Im werbeblogger schrieb ich vor wenigen Tagen über die Service-Mentalität von Mercedes und Smart - und über die Mentalität der Menschen, die diesen Service überwachen und garantieren sollen (und schon früher über den neuen Slogan).
Wie man in vielen Kommentaren erkennen kann, bin ich nicht der einzige, dem Ähnliches im Service widerfahren ist - und ist Mercedes bzw. Smart mitnichten die einzige Automarke, bei der es Markenprobleme durch die Diskrepanz von kommuniziertem Image und tatsächlich gelebtem Selbstverständnis gibt.
Wie ich in meinen lead/marke-Beratungsgesprächen nie müde werde zu predigen, muß die Marke zuerst das Unternehmen durchdringen. Vor allem aber - so meine Talent- Change-Management-Philosophie - muß jegliches Verhalten, das man von seinen Mitarbeitern, Markenbotschaftern oder Unternehmensrepräsentanten im weitesten Sinne erwartet, vom Management explizit vorgelebt werden. Vorgelebt durch Tun und Lassen, durch ganzheitliches Handeln, durch Golden Rules, Prinzipien, Grund- und Leitsätze, die erlebbar - und nicht erlesbar sind.
Ein Vorstand kann nicht eine nach außen gerichtete Kommunikation lancieren und von den Menschen intern erwarten, diese automatisch und auf Knopfdruck zu leben. Das muß geübt, einstudiert, trainiert werden.
250.000 Menschen müssen im wahrsten Sinne des Wortes inspiriert werden, die neue Wertewelt an ihrem speziellen Arbeitsplatz mit den speziellen Prioritäten dieses Arbeitsplatzes zu leben, selbst individuell mit Leben zu füllen. Sie müssen lernen, die neuen Werte zu verstehen, zu repräsentieren und auch wieder an andere weiterzugeben, selbst vorbildlich vorzuleben.
Will man es richtig machen, trainiert man all dies zuallererst eine Weile, übt die Ecken, Frei- und Strafstöße, schult die Theorie und stärkt die Kondition - und wagt sich dann erst in die Bundesliga, um dort Meister aller Klassen zu werden. Da reicht ein knackiger Slogan einer ebenso knackigen Agentur nicht. Das sind Lippenbekenntnisse, die weder dem Unternehmen noch der Marke noch der Unternehmenskultur helfen können. Jeder Einzelne muß Zeit und Gelegenheit bekommen, über sich hinauszuwachsen.
Die übereilte Einführung eines neuen Slogans wie "Das Beste oder nichts" ist kontraproduktiv für alle Beteiligten, und zeigt nur die Verzweiflung, in der sich das Management zu befinden scheint, das Ruder schnellstmöglich herumreißen zu wollen.
Hyperaktivität, Impulsivität und Konzentrationsschwäche sind kein guter Ratgeber in einer Situation, in der es auf Besonnenheit von Entscheidung und Handlung ankommt, auf eine ruhige Hand, denn nur diese kann wieder "das Beste" liefern.
Das Management muß diese ruhige Hand vorbildlich vorleben. "Das Beste" kann nur durch Vertrauen, Teamarbeit, eine klare Vision und klare Ziele bis hinunter zum Besen der letzten Werkstatt realisiert werden.



