihren eigenen Gebühren-Euros!

Natürlich geht hier bestimmt alles mit rechten Dingen zu, aber ein schaler Beigeschmack bleibt.

Mehr als über die Darstellung der Mädchen rege ich mich jedoch über die heuchlerische Scheinheiligkeit der Telekom und ihres Vorstandes auf.

Wie weit sind wir gekommen und wie ernst nimmt eine Regierung bzw. eine Ministerin von der Leyen den Kampf, wenn im - mehr oder weniger - eigenen Hause alles möglich scheint?
Wie wichtig sind einem Vorstand der Telekom die aktuellen Sorgen der Welt im Kampf um die Unversehrtheit ihrer Kinder?
Wie wichtig sind ihm traditionelle Werte? Wie relevant ist die Vorbildfunktion eines Unternehmens, dessen Erfolg mit dem guten Leumund steht und fällt - des Internets und seines Unternehmens selbst.

Ich weiß, ich höre mich schon ein wenig an wie die bayerischen Landbäuerinnen. Aber ich bin enttäuscht über diesen Spagat der Herren René Obermann (Vorsitzender), Dr. Karl-Gerhard Eick (stellvertretender Vorsitzender), Hamid Akhavan, Dr. Manfred Balz, Reinhard Clemens, Timotheus Höttges, Thomas Sattelberger des Vorstandes der deutschen Telekom.

Nicht mehr und nicht weniger.


Wer sich über das letzte Bild wundert, kann sich gerne an die im (zu obigem Bild gehörenden) Impressum genannten Personen wenden. Sie sind schließlich "verantwortlich für den Inhalt" und erklären bestimmt gerne ihre Beweggründe für dieses Angebot.

"Impressum
Das Portal www.erotic-lounge.com ist ein Produkt der Deutsche Telekom AG, T-Com.
Verantwortlich für den Inhalt:
Executive Producer: Michael Ortlepp (V.i.S.d.P.)

Partner Contentmanagement-System: CoreMedia

USt.-IdNr. DE 123475223, WEEE-Reg.-Nr. DE 50478376
Handelsregister: Amtsgericht Bonn, HRB 6794, Sitz der Gesellschaft Bonn

Vorstand:
René Obermann (Vorsitzender)
Dr. Karl-Gerhard Eick (stellvertretender Vorsitzender)
Hamid Akhavan
Dr. Manfred Balz
Reinhard Clemens
Timotheus Höttges
Thomas Sattelberger"


Vielleicht fehlt hier auch einfach nur eine Frau im Vorstand!

Wednesday, December 10, 2008

Blogger hätten Hitler stoppen können!?

... dieser Meinung ist zumindest der Literatur-Nobelpreisträger Jean-Marie Gustave Le Clézio (mit Dank an Christoph für den Hinweis zum vollen Namen). Deutsche Blogger könnten nichtmal Engelchen Merkel stoppen. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Von Ralf Schwartz.

"If the Internet had existed at the time, perhaps Hitler's criminal plot would not have succeeded - ridicule might have prevented it from ever seeing the light of day.", zitiert der Gawker aus der Rede des Literatur-Nobelpreisträgers Jean-Marie Gustave vor der schwedischen Akademie.

Der Gawker selbst macht sich über die amerikanischen Blogger lustig und vermutet im Falle eines 1930er Internets eher die frühe Verbreitung von LoLcats als die Entmachtung eines realen Hitlers.

Der durchschnittliche deutsche Blogger ist im besten Falle politisch so gebildet und interessiert wie die Lehrer, und deren Eltern, die von Stefan Raab in seinen Interviews vorgeführt werden (ja, die Lehrer, ausnahmsweise nicht die Schüler).

Er, der deutsche Blogger hat einfach schmerzhaft lernen müssen, als Mensch, Bürger und Blogger, daß sich in Deutschland niemand für Politik interessiert oder gar erwärmt. Zumindest niemand, den man in irgendwelchen Studien zählen und über lupenhafte Stichprobenziehungen noch erkennen könnte.
Homöopatisch kleine, versprenkelte Intellektuellen-Ghettos in einem Berliner Keller zählen hier mal nicht mit - tun sie ja sonst auch nicht. (Vielleicht sitzen sie sogar unter dem neuen Pseudo-Store der Telekom, die sich inzwischen schon nicht mehr traut, ihren Murks unter eigenem Namen zu verkaufen, und lauschen dem Beat der Welt.)

Was nichts gegen den deutschen Blogger sagen soll, sondern eher gegen eine Gesellschaft, die sich die Politiker gewählt hat, die sie verdient. Weder sie selbst nämlich, noch die Politiker interessieren sich für Politik, haben eine fundierte Meinung oder gar Wissen zu politischen, wirtschaftlichen und globalen Zusammenhängen. Deutschland wirkt manchmal wie intellektuelles Brachland - wenn nicht der ein oder andere Journalist einen Koller kriegen würde und ausbräche aus seinem Boulevard- oder Beratungs-Büro und beginnen würde zu träumen, er könne die Welt verändern. Einzelschicksale.

Ganz im Gegenteil nämlich schauen wir so lange den Schäubles, Tiefensees, Schavans, von der Leyens und Merkels zu, bis Meinungsfreiheit und Datenschutz, Infrastruktur und Verkehr, Bildung und Innovation, Familie und natürliche Sexualität wir nur noch in den Büchern finden können, die noch nicht ver-neunzehnhundertvierundachtzigt wurden, nicht aber mehr in unserem realen Leben.

Ehe wir jemanden wie Hitler stoppen können, sind längst wir gestoppt, weil wir zu lange geschlafen, zu lange zugeschaut, viel zu lange weggeschaut haben, am falschen Bahnsteig standen, in den falschen Zug stiegen, den Zug der Zeit verpaßten, eines Besseren belehrt wurden und doch nichts gelernt haben.
Die 5-7 bekannten Ausnahmen bestätigen übrigens die Regel (auch wenn diese Regel selbst absoluter Schwachsinn ist).

Wenn die deutsche Politik verstanden hätte, was man mit dem Internet und den modernen Kommunikationswerkzeugen alles anrichten könnte, hätten sie sie längst verboten.
Wenn ein Obama damit Wahlen gewinnen kann, könnte es ein Hitler/Goebbels-Gespann erst recht - das Netz hat keine Farbe und keine Vorurteile, keine Werte und keine Zeit, keine Fehler und keine Ideale.

Zudem würde der heutige Hitler nicht über die Politik kommen, sondern über die Wirtschaft oder die Medien, wäre Quereinsteiger, wäre all das, was die heutigen Politiker nicht mehr sind (diese Liste wäre jetzt zu lang), er hätte ein Programm und einen Weg, würde uns Hoffnung geben und Licht am Ende des Tunnels sein, in den wir alle hineinrennen, dem Licht entgegen auf der Suche nach Sonne, Wärme, Geborgenheit, und wäre doch nur der Zug der Zeit, der uns überrollt, der Zahn der Zeit, den uns noch keiner gezogen hat, ...


> Original-Post bei gawker.com "Blogs Might Have Stopped Hitler".

Tuesday, December 09, 2008

mediaclinique dankt Berlin für erfolgreiches 2008!?

Berlin bedankt sich per Anzeige bei seinen Partnern für das erfolgreiche Jahr 2008. Erfolgreiches 2008! Wie fühlt sich das wohl an, wenn es nur ein durchschnittliches Jahr für Berlin ist? 1930?

Hier die Anzeige aus dem Spiegel (wenn ich mich nicht irre).

Berlin2008

Image courtesy Spiegel und BerlinPartner.

Schön auch, daß so wichtige und konstruktive Partner wie die Bahn und Vattenfall es bis ganz nach oben in der Beliebtheit Berlins geschafft haben.

Auch wir - möchten diese Anzeige zum Anlass nehmen - Berlin natürlich zu danken für die überragenden Leistungen in Freiheit der Rede, der Meinung, der Date, sowie der körperlichen und geistigen Unversehrtheit - denn schöner kann man nicht zeigen, wie wenig Werbung mit der Realität zu tun hat. Be Berlin!

Thursday, December 04, 2008

Amir Kassaei lehnt sich weit weit aus dem Fenster!

Tonio Kröger und Amir Kassaei belegen im manager magazin Kreativ-Index (was immer das sein mag) den 2. Platz direkt hinter Jung von Matt (siehe manager magazin vom Dezember 08).

Auf die Frage "Meine Herren, wo bleibt die wirklich große deutsche Kampagne?" des manager magazines antwortet Amir:
"Große Kampagne? Wie gefiel Ihnen unsere Einführung des Golf VI? Oder wie wir 100 Jahre Persil gefeiert haben oder mit Paul Potts für die Telekom die ganze Gesellschaft bewegen konnten?
Kaum jemand, der die Werbung sah, wird, wenn er künftig irgendwo die Arie 'Nessun Dorma' hört, nicht an die Telekom denken und deren Motto 'Erleben, was verbindet'.
Mit Engagement, mit durchdachten und durchkomponierten Ideen erreichen Sie heute mehr Spin als je zuvor. Wenn das keine großen Kampagnen sind."


Kann sich irgendjemand an 100 Jahre Persil erinnern? Ich nicht, sorry.
Kampagne? Ging an mir vollkommen vorbei.
Die Website von Persil ist penetrant, weil sie einem direkt und ungefragt Musik in den Raum schmeißt. Sie ist nicht zweinullig, auch wenn das Persil-Team sich die Mühe macht, seine Praktikantinnen im Persilblog etwas(!) schreiben zu lassen.
Wenn das keine wirklich große deutsche Kampagne ist.

Golf VI? Der, der nichts Neues zu sagen hat und nur noch mit Generik wie Qualität und Wertigkeit hausieren geht und das Auto selbst langweiligst abgebildet wird? Das Auto(!).
Wenn das keine wirklich große deutsche Kampagne ist.

Paul Potts? Ein 'geklauter' YouTube-Spot, der ein Jahr alt ist und nur neu zusammengeschnitten wurde?
Wie oft, schätzt Amir, hört der normale Telekommunikations-Konsument auf der Jagd nach dem besten Tarif wohl freiwillig 'Nessun Dorma'? Wie groß ist also die Chance, bei dieser Arie an die Telekom zu denken? Und was nutzt es mir dann, wenn ich an 'Erleben, was verbindet' denke, mir aber beim besten Willen kein Produkt, keine Leistung einfällt?

Vor allem, was nutzt es mir, wenn ich an 'Erleben, was verbindet' erinnert werde und eigentlich eher denke, 'dann kannst Du mal erleben, was verbindet!', weil mir die gesammelten Telekom-Kommunikations- und Datenschutz-Skandale in den Kopf kommen? Oder die abstruse Tarifpolitik? Oder die Website die-neue-Telekom.de, die zwar den Titel trägt, 'Erleben, was verbindet', auf der aber nichts 'verbindet'.
(Hier feiert der Konzern seine Politik ab, hier gibt es keine Kommentar- oder sonstigen Web2.0-Funktionen, nur reine Monologe der sogenannten 'Neuen Telekom', die immer noch ganz die alte ist.
Einmal im Monat einen kurzen Text zu hinterlassen, hat weder etwas mit neuer Telekom noch mit 'Erleben, was verbindet' zu tun.)
Wenn das keine wirklich große deutsche Kampagne - mit perfekter Umsetzung im Unternehmen - ist.

Ich ahne schon (und hoffe trotzdem inständig, niemand kommt auf diese Idee), daß wir bald den diesjährigen Supertalent-Gewinner in den Telekom-Spots Mundharmonika spielen hören werden.
Vielleicht bläst er sogar auf einem Handy.
Vielleicht erleben wir auch noch die Weihnachts-CD!?
Wenn das keine wirklich große deutsche Kampagne wäre.


Natürlich kann man nun sagen, dies sei alles nicht der Agentur geschuldet, wenn die Kunden keine vernünftige Vorarbeit leisten, indem sie relevante Produkte und visionäre Strategien entwickeln.
Klar, dann sollte man die entsprechenden Kampagnen aber auch nicht als große deutsche Kampagnen verkaufen. Vor allem nicht, wenn man doch der McKinsey der Kreativen sein möchte!


> Siehe auch mediaclinique-Text "Paul Potts kann das Hohe T gar nicht laut genug singen!" vom August 08.

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  • Wie kann ein zweifach Lead Award gekröntes Magazin, das Mitte 2008 im 5. Jahre eingestellt wurde, heute 'aktueller denn je' sein?

    > Dazu muß man nur die 140- Zeichen(!)-Synopsis jeder einzelnen der 50 Ausgaben inhalieren! Enjoy!