Der Spiegel schreibt eine stellenweise hanebüchene Titelstory über das Internet, die Spiegelredakteurin Kerstin Kullmann
höchstwahrscheinlich nicht gelesen hat. Sie hat sich keine eigene Meinung gebildet. Sie weiß nicht, was wahr und richtig ist, ist aber intelligent genug, zu wiederholen, was gerade draussen über das Netz gesagt wird. Denn das ist das Erste, was ihr in den Kopf kommt als sie
unvorbereitet eine letzte Frage vom Moderator gestellt bekommt.
Das ist menschlich, das ist bezeichnend - und sagt viel über die Dummheit des Menschen, die wahre Macht der klassischen Medien, die Gefahren des verlegerischen Journalismus, die Kunst der Politik, die Relevanz der eigenen Selbstständigkeit und Einmischung:
Über die Dummheit des Menschen
Die Dummheit des Menschen ist keineswegs angeboren, sie ist anerzogen, angelernt, eingeübt in langen Eltern-, Schul- und Studienjahren. Wie wir später sehen, ist die fortgesetzte Dummheit des Menschen der primärste Wunsch der Politik.
Wir lernen zu funktionieren und zu repetieren. Das ist wichtig, wie wir an Kerstin sehen. So hat man Antworten parat, die eingängig sind, den Menschen bekannt sind und uns selbst intelligent nach gängiger Definition erscheinen lassen. Nach Jahren der Repetition wollen die Menschen nicht mehr verunordnet werden. Sie wollen nicht das einmal Gelernte infragestellen. Das ist ineffizient. Das erhöht die Komplexität. Das verwirrt.
Je weiter weg die Dinge vom Erleben der Menschen sind, wie zB das Internet,
desto weniger werden sie verstanden, desto weniger werden sie
hinterfragt, desto eher glaubt man denen, denen man immer geglaubt hat, seien dies nachplappernde Lehrer, Freunde, Kollegen, Medien.
Über die wahre Macht der klassischen Medien
Daraus ergibt sich die besondere Verantwortung der Medien: Sie müssen Vermittler von Wissen sein, Erklärer und Erheller. Sie müssen Pro & Contra abwägen, Hintergründe sich erarbeiten und den Menschen darstellen. Sie müssen die Menschen entwickeln.
Aber auch in den Medien sitzen nur Menschen wie Kerstin Kullmann, also Menschen wie Du und Ich (auch wenn sie selbst das oft anders sehen: allwissend, gottgleich und im Besitze der endgültigen Wahrheit), die die gleichen Lehrer hatten, die gleichen Schulen besuchten, das Gleiche nicht lernten und verlernten!
Über die Gefahren des verlegerischen Journalismus
Zu nah ist der verlegerische Journalismus an der Macht, zu sehr versteht er, diese zu nutzen, zu abhängig ist er vom Ruhme, dem Gelde und der Ehrerbietung der Massen, wird er doch als der wahre Intellektuelle gesehen in einer Zeit, in der die Philosophen und Weisen längst ausgerottet, der Ökonomie der Aufmerksamkeit zum Opfer geworden sind.
Zu sehr widmet er sein bißchen Phantasie der Verteidigung seiner Pfründe, statt in seine Zukunft zu investieren, zu sehr hat er verlernt, der Entrepreneur, der Unternehmer zu sein, zu nah war er der Ikarusschen Sonne, hat sich dort sein Hirn verbrannt und jeglichen Mut verloren.
Genau dies aber macht ihn so gefährlich, klebt er doch mit aller Macht an der gleichen. Läßt nicht locker, geht über die Leichen seiner eigenen Qualität, Journalisten, Leser und ihrer Freiheit.
Über die Kunst der Politik
Stärker als je zuvor geht es heute um Deutungshoheit. Längst geht es
nicht mehr um Realität. Es geht nur noch darum, wie die Interpretation
der Realität verkauft werden kann zum Besten des Politikers. Es geht nicht mehr darum, das Volk zu retten oder dessen Zukunft gar, es geht nur noch darum, sich selbst zu retten.
Die Kunst der Politik ist, keine Politik mehr zu machen. Die Kunst der Politik ist, Emotionen gegen etwas zu erzeugen, nicht für etwas. Die Kunst ist, zu verführen, nicht zu überzeugen. Die Kunst der Politik ist, die Menschen für dumm zu verkaufen und ihnen gleichzeitig das Gegenteil vorzugaukeln. Die Kunst ist, Feindbilder so früh aufzubauen, daß die Menschen sie längst inhaliert haben, wird es plötzlich gefährlich eng für die Politik, und sie diese Karte (Terrorismus, Kinderpornographie, etc.) spielen kann.
Über die Relevanz der eigenen Selbstständigkeit und Einmischung
Der Einzelne muß verstehen, daß es keine Politik für, sondern nur eine Politik gegen ihn gibt. Der Einzelne muß verstehen, daß Medien und Politik nicht an Fortschritt und Wandel interessiert sind. Der Einzelne muß verstehen, daß dies diametral zu seinen Interessen ist.
Nur, wenn der Einzelne sich entwickelt, über sich hinauswächst, kann es Wandel und Fortschritt geben, kann er nie gekannten Wohlstand erleben.
Dafür aber müssen die alten Strukturen fallen, da sie der Zukunft im Wege stehen. Das war schon immer so und wird auch immer so sein!
Je weniger wir uns für Medien und Politik interessieren, desto weniger werden wir am Wohlstand der Welt teilhaben. Je weniger wir kritisch, selbstständig und selbstbewußt sind, desto weniger werden wir am Wohlstand der Welt teilhaben. Je weniger wir uns einmischen, desto mehr werden uns Medien und Politik aufmischen, ob wir das merken oder nicht.
UPDATE
12:43 Uhr > "Regierung erwägt rückverfolgbaren "Internetausweis" für alle", Golem. "Geh dich aufhängen!", Spiegel. "Bürgerjournalismus mit Gütesiegel", lab.
15:04 Uhr > "Schulsystem mangelhaft", wiwo. Sachen gibt's!
16:32 Uhr > "17000!!! Besucher auf unserm Wahlblog an einem Tag! - Plakat ist ein Riesenerfolg!", WaehltVera. Gemeint ist diese Geschichte: "Wir haben mehr zu bieten".
"Innenministerium plant keinen "Internet-Ausweis" zur Nutzerverfolgung", Heise.
17:51 Uhr > "Die Ohmacht der Bürger", Handelsblatt.
13. August
11:04 Uhr > "Wahlplakate in Zeiten der Politikverdrossenheit", Designtagebuch.
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