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Tuesday, July 14, 2009

vodafone, die Berater und der Mythos 'Social Media'

Während Don Alphonso sich zurecht in die Niederungen der vodafone-Kampagnendetails begibt, soll hier von den philosophischen Grundlagen des Social Media die Rede sein. Zur Sache:

Social Media

Es wird den ein oder anderen überraschen, aber 'Social Media' hat nichts mit 'Medien' zu tun. 'Social Media' ist ein Widerspruch in sich. Allein das Wort Media lenkt unsere Gedanken und Erwartungen in eine falsche Richtung, einen unsinnigen Kontext. Den Kontext nämlich der Medien! Ein Kontext, der Agenturen ermöglicht, ihren alten Wein weiterhin teuer zu verkaufen.

Aber:
1 - Medien sind Mittler, nicht mehr!
"Ein Medium (lat.: medium = Mitte, Mittelpunkt) ist etwas in der Mitte Befindliches, dazwischen Liegendes."
Marken und Unternehmen bedien(t)en sich der Medien, um zu ihren Zielgruppen sprechen zu können.

2 - Medien sind Sender, keine Empfänger!
Sie strahlen etwas aus. (Medien, die etwas empfangen, gehören in den Bereich des Okkulten.) Marken und Unternehmen strahlen Werbebotschaften aus. Werber und PR-ler sind auch nur Sender, keine Empfänger!

Social Networking

Der richtige mentale Kontext von Social Media ist 'Networking', daher wird in diesem Post nun allein von Social Networking gesprochen, um in diesem richtigen Kontext zu denken. Was sich dadurch ändert? Alles!
Social Networking ist nicht die lineare Verlängerung des Bekannten, sondern ein vollkommen neues Kapitel der Kommunikation

3 - Märkte sind Gespräche!
Gespräche funktionieren ohne(!) Mittler. Networking bezeichnet den direkten Kontakt, das direkte Gespräch, den Dialog, den Austausch! Der Mittler aber mindert im Zweifel die Qualität der 'Sendung', erhöht das Rauschen, sorgt für Mißverständnisse, verhindert ein Nachhaken!
Nur im Vakuum hat das Medium keinen negativen Einfluß auf die Nachricht.
WoM (Word of Mouth) ist das ultimative Social Networking. Was nur ist an den 3 Worten 'Märkte sind Gespräche' so schwierig zu verstehen?
(Unter dem Media-Kontext ist 'Märkte sind Gespräche' ein Böhmisches Dorf! Unter dem Networking-Kontext ist plötzlich alles klar. Sehen wir weiter.)

Kein Wunder, daß die Agenturen die Deutungshoheit über Social Media für sich reklamieren. Social Networking bedeutet ihr Ende. Einzig in der Massenkommunikation würden sie sich halten können, wenn sie kreativer und innovativer, intuitiver und empathischer würden.

Denn wo Märkte Gespräche sind, werden die Themen, die Inhalte zum Gold der Zukunft! Nicht mehr die Medien, nicht die Mittler. Die Mittler (ob Medien oder Agenturen) sind außen vor, man kann es nicht oft genug sagen.

4 - Social Networking ist Echtzeit-Dialog - nicht Werbe-Monolog!
Social Networking kann man nicht kaufen, buchen, planen! Social Networking ist nicht einfach eine Anzeige in sogenannten sozialen Medien!
Social Networking ist das kontinuierliche Gespräch, der Dialog.
Social Networking ist kein Schachspiel, das man über 3 Monate vom Elfenbeinturm aus mit einer amorphen Masse spielt, nachdem man alle seine Züge vorab geplant hat.

Social Networking macht die PR-Dame nicht mal eben in der Mittagspause. Social Networking hat nichts mit traditioneller PR zu tun, auch wenn sich das mancher wünscht. PR drückt 'Wahrheiten' über eine Marke, ein Unternehmen, etc. in den Markt und bedient sich gefälliger Medien. Social Networking erzeugt die Botschaft erst im Amalgam aus Spruch und Widerspruch der Öffentlichkeit. Social Networking nutzt Öffentlichkeit, um die Wahrheit zu finden - nicht um sie zu verdrehen!

5 - Social Networking führt(!) das Gespräch!
Social Networking führt nicht nur das Gespräch, sondern steuert auch dessen Richtung, gibt Themen vor, bringt die Diskussion wieder in die engagierenden Pfade, die gleichsam relevant für Öffentlichkeit und Unternehmen sind.

Social Networking kennt kein Wochenende, keine Ausreden, keine Vertretung. Social Networking braucht eine 24/7-dedicated Person vor Ort (online, wo immer das sein mag). Social Networking muß da sein, wenn die Themen da sind, idealerweise schon vor den Themen. Social Networking setzt die Themen, goutiert sie oder vernichtet sie, indem es sie ignoriert.
Das Schlimmste ist, kein Thema zu haben, keine Relevanz - denn was ist dann der Benefit?

Authentizität, Wandel und Innovation sind die spannendsten Meta-Themen des Social Networking. Hier liegen die Benefits für die Zielgruppe, die Öffentlichkeit, aber auch - und gerade - für Marke und Unternehmen!

Social Conscience

6 - Social Networking ist eine Haltung!
Es geht darum, sich - Auge in Auge mit der Öffentlichkeit deren - Vertrauen zu verdienen. Nicht, indem man verheimlicht und kleiner druckt, sondern indem man Authentizität schafft, die das Kleinstgedruckte nicht mehr braucht! Indem man Rückgrat zeigt, denn nur dieses läßt uns aufrecht gehen. Indem man Kritik ermutigt, denn nur die läßt uns wachsen.

7 - Social Networking ist reziprok!
"Das Wort sozial (von lat. socius‚ gemeinsam, verbunden, verbündet) bezeichnet wechselseitige Bezüge als eine Grundbedingtheit des Zusammenlebens ..." "... dies beinhaltet die Fähigkeit (zumeist) einer Person, sich für andere zu interessieren, sich einfühlen zu können, das Wohl Anderer im Auge zu behalten (Altruismus)".

Man erbringt eine Leistung, tut einen Gefallen, erwartet nicht direkt eine Gegenleistung, kann sich aber in den meisten Fällen sicher sein, eine gewährt zu bekommen, denn der andere steht nun in der Schuld (im konstruktiv-positiven Sinne) - sonst ist das Networking schnell am Ende, denn es beruht wie gesagt auf Gegenseitigkeit, Vertrauen und Vorschuss!

Werbliche Kommunikation dagegen ist keine Leistung, sondern eine Störung. Man wird unterbrochen bei dem, was man gerade - und gerne - tut! Man wird abgelenkt ...
Die werbliche Kommunikation selbst muß einen Nutzen haben, einen Mehrwert in sich tragen.

Social Marketing

Das Marketing, das sich in den letzten 20 Jahren den Schneid von Vertrieb, Entwicklung, Produktion abkaufen ließ, sollte seine Chance jetzt nutzen.

8 - Marketing im Social Networking muß Service sein!
Wenn das Produkt schon generisch und austauschbar wird, muß das Marketing differenzierende, alleinstellende Services und Dienstleistungen entwickeln, die den Menschen relevant genug sind, sich damit zu beschäftigen. Um ihrer selbst willen.

9 - Social Networking bedingt ein vollkommen neues Marken- und Marketing-Verständnis!
Social Networking bedeutet nicht das Uploaden von Bildern, sondern die Integration des interessierten Einzelnen in den Kreativitäts- und Innovations-Prozess des Produktes selbst, der Services und Features um es herum.

Die Produkthoheit geht vom Marketing in die Öffentlichkeit über. Das Marketing bleibt Vorbild und Vorreiter, es geht voran, es legt die Benchmark fest. Je intelligenter das Marketing diese Rolle übernimmt, desto eher folgt ihm die Öffentlichkeit. Je dümmer das Marketing sich dabei anstellt, desto harscher fällt die Kritik der Öffentlichkeit aus.

Social Networking hat nichts mit Reichweite, Quantitäten und Followern zu tun! Es nutzt nichts, 2500 oder 6000 Follower zu haben, die indifferent sind. Man braucht Fans, Multiplikatoren, engagierte Mitstreiter, Mitdenker, kritische Geister, die einen ständig fordern.

10 - Social Networking bedeutet Nutzen-Erfahrung!
Hier macht man keine (negative) Erfahrung mit (störender und ablenkender) Werbung, sondern Erfahrungen mit dem Produkt selbst, seinem Nutzen, Benefit, USP. Sei es über das Produkt selbst, eine relevante Applikation im Netz, einen Kundenservice, der in Vorlage tritt und Vertrauen aufbaut.

11 - Social Networking bedeutet, das Produkt ist der Held!
Social Networking macht also nur Sinn bei relevanten(!) Produkten bzw. relevanter(!) Innovation. Alles andere geht nach hinten los! Damit ist auch klar, daß Social Networking nicht in der Agentur oder in der Werbung seinen Ursprung finden kann, sondern im Unternehmen, im Marketing gelebt werden muß.
Zuallererst müssen hier die Produkt-, Marken- und Haltungs-Voraussetzungen geschaffen werden, ehe man über Werbung nachdenken kann.
Es geht immer nur um Inhalte, um Relevanz - nie um Oppulenz. Nie geht es um Überreden, immer nur um Überzeugen!

Es geht nicht um Symbole mit rotem Schopf. Es geht nicht um Bilder, vor allem nicht, wenn sie weniger als 1000 Worte sagen! Es geht um das Produkt selbst!


In Zukunft wird der Kern jeder Kampagne Social Networking sein müssen, um den herum wie bisher massenkompatible Frohe Botschafts-Monologe gestreut werden. Social im Sinne der Spieltheorie. Social im Sinne, daß das Unternehmen zuerst eine Leistung erbringen muß, ehe es mit der Gegenleistung - Kauf, Anerkennung, Advocacy - rechnen kann. Social im Sinne, daß die Menschen an der Weiterentwicklung des Produktes teilnehmen.

Das wird nicht morgen so sein, aber jedes Marketing und jedes Unternehmen täte gut daran, sich auf diese Zeiten mittels Üben! Üben! Üben! grundlegend vorzubereiten.

Und es ist auch nicht wahr, daß noch niemand so etwas in Deutschland gemacht hat! Wir alle machen es jeden Tag! Wir reden, wir überzeugen, wir entwickeln uns und im Gespräch andere, wir preisen an und untermauern mit unseren eigenen Erfahrungen, wir werfen unsere Kompetenz und Erfahrung, unser Wissen und unsere Eloquenz in die Waagschale. In jedem Geschäft, an jedem Kiosk und Schalter. Mit Freunden, Bekannten, Kollegen, Vorgesetzten.

Wir sind Social Networker - tagaus, tagein - das ist so einfach, daß niemand dies wahrhaben möchte, nichtsdestotrotz ist es so. Sobald die Marken und Unternehmen dies verstehen, werden sie verstehen, daß sie keinen Mittler brauchen, nur den Mut, endlich mit ihren (potentiellen) Konsumenten auf Augenhöhe sich zu unterhalten!

In diesem Sinne: Get well soon!


Anmerkung: Dieser Text ist eine Fortsetzung von hier und hier und hier.


UPDATE

TAZ > "Wenn die Zielgruppe sich wehrt".

23:28 Uhr > Adnation, der Vodafonelobbyist und das Ende der Zensurdebatte, Don Alphonso.
Liebe vodafones, war das eigentlich alles umsonst, was ich hier geschrieben habe? Und hier? Und hier? Und hier?

15. Juli

19:17 Uhr > "Spießer Alfons: Vodafone – Kampagne aus dem Papierkorb. Oder: Wenn der Hahn kräht auf dem Mist", "Vodafone, ein Banner und ganz viel “Social Media”…", "Scholz & Friends das Handwerk und Vodafone".

Ab jetzt geht es hier ("Mein Name ist 'Alexander Panczuk', ich habe den Turing-Test bestanden (Reloaded)") weiter.

Monday, July 13, 2009

Seth Godin on Blogging

Interessante Einsichten: "Seth Godin, Blogger: An Interview".

Tuesday, July 07, 2009

Kindliche Neugier heißt jetzt 'Recherchesucht'

Sabine Bätzing, unsere glücklose Drogenbeauftragte, hat ein neues Spieldfeld gefunden, nachdem sie von den Tabak- und Alkohol-Lobbyisten aller Parteien vom Platze verwiesen wurde: das Internet. Bietet sich an, geht von ihm doch die größte Gefahr für die etablierte Politik aus.

Die Drogenbeauftrage beklagt also die Online-Sucht: "Der Bedarf wächst. Das Problem wird immer größer". Was man so 'größer' nennt, beschreibt der Spiegel: "Eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen ergab, dass bundesweit 3,2 Prozent der Jugendlichen betroffen seien ..." bzw. "Zu einem anderen Ergebnis kam die Berliner Humboldt-Universität: Von echter Internet-Sucht könne nur bei 1,4 Prozent der 12- bis 19-Jährigen gesprochen werden."

Wenn man schon bei 1-3% von 'Problem' spricht, sollte man sich mal die Zahl Alkohol-Abhängiger, Alkohol-Gefährdeter oder der Raucher, Krebstoten, Arbeitslosen, Kinder und Familien in Armut ansehen. Da gibt es mehr zu tun für unsere Familienministerin (als Stoppschilder aufzustellen, aber das ist ein anderes Thema).

Vollkommen abstrus jedoch wird es weiter unten im Heise-Artikel: "Neuerdings gebe es jedoch auch einen Trend zur Recherchesucht. Die Betroffenen geben einen Begriff in eine Suchmaske ein und verlieren sich dann im Internet. 'Sie wollen Informationen zum Buchdruck im 19. Jahrhundert und landen beim Paarungsverhalten neukaledonischer Delfine', sagt Müller. Dabei vergessen sie, wie auch die Rollenspiel-Süchtigen, die Zeit."

Was gibt es Wichtigeres für Kinder und Jugendliche als 'die Zeit zu vergessen'!? Was gibt es Wichtigeres als der kindlichen Neugier zu folgen, Fragen zu stellen, Antworten zu hinterfragen, Horizonte zu erweitern, Tellerrände hinauszuschieben!?

In der Schule lernt man dies nicht mehr, da die junge Lehrergeneration dies auch nicht mehr gelernt hat. In der Schule experimentiert man nur noch in Ausnahmen, im Studium sind die Fächer am beliebtesten (da am seltensten), die freies Denken, Assoziieren und Entscheiden befördern - statt des Widerkäuens des erfolglosen letzten Buches des alternden Professors, der sich vor 13 Jahren schon aus der Realität verabschiedet hat.
Im Job wird Streamlining groß geschrieben, damit der Einzelne zwar Karriere macht, das gesamte Unternehmen aber Durchschnitt bleibt. In der Politik herrscht der Koalitions-, Fraktions- und sonstige Konsens-Zwang (mit entsprechenden Folgen).

Nur als Kinder haben wir noch die Freiheit, uns zu verlieren, und uns wiederzufinden in Ozeanen des Wissens und Unwissens, das Lernen noch von der Pike auf zu genießen, weil es freiwillig und unendlich ist, weil es eben ohne Ziel, Sinn und Zweck ist.

Diese Zweck- und Richtungslosigkeit erlaubt uns, unsere Interessen zu finden, erlaubt uns, direkte Belohnung zu erfahren durch die Befriedigung dieser kindlichen Neugier, die unser Herz und unser Hirn öffnet, es sich vollsaugen läßt wie einen Schwamm, es wachsen und gedeihen und mehr fordern läßt.
Lernen um des Lernens willen, Wissen um des Wissens willen.

Nur so entsteht Kreativität, nur so kann es Innovation geben. Nur so werden wir immer intelligenter und intuitiver. Nur so werden wir ideellen (und damit materiellen - nicht umgekehrt!) Wohlstand auftürmen können.

Recherche, wie man es heute nennt, die Gier nach Wissen also, ist keine Sucht, sondern der menschlichste aller Triebe, der Grund für dieses großartige Gehirn!
Das hat nichts mit Sucht zu tun, sondern liegt in der Natur des Menschen.

Aber ich kann verstehen, daß die Politik dies als Krankheit verstanden und ausgemerzt haben möchte. Wehret den Anfängen!

In diesem Sinne: Get well soon!

Sunday, July 05, 2009

Steinmeier-Interview: Trivial Pursuit des Qualitätsjournalismus

Wie nennt man ein fragenloses Interview? Wie bezeichnet man inhaltslose Antworten? Wie nennt man jemanden, der selbst in einem Monolog keine Vision kommunizieren kann? Wie nennt man Qualitätsjournalisten, wenn sie nicht im Raume sind - oder haben sie nur keine Frage gestellt, waren nur stumm vor staunender Begeisterung?

Auf Tagespiegel und Zeit erscheint dasselbe inhaltsleere Interview mit entsprechendem Kanzlerkandidaten der SPD im Jahre 2009. 40 Jahre nachdem der Rest der Menschheit auf dem Mond war, kann der Kandidat nicht über seinen Tellerrand hinausschauen.

Ich möchte gar nicht in das 'Interview' einsteigen, sondern lieber mich wundern, warum diese Themenkreise nicht angesprochen wurden:

1 - Telepolis: "SPD hilft Schwarz-Gelb: Die Sozialdemokraten haben mit ihrer Ablehnung der Wahlrechtsreform gezeigt, dass sie nicht mal in eigener Sache konfliktbereit sind". (fefe formuliert das so: "Das wäre ihre letzte Gelegenheit gewesen, gegen die CDU noch den Hauch einer Chance gehabt zu haben in den anstehenden Wahlen. Mein Kopf platzt gleich. Wie bekloppt muß man sein, um sich selbst in den Tod zu stimmen?")

2 - Zeit: "Bundestagswahl: Die Union will nicht, die SPD kann nicht - aber mit so wenig Politik kommen die Parteien nicht ungeschoren bis zum 27. September".

3 - Spiegel: "Bilanz über vier Jahre - was Merkel und Co. geschafft und verschleppt haben.".

4 - FTD: "Über das Zeugnis für das rot-schwarze Projekt lässt sich streiten.".

5 - FTD: "Schlechte Noten für Gesundheitspolitik".

6 - Handelsblatt: "Umfrage: Kanzlerkandidat Steinmeier rutscht laut einer Umfrage in der Rangliste der beliebtesten Politiker auf Platz drei ab. Damit zieht Wirtschaftsminister zu Guttenberg (CSU) an ihm vorbei, der inzwischen fast so beliebt ist wie Kanzlerin Merkel.".

7 - Sehr interessant wäre auch gewesen, Frank-Wiesel Steinmeiers Einschätzung dazu zu bekommen, daß er es sich in einem einzigen Handstreich mit der 'Internet-Gemeinde', im Grunde einer ganzen Generation, verdorben hat, als er für das Zugangserschwernisgesetz, das noch beweisen wird, wie sehr es seinen Namen zurecht trägt, stimmte!

Schade, daß man diese Themen alle heutzutage längst nicht mehr von sogenannten Qualitätsjournalisten erwarten darf. Enttäuschend, daß mancher Journalist in die Arme der Politik sich geigt, seinen Kopfe neigt, um an ihrer Brust genährt zu werden, Transfereinkommen namens Kulturflatrate zu beziehen, im Goldenen Käfig der Bundespressekonferenz zu sitzen und ...

Qualität bedeutet heute wohl eher, ganz auf Linie zu sein, nicht anzuecken, bloß nicht aufzufallen.
Damit aber kommen wir als Nation keinen Millimeter voran, damit zieht ein Medium keinen Fisch mehr vom Teller, mit dieser Einstellung kann keine Marke überleben.
Gleich waren wir lange genug, nun müssen wir alle, jeder Einzelne, wieder beweisen, daß wir selbst/ständig denken können, daß wir selbst/ständig entscheiden und handeln können.

Trivial Pursuit, das belanglose Streben (oder auch das Streben nach Belanglosem), muß endlich ein Ende finden. Ansonsten ist und bleibt die Krise der Medien verdient! Sie wird nicht abzuwenden sein.

In diesem Sinne: Get well soon!

Friday, July 03, 2009

Initiative D21: Die Deutschland AG und ihr Fortschrittsverhinderungsverein

Schon von der Initiative D21 gehört? Nein? Kein Wunder - obwohl dies doch "Europas größte Partnerschaft von Politik und Wirtschaft für die Informationsgesellschaft" ist!

"Die Initiative D21 wurde 1999 mit der Aufgabe gegründet, die Digitale Spaltung in Deutschland zu verhindern." Welche 'digitale Spaltung'? - konnte man sich Anfang des Jahres noch fragen, denn es gab ja auch keine TV-, Radio- oder Tageszeitungsspaltung in D!?

Heute ist das anders, heute sehen wir einen Internet-basierten Generationen- und Visionen-Konflikt erster Güte auf uns zurollen, der von den einen als perfekte Welle, von den anderen als perfekter Sturm gesehen wird.

Die Politik will ihn nicht sehen (und seine Konsequenzen), versucht sie doch noch, den perfekten Sturm durch ein Stopp-Schild im Ozean des Internets zu bannen.

Die Initiative D21 vermeidet die Sichtung des perfekten Sturmes durch ihre Konzentration auf Quantitäten statt auf Qualitäten (46 Millionen Onliner sind nicht genug, Bildung und Internetnutzung: Die Richtung stimmt, Internetnutzung: Alle Bundesländer überspringen 60 Prozent Marke). Sie ignoriert den Sturm, blendet ihn aus.
Sie publiziert lieber spannende News wie: "Bundesminister zu Guttenberg: 'Flächendeckung bei Breitbandversorgung schreitet voran'" und initiiert Studien, die solche PR erzeugen: "Im Osten kein Anschluss", "Stetiger Onlinezuwachs in Deutschland".

Dabei ist sie so äußerst kompetent besetzt diese Initiative, aber kein Wort fällt über Netzsperren, Zensur des Netzes, die Ohnmacht der Politik und Parteien, etc.

Nun, vielleicht ist das kein Wunder bei einem Verein, der nicht nur wiederholt (bis er es selbst glaubt) sagen muß, er sei "Europas größte Partnerschaft von Politik und Wirtschaft für die Informationsgesellschaft", sondern sich auch so beschreibt: "Branchen- und Parteienübergreifend wirken heute rund 200 Mitgliedsunternehmen und -organisationen gemeinsam mit politischen Partnern von Bund, Ländern und Kommunen an der Gestaltung der Informationsgesellschaft mit."

Was soll man von solch einem Verein erwarten? Was von diesem Präsidium (Intel, Zeit-Verlag, Lucent)?
Was von diesem Gesamtvorstand (IBM, Telekom, Nokia, Accenture, Microsoft, Infratest, Siemens)?
Was von diesem Beirat (AOK, Roland Berger, Frank Bsirske, Hubert Burda, Ministerpräsident Böhmer, TUI, Olaf Henkel, Georg Milbradt, Ministerpräsident Oettinger, Friede Springer, Lothar Späth, Ministerpräsident Wulff, Dresdner Bank, SAP, et al.)?

Die Deutschland AG selbst sitzt dort, die besten Männer und Frauen des Landes mit den schlechtesten Zielen?
Was alles könnte dieser Verein bewegen für die Zukunft von Kreativität, Innovation sowie ideellem und materiellem Wohlstand?
Wenn dieser Verein nur hinginge und konzentrierte seine Kraft auf das hervorragendste Ziel, das sich solch ein Verein in diesen Tagen geben kann, nämlich Politik, Parteien, Wirtschaft und Kollegen zu überzeugen von der Notwendigkeit eines freien Internets!?

All diese klugen Köpfe, die sich gerieren als Vordenker, Visionäre gar, sehen noch weniger die Realität als der Online-Beirat der SPD? Engagieren sich gegen die digitale Spaltung und wollen von Google Geld kassieren, weil sie selbst 1 - medial, 2 - politisch und 3 - wirtschaftlich versagen?

Was will die Initiative D21 wirklich? Die Mauer niederreißen - oder sie erst errichten? Es wird Zeit, daß sich die Initiative äußert zu den wirklichen Themen unserer Zeit, daß sie Stellung bezieht für oder gegen den Fortschritt. Will sie ihn verhindern, um stärker von bestehenden Pfründen profitieren? Oder will sie ihrem Namen alle Ehre machen und uns vorangehen in eine neue Zeit?

Denn wie sagt Eric Schmidt, CEO Google, hier im Video so schön sinngemäß, als er von Jeff Jarvis gefragt wird:
Google konnte so erfolgreich sein, weil das Internet so wenig reguliert ist. Regulierung durch Politik und traditionelle Märkte bremst Entrepreneure und Innovation.
High Tech ist 3mal schneller als der traditionelle Markt, die Regierungen sind 3mal langsamer als der traditionelle Markt.
Der traditionelle Markt richtet sich gemütlich in seinen überregulierten Bereichen ein.
Der Druck des neuen Marktes auf die Regierungen wird entscheidend dafür sein, wie schnell wir Innovationen werden realisieren können.

In diesem Sinne: Get well soon, liebe Initiative D21!

Thursday, July 02, 2009

A Tribute to Michael - Die verpasste Chance des Jacko-Managements

Michael Jacksons früher Tod hat die Welt geschockt, so sehr, daß die wichtigsten Internet-Dienste kurze Zeit 'stillstanden'.

46 Konzerte waren in London geplant, eine Welt-Tournee sollte folgen. All dies ist nun Geschichte, leider. Hier gibt es das Geld zurück, jedoch nur für jene, die die Karten bei den offiziellen Stellen kauften. Womit diese Geschichte sang- und klanglos zu Ende ginge. Zu klanglos für jemanden wie Jacko!

Warum wandelt das Jacko-Management nicht die Konzerte in "Tribute to Michael Jackson"-Konzerte, die von den größten Musikern der Welt bestritten werden?
Sie könnten seine Hits neu und auf seine Weise interpretieren, sie könnten unplugged- und Chor-Versionen aufführen, sie könnten eine neue Bewegung zu Ehren Michaels rund um den Globus starten.

Die Fans wären begeistert, könnten sie doch eine einmalige Show erleben, die sie ihr Leben lang nicht vergessen würden.
Mit dieser Show könnte man mindestens 1 Jahr on tour sein.
Eine internationale Top-Künstlerriege würde zusammen mit jeweils regionalen Top-Acts die Konzerte bestreiten.

Die Stars der London-Konzerte würden die Hälfte von Michaels Einnahmen erhalten, seine Kinder den Rest. Die Stars könnten das Geld gerne für ihre individuellen, guten Zwecke spenden.
Die Stars der Welttournee würden natürlich entlohnt werden, ein Großteil würde an die Kinder und wohltätige Zwecke gehen. Weiteres Geld könnte man über Live-CDs, etc. für wohltätige Zwecke einspielen.

Schade, daß das Management nicht soweit gedacht hat, ehe es begann, holterdipolter die Ticketkosten zu erstatten.

Alle Beteiligten würden von dieser Idee profitieren können, im besten Sinne. Die Welt wäre um eine Attraktion reicher, und Michael hätte man weltweit angemessen mit einer Nacht seiner größten Hits, interpretiert von den größten Stars, verabschieden können.

Tuesday, June 30, 2009

White Label: Deutschland hat gewählt

Inspiriert uns die Politik? Nein! Ist der Politiker unsere Lieblingsmarke? Nein! Trotzdem gewinnt er die Wahl, denn er nutzt die Kraft seines anti-demokratischen Monopols.

Die Inspiration

Daß der Politiker uns nicht inspirieren kann, da er selbst nicht inspiriert ist (allein vom Kampfe um die Macht, nicht um etwas zu bewegen), ist spätestens seit mediacliniques "Der (Medien-)Politiker als Reaktionär" klar.
Sehr kurz zusammengefaßt kann er nicht der inspiration/leader sein, den wir uns wünschen, weil er selbst noch nicht erwacht ist, er nicht an seinen Aufgaben - oder über diese hinaus - wächst, er weder Kontext noch Weisheit noch Klarheit liefert.

Die führende Marke

Der heutige Politiker ist auch keine lead/marke, sondern einfach eine schlecht geführte Marke, wie "Europawahl und Markenpolitik: Reklame statt Relevanz" zeigt. Wie schlecht, demonstriert ua. die Qualität der Marken-Beratung: "Lummerland ist abgebrannt" bzw. die Qualität der Marken-Führung: "Der Politiker der Mediendemokratie ist Marke".

Der Politiker selbst, seine Markenführung, sein Team, seine Branche, seine Geschäftsführer und Generalsekretäre, sie alle haben versagt. Versagt im Sinne einen Dialog mit den Konsumenten aufzubauen, versagt im Sinne Vertrauen zu gewinnen, die Menschen durch Handlungen zu überzeugen, nicht durch monologe Worthülsen.

Das Versagen der Markenpolitik

In den nächsten 3 Monaten bis zur Wahl wird es auch nicht mehr gelingen, eine Marke, fws gar, aufzubauen, sie mit Leben zu füllen, ihr relevante Eigenschaften, Charakterzüge, Ecken und Kanten zuzuordnen, die am Wahltage erinnert werden, um das Kreuzchen an der richtigen Stelle zu machen.

Ausweg Handelsmarke

Die Politik, und da sei keine Partei und kein Politiker ausgenommen, ist verkommen zu farbloser Handelsware, Weißer Ware, die ungebranded in den Regalen steht und nur wegen des Preises gekauft wird: "Wahlprogramm: Merkel und Seehofer garantieren Steuersenkungen".
Produziert von den Massenproduzenten der Wirtschaft im Hintergrund, unter Reduktion von Vielfalt, Qualität, Authentizität.
Wettbewerb gibt es in Wirklichkeit nicht mehr, nur unterschiedliche Label. Inhaltslose Hüllen, die einem eine Wahl vorgaukeln.

Wählers Paradies: Der 1-Euro-Shop

Die SPD gar will nichtmal mehr kämpfen für die Grundlage ihres Geschäftes, die Demokratie: "Koalition könnte Bundestagswahl torpedieren". Warum? Weil die Demokratie längst nicht mehr ihr Geschäft ist! Entsprechend CDU/CSU und FDP hat man sich aus der Demokratie in eine Parallelwelt verabschiedet, in der alles billiger zu haben ist, in der man unter sich ist, in der man Gutes tut mit dem Geld anderer Leute.

Politik ist endgültig zum Ramschartikel verkommen, und die Politiker haben sie dazu gemacht. Geschützt und unterstützt von den sogenannten Bürgern unseres Landes, denen Inspiration zu hoch, Charisma anrüchig, Ecken und Kanten sowie Persönlichkeit suspekt, Vision und Strategie zu abgehoben ist.
Da nutzt es auch nichts, wenn der, der im Glashaus sitzt, noch mit Steinen wirft: "Müntefering wirft Nichtwählern Verantwortungslosigkeit vor".

Man will nicht entscheiden müssen zwischen mehreren Alternativen, man will nur billigst einkaufen, egal was, egal wen - Hauptsache billig. Nur dann hat man ein gutes Geschäft gemacht.

Deutschland hat 3 Monate vor der Wahl längst entschieden: es hat keine Wahl, weil es keine Meinung hat, keine Meinung sich bilden will, keine Entscheidung treffen will.

Deutschland hat sich für eine White-Label-Politik entschieden, für ein Monopol, das sich ungestraft selbst über die Verfassung erheben kann (oder auch: "Panem et Democraciensis"). Und später will es wieder keiner gewußt haben ...

Monday, June 29, 2009

(Medien-)Politik oder Ein Volk von Nichtschwimmern

Mein Großvater ist ertrunken. Damit meinem Vater nicht gleiches widerfuhr, verbot seine Mutter ihm, schwimmen zu lernen. Diese krude Logik entspricht heutiger (Medien-)Politik. Eine Parabel.

Eines Sonntags in den späten 30er Jahren fuhr mein Großvater mit seinem Wagen und zwei Jagdhunden, von der Jagd kommend, über eine Brücke. Irgendetwas - ob es die Hunde waren, wissen wir nicht - lenkte ihn ab. Er stürzte die Brücke hinunter in den Fluß und ertrank zusammen mit seinen Hunden. Soweit die Geschichte.

In der Folge, um Ähnliches von den Söhnen abzuwenden, entschloß sich seine Frau, die Kinder nicht mehr in die Nähe des Wassers zu lassen, was auch bedeutete, daß sie nicht schwimmen lernen durften! Verständlich, war meine Oma doch voller Trauer und in der Folge voller Sorge.

Einer Sorge, die mich heute an die Sorge der Politik und anderer Ahnungsloser in der Gesellschaft der letzten Jahre erinnert, die versucht, die Menschen vor allen Gefahren des Lebens zu bewahren, zu beschützen und fernzuhalten.
Eine Sorge, die dazu führt, daß man sich - kommt man doch mal in die Situation - bestimmt nicht aus eigener Kraft wird retten können

Sie haben übersehen, daß diese 'Gefahren des Lebens' das Leben selbst sind!
Wir müssen diese vermeintlichen Gefahren 'erleben', um uns ein eigenes Bild zu machen. Wir lernen nur aus Erfahrung!

Wir müssen gegen Hindernisse laufen und auf den Allerwertesten fallen, um dadurch einen verlässlicheren Gleichgewichtssinn zu entwickeln.
Wir müssen als Kinder Dreck essen dürfen und sandige Apfelsinen, um uns abzuhärten.
Wir müssen mit Masern gimpft werden, um immun zu werden.
Wir müssen in vielen, vielen Bereichen Erfahrungen (in abgeschwächter Form) sammeln können, um auf das wahre Leben da draussen in der Welt und da drinnen im Internet vorbereitet zu sein.

Wir müssen Körper und Geist trainieren, müssen unsere Grenzen im Positiven kontinuierlich erweitern, damit unser Gehirn und unsere Muskeln gefordert werden und nicht verkümmern! Dafür müssen wir lernen, das Gute vom Bösen zu unterscheiden.

Wir sind soziale Wesen und brauchen die Wärme eines anderen, wir brauchen die Integration in eine Familie - die umso besser funktioniert, besteht sie aus mehreren Generationen.

Wir brauchen Schutz vor Krankheit, vor Verbrechen, vor der Ausbeutung. Dieser Schutz wird am ehesten durch vertrauensvolle und engagierte Ärzte, Polizisten, Anwälte und Gerichte, sowie ehrliche Händler, Marken-Produzenten und Landwirte gewährleistet.

Eltern

Wir brauchen Eltern, die all unsere Fragen beantworten können, die uns erziehen zu selbständigem Denken und Handeln. Eltern, die uns auf das Leben vorbereiten können. Eltern, die mit im Leben stehen und nicht an seinem Rande. Eltern, die engagiert, motiviert und voller Freude auf das Leben zugehen und nicht vor ihm flüchten. Eltern, die uns das Schwimmen im übertragenen Sinne lehren, damit wir selbstbewußt und selbständig mit den Gefahren und Gefährchen des Lebens umzugehen lernen. Brauchen Eltern, die unseren Charakter im positiven Sinne formen, ihn sich selbst entwickeln lassen.

Erziehung

Wir brauchen eine Erziehung, die uns Werte, Ideen und Ideale vermittelt, die zu den hervorragendsten gehören, die die Welt hervorgebracht hat - nicht zu den niedrigsten. Wir brauchen eine Erziehung höchster, zeitloser und zweifelloser Moral. Wir brauchen keine modische Moral, die in Sinuskurven über die Jahre verläuft.
Erziehung muß Roter Faden des Lebens sein, nicht nur Gradmesser einer Legislatur.

Bildung

Wir brauchen eine zeitlose Bildung, die uns lehrt, zu lernen, zu denken, Fragen zu stellen und Antworten zu finden. Bildung, die uns wieder lehrt zu lehren. Bildung, die uns die unendliche Schönheit der Neugier demonstriert, die uns zeigt, wie Neugier zu Wißbegier, zu Wissen, zu dessen Anwendung, zu Wohlstand des Geistes und der Materie wird.
Eine Bildung, die uns zeigt, wie Wandel und Forschung uns ein Leben lang begleiten, uns voranbringen und jung halten können - als Mensch, Gesellschaft und Staat.

Gesellschaft

Wir brauchen eine offene Gesellschaft, die sich selbstbewußt ihren Feinden und Gefahren stellt. Eine Gesellschaft, die unterscheiden kann, wer Gutes im Schilde - oder ihre Mitglieder nur an der Nase herum - führt.

Eine Gesellschaft, die sich noch an ihre Rechte erinnert, diese auch vermißt und für ihre Rechte kämpft. Eine Gesellschaft, die nicht nur lethargisch berieselt und versorgt werden will, sondern aus eigenem Antriebe etwas aufbauen möchte.

Eine Gesellschaft, die erinnert, wie gut es sich anfühlt, etwas selbst, alleine, aus eigenem Antriebe zu schaffen, für etwas zu kämpfen, einen Sieg davonzutragen. Eine Gesellschaft, die noch körpereigene Glückshormone kennt.

Eine Gesellschaft, die Politik und Wirtschaft als Teil ihrerselbst begreift und fordert, statt sich ihnen auszuliefern und in paradiesische Parallelwelten zu verdrängen, sich selbst jedoch verlassen, hilflos, ausgeliefert und ohnmächtig fühlt.

Politik

Wir brauchen Politiker, die uns eben nicht vor allen Gefahren des Lebens schützen, sondern uns im Gegenteile die Freiheit, Selbstbestimmtheit und Selbstbewußtheit lassen und fördern, selbst zu erkennen, 1) wann wir in Gefahr sind und 2) was wir tun können um uns und andere zu retten.

Wir brauchen Politiker, die uns als Menschen ernstnehmen, die Respekt haben vor unserem Geist, vor unseren Wünschen, Träumen, Ängsten und Sehnsüchten. Wir brauchen Politiker die obige Eltern, Erziehung, Bildung und Gesellschaft realisieren, garantieren, und nicht überregulieren.

Wir brauchen Politiker, die die geistigen und materiellen Infrastrukturen schaffen, uns zu befreien, zu beflügeln, zu motivieren. Die uns zu neuen Ufern und Horizonten tragen und diese nicht 'zu unserem eigenen Wohle' immer enger werden lassen.

Wir brauchen Politiker, die die Freiheit schützen, indem sie sie stärken, nicht, indem sie sie einmauern!

Wir brauchen Politiker, die auch schwimmen, die sich dem Leben stellen und dem Wettbewerb - und sich nicht an ihren Strohhalm Macht bis zur Besinnungslosigkeit klammern.

Medien

Wir brauchen Medien, die nicht nur eine Charta als Feigenblatt sich geben. Wir brauchen Medien, die mit gleicher Verve für die innere Freiheit kämpfen, wie sie die Freiheit in der Ferne preisen.
(Aber ehe ich mich wiederhole: "Die Freiheit der Presse beginnt im Kopfe des Journalisten".)

Heute haben wir weder Eltern noch Lehrer, die uns erziehen und bilden, weder eine Gesellschaft noch eine Politik noch Medien, die uns zu Schwimmern macht.

Wir sind nicht nur keine Schwimmer, wir haben nichtmal einen Schimmer. Wir sind Nichtschwimmer des Lebens. Wissen nicht, was wirklich zählt, was wichtig und richtig und falsch, wissen nicht, was gut oder schlecht für uns, haben kein Gefühl für die Gefahr, in der wir treiben, weil wir uns treiben lassen. Können Treibsand nicht von neuen Horizonten, den Sumpf nicht von neuen Ufern unterscheiden.

Wir trauen uns nicht zu, einfach ins kalte Wasser zu springen und schwimmen zu lernen. Zu lange haben wir gelebt im Durchschnitte des Gebotenen, kennen keine extremen Gefühle mehr, wurden uns aberzogen, abgewöhnt. Und wir haben es geschehen lassen viel zu lange schon.

Es wird Zeit, daß wir erinnert werden, daß wir uns erinnern ...


> Inspiriert durch: "Verglichen mit dem Netz ist das Leben ein rechtsfreier Raum".

Saturday, June 27, 2009

The Net's Tribute to Michael Jackson

CNN berichtet, daß die Nachricht vom Tode Michael Jacksons Dienste wie Google, Twitter, AOL/AIM, TMZ, Perez Hilton, Wikipedia, Los Angeles Times, et al in die Knie gehen ließ: "Jackson dies, almost takes Internet with him".

"The biggest showbiz story of the year saw the troubled star take a good slice of the Internet with him, as the ripples caused by the news of his death swept around the globe."

Telekom/Vodafone: Die Kindle-Verhinderer

Wer bis heute auf einen Kindle in Deutschland wartete, kann sich nun bei Telekom und Vodafone bedanken, daß der Kindle nicht kommen wird, wie die Wirtschaftswoche berichtet: "Die Preisvorstellungen der Telefongesellschaften seien überzogen, sagt ein Amazon-Manager. Aus dem Kreis deutscher Amazon-Partner wird das bestätigt".

Warum denken die Konzerne immer nur an ihren kurzfristigen Profit, statt Infrastrukturen zu schaffen, die Innovation anregen, potenzieren, in exponentieller Art generieren?
Warum fehlt im (Top-)Management immer noch der notwendige Weitblick, um Chancen zu erkennen, der Mut sie zu nutzen, die Imagination, sie in USPs und langfristige Wettbewerbsvorteile zu verwandeln?

"In den USA hat der Online-Buchhändler Amazon Mitte Juni schon die dritte Generation seines elektronischen Lesegeräts Kindle herausgebracht. In Europa sollte der Verkauf einem Konzerninsider zufolge in der ersten Jahreshälfte starten, doch daraus wird wohl nichts." 

Ganze Märkte könnten neu aufgebaut, von Telekommunikation-Unternehmen, die in ihren Stammmärkten schwächeln, besetzt und zur Wandlung in eine erfolgreichere Zukunft genutzt werden!

Stattdessen hört man immer nur das risiko-arme, konservierende, erfolg-verhindernde 'Nein' eines phantasie-, mut-, rückgrat- und visions-losen (Top-)Managements.

Wie will man Weltmärkte anführen, ihnen innovativ vorangehen, wenn es Unternehmen und Marken nichteinmal gelingt, den Anschluß an sie zu halten?


UPDATE 13:54 Uhr
Dazu paßt diese Nachricht wie die Faust auf's Auge: Google Voice ist ein neuer Service in den USA, der momentan getestet wird und seinen Nutzern ermöglichen soll, weltweit über eine einzige Nummer erreichbar zu sein, etc.
mm schreibt: "In Deutschland stellen hohe Vermittlungsgebühren eine Hürde für die Einführung von Google Voice dar".

Qed!

Thursday, June 25, 2009

Social Networking Kompetenz der Fortune100 CEOs

TechCrunch berichtet über eine Studie von ÜBERCEO (inkl. 2 Slideshows), die folgende Ergebnisse unter den Fortune100 CEOs zu Tage förderte:

"Here’s the ‘miserable level of engagement’ ÜBERCEO has uncovered:
- Only two CEOs have Twitter accounts.
- 13 CEOs have LinkedIn profiles, and of those only three have more than 10 connections.
- 81% of CEOs don’t have a personal Facebook page.
- Three quarters of the CEOs have some kind of Wikipedia entry, but nearly a third of those have limited or outdated information.
- Not one Fortune 100 CEO has a blog."

Beruhigend. Das relativiert die Zurückhaltung deutscher CEOs ein wenig!

Der (Medien-)Politiker als Reaktionär

Der Politiker inspiriert uns nicht im Guten. Dabei wäre dies seine hervorragendste Aufgabe: dem Volke vorbildlich voranzugehen. Die Vision des Politikers aber ist Reaktion.

In diesem Superwahljahr versucht der Politiker das Volk für sich zu gewinnen, mit Sensation, Geld, Versprechungen, medialer Präsenz.
Er bemüht sich, nirgendwo negativ aufzufallen, keine Fehler zu begehen und einfach im Amte bestätigt zu werden, indem er tut, was er für richtig hält.
Ach, würde er doch nur das Volke fragen, dem er dienen soll.

Der inspirierte Politiker

Manchmal deucht es einen als hätte der Einzelne, der von der Freiheit der 68er sich machtlos abgestoßen fühlte, es nun, nach 30-40 Jahren, geschafft, sich die Machtpositionen zu erarbeiten, das Volke in seinem eigenen Sinne 'bekehren' zu können.

Was er auf seiner langen Reise zur Macht nicht berücksichtigte: die Welt hat sich weitergedreht, so schnell, daß sie heute eine vollkommen andere ist.
Wir alle sind vollkommen andere als vor 40 Jahren. Nur unser Politiker nicht.

Er ist inspiriert von einer Welt, die längst nicht mehr existiert, er aber noch als Ideal anbetet. Die Welt von heute aber, die ist nun wirklich nicht die seine.

Die Macht ist in ihrem Zeit- und Bedürfniskontinuum gefangen. Das kann sie nicht zugeben. Also lebt sie aus, was der Psychologe Arno Grün den "Wahnsinn der Normalität" nannte: da der Betroffene innerlich tot ist, da er nie die Liebe erlangen konnte, die er so vermißt, versucht er, alles um sich herum abzutöten, es ebenso lieb-los zu machen, wie er selbst ist. Nur dann kann er selbst glücklich sein.

Der visionäre Politiker

Die Familienministerin zerstört mit ihrem Tun die Familie, der Innenminster das Gefühl der Sicher- und Geborgenheit, der Finanzminister die Basis unseres Lebens als Individuum, der Arbeitsminister den Zusammenhang von fairem (Arbeit-)Nehmen und Geben und damit den Zusammenhalt jeder sozialen Gesellschaft, den ungeschriebenen Kontrakt zwischen Arbeitgeber und -kraft.
Alles wird nur noch an den Normen des Marktes gemessen, mit Preisen und Nutzen bewertet, zu Tode gegeneinander aufgerechnet, geplant und in eherne Bahnen gelenkt.

Der Politiker ist davon überzeugt, das Beste zu tun - wenn schon nicht für den Bürger, dann doch für eine bessere Welt, die im Humboldtschen Sinne allein dadurch zur Hölle wird.

Der inspirierende Politiker

Spontaneität, Versuch und Irrtum, Vielfalt, Kreativität und Innovation bleiben auf der Strecke. Damit auch Zukunft und Wohlstand des Einzelnen, der Wirtschaft, des Landes. Denn wie soll Wirtschaft produktiv, innovativ und erfolgreich sein ohne die entsprechenden Menschen, entsprechend gebildet und entsprechend frei?

Im 'Du darfst'-Sinne soll alles so bleiben, wie es einmal war, und immer selbstähnlicher werden. Ein mandelbrotsches Volk sozusagen. Alle sind gleicher als gleich, alles ist gerechter als gerecht. Der Zufall ist ausgeschaltet, die Selektion perfekt, das Unkraut von Monsanto chemisch gejätet, auf den Äckern, im Internet und in des Volkes Kopfe selbst.

Der charismatische Politiker

Hat er schon keine Vision, so könnte er doch begeistern, könnte mitreissen und fesseln, im Dialog mit dem Volke seine Vision entwickeln, vervollkommnen und realisieren.

Er könnte Charisma haben, so er dieses sich zutrauen würde. Woher aber dieses nehmen, wenn er schon das Leben als solches, die Liebe, die Vielfalt, das Streben nach Neuem nicht kennt, er eher Bewahrer des Alten, statt Gestalter des Neuen ist?

Nur weil alle kein Charisma haben, unterstellt man Hitler Charisma und hat damit die perfekte Entschuldigung keines zu haben. Das jedoch ist zu einfach!
Ein bißchen Charisma, also gerade so, daß es jeder nur intuitiv bemerkt, keiner aber darüber stolpert und es negativ auslegt, wäre gut. Der Langweiler zieht auch keinen Fisch mehr vom Teller des Volkes der Mediendemokratie. Das Volk will mitgerissen werden, will folgen können.
Eine Meinung kann es sich später noch bilden, mit Hilfe der Geschichte, die es schreibt.

Der kompetente Politiker

Kompetenz suchen wir vergeblich im heutigen Politiker, er braucht sie nicht zur Erreichung seiner Ziele. Er ist der Schachspieler, das Pferd, das andere überspringt, um seinen Zick-Zack-Weg zu machen über Köpfe und Kompetenzen hinweg.
Er springt dort ein, wo er gebraucht wird von seiner Partei, der Wölfin, die Wölfe nährt an ihrem Busen, welcher nichts mehr mit Natur, Kultur oder gar Futur gemein hat.
Dem Wolfe Wolf zu sein und die Schafe in Schach zu halten, ist seine Aufgabe - nicht über die Ränder seines Tellers hinaus Kompetenz auszustrahlen und damit Menschen leuchtturmhaft anzulocken, Menschenfischer zu sein.

Kompetenz hat in den letzten 30-40 Jahren keinem Politiker geholfen, Schmidtsche Ausnahmen bestätigen da nur die Regel.

Was vom Politiker übrigbleibt

Was bleibt, das ist die Reaktion, alles andere könnte Wachstum, Wandel, Abschied und Neubeginn bedeuten. Daran besteht kein Interesse. Wir wollen zurück zu "Morgens halb Zehn in Deutschland" als mit Eric Malpass die Welt noch in Ordnung war.

Was bleibt ist das Sich-Winden im eigenen Berlinerischen Safte, was bleibt ist der Politiker als Kafkas Gregor Samsa, der sich selbst bestätigende Teufelskreis des Macherhaltes um jeden Preis, die sich selbst erfüllende Prophezeiung des ungebildeten, gleichgültigen Volkes, der amorphen Masse, deren Puls mittels eines Bild-gebenden Mediums gemessen werden muss.

Was bleibt ist der Rückschritt - mit etwas Glück der Stillstand, damit die Natur des Menschen nicht noch tiefer versteckt wird unter Talaren und dem Muff aus 1000 Jahren - in einem 7-Meilen-Stiefel zurück in die Prä-Internet-Ära, knapp vor die sexuelle Revolution, Emanzipation und intellektuelle Revolution. Als alles doch so einfach war ...


In diesem Sinne: Get well soon!


> Siehe dazu auch im Rahmen der '09er Politiker-Marke':
"Das QualitätsjournalistenPolitikerMarken-Versagen",
"Panem et Democraciensis".


UPDATE 18:12 Uhr
> Süddeutsche Zeitung: "Vor der letzten Bundestagswahl wurde der Finanzexperte Paul Kirchhof als weltfremder Intellektueller verhöhnt. Jetzt zeigt sich, wie sehr der Politik Fachleute fehlen. Ein längst überfälliges Gespräch über das Versagen des Systems und ahnungslose Abgeordnete".

UPDATE 19:56 Uhr
> Zeit: "Wie die deutschen Volksparteien vor der Bundestagswahl mit der Charisma-Lücke an ihrer Spitze umgehen. Eindrücke von einer christdemokratischen Obama-Bewältigung".

Monday, June 22, 2009

AK-39: Der kreative Zerstörer

Ehe es irgendjemand verpaßt: Amir Kassaei hat seine Memoiren, die er seit Jahren unter dem Kopfkissen zwischen feuchten Träumen aggregierte, in einem kurzen Handelsblatt-Artikel von seinem Alter Ego Sven Prange zusammenfassen lassen: "Amir Kassaei: Der kreative Zerstörer". Prädikat: Lesenswert!

Wir wagen eine kurze Zusammenfassung - auch wenn dies unmöglich ist:

Bescheidenheit und Deutschland

"Dabei ist unumstritten: Wenn einer in Deutschland das Zeug zum Reklame-Revoluzzer hat, dann ist es Amir Kassaei."

Bescheidenheit und die Welt

"Jener Mann, der neue Werbeformen in Deutschland salonfähig gemacht hat und schließlich als einziger Europäer zu einem der drei kreativsten Werber der Welt gekürt wurde."

Bescheidenheit und Pathos

"Der Aufstieg eines Asylbewerbers aus dem Orient zum erfolgreichsten Kreativen Europas beginnt an einem der dunkelsten Flecken der Weltgeschichte - an der iranischirakischen Grenze."

Bescheidenheit und Vorbilder

"Muhammad Alis, sein großes Vorbild. Nicht nur wegen der Steherqualitäten. Sondern auch, weil er in dem vielleicht größten Boxer aller Zeiten den eigenen Lebensweg gespiegelt sieht."

Bescheidenheit und Einsamkeit

"'Ich bin fast 40, habe aber das Leben eines 80-Jährigen gelebt.' Immer auf der Überholspur. Für Feind wie Freund nicht greifbar. Dabei geht ihm das Bedürfnis verloren, jenseits seiner Kinder Bindungen einzugehen. So wird einer der größten Kreativköpfe dieser Zeit zu einem Solitär."

Bescheidenheit und Bescheidenheit

"Ich bin doch nur ein kleiner Asylant, der mit 15 Jahren kein einziges Wort Deutsch konnte..."

Bescheidenheit bescheiden formuliert

"Was stört mich die Kritik von Kfz-Mechanikern, wenn ich auf dem Weg zum Mond bin?"

... was Michael Trautmann übrigens für seinen Satz des Tages hielt. (Auf meine Erwiderung "Im Vakuum läßt sich schlecht denken!" habe ich von Michael noch keine Antwort erhalten.
Michael ist der von "KemperTrautmann erweist "Du bist Deutschland" Bärendienst".)


Nein wirklich, lesen muß man das schon selbst, idealerweise in einer unbeobachteten Minute, denn die Tränen werden fließen, da bin ich sicher, vor Lachen.
(Und einen ebenso illustren Kronzeugen hat er aufgetrieben: "Ralf Zilligen, Ex-Kreativchef der größten deutschen Werbeagentur BBDO, heute Chairman der Agentur Arthur Schlovsky" (die mediaclinique hatte unter "Wenn die Revolution an der Kante des großen Tisches endet!" berichtet), wie das Handelsblatt schreibt, und weiteres Alter Ego von AK.)

Das QualitätsjournalistenPolitikerMarken-Versagen

Eindrucksvoll hat die Politik in den letzten Wochen und Monaten bewiesen, daß sie vom Bürger noch weniger Ahnung hat als der Qualitätsjournalist vom Leser oder die Marke vom Konsumenten.

Allen dreien aber ist gemeinsam, daß sie endlich ihren kleinsten gemeinsamen Nenner gefunden haben: den Kampf gegen das Internet, das sie einfach nicht verstehen (wollen).
Dabei schrecken sie auch nicht davor zurück, sich gegen das deutsche Volk und seine Freiheit zu verbünden.

Die 3 haben verstanden, daß das Internet ihre Geschäfte kaputtmacht, denn ihr Geschäft sind nicht Visionen, ist nicht die Mehrung des geistigen und mentalen Wohlstand des Volkes jetzt und in Zukunft!
Ihr Geschäft ist vielmehr, den eigenen Wohlstand - möglichst jetzt, denn was kümmert mich mein Geschwätz von Morgen - zu maximieren.

Dies aber funktioniert nur über Monopole, funktioniert nur über Desinformation, über Ablenkungen und Umwege. Funktioniert nur, wenn man dem Volke Sand in die Augen streut, damit es sanft einschläft und tiefschlummernd, mit schlafwandlerischer Sicherheit weiterhin die in seiner Erinnerung festgeschriebenen Marken, Medien und Politiker 'wählt'.
Und wenn der Sand nicht hilft, nimmt man Salz. Es darf schon wehtun - damit es keinem der 3 wehtut.

Weitaus produktiver, effektiver und effizienter, weitaus kreativer und innovativer jedoch wäre für die 3, das Internet zu nutzen als freies Medium, als Werkzeug des CrowdSourcing, als Schnittstelle für Open Innovation, denn wie außerordentlich könnten engagierte Massen zum Erfolge der Strategien der 3 beitragen!? Wieviel stärker und schneller könnte die Qualität des Journalismus wachsen, die Visionen der Politik Früchte tragen, die Strategien der Marken wahre Lösungen werden!?
Wieviel schlagkräftiger wären die 3, gingen sie nicht derart kontraproduktiv mit ihrem Volke um, indem sie es auf Freiheits-, Meinungs-, Entscheidungs-Diät setzen!? Wieviel erfolgreicher wären die 3 gemeinsam mit dem Volke, würden sie all ihre Kraft, die sie heute im Kampfe gegen ihr Volk verschwenden, für die gemeinsame Sache einsetzen!?

Politik, Parteien, Politiker

Wie aber soll man gemeinsam an der Zukunft arbeiten, wenn Politiker wie Angela Merkel für den Iran Menschenrechte fordern, die sie in Deutschland nicht ganz so ernst nimmt:
"Deutschland steht auf Seiten der Menschen in Iran, die ihr Recht auf freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit ausüben wollen", hieß es in einer Mitteilung der Kanzlerin.
Sie forderte die iranische Führung zudem "nachdrücklich" auf, friedliche Demonstrationen zuzulassen, keine Gewalt gegen Demonstranten anzuwenden, inhaftierte Oppositionelle freizulassen und eine freie Berichterstattung der Medien zuzulassen. Auch für den Iran gelte: "Die allgemeinen Menschen- und Bürgerrechte müssen voll respektiert werden!", so Merkel." in der Zeit.

Aber vielleicht hat man ja die Rechte, darf sich nur nicht bei der Ausübung erwischen lassen!

Marken und Unternehmen

Wie aber soll man gemeinsam an der Zukunft arbeiten, wenn Marken und Unternehmen, die im Verband der Internetwirtschaft zusammengeschlossen sind, sich hinter diesem Label verstecken, zwar PR-wirksam 'klagen' über das Zensurgesetz, aber nirgendwo offensichtlich und plakativ als individuelle Marken und Unternehmen ihre Meinung kundtun, offen zu ihrer Meinung stehen!?
So spricht eine einzige Stimme, die nicht gehört wird, aber Alibi-Pressemitteilungen vorweisen kann.

Es hätten hunderte sprechen können: Dell, IBM, AOL, NOKIA, Telefonica, ePlus, Google, HanseNet, RTL interactive zB, um nur einige zu nennen.

Stattdessen - wie anders soll man es verstehen - verbündet sich der Verband, die Wirtschaft mit der Politik und wählt genau die Person, die nicht weiß, was ein Browser ist, zur 'In­ter­net­po­li­ti­ke­rin des Jah­res': Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Zy­pries.

Und warum!? Jetzt kommt es: "wegen ihrer Ver­diens­te um klare und ver­läss­li­che recht­li­che Rah­men­be­din­gun­gen im In­ter­net und einen sach­ge­rech­ten In­ter­es­sen­aus­gleich zwi­schen den Be­lan­gen der In­ter­net­wirt­schaft auf der einen Seite und den In­ter­es­sen der Diens­te­an­bie­ter auf der an­de­ren Seite".

Nicht also, weil sie sich für das Volk eingesetzt hätte, weil sie ihren eigentlichen Job gemacht hat, dem Volke zu dienen und Unheil von ihm abzuwenden, sondern weil sie es der Wirtschaft, nicht dem Steuerzahler, einfach macht, weil sie Interessen zwischen Wirtschaftsunternehmen ausgleicht, nicht weil sie die Interessen des Steuerzahlers vertritt!

Qualitätsjournalismus

Wie aber soll man gemeinsam an der Zukunft arbeiten, wenn Journalisten kein - oder nur ein sehr nachgelagertes - Interesse haben, die Menschen über die Realitäten in Politik und Wirtschaft zu informieren, weil sie sich lieber von der Politik mit (vermeintlichen) Informationen und von der Wirtschaft mit Anzeigenaufträgen kaufen lassen, die beide auf ihre Art zur Desinformation des Bürgers beitragen!?

Der Journalist ist in diesen Tagen vom Anwalt der Bürger, der Vierten Gewalt im Staate, zum Toten Briefkasten von Politik und Wirtschaft verkommen!


Insgesamt ist es in dieser Konstellation also kein Wunder, und keiner der 3 darf sich wundern, wenn dies geschrieben wird:
"SPD – dem Fisch das Fliegen beibringen? Unmöglich!".

Kein Wunder, wenn mitten im Leben stehende Menschen sich bewegen und den Parteien den Rücken kehren: "Vielen Dank Ursula v.d. Leyen (ernst gemeint)!".

Kein Wunder, wenn junge und politisch engagierte Menschen die Nase voll haben und enttäuscht sind, wie wenig die Politik die Bedürfnisse einer ganzen Generation versteht oder gar achtet, einer Generation, die unser aller Zukunft ist: "Offener Brief an die SPD-Bundestagsfraktion".

Kein Wunder also, wenn der Politik die Wähler, den Journalisten die Leser, den Marken die Konsumenten weglaufen. Und kein Wunder, wenn die alle sich im Internet wiedertreffen und bemerken, sie haben alle etwas gemeinsam - nicht nur, daß sie das Internet und seine Möglichkeiten verstanden haben, sondern auch, daß alle 3 (Journalisten, Politiker und Marken) es wohl nicht mehr so schnell begreifen werden! Was wohl auch an ihren Beratern liegt!

In diesem Sinne: Get well soon!


UPDATE 19:07 Uhr
> "SPD-Austrittserklärung von Julia Reda".

Saturday, June 20, 2009

Actions speak louder than Words!

Der #ZPD Online-Beirat wird sich gesagt haben, daß die Hoffnung zuletzt stirbt. Für Politiker Tauss ist die Hoffnung von ihm gegangen. Dann hat er gehandelt.

Gehen wir davon aus, daß beide gute Gründe für ihren Weg hatten und haben, und ihr Nicht-Handeln / Handeln mit ihrem Gewissen vereinbaren können.
Wirklich nachvollziehbar sind für mich nur die Argumente für das Handeln, nicht die Argumente dagegen.

Grundsätzlich aber sollte gelten, daß man an seinen Taten gemessen wird und nicht an seinen Worten.
Da könnte der Online-Beirat noch einiges nachholen und lernen - bzw. besser wieder vergessen, was er anscheinend im Dunstkreise der Politik gelernt hat.
Gleichzeitig hoffe ich, wir können uns tatsächlich auf die Worte des Politikers Tauss verlassen und werden nicht zusammen mit ihm von seinen Taten eingeholt. Es wäre der Piratenpartei nicht zu wünschen.

Seth Godin: On the Tribes we Lead(!)

Mit nur ganz wenig Phantasie kann man sich vorstellen, wie gut dieses Video in diesen Tagen auf unsere Gegenwart wie die Faust aufs Auge paßt:

Why tribes, not money or factories, will change the world

"Seth Godin argues the Internet has ended mass marketing and revived a human social unit from the distant past: tribes. Founded on shared ideas and values, tribes give ordinary people the power to lead and make big change. He urges us to do so."

Es lohnt sich, dieses Video zu sehen. Für jeden Politiker, jede Marke, jeden Bürger. Für jeden, der Lösungen anzubieten hat. Für jeden, der etwas zu sagen, zu gewinnen und zu verlieren hat.

In diesem Sinne!

Steve Jobs: Leber-Transplantation

TechCrunch: "Not Only Was Steve Jobs Sick, He Had A Liver Transplant.".

Friday, June 19, 2009

Panem et Democraciensis

Die letzten Wochen und Monate haben gezeigt, daß Demokratie nur noch Glasperlenspiel einiger Eingeweihter vor ahnungslosem Publikum ist. Zensur ist da das kleinste Problem. Von Ralf Schwartz.

Das Spiel

Längst wird das Spiel nicht mehr gespielt, um zu gewinnen. Der Sieg wird im Vorfeld unter den Spielern aufgeteilt.
Das Spiel dient der Unterhaltung des Publikums.
Alle paar Jahre darf das Publikum die Spieler bestimmen. 3 Wochen lang feiert man mit wilden Plakatorgien und ebensolchen Versprechungen um die Gunst des Publikums.
Alle 20 Jahre wird - zum Andenken an die Demokratie - ein neuer Spieler zugelassen.

Die Ältesten berichten, das Spiel sei früher von den Weisesten des Landes gespielt worden, um den mentalen und geistigen Wohlstand aller Menschen (damals: Bürger) des Landes zu mehren. Bürger waren wohl Menschen, die noch aktiv in das Spiel eingegriffen haben.

Die Regeln

Die Regeln werden von den Spielern unter Ausschluß des Publikums gemacht. Das Regelwerk zu kennen, könnte das Vertrauen des Publikums in das Spiel zerstören, lautet die Begründung der Spieler. Das ist recht und billig.

Von der Mehrheit der Spielparteien authorisierte, verdiente Fan-Gruppen (Banken, Realwirtschaft, Waffenindustrie und Schützen) dürfen Regeln beitragen, um ihren Spaß am Spiel zu erhöhen.
Dafür verpflichten sie sich, den Parteispielern einen Altersruhesitz zu garantieren, ihre Gewinne zu mehren, dafür zu sorgen, daß das Spiel nie endet.

Die hervorragendsten Regeln sichern das Spiel gegen Einfluß von Wandel und Fortschritt ab. Das Spiel ist zu wichtig, um es gesellschaftlichen oder technischen Trends und Moden zu unterwerfen.

Die Regeln selbst sind zu einfach als daß man sie hier wiedergeben sollte.

Die Spieler

Die Parteispieler sind Quereinsteiger, entsprechend hoch ist die Qualität ihres Spieles. Bundes-, Europa- und Welt-Liga sind ebenbürtig besetzt.

Die Spieler sind Naturtalente, sie brauchen keine besondere Vorbildung.
Ihr Verstand, ihre Reaktionszeit und Reflexe werden geschärft durch das Spiel selbst. Sie sind nur dem Spiel und ihrem Gewissen verpflichtet. Sie haben kein Gewissen.

Das Spielfeld

Die Welt ist ihr Spielfeld. In den allermeisten Fällen jedoch sieht man sie nicht auf dem Spielfeld selbst, sondern vor den Spielstätten bei der glorreichen Ankunft oder Abfahrt in ihren Triumphwagen.

Meist sieht man sie in ihren Medien über lange Gänge gehen und wichtig aussehen. Das imponiert ihren Gegnern. Diese Dynamik begeistert Fans und Publikum. Sie sind ständig auf dem Sprung. Lächeln können sie, aufgrund der Wichtigkeit ihrerselbst und ihrer Aufgabe, nur auf den millionenschweren, von massivem Polizeiaufgebot bewachten Endspiel-Gipfel-Erinnerungsphotos für die Familie.

Das Spielfeld wird kontinuierlich mit der besten Sicherheitstechnik gegen Kritik, Blasphemie, Meinungsfreiheit und sonstigen Terror demokratiefest gemacht.

Das Publikum

Mit hartzigem Brot wird das Publikum begeistert, mit Sensationen unterhalten. Wöchentliche Allensbach-Befragungen überprüfen seinen Pulsschlag.
Mit unterdurchschnittlicher Bildung werden die natürlich Neu- und Wißbegierigen auf das Niveau der Parteispieler eingestellt.
Im Regel-Labyrinth von Gesetz und Verbot verliert das Publikum schnell die Orientierung über Gut und Böse. Dies zeigt ihm seine Unzulänglichkeit und läßt es verstehen, warum es Publikum und nicht Spieler ist.

Durch die Negierung ihrer natürlichen Triebe werden sie domestiziert, sterilisiert und schließlich zivilisiert. Erotik, Sex gar und Gefühle werden in das Reich der Erinnerung verbannt. Das Spiel übernimmt diese Rolle.

Die allermeisten Menschen sehen sich das Spiel längst nicht mehr an. Für sie ist nicht wichtig, wer spielt oder wer gewinnt. Wichtig ist allein, daß gespielt wird. Sie haben verstanden, daß das Spiel der Motor der Welt ist, die Bäckerei ihres Brotes.

Längst ist klar, daß das Publikum keinen Einfluß hat auf das Spiel, die Spieler oder die Regeln. Längst ist klar, daß das Publikum mit seinem Leben und seiner Zukunft für dieses Spiel zahlt. Längst ist klar, daß dies trotzdem die beste aller Welten für das Publikum ist.
Das Publikum ist den Spielern ewig dankbar, daß sie ihm das Denken abnehmen und zeigt das auch.

Die Schiedsrichter

Die Klasse der Schiedsrichter hat sich den alten Namen 'Vierte Gewalt' gegeben, dessen ursprünglicher Sinn aus der Erinnerung der Menschen leider längst gelöscht ist.
In Erinnerung an irgendeinen alten Käse schreiben sie sich heute 'IV. Gewalt'.

Für die Ehre des Schiedsrichtertums müssen die Auserwählten ihr Rückgrat abgeben. Dafür dürfen sie den Spielern nah sein, sie auf ihren Reisen in ferne Länder und Welten begleiten. Sie sind Teil des inneren Kreises des Spieles.

Schiedsrichter sind Medien, sind Seher, sind Empfänger spiel-gesteuerter Vibrationen, die das Publikum nur mit ihrer Hilfe empfangen kann. Diese Medien vermitteln das Wissen, die taktischen Entscheidungen und Gedanken der Spieler an das breite Publikum.

Parteispiel-gesteuerte und vom Publikum finanzierte TV- und Radio-Sender sorgen für das aufregungs-, nachrichten- und wissenslose Grundrauschen der spielerischen Desinformation. Dieses Equilibrium der Macht sorgt für den Bestand des Spieles über das Denken der Menschen hinaus.

Lang lebe das Spiel!


Epilog

Das Ende der Demokratie: wenn niemand sie mehr ernstnehmen kann.
Der Anfang der Demokratie: wenn die Menschen endlich beginnen, sich darüber wieder aufzuregen. In diesem Sinne: Get well soon!


> Siehe auch Thomas Knüwer: "Weshalb die Diskussion um Internet-Sperren Deutschlands Politikern (und dem Allensbach-Institut) Angst machen sollte".

Thursday, June 18, 2009

Halb so alt, mir doppelt so nah!

Auf diese Menschen wollen unsere Parteien verzichten, weil sie es nicht besser wissen! Dieser Brief sollte allen Politikern, Eltern, Bürgern zu Denken geben.

Via lawblog: "Torben Friedrich ist 22 Jahre alt und SPD-Mitglied. Noch. Denn für den Fall, dass die SPD heute dem Internetzensurgesetz zustimmt, wird er die Partei verlassen. Seine Gründe schildert er in einem offenen Brief:

Liebe Genossinnen und Genossen,

mein Name ist Torben Friedrich, ich bin 22 Jahre alt und seit fast vier Jahren Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.

Vier Jahre, die für einen 22-jährigen bedeuten, daß er bereits als Jugendlicher politisch aktiv war und mit 18 auch politische Verantwortung übernehmen wollte. Ich war seit jeher der festen Überzeugung, daß in einer gerechten und demokratischen Gesellschaft die Werte Solidarität, Gleichheit und Freiheit unerläßliche Bestandteile sind, die nie ihre Gültigkeit in einer Gemeinschaft verlieren können, die auf Vernunft und Gemeinwohl aufgebaut ist.

Mir war auch stets bewußt, daß diese Werte keine Selbstverständlichkeit sind, sondern daß in einer sich stetig weiterentwickelnden Gesellschaft um sie ständig gekämpft werden muß. Meine Überzeugung war es, daß die SPD diesen Kampf am energischsten führt und ich wollte sie in ihrem Bestreben tatkräftig unterstützen.

Heute, am 17.06.2009, wird mir bewußt, daß ich mich möglicherweise getäuscht habe.

Ich vertrete eine Generation, die vollständig mit digitalen Medien aufgewachsen ist, mehr noch, eine Generation, die den Wechsel von analogen zu digitalen Medien nicht bewußt erlebt hat. Das bedeutet, daß ich bereits seit der Grundschulzeit mit Eltern, Lehrern und Freunden auf digitalem Wege kommuniziert habe, entsprechende Lehrpläne waren bereits um Jahre veraltet.

Mit meinem Eintritt in der SPD war mir bewußt, daß bereits unter rot-grüner Regierung eine Politik betrieben wurde, die nicht den Ansprüchen einer digitalen Gesellschaft genügte. Dies wollte ich ändern. In den vergangenen vier Jahren der großen Koalition konnte ich jedoch noch weniger Hinwendung zu unserer Generation und ihrer speziellen Belange feststellen, weder in der SPD, noch in anderen etablierten Parteien.

Dennoch habe ich mich seit Beginn des Jahres in besonderem Maße politisch engagiert und stellte mich sogar für die Bundestagswahl auf der Landesliste Niedersachsen als Kandidat zur Verfügung. Ich sah seit Jahresbeginn, wie die große Koalition die gesamte Lebensweise meiner Generation in Frage stellte und massiv bekämpfte. Für meine Generation völlig selbstverständliche Freizeitaktivitäten, von einzelnen Computerspielgenres bis hin zu sportlicher Betätigung wie Paintball sollten verboten werden. Mitglieder von Schützenvereinen hingegen, die zu Hause mit Kriegswaffen hantieren, blieben unbehelligt und durch die große Koalition protegiert.

Dies sind jedoch geradezu vernachlässigbare Auswirkungen eines seit langem bestehenden Generationenkonfliktes, der seit jeher die Probleme gesellschaftlichen Wandels widerspiegelt. Was am morgigen Donnerstag von der großen Koalition und somit auch von meiner Partei beschlossen werden soll, hat nichts mehr mit einem erklärbaren Unverständnis zwischen zwei unter verschiedenen Verhältnissen aufgewachsenen Generationen zu tun, sondern verletzt das Rechtsempfinden von vielen Bürgern jeglichen Alters.

Morgen wird der Bundestag einen Gesetzesentwurf zur Abstimmung bringen, der zwar zur Bekämpfung eines brisanten Problems – Kinderpornographie im Internet – dienen soll, dabei jedoch jegliche Grundsätze der rechtsstaatlichen Verhältnismäßigkeit verletzt.

Das Gesetz sieht vor, Kinderpornographie im Internet nicht zu entfernen, sondern nur zu verdecken, um es Konsumenten dieses menschenverachtenden Materials zu erschweren, dieses zu betrachten. Dieses Gesetz verlangt perfiderweise, das zu tun, was den Mißbrauch der Kinder zum zweiten Male noch schrecklicher macht: Wegzusehen.

Wegsehen bedeutet in unserer Gesellschaft nichts anderes, als das Geschehene zu tolerieren. Ich jedoch als 22jähriger Bundesbürger sehe bei jeder gesperrten Seite, die mit einem Stoppschild verdeckt wird, das Versagen unseres Rechtsstaates, da er nicht in der Lage war, dieses Verbrechen effektiv zu bekämpfen, sondern auf ein Mittel zur Zensur zurückgreifen mußte.

Dies birgt die größte Gefahr im morgen zu verabschiedenden Gesetz: Die Erklärung unseres Staates, gegen Rechtsverletzungen machtlos zu sein.

Wo wird die Grenze gezogen?

Noch endet die Sperre bei Kinderpornographie. Ein abscheuliches Verbrechen. Doch wann wird der Staat auch vor weniger schweren Rechtsverletzungen kapitulieren und keinen anderen Weg sehen, als lediglich die Darstellung wenig wirksam zu erschweren?

Hier wird eine Infrastruktur geschaffen, die zukünftigen Regierungen ermöglicht, Zensur zu betreiben. Welche Inhalte werden dann möglicherweise als unerwünscht betrachtet werden? Tierquälerei? Gewalt? Volksverhetzung? Extremismus? Politische Opposition? Kritik?

Wo wird die Grenze gezogen?

Die Grenze muß meines Erachtens hier und heute gezogen werden, ohne ein solches Gesetz. Wir dürfen den Kampf gegen solch schwerwiegende Verbrechen wie den Mißbrauch von Kindern nicht aufgeben. Wir müssen effektiv gegen Hersteller solchen Materials vorgehen, nicht gegen das Medium, auf dem es verbreitet wird. Mißbrauch geschieht in der Nachbarschaft, nicht im Internet.

Wenn die SPD als Teil der großen Koalition sich durch Zustimmung zu diesem Gesetzesentwurf eingesteht, daß eine effektive Bekämpfung durch unsere gegebenen gesetzlichen Möglichkeiten nicht erreicht werden kann, sehe ich keine andere Möglichkeit, als meine politische Aktivität anderweitig zu konzentrieren.

Wenn Zensur auf dem Rücken mißbrauchter Kinder durchgesetzt werden soll, wenn das Medium, das meinen Lebensalltag bestimmt und mitbestimmen wird, staatlicher Willkür ausgesetzt wird, wenn die SPD sich von meiner und von zukünftigen Generationen vollständig verabschiedet, bin ich nicht länger bereit, in dieser Partei mitzuwirken.

Die Werte der Sozialdemokratie trage ich weiterhin mit mir und werde diese auch zukünftig vertreten.

Wenn jedoch am morgigen Tage die SPD dieses Gesetz ermöglicht, werde ich der SPD den Rücken kehren.

Tritt das Gesetz in Kraft, trete ich aus der SPD aus und verabschiede mich von einer meiner Generation fremden Partei.

Hochachtungsvoll
Torben Friedrich"

> Via lawblog (der Click lohnt wegen der Kommentare).

Lummerland ist abgebrannt

Der SPD Online-Beirat ist trotzig und zieht sich zurück von der Zensur-SPD. Zu spät. Denn das Kind ist nicht nur in den Brunnen gefallen (das war vor Monaten), es verfault schon und beginnt zu stinken! (Sorry für die drastischen Worte.)

Jetzt plötzlich wachen die selbsternannten Superstars der Agentur- und Blog-Szene auf und wollen nichts mehr wissen von dieser SPD, die von ihnen seit 2007 beraten wurde: "Aufgabe des Online-Beirats sollte es sein, den Parteivorsitzenden und den Parteivorstand in Fragen der politischen Kommunikation im Internet zu beraten".

'Sollte sein'? Was denn jetzt? Ist oder war? Aber Konjunktiv? Sollte, könnte, wollte? Hallo! Wachwerden. Hier wird die Zukunft des Internet zerstört! Seit Monaten! Ihr seid diejenigen, die in der Zentrale der Macht ein- und ausgehen, und habt es nicht verhindert?

Lummerland als Parabel des Internets

Das Internet hat es geschafft, daß unsere gesamte Welt klein wird wie Lummerland, nämlich "doppelt so groß wie unsere Wohnung". Mit einem Mausclick kann ich in jede Landschaft, jedes Land, jede Kultur, jede Bibliothek, jedes Archiv und Gewissen der Welt reisen und nicht nur an Reichtum und Wissen teilhaben, sondern ihn auch mehren. Und das ist gut! Das Beste, was uns je passiert ist! Und Ihr lebt davon!

Ihr folgt 3000 bzw. 1600 Leuten, habt 3600 (@Nico) und 12500 Follower (@saschalobo), habt aber die Diskussion nicht mitbekommen? 130.000 Menschen zeichnen eine ePetition gegen Zensur und Ihr bekommt es nicht mit?

Wo wart Ihr in den letzten Wochen und Monaten, in denen die Suppe - spätestens seit Ernennung des Mannes von Frau zu Guttenberg zum Wirtschaftsminister im Februar(!) - langsam aber sicher überkochte? Habt Euch an den Töpfen der Macht den Bauch vollgeschlagen und merkt nun erst, daß die Trauben sauer sind?

Freunde, Ihr tut so als seiet Ihr die Männer mit dem Ohr an der Schiene des Marktes, die Männer mit der Hand am Puls des Volkes, als hättet Ihr die Weisheit der Welt 2.0 mit Löffeln gefressen, und Ihr habt nicht mitbekommen, was da abgeht?

Herr Tur Tur als Symbol des kollektiven Beirat-Hirns

(Herr Tur Tur ist ein „Scheinriese“: Je weiter man von ihm entfernt ist, desto größer sieht er aus. Nur wer sich ganz nah an ihn heran wagt, erkennt, dass er genauso groß ist wie jeder normale Mensch. Weil sich das aber niemand traut, ist Herr Tur Tur sehr einsam.)

Und wenn Ihr es mitbekommen habt, habt Ihr einfach nicht gewußt, wie Ihr für die gerechte Sache und das freie Internet trommeln könnt? Euch ist kein Ausweg eingefallen? Ihr wißt als Berater, Social-Media-Directors, Blogger, Moderatoren und Autoren nicht, wie man die Massen (im Vorfeld!) mobilisiert?

Ihr schreibt doch so voller Stolz: "Obwohl der Online-Beirat kein offizielles Gemium ist, war bislang die öffentliche Aufmerksamkeit sehr hoch – es sind allein in diesem Jahr mehr als 40 Interviews geführt worden – unter anderem bei Maybritt Illner, Süddeutsche Zeitung, ZEIT, SPIEGEL, Stern, dpa, ZDF, ARD, 3sat.".

Warum habt Ihr genau diese Möglichkeiten nicht rechtzeitig(!) genutzt, die Welt - und die SPD in ihr - in die richtige Richtung zu bewegen?

Auch in Lummerland müssen ständig die Hirne eingeschaltet sein. Ist Euch die rote Farbe (doppeldeutig!) in die Synapsen gelaufen? Wie kann man so Politiker, Kunden und Auftraggeber be- und die Menschen in D ver-raten?

Wie kann man als Social-Media-Internet-Agentur-Superstars die sich allzu offensichtlich formenden Realitäten so lange ignorieren bis sie Fakt sind?


Habt Ihr in den SPD-Zentralen der Macht nicht bemerkt, daß das ganze Aufbäumen, die Verhandlungen eine Farce sind, daß SPD und CDU/CSU eh unter einer Decke stecken, daß es schon wieder keine Alternative (für die beiden) zur großen Koalition gibt, daß es nie um das Volk oder den Fortschritt geht, sondern immer nur um den Politiker und seinen Machterhalt?

Habt Ihr immer noch nicht bemerkt, daß Ihr auf ganzer Linie versagt habt, daß immer noch keiner der von Euch 'Beratenen' die wahre Qualität des Internet begriffen hat?

Habt Ihr das Internet, seine Möglichkeiten, seinen Wert für den Wohlstand aller Menschen immer noch nicht begriffen? Seine Möglichkeiten als Aktivierungsplattform der Massen für die gute Sache, gegen Unterdrückung und Zensur, für Freiheit und Bürgerrechte immer noch nicht begriffen?

Enttäuschend ...


> Siehe auch "SPD verliert schon wieder eine Generation".

Wednesday, June 17, 2009

Opel: Google ist sensibler als unsere Politiker ...

... denn Google fährt Opel!
Siehe Photo > "Google einigt sich mit Datenschützern über Street View".

Dazu konnte sich bisher noch kein demokratischer, ökologischer, sozialer, christlicher, da-wo-der-Daumen-rechts-ist Politiker 'herablassen'.

Actions speak aber lauter als Words, wie sich auch die 09er Politiker-Marke hinter die angelegten Ohren schreiben lassen sollte.

SPD: Wie war das mit der 'Heißen Luft'?

Eindrucksvoller kann man nicht zeigen, wie wenig die Parteien zum Verständnis oder gar zur Lösung von Problemen beitragen: Die Tag-Cloud der Steinmeier-Parteitags-Rede!


Tagcloudfws
Image courtesy felix, wirres.net.

Im Grunde ist dies heute noch das, was die Menschen mit der SPD verbinden: Nichts. Leere Phrasen. Die Partei bewegt nicht mehr, sie polarisiert nicht, sie eckt nicht an, reibt sich nicht, erweckt keine Aufmerksamkeit. Sie existiert nur noch. Vegetiert dahin. Wie eine beworbene, aber von ihnen vertrocknete Markenhülle. Entmenschlicht. Eine Phrasendreschmaschine ohne Substanz (und nicht mal das).

Und nun ist sie auch noch gegen Innovation, Kreativität, Freiheit, Wohlstand, Zukunft, da sie aus Feigheit der Internet-Zensur der CDU/CSU (das sind die Parteien, die 'christlich', 'sozial' und 'demokratisch' im Namen, nicht aber im Herzen führen) Tür und Tor öffnet!

Sunday, June 14, 2009

3 Engel für die Zukunft der Republik?

Ein wenig sträuben sich einem bei diesem Photo schon die Nackenhaare, bedenkt man, daß Ursula, Silvana und Andrea vor nichts zurückschrecken, ihre ureigenen Ziel durchzusetzen.

Eher als an 3 Engel für Charlie (denn die kämpften ja für das Gute) erinnern mich unsere 3 Grazien an Macbeths Hexen: "When shall we three meet again in thunder, lightning, or in rain? When the hurlyburly 's done, when the battle 's lost and won?".

3Blondes
Image courtesy AP Photo/Michael Probst, Süddeutsche. Bitte dort auch die ganze Klickstrecke ansehen!

Allen dreien wurde die Lüge nachgewiesen, und alle drei ziehen daraus nur die Konsequenz beim nächsten Male besser aufzupassen. Ist dies inzwischen normal in der medialen Politik? Normal im medialen Business?

Stört sich niemand mehr daran, wenn eine Ministerin ganz Deutschland monatelang anlügt? ("Amtlich: Ursula von der Leyen hat gelogen")

Vor einiger Zeit noch mußte man deswegen zurücktreten! Wie enttäuschend, daß die Presse hier nicht (wadenbeißend und flächendeckend) am Ball bleibt! Wo bleibt der Aufschrei, der sonst durch die Landschaft hallt?

Stört es niemanden mehr, wenn Silvana Koch-Mehrin anscheinend nur so tut als würde sie sich für ihre Wähler einsetzen und sich lieber in Europa hinter den 7 Bergen bei den 7 Zwergen versteckt? (zapp-Bericht: "FDP-Spitzenkandidatin wehrt sich", SWR: "Glühbirne, Gurke & Co. – Diktatur der Eurokraten?" ab Minute 20:30)

Wie enttäuschend, daß die Presse auch hier nicht (wadenbeißend und flächendeckend) am Ball bleibt!

Stört es niemanden, wenn Andrea Kiewel sich in Nullkommanichts reinwaschen kann, weil ihr Sender in wirtschaftliche Probleme geriet?
(Wie schreibt der Spiegel: "Bemerkenswert, wie schnell Andrea Kiewel wieder vor der Kamera stand, nachdem sie noch vor einem Jahr als Persona Non Grata galt. Das ZDF wollte eigentlich nie wieder etwas mit ihr zu tun haben, schickte sie aber vergangenen Monat erneut als Moderatorin ihrer alten Stammsendung, dem "Fernsehgarten", ins Rennen.
Die Gründe sind prosaisch: Ohne sie waren die Quoten in den Keller gegangen, jetzt sind sie wieder stabil.")

Wollen wir das von unseren GEZ-Gebühren finanziert wissen?

Wollen wir überhaupt diese 3 Damen Frauen von unserem Geld finanziert wissen, die uns unverblümt in die Augen schauen und uns anlügen ohne rot zu werden ohne mit der Wimper zu zucken?

Können sie pars pro Toto für die Zukunft unserer Republik sein, in Medien, Politik und Wirtschaft? Sollen sie Vorbild sein für unsere Menschen, die Jungen und die Alten?

Wollen wir dies weiter unterstützen mit unserer Fernbedienung und unserem Kreuzchen im September? Wollen wir Parteien und Sender unterstützen, die dieses Verhalten unterstützen? Wollen wir Marken unterstützen, die dieses Verhalten unterstützen?

Es ist wahrlich enttäuschend, wohin sich unsere Werte entwickelt haben. Enttäuschend, wenn dies die Menschen sind, die uns anführen sollen in eine bessere Welt. Wie soll dies gehen, wenn sie die schlechteren Menschen sind?

Saturday, June 13, 2009

Wenn die CEOs von Ford und GM twittern

Bewunderswert, daß Männer, die seit 10 Jahren so weit weg sind von der realen Welt, daß sie nicht bemerkten, daß ihre Produkte und Marken so gar nicht mehr hineinpassen in eben diese Welt, nun sich modernster Kommunikationstechnik bedienen und twittern.

Ich stelle mir spannend vor, zu lesen, was sie frühstücken, daß sie nun gelandet sind, daß sie gerade 25.000 Menschen gefeuert haben, daß die Pizza kalt ist.
Und dies alles, obwohl sie doch nicht wirklich Zeit (und tatsächlich andere Sorgen) haben!

Nun, beide haben dieses Problem auf CEO-Weise gelöst:
1 - "GM chief Fritz Henderson is coming to Twitter June 1 to answer consumer questions. The 30-minute session, due to start at 2:45 p.m., will be based at the auto giant's @gmblogs account at twitter.com/gmblogs.".
2 - "Ford boss Alan Mulally answered consumers questions in mid-April on Twitter and posted a video of the event on YouTube.".
(So jedenfalls beschreibt AdAge die Bemühungen der beiden.)


Video courtesy YouTube, Ford.

Ein kleiner Schritt für Digital Natives, ein großer Schritt für einen CEO.

Wie gesagt, bewundernswert, daß sie sich damit beschäftigen (auch wenn Alan Mullaly das fortschrittlichste T-Modell benutzt, um seine Tweets in die Maschine neben ihm zu hacken).

Ein guter Anfang ist es allemal. Und Alan macht es sichtlich Spaß.

Tuesday, June 09, 2009

Chapeau, lieber Kai Berthold, Du bist brodelnde ActicPower!

Das ist Größe, mich anzurufen, und sich ehrlich zu freuen, daß endlich mal jemand über Waschmittel schreibt - obwohl ich Henkel empfahl, ihn prophylaktisch auszutauschen.
Wer nur Bahnhof versteht, möge sich hier informieren: "Amirs Designer Clübchen definiert Kreativität neu".

Kurz gesagt ging es eigentlich wiedermal und eher um Amir und sein DDBchen. Kai war nur Collateral, da er sich aus der Langeweile-Phalanx des deutschen Waschmittels wagt und analog des japanischen Sprichwortes als herausragender Nagel von mir natürlich eingeschlagen wird.

Tatsächlich also hat Kai (nein, wir duzen uns nicht offiziell) meine Nummer gesucht und gefunden, angerufen, nur die Mailbox erreicht und, mir seine Nummer hinterlassend, um Rü gebeten.

Persilbleich vor Sorge rief ich an, dachte ich doch, ich hätte seine reine Marketing-Weste befleckt und er wolle mich anschreien. Das hätte ich nicht verdient, war aber bereit, geradezustehen für meine lose Feder.
Aber nein, er beglückwünschte mich zu 1 - siehe erster Satz oben und 2 - meiner eleganten Wortwahl (nein, er gab mir nicht recht, weder bei Produkt noch bei Amir).

Ihr seht also: ein Produkt sagt nichts über einen Menschen, eine Marke kann blenden, Vorurteile entstehen durch wenige Worte der w&v, die Erde ist rund, der Ball auch.

Darin aber, spontan zu sein und intuitiv, liegt die Chance der Marke, sich einen Platz zu erobern in den Herzen der Menschen, nicht von oben herab zu ihnen zu sprechen, sondern auf Augenhöhe gar mit ihnen.

Letztens noch habe ich es irgendwo gelesen: Das Produkt selbst ist die Werbung! Der Konsument selbst ist die Agentur!
Das ist das Ideal, das gute Produkt braucht keine Werbung, es spricht für sich selbst. Der zufriedene Konsument engagiert sich für das Produkt, weil er durch Erfahrung lernte, daß das Produkt für ihn einen Nutzen hatte, nicht nur einen Preis.

Was das mit Kai zu tun hat?

Nun, idealerweise würde er den Akt seines Anrufes in eine Social Networking Strategie für seine Marke übersetzen.

Schafft er es darüberhinaus, der Marke (ein wenig mehr von seiner eigenen) Persönlichkeit einzuhauchen, dann kann diese Marke zu einer Inspiration werden, der die Menschen gerne und engagiert folgen. Die Marke könnte zur lead/marke werden.
Mehr kann man sich nicht wünschen, oder?


Nein, ich denke nicht, daß Amir jetzt noch anrufen wird ...

Monday, June 08, 2009

Europawahl und Markenpolitik: Reklame statt Relevanz

Politik verkommt immer mehr zur Markenführung des letzten Jahrtausends. Verpackungen sind keine Lösungen, plakative Reklame keine relevante Vision. Inhalte müssen her. Dringend!

Politiker müssen die Menschen mit ihren Lösungen, Visionen und relevanten Ideen inspirieren, müssen sie für Politik, für die Sache und ihre eigene Zukunft interessieren und mobilisieren.
Politiker müssen Wege aufzeigen aus der Krise und in eine neue Zukunft.
Politik muß vorbildlich vorangehen und sich mit den Menschen und ihren Meinungen auseinandersetzen, nicht über sie hinweg: "Ist die Piratenpartei die SPD von heute?".

Politiker müssen über sich hinauswachsen, und nicht in sich zusammenfallen, wie der Spiegel im Falle eines Steinmeier schreibt:
"Ihm fehlt der unbedingte Wille zur Macht, ihm fehlen Charisma und zupackende Rhetorik - und damit die Fähigkeit, den Leuten zu erklären, was er denn so ganz anders machen würde als die derzeitige Kanzlerin. Vor allem aber: Ihm, und nicht nur ihm, fehlt die unverwechselbare, zeitgemäße sozialdemokratische Idee, das Aufbruchssignal in Zeiten der Krise.".

Politiker müssen Qualität bieten. Politiker müssen Trends und Stimmungen in der Bevölkerung erkennen und ihnen vorangehen - nicht mit Populismus und Steuergeschenken, höheren Transfereinkommen oder sonstigen Wählerbestechungen winken.

Marken, die ständig im Sonderangebot zu erhalten sind, nimmt man nicht mehr ernst, sondern nutzt sie nur noch aus. Marken und Politiker ohne Rückgrat können sich nur über Bestechung und Korruption, Tarnung und Täuschung, gekaufte PR und gefügige Journalisten eine kurze Zeit über Wasser halten (siehe hier ua. Silvana Koch-Mehrin in ZAPP).

Politiker versuchen, den Bürger dumm, fett und träge zu halten, um nicht den (vermeintlichen) Sinn ihrer Existenz zu verlieren.

Tatsächlich ist die hervorragende Aufgabe der Politik, langfristige Lösungen für die Probleme der Welt zu finden und diese zeitnah, effizient und effektiv zu realisieren, um damit den Menschen ein besseres, weil erfüllteres, selbstbestimmteres und verantwortungsvolleres Leben zu ermöglichen.

Politik muß Menschen gesund und nicht krank, unabhängig und nicht abhängig, selbstbewußt und nicht ängstlich machen.
Politik muß wie die Marke die Menschen zu besseren Menschen machen. Sie muß Relevanz bieten und nicht pure Reklame.

Politik darf sich nicht schönrechnen (wie Cem Basman es so eindrucksvoll zeigt): "Die Wahrheit: Unter Berücksichtigung aller Wahlberechtigten sieht das Ganze doch ziemlich dünn und mickrig aus: CDU/CSU 16%, SPD 9%, Grüne 5%, Linkspartei 3%, FDP 5%, Andere 5% - Nicht-Wähler: 57%". Politik muß die Konsequenzen ihres Handelns (er)tragen und muß daraus Konsequenzen ziehen.


Die Politik wird sich vor allem sehr bald mit einem Generationen- und Interessenkonflikt auseinandersetzen müssen. Schweden zeigt, wohin die Reise geht (womit ich nicht sagen möchte, daß die Piratenpartei das Allheilmittel sein wird), wie Telepolis schreibt:
"Einer Hochrechnung zufolge schaffte es die Piratenpartei in Schweden mit einem Stimmanteil von über sieben Prozent mindestens einen Abgeordneten ins Europaparlament zu entsenden. Allerdings verteilen sich die ihr zugeflossenen Stimmen relativ ungleich und machen einen Generationskonflikt ebenso wie einen Geschlechterunterschied sichtbar: Bei den Wählern unter 30 kam die Partei, die dem schwedischen Wahlforscher Sören Holmberg nach bei der Jugend mittlerweile bedeutender ist als Sozialdemokraten und Konservative, auf 19 Prozent.".

Gerade diesen letzten Satz muß man sich auf der Zunge zergehen lassen: "Bei den Wählern unter 30 kam die Partei, die dem schwedischen Wahlforscher Sören Holmberg nach bei der Jugend mittlerweile bedeutender ist als Sozialdemokraten und Konservative, auf 19 Prozent."

Ob solch eine Bewegung noch mit Zensur und Verboten durch die Etablierten aufzuhalten ist, ist fraglich. Wir haben es in der Politik wie in der Markenführung mit einer neuen Welt zu tun, neuen Prioritäten, neuen Herausforderungen, neuen Medien, neuen Kommunikationsformen, neuen Stimuli, neuen Inhalten, neuer Ungeduld, Unabhängigkeit und Individualität.

Darauf haben heute weder die etablierten Parteien, noch die etablierten Marken eine wirkliche Antwort!

Tuesday, June 02, 2009

Die Freiheit der Presse beginnt im Kopfe des Journalisten

Am 25. Mai wurde die "Europäische Charta für Pressefreiheit" verabschiedet. Da diese nicht ganz vollständig ist - denn eine Charta sollte nicht nur Forderungen, sondern auch Selbstverpflichtungen enthalten -, hat die mediaclinique im Folgenden die fehlenden Zusätze formuliert:

Art. 1

"Die Freiheit der Presse ist lebenswichtig für eine demokratische Gesellschaft. Journalistische Medien aller Art zu achten und zu schützen, ihre Vielfalt sowie ihre politischen, sozialen und kulturellen Aufgaben zu respektieren, ist Auftrag aller staatlichen Macht."

Zusatz der mediaclinique:
Die Freiheit der Presse beginnt im Kopfe des Journalisten. Boulevard ist nicht die einzige politische, soziale und kulturelle Aufgabe des Journalisten.

Art. 2

"Zensur ist untersagt. Unabhängiger Journalismus in allen Medien ist frei von Verfolgung und Repressalien, ohne politische oder regulierende Eingriffe des Staates zu garantieren. Presse und Online-Medien dürfen nicht staatlicher Lizenzierung unterworfen werden."

Zusatz der mediaclinique:
(Selbst-)Zensur ist auch gegen die Gabe und Annahme von Geld oder geldwerten Vorteilen untersagt, selbst wenn der Journalist darauf besteht.
Auch Journalisten verzichten auf Verfolgung und Repressalien (zB gegen Anders(also fortschrittlich)denkende zB im Internet.

Art. 3

"Das Recht von Journalisten und Medien zum Sammeln und Verbreiten von Informationen und Meinungen darf nicht bedroht, eingeschränkt oder unter Strafe gestellt werden."

Zusatz der mediaclinique:
Gleiches gilt für Google (et al.) und Blogger.

Art. 4

"Der Schutz journalistischer Quellen ist strikt zu wahren. Durchsuchungen von Redaktionen und anderen Räumlichkeiten von Journalisten sowie Überwachungen und Lauschaktionen mit dem Zweck, Informationsquellen ausfindig zu machen oder das Redaktionsgeheimnis zu brechen, sind unzulässig."

Kein Zusatz.

Art. 5

"Alle Staaten haben sicherzustellen, dass Medien bei der Erfüllung ihrer Aufgaben den vollen Schutz eines unabhängigen Gerichtssystems, der Gesetze und der Behörden genießen. Das gilt insbesondere für die Abwehr von Belästigungen und Angriffen auf Leib und Leben von Journalisten und deren Mitarbeitern. Bedrohungen oder Verletzungen dieser Rechte sind sorgfältig zu untersuchen und durch die Justiz zu ahnden."

Zusatz der mediaclinique:
Alle Journalisten 'haben sicherzustellen', dass Opfer und Angehörige 'den vollen Schutz eines unabhängigen Gerichtssystems, der Gesetze und der Behörden genießen'. Sie sehen von Belästigungen und Angriffen auf Leib und Leben von Opfern und Angehörigen ab. 'Bedrohungen oder Verletzungen dieser Rechte sind sorgfältig zu untersuchen und durch die Justiz zu ahnden.'

Art. 6

"Die wirtschaftliche Existenz von Medien darf durch staatliche oder staatlich beeinflusste Institutionen oder andere Organisationen nicht gefährdet werden. Auch die Androhung von wirtschaftlichem Schaden ist unzulässig. Private Unternehmen müssen die journalistische Freiheit der Medien achten. Sie dürfen weder Druck auf journalistische Inhalte ausüben, noch versuchen, werbliche Inhalte mit journalistischen Inhalten zu vermischen."

Zusatz der mediaclinique:
Dem Internet wird hier explizit bestätigt, die 'wirtschaftliche Existenz von Medien' nicht zu gefährden.

Und noch einmal: Die Freiheit der Presse beginnt im Kopfe des Journalisten! Medien-Unternehmen müssen die eigene journalistische Freiheit achten. Sie ist höchstes Gut des Journalisten und steht oberhalb des kurzfristigen Gewinnstrebens.

Auch Journalisten 'dürfen weder Druck auf journalistische Inhalte ausüben, noch versuchen, werbliche Inhalte mit journalistischen Inhalten zu vermischen'.

Art. 7

"Staatliche und staatlich beeinflusste Institutionen dürfen den freien Zugang von Medien und Journalisten zu Informationen nicht behindern. Sie sind verpflichtet, deren Informationsauftrag zu unterstützen."

Zusatz der mediaclinique:
Medien und Journalisten 'dürfen den freien Zugang von' Bürgern (die auch Blogger sein können) 'zu Informationen nicht behindern. Sie sind verpflichtet, deren' Informationsinteresse 'zu unterstützen'.

Art. 8

"Medien und Journalisten haben Anspruch auf ungehinderten Zugang zu allen Nachrichten und Informationsquellen, auch aus dem Ausland. Ausländischen Journalisten sind zur Berichterstattung Visa, Akkreditierungen und andere erforderliche Dokumente ohne Verzögerung auszustellen."

Zusatz der mediaclinique:
Bürger (die auch Blogger sein können) und Informations- und Suchdienste (wie Google) 'haben Anspruch auf ungehinderten Zugang zu allen Nachrichten und Informationsquellen, auch aus dem Ausland'.

Art. 9

"Der Öffentlichkeit jedes Staates ist freier Zugang zu allen nationalen wie ausländischen Medien und Informationsquellen zu gewähren."

Zusatz der mediaclinique:
Diese Möglichkeit wird auch nicht durch Journalisten, die einseitig wirtschafts- oder politik-freundlich agieren, eingeschränkt.
Vielmehr verpflichten Journalisten sich, kontinuierlich konstruktiv zu hinterfragen, der Wahrheit auf den Grund zu gehen, objektiv und frei von Sensationsgelüsten zu berichten, alle Fakten darzulegen, diese erkennbar von Emotionen zu trennen und die Öffentlichkeit nicht nur in ihrem Tun zu bestätigen, sondern weiterzuentwickeln.
Journalisten ermöglichen der Öffentlichkeit die selbst/ständige Bildung einer eigenen Meinung.

Art. 10

"Der Staat darf den Zugang zum Beruf des Journalisten nicht beschränken."

Zusatz der mediaclinique:
Der Journalist darf den Zugang zum Beruf des Bloggers nicht beschränken. Das (eigene) Medium darf den Zugang des Journalisten zur Zukunft nicht beschränken (andere schon).

Wednesday, May 20, 2009

Der Politiker der Mediendemokratie ist Marke

Politiker sind die neuen Marken. Sie haben keine Eigenschaften, keinen Nutzen, keinen USP. Sie haben eine Agentur, einen Slogan, aber keinen Inhalt.

Man kennt keinen von ihnen - nur weil sie auf Plakaten lächeln (oder nicht) müssen sie wohl berühmt sein!? (Eine kennt man natürlich: die blonde Silvana, Tochter des deutschen Roland und der Loreley, die für irgendeinen Mehrin kocht.)

Man kennt nicht ihre Eigenschaften, denn die würden polarisieren, würden Zielgruppen hier und Präferenzen dort bilden und nicht mehr jeden ansprechen können. Daß sie damit keinen ansprechen, kommt ihnen nicht in den Sinn.

Sie haben keinen Nutzen - oder verstecken ihn gut. Sie haben keinen USP, der machte sie einzigartig. Das wäre tödlich in ihren Augen, maximierte nur die Polarisierung, die zur Präferenz führen könnte - und schließlich dazu, daß sie etwaige, werbliche Versprechungen halten müßten, wählte man gerade sie.

Sie bilden Oligopole, innerhalb derer Marktanteile verschoben werden. Sie machen sich keine Sorgen zu versagen, ihr Markt ist garantiert, Einkommen und Pension auch. Sie müssen nicht Marktführer werden, um ausgesorgt zu haben, sollte ihnen da ihre Nicht-Wahl noch Sorgen machen?

Sorgen machen müssen sich nur die Agenturen, die Wahlforscher, denn Schuld hat später nicht der ungewählte Politiker, sondern seine Agentur, seine Kampagne, das Plakat! Und naürlich das Volk, daß ihn nicht verstanden hat.

Wie die Marken der Wirtschaft sprechen auch die Politikermarken nicht mit uns, sondern über die Medien zu uns. Sie halten Monologe und erklären uns, was wir wollen. Sie agieren nicht, sie reagieren nicht. Sie sind - und das muß uns reichen.

Sie erwarten, daß wir uns mit ihnen beschäftigen, sie fühlen keine Notwendigkeit, daß sie sich mit uns beschäftigen.

Sie sind keine Experten in ihrer Branche, sondern Menschen aus dem Volke, die zu ihrem Volke sprechen. Experten könnten Fehler machen und auch noch dafür verantwortlich sein müssen, nach einer alten Tradition, da ist es schon besser Mensch zu sein und irren zu können. Nicht unfehlbar zu sein, aber dennoch entsprechend alimentiert zu werden bis in alle Ewigkeit.


Betrachten wir - als Schmankerl - die Plakate der einzelnen Parteien zur Europawahl. Sie sind nicht mehr zu ändern, es gibt nichts zu lernen, außer, wie man es nicht macht, aber amüsant sind sie allemal.

> CDU: WIR in Europa.

Wer ist 'wir'? Alle Deutschen? Alle Parteien? Alle Mitglieder der CDU? Die CDU? Und was wollen wir in Europa?

> Grüne: Mit grünen Ideen aus der Krise: WUMS

Wums ist immer gut. Erinnert an 'Durch Deutschland muß ein Ruck gehen'! Leider ist der Rest so klein geschrieben, daß wir nicht wissen, was dieses Wums bedeutet, aber irgendwie erinnert diese Buchstabenkombination an den Namen eines kleinen Schweines. Oder irre ich mich?

> FDP: Für ein Deutschland in Europa

Nun, die FDP hat ihr Ziel schon erreicht. Glückwunsch! Deutschland ist in Europa!

> SPD: Finanzhaie würden SPD wählen

Jaja, und Dumpinglöhne würden CDU wählen, Heiße Luft würde die Linke wählen - wer aber würde und sollte die SPD wählen? Vor allem, wenn man sich so a-sozial verhält und die anderen Bewerber um Europa mit Schimpfworten belegt, gleichzeitig aber an anderer Stelle "für ein soziales Europa" wirbt.

> Rep: Raus aus dieser EU!

Auch nicht sonderlich kreativ. Raus, aber wohin? In die Schweiz?


Das also ist das, was das Volk vom Politiker alle paar Jahre einige wenige Wochen lang sieht. Platitüden, Kryptisches, Überflüssiges - und daran sollen wir uns ein Bilde machen!? Schon geschehen!

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UPDATE 26. Mai 2009, 16:54 Uhr
Nun gibt es in der Absatzwirtschaft auch eine Analyse der Plakate von der TU Chemnitz. Ich habe zwar nicht so schöne Titel (Dr. Ruth Geier, Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Professur Medienkommunikation sowie Leiterin der Sprachberatung der TU Chemnitz, und Prof. Dr. Gerd Strohmeier, Inhaber der Professur Europäische Regierungssysteme!), aber meine Analyse ist kurzweiliger.
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(Ach so, kurz für alle, das Wort 'sozial' ist nicht einfach nur ein Wort, sondern es hat auch eine Bedeutung: "Das Wort sozial (von lat. socius ‚gemeinsam, verbunden, verbündet‘) bezeichnet wechselseitige Bezüge als eine Grundbedingtheit des Zusammenlebens, insbesondere des Menschseins (der Mensch als soziales Wesen)." Wichtig ist hier vor allem das 'wechselseitige'!)

Must Read: Cory Doctorow über die Relevanz des freien Internets

Ich möchte hier nur Corys ersten (und zentralen) Satz zitieren: "If politicians want to effect economic recovery, national competitiveness, good public health and high civic engagement, they have a duty to keep the internet free and open.", den Rest müßt Ihr selbst lesen: "We must ensure ISPs don't stop the next Google getting out of the garage". Es lohnt sich.

Wie verbittert die deutsche Politik gegen das freie Internet kämpft, sieht man in der mediaclinique-Kategorie 'porNO' bzw. 'Medienpolitik'.

Ideas for CMOs in a 'Down Economy'

Beim CMO Thought Leadership Summit in New York gab es einige Take Out Sessions kleiner Gruppen.
Hier das Ergebnis einer Gruppe, die die Prioritäten für einen CMO in der 'Down Economy' generieren sollte:

Idea #01: Get out of your office
Idea #02: Shift Regional
Idea #03: Fire your PR Agency
Idea #04: Invest in Tools
Idea #05: Precision Marketing
Idea #06: Outsource
Idea #07: Rebuild Your Team
Idea #08: Own the Data
Idea #09: Make it Easier
Idea #10: Buy a Competitor

Mehr Fleisch dazu gibt es hier.

Thursday, May 14, 2009

Wenn die Politik meint, die Justiz falle ihr in den Rücken

"Nach einem Urteil des Landgerichts (LG) Hamburg ist ein Zugangsanbieter nicht verpflichtet, den Zugriff auf Seiten mit rechtswidrigem Inhalt zu sperren. ... Danach ist die Einrichtung einer DNS-Sperre für einen Provider unzumutbar, da sie nur beschränkt zur Verhinderung des Zugriffs auf die Seite geeignet und zudem leicht zu umgehen sei.", schreibt Heise.

Da muß sich der durchschnittliche Politiker doch verraten und verkauft fühlen, oder?

Was immer wieder verwundert, ist, daß er dann nicht zugeben kann, daß dieses Gericht im Recht und er selbst einer Fehleinschätzung unterlegen ist.
Manchmal würde ich mir solche Reaktion von der Politik sehr wünschen, denn nur die Politik, die Fehler machen darf und diese auch zugibt, ist eine Politik, zu der ich aufblicken kann.

Wer Angst vor Fehlern und Fehltritten hat, kann keine objektiv-vernünftigen und weisen Entscheidungen mehr treffen, da er viel zu sehr damit beschäftigt ist, Gegenargumente zu vernichten, statt sie zu prüfen, ignorant statt offen zu sein, Widerspruch im Keim zu ersticken, statt sich daran zu reiben und weiterzuentwickeln.

Die Politik sollte also froh sein, daß es unsere Justiz - und in letzter Instanz - das Bundesverfassungsgericht gibt. Vielleicht sollte sie sich schon im Vorfeld von Gesetzgebungsverfahren mit deren möglichen Argumenten beschäftigen - oder eben mit den Argumenten der Bürger dieses Landes.


Unabhängig davon, denke ich, liegt die Lösung des obigen Problemes für die Herren Schäuble, Guttenberg, etc. auf der Hand:
DNS sperren sind nur ungeeignet, weil sie sich so leicht umgehen lassen. Verbietet man nun die Umgehung gesetzlich, funktionieren auch die DNS-Sperren wieder. So einfach ist das. Hat ja schonmal funktioniert.


79465 haben bisher die ePetition gegen Netzzensur - und nicht für Kinderpornographie, wie mancher Politiker behauptet - unterzeichnet. > Just sign it! (Ua. hier steht, wie einfach das geht.)

Monday, May 11, 2009

Aller guten Dinge sind 3 - auch bei Denkfehlern!

Nur eine kurze Notiz bei Horizont.net ließ mich staunen darüber, wie Agenturen immer noch denken. Michael Enzenauers, Geschäftsführer Optimedia, Thesen aus dem Interview:

1 - "Viele, vor allem junge Mediaplaner, interessieren sich viel zu wenig für die Medien, die sie belegen"

Eine interessante These, die mit der nächsten aber schon ad Absurdum geführt wird! Was denn jetzt!?

2 - "Jüngere Mitarbeiter bevorzugen häufig das Medium, dass ihnen persönlich nahesteht. Ob das immer markenadäquat ist, bezweifele ich."

Wäre dem wirklich so, müßte Kino weitaus höhere Werbespendings aus dem großen Budgetkuchen bekommen, oder?

Wäre dem wirklich so, müßten die Internet-Spendings in den entsprechenden Zielgruppen auf dem Niveau von TV sein, oder?

Das Internet ist kein Medium im herkömmlichen Sinne, die Agenturen versuchen nur ständig, eines daraus zu machen, weil sie es sonst nicht begreifen können.

Wie markenadäquat ist es denn, TV nur wegen der Kickbacks zu belegen? Und Print aus dem gleichen Grunde über die letzten 10-20 Jahre zu vernachlässigen?

Unterstellt man, daß der jüngere Mitarbeiter, die jüngere Mitarbeiterin neugieriger, wißbegieriger, lernfähiger ist als der ältere Mitarbeiter (zB Michael Enzenauer), unterstellt man weiterhin, daß die jüngeren Mitarbeiter Digital Natives sind, also im Internet geboren und mit ihm organisch aufgewachsen, sind sie die Zukunft der Kommunikationsberatung - für das Wohl der Marken und für das Wohl der Agenturen.

Darüber sollten die 'älteren Mitarbeiter' mal nachdenken!

3 - Die Verlage müssten sicherstellen, dass die Qualität ihrer Produkte dennoch erhalten bleibt, um im Wettbewerb mit dem Internet nicht weiter an Boden zu verlieren, sagt ME.

Selbst wenn die Verlage die Qualität verzweifelt halten, werden sie untergehen. Es geht längst nicht mehr um das 'Halten' der Qualität. Es geht darum, sich neu zu erfinden. Es geht darum, zu verstehen, daß das Internet die Welt, das Leben und die Menschen fundamental verändern wird.
Es geht darum, neue Qualitäten zu entwickeln, Internet und Gedrucktes synergetisch zu verbinden, aus der Addition der Beiden mehr als die Summe ihrer Teile zu machen!

Darum geht es übrigens auch für die Agenturen - auch wenn die es immer noch nicht wahrhaben wollen!

In diesem Sinne: Get well soon!

Eine Lanze für von der Leyen und zu Guttenberg!

Eine Lanze für die einen, ein Aufruf aber an alle Beteiligten, sich politisch korrekt, staatsmännisch weise, aufklärend für die Massen und ehrlich in der Sache zu verhalten! Von Ralf Schwartz.

Kinderpornographie ist neben Vergewaltigung und Folter das verabscheuungswürdigste Verbrechen des Planeten. Insofern ist es richtig, daß Politiker dagegen kämpfen und versuchen, die Täter dingfest zu machen, zu bestrafen, daran zu hindern, rückfällig zu werden und noch mehr Unglück über die Menschen zu bringen.

Aber eben nicht mit allen Mitteln, sondern mit den geeignetsten ("c’t widerlegt Argumente für Internet-Zensur", c't), nicht mit den populistischsten ("Kinderpornosperren: Wie man eine Generation verliert - Politiker verachten die Kritiker der Netzzensur"), sondern den wirksamsten Mitteln. Vor allem aber nach dem Kantschen Kategorischen Imperativ* in Form der Selbstzweck-Formel:
"Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst."

> ANFANGEN!

Jeder aufrechte Bürger sollte diesen Kampf unterstützen, jeder Politiker sollte seinen Wahlkreis und seine Möglichkeiten in die Waagschale werfen, mit den Menschen reden, statt über ihren Kopf hinweg zu entscheiden (zB abgeordnetenwatch.de), jeder Journalist sollte gegen diese Gewalt anschreiben, sollte seine Kraft als 4. Gewalt im Staate weise einsetzen, um das tatsächliche Ziel zu erreichen ("Verbotspolitik: Peng, du bist tot!").

Jeder Turnverein, jeder Verein der Opfer und Hinterbliebenen sollte seine Mitglieder und sein Gewissen mobilisieren ("Kindesmißbrauch: Mitten am Rand"), jeder Verband sollte Best Practices aus seinen Reihen empfehlen ("IT-Branchenverband fordert massive Änderungen bei Kinderporno-Sperren").

Jeder Blogger ("Hintergrundtext: Kinderpornographie & Internet-Sperren", "Überblick zum Thema Netzsperren"), jeder Pfarrer, jeder Lehrer, jede Kindergärtnerin ...

Sie alle, wir alle, müssen, verdammt nochmal, gemeinsam gegen diese abscheulichen Verbrechen und Verbrecher vorgehen.
Gemeinsam und nicht gegeneinander. Gemeinsam, um unsere Kräfte zu bündeln, gemeinsam, um schlauer zu sein, gemeinsam, um den Kinderschändern keine Chance zu lassen, gemeinsam, ...

> AUFHÖREN!

Deshalb müssen wir alle aufhören, Polemik zu üben ("Noch mal in Ruhe, für alle Politiker"), müssen aufhören, Gegen-Propaganda zu treiben ("Ene mene muh, schwer pädokriminell bist ... Du!"), müssen aufhören, einander Ignoranz vorzuwerfen und die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen zu haben.

Warum sind nicht die Politiker, die endlich was tun, in unseren Augen die guten Politiker und warum sind in unseren Augen nicht die Bürger, die eine Petition unterzeichnen, die guten Bürger?
(Zu Guttenberg ist noch sehr jung und stark unter Druck in seinen ersten 100 Tagen, die gerade zu Ende gehen. Da muß man auch mal Fehler machen dürfen, da müssen wir auch mal Fehler verzeihen können.)

> AUFHÖREN!!!

Müssen aufhören, uns (und damit meine ich nicht uns Blogger oder uns Politiker, sondern uns alle!) gegenseitig zu verunglimpfen, aufhören, uns wie trotzige Zwölfjährige aufzuführen, müssen aufhören, uns Spitznamen (Zensursula) auszudenken, Schablonen zu malen und zu verbreiten, aufhören, uns lustig zu machen über die anderen und damit uns selbst lächerlich.

> AUF EINANDER HÖREN!

Müssen aufeinander hören, müssen miteinander sprechen, müssen aufeinander zugehen, müssen einander verstehen und einander und unsere Meinung respektieren, um Vorbilder zu sein, Beispiel zu sein für all jene, die uns folgen sollen, die uns unterstützen sollen im Kampfe!

> MITEINANDER RESSOURCEN OPTIMIEREN!

Müssen endlich mit Konsequenz zusammenarbeiten, gemeinsam aktiv und effizient und effektiv werden, gemeinsam uns auf das Wesentliche konzentrieren, die Mittel des Rechtsstaates ausschöpfen, Polizei und BKA die Ressourcen geben, die sie benötigen, den Partnerländern die relevanten Informationen geben und uns nicht nur den Anschein als wollten wir etwas bewegen.

> MITEINANDER ENERGIEN POTENZIEREN!

Wir sollten endlich handeln, statt uns zu streiten! Wir sollten froh sein, daß UvdL und Guttenbergs Frau den Kampf aufgenommen haben. Wir sollten froh sein, daß Blogger und Aktivisten ihr Wissen und ihre Entschlossenheit kundtun und sollten diese Kräfte und Energien bündeln statt eben all diese Energien und Kräft auseinanderzudividieren, zu neutralisieren gar, weil wir sie gegeneinander verschwenden.

> MITEINANDER, EDEL UND WEISE HANDELN!

Wir sollten mutig und unerschrocken miteinander reiten statt gegeneinander zu kämpfen. Wir sollten endlich weise denken und handeln, und nicht egoistisch und kurzsichtig ("Zensur hilft keinem Kind").

Wir sollten verstehen, daß es um mehr geht, denn sind wir nicht vorsichtig und chirurgisch und weitsichtig, dann geht es um unser aller Zukunft und Freiheit und Wohlstand - als Bürger und als Deutschland: "While about half the people in the world are online today via computers and mobile phones, the Internet will reach billions more in the coming decade. I expect that by using simple yet powerful models of computing such as web services, everyone will be more productive. These tools enable individuals, small groups, and small businesses to accomplish tasks that only large corporations could achieve before." (Sergey Brin, Google, in the yearly Founders’ Letter, quote by silicon valley).


* Der Kategorische Imperativ nach Kant: "Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde".
Vor allem in der Ausformung als Selbstzweckformel sollte der Politiker ihn sich zu eigen machen: "Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst."

> 69722!

Monday, May 04, 2009

Petition gegen Netzsperren!

"Es gibt jetzt die Petition "Internet - Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten" beim ePetition-System des Deutschen Bundestages. Diese kann gerne dort unterzeichnet werden", schreibt Markus Beckedahl.
mediaclinique hat sich soeben angemeldet und mitgezeichnet. Jetzt seid Ihr dran!

Hier der Text:

Text der Petition

"Wir fordern, daß der Deutsche Bundestag die Änderung des Telemediengesetzes nach dem Gesetzentwurf des Bundeskabinetts vom 22.4.09 ablehnt. Wir halten das geplante Vorgehen, Internetseiten vom BKA indizieren & von den Providern sperren zu lassen, für undurchsichtig & unkontrollierbar, da die "Sperrlisten" weder einsehbar sind noch genau festgelegt ist, nach welchen Kriterien Webseiten auf die Liste gesetzt werden. Wir sehen darin eine Gefährdung des Grundrechtes auf Informationsfreiheit."

Begründung

"Das vornehmliche Ziel – Kinder zu schützen und sowohl ihren Mißbrauch, als auch die Verbreitung von Kinderpornografie, zu verhindern stellen wir dabei absolut nicht in Frage – im Gegenteil, es ist in unser aller Interesse. Dass die im Vorhaben vorgesehenen Maßnahmen dafür denkbar ungeeignet sind, wurde an vielen Stellen offengelegt und von Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen mehrfach bestätigt. Eine Sperrung von Internetseiten hat so gut wie keinen nachweisbaren Einfluß auf die körperliche und seelische Unversehrtheit mißbrauchter Kinder."


Mehr ist es nicht. Das tut nicht weh. Also unterzeichnen und Bürger sein!
> Petition "Internet - Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten".


Wer nicht genau weiß, um was es geht: "Überblick zum Thema Netzsperren" des Datenschutz-Blogs plus weiterer Links am Ende dieses mediaclinique-Textes: "Ene mene muh, schwer pädokriminell bist ... Du!".


UPDATE 18:54 Uhr: NIcht schlecht, Freunde! Die mediaclinique hat heute mittag als ungefähr 1200soundsovielste mitgezeichnet und nun sind es soeben schon 7489 gewesen! Weiter so! Dann sollten die 50.000 kein Problem sein.
21:08 Uhr > 9773!

Die deutsche Presse und die vertane Chance

Am Sonntag war 'Tag der Pressefreiheit' und keiner hat's gemerkt. "Ohne Freiheit der Berichterstattung gibt es keine Demokratie", sagt EU-Entwicklungskommissar Louis Michel. Von Ralf Schwartz.

Googelt man heute 'Tag der Pressefreiheit', findet man
> viele Einträge, aber
> alle wiederholen nur den UN- oder 'Reporter ohne Grenzen' Bericht
(tagesschau.de: "EU und UNO beklagen Gewalt gegen Journalisten")
(fr-online: "Angriffe auf Journalisten 'schockierend'",

> niemand kümmert sich wirklich um Deutschland,
> keiner mag wirklich ernsthaft über das Internet und die Zensurbemühungen der demokratischen Regierung (oder ist es nur noch eine marktwirtschaftliche) in Berlin nachdenken,

> die etablierten Medien halten sich brutal zurück
(Ausnahme spiegelonline: "Auch Deutschland und USA am Pranger")

> die meisten Einträge sind aus den Vorjahren, was einerseits nicht verwundert
(medienlese: "Kein Grund zum Feiern"),
andererseits aber doch
(süddeutsche 2007: "Tödliche Wahrheiten")
(süddeutsche 2008: "Kein Grund zum Jubeln")
(Selbst in meinen RSS-Feeds findet sich nichts Aktuelleres!)
(Bundesverband deutscher Zeitungsverleger(!) 2005: "Internationaler Tag der Pressefreiheit").

Der Bayerische Journalistenverband

Aber 'internationaler' Tag der Pressefreiheit bedeutet wohl einfach 'nicht bei uns'. Über den Irak kann man sich aufregen und den Iran, und trefflich diskutieren über die Pressefreiheit anderswo, wie der Bayerische Journalistenverband es tat am gestrigen Tage: "Pressefreiheit im Nahen Osten - Realität oder Fiktion".

Hier übrigens der Ablauf der Veranstaltung:
"14:30 Uhr Beginn/Begrüßung
15:30 - 16:00 Uhr Kaffepause ...
16:00 Uhr Podium: „Pressefreiheit in Nahost“ ...
18:00 Uhr Stehempfang - Imbiss und Getränke ...
20:00 Uhr Ende der Veranstaltung"
Ich darf den Ablauf übersetzen: Von 5,5 Stunden Dauer gehen ca. 3 Stunden für Beginn,  Kaffeepause und Stehempfang drauf.
Aber hier geht es ja auch um Social Networking und Würstchen im Gedenken an die Pressefreiheit im Nahen Osten.

Die Journalistenakademie

Auch die Journalistenakademie, die über sich selbst sagt: "Online-Journalismus und praktischer Journalismus sind Schwerpunkte der Journalistenakademie", lud ein zum obigen Tanztee um das rostende Kalb Pressefreiheit.

Dabei dachte man, wenigstens in den jungen Journalisten brennt noch das Feuer der Freiheit ...

Der Presserat

Auch der Presserat kann sich zu solch profanen Themen wie Pressefreiheit nicht äußern, liegen ihm doch andere Themen mehr am Herzen:

"Pressemitteilungen

* 20.03.09
Presserat, Verleger- und Journalistenverbände warnen vor Titelsterben durch Datenschutznovelle
Gesetzentwurf verhindert die Gewinnung neuer Leser – nicht aber den beklagten Datenmissbrauch

* 06.03.09
Das Thema Transsexualität erfordert Respekt und Sorgfalt
Beschwerden über Berichte zum Dschungel-Camp

* 06.03.09
Gebrauchsanweisung für illegale Software
Presserat spricht insgesamt sechs Rügen aus

Aktuelles

* 25.03.09
Winnenden - und die ethischen Grenzen
Dem Deutschen Presserat liegen aktuell mehr als 60 Beschwerden von Lesern zu der Berichterstattung über Winnenden vor."


Schade, daß dem Presserat zum Thema so gar nichts einfällt, sind seine Aufgaben doch unter anderem:
"- Entwicklungen entgegenzutreten, die die freie Information und Meinungsbildung des Bürgers gefährden könnten"
"- für den unbehinderten Zugang zu Nachrichtenquellen einzutreten"

Aber vielleicht gibt es gar keine 'Entwicklungen, die die freie Information und Meinungsbildung des Bürgers gefährden könnten' und es lohnt sich gar nicht, 'für den unbehinderten Zugang zu Nachrichtenquellen einzutreten'.

Da sollten die Beteiligten vielleicht nochmal in sich gehen ... diesen Artikel von oben beginnen zu lesen ... sich den "Überblick zum Thema Netzsperren" im Datenschutz-Blog zu Gemüte führen, um zu verstehen, wo heute die Pressefreiheit zu erodieren beginnt.

Saturday, April 18, 2009

Pattie Maes & Pranav Mistry zeigen die Zukunft des Persönlichen Digitalen Assistenten

Das muß man selbst gesehen haben. Ein Mini-Beamer, eine Kamera, ein remotes System und überragende Intelligenz zeigen die Zukunft, wie ich sie mir morgen schon umhängen möchte.

Und weil man es selbst gesehen haben muß, möchte ich gar nicht so viele Worte verlieren, sondern nur einen Screenshot zeigen und dann sofort an das TED-

TedSixthSense
Video übergeben! Pattie Maes & Pranav Mistry:


Image und Video courtesy TED.

Thursday, April 09, 2009

Die Selbstlosigkeit des Veranstalters

Genervt und fast trotzig ob der Diskussionen und Kritik zur re:publica rufen einige (sprechblase, ethority, netzpolitik, spreeblick siehe unten!) dazu auf, doch endlich selbst mitzumachen, nicht nur zu kritisieren, sondern pro bono mit anzufassen und es besser zu machen, man selbst mache dies schließlich auch alles umsonst und aus Engagement für die Sache.

Wir wollen hier nicht zynisch klingen, aber die Veranstalter machen dies nicht umsonst! Sie gelten dafür als Initiatoren eines Kongresses, als Wegbereiter einer Bewegung - und sei es auch nur in Deutschland -, als Gate Keeper und Ansprechpartner für Medien und Industrie. Sie ernten Ruhm und Ehre, die sich in der Folge ohne Probleme in klingende Münze verwandeln.

Zynisch sind eher die Veranstalter selbst, die zum pro bono Mitmachen aufrufen! Durch ihr Engagement verbindet sich ihr Name mit dem Kongress, der Veranstaltung, etc. Keiner der vielen Helfer wird es je schaffen, auch nur annähernd so von seiner ehrenamtlichen Arbeit zu profitieren wie der selbstlose Initiator.

Dies sei dem Veranstalter gegönnt, ohne Zweifel. Er sollte sich jedoch nicht als selbstlos darstellen und die anderen auffordern, es ihm gleichzutun. Er hat einen uneinholbaren Vorsprung (auch der sei ihm gegönnt, schließlich resultiert dieser aus seiner hervorragenden Leistung), den muß er allerdings auch als die Hürde akzeptieren, die den ein oder anderen davon abhält, sich so zu engagieren, wie der Veranstalter es sich wünscht und von sich selbst kennt.

Danke, liebe Veranstalter, für Euer Verständnis!


UPDATE 19:52 Uhr:

Sowenig Johnny sich (in den Kommentaren) erklären kann, wie er in obige Reihe rutschen konnte, sowenig kann ich es. Sorry, Johnny.

Sein Text kam am positivsten, neutralsten, unaufgeregtesten bei mir an. Tatsächlich wollte ich ihn zum Schluß nochmal den anderen als Beispiel empfehlen, wie man eine Zusammenfassung auch angehen kann.

Mein übereilter (was keine Entschuldigung sein soll) Aufbruch heute morgen hat nicht nur das verhindert, sondern ich ließ ihn auch versehentlich in obiger Reihe zurück, in die er überhaupt nicht gehört, sondern nur kurz geparkt war.

Man muß lernen mit Kritik zu leben, wer die Hitze nicht aushält, sollte aus der Küche rausbleiben. Dies habe ich ein wenig bei den obigen 3 vermißt. Johnny hat das für mich sehr souverän gelöst.

(Womit bitte auch klar sein soll, daß ich Johnny nicht unter 'Veranstalter' subsumiert habe. 'Veranstalter' richtet sich nicht an die Veranstalter der re:publica im Speziellen, sondern an die 'Veranstalter' im Allgemeinen. Danke.)

UPDATE 14. April, 17:11 Uhr:

Sollte sich jemand aufregen, daß netzpolitik hier genannt wird, netzpolitik habe ich auch hier ("Selbstversuch: Mediale Entgiftung in 7 Tagen") genannt:
"Es ist erschreckend, wie weit der sogenannte Qualitätsjournalismus hinter engagierte Blogger zurückgefallen ist. Nur heise.de kann so gerade noch mit lawblog, netzpolitik, duckhome, spiegelfechter, weissgarnix, fixmbr mithalten. Auf diese würde ich nicht verzichten wollen. Hier bekomme ich die ehrliche, ungeschminkte Meinung, die ich brauche, mich zu entwickeln, mich zu reiben, zu lernen. Hier bekomme ich die Hintergründe, hier bekomme ich die zweite Seite, die mir sonst zu 100% fehlt."

Monday, March 23, 2009

Demokratie oder Weißbrot?

"Das Internet ist die größte Erfindung seit der Demokratie", so Amir Kassaei in der w&v. Dabei dachte ich, Kassaei selbst sei die größte Erfindung seit der Demokratie.
Amir weiter: "Denn im Internet fliegst du ziemlich schnell auf, die alten Mechanismen funktionieren nicht mehr, weil alles in Echtzeit passiert."

Amir, das gilt nicht nur für das Internet, sondern vor allem für die reale Welt da draussen: In der Realität "fliegst du ziemlich schnell auf, die alten Mechanismen funktionieren nicht mehr, weil alles in Echtzeit passiert."

In diesem Sinne, liebe Branche: Get well soon!

Monday, March 16, 2009

Ist der CMO nur Schatten seines CEO?

Der CMO Club, der Club also der Chief Marketing Officers, hat eine Umfrage unter seinen Mitglieder-CMOs durchgeführt, um zu lernen, welches Personal Coaching Thema die meiste Relevanz, den höchsten Wert für die CMOs hat.

Die Antworten sind eine kleine Armutserklärung der CMOs und belegen, wie wenig selbständig und unabhängig sie von ihrem CEO agieren (können/wollen):

Pete Krainik, der Gründer des CMO Club, fragte: "As a CMO which area of Personal Coaching would be of most value to you?".

1) Over 32% responded with “Building Credibility with my CEO”.
Klare Antwort, klare Ansage. Ein Drittel möchte gecoacht werden, wie sie es schaffen, das Vertrauen ihres CEO zu gewinnen.

2) Almost 29% said “Career Coaching”.
"I suggest a large part of career coaching is linked to building credibility with your CEO", Pete Krainik interprets the answers.

3) 21.4% noted “ROI/Financial Management”
"I would also suggest that personal coaching on ROI and Financial Management will build credibility with your CEO.", Pete Krainik interprets the answers.

4) 10.7% responded with “Talent Development” as most valuable to them.
"One CMO noted, “It is clearly a top priority for me but right now my lifeline to success is my CEO so I need to stay on top of this and do everything I can to build credibility with him”.

5) 7.1% selected Contract Negotiation as most valuable to them.
"During more aggressive growth times I think this area would be of higher value" comments Pete this low figure.

Zusammenfassend interessiert sich der Marketer also äußerst stark für sein Verhältnis zu seinem CEO. Könnten sie ein Personal Coaching erhalten, würde sich dieses zu mehr als 90% mit der Verbesserung des Verhältnisses zum CEO beschäftigen!

Meiner Meinung nach sollten vor allem die CEOs daraus lernen und selbstbewußtere CMOs einstellen, CMOs, die die Marke und ihren Erfolg in den Mittelpunkt ihres Handelns stellen - nicht ihren persönlichen Erfolg dem der Marke vorziehen.
CEOs sollten CMOs einstellen, die wissen, wie man seinen CEO für sich gewinnt: indem man sich auf das Wesentliche konzentriert und eine langfristig erfolgreiche Markenpersönlichkeit schafft, die Werte schöpft und die Menschen inspiriert.
CEOs sollten CMOs einstellen, die ihren CEOs auch mal widersprechen und sich damit deren Respekt und Hochachtung verdienen.

CMOs dagegen sollten lieber ihre Marke besser verstehen lernen und durch visionäres und strategisches Denken dem Markt, Wettbewerb und Konsumenten voraus sein.
Genau dann müssen sie sich auch keine Sorgen um ihr Standing im Unternehmen machen.

Sie sollten beweisen, daß sie unersetzlich sind und sich anschließend entbehrlich machen, indem sie Kulturen und Strukturen schaffen, die ihnen erlauben, ihrer persönlichen Vision in die nächste Herausforderung zu folgen.

Ein CMO, der es nahezu ausschließlich darauf anlegt, seinem CEO zu gefallen, wird nie eine erfolgreiche Marke aufbauen, geschweige selbst ein erfolgreicher CEO werden. Daran sollte man immer denken.

 

Friday, March 13, 2009

May the Internet be with You!

Heute wird das Internet 20 Jahre alt. Wir gratulieren und wünschen auch für die Zukunft die erdenklich größte Freiheit in Inhalt, Geschwindigkeit und kostenloser Verfügbarkeit.

Gratulieren wollen wir hiermit auch Tim Berners-Lee, dem 'Erfinder' des Internet. Thanks, Tim.

Das Netz hat den Menschen eine nie gekannte Unabhängigkeit, Individualität und auch Ungeduld (im besten Sinne) beschert. Das zerstört zwar manches Geschäfts- und Politikmodell, das auf Intransparenz baut, klar, aber das ist auch gut so.

Das Internet unterstützt die wichtigste Ressource der Neuzeit: Access. Alle Menschen haben plötzlich Zugang zu Universitäten, Produktbeurteilungen, dem Long Tail, Nachrichten aus aller Welt, Menschen aus aller Welt.

Das Netz hat die Menschen näher zu einander gebracht - über Kontinente hinweg. Flickr zeigt uns die Bilder, Lebenswelten und Interessen der Menschen. Google Earth zeigt uns ihre Häuser, Strassen und Lebensumwelten. Facebook zeigt uns ihre Hobbies, Vorlieben und Freunde. Twitter zeigt uns ihre Gedanken in Echtzeit. Last.FM zeigt uns ihre Musik und Bands. YouTube zeigt uns worüber sie lachen, weinen, grübeln. Friendfeed zeigt uns ihr gesamtes Leben als Stream. Wikipedia zeigt uns das Wissen der Menschen dieser Welt.
World of Warcraft läßt uns in fremde Welten eintauchen, wenn wir die reale nicht mehr verstehen, weil Politiker, Eltern und Lehrer uns nicht mehr verstehen, wenn wir Medikamente nehmen müssen, weil unsere Eltern keine Zeit für uns haben und die Pharmaindustrie sich an uns dumm und dämlich verdienen möchte.

Wir sollten bedenken, daß trotz der umfassenden Repression, die Reporter ohne Grenzen gestern zum Welttag gegen Internetzensur anprangerte, das Internet das freieste und vielfältigste Medium der Welt ist.
Hier haben weder die Parteien - wie bei ZDF und ARD - Einfluß auf die Journalisten, noch Werbungtreibende - wie bei fast allen Medien, die Werbung schalten - Einfluß auf die Redaktion.

Die Gegner des freien Internet gönnen uns unsere Selbstbestimmung nicht, trauen uns unsere Selbständigkeit nicht zu, weil sie auch nicht mehr selbstbestimmt sind. Sie selbst können nicht mehr zwischen Gut und Böse unterscheiden, sie selbst brauchen Regeln statt ihren Gesunden Menschenverstand. Sie denken, wir wären genauso verschroben wie sie. Sie denken, sie müßten uns vor uns selbst retten - dabei müssen sie uns vor ihnen selbst retten.

Wir sind weder Amokläufer noch potentielle Gefährder, wir sind keine Kinderpornoproduzenten oder -genießer. Wir haben einfach nur Fragen an das Leben, die uns keiner mehr beantworten will, weil es einfacher scheint, sich hinter Tabus zu verstecken, statt gemeinsam die Welt zu verstehen, ihren Wandel zu antizipieren und das Beste - nicht das Allerschlechteste - daraus zu machen.

Wären doch nur alle so frei wie das Internet. Würden doch nur alle so gut zuhören, würden doch nur alle soviele Antworten kennen wie das Internet. Würden doch nur alle erlauben, eine eigenständige Persönlichkeit zu werden durch Trial and Error wie das Internet. Würden doch nur alle uns Entwicklung und Wachstum erlauben in unserer individuellen Geschwindigkeit wie das Internet. Die Welt wäre ein noch besserer Platz. Für uns alle. Danke.

Listen a little bit to Tim now:

Thursday, March 12, 2009

Die Zukunft des medialen Geschäfts

Fischmarkt schreibt: "Das Fachblatt Horizont hat die Chefs der deutschen Mediaagenturen zu ihren Prognosen für 2009 und ihren Investitionsplänen befragt. Die Erwartungen sind erwartungsgemäß düster, aber spannend ist, wo die Mediaspezialisten die Zukunft ihres Geschäfts sehen."

> "Die Zukunft der Werbung ist überwiegend digital".

Da mußte ich natürlich einen Kommentar zu abgeben:

"Spannend ist vor allem, daß alle noch in den traditionellen Dimensionen denken. Media, Werbung, Zielgruppenansprache, Targeting als Streuverlust-Minimierung.

Keiner aber darüber nachdenkt, die Werbung zu transzendieren, den Monolog durch den Dialog abzulösen, die Konsumenten in den Innovations-Prozess mit einzubeziehen, Produkte durch Nutzen, Marketing durch Service und die Marke durch Werte zu vervollkommnen, vielleicht gar zu ersetzen.

Die Konsumenten sind den organisierten Agenturen immer noch weit weit voraus.
Die bestehende Agentur-Denke kann die kommunikativen Probleme der Zukunft nicht mehr lösen."

Monday, March 09, 2009

Eric Schmidt 1 Hour Interview

Charlie Rose hat Googles Eric Schmidt interviewt. Via TechCrunch gibt es Video und Transkript:
"The wide-ranging interview touches upon everything from Google’s origins and how it fell upon its advertising business model by accident to how search and other technologies will change society over the next twenty years."

Sunday, March 01, 2009

Fast Company: World's Most Innovative Companies

Fast Company hat gewählt. Hier die Ergebnisse: "The Fast Company 50". Mit Q-Cells ist eine einzige Company aus dem 'Land der Ideen' dabei!

FCmostinnovative09
Image courtesy Fast Company.

Saturday, February 21, 2009

Der Spagat von Denken und Handeln

Zwei Artikel aus den letzten Tagen zeigen, wie weit Denken und Handeln in Agenturen und Medien auseinandergehen. Von Ralf Schwartz.

1 - "Deutsche Media-Agenturen fühlen sich schlecht vergütet "

Deutsche Agenturen haben seit ihrer 'Erfindung' durch Kai Hiemstra 1972 dafür gesorgt, daß ihr Ausgangshonorar von '15% abzgl. Kreativagentur' (da mußte man kämpfen, aber schließlich fielen bei der K-Agentur die entsprechenden Leistungen und somit Honorare ja weg) einerseits gegen Null auf der Kundenrechnung ging, und andererseits direkt vom Medium bezahlt wurde.
Dies haben nicht zuletzt die Aktivitäten der Wettbewerbshüter an den Tag gebracht.

Wenn sie sich also schlecht vergütet fühlen, dann liegt das ausschließlich daran, daß sie sich 35 Jahre lang schlecht verkauften.

'Schlecht verkauften' meint vor allem die Tatsache, daß sie nie Trendsetter, sondern eher Bewahrer des Status Quo (ie. ihrer Revenue Streams) waren (und es immer noch sind). Also vordergründig das verkauften, was ihnen kurzfristig am meisten Geld brachte, langfristig aber jeder Erfolgsgrundlage entbehrte.
Die Schlaueren investierten zumindest feigenblatt-artig in Forschung, Online-Bereiche und Strategie, unterstützten diese Bereiche aber nie wirklich mit Kompetenz und Budget.

Warum? Na, weil ein Pitch nicht anhand obiger Kriterien vom Kunden entschieden wurde, sondern nur auf Basis möglicher Rabatte bei den Medien. Das nennen die einen Effizienz, die anderen RoI-Denke - und der Kunde kauft ihnen allen dies im wahrsten Sinne des Wortes ab.

Hat man dann als Agentur dem Kunden erstmal 50% Rabatt versprochen, legt man gerne auch noch sein letztes Prozentchen Honorar obendrauf und nimmt den Etat mit nach Hause.

Deutsche Agenturen fühlen sich zu Unrecht und leider aus eigener Dummheit (und dann doch wieder zurecht, oder?) schlecht vergütet.

2 - "El-Cartel-Chef Kühl warnt vor Öffnung der Brutto-Netto-Schere"

Die Brutto-Netto-Schere bedeutet ganz platt den Unterschied zwischen im Tarif ausgewiesenen (brutto) und bezahlten (rabattierten) Preisen (netto).

Eben weil die Agenturen ihre Marktmacht ständig erweiterten, nicht auf Qualität, sondern Quantität setzten, die Sender fleissig mitmachten und die Agenturen belohnten, je mehr Kunden(gelder) sie ihnen brachten, öffneten sie selbst diese Brutto-Netto-Schere bis zum Extrem (wer übrigens die obigen 50% nicht glaubt, kann sich gerne bei Wikipedia oder der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (pdf) überzeugen), um sich damit einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Sender und Agenturen also haben sich durch kurzfristiges Denken und Handeln in ihre jeweilige Situation manövriert und können nun nicht zurück.

Es sei, sie würden einen Paradigmen-Wechsel wagen - der sowieso dringend nötig wäre:

1 - Agenturen werden nach Effektivität und nicht mehr Effizienz ihrer Kampagnen bezahlt - denn Effizienz ist ein Potjemkinsches Dorf.

2 - Sender werden nach initiierten Produktverkäufen und nicht mehr nach eingekauften Sekunden oder wahrscheinlich erreichten Augäpfeln bezahlt.

3 - Die Markenverantwortlichen beim Kunden sind die Wegbereiter und nicht die Störer dieses Paradigmen-Wechsels.

In diesem Sinne: Get well soon!

Wednesday, February 11, 2009

Die Media-Strategen von Morgen!?

Weichgespült und politisch-korrekt. Die 'Unternehmensberater-ich-red-Dir-nach-dem-Mund-Typen' sind in den Agenturen angekommen. Ohne Ecken und Kanten. Selten habe ich eine so aalglatte PR-Kampagne für Agenturen gesehen. Von Ralf Schwartz.

"Fünf junge Mediaplaner sprechen im W&V Media-Round-Table über Karrierechancen, ihre Einschätzungen zu wichtigen Trends im Media-Business und Herausforderungen für die Youngsters der Branche."
Quelle: w&v, "Die Media-Strategen von morgen".

Das muß man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen, was hier gleich gesagt wird. Manchmal hat man den Eindruck, sie sind brain-washed, manchmal denkt man einfach nur, wie furchtbar naiv ist das, unreflektiert alles nachzuplappern, was einem indoktriniert wurde.

Aber dann wieder muß man anerkennen, daß die fünf ja nur in diesem Round-Table sitzen dürfen, weil sie so sind, wie sie sind. Aus Agentursicht das Beste, was die Agentur zu bieten hat.
Ist das jetzt gut oder schlecht? Man bilde sich selbst eine Meinung:

Das Warmlaufen

Mediacom01: "Am nächsten Tag saß ich im Flieger und stellte mich in Düsseldorf erneut vor. Auch hier haben mir die Leute sehr imponiert, das waren einfach Macher. Das finde ich auch heute noch toll. Es wird nicht groß herumgeredet, es wird gemacht. Mein BWL-Studium hilft mir, denn Kunden danken immer mehr eine ganzheitliche Betrachtungsweise, die Media als Teil der Wertschöpfungskette begreift."

Mediaplus: "Ich muss gerade schmunzeln, weil Arvid meinte, er sei durch Zufall zu seiner Berufswahl gekommen."

Sind Mediaplaner Erbsenzähler?

Mediacom01: "Wichtig ist es, den Blick fürs Wesentliche zu haben. Zu verstehen, wie die Menschen da draußen ticken, interessiert durch die Gegend zu laufen und sich selbst Fragen zu stellen. Etwa: Wieso läuft es plötzlich so gut bei Unternehmen XY, die haben doch nie für einen Cent Werbung gemacht. Solche Fragen finden nicht nur BWLer spannend. "

ZenithMedia: "Man ist ein generalisierter Spezialist und lernt, flexibel zu bleiben."

Mediaplus: "Es ist ein lebenslanges Lernen. Es gibt immer wieder neue Medien, jeden Tag muss man sich mit neuen Ideen auseinander setzen."

Identifikation mit dem zu betreuenden Produkt

Mediacom01: "Ich sauge das Produkt immer gleich in mich auf. Ich rede, wenn es um das Produkt geht, auch immer von "wir", auch wenn ich es natürlich gar nicht bin, der die Produkte entwirft. Die Identifikation mit dem Produkt und dem Unternehmen ist existenziell, damit man mit offenen Augen durchs Leben geht und sich überlegt, wie dieses Produkt im Supermarkt, an der Tankstelle oder in der Bank richtig funktioniert und eben nicht nur im klinischen Raum vor dem Computerbildschirm."

Mediacom02: "Für mich gibt es mit Blick auf Kreativ- und Media-Agenturen kein Entweder-Oder. Zusammen funktioniert es am besten, aber oft wird das leider nicht so gesehen. Als Media-Agentur kommt man erst im zweiten Schritt mit in diesen Prozess, und das ist etwas, was man aufbrechen sollte. Hier müssen sich auch die Kunden umstellen."

Mediacom01: "Ich glaube, dass die Kunden erkennen, dass hybride Marketingmodelle die Modelle der Zukunft sein werden und ich glaube, dass wir auf Fragen, die abseits von Media gestellt werden, eine echte Antwort haben - und die findet auch mehr und mehr Gehör."

Gedanken zur Karriere

Mediacom02: "Ich bin niemand, der strategisch an seine Karriereplanung geht. Fünf- oder Zehnjahrespläne, wie es Karriereberater vorschlagen, das habe ich nicht. Ich glaube, man wächst mit seinen Aufgaben."

Mediaplus: "Mir ist es wichtig, dass ich mich in meiner Position weiterentwickeln kann, dass Veränderungen möglich sind und sich Perspektiven erkennen lassen, die mein Interesse wecken und mich fordern. Der Rest kommt dann von ganz alleine."

Media-Branchen-Events

Mediacom02: "Man muss jetzt nicht auf jeder Party gewesen sein ..."

Zenithmedia: "Das Schöne ist ja, dass wir quasi eine Kontrollinstanz sind - zumindest bei zählbaren Medien. Da kann der Vermarkter noch so nett sein - wir werden dem Kunden trotzdem das leistungsstärkere Medium empfehlen."

Die Krise und die Zukunft

Mediacom01: "2009 wird sicher ein kompliziertes Jahr, in dem wir jede Maßnahme mehr als zuvor auf den Prüfstand stellen müssen. Aber das sind wir gewohnt. Gerade die klassischen Kanäle können mittlerweile gut beweisen, was sie dem Kunden wirklich bringen und was nicht. ... Denn 2009 wird in den Unternehmen intern noch mehr als zuvor zu beweisen sein, warum und in welche Töpfe das Marketingbudget wandern soll."

ZenithMedia: "Die Zählbarkeit der Medien wird 2009 deutlich mehr im Vordergrund stehen."

Mediaplus: "Ich glaube, dass der richtige Media-mix nach wie vor entscheidend für den Erfolg von Produkten sein wird und nicht ein einziges Medium die Vorherrschaft übernimmt. Aber vor allem sind in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Agenturen gefordert, sich klar zu positionieren, innovativ zu denken und den Mut zu besitzen, auch neue Wege zu gehen."


Time Out! Ich kann nicht mehr. Obwohl ich natürlich stundenlang zuhören könnte.
Hier noch zwei abschließende Highlights zu 'Welche Werbung ist Euch zuletzt aufgefallen?':

Mediaplus: "Ich finde es immer wieder spannend, wie Werbung mich beeinflusst. Die letzte Herbst/Winter-Kampagne von H+M war so ein Fall. Ich ging morgens Laufen, auf dem Weg entdeckte ich ein Plakat mit Abbildungen der neuen Kleider. Ich kam heim, checkte meine E-Mails und ein Banner, erinnerte mich erneut an die eingetroffene Ware. Leider noch zum falschen Zeitpunkt, da die Arbeit rief und ich meine Gedanken ans Shopping erst einmal vergessen musste. Aber dann, abends beim öffnen meines Briefkastens, wurde ich wieder aktiviert - der Printkatalog war da! Das führte letztlich noch am selben Abend zu einer großen Bestellung im Online-Shop. Einfach fantastisch, wie mich diese Kampagne crossmedial den ganzen Tag begleitet hat."

Mediacom02: "Ich bin auch ein Typ, der alles mitmacht. Ich bin Newsletter-Junkie und mich reizt daran mehr als nur der Newsletter. Die einzelnen Komponenten und wie Kampagnen dahinter tatsächlich aufgebaut sind - das ist faszinierend. Ich finde es toll, alle Schritte durchzugehen, ich gehe anschließend auf die Web-Seiten und klicke auch auf Banner. Für mich wäre es ein Unding, das nicht zu tun! Ich habe mir jetzt auch die Lufthansa Mobile Card auf das Handy geladen, weil ich das total irre finde. Ich bin begeistert wie ein Kleinkind und versuche oft, den direkten persönlichen Bezug zu den Medien herzustellen, aus beruflichem wie auch privatem Interesse."


Mir ist schlecht! Die sind einfach zu gut, um wahr zu sein. Ich liebe sie. Ich kann nicht anders. Ich will sie alle als meine Schwiegertöchter und -söhne. Ich will sie adoptieren, die kleinen Racker.
Oder doch lieber weiter adaptieren?

Interessieren würde mich, ob diese Weichspülpackung nach hinten losgeht und die Protagonisten nun in ihren Agenturen gehaßt werden!?
Oder ob sie die neuen Stars der Branche werden können, die schon jetzt (zumindest bei den w&v-Namen des Monats) in einem Atemzug mit Aleksander Ruzicka, Volker Hoff, Roland und Thomas Koch in einem Atemzug genannt werden!?

Tuesday, February 10, 2009

Jeff Jarvis: What would Google do?

Das neue Buch von Jeff Jarvis ist draussen: 'What would Google do?'.
Und wie die Zeiten nunmal sind, kommt er selbst mit einer ppt-Zusammenfassung auf buzzmachine heraus:


> Original-Post buzzmachine, Jeff Jarvis.

Medienwandel eilt Medienmanagern voraus

Nun ist es also soweit. Die nächste große Agentur hat gemerkt, daß es wenig Sinn macht, 'Klassiker' an die Spitze der Zukunft zu setzen - und die Konsequenz gezogen. Von Ralf Schwartz.

Gestern berichtete die w&v "Jochen Karrer und Publicis trennen sich". Wir wollen nicht über Jochen oder Publicis richten, sondern nur am Exempel zeigen, was falsch geplant wurde und also nicht gelingen konnte.

Die w&v Meldung in Auszügen, ua. zur Erinnerung:
"Jochen Karrer, CEO von P//MOD und Mitglied des C4 Management Boards von Publicis Deutschland, verlässt mit sofortiger Wirkung Publicis Deutschland. Hierauf einigten sich Karrer und das Management der Agenturgruppe, wie Publicis am Montag mitgeteilt hat. Die Position im Management Board wird nicht nachbesetzt, aus C4 wird C3.
...
Karrer war von 2002 bis 2008 CEO der in Düsseldorf ansässigen Agentur BMZ, aus der vor einem Jahr die Multichannelagentur P//MOD hervorgegangen war. Sie sollte sämtliche Digitalkompetenzen des Publicis-Networks in ganz Deutschland bündeln.
...
Mit der Personalie Karrer findet eine Kurskorrektur statt: Publicis trennt fortan digitales- und Offline-Geschäft.
...
Der Start von P//Mod war unglücklich, bis heute ist es der Marke nicht gelungen, sich entscheidend im Markt zu positionieren. Gerade von Jochen Karrer hatte sich das Publicis-Management wohl mehr erwartet - an Impulsen und Neugeschäft. In der Kritik stand u.a. das überdimensionierte Führungsteam der Agentur, das aus sechs Leuten bestand."

Nun wird also zurückgedreht, was schon damals falsch war.

Zur Idee, einen klassischen Werbeagentur-Geschäftsführer als Kopf einer Digital/Analog-Einheit zu besetzen, schrieben wir am 14. Juli 2008 (also nicht vor 1 Jahr, wie die w&v meint) wörtlich diesen Kommentar, der keiner weiteren Erläuterung bedarf:

14. Juli 2008 - "Neue Visitenkarten bei Publicis"

"Ist das der Grund für den großen, digitalen Vorsprung der USA und UKs? Daß dort der strategischste Digital-Vordenker der CEO einer (digitalen) Neugründung wird, während man hier 'neue' Kompetenzen unter dem CEO der Klassik-Agentur zusammenfaßt? Von Ralf Schwartz.

Mit P//MOD launcht ein weiteres Network (Publicis) eine digitale Brand, um damit sein Revier zu markieren.
Schade, daß man dann nicht einen hungrigen, digital-nativen Leitwolf an die Spitze des Löwen-Networks setzt, der sich zudem noch in diesem Revier wirklich auskennt.

Es ist doch wenig sinnvoll, in diesen Zeiten mit genau den Unternehmensspitzen und Mind Sets zu agieren, die den Markt auch bisher von seiner notwendigen Entwicklung abgehalten haben.

Die Denkweise der Agentur klassischer Prägung ist längst am Ende ihrer Möglichkeiten, ihre Ideen und Kompetenzen sind aus dem alten Jahrtausend, ihre Protagonisten hecheln nur noch einer Entwicklung hinterher, die sie weder verstehen noch aufhalten können.

Es reicht nicht mehr, schon lange nicht mehr, neue Visitenkarten zu drucken und die GFs nun Chief Strategy Officer und Chief Networking Officer zu nennen!

Es ist vollkommen kontraproduktiv, einen COO und daneben einen COO Interactive zu installieren.
In Zukunft - also eigentlich seit gestern - müssen die Strategien, Kampagnen und Empfehlungen aus einem einzigen Hirn kommen, ganzheitlich gedacht, holistisch umgesetzt sein.
Es kann nicht sein, daß wir seit Jahren predigen, linkes und rechtes Hirn gleichberechtigt zu nutzen, die Agenturbosse dann aber zwei Gehirne installieren! Denn zwei Gehirne werden für zwei Strukturen sorgen - ob sie wollen oder nicht!

Es wird Zeit, ein neues Denken auch in den deutschen Ablegern internationaler Networks zuzulassen und den Fortschritt nicht zwei weitere Jahre aufzuhalten.

Es wird Zeit, daß die Agenturchefs ihre eigenen Kompetenzen realistischer einschätzen und der Zukunft ihrer Agentur nicht länger im Wege stehen.
(Das heißt ja nicht, daß sie gehen müssen - sie müssen sich nur entwickeln und realisieren, was da draussen in der Welt wirklich gefragt ist und dies dann umsetzen. Das ist kein Hexenwerk.)

Hoffen wir also für die Publicis - und alle anderen Agenturen und Networks, die in ähnlichen (vermeintlichen) Restrukturierungsprozessen stecken -, daß man schneller als in der Vergangenheit erkennt, was Umstrukturierung oder nur neues Labelling ist, was erfolgreich ist und was nicht.

Wie heißt es so schön: Es macht keinen Sinn, gegen die Fahrtrichtung zu laufen, wenn der Zug in die falsche Richtung fährt. In diesem Sinne."


Daran hat sich bis heute nichts geändert. Heute ist es sogar wahrer als gestern!

Sunday, February 08, 2009

Marketing in der Krise! Marketing in der Krise?

Gute Nachrichten hält die neue BBDO Consulting Studie bereit, wie die Absatzwirtschaft berichtet. Allerdings auch besorgniserregende (und der Titel ist irgendwie zweideutig).

BBDOConsulting
Image courtesy BBDO Consulting, Studien-Download als pdf.

Um die Ergebnisse dieser Studie zu erhalten, hätte man nicht unbedingt 300 Marketingentscheider befragen müssen, vieles hätte man sich selbst denken können. Aber so hat man wenigstens Gewißheit. Und Gewißheit ist wichtig in diesen unsicheren Zeiten!

... wie zB bei Ergebnis 2:
"Kostendruck größte Herausforderung in 2009 – Mit Abstand die größte Bedrohung ist aus Sicht der Entscheider der steigende Kostendruck."
... oder Ergebnis 5:
"Marketingeffektivität und –effizienz auf dem Prüfstand – der für 2009 erwartete steigende Kostendruck zwingt die Unternehmen den optimalen Einsatz des Marketingbudgets zu überprüfen."
Das tut er zwar schon immer, es passiert nur (zu) wenig.
... ebenso wie Ergebnis 6:
"Unternehmen rücken stärker an die Kunden – Verbesserung der Kundenbeziehung wichtigste Maßnahme in 2009" und Ergebnis 7: "Stärkere Interaktion mit dem Kunden als ein Weg aus der Krise – Mehrheit der Befragten hält die Verbesserung des Kundendialogs für die wichtigste, kurzfristig relevante Maßnahme."
... und natürlich Ergebnis 8:
"Shift des Werbebudgets zu interaktiven und kundennahen Kanälen – zunehmender Einsatz interaktiver Werbeformen auf Kosten der klassischen Kommunikationskanäle.".

Hätte man sich denken können, wird seit Jahren gefordert, wird aus Zeit- und Ideenmangel nur nie umgesetzt. Die Entschlossenheit, mit der hier seit Jahren vorgegangen wird, bleibt besorgniserregend.
Aber spätestens nach der Krise gibt es keine Entschuldigungen mehr, nicht wahr?

Das alles ist aber auch kein Wunder, sieht man sich das erstaunlichste (oder doch vorhersehbarste?) Ergebnis an:
"Große Ratlosigkeit in Bezug auf Wege aus der Krise – ein Drittel der Entscheider weiß nicht, welche Faktoren in 2009 zum Erfolg führen werden."

Oder ist dies das verheerendste Ergebnis der Studie? Denn eigenlich müßten doch alle längst ihre erfolgbringenden Strategien festgezurrt, wenn nicht zweimal überarbeitet haben. Längst müßten Microstrategies greifen, die eine weitaus höhere Flexibilität und Anpassungsfähigkeit ermöglichen.
Längst müßten Innovationsprogramme laufen, um die Krise bzw. die Zeit danach kurzfristig nutzen zu können.

Ergebnis 4 ("Marketingbudgets trotzen der Krise – Nur ca. 10% der befragten Unternehmen planen das Marketingbudget in 2009 zu reduzieren. In der Mehrzahl der Fälle wird die aktuelle Höhe beibehalten, 15% planen eine Erhöhung.") ist nicht weiter überraschend, entscheiden doch gerade in Krisen nicht die Marketingverantwortlichen, sondern die Geschäftsführer und CEOs, in letzter Minute noch die Millionen des Marketing-Budgets in Profit umzuwandeln.

Positiv klingt der hoffnungsvolle Ausblick der Marketingentscheider, der unter Ergebnis 1 dargestellt ist:
"Lage ernst, aber nicht hoffnungslos – Die Auswirkungen der Krise werden von der Mehrheit der Entscheider als moderat eingeschätzt, Mehrheit erwartet gleichbleibende Umsätze."

Das müssen wir nun nur noch der Politik klarmachen!

Wirklich interessant, danke BBDO Consulting.

Thursday, February 05, 2009

Der Sargnagel für die deutsche Auto-Industrie!?

Oh nein, Miley Cyrus, 16-jähriger Teenie-Star aus Disneys Erfolgsformat 'Highschool-Musical', hat ihren Porsche gegen einen neuen Toyota Prius eingetauscht.

Prius
Image courtesy inquisitr, Prius.

Wohin soll das führen, wenn die traditionellen Statussymbole bei der aufgeweckten Jugend nicht mehr ziehen? Wenn sie neue Standards setzen für eine ganze Generation von Fans? Wenn die VWs, Audis, Porsches, Benzens und BMWs dem nichts entgegenzusetzen haben?


> Via inquisitr "Miley Cyrus swaps Porsche for a Prius ".

Wednesday, February 04, 2009

Wer würde jetzt noch Aktien der Bahn oder des Papstes kaufen?

Ist Mehdorn des Teufels und der Papst katholisch? Man stelle sich den Aktienkurs beider Häuser nach diesen Aktionen vor! Zwei zu heiß gebadet oder nur der Sonne zu nah? Was tun? Von Ralf Schwartz.

Ssteine
Manchmal muß man sich wirklich wundern, wozu Allmachtsphantasien führen können. Wer - wenn schon nicht Politik und Kirche - schützt uns noch vor solchen Menschen? Wie können wir sie stoppen? Warum erkennen Politik und Kirche nicht, mit wem sie sich einlassen?

Wie hätte sich diese Mehdorn-Aktion wohl auf den Aktienkurs der Bahn, das Vermögen des Bundes und das Vermögen der Kleinen Leute ausgewirkt? Diese Aktion läuft auf dem Level "absolut verantwortungslos" und "gemeingefährlich".

Nach der Überwachung aller 220.000 Mitarbeiter sollte für ihn das Ende der Fahnenstange erreicht sein. Zu allem Überfluß jedoch löst er noch Blogosphären-Alarm aus, indem er einen Blogger abmahnte!
In der Blogosphäre jedenfalls hat Herr Mehdorn damit jede Sympathie, jede Kompetenz und jeden Reslekt verloren (siehe allein bei Rivva die Reaktionen unter "Deutsche Bahn AG schickt mir Abmahnung!")

Bei CARTA finden sich die 10 Gründe, warum es ein kapitales Eigentor war, das Blog Netzpolitik abzumahnen: "DB ist der neue DFB", bzw. warum die Bahn nicht mit dieser Abmahnung durchkommen kann. Diese Möglichkeiten sollten die Vorstands-Millionäre und -Strategen der Bahn vielleicht vorab in ihren Szenarien durchspielen!

Ebenso hätte der Papst in einem kurzen Gebet zu sich selbst erkennen können, wie weit er mit der Rehabilitierung eines Holocaust-Leugners neben den aktuellen Vorstellungen aufrechter, liberaler Christen und Juden liegt.

Wie kann es also passieren, das zwei Gesellschaften, die so mächtig und groß sind und in der Öffentlichkeit stehen, solche kapitalen Fehler machen? Und wie kommt es, daß sie die Konsequenzen ihres Handelns nicht mehr abschätzen können? Wie kommt es, daß sie so fernab jeglicher Realität unter ihren Kuppeln (Bahnhof bzw. Dom) regieren?
Wie kommt es, daß ihnen gerade die Menschen, die doch im Endeffekt über den Erfolg von Kirche und Bahn entscheiden, derart egal sind, daß sie solcherart auf ihren Gefühlen herumtrampeln?

Im Grunde ist die Antwort einfach:
1 - Beide sind der Realität entwöhnt in ihren Prachtbauten, verschanzt hinter Mauern und Apparaten, die alles filtern und nur das leichte Rosa durchlassen, das sie hören und sehen wollen.

2 - Beiden hat man zu lange alles durchgehen lassen. Beide konnten schalten und walten wie Sonnenkönige, beide hatten Regierungen und Politiker in ihren Händen, zogen die Fäden, waren irgendwie unangreifbar, weil man vermeintlicherweise meinte, man brauche sie an dieser Stelle.

3 - Die Medien haben keine relevante Gegenöffentlichkeit gebildet, weil die einen sich nicht mit der Kirche, die anderen sich nicht mit Werbungtreibenden und die dritten sich nicht mit der Berliner Politik des Verschweigens und Verdrängens anlegen wollten.
Für die Medien war der Preis zu hoch, den man heute - in der Medien-Demokratie -  für die Reportage der Realität bezahlen muß.

Wie im normalen Management, über das wir immer wieder herziehen, müßten gerade die Staatsunternehmen weitaus transparenter geführt werden, die Kirchen stärker mit ihren Gläubigen kommunizieren. Gerade Telekom, Post, Bahn zeigen die Auswüchse falschen Managements und zu laxer Kontrollinstanzen und -Kompetenzen.

Die Medien müssen sich endlich wieder - nicht allein aus obigen Gründen, sondern vor allem um zu überleben - auf ihre Tugenden der Recherche, der Ausfüllung der Rolle einer weiteren Macht im Staate besinnen, um wieder anerkannt zu werden von ihren Lesern, von ihrem Publikum. Wir brauchen keinen staats-hörigen Journalismus und wir brauchen keinen wirtschafts-hörigen Journalismus.

Wir brauchen mutige Frauen und Männer, die einen Gegenpol bilden und die Herrschaften, die zu nah an ihrer eigenen Sonne segeln, vor sich selbst zu beschützen und auf den Boden der Tatsachen zurückbringen, wenn die Politik dies schon nicht wagt bzw. schafft. Dies sollte man nicht alleine den Blogs überlassen, wenn man noch eine Rolle im Qualitätsjournalismus der Zukunft spielen möchte.

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  • Wie kann ein zweifach Lead Award gekröntes Magazin, das Mitte 2008 im 5. Jahre eingestellt wurde, heute 'aktueller denn je' sein?

    > Dazu muß man nur die 140- Zeichen(!)-Synopsis jeder einzelnen der 50 Ausgaben inhalieren! Enjoy!