(Crossposted from mediaclinique)
Ich hatte einen Traum. Ich träumte, wir erlebten heute die größte, nationale Demonstration von Volkes Willen, Meinung und
Einigkeit, die es je gegeben hat.
Ich träumte, wir hätten alle den gleichen Traum
Ich träumte, wir würden Politik, unser eigenes Schicksal, unsere Zukunft genauso ernst nehmen wie ein Fußballspiel.
Ich träumte, wir würden heute ein Zeichen setzen gegen diese Regierung in Berlin und ihre Politik. Träumte, wir würden alle an einem Strang ziehen, erkennen, daß wir in einem Boot sitzen, einfürallemal der Politik klarmachen, daß sie momentan dieses Land gegen die Wand fährt.
Ich träumte, wir würden heute dieser Regierung - und der ganzen Welt - zeigen, daß wir es ernst meinen, daß es so nicht weitergeht, daß die Politik die Sommerpause nutzen kann, um eine Vision zu entwickeln - und einen fairen, gerechten, zukunftsfähigen, herausfordernden Plan, diese Vision zu realisieren.
Ich träumte, wir gäben dieser Regierung keine Sommerpause, sondern nur eine letzte Chance (ich träume schon gar nicht mehr, diese Regierung würde von selbst und alleine auf diese Idee kommen).
Ich träumte, wir setzten ein Zeichen - und bereiteten dies so vor:
- Alle Deutschland-Flaggen allüberall wurden heute geschwärzt.
- Alle Deutschland-Rückspiegel-Kondome wurden heute geschwärzt.
- Alle Blüten-Kränze wurden heute geschwärzt.
- Heute trugen alle nicht das weiße, sondern das schwarze Trikot.
Ich träumte, wir setzten ein Zeichen - und kommunizierten dies so:
- Jedes Blog und jedes traditionelle Medium crosspostete diesen Artikel.
- Jeder, der dies las, tweetete, likedte(?), facebookte, diggte, verbreitete es.
- Jeder, der dies las, mailte den Text an Freunde, Bekannte,
Geschäftspartner.
- Jeder, der dies las, übersetzte den Text in seine Muttersprache und sendete ihn in sein Heimatland, wo die internationale Presse das Thema aufgriff.
- Jeder, der dies las, druckte diese Zeilen aus und tackerte sie an den
nächsten Baum, legte das Flugblatt in der nächsten Kneipe, seiner Schule, seiner Firma
aus, las den Text seinen Eltern vor, hängte ihn in den nächsten Aufzug.
Ich träumte, wir setzten heute ein Zeichen - und zwar einfach so:
- Von allen Autos, Fenstern und Dächern wehten nur schwarze Flaggen.
- Auf allen Public Viewings wehten nur schwarze Flaggen.
- Auf allen Public Viewings erklangen 90 Minuten vor Spielbeginn keine Vuvuzelas, keine Sirenen, kein lauter Applaus.
- Auf allen Public Viewings gab es 90 Minuten vor Spielbeginn nur Stille und Schweigen, 90 Schweigeminuten gegen die Berliner Un-Politik.
90 Schweigeminuten von Hunderttausenden. 90 Schweigeminuten von Millionen Menschen. 90 Schweigeminuten gegen das beredte Schweigen. 90 Schweigeminuten gegen die Berliner Apathie. 90 Schweigeminuten gegen unser aller Lethargie.
Ich hatte einen Traum. Dann wurde ich wach. Alle anderen schliefen noch ...