Ich bin betroffen. Ein Unternehmen gibt sich sichtlich Mühe, sich selbst von einem Tag auf den anderen ein vollkommen neues, hippes, uploadiges Image zu geben und scheitert vollkommen. Und es gibt mir die Schuld. Also nicht mir selbst, sondern allen, die meiner Meinung sind, sozusagen.
Sagt dieses trendige Unternehmen in seinem Blog etwas dazu? Nein, denn es ist Wochenende und deren Generation Upload schläft aus. Und das ist gut so (wie wir später sehen)!
vodafones Blauäugigkeit
Ich bin traurig, daß vodafone so blauäugig war (und immer noch ist), dies alles ("Kurze Kritik der vodafone Pressekonferenz") zu wagen und doch nichts daraus zu lernen ("vodafone: Wir haben nichts verstanden"). Ich bin traurig, daß vodafone sich von Einäugigen beraten läßt, die sich anscheinend überhaupt nicht in ihrer Welt auskennen. Dazu aber später.
Ich bin traurig, daß vodafone allen Ernstes auf diese Experten setzte, sich auf sie verließ, ihnen teures Geld für ihre 'Expertise' bezahlte und nun dasteht wie der Trottel der Nation. Das hat vodafone nicht verdient. Verdient hätten sie, durch diese Experten sich einen Vorsprung vor der Telekom und Kollegen herauszuarbeiten, diese um Längen hinter sich zu lassen.
Trägt vodafone Mitschuld? Natürlich! Mit ein wenig Intuition, mit ein wenig mehr Verständnis der Blogosphäre, mit ein wenig Antizipation wären die eklatantesten Fehler erst gar nicht passiert, weil man einfach das entsprechende Produkt zur Kampagne angeboten hätte! Siehe dazu auch den Netzökonomen:
"Vodafone trägt eine nicht gerade
geringe Mitschuld an dem Desaster. Denn einige Dinge hätten den Verantwortlichen
vorher klar sein müssen:
- Man kann die neue Zielgruppe der
„Generation
Upload" nicht mit Old-School-Marketingsprüchen begeistern. Die Versuche
wirkten
in der Tat lächerlich (sich daran in unzähligen Blogbeiträgen
abzuarbeiten allerdings genauso). Dass die Pressekonferenz aber etwas
mehr Inhalt brauchte, war
wohl auch dem Vodafone-Chef Fritz Joussen noch klar geworden. Denn
entgegen der
Absprache mit der Deutschen Telekom verkündete er zum Beginn der PK den
Abschluss des VDSL-Bitstream-Vertrages mit der Telekom und nahm dafür
in Kauf,
den Telekom-Vorstand Niek Jan van Damme ganz alt aussehen zu lassen,
weil dieser
gleichzeitig in München den Abschluss des Vertrages verneinte. Sein
Pech: Diese Nachricht
interessierte die "Community" rein gar nicht.
- Ein Unternehmen, das ein eher schlechtes Image
in der Zielgruppe hat, muss sich schon mehr als eine Werbekampagne einfallen lassen,
um seinen Ruf zu drehen. Das schlechte Image beruht einerseits in der
Zustimmung zu den umstrittenen Netzsperren („Zensursula"), die von den Bloggern
(aus gutem Grund) abgelehnt werden, andererseits aber auch in den Produkten und
Tarifen: Die „Generation Upload" ist entweder bei T-Mobile unter Vertrag, weil
sie ein iPhone will, oder bei O2, weil die Münchner vernünftige Datentarife
haben. Vodafone ist in der Zielgruppe weder für coole Handys noch für attraktive
Tarife bekannt. Warum also sollte die gut informierte „Generation Upload" zu Vodafone
wechseln? Ein attraktives Angebot hätte die anschließende Diskussion anders
aussehen lassen.
Vielleicht lernen wenigstens andere Unternehmen aus den Fehlern von Vodafone."
Hätte vodafone darüberhinaus ein wenig geübt, wäre dieser Post nicht entstanden: "die kraft und die herrlichkeit in ewigkeit amen". Blauäugig-unprofessionell ist da noch das Netteste, ähem, was man zu dieser Performance sagen kann, hat aber auch seinen menschlich-emotionalen Charme!
Muß man sich über diese Posts aufregen? Nein! Das ist das Netz. Das ist die ungeschminkte Meinung der (im positiven Sinne) Betroffenen, derer, die sich angesprochen fühlen sollten von der Kampagne - und dies nun auch tun.
Der Social Media Part daran ist, daß sie nun (seit der PK) auch antworten. Das muß man nicht nur akzeptieren, daß muß man sogar begrüßen und gutheißen! vodafone sollte sich darüber freuen! vodafone sollte dies im Positiven nutzen und in die Stärke(!) seiner eigenen Kampagne verwandeln!
Leider ist Wochenende und die Generation Upload bei vodafone selbst ist inzwischen beim Frühschoppen.
Beraters Einäugigkeit
Unglücklicherweise äußern sich statt vodafone selbst die vodafone-/Arcor-Berater in vorauseilendem Gehorsam. Diese Berater (nein, nicht Mirko Lange, talkabout) haben vodafone in dieses Desaster (siehe oben beim Netzökonom, der selbst von Mirko Lange in den Kommentaren gelobt wird "Ich bin erleichtert, auch solche differenzierten Meinungen von der FAZ zu lesen." ) geführt als sie ihnen 'blühende Landschaften' versprachen.
Natürlich sind die Berater konsterniert. (Ähnlich wie die beteiligten Testimonial-Blogger. Wobei letztere (Sascha Lobo, Schnutinger) wenigstens so schlau sind, kurz die Augen zu schließen (um im Bilde zu bleiben) und sich einfach rauszuhalten.)
Konsterniert, die Sphäre wohl doch nicht zu kennen, ängstlich, ihre 30 Silberlinge zurückgeben zu müssen, ängstlich, von ihren Chefs (FM Schmidt bei Nico!, Nico bei Sascha?) virtuell enthauptet /skalpiert zu werden.
Verwirrt sind sie, sind sie doch erst seit kurzem oder schon viel zu lange im Social Media Geschäft (das ja, und das ist die schönste Rechtfertigung, die man verschiedentlich liest, in Deutschland niemand kennt!). Zu kurz (Mirko Lange seit 09. Februar), um die einzelnen Spieler zu kennen, zu lang (Nico im Online-Beirat der SPD), um Social Media noch von 'normal Media' zu differenzieren.
Je kürzer man im Geschäft ist, desto weniger Standing man dort hat, desto weniger selbstbewußt man sich selbst fühlt, desto stärker die eigene Profilneurose ist, desto stärker (über-)reagiert man auch. Das ist nicht negativ, das ist menschlich, das ist nur natürlich (dazu gibt es (Meta-)Studien).
Man sollte es aber wissen. Man sollte professionell damit umgehen können. man sollte sich wie eine Führungspersönlichkeit verhalten und vorbildlich vorangehen - auch in (vermeintlich) widrigen Umständen.
Ich genieße die Ruhe, die von Lobo, Schnutinger, Basic, vodafone ausgeht. Ich genieße die Abgeklärtheit, mit der Nico sich bei Einzelnen in den Kommentaren beschwert "Vodafone. Old School.", aber irgendwie keine große Show abzieht.
Ein wenig betroffen bin ich von der Betroffenheit eines Mirko Lange, der sich bereits von meinem wunderschönen Bild ("die Beratungsgeier kreisen schon") aus der Ruhe bringen ließ.
Stärker betroffen bin ich von seinem aktuellen Post "Der (schmutzige?) Kampf um die Deutungshoheit – Generation Upload trifft Generation Polemik", dessen er sich selbst zwar nicht so sicher ist, daß er ihn auf der eigenen Site zeigt (denn da steht immer noch sein Kunde hätte alles richtig gemacht an erster Stelle - oder?), der aber trotzdem mit Kanonen auf unseren Spatzen Don Alphonso wegen seines Artikels einschlägt.
Vollkommen überflüssig und kontraproduktiv! Viel zu kurzsichtig! Das einzige, was Mirko damit erreicht, ist, daß nun jeder weiß, daß er selbst zu den Einäugigen gehört, die die Blogosphäre nicht kennen, die den Don nicht kennen, die seine spitze Zunge und Schreibe nicht kennen - die aber vor allem nicht akzeptieren, daß der Don sich längst den Status des ersten und besten Hofnarren im Staate erarbeitet hat.
Der Don ist wie Dieter Bohlen - am besten, wenn er frei Schnauze sprechen/schreiben kann. Das weiß auch die FAZ und sie tat sehr gut daran, ihn in ihren Bloghimmel zu berufen. Er sorgt für die Farbe Don in einer Welt voller Farben - wie ich es mal in Anlehnung an vodafone formulieren möchte.
Und die Hofnarren - dessen muß man sich bewußt sein, waren weise Menschen in ihren Äußerungen, Meinungen und Einschätzungen (auch wenn er mich zu einem Kollegen von Mirko Lange gemacht hat, Danke Don!). Weiser als mancher selbsternannte König - nur, die Könige wußten dies.
(Im Grunde könnte man von einem Kulturkampf sprechen, um eine Social Media Kampagne, die es nie gegeben hat!)
Die Blauäugigen und die Einäugigen
Die Einäugigkeit ist es, die uns Probleme bereitet. Die Blauäugigkeit wird dazulernen, sie kann sich entwickeln. Die Einäugigkeit ist gefährlich. Zu sehr ist sie von sich überzeugt, obwohl sie längst ihre Grenzen erreicht hat. Die Einäugigkeit ist kein guter Ratgeber. Kennt sie doch ihre hohe Distanz zum Sehenden, weiß um ihr Handicap, und hadert mit diesem Schicksal.
Der Blauäugige ist frohen Mutes, er stolpert in die Welt, er macht Fehler, er lernt daraus, er rappelt sich hoch und geht umso forscher voran. Wir lieben den Blauäugigen, er wagt das Unmögliche - und schafft es irgendwann auch.
Der Einäugige jedoch dreht sich meist im Kreise, läßt er sich von seinem einen Auge lenken. Das ist natürlich. Naturgesetz. Er selbst nur kann es verhindern. Dazu muß er es bemerken. Dazu braucht er den Sehenden. Dies zu wissen, zu akzeptieren, danach zu handeln, kann auch aus ihm einen Weisen und einen Sehenden machen!
Laßt vodafone also einfach in Ruhe machen, liebe Einäugige. Sie sind der Fels in der Brandung. Sie brauchen keine Putzerfische. Sie sind teflonbeschichtet. Bohren aber gerade ein kleines Loch durch ihre Schutzschicht, durch die der Sauerstoff der Blogossphäre, die Meinungs- und Deutungsfreiheit, zu ihnen dringen und sie lehren wird.
Denn sie werden lernen müssen, wollen sie ihre vollmundigen Versprechen wahr werden lassen - ob sie wollen oder nicht.
In diesem Sinne: Get well soon!
(Nachtrag/Disclaimer: Ich bin Kunde(!) von vodafone (und Telekom) und daher ungemein an ihrer Weiterentwicklung, ihrem Lernen und der Optimierung ihrer Relevanz für den Konsumenten interessiert - denn nur dann profitiere ich als eben dieser Kunde.)
UPDATE
> Bitte auch die vorherigen Updates/Links (21) bei "vodafone: Wir haben nichts verstanden" beachten. Es lohnt sich wirklich, den gesamten 'Case' zu verfolgen!
18:07 Uhr > "Das böse Internet - Burda, Zeitungsverleger und Vodafone", jochen hoff, duckhome.
13. Juli, 08:46 Uhr > "Bad publicity is better than no publicity", weissgarnix.
10:45 Uhr > "Die Vodafone-Omerta", fixmbr.
12:45 Uhr > Kommentar von Jochen Hoff zu Mirko Lange:
"Ach Mirko Lange. Vor langen Jahren fuhr ich mal mit einem Kollegen
über eine nächtlich nasse Straße im Sauerland. Er fuhr zu schnell, weil
er mir beweisen wollte wie gut er auch betrunken fahren konnte. Es kam
wie es kommen musste. Wir knallten in eine Brückenmauer. Nicht weiter
tragisch, ich brach mir einen Fuß.
Weißt du wer schuld war. Ich. Ich hätte eben nicht mit dem Menschen
den ich eigentlich so gut kannte, dass ich die Dinge hätte vorhersehen
müssen, zu dieser Zeit betrunken im Auto sitzen sollen. Es gab auch in
diesen grauen Vorzeiten schon Taxis.
Ihr habt die Vodafone Kampagne voll vor die Wand gefahren und nun
sind die Leute schuld, die sich kaputtlachen. Dabei lachen die gar
nicht. Die sind pisswütend. Im Grunde genommen wartet nämlich die ganze
Szene auf eine Möglichkeit, Bürgerjournalismus mit Werbung zu einem
Minigeschäft machen zu können, das seinen Mann und Frau, wenigstens
grundlegend ernährt.
Diese Chance ist jetzt wieder einmal für lange Zeit vorbei, weil ein
paar völlig unprofessionelle Trolls für schnelles Geld, jedes Denken
abgeschaltet haben. Aber so wie du die Zensur von Vodafone für ein paar
Silberlinge übersehen hast, wünscht du dir das die FAZ, den Don
kritisiert. Hättest du nur eine Sekunde deine Pflicht getan, dann
hättest du dich vorher informiert.
Es stand alles schon lange im Netz und wer mit Sascha Lobo schwimmen
geht, muss wissen, dass er schon untergegangen ist. Das Netz vergisst
nichts. Es wird auch dieses Desaster nicht vergessen. So gerne du es
auch möchtest. Aber das Netz verzeiht. Gib einfach zu dass ihr Mist
gebaut habt und man kann weiter diskutieren."
12:52 Uhr > Berechtigte Anmerkung von @fss13!
17:31 Uhr > Ehrliche Stellungnahme vom StyleSpion: "Empowered Social Generation Upload" (09. Juli). Werbeblogger: "Kognitive Dissonanz mit Vodafone".
14. Juli
> Hier geht es weiter: "vodafone, die Berater und der Mythos 'Social Media'".
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