"Intuition gilt bei Managern zunehmend als ein Talent von einzigartigem Wert." und "Intuitives Entscheiden gilt dort immer mehr als ein sichtbares Zeichen für die Qualitäten einer Führungskraft." schreibt Gerald Traufetter.
Dies sollte zu einem Paradigmenwechsel beim durchschnittlichen Manager führen - der überdurchschnittliche Manager weiß es schon länger. Und wahre Leader praktizieren dies längst als Part ihrer Talente, haben sogar von klein an ihre Intuition kontinuierlich verbessert.
Trotzdem sind es heute noch die wenigsten Manager, die ihre Intuition nutzen - und noch weniger vervollkommnen ihre intuitive Kraft konsequent.
"Entscheiden, das Damasio als den eigentlichen Zweck des Denkens betrachtet, geht Hand in Hand mit Gefühlen und Emotionen." Entscheiden als einziger Zweck des Denkens - daß das mal kein Manager hört.
"Die Fähigkeit des Menschen, einen Sinnesreiz bewußt zu verarbeiten und nicht mit einem einfachen Instinkt darauf zu reagieren, zeichnet ihn unter den Lebewesen aus."
Meine Frage: Warum tut er es dann nicht?
"Der Mensch ist in der Lage innezuhalten."
Meine Frage: Warum tut er es dann nicht?
"Er kann sich seine Vorurteile bewußt machen und sein Verhalten korrigieren."
Meine Frage: Warum tut er es dann nicht?
"Er kann Absichten für sein Handeln festlegen."
Meine Frage: Warum tut er es dann nicht?
Antwort: "Bewußte Aufmerksamkeit ist ein begrenzter Luxus und als solcher äußerst kostbar."
Der Mensch hält nicht inne, macht sich nicht seine Vorurteile bewußt, korrigiert nicht sein Verhalten, legt nicht Absichten für sein Handeln fest, weil er sich diesen Luxus heutzutage meint, nicht leisten zu können, weil er meint, schneller sein zu müssen als alle anderen, weil er meint, schneller entscheiden zu müssen, als alle anderen.
Falsch! - er muß BESSERE Entscheidungen treffen als alle anderen! Nur die richtige Entscheidung, mit mehr Background, mehr Erfahrung, mehr Information und Wissen, mehr Alternativen und mehr Perspektiven wird ihm (und seinem Team, seinem Unternehmen) Erfolg bringen.
Nicht schneller zu sein als andere muß nicht gleichzeitig bedeuten, langsamer zu sein als andere!
Im Zweifel muß man schlauer sein als die anderen. Das muß man sich erarbeiten. Das muß man lernen. Und am besten lernt man, indem man unbewußt lernt. "Die intuitive Kraft des Gehirns besteht aus vielem unbewußtem Wissen über die Welt."
Dieses Wissen muß man ersteinmal generiert haben. Und man muß mit der Zeit gelernt haben, daß man sich auf seine Intuition verlassen kann. Das geht nicht von heute auf morgen.
Und man muß gelernt zu haben, wissentlich zu entscheiden, ob man eher seine Intuition oder seinen Intellekt bemüht oder gar beide gemeinsam die beste Entscheidung treffen läßt.
Paul Valery: "Intuition ohne Intellekt ist ein Unglück!".
Soweit ein paar Zitate und ein wenig Reflektion auf Basis des Buches von Gerald Traufetter.
Aber: Dies ist das zweite Buch innerhalb kurzer Zeit über unsere Intuition - und ich muß gestehen, es ist nicht das bessere.
Bas Kast (voriger Review) hat mich mit Stil, Informationsgehalt (und vor allem Informationsdichte) stärker beeindruckt als Gerald Traufetter.
Traufetter schreibt leider sehr viel Belangloses um die tatsächliche Geschichte herum. Mich interessiert in dem Moment, in dem ich mich über Intuition informieren möchte, nicht wirklich, welches Auto der zu interviewende Professor in welcher Stadtlandschaft mit welchem Hintergrund fährt.
Derlei Abschweifendes häuft sich, zusammen mit layout-technischen Finessen wie Kapitelüberschriften und kurzen Zitaten auf einer ansonsten jungfräulichen Vorder- und Rückseite, zu stattlichen 111(!) von 315 Seiten an.
Aber dies nur am Rande und weil ein Redakteur bei 'Gehirn und Geist - Das Magazin für Psychologie und Hirnforschung' schreibt: " Traufetters besonderer Vorzug liegt in der Direktheit seines Schreibstils. Er holt nicht erst meilenweit aus, bis er zum Punkt kommt, und enthält sich ausschweifender Erzählpassagen und Beschreibungen, mit denen Wissenschaftsbücher häufig ausstaffiert werden."
Was sagt Eure Intuition? Kast oder Traufetter?



