"Alles, was wirklich zählt, ist Intuition, sagte Einstein. Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Geist ein treuer Diener. Und er kritisierte: Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat."
Ich möchte nur ganz kurz die für mich 5 zentralen Punkte des Buches von Bas Kast anreißen und Sie dann direkt dieses Buch konsumieren lassen:
I. Gefühle führen!
"Gefühle (wie Hunger, Durst, Ekel, Schmerzen, Angst oder Liebe - Anmerkung rs) geben uns Ziele im Leben, kleine und große, ohne uns bis ins Detail zu diktieren, wie wir diese Ziele erreichen sollen." ... "Gefühle werden immer dann geweckt, wenn etwas für Sie Wichtiges auf dem Spiel steht ..." ... "Unsere Gefühle bestimmen in hohem Maße, welche Teile des Gehirns wir gerade brauchen und welche nicht." ... "Denn Gefühle sind nicht dumm, sie sind kein Gegensatz zum Denken, sondern steuern geradezu unser Denken - und Wahrnehmen: Jedes Gefühl stellt eine ihm eigene Sicht auf die Welt dar."
Unsere Gefühle ändern unsere Sicht der Realität, nicht unser Verstand. Unser Verstand merkt nichtmal wie sehr er von den Gefühlen beeinflußt wird, wenn wir Schönes oder Schreckliches erleben.
II. 11 Millionen zu 45 für die Intuition!
"Obwohl der bewußte Verstand sich gerne für etwas Besseres hält, kommt er, im Vergleich zum Unbewußten, mit minimalen Datenmengen klar." ...
"Wir erleben nur einen winzigen Ausschnitt der Informationen, die unser Gehirn verarbeitet. Hirnforscher schätzen, daß uns weniger als 0,1% dessen, was das Gehirn tut, aktuell bewußt wird."
So schicken die Augen pro Sekunde "mindestens 10 Millionen Bits an das Gehirn, die Haut etwa eine Million, die Ohren 100.000, der Geruchssinn weitere 100.000 und der Geschmackssinn nochmal 1.000 Bits." ...
"Ganz im Gegensatz dazu verarbeiten Sie beim Lesen dieses Satzes nicht mehr als 45 Bits pro Sekunde."
"Unser bewußtes Denken ist zwar fokussiert, verliert aber durch seine Fixierung aufs Detail schnell das große Ganze aus dem Auge." ...
"Dabei macht es einen fatalen Fehler: Der Verstand geht stillschweigend davon aus, daß das, was er beleuchtet, allles ist, was es gibt."
So kann man natürlich keine neuen, überraschenden, innovativen Lösungen finden. So kann man nicht mal über den Tellerrand hinausblicken - denn man geht ja davon aus, daß es nur diesen Teller gibt und nichts darüberhinaus.
III. Kreativität ist keine Sache des Verstandes!
"Neue Ideen, kreative Schöpfungen sind keine Schöpfungen des bewußten Verstands, dafür ist der Verstand viel zu beschränkt. Nein, die Quelle unserer Kreativität liegt im Unbewußten."
"Kreatives Denken ist ... nicht das Resultat der Ratio. Die Ratio ist dazu da, unsere neuen Ideen und Gedanken zu prüfen."
"Wie es scheint, sind kreative Menschen ... permanent offen für die Reize ihrer Umgebung, selbst für vermeintlich irrelevante."
Erst durch die Vermischung im Unbewußten, durch das sich Setzen wird es (vielleicht) relevant, vorher weiß man es nie. Kreativität ist nicht planbar.
Der offene Geist, der in mentalem Überfluß lebt und alles aufsaugt wie ein intellektueller Schwamm, ist kreativer als der Geist, der in geistiger Ödnis sein Dasein fristen muß.
IVa. Der Verstand ist zwar nur bei simplen Tasks überlegen, ...
"Weil der bewußte Verstand nur mit kleinen Datenmengen umgehen kann, mit diesen jedoch sehr präzise, müßte der Verstand bei einfachen Angelegenheiten und/oder solchen, die eine hohe Präzision erfordern, der Intuition überlegen sein - aber auch nur dann." ...
"Nur bei einfachen Sachen sollte man bewußt nachdenken. Sobald es etwas komplexer wird, sollte man den Verstand möglichst abschalten und das Denken dem Unbewußten überlassen!"
IVb. ... Vorsicht ist dennoch geboten!
Denn
1) "Selbt das Unbewußte kann keine gute Entscheidung treffen, wenn Sie es nicht vorher mit den relevanten Informationen füttern." ... "Das Unbewußte komprimiert Informationen zu Intuitionen."
Erfahrung und Expertise ist der beste Dünger der Intuition. Und - besonders wichtig: 'the Beginner's Mind', wie das laienhafte, kindliche Interesse des Liebhabers einer Sache im Zen genannt wird. Nur so kann man die richtigen Fragen stellen, die (intuitiv) den Kern einer Sache erfassen können.
Denn
2) "Es kommt darauf an, seinem Unbewußten Zeit zu lassen - und zwar insbesondere dann, wenn man vor einer schwierigen Entscheidung steht." Der Rat 'nochmal eine Nacht drüber schlafen' hat also seine Berechtigung.
Denn
3) Wir passen die Wirklichkeit unseren Konzepten von ihr an!
"Wir sehen nicht mehr, was da draußen ist, sondern projizieren das, was wir kennen, auf die Außenwelt. Wir pressen die Wirklichkeit in unsere Schemata." ... "Wir sehen nicht mehr, was da draußen ist, sondern unsere Konzepte." Konzepte, die wir uns von der Welt zurechtgebogen haben, mit denen wir bisher gut gefahren sind, mit denen wir bisher erfolgreich waren! Die aber längst überholt sein können. Mythen, an die wir uns immer noch verzweifelt klammern, weil wir sonst keinen Strohhalm mehr greifen können, der uns vor der eigenen Depression bewahrt.
Tiefer möchte ich hier nicht einsteigen. Lesen Sie das Buch selbst. Lernen Sie die Zusammenhänge selbst kennen. Ziehen Sie Ihre Konsequenzen. Vertrauen Sie Ihrer Intuition (in Zukunft) ein wenig mehr zu!
Denn: "Das griechische Wort 'logos' bedeutet sowohl 'Sprechen' als auch Denken'; auf beides haben wir in unserer Gesellschaft immer stärker und immer einseitiger gesetzt."



